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Full text of "Medicinische Woche V 8.1907"

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Medicinische Woche 

mit der Beilage 

Therapeutische Rundschau. 

Offizielles Organ des Schwarzwaldbädertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebäder 

und des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 


Herausgeber: 


R. Deutschmann, A. 

DQhrssen, 

A. Hoffa, 

E. Jacobi, 

R. Robert, 

M. Koeppen, 

Hamburg. 


Berlin. 

Berlin. 

Freiburg i. Br. 

Rostock. 

Berlin. 

K. Partsch, 

H. Rosin, 

H. Schlange, 

H. Senator, 

R. Sommer, 

H. Unverricht, 

A. Vossius, 

Breslau. 

Berlin. 

Hannover. 

Berlin. 

Gießen. 

Magdeburg. 

Gießen. 


Redaktion der Medicinischen Woche: 

Dr. P. Meißner, Berlin. 

Redaktion der Therapeutischen Rundschau: 

Dr. H. Lungwitz, Berlin. 


Jahrgang 1907. 



Halle a. S. 1907. 

Carl Marhold Verlagsbuchhandlung. 


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Sach-Register der Medicinischen Woche. 


Originalartikel. 

Apparate, Die Grundsätze der modernen 
tragbaren orthopaedischen —. Ghiula- 
mila 277, 287, 297, 808 

Augenkranke, Die Behandlung — durch 
den prakt Stadt- und Landarzt Frei¬ 
tag, München 121 

Brucheinklemmung, Ueber — des Wurm¬ 
fortsatzes. Mohr, Bielefeld 849, 862 
Diabetes mellitus, Ueber die Behandlung 
des —. Wetschtomow 503, 515 

Diabetes mellitus } Zur physikalisch-diäte¬ 
tischen Therapie des —. Freund 395 
Druckgefühl, Einiges über das epigas- 
triscne —. Rosin 387 

Erkrankungen, Beitrag zur Kasuistik der 
reflektorischen von Nase, Ohr und Hals 
ausgehenden—. Einis 255 

Eukasin, Einige experimentelle Unter¬ 
suchungen üoer den Nährwert des —. 
Winterberg, Wien 133, 148 

Formamint, Erfahrungen mit — in der 
allgemeinen Praxis. Flatow 471 
Haut, Ueber die Bedeutung der — und 
ihrer Pflege. Lungwitz 441 

Herzens, Die Superposition von Erwei¬ 
terung auf Neurosen des —. Franze, 
Nauheim 233, 244, 256, 267 

Herzkranke, Die Anstaltsbehandlung der — 
und ihre Indikationen. Büdingen, Kon¬ 
stanz 49, 61 

Hydrolyse, die Bedeutung der — bei Dia¬ 
betes. Scherk 493, 503 

Konjunktivitis, Ueber die Behandlung der 
akuten infektiösen —. Tschumakow 

267 

Krebsfrage, .Zur. Edel 297 

Lokalanästhesie, Zur Frage der — nach 
der Methode von Schleich. Rosanow 

551, 562, 573 

Nasen- und Halskrankheiten, Was muß 
der Arzt von — wissen? Bresgen, 
Wiesbaden 73, 85, 97, 111 

Nordseebäder, Die Bedeutung der — als 
Winterkurorte 527 

Nordseebäder, Ueber die Stellung der — 
in der heutigen Balneologie. Nicolas 

417, 429 

Ohreneiterung, Abszesse des Gehirns in¬ 
folge von—. Trofimow451, 46t, 474,481 
Opsonin-Theorie, Einiges über die Wright- 
sche — und deren praktische Verwen- 
ung. Vogt 307, 317, 327 

Phthiseotherapie und Ostseeklima. Guth- 
mann 383 

Pleuritiden, Zur Frage der Aetiologie der 
serös fibrinösen—, Rutschinski 397,407 


Praktische Medicin, Universität, ärztliches 
Fortbildungswesenund Akademien für—. 
Meißner 361 

8ehnenoperationen, Die Resultate der — 
in der Hoffa sehen Klinik. Glässner 539 
Syphilistherapie, Eine neue —. Meißner, 
Berlin 243 

Seife, Ueber den innerlichen Gebrauch 
der — als Arzneimittel. Senator, Berlin 

159 

Stauung, Bierache — in der inneren Medi¬ 
cin. Zabel, Rostock 171, 185, 197, 209, 

223, 234 

Tierlymphe, Züchtung der —. Schenk 
Berlin 109 

Trinkkuren, Ueber die Diät bei —. Strauß, 
Berlin 221 

Tuberkulosis pulmonum, Zur Frühdiagnose 
der —. Dtinges, Schömberg 160 
Ueberftttterung, Lungwitz 371, 384 
Wochenbettpflege, Der heutige Stand 
der — Krömer, Gießen 1, 13, 25, 37 

Feuilleton. 

Allerlei vom Aerztetaga. Cohn 308 
Amerika, Eine Reise auf der „Amerika“ 
nach —. Clemm, Darmstadt 2, 14, 26, 
38, 50, 62, 74, 86, 98 
Fortschritte, Die — der baineologischen 
Wissenschaft Scherk 338, 350 ; 362 
Hygiene und Demographie, XIV. inter¬ 
nationaler Kongreß für —. Cohn 472, 

482 

Kurpfuschertum, Zur Bekämpfung des —. 

122, 134, 148, 160, 172, 186 
Lord Lister 80 Jahr. Meißner, Berlin 

165 

Medicin, Populäre — vor 200 Jahren 110 
Medicinisches aus der schönen Literatur. 

Hirschberg 372, 384, 396, 408 

Pathologie, Die — der Bibel. Peters 552, 

502, 574 

Pyrmont in alten Zeiten. Roth 268, 278, 

288, 298 

Kindertuberkulose und der Talmud. Gar- 
rault 442, 452, 462, 473, 483, 494, 604, 

516, 528, 540 

8eereisen zu Heil- und Erholungszwecken. 

Roth 418, 430 

Silber, Das — als Arzneimittel. Roth 

318, 328 

Winterfrische im Riesengebirge. Franck, 
Berlin 198, 210, 222, 234, 244, 256 

Bücherbesprechung. 

Arzt, Der — in Vergangenheit und 
Gegenwart. Wengler 348 


Augenerkrankungen, Ueber Diagnose und 
Behaudlung äußerer —. Lange 132, 266 
Augensalbe, Ueber den Heilwert der 
gelben —. Gelpke, Karlsruhe 170 
Blinddarmentzündung, Ueber —. Wann 
soll operiert werden? Baumgärtner, 
Baden-Baden 72 

Chirurgie, Die — des Auges. Terrien- 
Kaunmann 144 

Epilepsie, Die —. Buschau 266 

Ethik, Sexuelle —. Forel, Paris 108 
Gallensteinkrankheit, Die interne und 
chirurgische Behandlung der —. Kehr, 
München 83 

Genies, Aus der Werkstatt des drama¬ 
tischen —. Rahm er 335 

Geschlechts Übergänge, Wirkungen männ¬ 
licher und weiblicher Geschlechtscharak¬ 
tere. Hirschfeld, Charlottenburg 83 
Gonorrhöe und Ehe. Kornfeld 232 
Hämorrhoiden, Die chirurgische Behand¬ 
lung der —. Schlacht, Königsberg 71 
Herpes zoster ophthalmicus. Osterroht 220 
Hyperämie, Die Heilung lokaler Infek¬ 
tionen mittels —. Manninger, Budapest 

83 

Kehlkopftuberkulose, Die Therapie der —. 
Grünwald 282 


Körperverletzungen, Die Untersuchungen 
von — insbesondere der tödlichen. 
Kurtz, Düsseldorf 71 

Kurzsichtigkeit, Die Bekämpfung der —. 

K. v. Ziegler 132 

Lexikon, Ein biographisches -r- der Deut¬ 
schen Universitätsdozenten. Zieler, 
Berlin 12 

Lungenleiden bei Diabetes mellitus. Groe- 
nouw 132 

Meningitis, Tod durch — nach fehler¬ 
haften Versuchen, einen Stein aus dem 
Ohr zu entfernen. Schwartze 305 
Neurosenlehre, Sammlung kleiner Schriften 
zur —. Freund, Wien 118 

Operationen, Aseptische — im Priyathaus. 
Stadler 83 


Organ- und Bluttherapie, Die —. Magnus 

241 


Orthopädie, Zehn Jahre — und Röntgen¬ 
ologie 1896—1906. Immelmann 295 
Paracelsus der Ueberarzt Magnus 195 
Paralyse, Die progressive —. Neumann 

196 


Regenbogenhaut, Die Syphilis der —. 

Krückmann, Breslau 144 

Rhinosklerom, Das —. Töplitz 59 
Röntgenstrahlen, Fortschritte in der An¬ 
wendung der —. Rosenthal 295 
8amaritertätigkeit, Die in das Gebiet der 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 6«. 


t▼ 


—fallend en V erletzungen, Erkrankungen 
und Unglücksfälle. Bode, Thale a. H. 

83 

Schfideldurchschnitte, Vier sagittale — 
in Bild und Wort als Erklärung zu den 
Gipsmodellen der Nasenhöhle und ihrer 
Nebenräume. Betz, Heilbronn 60 
Schmerz Verhütung, Die — in der Chirur- 
’e. Witzei, Wenzel, Hackenbruch, 
ünchen 72 

Skoliosenbehandlung, Die — des prak¬ 
tischen Arztes. Müller 325 

Trachombehandlung, Ein Vorschlag zur 
—. Hirsch, Halberstadt 144 

Wirbelsäulenerkrankungen, Ueber die or¬ 
thopädische Behandlung der —. Vulpius 

369 

Zungenmandel, Die Erkrankungen der —. 

Katz, Berlin 60 

Zurechnungsfähigkeit, Ueber die — des 
normalen Menschen Forel, Paris 118 


Sitzungsberichte. 

Berlin. 

Berliner medicin. Gesellschaft. 12. XII. 
06 S. 5. 19. XU 06 S. 15. 9. L 07 

S. 41. 16.1. 07 S. 65. 23. I. 07 S. 75. 
30. L 07 S. 88. 6. H. 07 S. 100. 13. 
H. 07 S. 124. 20. IL 07 S. 162. 27. 

H. 07 S. 174. 6. HL 07 S. 190. 20. IH. 
07 S. 201. 24. IV. 07 S. 260. 1. V. 07 
S. 261. 8. V. 07 S. 271. 15. V. 07 

S. 320. 29. V. 07 S. 339. 5. VI. 07 
S. 339. 12. VI. 07 S. 340. 19. VI. 07 

5. 341. 26. VI. 07 S. 466. 3. VII. 

07 S. 477 10. VH. 07 S 485. 17. 

VH. 07 S. 485. 24. Vn. 07 S. 498. 

23. X. 07 S. 663. 30. X. 07 S. 564. 

6. XL 07 S. 575. 

Berliner ophtbalmol. Gesellschaft. 14. HL 
07 S. 163. 20. VI. 07 S. 329. 18. 

VII. 07 S. 386. 

Gesellschaft für Geburtshülfe und Gynae- 
kologie zu Berlin. 9. XL 06 S. 4. 23. 
XL 06 S. 4. 14. X1L 06 S. 16. 11.1. 
07 S. 63. 25. L 07 S. 89. 8. IL 07 

S. 112. 22. H. 07 S. 112. 8. HI. 07 

S. 151. 22. III. 07 S. 189. 26. IV. 07 

S. 238. 14. VI. 07 S. 311. 28. VI. 07 

S. 341. 25. X. 07 S. 519. 8. XI. 07 

S 542. 

Verein für innere Medicin in Berlin. 3. 
XU. 06 S. 8. 21. I. 07 S. 90. 7. VH. 
06 S. 66. 

Gesellschaft für Psychiatrie und Nerven¬ 
krankheiten in Berlin. 5. XL 06 S. 6. 
10. VL 07 S. 301. 


Hamborg. 

Aerztlicher Verein Hamburg. 13. XL 06 
S. 16. 20. XI. 06 8. 6. 27. XL 06. 

4. XH. 06 S. 41. 11. Xn. 06 S. 51. 

18. XH. 06 S. 65. 8. I. 07 S. 76. 

15. I. 07 S. 76. 22. I. 07 8. 91. 29. 

I. 07 S. 101. 5. H. 07 S. 136. 12. IL 
07 S. 164. 19. IL 07 S. 152. 26. H. 
07 S. 175. 5. HL 07 S. 164. 12. HI. 
07 S. 191. 19. HI. 07 8. 202. 

Xflnohtn. 

Aerztlicher Verein Mfiachen. 14. XL 06 
ß. 7. 12. XIL 06 S. 90. 13. II. 07 

8. 227. 10. IV. 07 S 281. 8. V. 07 

5. 290. 29. V. 07 S. 477. 12. VL 07 

S. 477. 26. VH. 07 S. 486. 16. X. 

07 S. 553. 

Freiburg. 

Naturforschende Gesellschaft Freiburg i.B. 

14. XI. 06 S. 29. 28. XI. 06 S. 8. 

Breslau. 

Schlesische Gesellschaft für vaterländische 
Kultur. 26. X. 06 S. 28. 9. XL 06 

S. 29. 28. XI. 06 8. 42. 30. XI. 06 
8. 113. 14. XH. 06 S. 113. 18.1. 07 
S. 126. 1. II. 07 8. 136. 8. H. 07 

S. 215. 22. n. 07 S. 215. 16. HI. 07 
S. 301. 22. HI. 07. 10. V. 07 S. 310/311. 
31. V. 07 S. 330. 7. VI. 07 S. 362. 

21. VI. 07 S. 386. 12. VH. 07 8. 399. 

II. X. 07 8. 507. 18. X 07 8. 507. 

26. X 07 S. 552. 8. XI. 07 8. 553. 

15. XI. 07 S. 565. 

Oetterreioh. 

Gesellschaft für innere Medicin und Kinder¬ 
heilkunde in Wien. 22. XL 06 S. 77. 
13. XH. 06 S. 102. 10. I. 07 S. 137. 

7. HI. 07 S. 249. 23. V. 07 S. 374. 

13. VI. 07 S. 456. 

X k. Gesellschaft der Aerzte in Wien. 
26. X. 06 8. 8. 2. XI. 06 8. 9. 9. XI. 
06 8. 9. 23. XI. 06 S. 77. 30. XI. 06 

8. 102. 11. L 07 S. 137. 22. H. 07 

8. 249. 15. IH. 07 S. 291. 12. IV. 

07 8. 291. 26. IV. 07 S. 291. 9. V. 
07 S. 291. 1. VL 07 8. 374. 15. VI. 
07 S. 374. 21. VI. 07 S. 466. 28. 

VI. 07 S. 456. 

Verein deutscher Aerzte in Prag. 30. X, 
07 S. 505. 14. XI. 07 8. 677. 29. XI. 
07 S. 577. 

Congresse. 

Balneologen-Congreß zu Dresden. 2.—6. 

HL 06 22 

VH. Jahresversammlung des Vereins der 
Badeärzte der Ostsee 35 


XXXVI. Kongreß der deutschen Gesell¬ 
schaft für Chirurgie zu Berlin 178, 188, 
200, 218, 224, 237, 247 
XXTV. Kongreß für innere Medicin 211, 
286, 246, 258, 269 
XVL Versammlung der Deutschen otolo- 
gischen Gesellschaft 279, 289, 300, 810, 

819 

XTV. Internationaler Congreß für Hygiene 
und Demographie 454, 465, 475, 496, 

506 

Neue Entscheidungen des 
Reichsgerichtes. 

Der Verkauf einer ärztlichen Praxis ver¬ 
stößt gegen die guten Sitten und ist 
deshalb nicht rechts wirksam 325 

Ist die Ausübung der ärztlichen Praxis 
als versicherungspflichtiger Gewerbebe¬ 
trieb zu betrachten? 326 

Stillschweigendes Einverständnis 525 

Nekrologe. 

Bergmann, Emst von. H Engel, Berlin 

147 

Möbius 28 

Tilkowaky, Adalbert 160 

Standesfragen. 

Aerztekammer für die Provinz Branden¬ 
burg und den Stadtkreis Berlin. Cohn, 
Berlin 91, 261 

Deutscher Aerztetag, XXXV., zu Münster 
i. W. am 21. und 22. Juni 1907. Cohn 

812, 821 

Ein wichtiger Beschluß des Leipziger 
Verbandes zur freien Arztwahl 559 
Fürsorgestelle, Die — für Lungenkranke 
in Cnarlottenburg. Cohn, Berlin 186 
Ist eine Aerzte Vereinigung berechtigt, den 
Standesausschluß eines Nichtmitgliedes 
zu erklären 227 

Siebente ordentliche Hauptversammlung 
des Verbandes der Aerzte Deutschlands 
zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Ver¬ 
hältnisse zu Münster i. W. am 20. Juni 
1907 318 

Standeafragen. Cohn, Charlottenburg 9, 52 

Monatsschau. 

Gynäkologie. Zickel, Berlin 30, 43, 66, 
78, 139, 153, 289, 250, 281, 362, 420, 

478, 486, 566 


Periodische Literatur. 


A. 

Abdominaltyphus, Zur Epidemiologie des. Poll&k 254. — Ab¬ 
dominaltyphus, Klinische Beobachtungen über den Wiener - Schle¬ 
singer Wien 450. — Abort, Zur Frage spontaner Zervixverletzung 
beim - und deren forensische Bewertung. Blumreich 487. — Abort¬ 
behandlung , Ambulante. Rosenthal 183. — Abriß fraktur, Ein 
Fall von - eines Dornfortsatzes, v. Fritsch 326. — Absprengung 
von Wirbeldomfortsätzen durch Muskelzug. 8auer 447. — Achylia, 
Ueber - gastrica. Brünner 381. — Acokanthera 8chimperi, Ueber 
- als Mittel bei Herzkrankheiten. Lewin, Stadelmann 33. — Adam- 


Stokesche Krankheit, Ueber die Registrierung der Kontraktionen 
des linken Vorhofes bei einem Fall von. Joachim 180. — Addi- 
sonsche Krankheit, Ein Beitrag zur Kenntnis der. Stursberg 323. 
— Affektepilepsie, Die -, eine klinisch von der echten Epilepsie 
abtrennbare Gruppe. Bratz, Leubuscher 803. — Agglutinations¬ 
prüfung, Eine einfache und beqneme • durch den praktischen Arzt 
mit gefärbten Präparaten. Goesner 418. — Agglutinine, Klinische 
und experimentelle Untersuchungen über die Ausscheidung von - 
durch den Ham Typhuskranker. H&ßlin 342. — Agglutinine, 
Ueber - und spezifische Immunkörper im Gonokokkenserum. Ver- 


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100?. 


MÄDICINISCHE WOCHE. 


V 


vurod 31. — Agglutinine, Uebcr das Verhalten der - im passiv 
immunisierten Organismus. Pribram 46. — Aktinomykose, Ein 
Pall - der großen Zehe. Külbs 107. — Aktinomykose, Ueber - 
der weiblichen Genitalien. Neunhäuser 579. — Aktinotherapie, 
Ueber den derzeitigen Stand und die Aussichten der. Müller 545, 
548. — Albuminurie, Zur Kenntnis der orthatischen. Heubner 80. 

— Albuminurie, Ueber jeweilige physiologische. Ullmann 129. — 
Alexinerzeuger, Die Blutplättchen als. Ottolenghi 332. — Alexin¬ 
probe, Die klinische. Moro 376. — Alexinprobe, Zur klinischen -. 
Getrennte Alexin-Zwischenkörperbestimmung. Moro 520. — Alko¬ 
hol, Der - in der Geburtshilfe und Gynäkologie. Theilhaber 103. 

— Alkoholinjektionen, Ueber Erfolge und Gefahren der - bei 
Neuritiden und Neuralgien. Fischer 528. — Alkoholismus, Zur 
Therapie des chronischen. Mullert 59. — Alypin, Erfahrungen 
über die Verwendung des - in der Ohrenheilkunde. Bürkner 304. 

— Ambozeptoren, Ueber die Spezifität der. Eysbroek 533. — 

Anaemia, Ueber Pathogenese und Therapie der - splenica infan¬ 
tum. Wolff 21. — Anämie, Ueber perniziöse. Plehn 424. — 
Anämie, Zur Lehre von der perniziösen. Mosse 426. — Anämie, 
Ueber perniziöse. Plehn 411. — Anämie, Schwere akute - nach 
Gelenkrheumatismus. Mann 572. — Anämien, die Behandlung der. 
Sittmann 55. — Anämien, Die Behandlung schwerer - mit Blut¬ 
transfusionen. Moranik 322. — Anämien, Die moderne Behand¬ 
lung der. Hirschfeld 536. — Anaöroben, Bemerkungen über die 
Züchtung von strengen - in aörober Weise. Wrzoick 46. — 
Aneurysma, Ueber ein durch Gelatineinjektionen wesentlich ge¬ 
bessertes • der Arteria anonyma. Grünberger 182. — Angina 
typhosa ulcerosa, Ueber die diagnostische Bedeutung der. Blums 
18. — Angina, Elin Fall von - am Ende der Gravidität mit töd¬ 
licher Streptokokkensepsis im darauffolgenden Wochenbett. Merkel 
435. — Angioma arteriale racemosum, Zur Behandlung des. 

Körte 656. — Anguillula, Einige Bemerkungen über - (Strongy- 
loldes) intestinalis. Bruns 354. — Ankylose, Ein Fall von kon¬ 
genitaler, familiärer - der Fingergelenke. Goldflam 19. — Anky¬ 
lose, Ueber angebor re - der Fingergelenke. Lamäris 19. — 
Anthrax, Die Behandlung bei äußerem. Lengfelder 11. — Anti¬ 
körper, Ueber Konkurrenz der. Brezina 469. — Antiseptik, Zur 

— in der Geburtshilfe. Theopold 154. — Antistoffe, Kurze Mit¬ 
teilangen zu dem Aufsatz von Prof. Wassermann und Dr. Plaut 
über syphilitische - in der Zerebrospinalflüssigkeit von Para¬ 
lytikern. Bab 31. — Antitoxin, Ueber • und Eiweiß. Hamburger 
126. — Antituberkulin, Ueber das Vorhandensein von - im tuber¬ 
kulösen Gewebe. Wassermann, Bruck 11. — Antituberkuloseserum, 
Heilerfolg, Giftwirkung und opsonischer Index bei Behandlung mit 
Marmoreks. Baer 555. — Anus anomalus vulvovestibularis, Opera¬ 
tive Heil, eines - bei einem Säugling. Kroemer 193. — Anus, Zur 
Höhe d. Erwerbsbeschränkung nach Heilung eines - praeternaturalis. 
Mayer 54. — Aortenelastizität, Ueber den Einfluß der - auf das 
Verhältnis zwischen Pulsdruck und Schlagvolumen des Herzens. 
Straßburger 448. — Aortensklerose, Weitere Untersuchungen über 
den Blutdruck und die Herzhypertrophie bei. 342. — Appendi¬ 
zitis, Beitrag zur internen Behandlung der. Pfister 57, 71. — 
Appendizitis, Die Pathologie der. Flesch 114. — Appendizitis, 
Wattepropf im Eiter bei. Ullmann 390. — Appendizitis, Ueber 
ein diagnostisches Symptom bei. Blennberg 403. — Appendizitis, 
Ueber ein diagnostisches Symptom bei. Tretzel 610. — Appendi- 
zitisfrage, Zur. Garhammer 166. — Appendizitis, Die interne Be¬ 
handlung der - u. d. Indikationen z. Chirurg. Eingreifen bei derselben. 
Jordan 229. — Appendizitis, Kongestive Zustände in der weib¬ 
lichen Genitalsphäre und. Glücksmann 549. — Appendizitis und 
Appendixkarzinom. Brandts 571. — Appendizitis, Zur Pathologie 
des Frühstadiums der. Peiser 571. — Appendixschnitt, Der zu¬ 
verlässigste - und seine Verwendung für die Ligatur der Art. 
illiaca ext., Beseitigung von Schenkelhernien, zu größeren intra¬ 
abdominalen Operationen. Riedel 282. — Apraxie, Zur Frage der 
Abgrenzung der ideatorischen. Marguliös 438. — Arachnitis ad- 
haesiva cerebralis, Zur Kenntnis der umschriebenen. Placzek, 
Krause 513. — Axbeiterversicherungsgesetz, Das neue - in Ungarn 
und die Aerzte. Hahn 131. — Arsen, Ueber den Einfluß des - 
(Val Sinistrawasser) auf den Stoffwechsel. Lardelli 11. — Arsen 
als Gift und Heilmittel. Maaß 346. — Arteriitis, Ein Fall von - 
obliter&ns absoendens nach Trauma. Rupfle 115. — Arteriosklerose, 
Ueber die Elastizität der Aorta bei beginnender. Straßburger 291. 


— Arteriosklerose, Ueber abdominale - (Angina abdominis) und 
verwandte Zustände. Perutz 388, 402. — Arteriosklerose, Ueber 
die genuine - der Lungenarterie. Mönckeberg 532. — Arterio¬ 
sklerose, Ueber die - und ihre Behandlung. Senator 536. — 
Arteriosklerose, Die moderne Behandlung der. Baumgaertner 582. 

— Arthritiden, Zur Behandlung chronischer - mittels Fibrolyain. 
Salfeld 117. — Arzneiexanthem, Ein Fall von - mit ungewöhn¬ 
lichen Allgemeinerscheinungen. Gregor 332. — Arzneimittel, Neue 
-, Spezialitäten und Geheimmittel. Zemitz 32, 105, 449. — 
Arzneiverordnung und Pharmakopoe. Bachem 32. — Asepsis, 
Improvisierte. Große 487. — Assoziationsversuche, Die diagnosti¬ 
sche Bedeutung der. Isserlin 446. — Aspirin als schmerzstillendes 
Mittel bei Nierensteinkolik. Hornung 229. — Asthma, Ueber die 
Anwendung des Morphiums bei. Goldschmidt 427. — Asthma¬ 
behandlung, Ueber. Siegel 131. — Asthmainhalationsmittel, Ueber 
ein. Einhorn 446. — Asthmainhalationsmittel, Ueber ein - nach 
Prof. Einhorn. 469. — Asthmaspiralen, Makroskopische. Riehl 19. 

— Atemprobe, Die. Praktische Ergebnisse aus dem Gebiete 
der gerichtlichen Medicin. Marx 106. — Aether- und Chloroform¬ 
narkosen, Das Auftreten intravitaler Gerinnungen u. Thrombosen 
in Gefäßen innerer Organe nach. Mulzer 176. — Atoxyl, Unter¬ 
suchungen über die Wirkung des - auf Trypanosomen und Spiro- 
chaeten. Uhlenhut, Groß, Bickel 104. — Atoxyl, Ueber die Wir¬ 
kung des - bei afrikanischem Rückfallfieber. Breine, Kingborn 169. 

— Atoxyl, Untersuchungen über die Wirkung des - auf die 
Syphilis. Uhlenhut, Hoffmann, Roscher 391. — Atoxyl bei 
Syphilis. Lassar 393. — Atoxyl, Ueber das Verhalten des - im 
Organismus. Croner, Seligmann 412. — Atoxyl bei Paralyse. 
Spielmeyer 426. — Atoxyl, Zur Behandlung zentraler Augenleiden 
luetischen Ursprungs mit. Watermann 580. — Atoxylbehandlung, 
Zur - der experimentellen Dourine. Gaksimoflf 333. — Atoxyl- 
vergiftung, Ein Fall von. Wallsch 355. — Aufstoßen, Ueber 
nervöses. Adler 103. — Aufstoßen, Ueber nervöses. Boas 177. 

— Augenbewegungen, Die Untersuchung der reflektorischen und 
optischen - und ihre Bedeutung für die typische Diagnostik der 
Augenmuskellähmungen. Bäräny 388. — Augenerkrankungen, 
Aeußere - in ihrer Beziehung zu Nasenleiden. Gutmann 390, 392. 

— Augenerkrankungen, Erfahrungen mit den Behringschen Tulase- 

präparaten bei der Behandlung tuberkulöser. Collin 569. — 
Augenmuskellähmung nebst Lumbalanästhesien. Ach 240. — 

Augenmuskellähmungen, Die Untersuchung der reflektorischen 
vestibulären und optisohen Augenbewegungen und ihre Bedeutung 
für die topische Diagnostik der. Bäräny 402. — Augensyphilis, 
Uebertragung der experimentellen - des Kaninchens von Tier zu 
Tier. Tomasczewsky 375. — Auswurfsedimentierungsverfahren mit 
Wasserstoffsuperoxyd nach Sachs-Mütze. Peters 177. — Auswurfs- 
sedimentierungsverfahren, Zum - mit Wasserstoflfoxyd. Sorgo 241. 

— Autan, ein neues Raumdesinfektionsmittel. Hammerl 399. 

— Autanverfahren, Bakteriologische Untersuchungen über ein 
neues Formalin-Desinfektionsverfahren, das. Seifer 43. — Auto¬ 
mobilverletzungen, Ueber. Kettner 522. 

B. 

Bactäriologie des places asöptiques Dudgeon. Sargent 382. 

— Bäder, Ueber künstliche radiumemanationshaltige. Laquer 411. 

— Bakterien, Ueber das scheinbar aörobe Wachstum anaörober. 
Liefmann 331. — Bakterienagressivität, Fortschritte in der Er¬ 
forschung der. Bail 411. — Bakteriengifte, Durch - erzeugte Haut- 
und Scbleimhautblutungen. Heyrovsky 264. — Bakterienkulturen, 
Ueber die Ursache der Wachstumshemmungen in. Eijkman 154. — 
Bakterienpräcipitation, Ueber - durch normale Sera. Hoke 825. — 
Bakterienpräcipitine , Ueber die Spezificität der. von Eisler 378. 

— Bandage, Eine - zur Fixierung von Verbandsstoffen am Penis. 
Becker 355. — Barlowsche Krankheit,. Zur Diagnose der. 191. 

— Basalzellenkrebs, Die geschichtliche Entwickelung der Lehre 
vom. Coenen 405. — Basedowsche Krankheit, Beitrag zur Serum¬ 
behandlung der. Mayer 11. — Basedowsohe Krankheit, Ueber den 
Elinfluß der Röntgenstrahlen auf den Eiweißumsatz bei der. Ru- 
dinger 70. — Basedowsohe Krankheit, Zur Kenntnis einiger selte¬ 
ner Störungen bei der. Mosse 81. — Basedowsche Krankheit, Die 
Persistenz und Hypertrophie der Thymusdrüse bei. Gierke 323. 

— Basedowsohe Krankheit, Die Röntgenbehandlung der. Freund 
382. — Bauchkontusionen, Ueber. Hildebrand 80. — Bauchschnitt 


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Vl 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 62. 


ohue spätere Hernienbildung. Dtthrssen 314. — Bauchschüsse, Die 
Behandlung der penetrierenden - im Felde. Hildebrandt 130. — 
Beckenmessung, Zur Vereinfachung der v. Bylickischen instrumen¬ 
teilen. Hoehne 343. — Benzidinprobe, Ueber den Wert der - für 
den Nachweis von Minimalblutungen aus den Verdauungs- und 
Harnorganen. Schlesinger, Holst 192. — Ben zo sali n, Ueber. Freund 
179. — Beta-Sulfopyrin beider Behandlung des Jodiamus und des 
akuten Schnupfens. Besenthal 170. — Bilsenkrautextrakt, Histo¬ 
risches zum Gebrauch des - als Narkotikum. Klein 889. — Bioson, 
Ueber die Bedeutung der Eiweiß-, Eisen-, Lecithin-Komposition -, 
seine Herstellung und Anwendung. Marx 117. — Blase, Ueber 
einen Wachsklumpen in der - Entfernung desselben durch Auf¬ 
lösung mittels Benzin-Injektion. Lahnstein 411. — Blasenerkrank¬ 
ungen, Beiträge zur Kenntnis der nervösen. Goldberg 657. — 
Blaseneruptionen, Ueber - an der Haut bei zentralen Affektionen 
des Nervensystems. Schlesinger 489. — Blasengeschwttlste, Beitrag 
zur Kenntnis der - bei Anilinarbeitern. Seyberth 529. — Blasen¬ 
ruptur, Ein Fall von intraperitonealer. Krueger 71. — Blasenstein, 
Ueber einen - mit Wachskern, Krankengeschichte und Beitrag zur 
Frage der diagnostischen Verwendung der Röntgenstrahlen bei 
Harnkonkrementen. Rothschild 33. — Bleivergiftung, Beitrag zur 
Frühdiagnose chronischer. Frey 140. — Bleivergiftung durch die 
Geschosse nach Schuß Verletzungen. Braatz 389. — Bleivergiftung, 
Die Erkrankungen des Magens bei der chronischen. Walko 568. 

— Blennorrhöe, Zur Prophylaxe der - der Neugeborenen. Seelfelder 
194. — Blut, Die Methode von M. Schwab zur Bestimmung der 
Gerinnbarkeit des Blutes. Birnbaum 241. — Blutbefunde bei Ner¬ 
vösen. Bretschneider 531. — Blutdruck, Ein Apparat zur Messung 
des - beim Menschen. Bing 393. — Blutdruckmesser, Ein neuer. 
Stillmark 394. — Blutdruckmessung, Ueber die - beim Menschen. 
Bing 58. — Blutentnahme, Zur - aus dem Kaninohenohr. Prym 
285. — Blutkörperchen, Wirken weiße - heterolytisch? Mosse 
113. — Blutkörperchen, Ueber den Färbeindex der roten. Türk 
115. — Blutkörperchen, Ueber den Färbeindex der roten. Meyer, 
Heineke 140. — Blutkrankheiten, Zur Biologie der perniziösen - 
und der malignen Zellen. Funk 513. — Blutpräparat, Ueber ein 
neues. Clemm 535. — Blutprobe, Ueber eine neue. Einhorn 489. — 
Blutreaktiou, Die biologische Differenzierung von Affenarten und 
menschlichen Rassen durch spezifische. Bruck 426. — Blutserum, 
Klinische Untersuchungen über den Refraktionskoeffizienten des. 
Engel 405. — Blutserum, Die innere Reibung ( 17 ) des - in inor- 
phinisierten Tieren. Segal4 568. — Blutung, Tödliche - aus einem 
Duodenalgeschwür nach Appendizitisoperation. Mühsam 532. — 
Blutuntersuchung, Ueber auffallende Resultate der - bei Nervösen. 
Goett 19. — Blutuntersuchung, Die spezifische Löslichkeit und 
ihre Anwendung bei der forensischen. Dehne 166. — Blutunter¬ 
suchung, Zur Methodik der bakteriologischen. Wiens 529. — Blut¬ 
untersuchungen bei Asthmatikern. Salecker 166. — Blutviskosimeter, 
Ein einfaches, stets gebrauchsfertiges. Determann 402. — Boro- 
vertin, Ueber das - ein neues Harndesinficiens. Mankiewicz 21. — 
Brillengläser, Fortschritte auf dem Gebiet der. Oppenheimer 179. 
Bromäthernarkose, Ueber die. Härtling 158. — Bromural, ein 
neues Nervin um. Runck 292. — Bronchoskopie, Entfernung eines 
Knochenstückes aus dem rechten Bronchus mit Hilfe der oberen. 
Winkler 141. — Bronchoskopie, Zur Technik der. Gottstein 194. 

— Brucheinklemmung von Appendices epiploicae. Mohr 103. — 
Bruchinhalt, Ueber den Wurmfortsatz und die Harnblase als. 
Clairmond 314. — Brustbefund, Irrtümliche Deutung eines physi¬ 
kalischen - bei Kindern. Neumann 194. 

c. 

Canthariden, Kasuistischer Beitrag zur Wirkung der. Kowa- 
lewsky 304. — Capsulae geloduratae, Ueber die Darreichung von 
Arzneimitteln in Rumpelschen Kapsel 0 . Schlecht 555. — Carcinom, 
Ueber Fieber bei. Alexander 128. — Carcinom, Heilung eines - 
durch Sonnenlicht nebst einigen Beiträgen zur unmittelbaren Licht¬ 
therapie. Widmer 241. — Car inom, Ueber das Fieber beim. 
Fromme 295. — Carcinomimmunität, Untersuchungen über - bei 
Mäusen. Schoene 45. — Catgutnaht bei Fractura patellae. Riedel 48. 

— Cellotropin, Praktische Erfahrungen mit. Weiß 184. — Chinin, 
Ueber den Einfluß des - auf die Wehentätigkeit des Uterus. Maurer 
128. — Chinin-Amaurose, Ein Fall von. Seeligsohn 195. — Chiro- 
soter, Ueber. Klapp, Dönitz 546. — Chorionepitheliom, Klinische Beob¬ 


achtungen über Aetiologie und Therapie des -, insbesondere über 
die Behandlung der Blasenmole. Kroemer 532, 544, 545. — Chylöse 
Flüssigkeit, Ueber einen Fall von Ansammlung von - in der Bauch- 
und Brusthöhle. Leschtschinski 95. — Chylurie, Zur Kenntnis der. 
Salkowski 93. — Coeliotomierte, Wann soll man - aufstehen lassen. 
Hertog 81. — Colitis, Zur Kenntnis der infiltrierenden - und Sig- 
moiditis. Rosenheim 218. — Collargol, Itrol und Unguentum Credo 
in der Praxis. Wieke 525. — Coxitis, Die Behandlung der tuber¬ 
kulösen. Hoffa 203, 218. — Cruralhernien, Ueber die operative Be¬ 
handlung von. Fabricius 831. — Cysticercen, Ueber - im IV. Ventrikel 
als Ursache plötzlicher Todesfälle. Verse 216. — Cystitis, Die 
Therapie der akuten und chronischen. Ehrmann 31. — Cystopurin, 
Ueber den klinischen Wert des. Loose 70. - Cystoskopie, Die Füllung 
der Blase mit Sauerstoff zum Zwecke der - und Radiographie. 
Burkhart und Polano 56. 

D. 

Dammschutz, Einige Worte über den. Toff 216. — Darm¬ 
blutungen, Ueber Behandlung von Magen- und - mit flüssiger Ge¬ 
latine. Mann 55. — Darmeosinophilie, Ueber 2 Fälle von. Fricker 
126. — Dannerkrankungen, Ueber eosinophile. Neubauer, Stäubli 
10. — Darminvagination, Kasuistischer Beitrag zur Aetiologie der. 
Fischer 104. — Darmperforation, Drei chirurgisch behandelte Fälle 
von typhoeser - und Perforationsperitonitis. Kaehler 547. — Darm¬ 
rupturen, Ueber subkutane, von Rhautz 380. — Darmsteine, Zur 
Kasuistik der. Wimmer 377. — Darmstenosen als Spätwirkung 
der Appendizitis, v. Bergmann 47. — Darmstörungen, Neues über 
Aetiologie und Behandlung der postoperativen. Heile 546. — 
Darmtuberkulose, Zur Statistik der primären. Orth 180. — Dekanu¬ 
lement, Primäre und sekundäre Ursachen des erschwerten - in 
der Serumzeit. Haus 228. — Degeneration, Zur Kasuistik der 
kolloiden - der Haut im Granulations- und Narbengewebe (Julius¬ 
berg). Sandek 381. — Delirium, Zur Behandlung des - tremens. 
Ganser 79. — Delirium tremens, Zur Behandlung des. Eichel¬ 
berg 366. — Delirium tremens, Zur Behandlung des. Aufrecht 
531. — Denken, Ueber ärztliches. Moritz 436. — Dermatologische 
Beiträge. Naecke 229. — Dermoidzyste, Ein Fall von - mit Usur 
der Darmwand durch einen nach außen gewachsenen Zahn. Kroph 
343. — Desinfektion, Ueber verschiedene - in ostafrikanischen 
Häfen. Wagner 194. — Desinfektion, Neuere Forschungen über 
die - mit gas- und dampfförmigen Substanzen. Friedemann 394. 

— Desmoidprobe, Sahlis - und Schmidts Bindegewebsprobe. Le¬ 
winski 176. — Diabete, Le - parasypbilitique. Troller 335. — 
Diabete bronc4, Ueber Hautveränderungen beim. Heller 522. — 
Diabetes mellitus, Ein Fall vou traumatischem. Schweckendick 
117. — Diabetes insipidus, Der. Stadelmann 131. — Diabetes, 
Ueber die Fortdauer der Polyurie bei Diabetikern nach vollständig 
verschwundener Glykosurie und den Ueber gang von - mellitus in 

— insipidus. Teschenmacher 228. — Diabetes, Experimentelle 
Untersuchungen über den. 334. — Diabetikergebäck, Unter¬ 
suchungen und klinische Erfahrungen mit Litonbrot, einem neuen. 
Brodzki 106. — Diät, Die vegetarische - als Volksernährung und 
als Heilmittel. Ebstein 105. — Diagnose, Negative. Knauer 47. 

— Diagnostik und Therapie der psychischen und nervösen Krank¬ 
heiten. Sommer 531. — Dialyse, Ueber das Verhalten der Komple¬ 
mente bei der. Brand 549. — Di6t6tique, La - des Ent&itea et 
de l’Arterio-sclerose. 335. — Digalen, Ueber das. Platt 131. — 
Digalen, Zur Streitfrage, ob das abweichende physiologische Ver¬ 
halten des - (Cloetta) bedingt sein kann durch den amorphen Zu¬ 
stand. Hildebrandt 480. — Digitalis, Ueber die Kumulativwirkung 
der. Cloetta 18. — Digitalis - Allorhythmie, Ueber die klinische 
Bedeutung der. Dmitrenko 305. — Digitalis-Allorhythmie, Ueber 
die klinische Bedeutung der. Dmitrenko 314. — Digitalisdrogue, 
Ueber die protrahierte Darreichung der. Achert 581. — Digitosin, 
Ueber - und Digalen. Kilian 343. — Diphtherie, Ueber heteroch- 
thone Serumwirksamkeit und ihre postoperative Behandlung bei 
deszendierender. Klose 391. — Diphtheriekranke, Der Nachweis 
des Toxins im Blute des. Fraenkel 54. — Diuretische Mittel, 
Ueber Wirkungsweise und Indikation einiger dinretisch wirkender 
Mittel. 81. — Diphtherieserum, Neuer Beitrag zur Konzentrierung 
der Immunkörper im. Brieger 523. — Druckdifferenzverfahren. 
Die derzeitigen positiven Erfolge der - (Sauerbrüch). Schuber 
434. — Dünndarmsyphilis, Ueber einen Fall von angeborener nebs 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


VII 


Bemerkungen über die ätiologische Bedeutung der Spirochaeta 
pallida. Fraenkel 530. — Dysenterie, Zur Frage der Serotherapie 
bei. Sk sc hi van, Stefansky 142. —*• Dysmenorrhoe, Zur Behand¬ 
lung der. Polano 568. — Dystrophia musculorum progressiva, ein 
Fall von - kombiniert mit Morbus Basedow. Liebers 167. — 
Draht-Zelluloidverband, Der. Heine 7. — Duodenum, Perforation 
des - durch eine versohluckte Haarnadel. Mennacher 53. 

E. 

Echinokokkus, Ein Fall von - retroperitonealis. Bona 128. 
— Einschläferungstherapie, Zur Beruhigung und. Krieger, v. d. 
Velden 140. — Eliterungen, Ueber ein einfaches Hilfsmittel zur 
Unterscheidung tuberkulöser und andersartiger. Kolaczek, Müller. 
153, 345. Eiweißbestimmung, Zur klinischen Verwertbarkeit 
der Buchnerschen - im Harn. Eingels 510. — Eiweißkörper, Ueber 
die Bedeutung des durch Essigsäure fällbaren - im Harn der 
Kinder. Längstem 106. — Eklampsie, Die angebliche ursächliche 
Bedeutung der Fleischmilchsäure bei - der Schwangeren. Donath 
194. — Eklampsie, Ueber - ohne Krämpfe. Beinecke 520. — 
Eklampsie formen, Ein neuer Vorschlag zur Bekämpfung schwerster. 
Sippel 21. — Ekzem, Untersuchungen über ein bei Anwendung 
von Dauerbädern beobachtetes. Küster 528. -- Ekzem, Gesichts¬ 
punkte zur Aetiologie und Therapie des. Ullmann 581. — Elektro¬ 
kardiogramm, Ueber das - unter normalen und pathologischen 
Verhältnissen. Kraus, Nicolai 424, 428. — EUektromassagehand- 
schuh. Arndt 356. — Elektrophysiologie, Ueber das Saitenelektro¬ 
meter und seine Anwendung in der. Cremer 215. — Elektrotherapie, 
Die - der Kreislaufstörungen. Hornung 45. — Emphysem, Ein 
Fall von subkutanem - bei Lungentuberkulose. Kreutzer 127. — 
Ellbogenbrücke, Ueber den Einfluß der Böntgendiagnostik auf die 
Erkennung und die Behandlung der. Cohn 524. — Enchondrom 
des Larynx. Hartleib 556. — Einchondrome, Zur Kenntnis der 
multiplen. Sohweinburg 379. — Endokarditis, Ueber - gonorrhoica. 
Külbs 82. — Endokarditis, Die Behandlung der. Hoppe, Leyler 
104. — Endometritis, Die Variationen im Bau des normalen Endo¬ 
metrium und die chronische. Theilhaber 401. — Enophthalmus, 
Zur Kenntnis des. Pagenstecher 193. — Enteritis und Appendi¬ 
zitis. Sonnenburg 293. — Entzündung, Zur Wirkung des Prieß- 
nitzschen Umschlags bei der. 342. — Entzündungsvorgang, Ex¬ 
perimentelle Untersuchungen über die Wirkung der Bierschen 
Stauung auf den. Honigmann, Sohaeffer 570. —- Eosinophilie, Hoch¬ 
gradige - des Blutes bei einem malignen Tumor der rechten Lunge. 
Käppis 343. — Epidermiskarzinom, Einige Bemerkungen Uber. 
Hansemann 411. — Epilepsie, Ein Fall von genuiner - mit darauf 
folgender Dementia paralytica. Pelz 59. — Epithelwuoherungen, 
Ueber Art und Zustandekommen der von B. Fischer mittels Schar¬ 
lachöl erzeugten. Jores 343. — Epithelwucherungen, Atypische - 
und Karzinom-Nachprüfung und Bewertung der Experimente von 
Fischer-Bonn. Stahr 404. — Erbrechen, Ueber unstillbares - der 
Schwangeren. Sohoenfeld 118. — Erfindungen aus dem Gebiete 
der Medicin, öffentlichen Gesundheitspflege und Krankenpflege. 
Justi 154, 169. — Erfrierungen, Die Entstehung der - und ihre 
Behandlung mit künstlicher Hyperämie. Bitter 353. — Erfrierung, 
Zar Behandlung der - mit künstlicher Hyperämie. Mirtl 486. — 
Erkrankungen, Ueber typhusähnliche. Jürgens 56, 70. — Ernäh¬ 
rung, Zum Kapitel der - blutarmer Personen. Schmidt 71. — Er¬ 
nährungsstörungen, Ueber Wesen und Behandlung von — im 
Säuglingsalter. Pfaundler 54, 98. — Erysipel, Ueber die neuesten 
Heilmittel gegen. Hecht 183. — Erysipel, Zur Behandlung des - 
mit Metakreosolanytol. Neumann 514. — Erythema nodosum, Zur 
Aetiologie des. Hildebrandt 139. — Eufferrol, Ueber - ein neues 
Eisenpräparat. Hauschild 449. — Eventeratio, Ueber - Diaphrag- 
matica. Heß 32. — Eventeration, Ueber rudimentäre. Hoff mann 
79. — Extensionsbehandlung, Eine einfache Vorrichtung zur Unter¬ 
stützung der Bardenheuerschen - der Frakturen. Vogel 66. — 
Extensionsverfahren, Vereinfachtes. Hoffmann 556. — Extrasystole, 
Die Pathologie, Diagnostik, klinische Bedeutung der - des Her¬ 
zens. Bickel 58. 

F. 

Faeces, Ueber den Nachweis von Blut in den. Sch ümm 126. 
— Fadenmaterial, Theoretisches und praktisches über unser. Weder- 
hake 11. — Fadenmaterial, Theoretisches und praktisches über 


unser. Wederhake 45. — Falsohhören, Ueber musikalisches - (Dipla- 
kusis). Barth 204. — Färbung der Zellen des Liquor cerebro¬ 
spinalis mit und ohne Zusatz von Eiweiß. Pappenheim 264. — 
Färbemethoden, Neue - für Perlsucht und Tuberkelbazillen und 
deren Differentialdiagnose. Spengler 178. — Fazialislähmung, Ueber 
abirrende Bündel bei. Lipschitz 584. — Feldlazarett, aus einem 
südwestafrikanischen - 1905. Lion 140. — Ferrozyankaliprobe, Ueber 
eine Fehlerquelle bei der - als Eiweißreaktion. Sohmiedl 208. — 
Fettembolie, Ueber einen Fall von zerebraler kombiniert mit 
Tetanus. Jähne, Schmidt 423. — Fettresorption, Vorschlag einer 
klinischen Pttfung der. Hecht 450. — Fibrolysin-Injektionen, Die 
Wirkung von - bei Harn röhren Verengerung. Schourp 117. — Fibula¬ 
defekt, Ein Fall von angeborenem - (Volkmannsche Sprunggelenk¬ 
mißbildung) mit Metatarsus varus acquisitus. Blumenthal 334. — 
Fieber, Einiges über das. Beitzke 107. — Fieber, Ueber Wärme¬ 
bildung im. Aronsohn 412. — Fieber, Sollen wir das - behandeln? 
Kraus 500. — Fingerbeugekontraktur, Ueber - infolge von trau¬ 
matischer Strecksehnenspaltung. Bitschi 401. — Fingergelenksan¬ 
kylose, Angeborene. Lücke 54. — Finsen, Das Institut und die 
Methode - in Kopenhagen. Nuesse 536. — Finsenapparat. Experi¬ 
mentelle Untersuchungen über die biologischen Tiefenwirkungen des 
Lichtes der medicinischen Quarzlampe und des. Wichmann 469. 

— Fleischvergiftung, Ueber eine Epidemie von - im Osten Berlins. 
Jakobsohn 251. — Folie, Considärations pratiques sur la. Marie 335. 

— Forceps, Ein neuer. Boerma 346. — Formaldehyddesinfektion, 
Ueber die - mit Autan. Tomarkin, Heller 142. — Fraktur, Ueber 

— des unteren Radiusendes. Beclus 118. — Frakturen, Die - des 
Oberschenkelhalses. Frangenheim 184. — Framboesia tropika, Spiro¬ 
chätenbefunde bei. Mayer 230. — Framboesia tropika, Die Spirochaeta- 
pertenuis und das klinische Bild der. Schüflher 468. — Frauenmilch, 
Einige Bemerkungen über die Bedeutung der - in den ersten Lebens¬ 
tagen. Salge 181. — Frauenmilch, Ernährungsversuch an Säuglingen 
mit erwärmter. Potpeschnig 447. — Frauenmilch, Ueber das Vor¬ 
kommen von Gallensäuren in der. Mayer 467. — Frauenmilch, 
Hämolysiert die. Frey 571. — Frauenstudium, Das medicinische - 
in Deutschland. Schwalbe 164. — Fremdkörper, In die Harnröhre 
eingeführte. Große 104. Fremdkörper in der Nase als Folge 
von Trauma. Basch 531. — Fremdkörperextraktion aus der Bauch¬ 
höhle. Dehner 104. — Frostbeulen, Heiße Luft als Behandlungs¬ 
mittel bei - in der Volksmedicin. Hornung 521. — Fruchtbarkeit, 
Geburtenziffer und. Neustätter 69. — Frühgeburt, Die Stellung 
der künstlichen - in der Praxis. Veit 142. — Frühgeburt, Ein Fall 
von künstlicher - bei Schwangerschaftsnephritis mit günstigem Aus¬ 
gang für Mutter und Kind. Charles 315. — Frübreaktion, Ist die 
vaccinale - spezifisch ? Pirquet 12. — Funktionsdefekte, Zur Frage 
der angeborenen - im Gebiete der motorischen Gehirnnerven. Neu¬ 
rath 422. — Funktionsprüfung, Beitrag zur - des Herzens. Fellner, 
Budinger 313. — Funktionsprüfung, Ueber die - des Herzens nach 
Katzenstein und über die dabei beobachteten Veränderungen der 
Pulskurve. Janowski 437. — Fußrückenreflex, Neuere Untersuch¬ 
ungen über den dorsalen. Lißmann 376. — Fußrückenreflex, Zur 
Kenntnis des. Meyer 549. 

o. 

Gährungsröhrchen, Ein neues - zum Nachweis von Trauben¬ 
zucker im Harn und eine einfache sterilisierbare Sicherheitspipette. 
Schümm 423. — Galle, Zur Frage nach dem Vorkommen von Blut¬ 
farbstoff oder Hämatin in menschlicher. Schümm 530. — Gallen¬ 
steinkranke, Leitende Grundsätze für den Kurgebrauch in Karls¬ 
bad. 533. — Gallensteinleiden, Zur Operation des. Brentano 354. 

— Gallensteinoperationen, Zur Aetiologie der Rezidive und Pseudo¬ 
rezidive nach. Ehrhardt 294. — Gangrän, Ueber die Gefäßver¬ 
sorgung des Mastdarms in Hinsicht auf die operative. Sudeck 446. 

— Gangrän, Wann soll bei diabetischer - operiert werden? Klera- 
perer 501. — Gangrän, Ueber - des Skrotums. Kettner 523. — 
Gastropexie und Retention. Nyrop 68 . — Gaudaninhautschutz, 
Ueber Operationen unter - nach Doederlein. Littauer 376. — Ge¬ 
fäßveränderungen, Ueber den Einfluß von Jodpräparaten auf die 
durch Adrenalininjektionen hervorgerufenen. Loeb, Fleischer 204. 

— Gehirn, Ueber die Gewebsveränderungen im - luetischer Neu¬ 
geborener. Nauke 144. — Gehirnabszeß, Ueber - durch 8 trepto- 
thrix. Loehlein 620. — Gelenkbandapparat, Die Torsionsfestigkeit 
des. Feßler 144. — Gelenkbänder, Künstliche - aus Seide. Lange 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 52. 


VIU 


332. — Gelenkerkrankungen, Zur Diagnose und Behandlung der 
chronischen. Franke 499, 522, 532, 544. — Gelenkrheumatismus, 
Zur Lehre vom - u. der Arthritis deformaos. Hoffa 293. — Gelenk¬ 
rheumatismus, Pathologisch-anatomische Beiträge zur Lehre des 
chronischen - und der Arthritis deformans. Wollenberg 294. — 
Genickstarre, Ueber die Rolle der Grubeninfektion beim Entstehen 

der. Jehle 54. — Genickstarre, Die - in der bayerischen Armee, 
nebst einem Beitrag zur Aetiologie derselben nach den klinisoh 
gemachten Beobachtungen in der Garnison Würzburg 168. — 
Genickstarre, Die - und ihre Behandlung mit Bierscher Stauung 
und Lumbalpunktion. Vorschütz 216, 229. — Genickstarre, Elin 
therapeutischer Versuch bei epidemisöher. Radmann 447. — Ge¬ 
schlechter, Differenzierung im geistigen Leben beider. Eoßmann 
525. — Geschlechtskrankheiten, Die allgemeine Therapie der. 
Joseph 412, 449. — Geschwulst, Ueber zwei mit Erfolg operierte 
Fälle von - am Kleinhirnbrückenwinkel. Oppenheim, Borchardt 487. 

— Geschwülste, Ueber retropharyngeale. Litthauer 205. — Ge¬ 
schwülste, Beeinflussung bösartiger - durch Einspritzung von art¬ 
fremden Blut. Bier 499. — Geschwulstresistenz, Beobachtungen 
über natürliche - bei Mäusen. Haaland 410. — Gicht, Ein Fall 
von - bei einem vierjährigen Kinde. Fraenkel 128. — Gicht, 
Untersuchungen bei zwei Fällen von. Marcus 499. — Gichtanfall, 
Ausscheidung „endogener“ Harnsäure im. Soetbeer 469. — Gich¬ 
tische Anlage, Ueber die Natur und die Behandlung der. Ebstein 
332. — Glaucom, Ein neues Prinzip der operativen Behandlung 

des. (Iridocleisis antiglaucomatosa Holth.) Vollert 45. — Gly- 
oosurie nach Kropfschwund. Bold 71. — Gonorrhoe, Zur inneren 
Behandlung der. Saalfeld 32. — Gonorrhöe, Zur Statistik der. 
Koßmann 46. — Gonorrhoe, Ein Fall von paraurethraler. Cohn 57. 

— Gonorrhoetherapie, Die Wirkungsweise der modernen. Zieler 
139. — Granulozytensystem, Septische Erkrankungen bei Ver¬ 
kümmerung des. Türk 181. — Gravidität, Ueber den Elinfluß des 
Choleins und der Röntgenstrahlen auf den Ablauf der. Hippel, 
Pagensteoher 192, 469. — Gravidität, Ueber den Einfluß des 
CholeinS und der Röntgenstrahlen auf den Ablauf der. Neumann, 
Fellner 402. — Großhirnerkrankung, Ueber sensible Reizerschei¬ 
nung bei - insbesondere über Kälteanfälle. Lewandowsky 389. — 
Guajakolpräparate, Ueber die Anwendung von - bei anämischen 
Zuständen (Sorisin-Ferrarsenat und Eisen-Sorisin). Proskauer 549. 

— Gustometer, Kompendiöser quantitativer - zu klinischen Zwecken. 
Stemberg 305. 

H. 

Haarverfärbung, Ueber argentoide. Ipsen 404. — Halswirbel¬ 
fraktur und reflektorische Pupillenstarre. Brassert 127. — Hals¬ 
wirbelsäule, Ein weiterer Fall von Totalluxation der - mit Aus¬ 
gang in Genesung. Riedl 107. — Hammerzehen, Die - und ihre 
Behandlung. Mittermaier 80. — Hammerzehen, Die - und ihre 
Behandlung. Wende 194. — Hämolysin, Ueber ein komplexes - 
der Bauchspeicheldrüse. Friedmann 303. — Hämolysine, Die Un¬ 
wirksamkeit der komplexen - in salzfreien Lösungen und ihre Ur¬ 
sache. Ferrata 273. — Hämolytische Untersuchungen, insbesondere 
bei Staphylokokkenerkrankungen. Arndt 295. — Hämorrhoiden, 
Die Behandlung der - mit Karbol - Alkoholinjektionen und ihre 
zweckmäßige Ausführung mittels temporärer Drahtligatur. Frank 
169. — Hämostix, Instrument zur Entnahme von Blut für diag¬ 
nostische Zwecke. Schottelius 217. — Hand, Ueber die Madelung- 
sche Deformität der. Pels-Leusden 203. — Hände, Ueber Ope¬ 
rationen an den - und deren Vorbereitung. Vogel 103. — Harn- 
fönger, Ein neuer - für männliche Säuglinge. Teuffel 521. — 
Harnleiter, Neues Verfahren für die Nahtvereinigung der Enden 
des - nach seiner völligen Durchschneidung (Invagination mit 
Entropium). Pappi 48. — Harnleitersteine, Eine intraureterale 
Methode zur Lösung eingeklemmter - und ihrer Herausbeförderung 
per vias naturales. Jahr 404. — Hamröhrenbesichtigung, Eigen¬ 
schaften und Ziele einer neuen Methode der. Goldschmidt 283. 

— Harnuntersuchungen, Ueber - in der Praxis und über eine für 
die Praxis geeignete quantitative Zuckerbestimmung. Grube 388. 

— Harnuntersuchungen, Ueber - in der Praxis und über eine für 
die Praxis geeignete quantitative Zuckerbestimmung. Engel 436. 

— Harnzucker, Neue Methode zur Bestimmung des. Bang 180. 

— Hautentzündung, Ueber die diphtherisohe progrediente. Er- 
hardt 434. — Hautgangrän, Ein Fall multipler neurotischer - in 
ihrer Beziehung zur Hypnose, v. Szöllösy 377. — Hautinfiltration, 


ohronische • bei einem Phthisiker mit hyperämisierenden Proze¬ 
duren behandelt. Hauffe 71. — Hauttuberkulose, Neuere Er¬ 
fahrungen über. Alexander 231, 253, 274. — Hebosteotomie, 
Zur Indikation und Technik der. Henkel 468. — Heilmethoden, 
Bedeutung und Anwendung der physikalischen - in der ärztlichen 
Praxis. Vierordt 44, 47. — Heilserum, Ein neues tierisches - 
gegen mikrobische Infektion beim Menschen. Deutschmann 353. 

— Heilungsvorgänge, Ueber neue Wege, die natürlichen - des 
Körpers bei krankhaften Prozessen künstlich zu vermehren und 
zu beschleunigen. Heile 445. — Heißluftbehandlung, Die - in 
der Gynäkologie. Hasenfeld 459. — Heizung und Lüftung in 
Krankenhäusern. Rietschel 414. — Hemiathetose unter der Ge¬ 
burt. Bauer 129. — Hemiplegie, Zur Phänomenologie der zen¬ 
tralen. Byohowski 232. — Heraiae permagnae, Die Radikaloperation 
der - mit Reposition des Hodens in die Bauchhöhle. Bernhardt 
531. — Hernien, Eine Modifikation der Bassinischen Radikal¬ 
operation der. Papaioannon 294. — Herz, Untersuchungen über 
den Einfluß des Biertrinkens und Fechtens auf das - junger Leute. 
Bingel 67. — Herz, Zur Prüfung des - auf seine Beweglichkeit. 
Herz 324. — Herz, Beitrag zur Funktionsprüfung des. Fellner, 
Rudinger 334. — Herzchirurgie, Beitrag zur. Meerwein572. — Herz¬ 
insuffizienz , Die medikamentöse Behandlung der akuten. Fraenkel 
535. — Herzkontraktionen, Ueber frustrane. Hochhaus 175. — Herz¬ 
kraft, Ueber die Katzensteinache Methode zur Prüfung der. Hoke, 
Mende 231. — Herzkranke, Die Anstaltsbehandlung der - ’_nd ihre In¬ 
dikation. Büdingen 79. — Herzkrankheiten. Die Untersuchung des 
Herzens in Beckenhochlagerung, ein Hilfsmittel zur Diagnose der. Stern 
342. — Herzleiden, Beitrag zur Lehre der Erblichkeit der - im jugend¬ 
lichen Alter (Myocarditismus und Endokarditismus bereditarius). 
Galli 273. — Herzmuskelkraft und Kreislauf. Hofbauer 378. — 
Herzschlag, Zur Pathologie des. Boenninger 17^. — Herztätigkeit, 
Die Beeinflussung der - und des Blutdruckes von schmerzhaften 
Druckpunkten aus. Rumpf 102. — Herztöne, Ueber unreine - im 
Kindesalter. Neumann 166. — Herzvibration, Klinische Beob¬ 
achtungen über die. Selig 427. — Heuasthma, Behandlung des - 
mit Atropin-Chinin-Injektionen. Boesser 414. — Heufieber, Er¬ 
fahrungen über das - aus dem Jahre 1906. Wolff-Eisner 153. — 
Heufieber, Zur Lehre vom. Heymann 273. — Heufieberatationen, 
Alpine. Baerwald 345. — Heuschnupfenbehandlung, Ueber - nach 
eigenen Erfahrungen. Avellis 216. — Hexamethylentetramin, Zur 
Kenntnis des - und seiner Salze (Cystopurin). 70. — Hirnstörung, 
Schwere - nach Unterbindung einer A. carotis communis und Vena 
jugulari 8 int. mit Ausgang in völlige Heilung. Emin 568. — 
Hirechsprungsche Krankheit, Zwei Fälle von bei Erwachsenen. 141. 

— Hitzsohlag, Ueber die Entstehung des. 8enftleben 424, 427. 

— Hochfrequenzströme, Zur Indikation der Behandlung mit. 
Nagelschmidt 644. — Höhenklima, Die Vermehrung der roten und 
weißen Blutkörperchen und des Hämoglobins durch die Lungen- 
saugemaske und ihre Beziehung zum. Kuhn 567. — Hören, Die 
Bedeutung der Ohrmuschel für das. Geigel 510. — Hornhaut¬ 
pfropfung, Ueber. Zinn 116. — Hüftgelenksluxationen, Ueber. 
Rüdiger 272. — Humerusfrakturen, Zur Behandlung der intra 
partum entstanden. Stuhl 95. — Hydrargyrum praecipitatum 
album pultiforme. Vörner 204. — Hydrargyrum salioylicum, Ueber 
die Schicksale des intramuskulär injizierten. Feund 265. — Hy¬ 
drops genu intermittens, Elin Fall von doppelseitigem, te Kamp 
230. — Hydrotherapie, Neuere Anschauungen über die Wirkungs¬ 
weise der. Laqueur 650. — Hyperämie, Aktive - in der Behand¬ 
lung arteriosklerotischer Gangrän. Röpke 284. — Hyperämiebe¬ 
handlung, Die - der Knochen- und Gelenktu tarkulose. Deutsch- 
länder 291. — Hyperämiebehandlung, Weitere Erfahrungen mit 
der - der Lungen mittels der Lungensaugmaske. Kuhn 324. — 
Hyperämiebehandlung, Die - der Knochen- und Gelenktuberkulose. 
Deutschländer 324. — Hyperchlorhydrie, Ueber die Pathologie 
und Therapie der. Bickel 521. — Hyperemesis gravidarum. 
Baisch 230. — Hypermetropie, Die - und deren Bestimmung ohne 
Skiaskopie. Lyritzas 181. — Hypernephrom-Metastasen, Ueber. 
Hoffinann 169. — Hyperostose, Ueber - der Oberkiefer. Walliczek 
487. — Hysterie und Invalidität. Meyer 140. — Hysterie, Zur 
Frage der - bei Tieren. Dexler 144. — Hysterie, Ueber ein im 
katatonischen Stupor beobachtetes Pupillenphänomen, sowie Be¬ 
merkungen über die Pupillenstarre bei. Westphal 488. — Hysterie¬ 
lehre, Die - Freunds. Jung 19, 


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L 

Ichthyol, Ueber die Verwendung des - als schmerzstillendes 
Mittel Hirschkron 144. — Idiotenfürsorge, Ueber den Stand der 

— in Deutschland. Weygandt 80. — Ikterus, Ueber erworbene 
Formen des chronischen acholurischen - mit Splenomegalie. Strauß 
33. — Ikterus, Ueber - bei Cholecystitis. Eppinger 383. — Ikterus, 
Ueber eine chronische, mit - einhergehende Erkrankung des Blutes. 
Benjamin, Sluka 548. — Ileus, Ein Fall von spastischem - zwölf¬ 
tägiger Dauer. Bosenfeld 315. — Immunitätslehre, Die Entwick¬ 
lung der modernen. Fumtratt 82. — Immunitätslehre, Ueber eine neue 
Theorie der. Beitzke 428. — Immunitätswissenschaft, Die - und 
ihre Bedeutung für die Praxis. Wassermann 332. — Impfarzt, 
Ein Instrumentarium für den öffentlichen. Groth 389. — Impf¬ 
tuberkulose, Ueber den Verlauf der - beim Meerschweinohen. 92. 

— Impotenz, Die Behandlung der. Fürbringer 163. — Inaktivie¬ 
rung, Die - der Komplemente im salzfreien Medium. Sachs, Ter- 
nuchi 334, 346. — Infektionen, Der Gang der - in den Lymph- 
bahnen. Weleminsky 205. — Infektionskrankheiten, Der unerwartete 
Tod bei - der Kinder. Czerny 524. — Interkostalneuralgie, Ueber 
die - besonders vom Standpunkte der Klagen des Kranken aus. 
Janowski 586, 569. — Iritiden, Die Diagnose und Therapie der. 
Heine 578. — Irresein, Hysterisches. Raecke 204. — Isolierzimmer, 
Das - der kleinen Eirankenhäuser. Weber 19. — Isopral, Ueber 
die Verwendung von - in der Geburtshülfe und Gynäkologie, zu¬ 
gleich ein Beitrag zur rektalen Narkose. Dünnwald 20. 

J. 

Jacksonsche Epilepsie, Ein operativ behandelter Fall von. 
Auerbach Großmann 193. — Javol, Ein Fall von akutem Ekzem 
nach Gebrauch des Haarwassers. Klose 230. — Jodofan, Ein neues 
organisches Jodpräparat als Jodoformersatzmittel. .Eisenberg 229. 

— Jodopyrin, Beiträge zur therapeutischen Verwendung des. Karick 
117. 

K. 

Kakao, Beeinflußt - die Ausnutzung von Stickstoffsubstanz und 
Fett der Nahrung? Gerlach 346. — Kala-azar (fieberhafte tropische 
Splenomegalie) bei einem Sohantung- Chinesen. Martini 534. — 
Kaninchenhornhautsyphilis, Beitrag zur experimentellen. Mühlens 
522. — Kanüle, Eine Veränderung der Kilian sehen - für Spülung 
der Kiefernhöhle vom mittleren Nasengang aus. Großkopf 480. — 
Katheter, Ueber einen neuen Katheter-Dampfsterilisator mit Auf¬ 
bewahrungsbehältern für die einzelnen. Bloch 206. — Katheterisator, 
Elin antiseptischer. Markus 436. — Kehlkopfstenosen, Zur operativen 
Behandlung der. Wendel 167. — Kehlkopf tuberkulöse, Die Schweige¬ 
therapie bei der. Lublinski 58. — Kindbettfiebersterblichkeit, Wie 
ist der zunehmenden - zu steuern? Minderung der Operationen. 
Besserung der Desinfektion in der Hauspraxis, v. Herff 875. — 
Kinderlähmung, Ein Beitrag zum sogenannten Handgang infolge 
spinaler. Kalb 400. — Kindersterblichkeit, Die - und Lungentuber¬ 
kulose in Budapest. Pach 35. — Kinderwagen, Ein Schlittengestell 
für einen. Nerlich 167. — Klimakterium, Hydrotherapie des. Zweig 
219. — Kneifer, Ueber „orthozentrische“. Mörchen 170. — Knie¬ 
phänomen, Die Methoden der Verstärkung des. Bosenbach 68. — 
Knochenverdickungen, Zur differentiellen Diagnose der. Beitter 181. 

— Kochsalz und salzlose Diät. Magnus, Levy 658. — Kohlehydrate, 
Zum Nachweis von - im Harn. Grünewald 292. — Kohlendunst 
und Leuchtgas. Maaß 83. — Kohlensäurebäder, Zur physiologischen 
Wirkung der. Fellner 144. — Kolünfektionen, Ueber. Fehling 445, 

— Kolonien, Die Gesundheitsverhältnisse der deutschen - in statis¬ 
tischer Betrachtung. Boesle 469. — Komplementablenkung, Ueber 
den forensischen Wert des Neisser-Sachsschen Verfahrens der. Schütze 
68 . — Komplementablenkung, Ueber die Verwertbarkeit des Phä¬ 
nomens der - zur Differenzierung von Kapselbazillen. Ballner, Reib¬ 
mayr 240. — Komplementablenkungsmethode, Ueber die diagnos¬ 
tische Zuverlässigkeit und die Spezifidtät der - bei Typhus und Para¬ 
typhus. Leuchs 105,106. — Komplementbindung, Beiträge zur Frage 
der sogenannten. Seligmann 533. — Komplementbindungsversuche, 
Ueber - bei infektiösen und postinfektiösen Erkrankungen (Tabes 
dorsalis etc.) sowie bei Nährstoffen. Citron 499. —- Komplement¬ 
fixation, Zur diagnostischen Bedeutung der spezifischen. Wasser¬ 
mann 81. — Komplementfixation, Ueber weitere Anwendungen der 
Methode der. Schütze 426, — Konturschuß, Ein - entlang der 


Orbita. Bergmeister 459. — Kontusionspneumonie. Litten 263. — 
Kondylome, Ueber die Kontagiosität der spitzen. Neuberg 568. — 
Kopftetanus, Zur Lehre vom Boseschen. Friedlaender, Meyer 490. 

— Korsett, Ein neues aktives. Heermann 169. — Kotfisteln, Die 
Verhütungund Behandlung der - nach Appendizitisoperationen. 283. — 
Krämpfe, Zur Kasuistik der tonischen - des Rumpfes. Fuchs 34. — 
Krampfanfälle, Ueber akustische und optisch-motorische Folgeerschein¬ 
ungen von. Pick 57. — Krankenhäuser in drei Erdteilen. Pauli 170. — 
Krankenhäusern, Heizung und Lüftung in. Bietschel 449. — 
Krankenpflege, Ueber die Verwendung der Seidenpapiere in der - 
bei ansteokenden Krankheiten. Hillenberg 568. — Krankenpflege, 
Erfindungen auf dem Gebiete der. Justi 204. — Eirankenpflege¬ 
personen, Die Vorschriften über die staatliche Prüfung von. Dietrich 
390. — Eirankheit, Die heredodegenerative. Kollarits 131. — 
Krankheitslehre, Ueber den Begriff der Zweckmäßigkeit in der. 
Goldscheider 334. — Krankheitssimulation, Ueber - bezw. Dis¬ 
simulation und ihre Entlarvung in der inneren Medicin. 392. — 
Krankheitssymptome, Ueber psyoho-reflektorisohe. Goldscheider 343. 

— Krebs, Ueber den primären - der Appendix, nebst Bemerkungen 
über die Revision der Appendix bei jedweder Laparotomie. Landau 
21, 33. — Krebs, Das Problem des. Rülf 142, 166. — Krebs- 
und Sarkomwucherung, Die Ursache der - beim Mensohen. Schüller 
194. — Elrebs, Ein neuer Fall von primärem - der Appendix. Grün¬ 
baum 511. — Krebsforschung, Die Sammelforsohung des Bayrischen 
Komitees für - über das Jahr 1905. Kalb 167, 177. — Krebs¬ 
forschung, Der heutige Stand der experimentellen. Dietrich 262. 
Krebsursache, Die Entdeckung der - durch Herrn Dr. H. Spude. 
Fischer 324. — Kreosot, Ueber den Einfluß des - auf den Eiweiß- 
Stoffwechsel. Neano 143. — Kretinismus, Zweiter Bericht über die 
Behandlung des endemischen - mit Schilddrüsensubstanz. Wagner 
v. Jauregg 107. — Kriminalpsychologie, Praktische. Marx 406. — 
Kropfverpflanzung, Ueber - und experimenteller Morbus Basedow. 
Pfeiffer 403. — Krüppelelend, Was kann der praktische Arzt zur 
Linderung des - tun. Lange 283, 292. — Krüppelfürsorge, Ueber. 
Biesalski 170. — Kuhmilchpräzipitin, Weitere Untersuchungen 
über - im Säuglingsblute. Moro 10. 

L. 

Labyrintheiterungen, Ueber. Heine 643. — Lachen, Abnormes 

— vom Auge ausgelöst Neustätter 404. — Landhebammen, Sollen 
die - mit Gummihandschuhen ausgerüstet werden? Walther 127. 

— Landpraxis, Aus der geburtshilflichen. Müller 140. — Längs- 
extentionen, Eine zweite Art der Umsetzung von - in queren Zug. 
Hoffinann 177. — Laryngitis membran oulcerosa fusibacillaris. 
Reiche 382. — Laryngologie als selbständige Spezialität, mit be¬ 
sonderer Rücksicht auf ihre heutige Stellung in Deutschland. Lange 
183. —Laryngoskopie, Ueber subglottische. Senator 105. — Larynx- 
tuberkulose, Die Behandlung der. Jurasz 488. — Lebensschwäche, 
Ueber die Behandlung der angeborenen. Pfaundler 478, 621. — 
Lebensversicherung, Die - im Kriegsfälle. Sardemann 679. — Leber¬ 
autolyse, Katalytische Beeinflussung der - durch kolloidale Metalle. 
AscoU, Izar 106. — Leberabszeß, Ein Fall von - mit Typhus¬ 
bazillen. Venema, Grünberg 251. — Leberfieber, Beitrag zur Frage 
des syphilitischen. Gerönne 602. — Leberkrankheiten, Neuere 
Arbeiten über. Platt 184. — Leberschwund, Ein Fall von - nach 
Trauma und Rekreation des Organs, unterstützt durch operativen 
Eingriff. Mekus 68 . — Leistenhernien, Die Radikaloperation über¬ 
großer. Sauerbruch 403, — Lepra, Ein bakterielles Fett als immu¬ 
nisierende Substanz bei der -, seine theoretische Bedeutung und 
praktische Verwertung. Deyke, Reschad 93. — Lepra, Versuche 
von Uebertragung der - auf Tiere. Jeziersky 383. — Leukämie, 
Zur Kenntnis der akuten myeloiden (gemischt-zeiligen). Mayer, Stem- 
burg 84. — Leukämie, Septische Erkrankungen und akute. Erb 
389. — Leukämie, Ueber akute myeloide. Hirschfeld 424. — Leu¬ 
kämie, Zur Diagnose der. Schultze 501. — Leukozyten, Ueber das 
proteolytische Ferment der - und Autolyse normalen Menschen¬ 
blutes. Erben 63. — Leukozyten, Einige Beobachtungen an den - 
und Hämokonien. Mühlmann 180. — Leukozyten, Ueber die funk¬ 
tionelle Bedeutung der - im zirkulierenden Blute bei verschiedener 
Ernährung. 803. — Leukozytenferment, Weitere Beiträge zur 
Kenntnis des proteolytischen - und seines Antiferments. Müller, Ko- 
laczek 165. — Leukozytosen, Ueber abnorm hohe - bei schweren 
Infektionen. Hirsohfeld, Kothe 532. — Licht, Die Anwendung des 

e 



X 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 61 


- in der Dermatologie. Kromayer 106, 106, 129. — Lichtbehand¬ 
lung. Neue Bergkrystallans&tze für die - von Schleimhäuten. Schäler 
230. — Licht-Luftatrombehandlung, Die - der Erkrankungen der 
Respirationsorgane. Herz 183. — Lidschluß, Ueber Apraxie des. 
Lewandowsky 613. — Ligamenta rotunda, Zum Auf finden der - 
im Leistenkanale. Reismann 80. — Linse, IJeber die - mit doppel¬ 
tem Brennpunkt Freytag 139. — Lipolyse, Agglutination und 
Hämolyse. Neuberg, Rosenberg 93. — Lipolyse, Agglutination und 
Hämolyse. Neuberg, Reicher 568. — Lipomatosis, Die konstitu¬ 
tionellen Formen der. Risch 412. — Lipome, Ueber pendelnde - 
des Sinus transversus perikardii. Struppler 193. — Lokalanäs¬ 
thesie, Zur Technik der - mit besonderer Berücksichtigung des 
Novokain-Suprarenins. Dietze 44. — Luftdruckemiedrigung, Zur 
Frage der mechanischen Wirkungen der - auf den Organismus. 
Jacoby 57. — Luftmassage, Ueber. Klapp 54. — Lues oongenita, 
Pathologisch anatomische Befunde an den Augen bei zwei Fällen 
von. Schlimpus 20. — Lues congenita, Zur Levaditifärbung der 
Spirochaete pallida, nebst Bemerkungen über die Histologie der 
Leber bei. Benda 334. — Lues cerebrospinalis, Beitrag zum kli¬ 
nischen und anatomischen Bild der. Tredemann, Nambu 402. — 
Lues, Weitere Mitteilung über die Erkrankung der großen Ge¬ 
fäße bei kongenitaler. Raeh, Wiesner 468. — Lues - Antikörper¬ 
nachweis, Ueber - im Blute von Luetischen. Weil 458. — Lues¬ 
nachweis, Ueber den gegenwärtigen Stand des serologischen - bei 
den syphilogenen Erkrankungen des Zentralnervensystems. Plaut 
508. — Lumbalanästhesie, Erfahrungen über - mit Novokain. Hen- 
king 43. — Lumbalanästhesie, Ueber die Dosierung und Darreich¬ 
ungsform der analgesierenden Mittel bei. Hofmann 53. — 
Lumbalanästhesie, Zur Technik der - im Morphium-Scopolamin- 
Dämmerschlaf für die Bauchchirurgie und gynäkologischen 
Laparotomien. Penkert 103. — Lumbalanästhesie, Ueber - mit 
Tropakokain. Bosse 128. — Lumbalanästhesie, Die - in ihrer 
augenblicklichen Gestalt. Bosse 490, 492. — Luna, Die Dar¬ 
stellung des Planeten - von Hans Sebald Beham (1500—1550) in 
medicinisch-historischer Hinsicht. Martin 264. — Lungenbefunde, 
Ueber die bildliche Darstellung von. Elken 54. — Lungenblutung, 
Ueber einen Fall von abundanter - bei Mitralstenose und hoch¬ 
gradiger Sklerose der Arteria pulmonalis. Schwartz 241. — Lungen¬ 
oirrhose, Ueber muskuläre. Davidsohn 92. — Lungenemphysem, 
Zur Pathologie und Therapie des alveolären. Mohr 467. — Lungen¬ 
gangrän, Ueber. Beck 217. — Lungenkranke, Ueber Ernährungs¬ 
kur. Moeller 535. — Lungenphthise, Zwei Fälle von erfolgreicher 
Uebertragung tuberkulösen Materials von an - gestorbenen er¬ 
wachsenen Menschen auf das Rind. Eber 203. — Lungenphthise, 
Einige Bemerkungen über die Stenose der oberen Brustapertur 
und ihre Beziehung zur. Hansemann 457. — Lungensaugmaske, 
Ueber die mit der Kuhnschen - in der Heilstätte Slawentzitz ge¬ 
machten Erfahrungen. 324. — Lungenschwinunprobe, Die - und 
ihre Bedeutung. Käthe 580. — Lungenschwindsuchtsfrage, Der 
gegenwärtige Stand der. Aufrecht 456. — Lungenspitzentuber¬ 
kulose, Ueber radiographische Befunde bei. Vierhuff 302. — Lungen¬ 
tuberkulose, Die röntgenologische Diagnostik der. Pförringer, Büwz 
68 . — Lungentuberkulose, Die Frühdiagnose der. Arnsperger 68. 
Lungentuberkulose, Aero-lymphogene. Tendeloo 78. — Lungen¬ 
tuberkulose, Die Prognose der. Rumpf 178. — Lungentuberkulose, 
Ueber Entstehung und Behandlung der menschlichen. Klebs 302. 
Lungentuberkulose, Die Frühdiagnose der - mittels der Kochschen 
Tuberkulinprobe in der ärztlichen Praxis. Ziegler 446. — Lungen¬ 
tuberkulose, Zur Frage der Entstehung der. Straßner 571. — 
Lupusbehandlung mittels der Uviollampe. Axmann 523. — Luxation, 
Angeborene habituelle - des linken Kiefergelenks mit gleichzeitigem 
Bildungsfehler des linken Ohres. Wunsch 264. — Luxation der 
Patella, Zur Kasuistik der kongenitalen. Bogen 284. — Luxa¬ 
tionen, Ueber paralytische - der Hüfte, ihre Entstehung und Be¬ 
handlung. Boecker 491, 500. — Lymphangiom, Ein Fall von - 
des großen Netzes, kombiniert mit Ovarialzysten. Heinzeimann 32. 

M. 

Magen, Ueber die Saftabscheidung des - im nüchternen Zu¬ 
stande. 556. — Magenatonie und Chlorose. Schirokauer 567. — 
Magenblutungen, Beitrag zur operativen Therapie bei lebensgefähr¬ 
lichen profusen. Hirschei 103. — Magenkarzinom, Zur Frühdiagnose 
des, Albu 55. — Magenkarzinom, Ein Fall von metastatischem. 


Joseph 230. — Magenchemismus, Ueber die Aenderung des - nach 
der Gastroenterostomie und den Einfluß dieser Operation auf das 
Ulcus und Carcinoma ventriouli. Katzenstein 94, 104. — Magen¬ 
darmkanal, Wie schützt sich der tierische Organismus gegen das 
Eindringen von Keimen vom - aus. Uffenheimer 356. — Magen- 
darmkrankheiten, Ueber d. derzeitigen Stand der Röntgendiagnostik 
bei. Jolasse 478. — Magenerrosionen, Ueber. Berger 400. — Magen¬ 
fluß, Ueber digestiven. Boas 104. — Magenfundussekret, Ist die 
Konzentration des reflektorisch abgeschiedenen - abhängig von der 
Konzentration in den Magen eingeführter Lösungen? Schloß 93. 

— Magengeschwür, Die chirurgische Therapie des. Hildebrandt 
425. — Magengeschwür, Beitrag zur Klinik des - mit besonderer 
Berücksichtigung des Pylorospasmus und der Hypersekretion. Bezt 
446. — Mageninhalt, Nervöse Erscheinungen beim Uebergang des 

- in den Darm. Kehrer 126. — Magenkrankheiten, Die Verwen¬ 
dung der Röntgenstrahlen zur Diagnose der - und zum Studium 
der Morphologie und Physiologie des Magens. Groedel 387. — 
Magenkrebs, Der - und die Chirurgie. Kausoh 345, 348. — Magen¬ 
saft, Versuche über die therapeutische Verwendung menschlichen. 
Rosenberg 434. — Magensaftfluß, Ueber digestiven. Strauß 302. 
Magenschleimabsonderung, Ueber pathologische. Schütz 264. — 
Magenschleimhaut, Untersuchungen über den Einfluß von Metallen 
auf die. Bickel, 534. — Magensonde, Eine neue • für Röntgenzwecke. 
Groß 423. — Magentherapie, Die Bedeutung der Pawlowschen 
Tierexperimente für die. Rodari 34. — Magen- und Duodenalulkus, 
Beitrag zur Behandlung des in die freie Bauchhöhle perforierten, 
von Eiseisberg 47. — Magenuntersuchung, Eine Verbesserung der 
Durchleuchtungsblende speziell für die Zwecke der. Wiesner, 
DessAuer 531. — Magen Verdauung, Die Rolle der Salzsäure bei 

der. Keutzler 534. —- Magnetoperation, Ueber die - in der Augen¬ 
heilkunde. Hirschberg 180. — Makrochiüe, Scheinbare - bei Hysterie, 
ßleibtreu 127. — Malaria, Beiträge zur Therapie der. Schweitzer 
183. — Malariaparasiten, Zur Frage der Arteinheit der. Plehn 
522. — Malum suboccipitale, Ueber operative Behandlung des. 
Payr 47. — Mangantoxikosen, Ueber - und Manganophobie. Jaksch 
355. — Maretinvergiftung, Ueber. Port 558. — Massage, Ueber 
die - durch „rhytmischen Druck (nach Prof. Cederschioeld) und 
ihre Verwendung zur Nachbehandlung intraabdomineller Organ- 
operationen. Schmidt 421. — Mastdarmkarzinom, Zur Operation 

des. Berndt 510. — Mastitiden, Behandlung von zwölf - mit Saug¬ 
apparaten. Hartmann 127. — Mastitis, Die Behandlung der - mit 
Bierscher Stauung. Zacharias 291. — Mäusekarzinom, Ueber ex¬ 
perimentell erzeugten Rückschlag von - in den histologischen Typus 
des Adenoms. Apolant 567. — Mäusetyphusbazillus, Ueber Patho¬ 
genität des - für den Menschen. Shibagama 356. — Medicin und 
Aerzte in Portugal. Spira 184. — Medulla oblongata, Die Bezieh¬ 
ungen der - zur Pupille. Bach 421. — Medulla oblongata, Die 
Beziehungen der - zur Pupille. Trendelenburg, Beumke 469. 
Mehl, Kufekes - bei Magen- und Darmerkrankungen Erwachsener. 
Münz 117. — Meningitis cerebrospinalis, Bacillus coli immobilis 
capsulatus (Wilde) bei einem Fall von eitriger. Naeggerath 241. 

— Meningitis, Ueber - cerebrospinalis pseudoepidemica. Baginsky 
304. — Meningitis, Ueber sporadische - cerebrospinalis epidemica 
und ihre diagnostische Abgrenzung von anderen meningealen Er¬ 
krankungen. Hölker 548- — Meningocele vertebrale mit Teratoma 
kombiniert. Buel 229. — Meningokokken, Die Beziehungen der 

- zu den Gonokokken. Zupnik 59. — Meningokokken-Serum, Ueber- 
blick über die Behandlung von 30 Genickstarrkranken mit Joch- 
mannschem. Schoene 535. — Meningokokkus, Ueber das Vor¬ 
kommen des - und des Mikrokokkus katarrhalis im Nasenrachen¬ 
raum und Desinfektionsversuche mit Pyooyanase bei diesen 
Infektionen. Jehle 82. — Meningoencephalitis, Ein Beitrag zur 
klinischen und forensischen Beurteilung der chronischen - tuber- 
culosa. Landois 56. —- Metalle, Physiopathologische Wirkung 
kalloidaler - auf den Menschen. Ascoli Izar 405. — Meteorismus, 
Ueber experimentell erzeugten. Bickel 93. — Milch, Ueber die 
praktische Bedeutung der Reduktionsfäbigkeit der. Brand 331, 
Milchpumpe, Eine neue. Kaupe 80, 569. — Milchinfektion, Ueb. d. 
Bedeutung der - für die Fntstehung der primären Intestinaltuber¬ 
kulose im Kindesalter. Fibiger, Jensen 106, 129. — Milchsäure, 
Die - in der Otiatrie. Lange 117.— Milchsäurebazillen, Ueber das 
Vorkommen von - im Harnsediment. Lotzel 34. — Milchsekretion 
nach Kastration. Grünberg 448. — Militärsanitätswesen, Fortschritte 


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10OT. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


XI 


auf dem Gebiete des. Schill 220. — Militärsanitätswesen, Das - 
in England. Firth 391. — Militärsanitätswesen, Das - in Rumä¬ 
nien. Demostlien 544. — Milzabszeß, Ueber die Resistenz gegen - 
Ein Fall von sequestriertem. Doebbelin 545. — Milzbrand und die 
Herkunft der Milzbrand feindlichen Stoffe. Gruber, Tutaki 125. — 
Milzbrand, Ein Fall von äußerem und innerem. Lengfellner 217. 
Milzbrand, Ueber - und seine Behandlung, Barlach 292. — Milz¬ 
exstirpation, Heilung eines Falles von vorgeschrittener Bantischer 
Krankheit durch. Caro 500. — Milzexstirpationen, Ueber eine bis¬ 
her unbekannte Ursache des Fiebers bei. von Hevezel 156. — 
Mineralwässer, Leistungsfähigkeitsbestimmungen der Gleichenberger, 
v. Szaboky 208. — Moebius, P. J. Krön 180. — Moeller-Bar- 
lowsche Krankheit, Ueber die. Hofifmann 47. — Monotal, Ein 
neues externes Antiphlogistikum und Anästhetikum. Hecht 131. 
Morbus Basedowii, Ein Beitrag zur Behandlung. Siebermann 263. 
Morbus addisonii, Ueber Heilung des -, nebst Bemerkungen über 
die Pathogenese dieser Krankheit. Grawitz 489. — Morphin, Die 
stopfende Wirkung des. Magnus 478. — Motilitätsprüfung, Ueber 
radiologische — des Magens. Die Schlußkontraktion. Schwarz, 
Kreuzfuchs 381. — Motilitätsprüfung, Ueber eine neue Form der 
- des Magens. Strauß, Leva 499. - Murphyknopf, Ueber die An¬ 
wendung des - am Dickdarm. Vogel 392. — Muskelatrophie, Ueber 
die (Reflextheorie und Inaktivitätstheorie). Sudeck 391. — Mus¬ 
kelarbeit, Der Einfluß schwerer - auf Herz und Nieren bei Ring¬ 
kämpfern. Selig 157. — Muskelkontrakturen, Zur Behandlung 
ischämischer -. zugleich ein Beitrag zur Pseudoarthrosenheilung. 
Kleinschmidt 345. — Muskelschwäche, Zur Kenntnis der sogen, 
angeborenen Muskelschlaffheit. Bernhardt 69. — Mund tuberkulöse, 
Ueber einen Fall von primärer - durch Infektion und Perlsucht¬ 
bazillen. Weber 572. — Mutterschaftsversicherung, Staatliche und 
private. Fischer 546. — Myasthenia gravis pseudoparalytika. 
Sitsen 59. — Myom, Wann soll ein - operiert werden? Wei߬ 
wange 376. — Myome, Zur Kasuistik der - bei Gravidität. Bütt¬ 
ner 390. — Myotomia congenita, Ein Beitrag zur Kenntnis der - 
sogen. Thomsenschen Krankheit, te Kamp 414. 

N. 

Nabelschnurbrüche, Zur Therapie der großen. Fiedler 95. — 
Nabelschnurbrüche, Zur Kasuistik der angeborenen - (Ectopia vis- 
cerum). Ringel 560. — Nachgeburt, Zur Behandlung der vor¬ 
liegenden. Mende 117. — Nachgeburtsoperationen, Die Einübung 
der. Seilheim 421. — Nagana, Die Heilung der experimentellen - 
(Tsetsekrankheit). Löffler, Rühs 546. — Narkose, Die — mit 
dem Roth - Drägerschen Tropfapparat. 141. — Nasenoperationen, 
Kosmetische. Gerber 263. — Nephrolithiasis, Ueber doppelseitige. 
Krause 544. — Nephrolithotomie, Ueber Blutungen nach. Neu¬ 
häuser 491. — Nerv oder Mikroorganismus? Bab 139. — Nerven¬ 
fasern, Ueber Vorkommen und Bedeutung markhaltiger - in der 
menschlichen Netzhaut vom neurologischen Standpunkt. Bernhardt 
314. — Nervenkrankheiten, Fortschritte in der Diagnostik der. 
Weber 544, 547. — Nervensystem, Untersuchungen des - Syphili¬ 
tischer. Meyer 523. — Netzhautablösung, Die Behandlung der. 
Deutschmann 229. — Netzhautablösung, Der Druckverband in der 
Therapie der. Freytag 568. — Neugeborene, Ein Blick in den 
Haushalt des normalen. Langer 34. — Neugeborene, Ueber Ge¬ 
websveränderung im Hirn luetischer. Ranke 232. — Neuralgie, 
Myalgie. Peritz 523. — Neuralgien und ihre Behandlung. Schultze 
581. — Neuritis, Ein Fall von doppelseitiger - des N. cruralis 
bei Pentosurie. Casairer, Bamberger 392. — Nierenbeckenent¬ 
zündung , Ueber die akute und chronische. Lenhartz 322. — 
Nierenentzündung, Vergleichende Untersuchungen über die Wirkung 
des Trinkens von destilliertem Wasser bei einem Falle von chro¬ 
nischer. Markus 304. — Nierenfunktion, Ueber -. Klinische 
Untersuchungen über - bei Arteriosklerose und chron. Nephritis. 
Schur, Zak 33. — Nierensteine, Druckschmerzhaftigkeit des Hodens 
bei. Bittorf 400. — Nieren Wassersucht, Experimentelle Beiträge 
zur Frage der. Ben 6 e 457. — Nikotin, Ueber den Einfluß des - 
auf die Zirkulationsorgane. 365. — Novokain, Unsere Erfahrungen 
mit. Stein 44. — Novaspirin, ein verbessertes Aspirinpräparat. 
Witthauer 105. — Novaspirin, Ueber -, ein neues Aspirinpräparat. 
Liebmann 183. — Novaspirin, Das. Lehmann 204. — Novaspirin, 
Erfahrungen über. Schweiger 525. 


o. 

Oberschenkelluxationen, Kasuistischer Beitrag zu den. Karehnke 
569. — Obstipation, Erfahrungen über die Behandlung der -, be¬ 
sonders der chronischen habituellen Form, mit Regulin und Para¬ 
regulin. Schellenberg 20. — Oedema cutis faotitium, Fin Fall von. 
Voerner 500. — Ohr, Die Behandlung der Erkrankungen des 
äußeren. Denker 21. — Ohrerkrankungen, Die Mortalität der - und 
ihre Bedeutung für die Lebensversicherung. Levy 263. — Ohr¬ 
sauger, Ein neuer. Leuwer 414. — Ohrschwindel, Zwei Fälle von 

- durch Operation geheilt. Isemer 65. — Onychia pigmentosa, 
Ueber. Voerner 284. — Onychoatrophie, Ueber - bei Färbern. 
Gotthilf 556. — Operation, Zur Alexander Adamschen. Spaeth 
240. — Operationen, Ueber moderne geburtshilfliche. Bardeleben 
81. — Operationen, Zur Indikationsstellung bei den beckener¬ 
weiternden. Menge 508. — Operationen, Wie vermeidet man sicher 
das Zurücklassen von Kompressen bei - in der Bauchhöhle? 
Wederhake 548. — Opium, Ist - nützlich oder sohädlich bei 
akuter Perityphlitis. Pel 532. — Opsonine, Ueber A. E. 
Wrights - und seine therapeutischen Bestrebungen bei Infektions¬ 
krankheiten. Loehlein 509. — Orthodiagraphie, Zur Technik der 
-: Eine durchsichtige Zeichenebene. Franze 19. — Oesophago- 
skopie, Zur Technik der - und Bronchoskopie. Gottstein 208. — 
Oesophagus, Ein Fall von Divertikel des. Meisenburg 169. — 
Osteome, Die - als Exostosen, Haut- und Sehnenknochen. Koch 
347. — Osteomyelitis, Ein Beitrag zur Frage der akuten - der 
flachen Schädelknochen. Keimer 491. — Otologie, Biersohe Stauung 
in der. Leutert 532. — Ovogal, Ein neues Cholagogum. Rahn 
193. — Oxybenzyltannine, Praktische Erfahrungen über - (Tanno- 
thymal). Baumgarten 421. — Oxybenzyltanninen, Ueber das phar¬ 
makologische Verhalten von. Hildebrandt 421. — Ozaena, Nasen¬ 
tamponade bei. Sondermann 11. — Ozaena, Die Entwicklung der 
Lehre von der. Fraenkel 58. — Ozetbäder, Ueber Sarasonsohe. 
Schmittgen 559. 

P. 

Pankreas, Ueber die Zirrhose des. Schmieden 18. — Pankreas, 
Untersuchungen über- das - des Menschen. Wohlgemuth 93. — 
Pankreas, Ueber Schußverletzungen des. Gobies 180. -— Pankreas, 
Ueber isolierte subkutane Verletzungen des - und deren Behand¬ 
lung. Karewski 164. — Pankreasblutung, Zur Pathogenese der 
akuten - und Pankreasnekrose. Polya 21. — Pankreaserkrankungen, 
Experimentelle Beiträge zur Diagnose der. Die Cammidgesche 
„Pankreasreaktion“ im Urin. Eichler 424. — Pankreassaft, Ueber 
die Untersuchung des - beim Menschen und eine Methode der 
qualitativen Trypsinbestimmung. Volhard 176. — Pankreaszyste, 
Kasuistischer Beitrag zur Aetiologie und Symptomatologie der. 
Lilienstein 556. — Paralysefrage, Beitrag zur. Stransky 378. —- 
Paramyoclonus, Ein Fall von - bei Friedreichscher Chorea. Ver- 
brugghen 117. — Parotis, Luetische Erkrankung der. Claus 511. •— 
Pasteriocystitis, Die Behandlung der gonorrhoischen - seitens des 
praktischen Arztes. Kromayer 65. — Patellarfrakturen, Heilungser¬ 
gehnisse von. Landwehr 284. — Patellarreflex, Zur Beurteilung und 
Prüfung des. Guttmann 679. — Peritonitis, Zwei Fälle von diffuser - 
appendicularis mit nachfolgendem Darmverschluß. Nießner 380. — 
Peritonitis, Abgang des eitrigen Wurmfortsatzes per rectum bei eitriger. 
Grödel 449. — Perityphlitis, Ueber die Entstehung linksseitiger Symp¬ 
tome bei. Burkhardt 44. — Perityphlitis, Beitrag zur chirurgischen 
Behandlung der - und ihrer Folgezustände. Franke 46. — Perkussion, 
Der gegenwärtige Stand der Lehre von der - des Herzens. Treupel, 
355, 378. — Perkussionsschlag, Die Stärke des. Geigel 192. — 
Perkussionsstoß, Ueber die Oberflächenwirkung des. Hamburger 
18. — Perkussionsstoß, Ueber die Oberflächenwirkung des. Were 
115. — Pellagra, Die Atoxilbehandlung der. Babes, Vasilin 487. 

— Pellotin, Zur Kenntnis des. Pincussohn 93. — Pemphigus 
neonatorum, Zur Aetiologie des - non syphiliticus. Kaupe 377. — 
Pentose im Harn und Nachweis derselben. Kraft 405. — Perlsucht¬ 
bazillus, Zur Biologie des. Bartel 181. — Pessartherapie, Die Er¬ 
folge der - in der gynäkologischen Praxis. Schwab 479. — Pest¬ 
fall, Der - vom Lloyddampfer Callipso. Marke 182. — Phagocytose, 
Ueber das Ausbleiben der - bei Komplementbindung (Reaktion 
auf Immunkörper im Serum). Häntjens 228. — Pharynxtonsillotom, 
Ein neues. Barth 66 . — Phenole, Ueber haltbare feste Verbin¬ 
dungen einwertiger - und deren Vorzüge für die Praxis, Seel 620 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 52. 


xn 


— Phimose, Die - eine wichtige Ursache innerer Erkrankung der 
Knaben. Witzenhausen 389. — Phloridzinprobe, Zur Frage der. 
Lichtenstem 35. — Phosphaturie, Ueber - bei Gonorrhoe. Oppen¬ 
heim 434. — Phosphoremährung, Ueber einen neuen Vorschlag zur 

— und Phosphortherapie im Kindesalter. Manchot 228. — Phoe- 
phoremährung, Zu Manchots neuem Vorschlag zur • und Phosphor¬ 
therapie im Kindesalter. Pasternack 343. — Phthise, Zur Therapie 
der diabetischen. Thorspecken 139. — Phthise, Die mechanische 
Disposition der Lungenspitze zur tuberkulösen. Rothschild 456. — 
Phthise, Die Manubriumoorpusverbindung des Sternum und die 
Genese der primären tuberkulösen - der Lungenspitzen. Hart 457. 

— Phthisiker, Zur Behandlung des Fiebers der - mit Antipyre- 
tiois. Tollens 169. — Plazentarlösung, Ueber. Hofmeyer 250. — 
Plazentarretention, Die Hauptursache der - und ihre Verhütung. 
Durlaoher 167. — Plattfußeinlagen, Eine Stahlbandfeder für. 
Lengfellner 377. — Plattfuß-Metall- und Zelluloid-Metalleinlagen. 
Lengfellner 177. — Plethora vera, Ein Beitrag zur pathologischen 
Anatomie der. Westenhöflfer 578. — Pleuritis, Zur Behandlung 
der exsudativen. Fränkel 56. — Pleuritis, Ueber Perkussion, deren 
Befunde und Deutung bei exsudativer. Bachmann 388. — Pneu¬ 
mokokkenmetastasen, Zur Kasuistik der. v. Sohantz 208. — Pneu¬ 
monie, Experimenteller Beitrag zur Frage der Entstehung der - 
nach Narkose. Lichtenberg 18. — Pneumonie, Ueber die Bezieh¬ 
ungen zwischen - und Gicht. Ebstein 555. — Polycithaemia, 
Beitrag zur Pathologie der - rubra. Glässner 34. — Polyglobulie, 
Ein Beitrag zur Frage der. Schneider 380. — Polyneuritis der 
Hühner und Beri-Beri, eine chronische Oxalsäurevergiftung. Eyk- 
mann 80. — Polineuritis der Hühner und Beri-Beri, eine chronische 
Oxalsäure Vergiftung. Maurer 292. — Polyneuritis und Bakterium 
coli. Poljakoff, Moroschko 579. — Polyserositis, Ein Fall von. 
Wagner 229. — Polyzythaemie, Elin Fall von - und Zwangsvor- 
atellungsneurose. Cassirer, Bamberger 578. — Prinzip, Das homöo¬ 
pathische - in der allgemeinen Therapie und seine Vertretung durch 
Paracelsus. Schlegel 158. — Prophylaxe, Zur - der Infektionen in 
den Warteräumen von Kinderambulatorien. Fromm 68. — Prostata¬ 
hypertrophie, Ueber die Röntgenbehandlung der - und ihre Technik. 
Haenisoh 283. — Prostatektomie suprapubica, Kasuistischer Beitrag 
zur. Posner 411. — Protargol, Ueber die „Reizwirkung“ des. 
Stern 141. — Protargol, Die Rezeptur des. Goldmann 154. — 
Protargolsalbe, Bedeutung der - für die Narbenbildung. Müller 231. 

— Prüfungen, Die Ergebnisse der ärztlichen - auf den preußischen 
Hochschulen in den Jahren 1900/01 bis 1905/06. Prinzlng 264. — 
Pseudarthrose, Die - des Processus styloideus ulnae. Stoffel 53. — 
Pseudoleukämie, Ueber - mit periodischem Fieber. Tschistowitsch 263. 

— Pseudoleukämie, Ein Fall von malignem Morbus Basedowii 
kombiniert mit den Symptomen der. Caro 346. — Psychose, Ueber 

— und Schwangerschaft. Tellner 537. — Psychosen, Querulantische 

— im Zusammenhang mit der Arbeiterversioherung. Tintemann 510. 

— Ptomainvergiftungen, Zur Kasuistik der. Weikard 448. — 
Ptyophagon, Versuche mit Thoms - als Beitrag zur Sputumhygiene. 
Lissauer 548. — Pupillen, Ueber willkürliche Erweiterungen der. 
Reichardt 105. — Pupillenstarre, Differentialdiagnose zwisohen 
reflektorischer und absoluter. Bach 165. — Pupillenstarre, Ueber 

— im hysterischen Anfall und bei Syncope. Schnitze 501. — Puro, 
und seine Bedeutung für die Zusammensetzung der Blutflüssigkeit. 
Mutzner 184. — Pulsation, Die - des linken Vorhofs und ihre Be¬ 
deutung. Rautenberg 405. — Pulsdruckbestimmung, Ueber turgo- 
tonographische. Fleischer 581. — Pyämie, Ueber einen mit Strepto¬ 
coccenserum Menzer behandelten Fall von puerperaler. Bewersdorf 
510. — Pyelitis, Beiträge zur Pathologie und Therapie der 
gonorrhoischen. Schlei 581. — Pylorusstenose durch ein chronisches 
suprapapillaeres Duodenalgeschwür nach Gastroeuterostomieheilung. 
Pickenbach 127. — Pyozyaneusinfektion der Harnwege mit hoher 
Agglutdnbildung für Pyocyaneusbazillen und Mitagglutination von 
Typhusbakterien. Kliemberger 447. 

Q. 

Quarzlampenlioht, Zur Tiefenwirkung des. Hesse 569. — 
Quecksilberintoxikation, Ein Fall von tödlich verlaufener. Crippa 436. 

— Querlage, Zur Behandlung der verschleppten. Langes 217. — 
Quinquaudsche Phänomen, Ueber das - und seine Häufigkeit bei 
Nichttrinkem und bei Alkoholismus, Hysterie, Tabes und anderen 
nervösen Erkrankungen. Minor 347, 405. 


R. 

Rachitis, Vergleichende therapeutische Versuche bei Sittler 
479. — Radioaktivität, Die • der Teplitz-Schönauer Urquelle. 
Hauser 107. — Radiotherapie, Ueber Röntgenschädigungen iu 
der medioinisohen. Engel 57. — Radioaktivität, De - der Stebener 
Stahlquellen. Hammer 167. — Radiotherapie, Die intratumorale 
Bestrahlung der Krebsgeschwülste als Fortschritt der. 217. — 
Radiumemanation, Ueber die Wirkung der - auf den Mensohen. 
Löwenthal 581. — Rahmentaschen, Die Benutzung von - zum 
Mitführen geburtshilflicher, gynäkologischer und chirurgischer In¬ 
strumente. Liepmann 355. — Rattenkarzinom, Ueber ein trans- 
plan tables. Michaelis Lewin 313. — Raumdesinfektion, Formal¬ 
dehyd-Kalkverfahren zur. Huber, Bickel 671. — Reagenzglaspha¬ 
gozytose, Ueber Behinderung der. Weil, Tsuda 534. — Reaktion, 
Der diagnostische Wert der Grober-Widalschen - bei Prüfung 
von Versorgungsansprüchen. Knauth 401. — Rezeptoren, Ueber 
freie. Weil, Axamit 68. — Reibegeräusch, Endokardiales. Geigel 
291. — Reichs - Apothekengesetz, Der Entwurf eines. Spaeth 

843. — Reichs - Apothekengesetz, Der Entwurf eines. Neu^ 
mann 891. — Reinfektio, Ueber - syphilitica. Oplatek 381. — 
Rekurrensfieber, Untersuchungen über die Spirillen des europäischen. 
Fränkel 392. — Respiration, Vikariierende. Geigel 520. — 
Rhachitis, De Aetiologie der. Esser 331. — Rheumatismus, Ueber 

— nodosus im Kindesalter. Horn 12. — Rheumatismus, Rheuma¬ 
tosen und deren per kutane Behandlung mit 20 % Salizylsapon- 
Krewel. Schalenkamp 117. — Rhinoplastik, Beiträge zur. Joseph 
334. — Ringprobe, Eine Vereinfachung der Hellerachen. Sachs 71. 

— Röntgenbestrahlung, Ueber intratumorale. Sohmidt 285. — 
Röntgenographie, Eine neue Fixations- und Kompressionsvorrichtung 
für. Kaestle 389. — Röntgenröhren, Bleikasten für. Schiele 127. 

— Röntgenröhren, Neue Prinzipien bei der Konstruktion von. 414. 

— Röntgenstrahlen, Ueber die Wirkung der - auf nephrektomierte 
Tiere, ein Beitrag zur Frage des Leukotoxins. Schmid, Göronne 
192. — Röntgenstrahlen. Weitere Beiträge zur Behandlung media- 
stinaler Tumoren mit. Elischer, Engel 263. — Röntgenstrahlen, 
Ueber die Verwendung kleinerer Dosen von - in der Therapie. 
Rieder 569. — Röntgentisoh, Ein improvisierter Feld - nebst 
Stativ. Gillet 179. — Röntgenzimmer, Praktische Schutzvor¬ 
richtung im. Davidsohn 154. — Rückenmarkshauttumoren, Zur 
Dagnostik und operativen Behandlung der. Schultze 467. — 
Ruhr, Neue Untersuchungen über die. Kruse 168, 179. — Rup¬ 
turen, Zur Frage der Behandlung von - des Quadriceps femoris. 
Karewski 491. 

8 . 

Saccharometer, Ein neues. Walbum 220. — Saccharometer, 
Elin - zur gleichzeitigen Bestimmung beliebig vieler Zuckerharne. 
Oitron 623. — Sadismus und Lustmord. Notthaft 582. — Salicyl- 
präparat, Elin neues. Bodenstein 305. — Sanitätsoffizierkorps, 
Fortschritte in der Entwicklung des Preußischen. Werner 345. 

— Sarkom, Ein Fall von primärem melanotiscbem - der Rücken¬ 
marksmeningen. Thorei 292. — Sauerstoffbäder, Ueber. Laqueur 
57. — Sauerstoffeinblasungen, Therapeutische - in das Kniegelenk. 
Rauenbusch 273. — Saugbehandlung, Zur Technik der - bei 
Nasenleiden. Martin 56. — Säugling, Zur Erklärung des Auf¬ 
tretens grüner Stühle beim. Heoht 404. — Säuglingsernfthrung, 
Zur Frage der. Lewin 142. — Säuglingsernährung, Die natür¬ 
liche - in der ärztlichen Praxis. 167. — Säuglingsfürsorge, 
Statistik und. Schloßmann 54. — Säuglingsfürsorgestelle, De - 
in Weißen bürg i. Bayern. Doerflfler 54. — Säuglingsmilchküche, 
De Mütterberatungsstelle u. - d. Stadt Bonn. Esser 54. — Säug¬ 
lingsmorbidität, Ein Beitrag zur Statistik der. Risel 556. — Säug¬ 
lingssterblichkeit im Krankenhause. Soltmann 54, 68 . — Soopo- 
lamin-Dämmerschlaf, Bericht über das erste Tausend Geburten im. 
Gauß 102. — Scopolamin-Morphium, Zur Anwendung von - in 
der Geburtshilfe. Preller 102. — Scopolamin -Morphium-Chloro¬ 
formnarkosen , Erfahrungen mit. Kreuter 177. — Scopolamin - 
Morphium-Halbnarkose, 107 Geburten in. Baß 216. — Scopolamin- 
Morphium, Nochmals zu den Geburten mit. Hocheisen 217. — 
Schädelstiche, Beiträge zur Kasuistik der. Leischer 266. ~ - Schar¬ 
lach, Ueber komplizierende hämorrhagische Diathesen bei - nebst 
Bemerkungen zur Gelatinetherapie. Klose 56. — Scharlach, Die 
Therapie des. Schick 410. — Scharlachöl, Zur Wirkungsweise der 


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1907; 


Medicinische woche. 




•Injektionen B. Fischers bei der Erzeugung karzinomähnlicher 
Epithelwacherungen. Wyß 529. — Schiefheit, Ein Apparat gegen 
den. Wunsch 490. — Schielen, Vererbung des. Sicherer 423. — 
Schifisapotheke, Die - auf Lloyddampfern. Breuning 184. — 
Schilddrüsenstücken, Ueber funktionelle Hypertrophie überpflanzter 

— beim Menschen. Christiani, Kummer 10; — Schilddrüse, Die 
partielle Exstirpation der - als Heilmittel in einem Falle Basedow-, 
scher Krankheit: Torday 34. — Schlaf, Ueber das Verhalten 
einiger Beflexe im. Kutner 95. ■— Schlafkrankheit, Bericht über 
die Tätigkeit der deutschen Expedition zur Erforschung der bis 
zum 25. November 1906. Koch 69. — Schlafkrankheit, Dritter 
Bericht von der deutschen Expedition zur Erforschung der; Koch 
580. — Schlafkrankheit, Zur Kenntnis der afrikanischen. Kutscher 
206. — Schlafkrankheit u. progressive Paralyse; Spielmeyer 387. 

— Schleimabsonderung, Zur Frage der - im Magen. Pewsner 93, 

106. — Schlottergelenke, Die chirurgische Behandlung paralyti¬ 
scher -, Seidenhgamente oder Arthrodese. Herz 46. — Schlüssel¬ 
beinbruch-Verband, Brauchbare Abänderung des Sayreschen. Riedl 
381. —*■ 8chnellfärbung, Neue Verfahren zur - von Mikroorganis¬ 
men, insbesondere der Blutparasiten, Spirochaeten, Gonokokken u. 
Diphtheriebazillen. Löffler 127. — Schulärzte, Ueber die Tätig¬ 
keit der Berliner. Landsberger 170. — Schulpausen, Die Ver¬ 

wertung der - für die körperliche Entwicklung der Kinder. Muskat 
264. — Schuß Verletzung, Penetrierende - des Abdomens durch 
eine Exerzierpatrone. Neudörfer 130. — Schußverletzungen, Be¬ 
handlung der. Sprengel 48. — Schußverletzungen, Beitrag zur 

Kasuistik der kombinierten • des Darmes und der Harnblase. 
Finkeistein 167. — Schußverletzuügen, Ein Fall von penetrieren¬ 
den - des Abdomens. Reichard 285. — Schutzstoffe, Zur Gewin¬ 
nung von - aus pathogenen Bakterien. Bassenge, Krause 522. — 
Schwangerschaft, Seltenere Störungen der. Krammacher 377. — 
Schweißanomalien bei Rückenmarkskrankheiten. Higier 59. — 
Schweiße, Ueber hysterische. Curschmann 555. — Schweißsekretion, 
Zur Funktion der. Adaniewiz 144. — Schwellenwertsperkussion, 
Zur - des Herzens. Goldscheider 490. — Schwellenwertsperkussion. 
Zur - des Herzens. Ewald 623. — Schwerhörigkeit, Ueber das 
Vorkommen von - und deren Ursachen bei Schulkindern. Laser 
128. -- Schwimmer, Untersuchungen an. Kienböck, Selig, Beck 
479. — Secacornin, Klinische Beobachtungen auf dem Gebiete 
der Geburtshilfe. Ueber die Wirkung des. Schubert 434. — Sedi- 
mentierungsverfahren, Ein Hilfsmittel bei. Sachs, Müke 45. — 
Seekrankheit, Biersche Stauung bei. Rosen 140. — Seekrankheit, 
Ueber Biersche Stauung und. Schläger 469. — Sehnen geschwülst- 
chen, Ueber - bei Kindern. Pels-Leusden 56. — Sebnennähte, 
Zur Technik der. v. Frisch 182. — Sehprüfung, Obligatorische - 
bei Chauffeuren. Feilchenfeld 414. — Sehstörungen, Ueber den 
Zusammenhang zwischen - und einigen wichtigen Konstitutions- 
anomalien. Schulz-Zehden 183. — Senckenberg, Johann Christian. 
Avellis 177. — Sensibilitätsprüfer, Ein neuer. Auerbach 285. — 
Sensibilitätsstörungen, Ueber mesamere - bei Gehirnerkrankungen. 
Benedics 116. — Sepsis, Zur Therapie der. Maier 480. — Sepsis, 
Leukämische Blutveränderung bei Lues congenita und. Flesch, 
Schloßberger 490. — Septikämie, Beitrag zur Kenntnis der tuber¬ 
kulösen. Marmorek 81. — Serratuslähmung, Ueber traumatische 
Entstehung und operative Behandlung der. Samter 390. — Sero¬ 
diagnose bei Lues, Tabes und Paralyse durch spezifische Nieder¬ 
schläge. Fornet, Schereschewsky 509. — Serodiagnostik, Experiment. 
Beitr. z. Wassermannschen - b. Lues. Schütze 129. — Serodiagnostik, 
Zur klinischen Verwertung der - bei Lues. Wassermann, Meier 
644. — Serumtherapie, Die - und Serumprophylaxis der akuten 
Infektionskrankheiten. Kolle 332, 344. — Sernmüberempfindlich- 
keit, Zur Frage der. Otto 554. — Sicherheitsnadel, Neue - für 
Verband zwecke. Stalewsky 46. — Siebbeinzelleneiterung, Ueber. 
Köhler 568. — Silberspirochaete, Zur Frage der. Schulze 58. — 
Silberspirochaete, Zur Kritik der. Gierke 105. — Silberspiro- 
chaeten, Welche Gewebsbestandteile in entzündlichem Gewebe 
täuschen - vor. Friedenthal 106. — Simulation, Was berechtigt 
uns auf Grund der funktionellen Hörprüfung - bezw. Uebertrei- 
bung als vorliegend anzunehmen? Wie verfahren wir am besten, 
um bei dem der - bezw. Uebertreibung Ueberfübrten einen Ein¬ 
blick in das wirklich vorhandene Gehör zu erlangen? Dölger 521. 

— Sinitis, Zur Nachbehandlung der aufgemeißelten Kieferhöhle 
bei chronische®, Kretsohmann 486. — Sklerodermie, Weitere Fälle 


von - behandelt mit Mesenterialdrüsen. Schwerdt 422. — Sklerose, 
Beitrag zur Prognose der multiplen. Maas 155. — Skopolamin¬ 
dämmerschlaf, Beiträge zum - in der Geburtshilfe. Holzbäch 422. 

— Spätapoplexie, Ein Fall von traumatischer. Hochheim 114. — 
8 pecula, Eine Halteplatte für. Schallehn 11. — Speichel, Ueber 
das Verhalten des - gegenüber Bakterien.- Clairmont 11. — Spei¬ 
kinder, Ueber das habituelle Erbrechen der Säuglinge; Geiser 513. 
Speiseröhre, Idiopathische spindelförmige Erweiterung dch Ewald 
448. — Speiseröhrenerweiterung, Zur Ösöphagoskopisohen Diag¬ 
nose der idiopathischen. Glas 379. — Spermatozytitis, Ueber 
Meningokokken-. Pick 512. — Sphygmobolometrie, Die -, eine 
neue Untersuchungsmetbode der Zirkulation: Sahli 333, 344. 

— Sphygmoskop, Ueber eiu. Riieinboldt 142. —Spiegelkondensor, 
Ueber einen neuen - zur Sichtbarmachung ultramikroskopischer 
Teilchen. Reichert 46. — Spirillum Obermeieri, Untersuchungen 
über das. Fraenkel 128. — Spirochaete pallida, Zum Nachweis 
der - in Ausstrichen. Schereschewsky 230. — Spirochaete pallida, 
Die - und ihre Bedeutung für den syphilitischen Krankheitsprozeß. 
Blaschko 251. — Spirochaete pallida, Ueber den Nachweis der - 
im Ausstrich mittels der Silbermethode. Stern 306. — Spirochaete 
pallida, Zur Levaditifärbung der. Benda 314. — Spirochaete 
pallida, Ueber Beobachtungen an der lebenden. Eitner 323.- — 
Spirochaete pallida, Beitrag zur Färbung der - (Schaudinn) im 
Ausstrichpräparat. Giemsa 345. — Spirochaete pallida, Die Färb¬ 
ung der - im Schnittpräparat nach Giemsa. Schmorl 391, — 
Spirochaetenbefunde im menschlichen Auge. Bab 20. — 8 piro- 
chaetenfärbung, Zur Technik der. Kraus 53. — Star, Ein seltener 
Fall von -Ausziehung. Hirschberg 218. — Stau- und Saugthera¬ 
pie, Beitrag zur - - im Ohr und oberen Luftwegen. Vohsen 176. 

— Stau- und Saugverfahren, Erfahrungen, Beobachtungen und 
Versuche im. Riedl 206. — Stauung, Grenzgebiete für Biersche. 
Sick 413. — Stauungshyperämie, Aphoristische Mitteilungen von 
Beobachtungen über den Einfluß der vom Gehörgang aus durch 
Saugwirkung hervorgerufenen - auf Paukenhöhleneiterungen. Muck 
177. — Stauungstherapie in der Gynäkologie und Geburtshilfe. 
Runge 512. — Stenose, Ueber eine eigentümliche Form chroni¬ 
scher - der Flexura lienalis coli. Kothe 127. — Stenose pylorlque 
chez le nourisson. Weymeersch 382; — Stieltorsion, Ein Fall von 

— eines sarkomatös degenerierten Bauchhodens. Boese 315. — 

Stillen, Die Statistik des. Prinzing 128. — Stimmstörungen, Ueber 
funktionelle - und ihre Behandlung. Barth 550. — Stomatitis- 
formen, Zur Klinik und Aetiologie der nekrotisierenden. Scherber 
491. — Stomatitis mercurialis, Ueber - und ihre Verhütung durch 
Isoformzahnpasten. Siebert 153. — Stovain, Beeinflußt die In¬ 

jektion von *• in den Lumbalsack die motorischen Funktionen der 
Eingeweide? Roith 364. — Stovain, Beeinflußt die Injektion von 

— in den Lumbalsack die motorischen Funktionen der Eingeweide? 
Penkert 423. — Streptokokken, Znr Differentialdiagnose der 
menschenpathogenen. Schultze 402. — Streptokokken, Ueber die 
Wirkung von taurochlorsaurem Natrium und tierischer Galle auf 
den Pneumokokkus, Streptokokkus mucosus und auf die andern. 
Mandelbaum 479. — Streptokokken, Zur Differentialdiagnose der 
menschenpathogenen. Beizke, Rosenthal 480. — Streptokokken, 
Zur Differentialdiagnose der men sehen pathogenen. Schulze 521. — 
Streptokokkenerytheme, Ueber - und ihre Beziehungen zum Schar¬ 
lach. Gabritschewsky 347. — Streptokokkenfrage, Der heutige 
Stand der -, insbesondere für die Geburtshilfe. Zangenmeister 375. 

— Streptokokkenkonjunktivitis, Schwere, unter dem Bilde der 
Diphtherie verlaufende - nach Masern. Schuhmacher 530. — 
Strukturen, Ueber angeborene - der Harnröhre. Posner 273. — 
Stropbanthintherapie, Ueber intravenöse. Stark 229. — Stuhlband, 
Das orthopädische. Zuelzer 449. — Styriaquelle, Ueber die - in 
Rohitsch-Sauerbrunn. Ludwig, Panzer 379. —- Suprarenininjek- 
tionen, Beitrag zur Wirkung intravenöser - auf die Kaninchei.- 
aorta. 92. — Suprarenins, Ueber Dosierung des in den Wirbel¬ 
kanal gespritzten. 294. — Suspensorium, Eine kleine praktische 
Verbesserung des Neißerschen. Schindler 544. — Sykosisbehaud- 
lung, Ein Beitrag zur. Berliner 183. — Symphisotomie, Wie soll 
man die Technik der - oder Hebosteotomie lernen? Seilheim 392. 

— Syphilis, Diagnostische Gewebs- und Blutuntersuchungen bei. 
Neißer, Burck, Schlucht 19. — Syphilis, Ueber die bisherigen 
Ergebnisse der Uebertragung der - auf Affen. Neumann 34. — 
Syphilis, Zur experimentellen Uebertragung der - auf Kanincben- 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 52 


äugen. Schucht 79. — Syphilis, Zur inneren Therapie der. Saal¬ 
feld 183. — Syphilis, Ueber eine Fieberreaktion im Anschlüsse 
an die erste Quecksilberapplikation im FrQhstadium der. Linden¬ 
heim 231. — Syphilis, Die Frühbehandlung der. Thahnann 240. 
Syphilis, Gelungene Uebertragung der - auf Hunde. Hoffmann, 
Brüning 295. — Syphilis, Traitement de la - chez les carc^reux. 
Ho ran d 382. — Syphilis, Die - des Herzens und ihre Frühdiag¬ 
nose. Herzog 511. — Syphilis, Der heutige Stand der Atoxyl- 
behandlung der -, unter Mitteilung eigener Beobachtungen. Moses 
514. — Syphilis, Syphilitische Familiengeschichten aus Zentral¬ 
amerika. Rothschuh 524. — Syphilisbehandlung, Die - im Lichte 
der neuen Forschungsresultate. Lesser 488. — Syphilisforschung, 
Ueber die diagnostischen und therapeutischen Ergebnisse der 
neueren. Fischer 536. — Syphilisimpfung, Die bisherigen Resul¬ 
tate der experimentellen. Bruhns 22. — Syphilisreaktion, die 
Wassermann sehe. Michaelis 580. — Syphilitische Kinder, Ueber 
die Fürsorge für geschlechtskranke und hereditär. Buschke 95. 

T. 

Tabes, Die physikalische Behandlung der - dorsalis. Tobias, 
Kindler 195. — Tabes dorsalis, Geburt bei vorgeschrittener. 
Zacharias 140. — Tabes dorsalis, Studien über - mit besonderer 
Berücksichtigung der Kehlkopfsymptome (221 Fälle). Graeffner 
571. — Tabes und pseudokombinierte Strangakleroee. Kämmerer 
München 480. — Talalgie, Traitement de la - par les courante de 
haute fröquence. Nobele 383. — Tamponbüchse, Eine - mit Spül¬ 
vorrichtung. Scheven 389. — Telephon, Ueber die Gefahren der 
Uebertragung von Infektionsstoffen durch das - und ihre Ver¬ 
hütung. Tomarkin 44. — Tetanie, Zur Epidemiologie der. Mattau¬ 
scheck 438. — Tetanie, Beitrage zur Lehre von der. Ohvoetek 
449. — Tetanus, Ueber einen Fall von geheiltem schwerem, all¬ 
gemeinem. Glänzel 114. — Tetanus, Beitrag zur Frage der Anti¬ 
toxinbehandlung des. Urban 167. — Tetanus, Zur Behandlung 
des. — Ti 1 mann 294. — Tetanus, Ein Fall von - traumaticus be¬ 
handelt mit Tetanus-Antitoxin „Höchst“. Federschmidt 401. — 
Tetanus, Ueber die Antitoxin-Behandlung des -, zumal mit intra¬ 
neuralen Injektionen. Küster 535. — Tetrachlormethan, Ueber den 
Gebrauch des - als Lösungsmittel in der Medicin. Wederhake 304. 

— Theolaktin, Klinische Untersuchungen über Diuretikum. Krüger 
502. — Thephorin, Versuche mit. Cohn 558. — Therapeutische 
Mitteilungen. Merkel 448. — Therapeutisches aus der pädiatrischen 
Praxis. Wohrizek 537. — Therapie, Zur Methodik der intravenösen. 
Strauß 105. — Thermodynamik, Zur - des Muskels. Bürker 67. — 
Thermokopfkappe, Elastische - u. Thermostirnbinde. Groß 95. — 
Thiosinaminbehandlung, Zur - der Dupuytrenschen Fascienkontrak- 
tur. Langemak 469. — Thoraxschüsse und Bauchdeckenspannung. 
Hildebrand 347. — Titrierapparat, Ein vereinfachter. Goldschmidt 
414. — Toxine, Ueber ungiftige assoziierbare Verbindungen der. 
Doerr 82. — Tracheo-Bronchoskopie, Ueber einige Fälle von Er¬ 
krankungen der Luftröhre und der Bronchien diagnostiziert mit 
Hilfe der Kilianschen. Mann 400. — Trachom, Zur Aetiologie des. 
Halberstaedter 543. — Tränensackblenorrhöe, Heilung der - durch 
interkurrenies Erysipel. Feilchenfeld 392. — Tränensackexstirpa¬ 
tionen, Bericht über 350 - nebst Bemerkungen über Indikation 
und Technik. Bäumler 228. — Transplantation, Tüll bei. Kuhn 46. 

— Trans- und Exsudate, Ueber chyliforme - im Anschluß zweier 
Fälle, von Kesly 116. — Trinkerheim, Das - bei der Heilanstalt 
Dösen. Lehmann 220. — Tripper, Zur Beurteilung der Erbschen 
Statistik des - beim Manne und seiner Folgen für die Ehefrauen. 
Kopp 46. — Tripper, Zur Statistik des - beim Manne und seine 
Folgen für die Ehefrauen. Voemer 115. — Tripper, Ueber die 
Häufigkeit des - in Deutschland. Blaschko 115. — Tripperstatistik, 
Antikritisches zu meiner. Erb 521. — Trommelschlegerfinger, Ein¬ 
seitige. Groedel 115. — Tropensonne, Studien über den Einfluß 
der - auf pathogene Bakterien. Martin 46. — Trypanosoraeninfek- 
tion. Zur Farbstoffbehandlung der künstlichen. Weber, Krause 155. 
Trypanosoinen-Studien, Chemotherapeutische. Ehrlich 194, 231, 252. 
Tryptophanreaktion, Ueber die - besonders im Stuhl und in Bak- 
terienkultnren. Gennonning 254. — Tsutsugamushikrankheit, Zweite 
Mitteilung über die Aetiologie der (Ueberschweramungsfieber von 
Balz). Agata, Ishiwara 545. — Tubargravidität, Ueber einen 
seltenen Ausgang einer. Becury 130. — Tuberkelbazillen, Die In¬ 
lektion des Menschen mit den - des Rindes (Perlsuchtbazillen). 


Weber 31. — Tuberkelbazillen, Die Frage latenter. Rabinowitsch 
92. — Tuberkelbazillus, Zum 25jährigen Gedenktage der Ent¬ 
deckung des. Loeffler 262. — Tuberkelbazillus, Ein rascher Nach¬ 
weis des - im Urin durch d. Tierversuch. Bloch 345. — Tuberkulin- 
bebandlung, Die Dauererfolge der. Römisch 79. — Tuberkulin¬ 
reaktion, Zur Erklärung der - durch Antituberkulin im tuber¬ 
kulösen Herd. 127. — Tuberkulinsuppositorien. Lissauer 545. — 
Tuberkulose, Beitrag zur - des Säuglingsalters. Bruck 10. — 
Tuberkulose, Zur Kritik der aszendierenden im weiblichen Ge¬ 
nitaltrakt. 105. — Tuberkulose und Wohnungen. Julierat 118. 

— Tuberkulose, Ueber primäre und sekundäre - des Men¬ 
schen. Edens 142, 155. — Tuberkulose, Ueber eine erfolgreiche 
Behandlung von - des Auges mit Tuberkulin. Erdmann 284. — 
Tuberkulose, La - et le Margement du Fantassin. Lucien-Granx 
335. — Tuberkulose, Die - des Auges und ihre Behandlung. Hel- 
bron 488. — Tuberkulose, Zur Jod- und - Queoksilberbehandlung 
der - in Nase, Schlund und Kehlkopf. Grünberg 666. — Tumoren, 
Uebertragung von - bei Hunden durch den Geschlechtsakt. Sticker 
21. — Tumoren, Zur Kasuistik der malignen - der Nierengegend 
im Kindesalter. Oshmia 130. — Turgo-Sphygmographie, Ueber - 
und ihre Verwendung für Pulsdruckbestimmungen, Koxiczkowsky 
273. — Typhoide Erkrankungen, Die Diagnose der - des Menschen. 
117. — Typhus, Zur bakteriologischen Frühdiagnose des. Conradi 
11 . — Typhus abdominalis, Die Behandlung des. Stadelmann 20. 

— Typhus, Beitrag zur aktiven Immunisierung des Menschen gegen. 
Friedberger 31. — Typhus abdominalis, Zur ätiologischen Diagnose 
des. Raubtscheck 156. — Typhus, Untersuchungen über - und 
Typhusserum. Aronson 348. — Typhus, Ueber - und Kob'sepsis 
und über Typhus als Endotoxinkrankheit. Stadelmann, Wolf- 
Eisner 402, 423. —Typhus abdominalis, Ueber spezifische patholo¬ 
gisch-anatomische Veränderungen des Magens und der anschließen¬ 
den Darmabschnitte bei. Prockaner 413. — Typhusbazillen, Die 
Züchtung der - aus dem Blute auf Galleagar. Schüffher 567. — 
Typhusbazillen, Weitere Beobachtungen über Untersuchung des 
Blutes auf - und auf Agglutination. Veil 579. — Typhusbazillen¬ 
träger, Bakteriologischer Befund bei der Autopsie eines. Levy, 
Kayser .44. — Typhusbazillenträger, Zur Behandlung der. Dehler 
324. — Typhusbazillus, Giftwirkung des. Bail 253. — Typhua- 
bazillus, Ueber Toxine des. Kraus, v. Stenitzer 324. — Typbus¬ 
fälle, Ueber den Befund eines weiteren noch nicht beschriebenen 
Bakteriums bei klinischen. Mandelbaum 570. — Typhusgal 1 röhre, 
Zur Technik der Blutanreicherung vermittels der. Kayser 388. — 
Typhusimmunisierung, Ueber. Meyer, Bergell 347. — Typhusver¬ 
lauf, Einige Erfahrungen über den - bei geimpften und nicht ge¬ 
impften Mannschaften der Schutztruppe für Deutsch-Südwest-Afrika. 
Eichholz 323. 

u. 

Ulcus ventrikuli, Ueber die Heredität beim. Huber 112. — 
Umschläge, Einwicklungen und Einpackungen. Determann 392. — 
Unfälle, Pathologie, Therapie und Prophylaxe der elektrischen. Sellinek 
203, 218. — Unterleibstyphus, Die Behandlung des - mit 
Pyramidon. Leick 229. — Unterleibstyphus, Zur Frage von dem 
gegenseitigen Verhalten der Ehrlichschen Diazoreaktion, der Bak¬ 
teriämie und der Widalschen Reaktion bei. Genken 342. — Unter¬ 
lippe, Ein Fall von angeborenen Fisteln der. Goldflamm 68. — 
Urobilinurie, i eber den Verlauf der - beim Typhus abdominalis. 
216. — Urogenitaltuberkulose, Zur Diagnose der. Rolly 520. — 
Uterus, Ueber die künstliche Erweiterung des schwangeren und 
kreißenden. Klein 154. — Uterus, Die abdominale Exstirpation 
des karzinomatösen. Veit 424. — Uterus, Die Dreiteilung des -, 
das untere Uterinsegment (Isthmussegment) und die Placenta 
praevia. Aschoff 510. — Uterus, Zur instrumentellen Perforation 
des nicht schwangeren. Heymann 533. — Uviolbehandlung und 
Augenkrankheiten. Axmann 128. — Uviollicbt, Ueber die Wirkung 
des - auf die Haut und deren therapeutische Verwendung in der 
Dermatologie. Stern, Hesse 140. 

V. 

Vaccina generalisata, Ueber. Danziger 531. — Vaginalspe- 
culum, Modofikationen an einem zwei blättrigen. Marcus 355. — 
Vakzineerreger, Was wissen wir über den? Paschen 11. — Vac- 
ciueerreger, Was wissen wir über die? Siegel 54. — Vakzineer¬ 
reger, Was wissen wir über den? Mühlens, Qartmann 115. — 


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MEDICINI8CS» WOCHE. 




Varizen, Die künstliche Thrombose der. Pavel 164. — Variola, Ueber 
die im Wenzel-Hanke ’schen Krankenhaus behandelten - -Fälle. 
Drehwitz 143. — Venenthrombose und Gerinnbarkeit des Blutes. 
Schwab 46, 104. — Ventrikelkontraktion, Ueber die Ursprungs¬ 
stelle der. Rehfisch 549. — Verbrennung, Zur Kasuistik der - 
der Halsorgane. Bradt 579. — Verbrennungstod, Zur pathologischen 
Histologie der inneren Organe beim. Polland, 207. — Verdauung, 
Ueber den Einfluß des Nikotins, des Kaffees und des Tees auf 
die. Craemer 364. — Vergiftung, Zur Kasuistik der - durch Käse. 
Federschmidt 666. — Vibrationsempfindung und Drucksinn. Steinert 
333. — Vierlingsgeburt. Laehmann 679. — Virchow, Rudolf - 
Lehr- und Wanderjahre. 8chwalbe 204. — Virgo, Eine dreijährige. 
Stein 141. — Viskosität, Die Beeinflussung der - des mensch¬ 
lichen Blutes durch Kältereize, Wärmeentziehung, Wärmezufuhr und 
Wärmestauung. Determann 893, 411. — Viskosität, Ein neuer Appa¬ 
rat zur Bestimmung der - des Blutes. Heß 531. 

w. 

Wasserstoffsuperoxyd, Die Zersetzung des - durch das Blut, 
v. Dalmady, v. Tortay 436. — Wassersucht, Zur Behandlung der 

- durch Regelung der Wasser- und Salzzufuhr. Minkowiki 501. — 
Wechselstrombäder, Elin Beitrag zur Wirkung der - bei Arterio- 
sklerotikern mittleren Grades. Aufschneider 266. — Wein, Ge¬ 
harzter. Klemm 586. — Widalsche Reaktion, Eine Saugpipette zur 
Abmessung von Semmmengen bei Ausstellung der. Fischer 128. 

— Wiederbelebung, Späte - einer Ertrunkenen. Gotthardt 168. — 
Wirbelsäule, Eine typische Erkrankung der - (Insufficientia ver- 


tebrae). Schanz 511. —Wochenbinde, Eine aseptische. Roth schuh 
241. —'Wohnungsmängel, Neue Untersuchungen über. Landsberger 
128. — Würmer, Ueber mikroskopische - (Rhabditiden) im Magen 
einer’Ozaenakranken. Frese 216. — Wurmfortsatz. Warum muß 
bei gynäkologischen Operationen der - mit entfernt werden? Pankow 
509. — Wurmsamenöl, Weitere Erfahrungen mit dem amerikani¬ 
schen - (Oleum Chenopodis antihelmintioi) als Antiasiaridiacum bei 
Kindern. Brüning 219. 

Y. 

Yoghurt, Ueber die Beeinflussung der Dannflora durch. Loebel 537. 

z. 

Zahnfisteln, Die Heilbarkeit äußerer - ohne Extraktion des 
veranlassenden Zahnes. Bayrhofer 167. — Zeckenfieber, Ueber 
Spirillen des. Fraenzel 113. —Zehentransplantationen. Ueber Ersatz 
von Fingern durch - (Dactyloplastik). Kraft 34. — Zellen, Mensch¬ 
liche als Parasiten. Ribbert 177. — Zentralnervensystem, Zur 
Wahrung meiner Priorität in Sachen der Kontinnitätslehre des. 
Haller 144. — Zerreißung des Halses mit Abreißen des Kehl¬ 
kopfes. Schürmann 579. — Zirkulation, Die Entwicklung unserer 
Kenntnisse über die. Boltenstern 35. — Zitrophenvergiftung, Ueber 
akute, Goldschmidt 401. — Zuckur, Ueber den Nachweis von - im 
Wein vermittels der Heineschen Lösung. Schwarz 406. — Zungen¬ 
krampf, Isolierter halbseitiger. Pappenheim 182. — Zungenneuralgie, 
Drei Fälle von. Hoeflmayer 46. — Zwillinge, Ungewöhnliche Ent¬ 
wicklungsdifferenzen von. Hartog 572. 


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Namen-Register. 


Ach, München 240 
Achert, Nauheim 581 
Adaniewiz 144 
Adler, Prag 108 
Agata, Tokio 545 
Albu, Berlin 55 
Alexander, Berlin 128,281,253, 
274 

Aplatek, Prag 381 
Apolant, Frankf. 567 
Archsperger, Heidelberg 68 
Arndt, Berlin 355 
Arndt, Erlangen 295 
Aronson, Berlin 348 
Aronsohn, Ems 412 
Aschoff, Freiburg 500 
Ascoli, Pavia 106, 405 
Auerbach, Frankf. 193, 285 
Aufrecht, Magdeburg 456, 531 
Aufschneider, Wien 266 
Avellis, Frankfurt a. M. 177,216 
Axamit, Prag 58 
Axmann, Erfurt 128, 523 

Bab, Berlin 20, 31, 139 
Babes, Bukarest 487 
Bach, Marburg 165, 421 
Bach, Wien 458 
Bachem, Bonn 32 
Bachmann, Zürich 388 
Baer, Davos 555 
Baerwald, Berlin 345 
Baginsky, Berlin 304 
Bau, Prag 253, 411 
Baisch, Tübingen 230 
Ballner, Insbruck 240 
Bamberger, Berlin 392, 578 
Bang, Sund 180 
Bärlnv, Wien 402, 388 
Bardeleben, Berlin 81 
Barlach, Neumtinster 292 
Bartel, Wien 181 
Barth, Berlin 56, 550 
Barth, Leipzig 204 
Basch, Belzig 531 
Baß, Wien 216 
Bassenge, Berlin 522 
Bauer, Breslau 129 
Baumgarten, Halle 421 
Baumgärtner, Baden-Baden 72 
Baumgärtner, München 582 
Bäumler, Dresden 228 
Beck, New-York 217 
Beck, Wien 479 
Becker, Frankfurt a. M. 355 
Beitzke, Berlin 107, 428, 480 
Benda, Berlin 314, 384 
Benedics, Budapest 116 
Ben§e, Budapest 457 


Benjamin, Wien 548 
Bergell, Berlin 347 
Berger, Hamburg 400 
v. Bergmann, Riga 47 
Bergmeister, Wien 459 
Berliner, Breslau 183 
Berndt, Stralsund 510 
Bernhardt, Berlin 59, 314 
Bernhardt, St. Moritz 531 
Best, Gießen 67 
Best, Heidelberg 446 
Betz, Heilbronn 60 
Üeumke 469 

Bewersdorf, Wansen 510 
Bickel, Berlin 58, 93, 104, 521, 
534 

Bickel, Kaiserslautern 571 
Bier, Berlin 499 
Biesalski, Berlin 170 
Bing, Kopenhagen 58, 393 
Bingel, Tübingen 67 
Birnbaum, Göttingen 241 
Bittorf, Breslau 400 
Blaschko, Berlin 115, 251 
Bleibtreu, Köln 127 
Blennberg, Berlin 403 
Bloch, Berlin 206, 345 
Blumenthal, Berlin 334 
Blumreich, Berlin 487 
Blums, Straßburg 18 
Boas, Berlin 104, 177 
Boecker, Berlin 491, 500 
Bode, Thale a. H. 83 
Bodenstein, Salzthal 805 
Bogen, Heidelberg 284 
Bolachany, Baku 180 
Boldt, Berlin 71 
Bolly, Leipzig 520 
Boltenstern, Bern 35 
Boenninger, Pankow 178 
Borchardt, Berlin 487 
Boerma, Groningen 346 
Boese, Wien, 315 
Boesle, Dresden 469 
Bosse, Berlin 490, 492 
Bosse, Weimar 128 
Boesser, Chemnitz 414 
Braatz, Königsberg 389 
Bradt, Berlin 579 
Brand, Frankf. a. M. 331, 549 
Brandts, München 571 
Brassert, Leipzig 127 
Bratz, Wuhlgarten 303 
Breine, Liverpool 169 
Brenning, 184 
Brentano, Berlin 354 
Bresgen, Wiesbaden 73, 85, 97, 
111 

Bretschneider, München 531 


Brezina, Wien 469 
Brodzki, Rudowa 106 
Bruck, Batavia 426 
Bruck, Berlin 11 
Brock, Köln 10 
Bruhns, Berlin 22 
Brüning, Berlin 295 
Brüning, Rostock 219 
Brünner, Wien 381 
Bruns, Gelsenkirchen 354 
Bychowski, Berlin 232 
Büdingen, Konstanz 49, 61, 79 
Budinger, Wien 313 
Buel, Christiania 229 
Bueury, Wien 130 
Burck, Breslau 19 
Bürker, Tübingen 67 
Burckhardt, Würzburg 44 
Burkhart. Wtirzburg 55 
Bürkner, Göttingen 304 
Buschan, 266 
Buschke, Berlin 95 
Büttner, Zwickau 390 
Bunge, Berlin, 512 
Buwz, Regensburg 68 

Oaro, Posen 346. 500 
Cassirer, Berlin 392, 578 
Coenen, Berlin 405 
Charles, Lüttich 315 
Christiani, Genf 10 
Chvostek, Wien 449 
C-itron, Berlin 499, 523 
Clairmont, Wien 11 
Clairmond, Wien 314 
Claus, Berlin 51 
Clemm, Ballenstedt 535 
Clemm, Darmstadt 2, 14, 26, 
38, 50, 62, 74, 86, 98 
Cloetta, Zürich 18 
Cohn, Berlin 9, 52, 91, 138, 
227, 261, 308, 312, 313, 321, 
472, 482, 559 524, 

Collin, Berlin, 569 
Cohn, Bern 57 
Cohn, Posen 558 
Conradi, Neunkirchen 11 
Craemer 354 
Cremer, München 215 
Crippa, Linz 436 
Croner, Berlin 412 
Curschmann, Tübingen 555 
Czerny, Breslau 524 

v. Dalmady, Budapest 436 
Danziger, Frankfurt 531 
Davidsohn, Berlin 92, 154 
Dehler, Frankenthal 324 
Dehne, Wien 166 


Dehner, Ludwigshafen 104 
Demosthen, Bukarest 544. 
Denker, Erlangen 21 
Dessauer, Ascnaffenburg 531 
Determann, St Blasien 392, 393 
Determann, Freiburg i. B. 402 
411 

Deutechlaender, Hamburg 291, 
824 

Deutschmann, Hamburg 229, 
353 

Dexler, Prag 144, 

Deyke, Konstantinopel 93 
Dietrich, Charlottenburg 262 
Dietrich. Berlin 390 
Dietrich, Wurzen 44 
Dmitrenko, Odessa 305, 314 
Doebbelin, Berlin 545 
Dölger, Frankfurt 521 
Donath, Budapest 194 
Dönitz, Berlin 546. 

Doerffler, Weissenburg 54 
Doerr, Wien 82 
Drewitz, Berlin 143 
Dudgeon, Paris 382 
Dührssen, Berlin 314 
Dünges, Schönberg 160 
Dünnwald, Wiesdorf 
Durlacher, Ettingen 167 

Eber, Leipzig 203 
Ebstein, Göttingen 105, 332 
Ebstein, München 555 
Edel 297 

Edens, Berlin 142, 155 
Ehrhardt, Königsberg 294 
Ehrlich, Frankfurt 194,231,252 
Ehrmann, Wien 31 
Eichelberg, Hamburg 356 
Eichholz, Berlin 323 
Eichler, Charlottenburg 424 
Eijkmann, Utrecht 80, 154 
Einhorn, München 446 
Einhorn, New-York 489 
Einis 255 

Eisbroek, Utrecht 533 
v. Eiseisberg, Wien 47 
Eisenberg, Berlin 229 
v. Eisler, Wien 378 
Eitner, Innsbruck 323 
Elischer, Budapest 263 
Elken, Planegg 54 
Emin, Konstantinopel 568 
Engel, Berlin 147 
Engel, Budapest 57, 263, 405 
Engels, Frankfurt 510 
Engel, Nauheim 436 
Eppinger, Graz 333 
Erb, Heidelberg, 521 


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tao7. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


XVtl 


Erb, Straßbarg 389 
Erben, Prag 53 
Erdmann, Altona 284 
Erhardt, Königsberg 434 
Esser, Bonn 54, 331 
Ewald, Berlin 448, 523 

Fabricins, Wien 331 
Federschmidt, Dinkelsbühl 401, 
556 

Fehling, München 445 
Feilchenfeld, Berlin 392 
Feilchenfeld, Oharlottenburg 

Fellner, Franzensbad 144 
Fellner, München 402 
Fellner, Wien 313, 334, 537 
Feratta, Berlin 273 
Ferrien-Kauffmann 144 
Fessler, München 144 
Fibiger, Kopenhagen 106,. 129 
Fiedler, Fulda 95 
Fmkelstein, Petersburg 157 
Firth, Aldershof 391 
Fischer, Berlin 536 
Fischer, Bonn 324 
Fischer, Fulda 104 
Fischer, Heidelberg 528 
Fischer, Karlsruhe 546 
Fischer, Trier 128 
Flatow 471, 

Fleischer, Berlin 581 
Fleischer, Philadelphia 204 
Flesch, Frankfurt a. M. 114 
Forel, Paris 108, 118 
Fornet, Straßburg 509 
Franck, Berlin 198, 210, 222, 
234, 244, 256 

Frangenheim, Königsberg 184 
Frank, Berlin 169 
Franke, Altona 46. 

Franke, Braunschweig499,522, 
532, 544 

Fraenkel, Badenweiler 535 
Fraenkel, Berlin 56, 58, 128 
Fraenkel, Eppendorf 530 
Fraenkel, Halle 113, 128, 392 
Fraenkel, München 54 
Franze, Nauheim 19, 233, 244, 
256, 267 
Frese, Halle 216 
Freund, Danzig 179, 332 
Freund 395 

Freund, Wien 118, 265 
Frey, Lublinitz Ober-Schles. 140 
Frey, München 571 
Freytag, München 121, 139, 
568 

Fricker, Bonn 126 
Friedberger, Moreschi 31 
Friedentnal, Nikolassen 106 
Friedlaender, Frankfurt 490 
Friedmann, Berlin 303 
v. Frisch, Wien 182, 325 
Fromm, München 68 
Fromme, Halle 295 
Fuchs, Wien 34 
Fümtratt, Graz 82 
Funk, Köln 513 
Fürbringer, Berlin 153 

Oabritschewsky, Moskau 347. 
Galddflam, Warschau 19 


Gakumoff, Petersburg 333. 
Galli, Bonn 273. 

Ganser, Dresden 79. 
Garhammer, Stuttgart 166. 
Garrault 442, 452, 462 , 473. 

483, 494, 504, 516, 528, 540, 
Gaett, Seelisberg 19. 

Gauß, Freiburg i. B. 102. 
Geigel, Würzburg 192, 291, 
510, 520. 

Geiser, Breslau 513. 

Gelpke, Karlsruhe 170. 
Genken, Petersburg 342. 
Gennonning, Wien 254. 
Gerber, Königsberg 263. 
Gerlach, Wiesbaden 346. 
Göronne, Charlottenburg 192. 
Göronne, Berlin 502. 
Ghiulamila 277, 287, 297, 308. 
Giemsa, Hamburg 345. 

Gierke, Freiburg 105. 

Gierke, Freiburg i. B. 328. 
Gillet, Berlin 179. 

Glfinzel, Meiningen 114. 

Glas, Wien 379. 

Glaessner, Wien 34. 

Glässner 539. 

Glücksmann, Berlin 549. 
Gobies, Orlau 130. 

Goldberg, Wildungen 557. 
Goldflamm, Warschau 68. 
Goldmaon, Berlin 154. 
Goldscheider, Berlin 334, 343, 
490. 

Goldschmidt, Berlin 283. 
Goldschmidt, München 401 
Goldschmidt, Berlin 414. 
Goldschmidt, Reichenhall 427. 
Goesner, Brandenburg 413. 
Gotthardt, Zeil 158. 

Gotthilf, Kassel 556. 

Gottstein, Breslau 194. 
Gottstein, Berlin 208. 
Graeffher, Berlin 571. 

Grawitz, Oharlottenburg 489. 
Gredemann, Straßburg 402. 
Greger, Leipzig 332 
Groedel, Nauheim 115,387,449 
Groenouw 132 
Groß, Berlin 104 
Groß, Harburg 423, 

Groß, Liegnitz 95 
Große, München 104, 487 
Großkopf, Osnabrück 480 
Großmann, Frankfurt 193 
Groth, München 389 
Grube, Neuenahr 388 
Gruber, München 125 
Grünbaum, Berlin 511 
Grünberg, Berlin 448 
Grünberg, Nordhausen 251 
Grünberg, Rostock 556 
Grünberger, Wien 182 
Grünwald, Baden-Baden 292. 
Grünwald 232. 

Guthmann 383. 

Guttmann, Berlin 390. 
Gutmann, Berlin 392. 
Guttmann, Freiburg 579. 

Haaland, Berlin 410 
Hackenbruch, München 72 
Hahn, Budapest 131 


Haehne, Kiel 343 
Haienfeld, Berlin 459 
Halberstaedter, Berlin 543 
Haller, Heidelberg 144 
Hamburger, Wien 18, 126 
Hammer, Stehen 167 
Hammerl, Graz 399 
Haeniscb, Hamburg 283 
Hansemann, Berlin 411, 457 
Haentiens, Putten 228 
Hart, Berlin 457 
Hartleib, Bonn 556 
Härtling, Heldrungen 158 
Hartmann, Berlin 115, 127 
Hartog, Berlin 81 
Hartog, Breslau 572 
Häßlin, München 342 
Häufle, Ebenhausen 71 
Haus, Limburg 228 
Hauschild, Breslau 449 
Hauser, Teplitz-Schönau 102 
Hecht, Wien 404, 450 
Hecht, Beuthen 131, 183 
Heermann, Posen 169 
Heile, Wiesbaden 435, 546 
Heincke, München 140 
Heine, Dortmund 177 
Heine, Greifswald 578 
Heine, Königsberg 543 
Heinzeimann, Osnabrück 32 
Helbron, Berlin 488 
Heller, Bern 142 
Heller, Charlottenburg 522 
Henkel, Berlin 468 
Henking, Marburg 43 
v. Hern, Basel 375 * 

Herz, Auckland 46 

Herz, Meran 183 

Herz, Wien 324 

Herzog, Mainz 511 

Heß, Marburg 32 

Heß, Zürich, 531 

Hesse, Düsseldorf 140, 569 

Heubner, Berlin 80 

v. Hevezel, Budapest 156 

Heymann, Berlin 273 

Heymann, Charlottenburg 533 

Heyrovsky, Wien 264 

Higier 59 

Hildebrand, Berlin 80,130,347, 
425 

Hildebrandt, Freiburg i. B. 139 
Hildebrandt, Halle 421, 480 
Hillenberg, Springe 568 
Hippel, Heidelberg 192, 469 
Hirsch, Halberstadt 144 
Hirschberg, Berlin 180, 218. 

372, 384, 396, 408 
Hirschel, Heidelberg 103 
Hirschfeld, Berlin 424, 532, 
536 

Hirschfeld, Charlottenburg 83 
Hirschkron, Wien 144 
Hoffmann, Berlin 295, 391 
Hocheisen, Stuttgart 217 
Hochhaus, Kiel 175 
Hochheim, Gotha 114 
Hoffa', Berlin 203, 218, 293 
Hofbauer, Wien 378 
Hoeflmayr, München 46 
Hoffmann, Charlottenburg 169 
Hoffmann, Heidelberg 47 
Hoffmann, Karlsruhe 177 


Hoffmann, Leipzig 79 
Hofmann, Karlsruhe 556 
Hofmann, Köln 53 
Hofmeyer, Würzburg 250 
Hoppe-Seyler, Kiel 104 
Holte, Prag 231, 325 
Hölker, Berlin 548 
Holst, Berlin 192 
Holzbach, Düsseldorf 422 
Honigmann, Breslau 570 
Horaud, Paris 382 
Horn, Wien 12 

Hornung, Marbach a. B. 46, 
229 

Huber, Kaiserslautern 571 
Huber, Zürich 113 

Illichtinger, Linz 436 
Immelmann 295 
Ipsen, Frankfurt a. M. 404 
Isemer, Halle 55 
Ishiwara, Tokio 545 
Isserlin, Münden 446 
Izar, Pavia 106, 405 

Jacoby, Göttingen 57 
Jähne, Dresden 423 
Jahr, Berlin 404 
Jakobsohn, Berlin 251 
Jaksch, Prag 355 
Janowski, Warschau 487, 536, 
559 

Jauregg, Wagner v., Wien 107 
Jehle, Wien 54, 82 
Jellinek, Wien 218 
Jensen, Kopenhagen 106, 129 
Jeziersky, Zürich 338 
Joachim, Königsberg 180 
Jolasse, Hamburg 478 
Jordan, Heidelberg 229 
Jores, Köln 343 
Joseph, Berlin 230, 234, 412, 
449 

Jullerat, Paris 118 
Jung, Zürich 19 
Jurasz, Heidelberg 487 
Jürgens, Berlin 56, 70 
Justi, Steglitz 154, 169. 204 

Kaehler, Straßburg 547 
Kalb, Erlangen 177, 400 
Kämmerer, München 480 
te Kamp, Salzschlirf 230, 414 
Käppis, Freiburg i. Br. 343 
Karehnke, Alpirsbach 569 
Karewski, Berlin 154, 491 
Karick, Berlin 117 
Kaestle, München 389 
Käthe, Halle 580 
Katz, Berlin 60 
KatzeDstein, Berlin 94, 104 
Kaupe, Bonn 80, 569 
Kaupe, Dortmund 377 
Rausch, Schöneberg 845, 348 
Kayser, Straßburg 44, 388 
Kehr, München 83 
Kehrer, Heidelberg 126 
Keimer, Düsseldorf 491 
v. Kösly, Budapest 116 
Kettner, Berlin 522, 523 
Keutzler, Budapest 534 
v. Khautz, Wien 208 
Kienböck, Wien 479 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 52. 


Kilian, Freiburg i. B. 343 
Kindler, Berlin 195 
Kinghorn, Liverpool 169 
Kiscn, Prag 412 
Klapp, Berlin 546 
Klapp, Bonn 54 
Klatt, Marienwerder 131, 184 
Klebs, Berlin 302 
Kleinschmidt, Charlottenburg 
345 

Klein, München 389 
Klein, Straßburg 154 
Klemm, Dannstadt 536 
Klemperer, Berlin 501 
Kliemberger, Königsberg 447 
Klose, Berlin 230 
Klose, Straßburg 56, 391 
Knauer, Wiesbaden 47 
Knauth, Würzburg 401 
Koch, Berlin 69, 347, 580 
Köhler, Altona 568 
Kolaczek, Breslau 153, 165, 
345 

Kollarits, Budapest 131 
Kölle, Bern 332 
Kopp, München 46 
Kornfeld 232 
Körfe, Berlin 556 
Koßmann, Berlin 46, 524 
Kothe, Berlin 532 
Kowalewsky, Berlin 304 
Koziczkowsky, Kissingen 273 
Kraft, Kissingen 405 
Kraft, Wien 

Kraus, Berlin 424, 428, 500 
Kraus, Prag 53 
Kraus, Wien 324 
Krause, Berlin 155, 513, 522, 
523, 544 

Kretschmann, Berlin 435 
Kreuter, Erlangen 177 
Kreutzer, Straßburg 127 
Kreuzfuchs, Wien 381 
Krieger, Berlin 523 
Krieger, Marburg 140 
Krön, Berlin 180 
Kroph 343 

Kromayer, Berlin 55, 105, 129 
Krömer, Gießen 1, 13, 25, 37, 
193, 532, 544, 545 
Krückmann, Breslau 144 
Krüger, Magdeburg 502 
Krueger, Togo 71 
Krummacher, Wesel 377 
Kruse, Bonn 168, 179 
Kulbs, Wien 82, 107 
Kummer, Genf 10 
Kuhn, Berlin 324, 567 
Kuhn, Kassel 46 
Kurtz, Düsseldorf 71 
Küster, Freiburg 528 
Küster, Marburg 535 
Kutner, Breslau 95 
Kutscher, Berlin 206 

laachmann, Rogowo 579 
Lahnstern, Berlin 411 
Lam6ris, Utrecht 19 
Landau, Berlin 21, 33 
Landois, Greifswald 56 
Landsberger, Charlottenburg 
128, 170 

Landwehr, Köln 284 


Lange 132, 266 
Lange, Kopenhagen 117, 183 
Lange, München 283, 292, 332 
Langemak, Erfurt 469 
Langer, Graz 34 
Langes, Gmünd 217 
Langstein, Berlin 106 
Laqueur, Berlin 57, 411, 550 
Lardelli, Zürich 11 
Laser, Königsberg 128 
Lassar, Berlin 393 
Lengfelder, Berlin 11 
Lengfellner, Berlin 177, 217, 
377 

Lehmann, Charlottenburg 204 
Lehmann, Dösen 220 
Leick, Witten 229 
Leischer, Wien 266 
Lenhartz, Hamburg 322 
Leschtschinski, Kiew 95 
Lesser, Berlin 488 
Leubuscher, Wuhlgarten 303 
Leudis, Berlin 105, 106 
Lenkert, Gießen 532 
Lenver, Bonn 414 
Leva, Berlin 499 
Levy, Charlottenburg 263 
Levy, Straßburg 44 
Lewandowsky, Berlin 389, 513 
Lewin, Berlin 33, 142, 313 
Lewinski, Dresden 176 
Lichtenberg, Heidelberg 18 
Liebers, Leipzig 167 
Liebmann, Triest 183 
Liepmann 355 
Lilienstein, Detmold 556 
Lindenheim, Berlin 231 
Lipschitz, Berlin 534 
Lissauer, Werden 545, 548 
Lißmann, München 376 
Littauer, München 376 
Litthauer, Berlin 205 
Litten, Berlin 263 
Loeb, Philadelphia 204 
Loebel, Dresden 537 
Loeffler, Greifswald 127, 262, 
546 

Loehlein, Leipzig 509, 520 
Loose, Berlin 70 
Lotzel, Wien 34 
Loewenthal, Braunschweig 581 
Lublinski, Berlin 58 
Lucien-Graux, Paris 335 
Lücke, Kolberg 54 
Ludwig 379 
Lungwitz 371, 384, 441 
Lyritzas, Corfu 181 

Maas, Berlin 155 
Maaß, Berlin 33, 346 
Magnus, Heidelberg 195, 241, 
478 

Magnus-Levy 558 
Maier, Ludwigshafen 480 
Manchot, Hamburg 228 
Mandelbaum, Wien 479 
Mandelbaum, München 570 
Mankiewicz. Berlin 21 
Mann, Dresden 400 
Mann, Ludwigshafen 55 
Mann, Triest 572 
Manninger, Budapest 83 
Marguli6s, Prag 438 


Marie, Villejuif 335 
Marke, Wien 182 
Markus, Pyrmont 304, 499 
Markus, Wien 355, 436 
Marmorek, Paris 81 
Martin, Magdeburg 56 
Martin, Togo 46 
Martin, Zürich 264 
Martini, Tsingtau 534 
Mattanschek, Wien 438 
Matzner, Birkfeld 184 
Maurer, Gießen 128, 292 
Marx, Berlin 106, 117, 406 
Mayer, Berlin 457 
Mayer, Brünn 34 
Mayer, Hamburg 230 
Mayer, Löfflingen 11 
Mayer, Simmern 54 
Mayrhofer, Innsbruck 
Meerwein, Basel 572 
Meier, Berlin 544 
Meisenburg, Berlin 169 
Meißner, Berlin 165, 243, 361 
Mekus, Düsseldorf 68 
Mende, Gottesberg 117 
Mende, Prag 231 
Menge, Erlangen 508 
Mennacher, München 53 
Merkel, Erlangen 435 
Merkel, Nürnberg 448 
Meyer, Berlin 347 
Meyer, Frankfurt 490 
Meyer, Königsberg 523 
Meyer, München 140 
Meyer, Pankow 549 
Michaelis Berlin 313. 580, 
Miller, Startsteinach 140 
Minkowski, Greifswald 501 
Minor, Moskau 347, 405 
Mirtl, Graz 436 
Mittermaier, Heidelberg 80 
Mohr, Berlin 457 
Mohr, Bielefeld 103, 349, 362 
Mönckeberg, Gießen 532 
Moranik, Straßburg 322 
Mörchen 170 
Moritz, Straßburg 436 
Moro, Münden 376, 520 
Moro, Graz 10 
Morosohko, Moskau 579 
Moses, Berlin 514 
Mosse, Berlin 81, 113, 426 
Muck, Essen 177 
Mühlens, Berlin 115 
Mühlens, Wilhelmshafen 522 
Mühlmann, Baku 180 
Mühsam, Berlin 532 
Müller 325 

Müller, Berlin 535, 545, 548 
Müller, Breslau 153, 165, 345 
Müller, Elberfeld 231 
Mullert, Waren 59 
Mulzer, Königsberg 176 
Münz. Kissingen 117 
Muskat, Berlin 264 

Naeggerath, Berlin 241 
Naecke, Hubertusburg 229 
Nagelschmidt. Berlin 544 
Nambu, Straßburg 402 
Nauke, Wiesbaden 144 
Neano, Berlin 143 
Neißer, Breslau 19 


Nerlich, Waldheim 167 
Neubauer, München 10 
Neuberg, Berlin 93, 568 
Neuberg, Magdeburg 558 
Neudorfer, Wien 130 
Neuhäuser, Berlin 491, 579 
Neumann 196 

Neumann, Berlin 166, 194, 391 
Neumann, Potsdam 514 
Neumann, München 402 
Neumann, Wien 34 
Neurath, Wien 422 
Neustätter, München 404, 69 
Nicolai, Berlin 424, 428 
Nicolas 417, 429 
Nießner, Troppau 380 
Nobele, Paris 383 
Notthaft, München 582 
Nu esse 536 

Nyrop, Kopenhagen 68 

Oppenheimer, Berlin 179 
Oppenheim, Berlin 487 
Oppenheim, Wien 434 
Orth, Berlin 180 
Oshmia, Wien 130 
Osterroth 220 
Otto, Straßburg 554 
Ottolenghi, Siena 332 

Pach, Budapest 35 
Pagenstecher, Wiesbaden 193 
Pagenstecher 469 
Pagenstecher 192 
Pankow, Freiburg 509 
Panzer 379 

Papa’ioannon, Athen 294 
Pappenheim, Prag 182, 254 
Pappi, Paris 48 
Paschen, Hamburg 11 
Pasternack, Paris 343 
Pauli, Karlsruhe 170 
Payr, Graz 47 
Peiser, Breslau 571 
Pel, Amsterdam 532 
Pels-Leusden, Berlin 56,203, 
Pelz 59 

Penkert, Halle 103, 423 
Peritz, Berlin 523 
Pemly, München 388 
Perntz, München 402 
Peters, Magdeb. 177, 552, 562, 
574 

Pewsner, Moskau 93 
Pfaundler, München 54, 68, 478, 
521 

Pfeiffer, Frankf. a. M. 403 
Pfister, Heidelberg 57, 71 
Pförringer, Regensburg 68 
Placzek, Berlin 513 
Plaut. München 508 
Plehn, Berlin 411, 424, 522 
Pick, Berlin 512 
Pick, Prag 57 
Pickenbacn, Berlin 127 
Pincussohn, Berlin 93 
Pirquet, Wien 12 
Polano, Wtirzburg 55, 568 
Poliakoff, Moskau 579 
Pollak, Wien 254 
Polland, Graz 207 
Polya, Pest 21 
Port, Chemnitz 558 


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1 «<$. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


XIX 


Posner, Berlin 273, 411 
Potpeschnig, München 447 
Preller, Mannheim 102 
Pribram, Wien 46 
Prinzing, Ulm 128, 264 
Proskauer, Berlin 413, 549 
Prym, Bonn 285. 

Rabinowitsch, Berlin 92 
Raecke, Kiel 204 
Radmann, Lanrahütte 447 
Rahm er 335 
Rahn, Dresden 193 
Ranke, München 232 
Raubitschek, Wien 156 
Rauenbnsch, Berlin 273 
Rautenberg, Königsberg 405 
Reclus, Paria 118 
Reibmayr, Innsbruck 240 
Reichard, Weißenburg 285 
Reichardt, Wtirzburg 105 
Reiche, Hamburg 332 
Reicher, Berlin 568 
Reichert, Wien 46 
Rehfisch, Berlin 549 
Reinecke, Würzburg 520 
Reitter, Wien 181 
Reschad, Konstantinopel 93 
v. Rhautz, Wien 380 
Rheinboldt, Kissingen 142 
Ribbert, Bonn 177 
Riedel, Jena 48, 282 
Riedl, Linz a. D. 107 
Riedl, Bad Ullendorf 206, 381 
Rieder, München 569 
Riehl 19 

Ringel, Hamburg 555 
Risel, Leipzig 556 
Rietschel, Charlottenburg 414, 

449 

Ritschel, Freiburg i. B. 401 
Ritter, Greifswald 353 
Rodari, Zürich 34 
Roith, Heidelberg 354 
Roemisch, Arosa 79 
Rona, Baja 128 
Röpke, Jena 284 
Rosanow 551, 562, 573 
Roscher, Berlin 391 
Rosen, Bonn 140 
Rosenbach, Berlin 68 
Rosenberg, Berlin 93, 434 
Rosenfeld, Breslau 315 
Rosenheim, Berlin 218 
Rosenthal, Berlin 183, 480 
Rosenthal, Weimar 170 
Rosenthal 295 
Rosin 337 
Rothe, Berlin 127 
Roth 268, 278, 288, 298, 318, 

328, 418, 430 
Rothschild, Berlin 33 
Rothschild, Soden 456 
Rothschuh, Aachen 241, 524 
Rnediger 272 
Rudinger, Wien 70, 334 
Rühs, Greifswald 546 
Rülf, Bonn 142, 166 
Rnmpf, Bonn 102 
Rumpf, Ebersteinburg 178 
Rnnck, Bundenheim 292 
Rpufle, Landsberg 115 
Rntschinski 397, 407. 


Saalfeld, Berlin 32, 183 
Sachs, Charlottenburg 71 
Sachs, Frankfurt a. M. 334, 346 
Sachs, Müke 45 
Sabli, Bern 333, 344 
Salecker, Köln 164 
Salfeld, Wiesbaden 117 
Salge, Dresden 181 
Salkowski, Berlin 93 
Sandek, Brünn 381 
Samter, Königsberg 390 
Sardemann, Marburg 579 
Sargent, Paris 382 
Sauer, Nürnberg 447 
Sauerlsruch, Greifswald 403 
Schaeffer, Breslau 570 
Schanz, Dresden 511 
Schalenkamp, Crombach 117 
Schallehn, Stettin 11 
Schellenberg, Beelitz 20 
Schenk, Berlin 109 
Scherber, Wien 491 
Scherk 338, 350, 362,493 
Schereschewsky, Moskau 230 
Schereschewsky, Straßburg 509 
Scheven, Frankf. a. M. 389 
Schick, Wien 410 
Schiele, Berlin 127 
Schill, Dresden 220 
Schindler, Berlin 544 
Schirokauer, Berlin 557 
Schlacht, Königsberg 71 
Schläger, Oldenburg 469 
Schlecht, Breslau 555 
Schlegel, Tübingen 158 
Schlesinger, Wien 489 
Schlesinger, Berlin 192 
Schlimpus, Dresden 20 
Schloß, Wiesbaden 93 
Schloßberger, Budapest 490 j 
Schloßmann, Düsseldorf 54 
Schmid, Charlottenburg 192 
Schmidt, Berlin 71, 285 
Schmidt, Heidelberg 423 
Schmidt, Dresden 423 
Schmieden, Rom 18 
Schmiedl, Marienbad 208 
Schmittgen, Berlin 559 
Schmort, Dresden 391 
Schneider, Lemberg 380 
Schoene, Ratibor 535 
Schoene, Frankf. 45 
Schoenfeld, Brüssel 118 
Schottelius, Freiburg i. B. 217 
Schourp, Danzig 117 
Schubert, Breslau 434 
Schucht, Breslau 19, 79 
SchÜffner, Sumatra 468, 567 
Schuhmacher, Kiel 530 
Schüler, Charlottenburg 230 
Schüller, Berlin 194 
Schümm, Hamburg 126, 423 
Schümm, Eppendorf 530 
Schulz-Zehaen, Berlin 183 
Schulze, Friedenau 58 
Schulze, Göttingen 521 
Schultze, Bonn 467, 501, 581 
Schultze, Hamburg 402 
Schur, Wien 33 
Schürmann, Berlin 579 
Schütz, Wien 264 
Schütze, Berlin 58, 129, 426 
Schwab, Erlangen 45,104, 479 


Schwalbe, Berlin 154, 204 
Schwartz, Straßburg 241 
Schwartze 305 
Schwarz, Stuttgart 405 
Schwarz, Wien 381 
Sch weckendick, Lemenau 117 
Schweiger, Travintz 525 
Schweinburg, Brünn 379 
Schweitzer, Fiume 183 
Schwerdt, Gotha 422 
Seefer, Bonn 43 
Seel, Stuttgart 520 
Seelfelder, Leipzig 194 
Seeligsohn, Berlin 195 
Selig, Franzensbad 157, 427 
Segal6, Genua 568 
Selig, Wien 479 
Seligmann, Berlin 412, 533 
Seilei, Budapest 581 
Sellheim, Düsseldorf 392, 421 
Senator, Berlin 105, 169, 536 
Senftleben, Breslau 427, 424 
Seyberth, München 529 
Shibayama, Tokio 356 
Sicherer, München 423 
Sick, Leipzig 413 
Siebermann, Kudowa 263 
Siebert, Breslau 153 
Siefmann, Halle 331 
Siegel, Berlin 54 
Siegel, Reichenhall 131 
Sippel, Frankfurt a. M. 21 
Sitsen, Amsterdam 59 
Sittler, Straßburg 479 
Sittmann, München 55 
Skschivan, Odessa 142 
Sluba, Wien 548 
Soetbeer, Greifswald 469 
Soltmann, Leipzig 54, 69 
Sommer, Gießen 531 
Sondermann, Dieringhausen 11 
Sonnenburg, Berlin 293 
Sorgo, Alland 241 
Spaeth, Fürth 348 
Spaeth, Hamburg 240 
Spengler, Davos 178 
Spielmeyer, Freiburg 426 
Spielmeyer, Hamburg 387 
Spira, Krakau 184 
Sprengel, Braunschweig 48 
Sron 140 

Stadelmann, Berlin 20, 33, 131, 
402, 423 
Stadler 83 
Stahr, Berlin 404 
Stalewsky, Freiburg 46 
Stark, Karlsruhe 229 
Stäubli, München 10 
Stefansky, Odessa 142 
Stein, Hildesheim 44 
Stein, Königsberg 141 
Steinert, Leipzig 333 
v. Stenitzer, Wien 324 
Stern, Düsseldorf 140, 141 
Stern, Frankfurt a. M. 342 
Stern, Prag 305 
Stemberg, Berlin 305 
Sternberg, Brünn 34 
Sticker, Berlin 21 
Stillmark, Livland 394 
Stoffel, Heidelberg 53 
Stransky, Wien 378 
Straßburger, Bonn 291, 448 


Straßner, Halle 571 
Strauß, Berlin 33, 105, 221, 
302, 499 

Struppler, München 193 
Stuhl, Gießen 95 
Stursberg, Bonn 323 
Sudeck, Hamburg 391, 446 
v. Szaboky 208 
v. Szillösy, Szegedin 377 

Tavel, Bern 154 
Tendeloo, Leyden 78 
Terunki, Frankfurt a. M. 334, 
346 

Teschenmacher, Neuenahr 228 
Teuffel, Dresden 521 
Thalmann, Dresden 240 
Theilhaber, München 103, 401 
Theismann, Haspe 80 
Theopold, Lemgo 154 
Thorei, Nürnberg 292 
Thorspecken, Badenweiler 139 
Tilmann, Köln 294 
Tintemann, Göttingen 510 
Tlesch, Budapest 490 
Tobias, Berlin 195 
Toff, Braila 
Tollens, Kiel 169 
Tomarkin, Berlin 44 
Tomarkin, Bern 142 
Tomasczewski, Halle 375 
Töplitz 59 

v. Tortay, Budapest 486 
Tordenz, Budapest 34 
Trendelenburg 469 
Trekel, Würzburg 510 
Treupel, Frankfurts. M. 355,378 
Trofimow 451, 461, 474, 481 
Troller, Paris 335 
Tschistowitsch, Petersburg 263 
Tschumakow 267 
Tsuda, Prag 534 
Türck, Wien 115, 181 
Tutaki, München 125 

Uffenheimer, München 356 
Uhlenhut. Berlin 104, 391 
Uli mann, Berlin 129 
Ullmann, Breslau 390 
Ullmann, Wien 581 
Unterberg, Budapest 581 
Urban, Linz 167 

Vasilön, Bukarest 487. 

Veil, Straßburg 579. 

Veit, Halle 142, 424. 
v. d. Velden, Marburg 140. 
Venema, Nordhausen 251. 
Verbrugghen, Brüssel 117. 
Vernroa, Bern 31. 

Vers6, Leipzig 216. 

Vierhuff, Moskau 302. 
Vierordt, Heidelberg 44, 47. 
Vogel, Dortmund 66, 103, 392. 
Vogt 307, 317, 327. 

Vohsen, Frankfurt a. M. 176. 
Voihard, Dortmund 176. 
Vollert, Leipzig 45. 

Voemer, Leipzig 115, 204, 284, 
500. 

Vorschütz, Köln 216, 229. 
Vulpius 369. 


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XX. 


MEDlCIlhicHE WOCHE. 


Nr. 52. 


Wagner 194. 

Wagner, Stuttgart 229. 
Waloum, Kopenhagen 220. 
Walko, Prag 568. 

Walliczek, Breslau 487. 
Wallsch, Prag 855. 

Walther, Ettenheim 127. 
Wassermann, Berlin 11,81,832, 
544. 

Watermann, Berlin 580. 
Weber, Berlin 31, 155. 
Weber, Gießen 572. 

Weber, Göttingen 19, 544,547. 
Wederhake, Bonn 11, 45. 

W ederhake, Düsseldorf304,548, 
Weil, Prag 58, 450, 534. 
Weikardt, Neu-Ulm 448. 
Weiß, Wien 184. 


! Weißwange, Dresden 376. 
Weleminsky, Prag 205. 
Wende, Leubus 194. 

Wendel, Magdeburg 167. 
Wengler 348. 

Wenzel, München 72. 

Werner, Berlin 345. 
Westenhoeffer, Berlin 578. 
Westphal, Bonn 488. 
Wetschtomow 503, 515. 
Weygandt, Würz bürg 80. 
Weymeersch, Paris 382. 

Wire, Wiesbaden 115. 
Witthauer, Halle 105. 

Witzei, München 72. 
Witzenhausen, Mannheim 389. 
Wichmann. Hamburg 469. 
Widauer, Zofingen 241. 


Wieke, Braunschweig 525. 
Wiens, Breslau 529. 
j Wiesner, Aschaffenburg 531. 
Wiesner, Wien 458. 

Winkler, Bremen 141. 
Winterberg, Wien 133, 148. 
Wimmer, Wien 377. 

I Wohlgemuth, Berlin 93. 
Wohrizek, Berlin 537. 
Wolf-Eisner, Berlin 402, 423. 
Wolff, Potsdam 21. 
Wolff-Eisner, Berlin 153. 
Wollenberg, Berlin 294. 
Wrzoich, Krakau 46. 

[ Wunsch, Berlin 264. 

Wunsch, Breslau 490. 

Wyß, Zürich 529. 


Zabel, Rostock 171, 185, 197, 
209, 223, 234, 

Zacharias, Erlangen 140, 291. 
Zak, Wien 33. 

Zangenmeister, Königsberg875. 
Zdavek 379. 

Zemitz, Steglitz 32, 105, 449. 
Zickel, Berlin 30, 43, 66, 78. 
139, 153, 239, 250, 281, 352, 
420, 478, 486, 566. 
v. Ziegler 132. 

Ziegler, Wildbad 446. 

Zieler, Berlin 12. 

Zieler, Breslau 139. 

Zinn, Chemnitz 116. 

Züdger, Potsdam 449. 

Zupnitz, Berlin 59. 

Zweig, Berlin 219. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. P. Mhiitner, Berlin W. 02, KurfQrstenttr. 81. — Verantwortlich für den Interatenteil: Carl Marhold Verlagsbuchhandlung, Halle a. S 

Druck von der Hejmeaaann’ichen Buchdruckerei, Gebr. Wolff, Halle a. S. 


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Sach- Register der „Therapeutischen Rundschau“ 


Originalartikel. 

Admirable, lieber die fiWngti«Bi«rnihnmg 
mit 17 

Alkalische Wässer, Wirknng derselben bei 
der hamsauren Diathese. Scherbel 164 
Aspirophen, Heber die /aastjrharaaatiache 
and antineuralgische Wirkung dess. 
Ganz 68 

Berahignngamittel in der ftäaglingspraoris, 
Ueber Üae An-wendengsoleker. Prüssen 

79 

Blendenkanstruktionea, Neue, für röntgen- 
diagnostische Zwecke. Dessaaer 128 
Bombastus - Mundwasser hei Diphtherie. 

Pete» .177 

öomyval, Klin. Untersuchungen über dass, 
als Sedativum and Hypnoticum bei 
Geisteskranken und Nervösen. Bian- 
chini. 67 

Qallaquol, Behandlung akuter Entzün¬ 
dungen mit demselben. Müller 160 
Diuhtexie, Bombastes - Mundwasser bei 
retere 177 

Domestikation, Einfluß derselben auf die 
Stuhkntfoenmg. .Lewin .103 

Ekzem und Gesamtorganismus. Esch 146 
Entzündungen, akute, Behandlung ders. 

mit Callaquol. Müller 150 

Ernäbrungstnerapie der Sfaglinge, Kapitel 
aos der. Prüssen 53 

Ernährungstherapie der Säuglinge, Kapitel 
ans der. II. Ueber die Verwendung 
fettarmer Nahrungsgemische in der.Er¬ 
nährungstherapie der Säuglinge. Prüssen 

97 

Gesichtsschutzmaske. Eichentopf 193 
Gewürze, Ueber den Nutzen der, für die 
Ernährung. 174 

Gonorrhöe, Hydrotherapeutische Behand¬ 
lung ders. Peters 196, 199 

Harnsaare Diathese, Wirkung der alka¬ 
lischen Wässer bei ders. Scherbel 184 
Hetolbebandlnng der Tuberkulose, Die, 
und. ihre Gegner. Weißmann 131, 136 
Heufieber, Ueber das, und seme Behand¬ 
lung mit Pollantin. 87, 42, 46 

Qorlicks Malz - Milch. 87 

Hydrotherapeutische Behandlung der Go¬ 
norrhöe. Peters 196 

Idealrohre, Erfahrungen über die. Dess¬ 
auer 49 

Kneiferkonstraktionen, Ueber moderne. 

D&mmann 114, 117, 123, 127 

Kohlensäure-Bäder, Apparat zur Bereitung 
chemisch-reiner. Mich&l 73 

Kompressions - Schwamm, Medicinischer. 

Ebstein 114 

Kopfschmerz, Der ohron., und seine Be¬ 
handlung. Luda 85 


Kräuterbäder. Zucker 80 

Kurmilch und Milchkuren. Kühner 91 
Iaokal&naesthesie 23, 28 

Lumbalpunktion, Ein kasuistischer Beitrag 
zur dinereDtiell-diagnostischen und thera¬ 
peutischen Bedeutung derselben. Kohn 

161 

Lungentuberkulose, N eue Erfahrungen über 
die Entstehung der, und ihre Behandlung 
mit Tuberkulocidin und Selenin. Klebs 8 
Magolan, Untersuchungen und Beobach¬ 
tangen über den Wert des neuen Anti- 
diabeticums. Hermann 118 

Metallplattfußeinlage, Welche Anforde¬ 
rungen sind in der wissenschaftlichen 
Orthopädie an eine solche zu stellen. 
Lengfellner 146 

Milch-Konservierung durch Blaudium. 86 
Harbenstrikturen, deren Beeinflussung 
durch intravenöse Anwendung einer 
neuen Thiosinam in-Verbindung. Frank 

167, 173 

Nasenbluten, Das, Eine historische Studie. 

Kassel 205, 209 

Nierengürtel. Fackenheim 86 

Opotherapie, Die, in der Gynäkologie. 

Fellner 141 

Pelveographie, lieber. Gaszynski 104 
iPhysikalische Untersuchungsmethode, De¬ 
finition des Röntgenverfahrens als solche. 
Dessauer 192 

Physik im Dienste der Medicin. 168 
Rachitisbehandlung, rationelle. Esch 69 
Reformplauderei. Walser 178 

Röntgen - Instrumentarium, Ein neuer 
grundlegender Fortschritt im. Otto 

191, 196 

Röntgenverfahren, Zur Definition dess. als 
physikalische Unteren chungsmethode 
Dessauer 192 

ftanatogen in der Praxis, Ueber einige 
Erfolge mit. Weißmann 156 

Säuglingsernährung, Ueber die, mit Ad- 
.mirable 17 

Säuglingspraxis, Anwendung von Beruhi¬ 
gungsmitteln in ders. Prüssen 79 
Schalldämpfer Fridolin, Ueber einen neuen. 

/Küppere 31 

Schleimhäute, Zar Behandlung derselben 
mit violetten Strahlen. Schüler 109 
Seekrankheit, Zur Behandlung der. 170 
Selenin, Neue Erfahrungen über die Be¬ 
handlung der Tuberkulose mit, etc. 
Klebs 8 

Somatose, Ueber trockene und flüssige 
Fürst 211 

Sprachheilverfahren, Das orthopädische. 

.Thielbörger 80 

Stethoskop, Ein. neues. Minnich 54 


Studienreise, Die diesjährige VH. ärztliche. 

Kohn '188, T88 

Stühlentleerung, Einfluß der Domestikation 
auf dieselbe. Lewin ‘108 

Thio8inamiD-Verbindung, Eine neue, und 
deren intravenöse Anwendung zur Be¬ 
einflussung von Narbenstrikturen. Frank 

167, 179 

Tuberkulocidm, Neue Erfahrungen über 
die Behandlung der Tuberkulose mit, 
etc. Klebs 8 

Wasserstoffsuperoxyd. Mannei 200 
Wasseretoffsuperoxydroasse, Verfahren zur 
Herstellung fester. Böbm und Leyden 

74 

Wissenschaftliche Deputation, Die, für das 
Medicinalwesen in Berlin und die Wissen¬ 
schaft. Randglossen zu dem Thema: 
„Die Heilbehandl ung der Tuberkulose 
und ihre Gegner.“ Weißmann 131,135 
Wochenbettbinde. Aseptische. Rothachuh 

86 

Wort, Ein, zum Geleit 1 

Yoghurt. 105 

Technische und 
pharmaceutische Neuigkeiten. 

Ast tirator und Infusions - Apparat nach 
Petrikowsky-Klug 179 

Bettschüsselussen 69 

Beinbrüche, Behandlung ders. in einer 
neuen Beinschiene. Emge 200 

Beinschiene, eine neue, zur Behandlung 
der Beinbrüche. Emge 200 

Bronchoskopie, Zur Technik der 1-86 
Ghinaeisenbitter, Mechlings 18 

Chromo-Sacoharometer Rapid, nach Dr. 

E. Bendix und A. Schittenhelm 3 
Diakon-Band 98 

Divisor nach Cathelin 60 

Eitersauger nach Springmann 207 

Elektrischer Universal - Anschlußapparat 
für ärztlichen Gebrauch 148 

Elektrisierapparat, Ein neuer Taschen- 14 
Elektrisches Hemd mit tragbarem Taschen - 
automaten nach Behnisch 212 

Elektrischer Taschenapparat, tragbarer 
nach Behnisch 212 

Energos. Fokschaner 54 

Fußboden, Der, als Staubentzieher 8 
Gerda, Klapptrage 166 

Gesichtsschntzmaske 193 

Grossmanns Kaltwasserfilter 207 

Haemostix nach Prof. Schottelius 207 
Hemd, Elektr., mit tragbarem Taschen¬ 
automaten nach Behnisch 212 

Hyperämie nach Bier, Apparate nach Prof. 
Krauß zur Therapie mittels ders. 46 


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XXII 


Therapeutische Rundschau. 


Nr. 44. 


Hysterophor, Ein neuer 179 

Infusions - Apparat und Aspirator. Nach 
Petrikowsky-Klug 179 

Kaltwasserfilter, Grossmanns 207 

Klapptrage, Modell Gerda D. R. G. M. Nr. 

309854. Toeplitz 156 

Kohlensäure - Mischapparat „Radikal“ 162 
Kopfstützer als Ersatz für Operationsstuhl 

69 

Kystoskope, Ueber einen neuen automat. 

Verschloß an solchen 38 

Liegestuhl, zusammenklappbarer, mit ab¬ 
nehmbarem Tisch- und Fußgestell. Syst. 
Fißmer 38 

Lymphgefäß „L. D. F.“ 69 

Mechlings Chinaeisenbitter 18 

Meßinstrument, Ein neues, bei Röntgen^. 

Bestrahlungen 24 

Mikroskope, Ueber Voigtländeiache 151 
Mikroskopier -Schornstein nach Prof. M. 

Neißer 15 

Milchpumpen und Eitersauger nach Spring¬ 
mann 2Ö7 

Mundus. Wundnaht-Instrumentarium nach 
Michel 14 

Nadelhalter Ultra (nach Dr. Behf) 14 
Nadelzange nach Dr. Edgar Kurz 170 
Nasensauger nach Dr. Sondermann 74 
Neptunkappe von Kappmeier 170 

Ohrluftdouche, Pharyngeale, nach Dr. M. 

Saenger 32 

Pinzette zur Wundnaht nach Michel 65 
Pollantin, Behandlung des Heufiebers mit 

37, 42, 46 

Quarzlampe, Die medicinische 2 

ftadinium, tragbarer elektrischer Taschen¬ 
apparat nach Behnisch 212 

Rapid, Chromo-Saccharometer 3 

Röntgen - Bestrahlungen, Ein neues Me߬ 
instrument bei 24 

Rotax-Unterbrecher 191, 196 

Saccharimeter, Walbums 33 

Saccharometer, Chromo-, Rapid 3 

Sana-Frottierbürste 124 

Schottelius’ Haemostix 207 

Schreibgeradehalter nach Abel 147 

Schuhwerk ftir Plattfüße nach Bramson 

55 

Sphygmoskop. Ein neuer Apparat zur 
Veranschaulichung des Pulses nach Dr. 
Rheinboldt 19 

Springmanns Milchpumpen und Eitersauger 

207 

Spucknapf nach Dr. Veillard 25 

Spucknapf Suevia 64 

Staubentzieh er, Der Fußboden als 8 
Sterilisierkasten mit Trägerverschluß. D. 

R. G. M. 137 

Tamponbüchse mit Spulvorrichtung 75 
Taschen-Elektrisierapparat, Ein neuer 14 
Tinctura Ferri Athenstaedt, Ueber die 7 
Tragbahre für in Bergwerken Schwerver¬ 
letzte nach Dr. Joh. Philipp 74 

Tripperheilsuspensorium von Hinrichs 110 
Trockenklosett 93 

Ultra, Nadelhalter nach Dr. Behr 14 
Uteruspessar, Ein neues 156 

Uterusspülkatheter, Ein neues 124 

Ventilationsbinde. D. R. G. M. Nr. 317 003 

189 

Vera vita, tragbarer elektrischer Taschen¬ 
apparat nach Behnisch 212 

Verbandkissen • 207 


Verbandschienen, Vorrichtung zum leichten 
und schnellen Anpassen derselben 174 
Verband8säge 170 

Verbandtasche, Eine neue 42 

Verbrennungsofen für Vernichtung von 
Sputum, gebraucht Verbandsmaterial, 
Fäkalien, Versuchstieren etc. 99 

Vier in Eins 197 

Voigtländereche Mikroskope, Ueber 151 
Wdbums Saccharimeter 33 

Warm wasserfilter, Der Großmannsche. 28 
Waßmuthsche Inhalationsverfahren, Ueber 
das 5 

Wechselstromapparat, Transportabler 69 
Wundnaht nach Michel 14 

Periodische Literatur. 

Abortbehaudlung, Ambulante. Rosenthal 

65 

Alypin in der Ohrenheilkunde. Bürkner 

180 

Anaestheticum, ein neues, Monotal Hecht 

9 

Antiascaridiacum, Ein neues. Oleum 
chenopodii anthelmintici, amerikanisches 
Wurmsamenöl. Brüning 110 

Antiphlogisticum, ein neues und Anaesthe¬ 
ticum, Monotal Hecht. 9 

Antitoxinbehandlung des Tetanus. Urban 

81 

Arthritiden, chronische, deren Behandlung 
mittels Fibrolysin. Salfeld 20 

Aspirinpräparat, Ein neues. (Novaspirin). 

Liebmann 81 

Asthmabehandlung, Ueber 34 

Atoxyl, Wirkung desselben auf Trypa¬ 
nosomen und Spirocbaeten. Uhlenhut, 
Groß, Bickel 25 

Augenkrankheiten und Uviolbehandlung. 

Axmann 34 

Bäder, Radiumemanationshaltige künst¬ 
liche. Laquer 194 

Basedowsche Krankheit, Röntgenbehand¬ 
lung der. Freund 175 

Bauchschüsse, penetrierende, deren Be¬ 
handlung im Felde. Hildebrandt 47 
Benzosalin. Bodenstein 180 

Benzosalin. Freund 147 

Beta-Sulfopyrin bei der Behandlung des 
Jodismus und des akuten Schnupfens. 
Rosenthal 34 

Biereche Stauung, Einiges zu ders. Lichten¬ 
berg 106 

Biereche Stauung bei Mastitisbehandlung. 

Zacharias 171 

Biereche Stauung bei Seekrankheit. Roesen 

65 

Biereche Stauung und Lumbalpunktion bei 
Genickstarre. Vorechütz 133 

Bioson, Ueber die Bedeutung desselben 
und seine Anwendung. Marx 20 
Bornyval, der Hauptrepräsentant des Bal¬ 
drians. Wilm 81 

Bromural, ein harmloses Einschläferungs¬ 
mittel. Krieger und v. d. Velden 82 
Bromural, ein neues Nervinum. Runck 

171 

Cellotropin. Weiß 153 

Chinin, Einfluß desselben auf die Wehen¬ 
tätigkeit des Uterus. Maurer 56 
Dampfsterilisator, ein neuer, für Katheter. 
Bloch 99 


Darmadstringens, Tannothymal, ein neues 
Baumgarten 207 

Diabetische Phthise, Zur Therapie ders. 

Thorspecken 39 

Digalen, Ueber das. Klatt 10 

Draht-Zelluloidverbände. Heine 93 
Dysenterie, Zur Frage der Serotherapie 
bei. Skschivan und Stefansky 48 
Eisenpräparat, Ein neues, Euferrol. Haus¬ 
schild 186 

Eisentherapie, Beitrag zur modernen. 

Spitzer 34 

Elektromassagehandschuh. Arndt 180 
Endocarditis, Behandlung der. Hoppe- 
Seyler 25 

Erysipel, Neueste Heilmittel gegen. Hecht 

70 

Euferrol, ein neues Eisenpräparat. Haus¬ 
schild 186 

Fibrolysin, Behandlung chronischer Arthri¬ 
tiden mittels. Salfeld 20 

Fibrolysin-Iniektiouen, Wirkung derselben 
bei Hamröhrenverengerung. Schomp 20 
Fibrolysin Wirkung, Ueber. Emmerich 144 
Fieber der Phthisiker, Behandlung desselb. 
mit Antipyreticis, insbesondere Maretin. 
Tollens 93 

Furunkulose und ähnliche Hautkrank¬ 
heiten , Beiträge zur Therapie der. 
Schweitzer 144 

Genickstarre, Behandlung derselben mit 
Bieracher Stauung und Lumbalpunktion. 
Vorechütz 132 

Geschlechtskrankheiten, Die allgem. The¬ 
rapie der Joseph 202 

Gonorrhöetherapie, Wirkungsweise der mo¬ 
dernen. Zieler 70 

Harnröhren Verengerung, Wirkung von 
Fibrolysin-Injektionen bei. Schomp 20 
Harnsäure Diathese, Prophyl. u. Therapie 
ders. Wolf 93 

Heilserum, Ein neues tierisches, gegen 
mikrobische Infektionen beim Menschen. 
Deutschmann 175 

Heuschnupfenbehandlung. Avellis 153 
Hyperämiebehandlung der Lungen mit der 
Kuhnschen Lungensaugmaske. Stolzen- 
burg und Kuhn 175 

Imp otenz, Die, und ihre Behandlung. 

Dammann 29 

Impotenz, Die Behandlung der. Fürbringer 

88 

Isoformzahnpasten zur Verhütung der 
Stomatitis mercurialis. Siebert 75 
Jodismus, Behandlung desselb. mit Beta- 
Sulfopyrin. Rosentnal 34 

Jodofan, ein neues organ. Jodpräparat, 
alsJodoformereatzmittel. Eisenberg 130 
Jodopyrin, Beiträge zur therap. Verwen¬ 
dung des. Kaink 15 

Katheter - Dampfsterilisator, Ein neuer. 

Bloch 99 

Konephrin. Weißmann 138 

Kopfschmerz, Der, und seine physikalische 
Behandlung Riedel 189 

Kosmetische Nasenoperationen. Gerber 

171 

Kretinismus, Zweiter Jahresbericht über 
die Behandlung dess. mit Schilddrtisen- 
substanz. Wagner v. Jauregg 33 
Kuhnsche Lungensaugmaske, Hyperämie¬ 
behandlung der Lungen mit derselben 
Stolzenburg und Kuhn 175 


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iöö? 


therapeutische Rundschau. 


xxni 


Laugenverätzungen der Speiseröhre, Bei¬ 
träge zur Behandlung ders. Baß 105 
Licht, Anwendung dess. in der Derma¬ 
tologie. Kromayer 60 

Licht-Luftstrombehandlung der Erkrank¬ 
ungen der Respirationsorgane. Herz 75 
Lichttherapie,Unmittelbare, durch Sonnen¬ 
licht Widmer 138 

Lumbalanästhesie, Ueber, mit Tropakokain. 

Bosse 34 

Lumbalpunktion und Biersche Stauung 
bei Genickstarre. Vorschütz 132 
Lungensaugmaske zur Hyperämiebehand¬ 
lung der Lunge. Stolzenburg und Kuhn 

Magenblutungen, lebensgefährliche pro¬ 
fuse, Beitrag zur operativen Therapie 
bei denselben. Hirschei 25 

Mastitiden, Behandlung von zwölf, mit 
Saugapparaten. Hartmann 39 

Mastitisbehandlung mit Bierscher Stauung. 

Zacharias 171 

Milzbrand, Zur Behandlung des. Barlach 

171 

Monotal, ein neues externes Antiphlogis- 
tikum und Anästhetikum. Hecht 9 

Nachgeburt, Zur Behandlung der vor¬ 
liegenden. Mende 15 

Nasenoperationen, Kosmet. Gerber 171 
Netzhautablösung, Behandl. der. Deutsch- 

munn 120 

Novaspirin. Le hmann 111 

Novaspirin, ein neues Aspirinpräparat. 

Liebmann 81 

ftovaspirin, ein verbessertes Aspirin 106 

Ovogal, ein neues Cholagogum. Luihart 

Ovogal, ein neues Cholagogum. Rahn 94 

Phosphorernährung und Phosphortherapie 
im Kindesalter, Neuer Vorschlag zur. 
Manchot 115 

Phthise, diabetische. Zur Therapie der¬ 
selben. Thorspecken 39 

Physikalische Behandl. des Kopfschmerzes. 

Riedel 189 

Plattfuß-Metall- und Zelluloideinlagen. 

Lengfellner 93 

Protargol, Rezeptur des. Goldmann 65 
Protargol, Ueber die Reizwirkung des. 

Stern 82 

Protargolsalbenbehandlung. Müller 156 
Puro und seine Bedeutung für die Zu¬ 
sammensetzung der Blutflüssigkeit v. 
Matzner 153 

Quecksilber-Velopural, ein neues Inunk- 
tionsmittel. Bebert 88 

Badiumemanationshaltige Bäder, Künst¬ 
liche. Laquer 194 

Rheumatismus, Rheumatosen und deren 
perkutane BehandlungmitSO nrozen tigern 
Salicylsapen Krewel. Schalenkamp 19 
Röntgenbehandlung der Basedowschen 
Krankheit. Freund 175 

Röntgenbehandlung und Prostatahyper¬ 
trophie. Haemisch 163 

Salicylsapen Krewel. 20proz., Perkutane 
Behandlung des Rheumatismus und der 
Rheumatosen mit. Schalenkamp 19 
Sauerstoffeinblasungen in das Knie, Thera¬ 
peutische. Rauenbusch 157 


Scharlach, Die Therapie des. Schick 197 
Schilddrüsensubstanz, Zweiter Jahresbe¬ 
richt über die Behandlung des Kretinis¬ 
mus mit. Wagner v. Jauregg 33 
Schnupfen, akuter, seine Behandlung mit 
Beta-Sulfopyrin. Rosenthal 34 

Sekakorain. Schubert 186 

Seekrankheit, Biersche Stauung bei der¬ 
selben. Roesen 65 

Serotherapie, Zur Frage der, bei Dysenterie. 

Skschivan und Stefansky 43 

Stauungshyperämie nach der Methode von 
Bier, Zur Behandlungsmethode mittels 
ders. Gramenitzki 147 

Stomatitis mercurialis und ihre Verhütung 
durch Isoformzahnpasten. Siebert 75 
Stovain, Ueber. Serenin 33 

Strophantintherapie, Intravenöse. Stark 

138 

Sykosisbehandlung, Ein Beitrag zur. Ber¬ 
liner 39 

Syphilisbehandlung, Die, im Lichte der 
neuen Forschungsresultate. Lesser 213 
Syphilis, Frühbehandlung ders. Thal¬ 
mann 157 

Syphilis, Zur inneren Therapie derselben. 
Saalfeld 65 

Tabes dorsalis, Die physikalische Behand¬ 
lung der. Tobias und Kindler 100 
Tannothymal, ein neues Darmadstringens. 

Baumgarten 207 

Tetanus, Zur Antitoxinbehandlung dess. 

Urban 81 

Tetanus, Zur Behandlung des. Tilmann 

1.80 

Tropakokain, Ueber Lumbalanästhesie mit 
Bosse 34 

TuberkulöseCoxitis, Behandlung derselben. 
Hoffa 124 

Unterleibstyphus, Behandlung dess. mit 
Pyramidon. Seick 120 

Uviolbehandlung und Augenkrankheiten. 

ÄTmann 34 

Uviollicht, Wirkung dess. auf die Haut 
und Verwendung in der Dermatologie. 
Stern und Hesse 65 

Wehentätigkeit des Uterus, Einfluß des 
Chinins auf dies. Maurer 59 

Neuere Arzneimittel. 

Aethrol, Deci-Aethrol, Formaethrol 111 
Angina etc. der Kinder, Neues Rezept 
gegen l0 

Arrhenal 11 

Arhovin 158, 190 

Arhovin-Therapie in der Urologie. Weiß 

148 

Baldrianwirkung, Die echte, im Bornyval. 

Engels 148 

Bismutum bisalicylicum 26 

Bismutum bitannicum 26 

Bornyval, Die echte Baldrianwirkung im 

148 

„Bright“, Specifique 126 

Bromural • 57 

Oascara Dr. Adler 194 

Castoreum Bromid, Apotheker W eigerts 186 
Coryfin 26 

Diabetes mellitus, Ueber organische Phos¬ 
phortherapie bei 181 


Emanosal 

Empyroform 

Escalin 

Eston und Formeston 

Estoral 

Eusulfinseife 

Festokarbol 

Fortoin 

Gaudanin 

Guajakol - Kalk - Sirup 

Guathymin Lepehne 

Heidyl 

His tos an 

Isn 

Isoform 

Jodofan 

Jodopyrin 

Kaubalsam Sahir 

Kreo-Spinol 

Kufeke-Mehl 


121 

112 

94 

20 

43 

39 

76 

10 

40 
82 
21 

194 
16 
121 
100 
139, 203 
112 

11 

76 

121 

82 

144 

172 

70 

125 

56 

56 

29 


Lecin 

Liebes Neutralnahrung 
Lyringbin -Kolibabe 

Mergal 

Nephritis, Zur Therapie der 
Neurofebrin 
Neuronal 
Novaspirin 

Oleate der Firma Parke, Davis & Co. 26 
Orphol 26 

Pädotheon Schoder 89 

Peptannol 101 

Pharyngitis etc. d. Kinder, Rezept gegen 

>ie, Ueber organische, bei 


Diabetes mellitus 181 

Pittylen 61 

Pittylen - Präparate, Verbesserte Vor¬ 
schriften für einige 111 

Praevalidin 134 

Pyrenol 116 

Begenerol 83 

Rhinoculin 130 

Sahtr, Kaubalsam 11 

Sahir, Zahnpulver 11 

Sajodin 4 

Salocreol 190 

Saluferin- Zahnpasta 101 

„Sic“ (Glande Surrenale Interne et Corti- 
cale „Sic“) 51 

Soor, Angina, Pharyngitis usw. d. Kinder, 

35 
Eisen- 

153 
125 
106 

76 
76 
21 
21 
47 
198 
148 
10 

154 
148 
186 

11 


Rezept gegen 
Sophol 

Soxhlets Eisen-Nährzucker und 
Nährzucker-Kakao 
Spöcifique Bright 
Spermathanaton 
Spinol 

Spinol-Urantabletten 
Stramonium Räucherpapier 
Sudoformal Lepehne 
Sulfogenol 
Sullacetin 

Suprarenin, Synthetisches 

Tumenol 

Urogosan 

Vasenol 

Weigerte Castoreum Bromid 
Zahnpulver Sahir 


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X&IV 


Bücherbesprechung. 

Exploration de l'Appareil Urinairei Lays 

138 

Eystoskopie, Lehrbuch der. NitzB 138 
Säuglings-Ernährung und Pflege. Töplitz 

163 


TfflSRAPHÜTISOHE RUNDSCffikü. 


Therapeutische Neuheiten des letzten 
Vierteljahrhunderts. Rabow 9 

Patente und Erfindungen. 

4, 11, 16, 21, 36, 40, 48, 48, 62, 6«, 71, 
77, 83, 89, 94, 101, 106, 112, 116, 121, 


Nr. 44. | 


126, 196, 134, 189; 164; 148, 164,199 
164, 172, 176, 181, 186,196, 164,198, 
204, 208, 214. 

Allgemeines, 

Odolvergiftung 208 


Namen - Register. 


Bianchini, Girifolco 67 

B6hm, Berlin 74 

Dämman, Berlin W. 114, 117, 128; 127 
Dessauer, Aschaffenbtrrg 49, 128, 168, 

159, 192 

Ebstein, Eisenach 114 

Eichentopf, Naumburg a. S. 193 

Emge, Hohentengen 200 

Esch, Bendorf 59. 145 

Fackenheim, Kassel 86 

Fellner, Otfried 0: 144 

Fokschaner 54 

Frank, Emst R. W., Berlin 167, 178 
Fftrst, Berlin 211 


Ganz 


64 

Gaszynski, Warschau 


104 

BEbrmann, Wien 


118 

Kassel, Posen 

206, 

209 

Klebs, Prof. Edwin, Berlin 


8 

Kolm, Prag 161, 

188, 

188 

Kühner, Koburg 


91 

Küppers, Dr. 


31 

Lengfellner, Berlin 

Lewm, Halle 


146 


108 

Leyden, Berlin 


74 

Luda, Berlin 


83 

Kännel, Geisa 


200 

Michal, Prag 


76 


Mflller, Berlin 
Otto, W., Inge«. 
Peters, Goslar 
Prösaea, Köln 
Rothschah, Aachen 
Scherbel, Lisas 
Schüler, Charlottenburg 
Thielbörger, Südende 
Toeplitz, Breslau 
Walser, Kanstatt 
Weißmann, Lindenfels 
Zucker 


54 

150 
191; 196 
177, 195, 199 
53y 80, 97 
86 
184 
109 
80 
156 
178 

131, 186, 156 
8D 


IT. A. Hoppen u. R. Fisoher 
Patentanwälte. 

Berits SW« 18i, : Nenenborgentrafle 15 > 

Amt IT 718. 


VaaaatarertUchar Rrfik—r: Da. H. Langwitx, Berlin S. 14. — Verlag: Carl Marti old, Venagtbuchfcaodlüiif, H3H« a. S. 
Druck de Haynemaimachen Baehdrtickteai; Qibr. Wfclg' Hall« a. S. 


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Medicinische Woche 


Deutschmann, 

Hamburg. 


A. DBhrssen, A. Hoffa, E. Jacobe 

Berlin. Berlin. Frei bürg 1. Bt. 

H. Senator, R. Sommer, 
Berlin. Oieasen. 


Herausgegeben von 


R. Kobert, M. Koeppen, K. Paftsch, H. Rosin, H. Schlange, 
Rostock. Berlin. Brcilu. Berlin. Hannover. 

H. Unrerricht, A. Vosslas, 

Magdeburg. Qiesaen. 



Vertag üttd Expedition 

Carl Marhold ln Halle a. S., UUländsifUM 6. 

T«L-Adr.: Marhold Verlag Hallesaale. Fernsprecher 823. 

KL J 

Redaktion: 

Berlin W. 61« Kurfürstenstrasse 81. 

Dr. P Meißner. 



Organ das Schwarzwaldbldertages, des Verbandes der Deutschen Nöfdftebider und des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 


Vm. Jahrgang. 

7. Januar 1907. 

Nr. 

1. 


?. iC ' ci "! ,c ^ e Woche * erscheint Jeden Montag und kostet viertsljßhrl. 2M M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen jede Buchhandlung, die Post, sowie 

die Verlagsbuchhandlung von CafI Marhold in Halle a. 9. entgegen. Inserate werden für die -Igespaltene Petitzeile oder deren Raum mit 50 Pf. berechnet Beilagen 
' nach Uebereinkunft. Reklamezelle 1^0 M. Bel größeren Auftrigen wird Rabatt gewährt. 

Nachdruck der Orlginal-Aufsltze ist ohne vorherige Genehmigung dicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 


Der heutige Stand der Wochenbettpflege. 

Nach «wem in der tnediciflischeti Gesellschaft zu Giessen gehaltenen Vortrago 

von 

Dl*. Kroemer, Privatdozent zu Giessen. 

Am 30. September v. Jahres wurde in Budapest das 
Semmelweis-Denkmal vor einer glänzenden internationalen Ge¬ 
sellschaft enthüllt. Dem Apostel der Desinfektionslebre ist von 
seiten seiner Vaterstadt eine reiche, wenn auch späte Ehrung 
att Teil geworden. Zu dem schon bestehenden Ehrengrabmal 
gesellen sich nunmehr eine Gedenktafel am Geburtshause des 
grossen Mannes und das imponierende Standbild. — Als schönste 
Ehrengabe legte der Festredner: „Tiberius von Györy“ 
die Neuausgabe von Semmelweis’ gesammelten Werken an 
dem Denkmal nieder. Semmelweis war in Ofen geboren und 
Budapest, bezw. Ungarn demnach zunächst verpflichtet zur 
ehrenden Anerkennung des Toten. Wir wollen es dem National¬ 
stolz Ungarns zu Gute halten, dass Semmelweis in erster Linie 
als Sohn der ungarischen Nation gefeiert wurde. Wie Semmel¬ 
weis als Arzt und Forscher internationaler Kosmopolit war, 
so ist auch seine Lehre internationales Gemeingut geworden, 
ln Wien betrieb er seine Studien als Student und Arzt, in deutscher 
Sprache schrieb er seine Werke, und Lehren englischer Geburts¬ 
helfer suchte er sich zu eigen zu machen, ebenso wie später 
Lister bekannt hat, dass die Grundlagen seiner Lehre von 
Semmelweis geschaffen worden seien. Wahrlich, es hätte 
der DenkmalsauJrichtung nicht bedurft, um das Andenken an 
diesen Mann lebendig zu erhalten. Dafür bürgt seine Persön¬ 
lichkeit und sein Märtyrerschicksal. Er rang vergebens nach 
Anerkennung. Verfolgt von Neid und Uebelwollen starb er 
m 18. August 1865 m geistiger Umnachtung an den Folgen 
einer Pyaemie. Er erlag demselben Leiden, das er so lange 
und erfolgreich bekämpft hatte. Heute findet sich sein Bild in 
allen geburtshilflichen Hörsälen, nicht als toter Besitz, sondern 
als lebendige Mahnung. Ja man kann sagen: „Das Lebensbild 
von Philipp Ignaz Semmel weis gehört mit zu den idealen 
Gütern, welche der angehende Arzt aus der Geschichte der 
Medicin erwirbt zu dauerndem Besitz!“ 

Uns aber mahnt es zu rastlosem Streben, seinen Kampf 
gegen das Pueroeralfieber zu dem unsrigen zu machen, denn 
das Puerperal-Fieber ist zwar reduziert, aber nicht ganz er¬ 
loschen. — Vielleicht lohnt es sich, zunächst einen vergleichenden 
Rückblick auf den Ausbau der Semmel weis sehen Lehre 
und ihre Erfolge zu werfen. 

Was haben wir erreicht seit Semmelweis und: Welche 
Aufgaben haben wir noch zu erfüllen ? 

Wir können uns heute keine Vorstellung mehr machen 
von den traurigen Verhältnissen, welche um das Jahr 1840 in 


den klinischen Gehärhäusern herrschten, als zeitweise 31 von 100 
Entbundenen an Puerperalfieber starben. Semmelweis konnte 
durch Bekämpfung der Keimeinschleppung die Mortalität bis 
auf 1:100 herabdrücken. Da seine Lehre zunächst nicht be¬ 
folgt wurde, blieb die allgemeine Mortalität noch erschreckend,- 
hoch. Nach Ahlfelds Angaben fieberten in der Leipziger 
Entbindungsanstalt um das Jahr 1868 von 100 Frauen B7, und 
4—5 erlagen der Infektion. Die durch Lieter wieder erweckte 
Desinfektionslehre besserte sofort die Resultate. 

So waren im Zeitalter der absoluten Antisepsis (1875 —1883) 
in Giessen z. B. die entsprechenden Zahlen für die puerperale 
Morbidität = 30—40%. Für die Mortalität = 1,33% ent¬ 
sprechend der von Dohm für die damalige Zeit berechneten 
Anstaltsmortalität von 1,37%. Noch immer war in Anstalten 
der Wochenbettsverlauf ein weniger günstiger als in der 
Privatpraxis, für welche Dohrn damals 0,7% als Mortalitäts¬ 
quote berechnete. Die moderne Asepsis in ihrer Uebertragung 
auf die Geburtshilfe hat das Verhältnis umgekehrt Für die 
Giessener Klinik beträgt jetzt die puerperale Mortalität 0,07 %, für 
ganz Hessen 0,3%. Nunmehr ist die Klinik die Zuflucht aller 
schwierigen Fälle geworden und mit Recht: denn heute ist nach 
der allgemeinen Erfahrung die puerperale Mortalität in den 
Kliniken mit ihrer rigoros durchgeführten subjektiven Asepsis, 
auf 0,06 im Durchschnitt gesunken (in Giessen 1900—1905 = 
0,07%). Nach Ahlfelds umfassenden Berechnungen sterben 
auf 10 00 Geburten etwa 60 Frauen, darunter 25—30 an In¬ 
fektion. 

r Diesen gewaltigen Fortschritt verdanken wir der Beachtung 
des Semmel weis’schen Lehrsatzes: „Das Puerperal¬ 
fieber entsteht durch Infektion von aussen her.“ 
Die puerperale Infektion wird daher vermieden durch Vernichtung 
des Ansteckungsstoffes, d. h. durch die Desinfektion. Sie alle 
wissen, dass wir das von Semmelweis und Lister erworbene 
Gut nicht einfach hingenommen, sondern im wahrsten Sinne 
des Spruches von neuem erworben haben. 

Sie wissen und haben es zum Teil mit angebahnt, dass 
wir die Asepsis heut verschärfen durch das Gebot der Nonin¬ 
fektion und der prophylaktischen Desinfektion und Suspension, 
sobald eine Desinfektion wahrscheinlich geworden ist. 

Sie wissen, dass wir unsere Hände frei halten von allen 
möglichen Infektionsquellen, ja dass wir die subjektive Desin¬ 
fektion unserer Hände bis zur absoluten Keimfreiheit steigern 
können durch den Gebrauch der Gummihandschuhe. Wir haben 
heute mit Recht auch unsere Ansprüche gesteigert. Wir fragen 
nicht allein: „Wie können wir unsere Gebärenden vor An¬ 
steckung schützen?“ Dieser Schutz scheint uns selbstverständ¬ 
lich, sondern wir wollen unsere Prophylaxe auf alle Schädigungen 
ausdehnen, welche durch das Gebärgeschäft mittelbar oder un¬ 
mittelbar eintreten und die Arbeitsfähigkeit des Individuums 
herabsetzen könnten; denn das Fortpflanzungsgeschäft ist für 
die meisten Frauen mit einer Reduzierung ihrer Körperkräfte und 
ihres wirtschaftlichen Wertes verbunden, welche auch ohne In- 


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2 


MBDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 1. 


fektion eintritt als Folgen der Gravidität»- bezw. Geburtsver¬ 
änderungen des mütterlichen Körpers. Die Schwangerschaft 
als Tragzeit, die Geburt und das Wochenbett stellen eben an 
den Körper der Mutter hohe Anforderungen. Die Leistungs¬ 
fähigkeit der grossen parenchymatösen Organe, insbesondere 
der Vieren und der Leber, die Herzkraft, die Festigkeit und 
Elastizität der Bauchwände und des Beckenbodens werden auf 
eine harte Probe gestellt. Die Geburt allein erfordert eine be¬ 
deutende Kraftleistung von seiten der Frau. Sie ist stets mit 
einer Reihe von Verletzungen, Gewebszerreissungen verknüpft, 
die den an sich normalen Vorgang mit Leichtigkeit zu einem 
pathologischen machen können. 

Entsprechend der besseren oder schlechteren Widerstands¬ 
kraft des Körpers werden somit die Kreissenden auch bei nor¬ 
malen Spontangeburten die Folgen der Ueberanstrengung ver¬ 
schieden leicht überwinden. Es ist bekannt, dass nach einem 
anstrengenden Uebungsmarsch unter 100 Soldaten ein gewisser 
Prozentsatz mit Temperatureteigerung und Albuminurie, bezw. 
Cylindrurie reagiert. Geradeso sehen wir unter der Geburt die 
gleichen Erscheinungen der Ueberanstrengung manifest werden. 
Mit anderen Worten: Die Geburt ist ein so eingreifender Vor¬ 
gang, dass das Ausbleiben jeder Reaktion im Wochenbett nicht 
zu erwarten steht Nur wird die Grösse der Reaktion und die 
•Leichtigkeit, mit welcher die Individuen selbige überwinden, 
graduell verschieden sein. Dem entspricht schon das subjek¬ 
tive Befinden der Wöchnerinnen; die einen fühlen sich nach 
Ueherwindung der ersten Ermüdung vollständig gesund, die 
andern schwach und krank. Dem entspricht auch unsere ob¬ 
jektive klinische Erfahrung. Nehmen wir unsere gewöhnliche 
Methode zur Feststellung klinischer Störungen, die Temperatur¬ 
messung, als Grundlage unserer Betrachtungen, so ist die 
Summe aller Störungen im Wochenbett, d. i. me Gesamtmorbi¬ 
dität niemals gleich Null, sondern es fiebern unter 100 Wöch¬ 
nerinnen nach den Statistiken der besten Kliniken 15 bis 30. 
In Giessen betrug in den letzten Jahren die Summe aller 
Fieberfälle 15,6% (Achselhöhlenmessung!). Bei Ausschaltung 
aller Infektionsmöglichkeiten, d.i. bei Vermeidung jeder Berührung 
der Kreissenden durch Pflegerin oder Arzt, wird diese Morbidität im 
allgemeinen nicht herabgesetzt. Die praecipitierten Geburten 
der Giessener Anstalt haoen sogar eine gesteigerte Morbidität 
von 18—34,5%. Auch die Steigerung der subjektiven Asepsis 
zur absoluten Keimfreiheit der Hände durch den Gebrauch der 
Gummihandschuhe hindert nicht die letzten Testierenden Fieber¬ 
quoten. Alle diese bemerkenswerten Tatsachen zwingen uns 
immer und immer wieder, ausser den subjektiven Maßnahmen 
auch das Objekt (die Schwangere selbst, bezw. die Kreissende 
oder Wöchnerin) ins Bereich unserer Betrachtung zu ziehen. 


Die Morbidität, das ist die Summe aller Fieberfälle im 
Wochenbett ist eine gemischte Zahl, in welcher genitale und 
extragenitale Erkrankungen eingeschlossen sind. 

Die Abgrenzung der reinen Genitalfieber gegenüber den 
Extragenitalstörungen ist sehr schwierig; offenbar aber haben 
wir auf diesem Gebiete grosse Fortschritte gemacht. Es scheint, 
dass die reine Genitalfieberquote, die sog. reducierte Morbidität 
allmählich an den verschiedenen Kliniken sich gleich stellen will. 
In Giessen beträgt sie 7,2%! Diese letzten Störungen des 
Wochenbetts sind für gewöhnlich nur leichte Erkrankungen und 
offenbar mehr als Intoxikation wie als Infektion aufzufassen; 
allein in Ausnahmefällen kann aus der harmlos scheinenden 
Erkrankung: „dem Fieber im Wochenbett“ ein echtes Puer¬ 
peralfieber entstehen auch bei subjektivster Asepsis, auch bei 
nicht berührten Individuen. Die lnfektionsmöglichkeit besteht 
also im Wochenbett auch ohne Verschuldender Geburtsleitenden 
oder der pflegenden Personen. Wenn die ektogene Keimein- 
schleppung (Semmel weis) als Puerperalfieberauelle die Regel 
daretellt, so wird die endogene Keiminvasion als seltene Aus¬ 
nahme die Regel bestätigen. Diese lang bekämpfte Anschau¬ 
ung Ahlfelds und anderer Kliniker wird immer mehr durch 
Belege gestützt Auch unsere eigenen Erfahrungen sprechen 
im gleichen Sinne. Diese Tatsache hat ja für uns nichts Er¬ 
schreckendes. Unter den letzten Zahlen von Puerperalfieber¬ 
todesfällen (nach Bumm 4—5000 jährlich in Preussen) stellen 
die endogenen Infektionen einen verschwindend kleinen Anteil. 
Sie sind für die Rechnung auasi gleich Null zu setzen. Ma߬ 
gebend für unser Handeln bleibt die enorme Differenz gegen¬ 
über der vorantiseptischen Zeit, welche die Statistik unserer 
Tage durch die Vermeidung der ektogenen Infektion erreicht 
hat. 

Nach Ahlfeld sterben also von 10000 Wöchnerinnen heutzu¬ 
tage etwa 60, und davon wieder 25—30 an puerperaler Infek¬ 
tion. Die Mortalität unserer Anstalt an Puerperalfieber beträgt 
0,07 %, bei Betrachtung der letzten grösseren Berechnung. 
Ich brauche nicht hinzuzusetzen, dass diese letzte Summe so 
gut wie nie durch ein Verschulden der Klinik zu erklären ist. 

An allen Anstalten werden, wie bei uns, lange Zeiten — 
Jahre — vergehen, in welchen die reduzierte puerperale Mor¬ 
talität des Anstaltsmaterials gleich Null ist — bis wieder die 
eine oder andre Erfahrung uns mahnt, dass das Puerperalfieber 
zwar eingeschränkt ist, aber noch immer nicht als überwun¬ 
dener Standpunkt gelten kann. — Solche mahnenden Fälle 
halten den Kliniker mit Recht fortgesetzt unter Waffen gegen¬ 
über dem gefürchteten Feind. Gibt es doch heute noch unter 
den Vertretern der Seuchentheorie intelligente Köpfe, welche 
die Puerperalfieberfrage mit der epidemischen Virulenz-Steige- 


Feuilleton. 


Eine Reise auf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm-Darmstadt. 

Ich ergriff gerne die mir gebotene Gelegenheit, auf dem 
berühmten Riesendampfer, der eine Zeitlang zu den heutigen 
Tages so rasch im Wettbewerb wechselnden Weltwundern gehört 
hat, eine Studienreise zur Erforschung einer bestimmten Art 
der Seekrankheit zu machen. 

Am 23. Mai lichteten wir, nachdem zwei Dampfer die 
nahezu 30U0 Zwischendecker an Bord gebracht hatten, die 
Anker an der Ankerstelle oberhalb Cuxhavens und nahmen 
folgenden Tages zwei Sonderzüge mit den Passagieren erster 
und zweiter Klasse auf. Eingerechnet etwa 600 Mann Be¬ 
satzung (worunter ungefähr 160 Kellner, „Stewards“) setzte sich 
dann diese schwimmende Stadt mit ca. 4000 Einwohnern in 
Bewegung, um am Vormittag des folgenden Tages in Dover 
in den Hafen mit einer Eleganz und Sicherheit der Steuerung, 
wie sie bei dem Koloss wunderbar erscheinen muss, einzulaufen. 
Die ganz flache Bucht, welche ihre Bedeutung als Dampfschiffs¬ 


lände zunächst wohl nur dem Umstand verdankt, dass ihr 
gegenüber, auf dem kürzesten Seewege erreichbar, der französische 
Küstenhafen von Calais liegt, steht im Begriff, sich durch künst¬ 
liche Hafen mauern in einen mächtigen Kriegshafen zu ver¬ 
wandeln: Es sind ja ein paar Stunden Fahrt näher von dieser 
vorgeschobenen Ostecke von Englands Südküste aus nach dem 
von England so maßlos gefürchteten Deutschland, dessen Er¬ 
wähnung auf den langgliedrigen, phlegmatischen Inselbewohner 
wirkt wie ein rotes Tuch auf den Puter oder den Bullen: 
Eine Deutschenfurcht, einen Deutschenhass hegen diese wackeren 
Vettern dort drüben, weise genährt von ihrem edlen Könige, 
dem „ersten Gentleman“ in Bezug auf Hosen- und Westen¬ 
schnitt, dass es trotz der traurigen Verblendung, die sich darin 
zeigt, lächerlich wirkt! 

Die starrende Südküste dieses wunderbar von der Natur 
geschützten Landes weist mit ihren iahen Kalkschroffen jeden 
Landungsversuch zurück, und die Reihe der, zum Teil vor¬ 
trefflichen, Häfen ist in gleichen Abständen durch Riesenkriegs¬ 
hafen unterbrochen, von denen Plymouth, Dover nach seiner Fer¬ 
tigstellung und Portsmouth die West-Ostecke und Mitte markieren. 

In Dover ragt hoch auf dem steil abfallenden Schlossberge 
ein noch prächtig erhaltenes altes Normannenschloss mit seinen 
himmelanragenden Steilmauern — unwillkürlich sieht man in 
der Architektur der New Yorker „Wolkenkratzer“ die Motive 
aus jenen Bauten längst verschollener Zeiten wieder aufleben 


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190*7.; 


MEDICINISCHE WOCHE. 


3 


rung oder -Schwächung des Infektionserregers erklären wollen. 
— Die Erfahrungen aller Kliniker berechtigen uns, diese Furcht 
vollständig fallen zu lassen. Der Genius loci et temporis ver¬ 
schwindet aus den Anstalten. Wir sahen zuweilen unsere An¬ 
stalten von zahlreichen fiebernd von Aussen eingelieferten Fällen 
in Anspruch genommen, — an jeder geburtshilflichen Klinik wird 
eine solche Infektionsabteilung für Puerperalfieberfälle offen 
sein, —aber nie kommt eine Uebertragung des Puerperalfiebers 
von solchen eingeschleppten Fällen auf die Wochenstation zu¬ 
stande. • Die Isolierung der Puerperalfieberfälle und die gute 
aseptisclmSchulung des Personals in dem Prinzip der Noninfektion 
ermöglicht es uns, jeden Krankheitsherd lokal zu beschränken 
und die Haus-Endemieen zu vermeiden. 

Betrachten wir die Summe aller J^ieberstörungen im Wochen¬ 
bett, in welcher ja die letzten, schweren Erkrankungen auch 
eingeschlossen sind, von der Seite der klinischen Verantwort¬ 
lichkeit, so stehen wir sofort vor der Frage: Ist es genug, 
zur Zeit der Geburt oder im Wochenbett den ganzen Apparat 
subjektivster Asepsis in Szene zu setzen, oder können wir auch 
das Objekt prophylaktisch unter günstigere Bedingungen setzen? 
Praktisch wird ja an allen Kliniken allgemeine Prophylaxe ge¬ 
übt. Das Prinzip der Noninfektion wird ganz besonders auf 
Hochschwangere ausgedehnt, welch letztere nicht mit septischen 
Stoffen in Berührung kommen, nicht mehr touchiert werden 
und Belehrung über die Gefahr der Selbst-Touchierung erfahren 
etc. Die allgemein gültige Regel: ein zum Kaiserschnitt be¬ 
stimmter Fall darf in den letzten Wochen nicht mehr inner¬ 
lich untersucht werden, ist auch heute noch zu Recht bestehend. 
Auch die Gummihandschuhe haben darin nichts geändert Die 
allgemei ne Morbidität, vor allem die Extragenitalfieber, werden 
bekämpft durch Verbesserung der hygienischen Bedingungen 
und durch Zwangserziehung zur Körperpflege (Prophylaxe der 
Mastitis!), endlich durch Beachtung der Eklampsie-Prodromal- 
erscheinungen. Leider herrscht nicht dieselbe schöne Einigkeit 
in der FYage der zulässigen oder zu verwerfenden prophylak¬ 
tischen Scheiden-Desinfektion. Auf der einen Seite stehen 
nach wie vor die Vertreter der lokalen Desinfektion (Ahlfeld, 
Hofmeier), auf der anderen die Vertreter der Anschauung 
von den physiologischen Schutzkräften des Genitalschlauches 
(KrÖnig, Menge, Doederlein), welche jeden Desinfektions¬ 
versuch als grobe Störung der natürlichen Schutzvorrichtungen 
verwerfen. Das Studium der einschlägigen Arbeiten (vergl. 
Baisch, Archiv f. Gyn. 79, 21) lässt einen praktischen Schluss 
nicht zu. Auf der einen Seite steigert sich bei prophylaktischer 
Desinfektion die Morbidität um das doppelte, während die Geg¬ 
ner durch die prophylaktische Scheidendesinfektion ihre Wochen¬ 
bettsmorbidität herabdrücken und beim Unterlassen der Scbeiden- 


— und daneben steht ein halbverfallener Turm aus noch weit 
älteren Zeiten, er weist auf die Befestigung der britischen 
Küste durch die gewaltigen Welteroberer, die Römer, zurück. 
Oede genug liegt im Sonnenglast der von kurzem dürrem 
Gras bestandene baumlose Hang da, an dessen Fuss sich die 
Badestadt mit ihrem Strande schmiegt. In mächtigen Bogen 
ziehen sich von Ost und West her die gewaltigen Seemauern, 
welche den Hafen bilden und an deren östlicher noch eifrig ge¬ 
arbeitet wird. 

Der Unerfahrene sieht wenig Kriegerisches an den An¬ 
lagen: Ein paar veraltete Kasematten und steinerne Festungsan¬ 
lagen sehen wenig furchterweckend aus; doch darin liegt gerade 
das Furchtbare dieses hochmodernen Kriegshafens: Vollkommen 
harmlos erscheinende Terrassierungen der Hänge, fast wie Wein¬ 
bergsanlagen sich dem Auge darbietend, bergen die maskierten 
Festungsanlagen, welche eine feindliche Flotte, die kühn und 

— dumm genug wäre, ihnen zu nahen, den Untergang bereiten 
müssten. Und dennoch hat das grosse Flottenmanöver der 
englischen Flotte, das ich auf der', Rückreise mitzumachen das 
Glück hatte, zur Landung der Angriffsflotte geführt! 

Wenig Schiffe lagen , in Dover und wir lichteten nach Auf¬ 
nahme der englischen Passagiere, welche wir gegen eine be¬ 
trächtliche Zahl von Hamburg nach England reisender ein¬ 
tauschten, die Anker, um an der Nordspitze Frankreichs den 
Kriegshafen Cherbourg anzulaufen, wo die Elite der Passagiere, 


Spülungen ihre Morbidität etwa auf das doppelte anschwellen 
sehen. Die Verhältnisse jeder Anstalt sind eben etwas so spe¬ 
zifisches, dass die Erfahrungen eines Jeden zunächst nur für 
ihn selbst Gültigkeit haben, bezw. immer in Rücksicht auf sein 
eigenes Material und die sonstigen Umstände zu werten sind. 
Immerhin möchte ich nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, dass 
die Morbidität nach praecipitierten Geburten bei Frauen, welche 
nicht mehr unserer gemäßigten Geburts-Prophylaxe (Clysma, 
Bad, Sublimatdesinfektion der äusseren Genitalien) unterzogen 
werden konnten, an unserer Anstalt erheblich höher liegt, als 
die der prophylaktisch Behandelten (34,5% gegenüber 15,6%). 
Dieses Resultat scheint mir besonders wertvoll, weil es in einem 
wie im anderen Falle ohne Behandlung der Scheide unter der 
Geburt gewonnen wurde. Es demonstriert gewissermaßen ad 
oculos die Harmlosigkeit des Bades und die Wichtigkeit der 
Damm-, bezw. der Vulvakeime. Die Vertreter der physio¬ 
logischen Selbstreinigung der Vagina machen mit Recht darauf 
aufmerksam, dass eine Sublimatausreibung der Vagina, welche 
ja überhaupt nicht keimfrei gemacht werden kann, mehr schadet 
(wenigstens intra partum und in puerperio) als nutzt. In dieser 
Zeit würden wir Sublimatspülungen schon wegen der Gefahr 
der Sublimat-Resorption vermieden wissen wollen. Aber darum 
bleibt doch zweifellos die individuelle Verschiedenheit der lo¬ 
kalen Scheiden-Verhältnisse bestehen. 

Von einem sichern Selbstschutz und einer Selbstreinigung 
der Scheide kann man heute wohl nicht mehr mit absoluter 
Ueberzeugung reden, nachdem der nahezu regelmäßige Befund 
von Vaginal-Streptococcen bei schwangeren und nicht schwan¬ 
geren Frauen von den verschiedensten Seiten berichtet wird. 
Die Streptococcen, welche von der Aussenwelt in die Vagina 
eingeschleppt worden sind, verschwinden nicht, wie man früher 
wohl anzunehmen geneigt war, sondern sie passen sich als 
fakultative Anaerobier dem veränderten Medium an. Die Be¬ 
obachtungen mehren sich, welche der Ahlfeldschen Behaup¬ 
tung einer möglichen Virulenzänderung derCoccen, also einer 
endogenen Infektion in puerperio das Wort reden. Die Schutz¬ 
kräfte der Scheide sind eben individuell verschieden, sie sind 
vor allem dann mangelhaft, wenn vorhergehende Erkrankungen 
die Vagina verändert haben. Die krankhaft veränderte Scheide 
reagiert durch veränderte Sekretion, durch pathologischen 
Scheidenfluor. Man hat viel über die Berechtigung gestritten, 
ob man bei der groben Einteilung: normales und pathologi¬ 
sches Scheidensekret bleiben solle. Nach meiner Ansicht ist 
nichts Einfacheres und Verständlicheres darüber geschrieben 
worden als Doederleins erste Veröffentlichungen über das 
Scheidensekret. (Fortsetzung folgt.) 


die reichen von Paris kommenden Amerikaner, und vor allem 
die des Kanals kurze rollende Wellen fürchtenden alten Praktiker, 
an Bord kamen.-— 

Nebel! Dies furchtbare Ungetüm, welches in der engen, 
von tausend Schiffsrouten durchkreuzten Fahrstrasse des 
Kanals so viele Opfer fordert, machte diese Kanalfahrt zu 
einer wenig erquicklichen. Auch auf dem Ocean hatten wir 
viel damit zu kämpfen und das von der Kommandobrücke 
aus minütlich in Tätigkeit gesetzte Nebelhorn, die Dampf¬ 
sirene, brüllte uns ein übles Keiselied. Und doch wieder, ein 
fesselndes Bild, solch eine Nebelbank: Bei hellem, klarem Wetter 
fährt das Schiff seine Strasse in der endlosen Wasserwüste 
dahin, in mächtiger Ferne sind die Mastspitzen und Schornsteine 
anderer Ozeanschwimmer zu sehen, nur vor uns, da liegt es dick 
und gelb, wie der Rahm auf der Vollmilch, über den Wassern; 
näher und näher kommen wir dem gelben Streifen, da plötzlich 
wirds unsichtig um uns, und wir sehen nicht mehr auf Schiffs¬ 
länge voraus! Dumpf dröhnt der Mahnruf der Sirene, ihm 
antwortet dort und da ein gleicher aus dem Nebel; der Marconi- 
draht fängt anderer Atlanticfahrer Nachrichten von da und dort 
her auf; mit langsamer Fahrt gehts weiter, die wasserdicht 
schliessenden Schottentüren in allen Decks schlussfertig bereit 
gemacht, was auf ängstliche Gemüter sehr beunruhigend wirkt, 
nach Schiffbruch schmeckt. Der diensthabende Offizier wird 
alsbald zur „Nebelkrähe“ ernannt und der Navigationsoffizier 


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4 


MeuICINISCHE WOCHE. 


Nr. 1. 


Sitzungsberichte. 

Deutschland 

Gesellschaft für Geburtshülfe und Gynaekologie 
%u Berlin, 

Sitzung am 9. November 1906. 

Vorsitzender: Herr Keller. 

Vortrag des Herrn Gerstenberg: Meine ersten Er¬ 
fahrungen mit Bier’scher Rückenm arksanaesthesie. 

Nach Demonstration des Instrumentariums, Beschreibung der 
einschlägigen Präparate und einem kurzen historischen Ueberblick 
berichtet G. über sieben eigene Fälle. 

1. 60 jährige Frau mit cystischem Tumor. Im Sitzen zwischen 
dritten und vierten Lendenwirbel punktiert. 10 ccm Cerebro¬ 
spinalflüssigkeit abgelassen, 2 ccm = 0,08 Stovain -f- 0,25 mg 
Adrenalin injiciert. Zehn Minuten später 8 U Stunden lang an¬ 
haltende Anaesthesie. Zum Schluss noch eine Stunde lang Nar¬ 
kose mit 25 g Choroform. Später Wohlbefinden. 

2. 38 jährige Frau mit Myom. 6 cg injiciert. Vaginale Total¬ 
exstirpation. Anaesthesie nicht vollständig. Chloroform. Später 
Sch merzen im Rücken. 

3. 24 jähriges Mädchen mit spitzen Condylomen. Im 2. Inter- 
arcualraum 15 ccm. Flüssigkeit abgelassen, 7 cg. Stovain und 
Epirenan injiciert. Anaesthesie vollständig bis zum Pectoralis major. 

4. 24 jährige Multipara mit Abort Zwischen 3. und 4. Inter- 
arcualraum 6 cg injiciert. Hegardilatation und manuelle Aus¬ 
räumung. Dysurie. 

5. 45jährige Frau mit Dermoid. 7 cg injiciert. Anaest¬ 
hesie reicht bis zur Absetzung des Tumors, dann 1 Stunde lang 
Chloroform. 

6. Im 2. Interarcualraum 0,04 injiciert. Zunächst Anaes¬ 
thesie, dann 20 g Aether und 25 g Chloroform. Pulsverlangsamung. 

7. Skoliose. Punktion gelang nicht 

Mithin nur in zwei Fällen voller Erfolg, viermal Narkose not¬ 
wendig, 1 Misserfolg. 

G. empfiehlt das Verfahren für Carcinom- und Myomoperati¬ 
onen, besonders bei Komplikation mit Herzerkrankungen als Chloro- 
form-sparend. Kontraindiciert bei Fieber aus unbekannter Ur¬ 
sache, bei Bestehen eitriger Erkrankungen und bei übergiosser 
Aengstlichkeit. 

Wichtig ist sorgfältige Technik, genaue Dosierung, Vermeid¬ 
ung extremer Beckenhochlagerung. 

Ueble Ansgänge sind: Dauernde Beinlähmung, Cystitis und 
Pyelitis. 


stöhnt und seufzt nach einem Sonnenblick, um seine Sextanten¬ 
messungen vornehmen zu können, um seine Längen- und Breiten¬ 
bestimmungen zu machen; des Kapitäns behagliches, bei schönem 
Wetter so überaus bequemes Leben zeigt sich dabei stark von 
der Schattenseite, denn im Nebel muss er auf die Brücke, und 
in Nordsee oder Kanal gar, auf der Bank von Newfoundland 
oder im Fahrwasser vom New Yorker Hafen, nachdem er um 
den „Sandhaken“, Sandy Hook, herumgelenkt hat, muss er 
eben dort ausdauem, wenn sein bequemes Bett und sein hoch¬ 
eleganter Salon auch noch so sehr locken! An einem Tage 
war die See dermaßen rauh, dass mir auf Deck im Vorderschiff, 
„auf der Back“, mehrere Stockwerke hoch über Wasser stehend, 
zwei Sturzseen rasch nach einander die Wiedertaufe gaben und 
ich nass bis auf die Knochen abzog. Eine Unterbrechung des 
alltäglichen Lebensganges an Bord brachte die Impfung der 
ca. 3000 Zwischendecker, welche an einem Vormittag von uns 
drei Aerzten vorgenommen ward. Einem Schiffsarzt wird „in 
die Fixigkeit“ wohl kein anderer Impfer „über“ sein, so etwas 
lässt man sich an Land nicht träumen. Und wie die Burschen 
sich zu drücken suchen, wie kleine Kinder lieblich dabei 
lächeln und stämmige Weiber oder Kerle heulend quietschen 
— ein Schauspiel, das mitgemacht zu haben, ein lebendiger 
Quell komischer Erinnerungen bleibt! 

Im Nebel, von Eismassen umgeben, welche durch den 
Temperatursturz des Wassers von 21° auf 9° und durch 


Zum Schluss Demonstration der einschlägigen anatomischen 
Verhältnisse. 

Diskussion: Herr Moraller macht noch darauf aufmerk¬ 
sam, dass bei der Sterilisation der Instrumente Soda sorgfältig zu 
vermeiden ist, da die Präparate sonst völlig unwirksam werden. 
Er hat oft lang anhaltende heftige Kopfschmerzen und Blasen¬ 
störungen im Gefolge der Rüokenmarksanaesthesie beobachtet. 

Herr Strassmann erwähnt, dass von Komplikationen auch 
einmal eitrige Meningitis beobachtet worden ist. Auf Grund seiner 
eigenen Erfahrungen, die auf 15 Fällen basieren, rät er, nicht 
im Sitzen zu injicieren und die Verwendung von Chloraethyl zu 
vermeiden. In drei Fällen erwies sich nachträgliche Inhalations¬ 
narkose als notwendig, viermal hat er die Anwendung von Mor¬ 
phium und Scopolamin mit der Stovaininjection kombiniert. 

Herr Bröse hat nach der Anwendung von Scopol&min-Mor- 
phium zwei Todesfälle ohne nachweisbare Ursache (bei der Sektion) 
gesehen. 

Herr Keller glaubt, dass die Rüokenmarksanaesthesie für 
die Geburtshilfe wegen der Ausschaltung der Bauchpresse wenig 
geeignet sein wird; er hält sie auch bei geburtshilflichen Fällen 
für völlig entbehrlich, weil ja Schwangere nur sehr wenig Chloro¬ 
form brauchen und dasselbe gut zu vertragen pflegen. 

Herr Gerstenberg: Schlusswort. 

Sitzung am 23. November 1906. 

Vorsitzender: Herr Keller. 

I. Demonstrationen. 

1. Herr Strassmann: Versteinerter Ovarialtumor. 

III. Para, in der letzten Gravidität mehrfach untersucht, 
ohne dass Besonderheiten gefunden wurden. Während der Geburt 
auffallend stürmische Wehen, Symptome drohender Uterusruptur. 
Die Untersuchung ergab einen fest an der Beckenwand liegenden 
knochenharten Tumor, der für eine Beckenexostose gehalten wurde. 
Zangen versuch gelang nicht. Bei nochmaliger Untersuchung von 
Vagina und Rectum aus liess sich dann der Tumor hochschieben. 
Forceps-Entwickelung eines lebenden Kindes mit tiefer Impression 
am Schädel. 11 Monate post partum Exstirpation des Tumors, 
der sich als ein reichlich hühnereigrosses, vollständig verkalktes 
Ovarium erwies. Nur noch wenig Ovarialparenchym vorhanden. 
Seltener Fall, nur ein ähnlicher von Kleinwächter beschrieben. 

Diskussion: Herr R. Meyer. Derartig starke Verkalk¬ 
ungen kommen nur bei Tuberkulose und bei Cystadenom vor. 
Hier handelt es sich jedenfalls um ein Cystadenom, dessen Struktur 
man nach der Entkalkung deutlich sehen dürfte. 


schwimmende Nebelballen sich kenntlich machten, von denen 
ein gewaltiger Eisberg laut von der „Kaiserin Augusta Victoria“ 
erhaltenem Marconitelegramm — denn Marconis Geschäftsinn 
hat sich so viele Dampferlinien und Küstenstationen gesichert, 
dass selbst deutsche Schiffe nur mit „Maccaroni“ arbeiten 
können — von dieser gesichtet ward, schwammen wir in der 
Nacht über die Bank von Newfoundland und fuhren dann im 
dicksten Nebel um Sandy Hook herum, zwischen den vorgelager¬ 
ten Inseln Long-Island und Staten Island dem herrlichen Hafen 
von New York zu, auf verhältnismäßig gar engem Fahrwasser, 
von Heul-, Glocken- und Lichtbojen dicht umsäumt, mit Leucht¬ 
feuern aller Art gekennzeichnet. Für solch trübes Wetter 
geben die draussen verankerten Leuchtschiffe ihre Untersee¬ 
glockensignale ab, welche die mit Empfängern versehenengrossen 
Ozeaner, wenn ihnen das Licht nicht durch die Nebelwand 
bricht, aufnehmen, um ihre Fahrtrichtung zu behalten. 

Es ist heute so wunderbar vielfältig gesorgt für die Sicher¬ 
heit der Seefahrt und solche Riesen von ungeahnter Grösse 
bieten derartigen Schutz gegen ein dennoch eintretendes Unglück, 
dass sicherlich die Reise auf einem solchen weniger Gefahren 
in sich birgt, als eine Fahrt auf der Eisenbahn sie mit sich 
bringt. (Fortsetzung folgt.) 


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1007. 


MBDI01NISCHB WOOHE. 


5 


2. Herr Stöokel: In die Blase eingewanderter 
Tupfer: 

Patientin hat im Mai d. J. anderwärts eine Perityphlitisope¬ 
ration mit gleichzeitiger Exstirpation beider Ovarien durohgemacht. 
Die Bauchwnnde heilte damals nicht primär, sondern soll 
immer wieder gefbtelt haben. Später wurde eine Blasensoheiden- 
fistel konstatiert, die sich angebych spontan geschlossen hat. Jetzt 
bestand eine Fistel der Baachnarbe, bei deren Aetzung mit Argen¬ 
tum der Urin milchig-weiss getrübt wurde. Da demnach eine 
Kommunikation mit der Blase angenommen werden musste, wurde 
die Pat. cystoskopiert Dabei fand sich ein polypöses, inkrustiertes 
Gebilde an der Seitenwand der völlig reizlosen Blase. Nach mehr¬ 
fachen Versuchen gelang es, dasselbe mit einer gebogenen Zange 
zu fassen und in Gestalt eines Tupfers in die Blase hinein zu 
ziehen und von da per urethram nach aussen zu entfernen. Die 
zunächst ziemlich starke Blutung stand nach einer kalten Spülung. 
Eine nach drei Tagen vorgenommene cystoskopische Untersuchung 
der Blase ergab nur noch einen feinen, schmalen Spalt. Patientin 
ist jetzt beschwerdefrei. Merkwürdig an dem Fall ist, dass der 
Tupfer nicht den durch die Fistel präformierten Weg durch die 
Bauchwunde, sondern den durch die Blase gewählt hat, ferner, 
dass die Patientin keine Cystitis hatte und endlich, dass es der 
erste Fall ist, in dem die Tupfereinwanderung im Beginn beob¬ 
achtet werden konnte. 

3. Hr. Blumreich: Fieberkurven einer Schwangeren. 

Patientin, eine 23 jährige IL gravida, erkrankte fünf Wochen 

ante partum mit Fieber und Schüttelfrösten, für die die behan¬ 
delnden Internisten absolut keine Ursache feststellen konnten. 
Behandlung mit Chinin, Collargol etc. war ohne Erfolg. Auch 
die gynaekologische Exploration verlief völlig resultatlos. Da das 
Fieber anhielt, entschloss sich B. zur Einleitung der künstlichen 
Frühgeburt, die auch ein lebendes Kind lieferte. Während der 
Hystereurynther lag, erreichte die Temperatur ihren höchsten Grad 
(41,5), um dann plötzlich und dauernd abzufallen. Patientin ist 
seitdem — seit zehn Monaten — völlig gesund. Die bakterio¬ 
logische Untersuchung der Placenta ergab ein negatives Resultat, 
das Fruchtwasser war nicht übelriechend. Während der Geburt 
wurde durch Venenpunktion Blut entnommen, dessen bakterio¬ 
logische Untersuchung ausser Staphylococcen auch spät wachsende 
Streptococcen ergab. Dies war der einzige positive Befund, für 
den man ev. einen Zusammenhang mit einer im Beginn der Er¬ 
krankung bestehenden leichten Angina annehmen kann. Wie ist 
aber die Heilung durch die Geburt zu erklären? Am plausibel¬ 
sten erscheint B. die Annahme, dass die baktericide Wirkung des 
mit der Geburt verbundenen Blutverlustes — Leukocythose, An¬ 
regung der Antitoxinbildung und der Haemolyse — hierfür ver¬ 
antwortlich zu machen ist. Erkennt man die Streptococcen als 
Ursache des Fiebers nicht an, so bliebe noch zur Erklärung der¬ 
selben die Annahme einer Intoxikation mit Schwangerschaftspro¬ 
dukten übrig. 

Diskussion: Herr Hense hat einen ganz ähnlichen Fall 
beobachtet 

Herr Liepmann bedauert, dass die Placenta nicht biolo¬ 
gisch untersucht worden ist. Bei seinen Versuchen hat er durch 
Injektion von Placentaraufschwemmungen sehr hohe Temperatur¬ 
steigerungen hervorrufen können. Er nimmt an, dass die Schwanger¬ 
schaftsprodukte einen erregenden Einfluss auf die Temperaturzen¬ 
tren des Grosshims ausüben. 

Herr Asch heim berichtet über einen ähnlichen Fall, in dem 
die bakteriologische Untersuchung des Fruchtwassers Diplococcen 
— wahrscheinlich Gonococcen — ergab. 

Herr Keller fragt an, ob der Urin nur einmal oder des 
öfteren auf Pyelonephritis untersucht worden ist. Man findet 
häufig trotz des Bestehens einer solchen tagelang normalen Urin. 

Herr Blumreich: Pyelonephritis kommt in seinem Fall 
sicher nicht in Betracht, da der Urin 11 —12 mal untersucht 
worden ist. Auch Fruchtwasserinfektion glaubt er mit Sicherheit 
ausschliessen zu können. Die Entstehung durch Infektion hält er 
für wahrscheinlicher ab die durch Intoxikation. 

II. Vortrag des Herrn Liepmann: Zur Aetiologie der 


Placenta ciroumvallata und marginata. (Mit Demon¬ 
strationen am Epidiaskop.) 

In einem historischen Ueberblick bespricht L. zunächst die 
über das vorliegende Thema bisher erschienenen Arbeiten, von 
denen die einen entzündliche, die anderen mechanisch-physiologische 
Vorgänge für das Entstehen der Placenta circumvallata und mar¬ 
ginata verantwortlich machen. Auf Grund seiner Untersuchungen 
von vier charakteristischen Fällen, deren makroskopische und mi¬ 
kroskopische Präparate er demonstriert, bekennt sich L. ab unbe¬ 
dingten Anhänger der mechanbch-physiologischen Theorie. Ebenso 
wie Hitschmann hat er in keinem Falle Entzündungserschein¬ 
ungen feststellen können. Die mechanische Ursache liegt mebtens, 
so auch in 75% seiner Fälle, in der Implantation der Placentp in 
der Tubenecke, die infolge der Raumbeschränkung ein Zusammen¬ 
pressen, und als Folge davon eine Falter.bildung der Eihäute am 
Anbeftungsrande zur Folge hat. Die Marginata entsteht aus einer 
stark placentarwärts gepressten circumvallata-Falte. Für die Er¬ 
klärung der circumvallata bei Placenten, die nicht in der Tuben¬ 
ecke sitzen, nimmt L. mit Hitschmann ab Ursache Fruchtwasser- 
schwankungen an, die ein Nachlassen des Innendruokes und ab 
Folge davon eine Faltenbildung der Eihäute — natürlich wieder 
am festen Rande — bedingen. Fast beweisend für die Richtig¬ 
keit dieser Annahme bt die Tatsaohe, dass in den von Stöckel 
beschriebenen Fällen von Hydrorrhoea uteri gravidi durchgehende 
circumvallatae gefunden wurden. In ähnlichem Sinne können auch 
Schwangerschaftswehen bei schlaffem Eisack ein ursächliches 
Moment abgeben. 

Die klinische Bedeutung ist im Gegensatz zu der Ansicht 
von v. Her ff nach L.s Erfahrungen gleich Null. Unter 320 Fällen 
kamen ausser einigen Placentarretentionen , für die der Sitz in 
der Tubenecke verantwortlich zu machen war, keinerlei Anomalien 
zur Beobachtung. G. Z. 

Berliner medioinische Gesellschaft. 

Sitzung vom 12. Dezember 1906. 

Tagesordnung: 

1. Herr Goldscheider: Ueber die physiologischen 
Grundlagen der physikalischen Therapie. 

Bbher ist es nicht möglich gewesen, durch Experiment 
oder exakte Untersuchung die physikalische Therapie auf ihre 
Wirkung hin streng wissenschaftlich sicher zu stellen. Eine 
lange Erfahrung, die aufmerksamste Beobachtung des Patienten, 
die dauernde Rcgbtrierung sämtlicher Veränderungen des Zu¬ 
stands sind erforderlich, um die Therapie nutzbringend zu ver¬ 
werten. Zwischen Physiologie und Heilwirkung besteht immer 
noch ein Etwas, das wir nicht kennen; wir gewinnen daraus kein 
Verständnb für die Heilung. So kommt es, dass gleiche Mass¬ 
nahmen die verschiedensten Wirkungen her Vorbringen. Alter, 
Zustand, Konstitution u. a. spielen dabei eine Rolle. Aus der 
physiologischen Wirkung der physikalbchen Heilmittel sind keine 
sicheren Schlüsse bezüglich der Therapie zu ziehen. Die Wirkung 
erfolgt durch Rebe; der Erfolg aber ist abhängig von den Maschinen, 
auf die der Reb wirkt. Der Reiz wird in Arbeit umgesetzt und 
kann lange fortdauern. Der Erfolg indessen ist nicht annähernd 
proportional dem Reiz. Im Organbmus besteht das Bestreben, das 
Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Der Reiz aber ruft Störungen 
mit Regulierungstendenz hervor. Daher haben viele Rebe die 
gleiche Wirkung und dasselbe Mittel wirkt gegen verschiedene 
Krankheiten, wie z. B. die Hydrotherapie gegen Anaemie, Neuras¬ 
thenie, Gicht etc. Durch die physikalische Therapie wird eine 
Reaktion hervorgerufen, d. h. ein Ausgleich der primären Ver¬ 
änderungen im Organismus; Assimilation nach Dissimilation tritt 
ein analog dem natürlichen Heilprozess. Die regulierende Wirkung 
dabei bt sehr komplbiert und von verschiedenen Faktoren, wie 
Konstitution, Zustand u. a. abhängig. Nur die Massage und die 
Bier’sche Stauung scheinen direkt zu wirken und die krankhaften 
Störungen auszugleichen. Durch die physikalische Therapie werden 
Störungen hinzugefügt, um die Organe in ihrer vegetativen Funktion 
anzuregen, zu üben, zu stärken. Eine lange Nachwirkung der 
Prozeduren bt dabei zu beobachten, daher Zeit lassen und alle 
Eingriffe dem Sinne der Heilwirkung anpassen. Ein Schaden tritt 


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0 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr 1. 


ein, wenn die Reguliervorrichtung versagt, so sind Ischias, Erkäl¬ 
tungen bei Anwendung der Hydrotherapie nicht selten. Die Ent¬ 
scheidung ist oft recht sohwer, ob durch die physikalische Therapie 
eine Schädigung mit folgender Anpassung, Regulierung und Heilung, 
oder nur eine dauernde Schädigung zugefUgt wird. Die physikalische 
Therapie wirkt nicht nur auf das erkrankte Organ, sondern auf 
den Gesamtorganismus, indem sie die „allgemeine Mobilisierung der 
Bahnen des Heilprozesses“ verursacht. Schonungsbehandlung, Höhen¬ 
klima gehören in dieses Gebiet. Pathologische Anatomie und 
Symptome zeigen funktionelle oder intensive Störungen an, geben 
aber kein vollständiges Bild der Krankheit. Die physikalische 
Therapie wirkt auf die Lebensvorgänge, reguliert sie und greift 
so die ganze Krankheit an. Von Wichtigkeit ist dabei die Besei¬ 
tigung krankhafter Erscheinungen des Nervensystems, wie schlechte 
Stimmung, Missgefühle und Unlustgefühle der Kranken. Diese 
wirken auf den Affekt selbst; z. B. ein Herzkranker fühlt Stiche 
in der Herzgegend, ist missgestimmt darüber, schläft nicht, isst 
und trinkt in ungenügender Weise, wird schwächer dadurch und 
verschlechtert so seine Herzkrankheit. Dagegen bewährt sich die 
physikalische Therapie mit ihrer anregend bahnenden oder hemmenden 
Elektrotherapie. 

An der Diskussion beteiligen sich die Herren: Kauer, 
Munter, Goldscheider. 

Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenkrank¬ 
heiten in Berlin. 

Sitzung vom 5. November 1906. 

1. Herr Paderstein: Ein Fall von ophthalmople¬ 
gischer Migräne. 

16jährige Patientin. Migräne seit früher Kindheit, im 14. 
Lebensjahr zum ersten Male Ptosis beim Anfall, die verschwand 
und sich mehrmals wiederholte, einmal mit Pupillenerweiterung. 
Beim letzten Anfall Lähmung aller Zweige des linken Okulomo- 
torius, die schnell wieder schwand. Wegen des späten Hinzutretens 
der Parese zu den MigräneanfUUen will Vortragender den Fall 
nicht der Möbiusschen Form zurechnen, sondern der Chanotschen 
Migraine ophthalmoplegique. 

2. Herr Plaut: Ueber das Vorhandensein luetischer 
Antistoffe in der Cerebrospinalflüssigkeit von Para¬ 
lytikern. 

Unter Antigen versteht man Körper, welche im Organismus 
Antikörper erzeugen. Diese bilden sich auch, wenn Zellen einer 
Tierart in den Körper anderer eingeführt werden. Es handelt 
sich dabei um ein chemisches Affinitätsverhältnis. Nach der Ver¬ 
einigung von Antigen und Antikörper erlangen diese die Fähig¬ 
keit, einen dritten Körper an sich zu ketten. Büchner nannte 
diesen Körper Alexin, Ehrlich Komplement. Diesem Körper 
kommen fermentative Eigenschaften zu; er vermag z. B. die zu¬ 
geordneten Zellen aufzulösen. Man kann also im allgemeinen 
sagen: wenn eine Flüssigkeit die Fähigkeit hat, Komplement zu 
bilden, so ist in ihr ein Antigen und der zugeordnete Antikörper 
enthalten. Hat man eine Flüssigkeit, von der man weiss, sie hat 
das bestimmte Antigen, z. B. Lues, -und will man eine Flüssigkeit 
auf Antikörper prüfen, so wird man folgendermaßen schliessen 
müssen: Wird Komplement gebunden, so war in der zu prüfen¬ 
den Flüssigkeit der spezifische Antikörper vorhanden, wird keines 
gebunden, so fehlte der spezifische Antikörper. Technisch stellte 
sich das folgendermaßen dar; Man nimmt ein Reagensgläschen, 
gibt darein Luesantigen. Das letztere gewinnt man aus Organen 
luetischer Herkunft, etwa Organenbrei von luetischen Foeten und 
Kochsalzlösung mit Phenolzusatz; man schüttelt diesen, zentri¬ 
fugiert und benutzt nur die klare Extraktionsflüssigkeit, dann 
gibt man hinzu die zu untersuchende Flüssigkeit, etwa Blutserum 
oder Cerebrospinalflüssigkeit eines Paralytikers. Zu diesen Flüssig¬ 
keiten fügt man dann Komplement hinzu aus frisch entstandenem 
Serum eines normalen Meerschweinchens. Man stellt das Glas bei 
37 Grad in den Thermostat und setzt dann ein sogen, haerao- 
lytisches System hinzu; zur Erläuterung dieses letzten Ausdruckes 
diene folgendes: wenn man einem Kaninchen Typhusbazillen in¬ 
jiziert, so gewinnt das Serum die Fähigkeit, Typhusbazillen auf¬ 
zulösen, nimmt man zur Vorbehandlung nicht Typhusbazillen, 


sondern rote Blutkörperchen eines Hammels, so gewinnt das Blut¬ 
serum die Fähigkeit, die roten Blutkörperchen des Hammelblutes 
aufzulösen; es bilden sich nämlich spezifische Antikörper, gegen¬ 
über den roten Blutkörperchen des Hammels. Lässt man es dann 
eine Zeitlang stehen, so verliert es die Eigenschaft, die roten 
Blutkörperchen des Hammels aufzulösen und das Komplement 
geht zu Grunde. Ein so inaktiviertes Serum gewinnt von neuem 
die Fähigkeit, rote Blutkörperchen aufzulösen, wenn man frische« 
Komplement hinzusetzt. Wir fügen also dem vorbereiteten Glase 
hinzu: Inaktiviertes Kauinchenblutserum und alsdann rote Blut¬ 
körperchen eines Hammels, man lässt das Glas nur zwei Stunden 
im Brutschrank, es können nun: 1. die roten Blutkörperchen ge¬ 
löst werden, wir schliessen daraus, dass das Komplement nicht ge¬ 
bunden wurde, daraus wieder schliessen wir, dass das Komplement 
nicht gebunden werden konnte, weil kein spezifisches Antigen vor¬ 
handen war, der Versuch ist also negativ ausgefallen; 2. die 
Haemolyse tritt ein, so ist der Versuch positiv ausgefallen, das 
Komplement wurde gebunden, es waren spezifische Antikörper in 
der zu untersuchenden Flüssigkeit vorhanden. 

Die technische Ausführung ist recht schwierig, man muss sich 
durch Kontrollversuche vor Trugschlüssen schützen. Untersucht 
wurden 48 Fälle von sicherer Paralyse, es wurde sowohl die 
Cerebrospinalflüssigkeit wie das Blutserum untersucht, in weitaus 
dem grössten Teil der Fälle mit positivem Ausfall. Bei Versuchen 
an drei Fällen von Cerebrospinalmeningitis war der Ausfall nega¬ 
tiv. Unter den Fällen von Paralyse mit positivem Ausfall war 
bei einem grossen Teil Lues in der Anamnese sichergestellt. Bin¬ 
dende Beziehungen zwischen dem klinischen Verhalten und den 
Resultaten der biologischen Untersuchung ergaben sich nicht, bei 
den Fällen mit negativem Ausfall wäre zu beachten, ob nicht der 
Gehalt an Antikörpern Schwankungen unterliegt, in solchen Fällen 
müssen die Versuche von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Alle 
diese Fälle, auch die mit biologisch negativem Ausfall, zeigten in 
Cerebrospinalflüssigkeit cytologisch positiven Befund. Negativ ver¬ 
hielt sich ein alter Luetiker ohne cerebrale Störungen, ein Trau- 
matiker mit starren Pupillen. Bindende Schlüsse sollen zunächst 
nicht gezogen werden, es lässt sich nichts weiter sagen, als dass 
in der Mehrzahl der untersuchten Fälle von Paralyse sich spezi¬ 
fische luetische Stoffe im Serum und Cerebrospinalflüssigkeit finden. 
Ueber den Zusammenhang von Lues und Paralyse soll nichts Ent¬ 
scheidendes ausgesagt werden. G. F. 

Aerztlicher Verein in Hamburg . 

(Biologische Abteilung.) 

Sitzung vom 20. November 1906. 

Vorsitzender Herr Nonne. 

I. Demonstrationen: 

1. Herr Wohlwill spricht über „Tuberkulose im 
Kindesalter“. Die generalisierte Lymphdrüsentuberkulose ent¬ 
steht nach Harbitz auf dreierlei Art: a) die Lymphdrüsen werden 
vom Blute aus infiziert; b) die Lymphdrüsen werden von der 
zugehörigen Schleimhaut aus infiziert; c) ein Lymphgebiet erkrankt 
primär, und von hier aus werden die anderen Lymphdrüsen in¬ 
fiziert. Diese Unterscheidung ist im einzelnen Falle oft sehr 
schwierig. Herr Fraenkel hält die aerogene Infektion trotz 
Behring aufrecht und erinnert an die Flüggeschen Hundeversucbe, 
bei denen man, obwohl sie an und für sich sehr selten an Tuber¬ 
kulose erkranken, nach Inhalation des Virus häufiger eine Infektion 
als nach Fütterung nachweisen konnte. Er erwähnt die jüngsten 
Veröffentlichungen aus dem Reichsgesundheitsamt, nach denen 
Perlsuchtbacillen auf den Menschen übertragbar sind, sodass Vor¬ 
sicht beim Genuss ungekochter Milch geboten erscheint. Herr 
Simmonds sah öfters schon einen primären Tuberkuloseherd, der 
zunächst als Pseudoleukaemie imponiert hatte, und glaubt, dass die 
Infektion häufig vom Intestinaltrakt ausgeht. (Barthels Versuche 
in der Weichselbaumschen Klinik.) Herr Fraenkel bestreitet, 
dass eine Tuberkulose des Intestinaltrakts stets eine Fütterungs¬ 
tuberkulose sei; sie könne auch durch Inhalation und Verschlucken 
der Bacillen entstehen. 2. Herr Fahr legt ein Präparat vor von 
Hernia diaphragmatica congenita spuria bei einem tot¬ 
geborenen Kinde; auch hier liegt der Defekt, wie so häufig, links. 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


7 


Die linke Lunge ist völlig apiastisch, ein Beweis dafür, dass die 
Missbildung schon in früher Foetalzeit entstanden ist; er erörtert 
die Theorie der Entstehung solcher Defekte. 3. Herr Fraenkel 
spricht unter Demonstration von Präparaten über Spontanrup¬ 
turen der Aorta. Meist klafft der Riss weit auseinander, die 
Aorten wand ist terrassenförmig eingerissen. Bei einem Präparat 
handelte es sich um eine bis dahin völlig intakte Aorta bei einem 
Individuum mit echter Schrumpfniere und Hypertrophie des linken 
Ventrikels: infolge der starken Blutdrucksteigerung erfolgte die 
Aortenruptur. 4. Herr Fraenkel zeigt ferner Präparate von 
glatter Atrophie des Zungengrundes, einer bei Lues 
häufigen Erscheinung. 5. Herr Nonne bespricht einen Fall von 
eitriger Meningitis bei einem 40jährigen Gärtner, der vor 
sechs Jahren sich eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt hatte. 
Zwei Jahre später traten zwei schwere epileptische Anfälle auf; 
später .war der Mann stets gesund gewesen. Bei der Sektion 
fand sich eine Eiterung an der Spitze des Nucleus caudatus, dar¬ 
unter sass die Kugel. Nach Bergmanns Beobachtungen treten die 
Eiterungen naoh Schussverletzungen des Gehirns meist nach einigen 
Wochen schon auf, doch ist auch schon ein Zeitraum von dreissig 
Jahren festgestellt worden. 

IL Vortrag des Herrn Nonne: Ueber einen diagnosti¬ 
zierten Fall von Tumor im Kleinhirn-Brücken- 
Winkel. Eine 44jährige Frau, die früher stets gesund gewesen 
war und auch keine Lues gehabt hatte, erkrankte akut mit leichten 
Convulsionen und einer leichten Lähmung des rechten Beines; eine 
eingeleitete Schmierkur hatte guten Erfolg, so dass die Patientin 
wieder zur Arbeit gehen konnte. Aber schon nach drei Tagen 
traten wiederum leichte Konvulsionen auf. Zehn Wochen danach 
wurde sie ins Krankenhaus gebracht, wo die Diagnose zwischen 
incipientem Hirntumor oder Paralyse schwankte; nach vierzehn 
Tagen wurde zuerst ein taumelnder Gang wahrgenommen, und es 
entstand ganz plötzlich auf dem rechten Ohr völlige Taubheit. 
Die weiteren Symptome waren Stauungspapille, rechtsseitige Faci¬ 
alis- und Abducensparese, Reizerscheinungen im linkem Facialis- 
gebiet, die in völlige Contraktur übergingen. Die Section be¬ 
stätigte die Annahme, dass es sich hierbei um einen Tumor im 
Kleinhirnbrückenwinkel handelte, der zum grössten Teile in der 
Pons sass. Die Operation solcher sogen. Acusticusfibrome ist wegen 
der Technik äusserst schwierig, zumal sie häufig multipel auftreten: 
man spricht dann von* centraler Neurofibromatose. 

III. Diskussion: Herr Sa enger fragt, ob eine Blicklähmung 
vorhanden war; er selbst hat bisher fünf solche Tumoren gesehen. Der 
letzte Fall war von Krause ohne Erfolg operiert worden und wurde 
aut der letzten Naturforscherversammlung als Präparat gezeigt. 
Eigentümlich ist die Herabsetzung des Cornealreflexes auf der einen 
Seite. Herr Umber (Altona) hat ebenfalls einen derartigen Tumor 
bei einem 17jährigen Mädchen gesehen, der mit multiplen Haut¬ 
fibromen kombiniert war; bei der Sektion fanden sich ebenfalls 
Neurofibrome fast sämtlicher Hirnnerven. Herr Hess erwähnt 
einen Fall von Cholesteatom, während Herr Engelmann sich 
nach ganz genauen Details der Gehörstörung erkundigt; auch Herr 
Saenger hat in seinen Fällen keine ganz genauen Hörprüfungen 
anstellen lassen. Herr Nonne: Blicklähmung war nicht vorhan¬ 
den, dahingegen eine Reflexherabsetzung der Cornea. Periphere 
Fibrome fanden sich in seinem Falle nicht. Mikroskopisch han¬ 
delte es sich um ein sehr zellarmes Fibrosarcom. Schönewald. 

Aerztliclier Verein München. 

Sitzung vom Mittwoch, den 14. November 1906. 

1. Herr Theilhaber: Der Alkohol in der Gynaeko- 
logie. 

Theilhaber gibt eine historische Uebersicht über den Miss¬ 
brauch des Alkohols in der Therapie der Frauenärzte, konstatiert, 
dass man seither sehr mit der Verwendung des Alkohols als 
Medikament aufgeräumt hat und verwirft ihn vollständig bei den 
gynaekologischen Erkrankungen. 

Diskussion: Herr Trumpp. 

2. Herr Pfaundler: Ueber Wesen und Behandlung der 
Ernährungsstörungen im Säuglingsalter. 

Nach verschiedenen Einteilungsversuchen der Ernährungsstö¬ 
rungen des Säuglingsalters (nach anatomischen, aetiologischen Ge¬ 


sichtspunkten eto.) scheint die folgende Klassifikation die beste zu 
sein: 

1. Verdauungsstörungen durch qualitativ und quantitativ falsche 
Nahrung: Nährsohäden (Czerny und Keller), 

2. Erkrankung ex infectione und intoxicatione, 

3. Verdauungsstörungen infolge einer krankhaften Anlage des 
Organismus (kommt selten in Betracht). 

Ex alimentatione erkranken die Säuglinge, ex infectione 
oder intoxicatione sterben sie, kann man schematisch sagen. Im 
Folgenden sind die Ernährungsstörungen der künstlich genährten 
Säuglinge berücksichtigt. Das häutigst gesehene Bild bei Kuh¬ 
milch-Ernährung (Czerny-Kellers Kuhmilch-Nährschaden) zeigt 
eine Beeinträchtigung des psychischen Verhaltens, Gewichtsabnahme 
oder Schwankungen, Abnahme des Gewebsturgors, trockene zer¬ 
fallene Stühle mit alkalischer Reaktion, verlängerte Magen-Ver- 
dauungsdauer, Indikanurie. Dieses Bild ist nicht auf eine bakte¬ 
rielle Verunreinigung der Milch zurückzuführen. Die erste plau¬ 
sible These über diesen Zustand stammt von Biedert (Unter¬ 
schiede des Frauenmilch- und Kuhmilch-Kaseins, schädlicher Nahr¬ 
ungsrest). Die Biedertsehen Hypothesen konnten einer strengen 
Kritik nicht standhalten. Die neuerdings von Czerny und 
Keller an ihrer Stelle aufgestellte Hypothese ist jener der Bie¬ 
der t sehen verwandt, denn diese Autoren teilen dem Fett dieselbe 
Rolle zu, die bei Biedert das Kasein hat. Der Vortragende 
vermisst vor allem den Nachweis der Breslauer Autoren, dass die 
Stühle dieser Kinder einen erhöhten Kalkseifengehalt haben. Selbst 
nach Beibringung des Beweises, dass der Stuhl in der Tat eine 
Vermehrung der Fettausscheidung zeigt, fehlt noch immer der 
Nachweis, dass dieses Fett aus der Nahrung selbst stammt (Darmfett). 
Die Breslauer haben auch keinen Versuch gemacht, nur das Fett 
aus der Nahrung auszuschalten. Der Vortragende selbst hat in 
Graz solche Versuche mit Magermilch unternommen, musste aber 
sehen, dass letztere kein Heilmittel gegen den Kuhmilchnährschaden 
darstellt. Er hat die Meinung, dass aus der Säure-Theorie der 
Breslauer Schule heraus das Fett als die materia peccans beim 
Kuhmilchnähr schaden angesehen worden sei. Es handelt sich bei 
der erhöhten Ammoniak-Ausscheidung der Säuglinge aber um keine 
Säurevergiftung, sondern um eine Alkaliverarmung, eine alimentäre 
Acidose verhältnismäßig harmloser Art. Auch die Stoff- und Kraft¬ 
wechselversuche gestatten die Hypothese eines schädlichen Nahr¬ 
ungsrestes abzulehnen, denn bei Brust- wie Flaschenkindern können 
91 von 100 eingeführten Kalorien für den Körper nutzbar ge¬ 
macht werden. Einen neuen Fingerzeig gaben Versuche von L. 
F. Meyer, der Kuhmilchmolke mit Frauenmilchkasein und Fett 
verfütterte und damit schlechte Resultate erzielte, gute Resultate 
aber, wenn er zur Frauenmilchmolke Fett und Kasein gab. All 
dies musste zur Meinung führen, dass die Milch als von einer 
anderen Tierart stammend schädliche Wirkung ausübt. (Hierher 
gehören auch Versuche von Moro und Brüning.) Den Zustand, 
der durch die Verfütterung der Milch einer anderen Tierart zu¬ 
stande kommt, nennt Pfaundler Hetero(dys)trophie. 

Nach Hamburger ist die Umprägung des artfremden Ei- 
weisses in arteigenes Eiweiss Zweck der Verdauung. Bei Neuge¬ 
borenen fehlt die Fähigkeit dieses Umprägens. Es ergibt sich 
darnach durch Verfütterung einer fremden Milch ein aphysiologi- 
scher Reiz, ein Schaden. Publikationen von Schlossmann und 
Finkeistein bieten eine gewisse Stütze für diese Meinung. Ein 
Nährschaden durch Eiweiss war aber nur dann möglich, wenn das 
artfremde Eiweiss durch den Darmkanal hindurch ins Blut dringen 
konnte. Während Ganghofner und Langer und auch Moro 
Versuche machten, die diese Möglichkeit scheinbar zeigten, konnte 
Uffenheimer nach weisen, dass ein Uebertritt des Kuhmilch- 
eiweisses unter normalen Bedingungen nicht stattfand. Sind wir so¬ 
mit überhaupt zur Annahme gezwungen, dass die künstliche Nahr¬ 
ung schadet? Es kann sich auch um Fehlen eines Nutzens 
handeln. Die Versuche von Meyer sprechen sehr dafür, dass 
Nutzstoffe in der Milch vorhanden sind und zwar sind dieselben 
wahrscheinlich thermolabiler Natur (Moro, Finkeistein). Die 
Fermente, welche diese Nutzstoffe darstellen, sind wahrscheinlich 
für die Art, der sie zu gute kommen sollen, spezifische. Bei der 
Heterothrophie ist die Frauenmilch ein spezifisches Heilmittel, aber 
nicht für die sekundären Schäden, die bereits entstanden sind 


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8 


MEDICINISCHE W00HE. 


Nr. 1. 


Man erwarte nicht Wirkung in allerkürzester Zeit, speziell nicht 
auf das Gewicht. Wo man nicht Frauenmilch geben k ann (die 
Wehr stoflfe nicht zuführen kann), kann man die Nähr stoffmenge 
einschränken. (Einleitung einer minimalen Nahrung.) Da eine 
Berechnung nioht völlig möglich ist, muss man tastend vorwärts 
gehen (lange Nahrungspausen, Verminderung der Milchkonzentra¬ 
tion). Wo zur Vermehrung der Verbrennungsmenge noch weitere 
Stoffe in Betracht kommen, führe man Fett und Kohlehydrate 
als Verbrennungssubstanzen zu. Hierbei müssen aber die Mehle 
in der natürlichen Form gegeben werden, nicht als Kindermehle, 
da die Verzuckerung des Mehles im Darm vor sich gehen soll. 
Bei der Auswahl und Zubereitung der Mehle leiten uns vorläufig 
noch rein empirische Gesichtspunkte. In einer Anzahl von Fällen 
muss man von zwei Kohlehydraten gleichzeitig Gebrauch machen 
(Liebigsche und Kellersche Suppe, Buttermilch). Natürlich muss 
vor übermäßigen Mehlgaben gewarnt werden, die an der Stelle 
des Kuhmilchnährschadens nur einen Mehlnährschaden setzen würden 
(saure braune Stühle mit nachweisbaren Stärkeresten, Hypertonie 
der Muskulatur etc.). Viel dankbarer als die Therapie ist die 
Prophylaxe: Muttermilch über alles. 

Diskussion: Herr Friedrich Müller, Herr Rommel; Herr 
Pfaundler (Schlusswort). Albert Uffenheimer-München. 


Verein für innere Medicin. 

Sitzung vom 3. Dezember 1906. 

Vor der Tagesordnung: 

Demonstrationen: 

1. Herr H. Hoffmann zeigt mit Syphilis geimpfte Affen 
und Präparate von solchen, in denen sich Spirochaete pallida findet. 

2. Herr A. Fränkel demonstriert Präparate von einem am 
15. Tage der Krankheit verstorbenen Kinde, das an spinaler Kinder¬ 
lähmung litt, ferner Präparate einer transversalen Myelitis, die nach 
einer von Herrn Benda angegebenen Methode gefärbt sind. 

Diskussion: Herr Benda schildert kurz die Vorteile der 
Färbung von Nervenpräparaten mit Scharlach oder Sudan. 

Herr Krauss fragt, ob bei dem Kinde Lumbalpunction 
gemacht werde, im Hinblick auf Arbeiten, welche die infektiöse 
Natur der spinalen Kinderlähmung befürworten. Herr Fränkel 
verneint das zwar, führt aber verschiedene Gründe für die infek¬ 
tiöse Natur der Erkrankung an. 

Herr Heubner: Auch hier wie in zwei von ihm früher beob¬ 
achteten Fällen fällt die Schnelligkeit auf, mit der die Ganglien¬ 
zellen verschwinden. Elin Zusammenhang der Krankheit mit der 
Meningitis ist nicht unwahrscheinlich. 

Herr Davidsohn: In der schwedischen Litteratur wird von 
einem epidemischen Auftreten der Krankheit gesprochen. 

Schlusswort: Herr Fränkel. 


IH. Herr Georg Klemperer: Man hat beobachtet, dass beim 
Aderlass schwerer Diabetiker im Coma das Blut milchig sich trübt, 
also eine Lipaemie vorhanden ist. Es handelt sich nie um 
mangelnde Fettzersetzung im Körper, oderum abnormen Fetttrans- 
port, sondern nach den Untersuchungen des Vortr ist ein grosser Teil 
des Aetherextraktes Cholesterin und Lecithin. Ob es sich um Büdung 
dieser Substanzen aus den Gewebselementen oder .einen <Gehimzerfidl 
als Ursache der Erscheinung handelt, lässt sich noch nicht sagen. 


apparat und die zahlreichen „ kinaesthetischen“ Bahnen (Hinter¬ 
stränge, Kleinhirnseitenstrangbahnen usw.). Schwindel entsteht 
nun zunächst durch Augenmuskellähmungen (Augenschwindel) beim 
Blick nach der Richtung des gelähmten Muskels, dann als galva¬ 
nischer Schwindel bei querer Galvanisation des Kopfes (Demonstra- 
tion), als „Drehschwindel“ bei aktiven und passiven Drehungen 
des Körpers um seine Längsachse und bei verschiedenen Erkrank¬ 
ungen des inneren Obres durch Hyperfunktion, bezw. Reizung des 
Vestibulärapparates. Bei Affektionen der kinaesthetischen Bahnen 
tritt blos Schwindel auf, wenn sie in der Nähe des Deiters sehen 
Kernes lokalisiert sind, also hoch oben, sonst nur Koordinations- 
Störungen. Erkrankungen des Kleinhirns können, namentlich solche 
des Wurms, zu sehr heftigem Drehschwindel führen. Besprechung 
des Schwindels bei organischen Erkrankungen des Gehirns, bei 
Zirkulationsstörungen im Gehirn (Arteriosklerose), bei Vergiftungen 
(Drehschwindel bei Alkohol) und beim Fieber. Der neurasthenische 
Schwindel, von dem der Platzschwindel eine Abart darstellt, 
kommt zustande durch pathologische Apperzeption der vom Klein¬ 
hirn ausgehenden Erregungen in der Grosshirnrinde. Eis ist ein 
Gefühl von Unsicherheit, ohne dass Schwankungen etc. des Körpers 
auftreten. Beim Höhenschwindel kommt in Betracht der Einfluss 
der Erschöpfung und eine Art von Autosuggestion durch die 
Furcht herabzufallen. Das folgt aus der Tatsache, dass man sich 
den Höhenschwindel bis zu einem gewissen Grad abgewöhnen 
kann, ferner, dass Blinde, denen man suggeriert, dass sie am 
Rande eines Abgrundes ständen, schwindlig werden können und 
daraus, dass Kinder viel weniger dem Höhenschwindel unterworfen 
sind als Erwachsene, weil sie eben die Gefahr nicht kennen. 

Als ursächliches Moment der Seekrankheit, die Vortr* 
wegen vorgerückter Zeit nur kurz bespricht, fasst er nicht die 
abnorme Blutverteilung namentlich im Gehirn auf, da man nicht 
aus der Blässe des Gesichts auf Gehirnanaemie schliessen darf, 
und die Erscheinungen einer Gehirnanaemie ganz andere sind als 
man sie bei Seekranken sieht und da u. a. Blutdruckmessungen 
bei Seekranken und Seefesten die nämlichen Schwankungen err 
gaben. Die dem Gesetz der Schwere folgenden Bewegungen der 
Eingeweide sind auch nicht die Ursache; sonst müssten Personen 
mit Enteroptose bei Fahren auf holperigen Wegen der Seekrank¬ 
heit ähnliche Zustände bekommen, was nicht der Fall ist; ebenso¬ 
wenig werden Leute seekrank, die z. B. jeiten lernen, und bei 
denen die Erschütterungen der Baucheingeweide sicher viel inten¬ 
siver sind als bei Seefahrern. Die Seekrankheit ist vielmehr auf¬ 
zufassen als Reaktion des gesamten, der Erhaltung des Gleichge¬ 
wichts dienenden Apparates mit seinen zahlreichen Verbindungen 
mit dem übrigen Gehirn auf die ungewohnten wuchtigen pas¬ 
siven Bewegungen des Körpers. Ein eigentliches Medikament 
kann es deshalb auch nicht geben. Prophylaktisch scheint emp¬ 
fehlenswert eine mehrere Tage vor Beginn der Reise fortgesetzte 
Einnahme von Brom in mittlerer Dosis, auf dem Schiff dann die 
bekannten allgemeinen Verhaltungsmaßregeln. Morphium und Opium 
scheinen zwar momentan ganz gut zu wirken, indessen Ist bei 
ihrem Gebrauch wahrscheinlich die Gewöhnung, die für die Ueber- 
windung der Seekrankheit den Hauptfaktor darstellt, eine weniger 
leichte. R. Li n k. 


Österreich. 

K. K. Gesellschaft der Aerzte in Wien. 


Tagesordnung. 

Herr Kausch berichtet eingehend über sechs Fälle von Bron¬ 
choskopie und vier Fälle von Oesophagoskopie m^der ^^uer 
chirurgischen Klinik. 


JSTaturforschende Gesellschaft zu FreUmrgi.il. 
Allgemeine Sitzung vom 28. November 1906. 
Privatdozent Dr. Link: lieber Schwindel und See 


Nach kurzer Definition des Begriffs „Schwindel bespricht 
Vortrauender zunächst die Physiologie der Gleichgewichtsorgane. 

Kleinhirn dem unter der Schwelle des Bewusstseins arbei- 
P Zentralörgan des „statischen Sinnes“, kommen vornehmlieh 

r/drei Bahnen^Erregungen zu: durch die Augen, den Vestibulär- 


Sitzung vom 26. Oktober 1906. 

(Eigener Bericht.) 

Clairmont demonstrierte einen Fall von exceasiver Hyper- 
algesie und Hyperaesthesie am Halse nach Kopf¬ 
schuss. Das Projektil sitzt in der Gegend der Fissura orbitalis 
super hinter der orbita. CI. erklärt die sensible Störung durch 
Sympathikusreizung. 

Hochenegg sprach im Anschlüsse an die Demonstration 
eines operierten Patienten über die Indikationen und Erfolge der 
Gastroenterostomie wegen Ulcus ventriculi. Auf Grund ex¬ 
perimenteller Untersuchungen und auf klinische Erfahrungen ge¬ 
stützt, gelangt er zu dem Schlüsse, dass die chirurgische Ulcus- 
therapie imstande sei, da erfolgreich einzugreifen, wo die interne 
Therapie versagt. Er stellt sich vor, dass die Entlastung des 


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Gockj e 


1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


9 


Magens durch die Opei-ation einen der wichtigsten Gründe für die 
Stillung einer eventuellen Blutung und eine wesentliche Vorbe¬ 
dingung der Heilung darstelle. Er möchte die Operation mög¬ 
lichst frühzeitig ausgeführt wissen. 

An der Diskussion über dieses Thema beteiligten sich Schnitz¬ 
ler, Exner, Latzko und H. Schlesinger. Der letztere verteidigt 
den konservativen Standpunkt des Internisten. Nur bei Stenose 
und bei Perforation ist er auch für die chirurgische Behandlung. 

Peham stellt zwei Fälle von weit vorgeschrittener 
Extrauteringravidität vor. Im ersten Falle (sekundäre 
Bauchhöhlenschwangerschaft) musste, da Fieber ein trat, der Uterus 
exstirpiert werden; im zweiten Falle wurde der Foetus lebend ge¬ 
boren, ist aber seither zu Grunde gegangen, über den Sitz des 
Fruchtsackes wird erst die mikroskopische Untersuchung ent¬ 
scheiden können. 

Sitzung vom 2. November 1906. 

Ehr mann demonstrierte einen Fall von tertiärer Lues, 
der durch seine besondere Ausbreitung bemerkenswert ist. Der 
grösste Teil der Kopfhaut und ein beträchtlicher Teil der Mam¬ 
mae sind teils mit gummösen Geschwüren, teils mit luetischen 
Narben bedeckt. Derartige Fälle stammen meist aus nur wenig 
kultivierten Ländern. Diese Patientin ist aus Wien aber niemals 
herausgekommen. Ehrmann schliesst an die Betrachtung dieses 
Falles den Wunsch, dass der Prophylaxe der Syphilis in Zukunft 
mehr Aufmerksamkeit zugewendet werde. 

Mracek und Lang pflichten dieser Anschauung bei. 

Fabricius zeigt mehrere Präparate von Tubargravidi- 
tät und Appendicitis. Die Differentialdiagnose dieser Fälle 
ist mitunter sehr leicht, bisweilen aber ein sehr schwieriges 
Problem. 

H. Schur und Zack hielten einen Vortrag über Nieren¬ 
funktion. Sie ziehen zur Erklärung des sekretorischen Vor¬ 
ganges, d er sich in der Niere abspielt, Quellungsvorgänge der den 
Harn ausscheidenden Zellen hervor. Auf solche Weise würde es 
am besten verständlich, dass aus der Blutflüssigkeit von bestimm¬ 
ter Konzentration der unter Umständen viel mehr oder auch 
weniger konzentrierte Harn ausgeschieden wird und dass geringe 
Mengen vcn Diuretiois einen so nachhaltigen Einfluss auf die Diu¬ 
rese auszaüben vermögen. Auch die Wirkung des Diuretins ist 
auf diese Weise zu erklären. Durch Untersuchungen der Diluier- 
fähigkeit der Niere haben die Vortr. gefunden, dass Arterioskle¬ 
rose mit Niereninsufficienz einhergeht; auch bei Arteriosklerose 
wirke das Diuretin bloss als Diureticum. Insufficienzprü fungen 
durch Feststellung der Diluierfähigkeit sind eigentlich nur Prüf¬ 
ungen der Nierensufficienz und lassen keinerlei Schluss auf die 
anatomische Beschaffenheit der Niere zu. 

Sitzung vom 9. November 1906. 

(Eigener Bericht.) 

Lorenz demonstrierte an einem 10jährigen Mädchen den 
kosmetischen Effekt einer plastischen Operation bei höchstgradiger 
doppelter Hasenscharte mit prominierendein Zwischenkiefer. 
Lorenz hat diesen Knochen entfernt und das gespaltene Filtrum 
zur Bildung der Nasenscheidewand verwendet. 

Spiegler zeigte einen Patienten mit Xanthoma tube¬ 
rosum, einer aus multiplen erbsengrossen Einlagerungen von 
lipomatösem Charakter bestehenden Hautaffektion. 

Benedict besprach seine Erfahrungen über die Röntgen¬ 
durchleuchtung des Schädels. Seiner Ansicht nach kann man 
verschiedene endocranielle Affektionen, darunter die frontale Ataxie, 
ferner Tumoren und Exsudate bei Kleinhirnaffektionen sowie auch 
manche Tumoren des Vorderhirns auf radioskopischem Wege 
diagnostizieren oder eine diesbezügliche Diagnose stützen, wofern 
man die dabei in Betracht kommenden technischen Vorteile kennt 
and zu benützen versteht. Der Publikation mancher unter diesen 
Befunden steht ganz besonders die Schwierigkeit des Reproduk¬ 
tionsverfahrens entgegen. 

Schüller besprach im Anschlüsse daran die Grenzen der 
Leistungsfähigkeit der Radiologie des Schädels. W. H. 


Standesfragen. 

Von Dr. M. Cohn (Berlin-Charlottenburg). 

In der vorjährigen Neujahrsnummer dieser Wochenschrift 
schrieben wir über die Honorarv erhältnisse der Aerzte 
das Folgende: „Im Laufe der letzten Jahre ist die ganze Lebens¬ 
haltung bedeutend verteuert worden, alle Berufsstände haben in¬ 
folgedessen ihre Forderungen erhöht, nur das Honorar der Aerzte, 
und speziell das der Privatpraxis, ist nicht im richtigen Verhältnis 
gestiegen. Da erscheint es angezeigt, dass die deutsche Aerzte- 
schaft die Forderung nach höheren Gebühren, besonders-auch in 
der Hausarzttätigkeit erhebt; kein billig Denkender wird den Aerzten 
solch Vorgehen verargen. Die zu geringe Entlohnung in der 
Privatpraxis trägt, was lange nicht gebührend betont wird, ein 
gut Teil der Schuld an der wirtschaftlichen Notlage.“ Was wir im 
Anfang des Jahres gewünscht haben, scheint sich zu Ende des¬ 
selben — schneller, als wir es erhoffen konnten, — erfüllt zu 
haben. Die Aerzteschaft von Gross - Berlin hat in völliger Ein¬ 
mütigkeit beschlossen, vom 1. Januar 1907 ab eine zeitgemäße 
Erhöhung der Honorarsätze für ärztliche Hilfeleistungen, und zwar 
in gleicher Weise für Einzel- wie Pauschalleistungen (Hausarzt¬ 
honorare) eintreten zu lassen. Die Fünfzehnerkommission der 
Gross-Berliner-Aerzteschaft, welche im vorvorigen Jahre mit Erfolg 
den Kampf gegen die Mittelstandskassen geleitet hatte, hat das 
Verdienst, in dieser Angelegenheit die Führung übernommen zu 
haben. Die Kommission ging zwar anfänglich von einer Idee aus, 
welche die Billigung der Vereinsdelegierten nicht fand: sie wollte 
eine Erhöhung der Mindestsätze der Gebührenordnung durchführen 
in der Hoffnung, dadurch dann allmählich eine Steigerung aller 
Gebühren erreichen zu können. Von diesem Plane wurde fast 
allseitig aus den verschiedensten Gründen abgeraten, ebenso über¬ 
einstimmend aber eine Erhöhung der Privathonorare als unbedingt 
erforderlich erklärt. Publikum und Presse werden sicherlich bei 
der Durchführung dieser Forderung den Aerzten keine Schwierig¬ 
keiten machen, weiss doch Jedermann aus den Erfahrungen am 
eigenen Leibe, welche erheblichen Mehrausgaben die allerver¬ 
schiedensten Lebenserfordernisse von ihm verlangen. Und sicherlich 
werden die Kollegen bei dieser Gelegenheit einmütig ihren Ver¬ 
tretern Dank wissen, dass sie ihnen die notwendige Stütze geben, 
um endlich einmal unwürdige Anforderungen mit Erfolg ablehnen 
zu können, endlich einmal da einen höheren Tribut verlangen zu 
können, wo allzulange schon eine unerhörte Ausnutzung der ärzt¬ 
lichen Arbeitskraft stattgehabt hat, wir meinen die Hausarztstellen, 
deren ganzes Wesen einer Reform dringend bedarf. Mögen selbst 
einige „Outsiders“ unter den Kollegen, die es ja stets gibt, den 
Versuch wagen, durch Unterbieten ihr Schäfchen zu scheeren, das 
macht nichts aus; dass der billige Arzt meist nicht gerade der 
beste ist, ist männiglich bekannt. Wir erhoffen zuversichtlich aus 
der Durchführung unseres Planes eine wesentliche finanzielle 
Förderung der Berliner Aerzteschaft und glauben, dass deren 
Vorgehen vorbildlich werden wird für eine entsprechende Be¬ 
wegung in ganz Deutschland. 

Eine andere Angelegenheit, in der ein negativer Ausfall der 
Beratungen uns erfreulich war, beschäftigte in letzter Zeit die 
Berliner Standes vereine. Es betraf dies die Notizen im re¬ 
daktionellen Teile der politischen Tagespresse, welche 
die Wiederaufnahme der ärztlichen Tätigkeit oder die 
Rückkehr von der Reise einzelner Aerzte — meist waren es 
Spezialärzte — ankündigten. Der Gescbäftsausschuss der Standes¬ 
vereine hatte ein Vorgehen dieserhalb angeregt, das einmal die 
politische Presse veranlassen sollte, solche Notizen nicht mehr auf¬ 
zunehmen , dann aber die betreffenden Kollegen ersuchen sollte, 
eine Aufnahme zu verhindern. Mit Recht wurde dagegen einge¬ 
wendet, dass beide Teile sich ein derartiges Einschreiten verbitten 
würden, die Presse, weil es ihr allein zustande, zu entscheiden, 
was sie für die Oeffentlichkeit für wichtig befände, die Kollegen, 
weil sie sich eine derartige Beschränkung ihrer persönlichen Willens¬ 
freiheit nicht gefallen zu lasson brauchten. Die ganze Idee wurde 
als zünftlerisch und kleinlich verworfen, der Schaden, der einzelnen 
Aerzten oder der Aerzteschaft erwachsen könnte, sehr gering be¬ 
wertet und schliesslich alle diesbezüglichen Anträge abgelehnt 
Auch diese Angelegenheit zeigte, dass die Aerzte allzuoft mit un- 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 1. 


wichtigen DiDgen ihre Zeit vergeuden, während bedeutendere vor¬ 
liegen, welche die grösste Aufmerksamkeit erfordern. 

Zu diesen rechnen wir die für Berlin geplante Organisation 
des städtischen Untersuchungsamtes. Diese seit langer 
Zeit geplante Anstalt geht nunmehr ihrer Vollendung entgegen, 
und der Magistrat unterbreitet der Stadtverordnetenversammlung 
deren Arbeitsplan. Ein einzelner Mann soll Leiter der Anstalt 
sein, die aus drei Abteilungen, einer hygienischen, einer chemischen 
und einer bakteriologischen bestehen soll; sechs Assistenten sollen 
ihm beigegeben werden. In der Stadtverordnetenversammlung ist 
diesem Projekt bereits entschiedener Widerspruch geleistet worden. 
Es wurde darauf hingewiesen, dass die Leitung eines solchen In¬ 
stitutes die volle Arbeitskraft eines Mannes, verlange, dass aber 
für die Einzelarbeiten Abteilungsleiter mit entsprechender Vor¬ 
bildung angestellt werden müssen, denen dann die Assistenten 
untergeordnet werden sollen. Unter den Aufgaben des In¬ 
stitutes ist eine für die Aerzteschaft und die Gesamtbevölkerung 
ausserordentlich bedeutsame vergessen: die Schaffung einer Unter¬ 
suchungsstelle für Krankheitsmaterial. Eine grosse Anzahl von 
Städten besitzt bereits ein solches Institut, ein musterhaftes z. B. 
unsere Nachbarstadt Oharlottenburg. Der Stadt Berlin, die fast 
immer das negiert, was die Aerzte für wünschenswert halten, 
sollte es eine Ehrenpflicht sein, eine mit allen Hilfsmitteln der 
modernen Technik ausgerüstete Untersuchungsstelle für ansteckende 
Krankheitsprodukte, Gewebsmaterial etc. zu errichten und dadurch 
eine neue Waffe zu schmieden im Kampfe gegen die Infektions¬ 
krankheiten. 

Haben nun die Berliner Aerzte in dem zur Rüste gehenden 
Jahre reichliche Gelegenheit gehabt zu Kampf und Abwehr, zu 
heftigen Debatten und Auseinandersetzungen aller Art, so konnten 
sie am Jahresschluss ein Fest feiern, das einem Manne galt, der 
sich allseitiger Beliebtheit erfreut: Ernst von Bergmann voll¬ 
endete sein siebzigstes Lebensjahr. Reich an wissenschaft¬ 
lichen und persönlichen Erfolgen war das Leben des Jubilars; 
überall. fand er Anerkennung und erwarb er sich Freunde. Ver¬ 
hältnismäßig erst spät hat er es verstanden, der Berliner Aerzte¬ 
schaft näher zu treten. Nachdem er dies aber einmal getan, hat 
er deren Herzen im Sturme erobert; sein warmes Eintreten für 
die Interessen der Aerzteschaft, — die wirtschaftlichen ebenso wie 
die sozialen — seine stete Hilfsbereitschaft, wenn es galt, in einem 
besonders ernsten Moment ärztliche Angelegenheiten zu vertreten, 
seine Förderung aller humaner Bestrebungen, hat ihn aus einem 
stets geachteten Lehrer der Aerzte zu einem hochverehrten Führer 
'derselben gemacht. So beging denn die Berliner Aerzteschaft den 
Geburtstag Ernst von Bergmanns als einen Feiertag und ist 
einmütig in dem Wunsche, dass dem Jubilar ein langdauernder 
Lebensabend in geistiger und körperlicher Frische beschieden sein 
möge. 


Periodische Literatur. 

Münchener medicinieche Wochenschrift. 1906. Nr. 49. 

1. Christiani und Kummer, Genf: Ueber funktionelle 
Hypertrophie überpflanzter Schilddrüsenstückchen beim Men¬ 
schen. 

Bei einer Frau, der wegen Kropf fast die ganze Schilddrüse 
entfornt werden musste, wurden unter die Akromialhaut kleine 
Schilddrüsenpfröpflinge eingepflanzt; dieselben sind angewachsen 
und haben sich regelrecht weiter entwickelt, ganz so, wie wenn 
das Drüsengewebe im Zusammenhang mit dem Mutterboden und 
der normalen Gefässversorgung geblieben wäre. Die überpflanzten 
Schilddrüsenstückchen haben sich deutlich vergrössert, so dass sie 
nach drei Jahren das mehrfache ihres ursprünglichen Umfanges 
aufwiesen. Die histologische Untersuchung eines nach drei Jahren 
exstirpierten Pfröpflings hat ein mit der normalen Schilddrüse 
ganz übereinstimmendes Aussehen ergeben. Es erscheint weiter 
nicht zweifelhaft, dass die Pfröpflinge bei der Patientin auch an der 
Gesamtschilddrüsenfunktion teilgenommen haben. Dafür spricht 
auch, dass eine andere Patientin, bei der am gleichen Tage der 
Kropf exstirpiert, aber wegen der Möglichkeit der Erhaltung von 


mehr Schilddrüse, eine Schilddrüsenpfropfung unterlassen wurde, 
schon nach eineinhalb Jahren an Cachexia thyreopriva starb. 
Wichtig erscheint, dass der Plröptling von histologisch normalem 
Schilddrüsengewebe entnommen wird. Dann kann man mit der 
Drüsenpfropfung beim Menschen neue Schilddrüsenorgane erzielen, 
die sich nicht nur auf die Dauer erhalten und funktionieren, 
sondern die sich auch vergrössern und zu Neu-Schilddrüsen an- 
wachsen. 

2. Neubauer und Stäubli, München: Heber eosinophile 
Darmerkrankungen. 

Die eosinophilen Schleimhauterkrankungen sind, wie das die 
Untersuchungen, beim Bronchialasthma gelehrt haben charakterisiert 
durch das Vorkommen der eosinophilen Leucocyten am Krankheits¬ 
herde, durch das lokale Auftreten der Charcot-Leyden’schen 
Krystalle und durch die Vermehrung der eosinophilen Zellen im 
Blut. Der Nachweis der Krystalle, die wohl sicher aus den 
eosinophilen Körnelungen hervorgehen, ist für diagnostische Zwecke 
gleichbedeutend mit dem Befund der eosinophilen Zellen; die 
Eosinophilie im zirkulierenden Blute ist nicht konstant, fehlt 
namentlich öfter im Beginn der Affektionen. Was die Eosino¬ 
philie bei Erkrankungen der Verdauungsorgane betrifft, so dürfte 
sie nicht als pathognomisch für Wurmkraukheiten angesehen 
werden; Verf. haben sie vielmehr bei verschiedenen akuten wie 
chronischen Darmaffektionen konstatiert. Die betreffenden Beob¬ 
achtungen werden eingehend mitgeteilt. Eis handelt sich zweimal 
um akuten, unter schwersten Erscheinungen verlaufenden Brech¬ 
durchfall, einmal um Dysenterie, allerdings mit negativem Amoeben- 
und Bazillenbefund, einmal um einen chronischen Dünn- und Dick¬ 
darmkatarrh verbunden mit Atonie und Ectasie des Magens und 
Hypochondrie, und schliesslich dreimal um eine eigenartige Dick¬ 
darmerkrankung. Die letzten drei Fälle betrafen jugendliche 
Individuen, die wegen schwerer Diarrhoeen mit reichlichem 
Schleim- und Blutabgang in Behandlung kamen; Darmschmarotzer 
oder Eier wurden nicht gefunden, ebenso wenig irgend welche 
spezifischen Bakterien; dagegen sehr reichlich Charcot-Leyden'sche 
Krystalle und bei zweien auch zahlreiche, gut erhaltene eosinophile 
Zellen; die rektoskopische Untersuchung zeigte auf der geröteten, 
samtartig aufgelockerten Rektalschleimhaut linsengrosse, gelblich- 
weisse, leicht abstreifbare Auflagerungen, die bei mikroskopischer 
Untersuchung reichlich eosinophile Leucocyten, Granulahaufen und 
Charcot-Leyden’sche Krystalle aufwiesen; nach dem Abstreifen 
blieb eine gerötete, leicht blutende aber nicht deutlich vertiefte 
Schleimhautstelle (Errosion) zurück; nirgends war ein Geschwür 
oder eine Narbe zu sehen. Das Leiden ist charakterisiert dadurch, 
dass es in einzelnen, mitunter sehr heftigen, Wochen bis Monate 
andauernden Schüben auftritt, zwischen denen jegliche Verände¬ 
rungen völlig fehlen können; in vielen Punkten erinnert es an die 
eosinophilen Affektionen des Bronchialbaumes, speziell an das 
Asthma bronchiale. Wie dieses dürfte vielleicht auch die „eosino¬ 
phile Proktitis mit herdförmigen Auflagerungen“, die sich als 
wohl charakterisierte Krankheitsgruppe darstellt, als örtliche 
Aeusserung einer allgemeinen Konstitutionsanomalie aufzufassen 
sein. 

3. Moro, Graz: Weitere Untersuchungen über Kuhmilch- 
praezipitin im Säuglingsblute. 

In Ergänzung früherer Versuche hat M. das Blut von weiteren 
21 Säuglingen, meist Atrophikern, auf die Gegenwart von praezipi- 
tabler Substanz und Praezipitin der Kuhmilch untersucht, in der 
Weise, dass zum Nachweis des Praezipitins das Säuglingsblutserum 
mit roher Kuhmilch, zum Nachweis der praezipitablen Substanz 
mit dem spezifischen Lactoserum in Reaktion gebracht wurde. 
Ein Fall ergab positive Praezipitiureaktion; dagegen blieb die 
Untersuchung auf praezipitable Substanz in allen Fällen negativ. 
Nur mit der Moreschischen Methode der Komplementablenkung, 
die viel empfindlicher ist, liess sich einmal ein positives Ergebnis 
erzielen. 

Bruck, Köln: Beitrag zur Tuberkulose des S&uglingsalters. 

Der Fall betrifft das Kind einer früher tuberkulösen Mutter, 
die geheilt war und jedenfalls zur Zeit der Geburt und des 
Stillens keinerlei klinisch festzustellende Zeichen eines neuen 
Herdes darbot; an der Brust entwickelte sich das Kind in der 
besten Weise; nach vier Monaten wurde abgestillt und das Kind 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


il 


aus der Klinik entlassen. Bald darauf wurde es wieder einge¬ 
liefert mit einer wesentlichen Gewichtsreduktion, einer ausgedehn¬ 
ten Bronchitis und ging nach temporärer Besserung des Befindens 
nach zwei Monaten an einer tuberkulösen Meningitis zu Grunde. 
Die Autopsie ergab neben der Meningitis tuberculosa eine aus¬ 
gedehnte Tuberkulose der Lungen und anderer Organe, und eine 
vollständige Verkäsung der bronchialen Lymphdrüsen. Was die 
Aetiologie dieser tuberkulösen Infektion betrifft, so ist eine kon¬ 
genitale Uebertragung durch die Mutter nach dem klinis chen 
Bilde und Sektionsbefund wohl auszuschliessen, ebenso eine'Pötte¬ 
rungstuberkulose, da die mesenterialen DrIlsen fast intakt waren. 
Es handelt sich wohl um eine bald nach der Geburt, wahrschein¬ 
lich gelegentlich einer damals vorhandenen Rhinitis, bei dem dis¬ 
ponierten Individuum erfolgte Infektion, die, solange das Kind an 
der Mutterbrust war, keinerlei Ausbreitung annahm und sich im 
Augenblick des Eintritts ungünstiger Verhältnisse rapid ausbreitete; 
oder die Infektion erfolgte bei dem belasteten Kinde überhaupt erst 
infolge der durch das Abstillen und die ungünstigen äusseren Ver¬ 
hältnisse hervorgerufenen Veränderungen. 

5. Conradi, Neunkirchen: Zur bakteriologischen Früh¬ 
diagnose des Typhus. 

Von der Erfahrung ausgehend, dass bei der Gerinnung die 
im Blut enthaltenen Typhusbazillen in den Blutkuchen übertreten, 
hat Verf. die Gallenkultur für die Anreicherung des geronnenen 
Blutes zum Nachweis der Typhusbazillen in kleinen Blutmengen 
verwertet. Zur Verwendung kamen von auswärts zugesandte 
Blutquanten von 0,05—0,2 ccm, in Glaskapillaren nach Einstich 
ins Ohrläppchen aufgefangen. Das in den Kapillaren enthaltene 
Blutserum wurde zur Agglutinationsprüfung, der Blutfaden zur 
Züchtung verwandt. Dazu wurde derselbe in ein Reagensröhrchen 
mit 5 ccm Rindergalle, 10% Pepton und 10% Glyzerin über¬ 
tragen, 12 — 16 Stunden bei 37° gehalten und danach 0,1—1,0 ccm 
der aufgeschüttelten Flüssigkeit auf eine Lackmus-Milchzucker- 
Agarplatte ausgestrichen, und die weitere Untersuchung in ge¬ 
wohnter Weise vorgenommen. In 50% der Typhusfälle gelang 
durch diese Anreicherung des Blutfadens der Nachweis der Er¬ 
reger im Blute; und da dies in manchen Fällen möglich war zu 
einer Zeit, wo noch sonst kein sicheres Symptom für Typhus vor¬ 
handen war, ist die Anreicherung des Blutfadens durch Galle 
nichtnur zur Stütze, sondern unter Umständen zur Stellung der Diag¬ 
nose zu verwerten. Es ist jede Blutprobe, deren Menge zur 
Ausstellung der Widalsehen Serumreaktion hinreicht, gleichzeitig 
zum kulturellen Nachweis der Typhusbazillen geeignet; und da 
die Gallenkultur der Gerinnsel von 1—4 Bluttropfen eines Typhus¬ 
kranken in 50% der Fälle die Frühdiagnose des Typhus herbei¬ 
führt, so ist zu fordern, dass bei jeder eingesandten Blutprobe 
eines typhusverdächtigen Kranken nicht nur die Agglutinations- 
prtifung des Serums, sondern auch die Gallenkultur des Blut¬ 
fadens vorgenommen wird. Wenn auch die Anreicherung des vor 
Gerinnung bewahrten Blutes durch Galle das zuverlässigere und 
elegantere Verfahren darstellt, so dürfte doch die Gallenkultur 
des Blutfadens wegen ihrer Einfachheit vielfache Anwendung finden. 
Der Nachweis der Erreger in den Dejektionen gelingt im Beginn 
der Erkrankung selten; diesem Verfahren fallt die wichtige Auf¬ 
gabe zu, die bakteriologische Feststellung der Genesung und der 
Bazillenträger im Interesse der Seuchenbekämpfung durchzuführen: 
die Frühdiagnose des Typhus ist von der Gallenkultur zu erwarten. 

6. Lardelli, Zürich: lieber den Einfluss des Arsens (Val 
Sinistrawasser) auf den Stoffwechsel. 

Die Tierversuche wurden in der Weise angestellt, dass eine 
Gruppe von Kaninchen mit Arsenwasser (Val Sinistra), eine Kon- 
trollgruppe mit gewöhnlichem Wasser mehrere Monate getränkt 
wurde. Die Arsentiere zeigten bald und dauernd eine bessere 
Entwicklung, vor allem eine wesentlich grössere Gewichtszunahme, 
die sich hauptsächlich in einem stärkeren Fettansatz dokumentierte; 
dass diese Adipositas aber nicht als eine pathologische anzusehen, 
dass die Gewichtsvermehrung vielmehr auf einer Vermehrung des 
gesamten Stoffwechsels beruht, das zeigte die chemische Analyse 
der Tiere. Trotz dem viel höheren Fettgehalt des Arsentieres 
betrug sein Stickstoffgehalt prozentual fast genau gleich viel, wie 
bei dem viel fettärmeren -Kontrollier, woraus hervorgeht, dass 
bei der Gewichtsvermehnmg des Arsentieres nicht nur das Fett 


beteiligt ist, sondern in hohem Grade auoh der stickstoffhaltige 
Bestandteil Der grössere Fettreichtum findet also seine Erklärung 
in einer besseren Ernährung und Assimilation des Arsentieres 
unter Verminderung des Wassergehaltes seiner Gewebe und der 
gleichzeitigen absoluten wie prozentualen Steigerung des Eiweiss¬ 
gehaltes. 

7. Paschen, Hamburg: Was wissen wir über den Vakzine¬ 
erregerl 

Nach einer Zusammenstellung der bisherigen mikroskopischen 
und experimentellen Forschungsergebnisse über den Vakzineerreger, 
berichtet P. über bemerkenswerte Befunde, die er an der Kinder¬ 
lymphe erhoben hat. Ausstrichpräparate derselben, mit Giemsa 
gefärbt, zeigen eine überrasohend grosse Zahl von gleichmäßig ge¬ 
färbten, sehr kleinen Körperchen; dieselben erscheinen teils rundlich, 
teils in der Mitte gespalten, mit einem Fädchen zusammenhängend, 
teils ganz klein mit eben sichtbarem, fadigen Fortsatz. - ln 
Schnitten von Kalbspusteln und der geimpften Kaninchencornea 
konnten mit Hilfe der Lev ad i tischen Silberimprägnierung zahl¬ 
reiche kleine Körperchen nachgewiesen werden, die vielleicht den 
in den Lymphansstrichen gefundenen entsprechen. Irgendwelche 
Schlüsse will Verf. aus den Befunden nicht ziehen. 

8. Wederhake, Bonn : Theoretisches und Praktisches über 
unser FadeumateriaL Nicht abgeschlossen. 

9. Wassermann und Bruck: Heber das Vorhandensein 
von Antituberkulin im tuberkulösen Gewebe. 

Die von dem Verf. zu dieser Frage vorgenommenen Unter¬ 
suchungen (Deutsch, med. W. 1906, No. 12) haben Weil und 
Nakajama (d. W. 1906, No. 21) einer Nachprüfung unterzogen, 
die Ergebnisse zwar im ganzen bestätigt, aber wesentlich andere 
Schlüsse daraus gezogen. Demgegenüber verteidigen W. und B. 
in längeren Ausführungen nochmals die Richtigkeit ihrer Schluss¬ 
folgerung, die dahin geht, dass sich im tuberkulösen Gewebe 
Tuberkulin und beim Vorhandensein noch reaktionsfähigen Ge¬ 
webes als Reaktionsprodukt Antituberkulin nachweisen lässt. 

10. Lengfelder, Berlin: Die Behandlung bei äuiserem 
Anthrax. 

Zusammenstellung von 15 Fällen von mikroskopisch und bak¬ 
teriologisch sicher gestelltem, äusserem Milzbrand aus der Berg- 
mannschen Klinik, die völlig konservativ, Ruhigstellung des be¬ 
troffenen Gliedes, Bedeckung der Pustel mit reizlosem Salben ver¬ 
band, behandelt und sämtlich geheilt wurden. 

11. Sondermann, Dieringhausen: Nasentamponade bei 
Ozaena. 

Es wird die Tamponade der Nase mit einer aus Kondom¬ 
gummi gefertigten Hülle, die mittels eines Schlauches mit Luft 
aulgeblasen wird, empfohlen; dadurch sollen sich alle Borken leicht 
entfernen lassen. In Verbindung mit der Saugbehandlung ver¬ 
spricht diese Methode weitgehende Besserung. 

12. Mayer, Löfflingen: Beitrag zur Serumbehandlung der 
Basedowschen Krankheit. 

Mitteilung eines Falles von schwerem Basedow, bei dem mit 
Antitbyreoidinserum, das in kleinen, allmählich steigenden Dosen 
zur Anwendung kam, in kurzer Zeit eklatante Erfolge erzielt 
wurden. 

13. Schallehn, Stettin: Eine Halteplatte für Specula. 

Beschreibung des Instrumentes an der Hand von Bildern. 

Wiener klinische Wochenschrift. 1906. No. 47. 

1. Clairmont, Wien: Ueber das Verhalten des Speichels 
gegenüber Bakterien. 

Eine Uebersicht der einschlägigen Literatur ergibt, dass be¬ 
züglich der Einwirkung des Speichels auf Bakterien bisher keine 
einheitlichen Resultate erzielt worden sind; als erwiesen sind nur 
die beiden Tatsachen der Virulenzabschwächung der Pneumococcen 
im Speichel oder auf speichelhaltigem Nährboden, trotz gutem 
Wachstum, und der Abschwächung oder Zerstörung von Toxinen 
durch Verdauungssäfte anzusehen. C. hat eine Reihe von Reagenz¬ 
glasversuchen mit dem Speichel von verschiedenen Tieren, Hunde, 
Katzen, Kaninchen, Ziegen, Affen, und vom Menschen zum Stu¬ 
dium der Frage angestellt; bei den Tieren wurde der Speichel 
entweder in toto, oder von den einzelnen Drüsen durch Frei¬ 
legung des Ausführungsganges, bei natürlicher Sekretion, oder 


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MBDICINI8CHE WOOHE. 


Nr. 


i a 


- näcli Piloc&rpininjektion, rösp. Reizung der sekretorischen Nerven¬ 
fasern gewonnen. Einer Prüfung unterzogen wurden die bakteri- 
oiden Eigenschaften des Speichels, die Virulenzabschwftchung hin¬ 
sichtlich pyogener Infektionserreger, die Beeinflussung von Toxinen* 
Aus den Versuchen ergibt sich: Wenn Wunden in der Mundhöhle 
per primam heilen, so ist dies vor allem auf zwei Momente zürück- 
zuführen, auf die schlechten Eristenibedinguiigen für Bakterien 
und die mechanische Wegschwemmung derselben durch den Speichel» 
Von einer bakterioiden Wirkung des Speichels (Typhus, Roli, 
Vibrionen, Staphylo-, Streptococcen, Milzbrand) kann im allge¬ 
meinen nicht gesprochen werden; jedoch findet eine geringe Zahl 
von Keimen im Speichel so ungünstige Lebensbedingungen-, dass 
sie zu Grunde gehen; in dieser Wirkung ist der Speichel der 
physiologischen Kochsalzlösung an die Seite zu stellen; der mensch- 
. liehe Speichel steht hier dem einzelner Tiere nachv Unterschiede 
zwischen dem Speichel der Glandula submaxillaris und parotis sind 
für die meisten Tierarten zu konstatieren; die erstere liefert einen 
Speichel von geringer schädigender Wirkung für Bakterien, wäh¬ 
rend das Parotis sekret meist, am intensivsten bei den Wieder¬ 
käuern, eine das Wachstum der Mikroorganismen hemmende Wir¬ 
kung ausübt. Unter den schlechten Existenzbedingungen, die der 
Speiehel bietet, scheinen vor allem die pyogenen Infektionserreger, 
Staphylo- und Streptococcen, zu leiden. Virulenzabschwächende 
Momente - sind im Speichel für Streptococcen nicht sicher nach¬ 
weisbar. Zusatz von Bouillon zum Speichel bessert die Existenz¬ 
bedingungen für Bakterien. Durch künstliche Anregung der 
Speichelsekretion kann man nach einiger Zeit fortdauernden 
Speichelflusses einen fast sterilen Speichel erhalten. Die im secer- 
nierenden Stadium excidierte Parotis zeigt eine auffallende Re¬ 
sistenz gegen Fäulnis. Diese Beobachtungen lehren, dass man in 
. der Mundhöhle mit einem gewissen Grad von Selbstschutz des 
Organismus rechnen kann; man kann denselben unterstützen durch 
Anregung der Speichelsekretion und die Retention guter Nähr¬ 
medien für Bakterien. 

-2. Pirquet, Wien: Ist die vaccinale Frühreaktion spe¬ 
zifisch. 

Die an gestellten Versuche führten zu folgenden Schlusssätzen: 
1. Die vaccinale Frühreaktion ist eine spezifische Reaktion zwischen 
der Kuhpockenlymphe und dem gegen dieselbe „immunen“ (aller¬ 
gischen) Organismus. Sie wird weder durch bakterielle Verun¬ 
reinigung der Lymphe, noch durch das in der Kuhlymphe vor- 
. handene Rindereiweiss hervorgerufen, denn sie zeigt sich auch 
bei der Infektion mit frischer menschlicher Lymphe. 2. Die 
Frühreaktion ist quantitativ abhängig von der Menge des einge- 
brachten Virus und unterscheidet sich dadurch von der Erst¬ 
impfung, bei welcher die Grösse der Reaktion von der Menge 
des Infektionsmaterials unabhängig ist. Die Frühreaktion ist be¬ 
dingt durch den Zusammentritt des Vaccineerregers mit im aller¬ 
gischen Organismus vorhandenen Antikörpern. 3. Das Serum der 
Vaccinierten enthält keine Praecipitine gegen Kuhlymphe. 

9. Horn, Wien: lieber Rheumatismus nodosus im Kindes- 
alter. 

Unter Mitteilung der Krankengeschichte eines Falles, bei dem 
im Anschluss an eine rasch und milde verlaufende Chorea ohne 
vorausgehende objektiv wahrnehmbare rheumatische Zufälle, eine 
Endocarditis aüftrat, die in ihrem progredienten Verlauf mit einer 
mehr oder minder ausgebreiteten knötchenförmigen Erkrankung 
der Sehnen und Aponeurosen, zweifellos rheumatischen Ursprungs, 
kompliziert war, wird das seltene Krankheitsbild der rheumatischen 
Erkrankung der sehnigen Gebilde eingehend erörtert. Der Rheu¬ 
matismus nodosus charakterisiert sich als eine auf rheumatischer 
Basis beruhende fieber- und meist beschwerdelose Erkrankung 
der Sehnen und des Periosts, bei der es an verschiedenen Körper¬ 
stellen, meist in der Nähe der Gelenke, symmetrisch zur Bildung 
von fibrösen Knötchen kommt. Er ist keine Erkrankung sui 
generis, sondern ein den andern Manifestationen rheumatischer 
Infektion koordiniertes Symptom. Er befällt meist Kinder vor 
der Pubertät, deren Konstitution durch vorausgegangene rheu¬ 
matische Erkrankungen geschwächt ist. Er ist stets von schweren 
Herzklappenveränderungen begleitet, die über kurz oder lang zum 


okitus führen. Den mit ihm komplizierten rheumatischen Erkran¬ 
kungen muss eine Malignität zuerkannt werden. Das Auftreten 
von Rheumatismus noJosus im Verlaufe von Erkrankungen mit 
unbekannter Aetiologie muss als pathognomonisches Zeichen für 
die rheumatische Natur derselben aufge lasst werden. 

4. K a p s a m m e r, Wien: Zur Frage der Phloridsinprobe. 

Die Bedeutung des zeitlichen Auftretens der Phloridzindia¬ 
betes als sicheres Reagens für die Funktionsprüfung der Niere 
wird gegenüber der Kritik Lichtensteins in Nr. 44 d. W. erneut 

verteidigt, 

Bücherbesprectiung. 

Ein biographisches Lexikon der dsutsehdn ÜnlviNItäU- 

Dezenten» Unter dem Namen „Das akademische Deutsch* 
latldi tiiographiscbes Handbuch der deutschen Universitäten“ er¬ 
scheint im Verlage von K. G. Th. Scheffer-Leipzig ein lexi¬ 
kalisches Werk, das nicht mir die Biographien sämtlicher deutschen 
Universitäts-Dozenten geben, sondern auch ein übersichtliches Bild 
bieten soll, durch welche Lehrkräfte die einzelnen Disziplinen an 
den Universitäten des deutschen Reiches vertreten sind. „Das 
akademische Deutschland“ bringt nicht, wie es bisher bei bio¬ 
graphischen Sammelwerken üblich war, die Namen der Dosenten 
in alphabetischer Reihenfolge, sondern nach Fakultäten und inner¬ 
halb der Fakultäten nach Disziplinen geordnet. Innerhalb jeder 
Disziplin sind die Universitäten in alphabetischer Reihenfolge, Uhd 
innerhalb jeder Universität die Dozenten nach detn RangVerliältnis 
angeführt. Man kann also mit einein Blicke übersehen, welche 
Lehrkräfte — Ordinarien, ßytraordinarien, Privatdozenten, Lektoren 
— znrseit etwa für die alttestamentlichen Wissenschaften oder 
das Strafrecht oder die pathologische Anatomie oder die Aegypto- 
logie an jeder Universität etc. etc. vorhanden sind, und bei jedem 
Dozenten zugleich die Biographie finden. Ein alphabetischer Index 
sämtlicher Dozenten erleichtert die Auffindung der einzelnen Bio¬ 
graphien. Jede Biographie bringt im knappesten Umfange die 
Hauptdaten aus der wissenschaftlichen Laufbahn des Dozenten und 
eine mit wenigen Worten zu gebende Charakteristik seiner Lehr- 
und Forschertätigkeit, die durch die Anführung seiner. Haupt¬ 
schriften ergänzt wird. Die Angaben beruhen zum grössten Teile 
auf Mitteilungen der Herren Dozenten selbst. Herausgeber des 
„Akademischen Deutschland“ sind die Herren Dr. Gustav Zieler- 
Berlin und Dr. Sehe ff er-Leipzig. 

lUeyers Grosses Konversations-Lexikon. Sechste, gänz¬ 
lich neuboarbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148.000 Artikel und 
Verweisungen auf über 18,240 Seiten Text mit mehr als 11,000 A bbildungen, 
Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Illustrationstafeln (darunter 
etwa 190 Farbendrucktafoln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 
130 Tcxtbcilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark, oder 
in Prachtband zu je 12 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in 
Leipzig und Wien.) 

In ihren Folgen noch nicht absehbar, ist die Marokkokonferenz un¬ 
zweifelhaft eines der wichtigsten politischen Ereignisso unserer Zeit, und 
hat ihro Vorgeschichte schon im .Grossen Meyer* Platz gefunden, dessen 
13. Band (Lynk bis Mitterwurzcr) jetzt vorliegt. Dies, sowie die üboraus 
instruktiven, von Tafeln, Tabellen etc. begleiteten Artikel Über Marine, die 
zu der alle Parteien lebhaft bewegenden Flotten Vorlage das richtige Ver¬ 
ständnis bringen, zeigen, dass auch der neue Band ganz auf der Höbe der 
Zeit steht. Auch der Artikel .Militär* ist sehr beachtenswert. Aua sozial¬ 
politischem und volkswirtschaftlichem Gebiete nennen wir .Mädchenschutz*. 
„Markthallen* (mit zwei Tafeln), .Mäßigkeitshewegung*, aus Literatur 
und Kunst „Lyrik", „Märchen“, .Mendelssohn-Bartholdy“, „Minnesinger*, 
aus dem Gebiete der bildenden Künste „Malerei*, „Medaillen“ (mit sechs 
wesentlich ergänzten Tafeln), „Menzel* und „Meunier*, die grossen Toten 
des vorigen Jahres. Aus der Geschichte und Länderkunde haben „Mand¬ 
schurei“ und „Martinique“ jetzt besondere Anziehungskraft. „Mannheim* 
und .Metz“ sind mit Kartemnaterial neu ausgestattet. Wir führen noch 
eine Reihe von Artikeln an, die dem vom „Grossen Meyer“ mit besonderer 
Liebe gepflegten Gebieten ..Naturwissenschaft“ und „Technik“ angeboren, 
die mit neuen oder erneuorten Tafeln in Schwarz- oder Farbendruck sowie 
mit Textbeilagon besonders reich ausgestattet sind. Aus der schier über- 
grossen Fülle nennen wir „Magnetometer‘ und „Magnetograph*, .Mäh¬ 
maschinen“, „Maschinenpflug“, „Materialprüfung“, „Mauersteine“, „Älcdicin*. 
„Mctamorphismus der Gesteine“, „Meteorologische Hochstationen*, „Mineral¬ 
wässer“ (mit einer Beilage, die die Zusammensetzung der wichtigsten 
Mineralwäsoor, ihro Analyse und Temperatur angibt). Dieser Band enthält 
nicht weniger als 43 schwarze und 7 farbige Tafeln, 19 Karten und Pläne. 
3 Textbeilagen und 195 Abbildungen im Text. 


Verantwortlicher Redakteur : Dr. P. Meissner, Berlin W. tS, KurfSrstenstr. 81. — Verantwortlich fftr den Inseratenteil: Der Verla* vqb Ctrl Marhold, Halle a. S. 

Druck von Her Heyneman «schon Buchdruckerei, Oebr. Wölfl Halle a. S. 


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Medicinische Woche 



Deatschmann, A. Dfibrssen, A. Hoffa, E. Jacobi, 

Hamburg. Berlin. Berlin. Freiburg i. Bi. 

H. Senator, R. Sommer, 

Berlin. Giessen. 


Verlag und Expedition 

Carl Marhold ln Halle a. S., Uhlandstrasse 6. 

Tcl.-Adr.: Marhold Verlag Hallesaale. Fernsprecher 823. 


Herausgegeben von 



R. Robert, M. Koeppen, K. Partsch, H. Rosin, H. Schlange, 

Rostock. Berlin. Breslau. Berlin. Hannover. 

H. Unverricht, A. Vossins, 

Magdeburg. Giessen. 


Redaktion: 

Berlin W. 62, Kurffirstenstrasse 81* 

Dr. P. Meißner. 



Organ des Schwarzwaldbädertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebäder und des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 


Vm. Jahrgang. 


14. Januar 1907. 


Nr. 2. 


Die .Medicinische Woche* erscheint jeden Montag und kostet vierteljährl. 2,50 M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen jede Buchhandlung, die Post, sowie 
die Verlagsbuchhandlung von Carl Marhold in Halle a. S. entgegen. Inserate werden für die ^gespaltene Petitzeile oder deren Raum mit 50 Pf. berechnet. Beilagen 

nach Uebereinkunft. Reklamezeile 1,50 M. Bei größeren Aufträgen wird Rabatt gewährt. 

Nachdruck der Original-Aufsätze ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 


Der heutige Stand der Wochenbettpflege. 

Nach einem in der roedicinischen Gesellschaft zu Giessen gehaltenen Vortrage 

von 

Dr. Kroemer, Privatdozent zu Giessen. 

(Fortsetzung.) 

Wie der Darm, so bedarf auch die Vagina einer flora 
ihr offenbar angepasster Bakterien (Charakteristische Säure- 
Stäbchen I), welche nur unter pathologischen Umständen zurück- 
gedrängt und durch andere Formen ersetzt werden. Wer die 
Berechtigung, einen pathologischen Scheidenfluor anzunehmen, 
leugnet, muss auch soweit gehen, eine gonorrhoische Scheide 
für nicht infektiös zu halten. Die Bedeutung der Gonococcen 
scheint mir in dem Kampf der Meinungen wichtig. Sie be¬ 
weisen uns durch immer neue Belegfälle die Keim-Ascension 
und Virulenzsteigerung. Wir können nicht mehr die Diagnose: 
„echtes Puerperalfieber“ auf die positiven Befunde von Strepto¬ 
coccen beschränken. Wenn wir auch noch nicht so weit sind, 
nach dem Ergebnis der bakteriologischen Lochien-Unter¬ 
suchung — je nach dem Erreger — die einzelnen Formen in ein 
nach aetiologischen Faktoren begründetes Schema zu ordnen, 
so müssen wir doch oft genug erfahren, dass Staphylococcen 
— Gonococcen — Bakt. Coli Formen und andere genau die 
gleichen stürmischen Erscheinungen machen wie echte Strepto¬ 
coccen und zu schweren, echten Puerperalerkrankungen 
führen können. Mit Recht trennt man die gewöhnlichen 
Gonococcenerkrankungen von der eigentlichen Wundinfektion. 
Der Gonococcus ist in der Regel ein Epithelbewohner 
und hält sich an der Oberfläche. Aber schon die diffuse 
Gonococcenperitonitis ist ein Stadium, in welchem echte 
Streptococcenpuerperalfieber und Gonococcen-Aussaat klinisch 
dasselbe Bild machen können. Dazu kommt, dass die 
Gonococcen immer häufiger im Myometrium, in parametranen 
Abszessen, ferner als Erreger typischer Phlegmasie — Endocar- 
ditis — Arthritis nachgewiesen werden, so dass über die Mög¬ 
lichkeit ihres Eindringens nach Art einer typischen Wundinfek¬ 
tion sowie ihrer Verschleppung auf dem Blut- und Lymph- 
wege wohl nicht mehr gestritten werden kann. Ihre Ver¬ 
schleppung in die Harnwege und das gelegentliche Entstehen 
einer gonorrhoischen Pyelonephritis wird ja wohl von niemand 
mehr geleugnet. 

Ich weiss sehr wohl, dass die foudroyant verlaufenden 
Sepsisfälle, die ja jeder Therapie spotten, so gut wie immer dem 
Streptococcus pathogenes longus anzurechnen sind — aber bei 
den meisten Spätinfektionen konnten wir wenigstens fast nie 
einen einfachen bakteriologischen Befund erheben. Stets ergab 
die von seiten des bakteriologischen Instituts liebenswürdiger 


Weise übernommene Untersuchung eine Mischinfektion, bei 
welcher namentlich Pseudodiphtheriebazillen und bact. Coli 
häufig eine Rolle spielten. 

Wenn wir auch annehmen können, dass die begleitenden 
Symbionten den Boden für die in den einzelnen Fällen ver¬ 
schiedenen Haupterreger (Streptococcen, Staphylococcen) nur 
vorbereiten, so bleibt doch die Bedeutung der Mischkeime nicht 
geringer. Sie setzen die lokalen Widerstände herab und lockern 
den Boden für die wahre Infektion. 

Für die Praxis kann man an dem seinerzeit von unserer 
Klinik (Kroemer, Monatsschrift für Geb. und Gyn. XX) empfoh¬ 
lenen Verfahren festhalten: „Die Behandlung des pathologischen 
Scheidenfluors in der Schwangerschaft ist eine notwendige und 
einfache Prophylaxe puerperaler Morbidität. Wenn der Aus¬ 
strich aus dem pathologischen eitrigen Scheidenfluor in Ueber- 
einstimmung mit dem grob-klinischen Befund statt des bekannten 
Bildes der Säurestäbchen und Epithelien, Eiterkörperchen und 
überwiegend fremdartige Bakterien (Gonococcen, Streptococcen, 
Staphylococcenrasen etc.) enthält, so ist diese Scheide mit des¬ 
infizierenden Spülungen zu behandeln, gerade so gut wie eine 
Furunkulose erst zur Abteilung gebracht sein muss, ehe wir 
eine Operation vornehmen. Der Befund von Streptococcen im 
Deckglasausstrich ist doch relativ selten. Meistens muss man 
recht sorgfältig suchen, ehe man einige kurze Ketten zu Gesicht 
bekommt. Ich stehe nicht an, einen reichlichen Streptococcen¬ 
befund im Ausstrich, der uns beim ersten Blick ins Mikroskop 
und überall im Präparat begegnet, für pathologisch zu erklären. 
Die chemische Reaktion des Scheidensekretes ist meistens sauer 
auch bei pathologischem Fluor. — Alkalische Reaktion sahen 
wir höchst selten und nur vorübergehend. 

Wie ich des Weiteren ausführte, wird unsere Prophylaxe 
nur solange fortgesetzt, als der klinische Befund es erfordert. 
Wir beginnen mit der Behandlung der fast stets dabei zu be¬ 
obachtenden Hautaffektionen der Vulva und ihrer Umgebung 
(Damm und Schenkelhaut). Nach dem Rasieren und Desinfi¬ 
zieren der äusseren Genitalien wird die ganze Region zunächst 
durch feuchte Vorlagen (*/ 20m , Sublimatlösung — essigsaure Ton¬ 
erde) gereinigt, später durch Salbenauftrag (Zinkpaste — Leni- 
gallol 10°/ 0 — Ungt. Drachylon) vor dem herabrinnenden Vagi¬ 
nalfluss geschützt. Die Scheide selbst wird durch milde Vagi¬ 
nalduschen (Sublimat 1 : 2000) zweimal täglich gereinigt, bis Se¬ 
kretmenge und -Art zur Norm zurückkehren. Zuweilen hat 
Hefebehandlung (Rheol) und bei hartnäckigem Soorbelag auch 
mechanisches Äustupfen sich bewährt. 

Für wesentlich erachten wir ferner, dass wir in allen patho¬ 
logischen Fällen die Geburt möglichst ohne innere Untersuchung 
leiten, ja dass wir pathologische Fälle auch in den letzten Wochen 
nicht zu den Untersuchungen der Studierenden heranziehen. 
Dass uns der Schwangerschaftsbefund in allen Gonorrhoefällen 
z. B. — zur besonders sorgfältigen Wochonbettsüberwachung 
führt (Verlängerung der Liegezeit) — sei nur nebenbei erwähnt. 
Unsere Maßnahmen im Wochenbett sind wiederum nur auf das 


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14 


MEDICINISCHE WOCHF. 


Nr. 2. 


Mindestmaß beschränkt. Es widerstrebt uns alle, auch die 
normalen Wöchnerinnen in Behandlung zu nehmen. Aus diesem 
Grunde konnten wir uns nicht entschliesseu, das Austupfen 
der Scheide zur Entfernung der Blutgerinnsel (Zweifel) vorzu¬ 
nehmen. Wir beschränken uns darauf, bei profusen und 
riechenden Lochien die Vagina durch milde Spülungen (Wasser¬ 
stoffsuperoxid [l°/ 0 ] oder Kali permangan) zu entlasten. Die 
Hauptsache ist auch hier die Reinigung der Vulva und des 
Dammes, bei welcher die Pflegerin — mit der Pinzette arbeitend 
— niemals die Genitalien berühren darf. 

Unter der Geburt wird bei Spontan verlauf jeder Versuch 
innerer Desinfektion, als zu grober Eingriff, ängstlich vermieden. 
Tritt die Notwendigkeit operativer Beendigung fiebernder Fälle 
an uns heran, so wird von Fall zu Fall über die Art der Vor¬ 
bereitung und Nachbehandlung entschieden. Bei riechendem 
zersetzendem Scheideninhalt wird auch hier das Operationsfeld 
vor dem Eingriff gereinigt und desinfiziert (Lysol 1 °/ 0 ). Ist 
der Uterus mit Wahrscheinlichkeit Sitz der FieWursache, so 
würde eine einmalige Alkohol-Ausspülung den Eingriff be- 
schliessen. Diese letzten Maßnahmen, deren Unschädlichkeit 
wir genugsam erprobten, wenden wir auch im Wochenbett nach 
notwendig werdenden intrauterinen Eingriffen an. Doch soll 
dies noch weiter unten Erwähnung finden. 

Dieses streng individualisierende Verfahren während 
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett halten wir nach wie 
vor für die richtige Lösung der schwebenden Fragen hinsicht¬ 
lich unserer praktischen Bestrebungen. Fränkel (Enzyklo- 
paedische Jahrbücher, neue Folge, 4. Bd.) betont auch die Wich¬ 
tigkeit dieses unseres vermittelnden Standpunktes. In jedem 
Falle würden wir nach unseren oben geschilderten Anschau¬ 
ungen eine bindende, gesetzliche Vorschrift: „Die Desinfektion 
der Scheide ist unbedingt zu üben, bezw. zu unterlassen“ als 
absolut falsch bekämpfen müssen! Die Entscheidung wird 
von Fall zu Fall stets vom Arzt getroffen werden müssen. 

Ich sagte im Eingang unserer Betrachtung, dass unser Be¬ 
streben danach ginge, alle Schädigungen der Mutter durch das 
Gebär-Geschäft zu vermeiden. Worin bestehen ausser den puer¬ 
peralen Wunderkrankungen diese Schädigungen? Gefährdet 
sind in der Schwangerschaft die grossen Entgiftungsorgane, in 
erster Linie Niere und Herz (parenchymatöse Nephritis-Eklamp¬ 
siegefahr) im Wochenbett. Fernerhin drohen Infektionen der 
Brustdrüse (interstitielle und parenchymatöse Mastitis), noch 
häufiger vielleicht Ureter- und Blasenstörungen (Cystitis und 
aufsteigende Pyelitis). 


Feuilleton. 


Eine Reise auf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm -Darmstadt. 

(Fortsetzung.) 

Die drei grössten Hafen der Erde: London, New York und 
Hamburg lassen sich nicht miteinander vergleichen. Der eng¬ 
lische und der deutsche sind Flusshafen, unendlich künstlich 
mit gewaltiger Aufbietung von Geistesarbeit, Geld- und Zeit- 
mitteln geschaffen. Sie wirken überwältigend grossartig und 
fesselnd auf den, welcher sie zum ersten Male sieht! Was 
aber wollen sie besagen neben dem von der Natur dargebotenen 
Riesenbecken an der Hudson-Mündung! Dem Hafen von New 
York vergleicht sich wohl nichts auf Erden an Grossartigkeit 
und Nachhaltigkeit des Eindruckes, wer in diesem Getriebe sich 
umgetan hat, wird diese Pracht, diese gewaltigen Bilder niemals 
vergessen! Auf die Stadt New York, wo 4 Millionen Menschen 
in Riesenkasernen zusammengepfercht sind, kann ich schon 
eher verzichten! 

Vorbei an mächtigen Sperrforts, eine düster qualmende 
Stadt von Schloten, die Rockefellersche Standart-Oil-Cy. 
zur Seite lassend, gehts auf die kleine Insel zu, auf welcher die 
Freiheitsstatue sich erhebt, welche der französische Freistaat der 


Als häufige Folgen der Schwangerschaft bezw. der Geburt 
erwähne ich ferner die Erschlaffung der Bauchdecken mit und 
ohne Diastase der Recti und mehr oder weniger fortgeschrittener 
Enteroptose, das Entstehen oder Grösserwerden von Hernien, 
Scheidensenkung und -Prolaps. Hierher gehört auch das Ent¬ 
stehen von Vanc6n und Lage Veränderungen des Uterus. End¬ 
lich muss man hier die mögliche Verschlimmerung allgemeiner 
Leiden erwähnen. Vor allem ist ja die Kombination von 
Schwangerschaft und Tuberkulose oder Herzfehler, Basedow, 
Diabetes, Nephritis chronica gefürchtet. 

Von selteneren Affektionen führe ich an: Osteomalacie, 
Glaskörperblutungen, Netzhautablösung, perniziöse Anaemie. 
Diese Zusammenstellung bezweckt nicht die Aufzählung aller 
möglichen Schädigungen. Es lag mir mehr daran, die typischen 
Gefahren hervorzuheben, weil aus ihnen wiederum hervorgeht, 
dass unsere therapeutischen Maßnahmen in erster Linie prophy¬ 
laktische sind und dass auch diese Prophylaxe schon in der 
Schwangerschaft einsetzt, bezw. einsetzen müsste. Wir können 
sogar ganz im allgemeinen z wei Riehtungender Therapie erkennen. 
In allen Fällen, in welchen eine Prophylaxe bei gefährlichen 
Allgemeinleiden in der Schwangerschaft erfolglos scheint, be- 
seitigen.wir die Schwangerschaft frühzeitig: so bei progredienter 
Tuberkulose, so bei schweren Herzfehlern und Nephritis. 
Eklampsie, zuweilen auch bei Osteomalacie etc., sobald die 
Schwangerschaft das Leben oder die Gesundheit der Mutter 
bedroht und der entbindende Eingriff Aussicht auf Erhaltung 
des mütterlichen Lebens bietet. 

In allen anderen Fällen, in welchen das Leben der Mutter 
zunächst nicht bedroht ist, setzt die Prophylaxe ein und ver¬ 
sucht, die schon in der Schwangerschaft drohenden Schäden 
vorzubeugen. Die Schwangerschaft ist ein normaler Zustand, 
aber die Geburt ist die Kraftprobe, welcher die Schwangere sich 
unterziehen muss. Je besser wir in der Schwangerschaft das 
Individuum ausgerüstet haben, um so geringer wird die Re¬ 
aktion im Wochenbett sein. 

Die prophylaktischen Bestrebungen dürfen sich aber nicht 
auf die wohl allgemein geübte Pflege und Abhärtung der Brüste 
(kalte Waschungen, Formierung der Warze) und die Kontrolle 
der Nierentätigkeit beschränken. Vielmehr müssen unsere ortho- 
paedischen Maßnahmen schon beim ersten Beginn der Schwanger¬ 
schaftsüberdehnungen der Gewebe, ja womöglich vor denselben 
einsetzen. Intelligente Frauen werden wohl stets rechtzeitig 
auf sich achten und den Rat ihres Arztes nachsuchen. Jedoch 
ist im allgemeinen die Indolenz der Individuen gegen ihren 


Stadt New York zum Geschenk gemacht hat. Sie wirkt etwas 
komisch, die grünpatinierte, einsame, etwas vierschrötige Dame, 
welche in staunender Selbstbewunderung nach ihrer Zacken¬ 
krone hinaufschaut und einen Flambeau in der Rechten schwingt, 
der eine infame Aehnlichkeit mit dem Polizeiknüttel besitzt, 
mit welchem die New Yorker policemen Freiheitsbegriffe und 
Menschenrechte in recht handgreiflicher Weise predigen. Eine 
andere kleine Insel, mit mächtigen Gebäuden besetzt, schwimmt 
ein wenig weiter draussen backbords vom einfahrenden Schiffe: 
es ist Eins Island, wo die Einwanderungsbehörde ihre Paläste 
errichtet hat — nachdem die Holzgebäude, welche der neu- 
eingeführten Grenzsperrung, mit der die Vereinigten Staaten 
sich gegen die Ueberflutung durch fremdes Proletariat ver¬ 
wahren, durch Feuer niedergelegt wurden —; ein kleines Stück¬ 
chen Land, wo über das Schicksal von Hunderttausenden von 
Menschen jährlich der Stab gebrochen wird, auf welchem es 
sich entscheidet, ob aus dem polnischen Kaftanträger oder dem 
kleinrussischen Bauern, dem Serben, Rumänen, Galizier, wie sie in 
bunter Mischung mit— erfreulicherweise nur wenigen mehr! — 
Deutschen im Zwischendeck herübergekommen sind, „freie Ameri¬ 
kaner“ werden, oder ob diese oft recht merkwürdigen Exemplare 
des genus homo durch Schub wieder über die grosse Salzwanne zu¬ 
rückgebracht werden sollen. Meinen Besuch auf diesem, in seiner 
Art einzig auf Erden dastehenden Fleckchen Landes werde ich 
später schildern. In was für einem Staate es liegt, weiss ich 
nicht mehr genau: Jedenfalls leistet der über unsere „Klein¬ 
staaterei“ so geringschätzig spöttelnde freeborn american darin 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


15 


eigenen Körper, die Vernachlässigung des letzteren noch allgemein 
recht gross und nicht nur in den ärmeren Klassen der Bevölkerung 
verbreitet Wie häufig finden wir in der Sprechstunde nach 
einer einzigen Entbindung die gesamte vordere Bauchwand er¬ 
schlafft und bei dem herrschenden falschen Korsettbau 
alle Vorbedingungen zum venter propendens und zur Enterop- 
tosis univertali8 gegeben. Varicen nehmen fast alle als unver¬ 
meidliche Schwangerschaftsbeigabe mit in den Kauf und lassen 
den entstandenen Schaden grösser und grösser werden, bis 
endlich vielleicht schmerzhafte Knoten in einer Gelenkbeuge 
sie zum Arzt zu gehen zwingen. (Fortsetzung folgt.) 

In der vorigen Nummer hat sich leider ein sinnstörender Druckfehle 1 
eingeschlichen. Auf Seite 1, Spalte 2, Zeile 14 von unten lies: In¬ 
fektion statt Desinfektion. 


Sitzungsberichte. 

Deutschland. 

Berliner medicinische Gesellschaft . 

Sitzung vom 19. Dezember 1906. 

Vor der Tagesordnung 

demonstriert Litten Präparate von zwei Fällen von Leber¬ 
syphilis, eine Frau und ein zwölfjähriges Kind betreffend, die beide 
infolge einer Haematemesis gestorben sind. Die Lebern zeigen hoch¬ 
gradige Lappung und sind mit zahlreichen Gummata durchsetzt. Als 
Quelle der Blutung Hessen sich bei der Autopsie arrodierte er¬ 
weiterte Venen im unteren Teile des Oesophagus nachweisen. 
Diese sind wohl immer als Ursache der Blutungen bei der Cirrhosis 
hepatis überhaupt anzusehen und nicht parenchymatöse Magen¬ 
blutungen, wie man früher annabm. 

T. Cohn stellt einen Fall von Aphasie vor. 

Manasse berichtet über einen Fall von Hydronephrose, bei 
dem bei der Untersuchung mit Magen- und Rectumaufblähung 
der Tumor sich spontan eröffnete und Eiter entleerte. Bei der 
Operation zeigte sich, dass der Hauptanteil 'der Erweiterung das 
Nierenbecken betraf; der Ureter lief an der vorderen Wand der 
Cyste entlang. 

Martens demonstriert Röntgenbilder von einem Fall von 
Oesophagusdivertikel. 

Cohn zeigt ein Mädchen mit hysterischen Bewegungen des 
Gaumensegels. 

Tagesordnung. 

M. Senator: Ueber die subglottische Laryngoskopie. 


vielfach ein Erkleckliches mehr als bei uns möglich ist: Wer 
z. B. in der Stadt New York sein im Staate gleichen Namens 
erworbenes Arztpatent dazu benutzen wollte, um auch in der, 
am rechten Hudsonufer gelegenen, in ständig-regem Verkehr 
mit ihr stehenden Hafenstadt von New York, in Hoboken, zu 
praktizieren, der würde, da diese im Staate New Jersey liegt, 
übel ankommen. Sein Arztdiplom gilt dort nicht mehr, als 
wenn er etwa in die Schweiz damit ginge! Ach ia, auch wir 
können über manches lachen, was diese unerreichbaren Ameri¬ 
kaner drüben haben, und .mehr als ein altes Zöpflein bammelt 
drüben nicht nur den zahlreichen Chinesen auf dem Buckel! 
Nun habe ich der Reise Ziel bereits erwähnt. Rechts steigen 
die riesenhaften, abscheulich hässlichen Speicherbauten der New 
Yorker Wolkenkratzer in die Luft, in vornehmeren Linien 
schmiegt sich daneben die berühmte, von einem deutschen 
Ingenieur erbaute, erste Hängebrücke nach Brooklyn, welche 
von der später erbauten zweiten an Grossartigkeit noch über¬ 
troffen wird, hinüber, dem Kopfe von Long Island, der mächtigen 
vorgelagerten Insel, welche von der Manhattan-Insel, auf der 
die City der Weltstadt sich erhebt, des Ozeans Anprall abhält. 

An veralteten Festungsrotunden, roten Steinbastionen vorbei, 
zu deren Füssen eine Menge von Geschützen aufgefahren ist, 
die mit den dahinter geschichteten Kugelhaufen stark an ein 
Waffenmuseum gemahnen, gehts jetzt auf die Hudsonmündung 
zu, um an ihrem rechten Ufer die deutschen Peers von Hoboken 
xu erreichen. Zu den erwähnten alten Kanonen muss ich aber 
noch den Spass erzählen, warum dieselben dort aufgefahren 


S. hat die Gerbersche Methode der Inspektion des subglottischen 
Raumes durch Einführung eines zweiten Spiegels in den Kehlkopf 
nachgeprüft und in einem Falle als Ursache einer Diphthongie 
Knötchenbildung an der unteren Fläche der Stimmbänder nach¬ 
gewiesen, deren Beseitigung mit Aetzmitteln Heilung herbeiführte. 

In der Diskussion betonen Rosenberg und Mayer, dass 
die Methode absolut nichts neues darstellt. 

Heubner: Zur Kenntnis orthotisoher Albuminurie. 

Ein Teil der Autoren, die über orthotische Albuminurie 
gearbeitet haben, hat die Meinung vertreten, dass es eine Albumi¬ 
nurie ohne Nierenkrankheit gibt. Eine befriedigende Erklärung 
für das Zustandekommen einer solchen ist schwer zu geben. Eine 
Klärung ist in jüngerer Zeit angebahnt durch Untersuchungen 
über den Blutdruck, die zeigten, dass, während bei Normalen unter 
gewissen Bedingungen der Blutdruck steigt, er bei Orthotikern 
sinkt, durch den kUnischen Nachweis einer Schwäche des Herzens 
bei Orthotikern und durch Untersuchungen über Pulsdruck und 
Geschwindigkeit des Blutstromes, die eine Schwäche des Blut¬ 
gefässsystems der Nieren annehmen lassen. H. hat zum ersten 
Male einen Autopsiebefund bei orthotischer Albuminurie erleben 
können. Es handelte sich um ein lange und genau beobachtetes 
Kind mit orthotischer Albuminurie, das an einem Hirntumor starb. 
Die Nieren erwiesen sich makroskopisch als völfig normal; die 
genaue mikroskopische Untersuchung derselben zeigte neben leichten 
Hyperaemien hier und da geringfügige fettige Degenerationser¬ 
scheinungen der EpitheUen und einen ganz kleinen zirkumscripten 
atrophischen Herd. H. glaubt diese geringen Veränderungen nicht 
im Sinne einer Erkrankung der Niere ansprechen zu sollen und 
hält durch seinen Befund den Beweis für erbracht, dass es eine 
Albuminurie ohne Nierenerkrankung gibt. ~ 

Diskussion: 

Kraus: Die konstitutionelle Minderwertigkeit hält er nicht 
für das Wesentliche bei der orthotischen Albuminurie. Den ana¬ 
tomischen Beweis für die Unversehrtheit einer Niere zu erbringen,, 
hält er für sehr schwer. Er betont die Wichtigkeit der Diagnose 
der orthotischen Albuminurie für die Berufswahl, Lebensversicherung' 
etc. und macht auf ein von Versicherungsärzten angegebenes 
differentialdiagnostisches Htilfsmittel aufmerksam: 1 g milchsauren 
Calciums soll das Albumen der benignen Albuminurie trotz Auf¬ 
bleibens und Normallebens sofort zum Schwinden bringen. 

Senator sieht in den geringfügigen anatomischen Befunden 
Reste von Entzündungserscheinungen und meint, dass die H. sehen 
Untersuchungen gerade den Beweis erbringen, dass die orthosta- 
tische Albuminurie nur bei, wenn auoh noch so leicht kranken 


sind. Als der kühne Cerveras im spanischen Kriege mit 
seinen elenden Schifflein den Amerikanern längere Zeit ent¬ 
gangen war, bemächtigte sich der Letzteren eine solch krank¬ 
hafte Angst, der spamsche Seeheld werde New York bombar¬ 
dieren, dass sie ihr altes Soldatenspielzeug dort auffuhren, wahr¬ 
scheinlich um ihn damit wegzugraulen. Denn d i e alten Feuer¬ 
schlünde hätten selbst Cerveras’ Holzschiffen nur Salut 
schiessen können ! So hat man mirs berichtet, si non vero bene* 
trovato! — 

Nach dem furchtbaren Brande, welchem ein gut Teil der 
früheren Holzpeers von Hoboken zum Opfer fiel, werden nur 
noch eiserne Gebäude errichtet. Diese mehrstöckig ins Hafen¬ 
becken auf viele hundert Meter hinausspringenden Kolosse sind 
von einer mustergiltigen Einfachheit der Einrichtung bei erstaun¬ 
licher Zweckmäßigkeit; freilich geben die „Höft“ genannten 
Hamburger Schiffsländen ein hinreichendes Bild von ihrer Ein¬ 
teilung, so dass ich dieselbe hier nicht näher zu schildern 
brauche. Auf der Landseite des Peer 3, an dem wir anlegten, 
während an seiner anderen Längsseite die -Batavia“ bereits 
löschte und an Pefcf 2 der schöne nach Neapel-Genua fahrend» 
-Blücher“ lag, befindet sich das Modell des Hamburger Bismarck¬ 
denkmals, das auf der Weltausstellung in St. Louis ausgestellt 
war. (Fortsetzung folgt.) 


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16 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 2. 


Nieren vorkommt. Die Erscheinungen der orthostatischen Albumi¬ 
nurie sind dieselben wie bei den Stauungen venöser Art; beim 
Aufsein und Stehen steigt der venöse Druck, während der arterielle 
sinkt. Bei den meisten Orthotikern lässt sich irgend eine Infektion 
anamnestisch nachweisen; die Albuminurie ist das sehr lang 
dauernde Abklingen einer vorangegangenen Entzündung der Nieren. 

Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynaekologie zu 

Berlin. 

Sitzung am 14. Dezember 1906. 

Vorsitzender: Herr Keller. 

I. Demonstrationen. 

1. Herr Liepmann: Krankenvorstellung. Patientin, eine 
IX. para, wurde am Ende der Gravidität mit fünfmarkstücfe- 
grossem Blumenkohlgewächs aufgenommen. Mit Rücksicht auf 
die Tatsache, dass die vaginale Hysterotomie mit anschliessender 
Totalexstirpation bei Carcinom in der Gravidität sehr schlechte 
Resultate qua Recidiv liefert, wurde die abdominelle Totalexstir¬ 
pation nach Sectio caesarea vorgenommen. Kind lebt, Rekonva¬ 
leszenz bis zum 21. Tage fieberfrei, dann durch Thrombophlebitis 
gestört Nur neun entsprechende Fälle bisher beschrieben. Da 
sich in dem Carcinom ante operationem Reinkulturen von Strepto¬ 
coccen fanden, wurden besondere Vorsichtsmaßregeln zur Ver¬ 
hütung einer Infektion getroffen: Am Tage ante op. Formalin¬ 
tampon in die Vagina, trotzdem dahinter nach Streptococcen gefunden; 
unmittelbar vor der Operation wurde der Tumor mit Scheiden¬ 
schleimhaut übernäht, dann erst die Scheide desinfiziert. Trotzdem 
nach Eröffnung des Peritoneums in der Bauchhöhle noch Strepto¬ 
coccen; deshalb post operationem Durchspülung der Bauchhöhle 
mit 5 Liter Kochsalzlösung, Abfluss nach der Vagina; nach dieser 
Spülung keine Streptococcen mehr. Endlich bekam Pat. noch 
eine Injektion von Aronsonschem Antistreptococcenserum. Die 
Operation selbst war auffallend leicht auszuführen. 

Diskussion: Herr Bumm hat sich im vorliegenden Fall' 
trotz des Vorhandenseins der Streptococcen zum abdominalen Vor¬ 
gehen entschlossen, weil er bisher in allen Fällen von vaginaler 
Operation Recidive gesehen hat und nur radicale Carcinomoperationen 
für berechtigt hält. Er bestätigt die auffallende technische Leich¬ 
tigkeit der Operationen in der Gravidität. 

Herr Olshausen hält die Prognose der vaginalen Operation 
für doch nicht so schlecht; die früheren schlechten Resultate 
waren bedingt durch mangelhafte Technik. 

Herr Czempin fragt an, ob mit den Streptococcen Impf¬ 
versuche vorgenommen worden sind. 

Herr Liepmann: Derartige Impfversuche sind prinzipiell 
aufgegeben, weil der Ausfall der Tierversuche für die Beurteilung 
der Menschen-Virulenz nichts beweist. 

2. Herr Olshausen: Präparate. 

a) Adenokarzinom des Corpus uteri. Bemerkenswert 
an dem Fall ist einmal, dass die Trägerin der Geschwulst erst 
37 Jahre alt war und ferner, dass dieselbe trotz erheblicher 
Grösse so wenig Symptome machte, dass erst durch ein Probe- 
curettement die Diagnose gestellt werden konnte. 

b) Myom und Schwangerschaft. Myomatöser Uterus 
einer 42jährigen Patientin mit Foet. M. III. Exstirpation not¬ 
wendig, da der Tumor ein absolutes Geburtshindernis darstellte. 

c) Dickdarmcarcinom. Bei der Patientin, einer älteren 
Frau mit Unterleibsbesch werden, wurde ein Tumor in der linken 
Beckenhälfte diagnostiziert, der als Ovarialtumor angesprochen 
wurde. Bei der Operation stellte es sich heraus, dass es sich um 
ein Carcinom des Dickdarms mit starker Kotstauung, die trotz 
mehrtägigen energischen Abführens nicht behoben worden war, 
handelte. Resektion, Naht mit Catgut, Demonstrationen der dazu 
verwandten Darmklemmen mit Gummischutz. Glatte Rekonvalescenz. 

Diskussion: Herr Bumm fragt an, ob vorher nicht Blut 
oder Eiter im Stuhlgang gefunden worden ist. 

Herr Olshausen: Nein, es bestanden ausser starker Ob¬ 
stipation fast gar keine Symptome, die auf eine Darmerkrankung 
hätten schliessen lassen können. 


Herr Bumm glaubt, dass derartige Fälle relativ häufig zu 
Fehldiagnosen Anlass geben. Er selbst hat zwei ganz gleiche 
Fälle erlebt, die er auch irrtümlich für Ovarialtumoren gehalten 
hatte. Deshalb ist eine besonders sorgfältige Anamnese auf Blut¬ 
oder Schleimabgang wichtig. Die Naht des S. Romanum gilt als 
ganz besonders difficil und gefährlich. Er benutzt dieselben 
Klemmen, wie Herr 0., nur ohne Gummischutz. 

Herr Strassmann: Bei der Diagnose wird häufig der Uber 
dem - Tumor liegende, durch Kotstauung aufgetriebene Darmteil 
für den eigentlichen Tumor gehalten. Er berichtet über einen 
ähnlichen Fall von Gallertcarcinom bei einem 20jährigen Mädchen, 
wo die richtige Diagnose durch Verwendung des Rektoskops er¬ 
möglicht wurde. 

Herr Steffek berichtet über einen einschlägigen Fall, wo 
bei einem 19jährigen Mädchen die Diagnose aus einem zufällig 
am Tage vor der Operation abgehenden Tumorstückchen gestellt 
werden konnte. Erwähnenswert ist, dass die Patientin jetzt — 
nach 9 Jahren — noch gesund ist. 

Herr Mainzer hat in einem derartigen Fall, den er irrtümlich 
für einen Abscess gehalten hatte, das Missgeschick gehabt, bei 
vaginalem Vorgehen den Darm zu eröffnen. Er empfiehlt die 
Rektoskopie. 

Herr Czempin empfiehlt zur Sicherung der Diagnose einen 
von Körte angegebenen einfachen Kunstgriff, nämlich die Einführung 
eines ca. 40 cm langen Schlauches in das Rectum und den Darm, da¬ 
durch wird die Untersuchung der Darmausscheidungen, die der Arzt 
sonst häufig nicht zu sehen bekommt, ermöglicht. 

Herr Olshausen: Schlusswort. 

3. Herr Orthmann, Corpuscarcinome. Demonstration 
einer grösseren Anzahl Präparate von Corpuscarcinomen mit kurzer 
Angabe der wichtigsten klinischen Daten. Fünf Fälle sind vaginal 
operiert, davon drei mit Schuchardtschem Schnitt, vier abdominal. 
Mikroskopisch: sämtlich Adenocarcinome. Dreimal Komplikation 
mit Myom. Einmal doppeltes Carcinom (Corpus und Cervix). 

Diskussion: Herr Henkel, Herr Orthmann. 

II. Vortrag des Herrn Kownatzki. Ueber die Venen 
des weiblichen Beckens mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der puerperalen Venenunterbindung. (Mit 
Demonstrationen.) 

An der Hand einer Anzahl von Beckenvenen-Injektions- 
präparaten beschreibt K. nach einem kurzen Ueberblick über die 
Anatomie der Beckenvenen und die angewandte Injektions- und 
Untersuchungstechnik die einschlägigen Verhältnisse am normalen 
und graviden Körper unter besonderer Berücksichtigung der 
klinisch-operativen Gesichtspunkte. Die anatomischen Einzelheiten 
sind zu kurzem Referat ungeeignet. G. Z. 

AerztUcher Verein ln Hamburg. 

Sitzung vom 13. November 1906. 

Vorsitzender Herr Kümmell. 

I. Demonstrationen: 1. Herr Cordua (Harburg) stellt 
eine Patientin vor, die er wegen Carcinoms derPappilla 
duodenalis erfolgreich operiert hat. Es war Steinverschluss 
des Ductus choledochus angenommen worden, da alle Symptome 
hierfür sprachen: erst bei der Laparatomie zeigte sich, dass es 
um maligne Neubildung sich handele. Nach Exstirpation des 
Geschwürs wurde der Choledochus in das Duodenum geleitet, die 
Gallenblase entfernt, und eine Gastroenterostomie angeschlossen. 
2. Herr König (Altona) demonstriert eine Frau, bei der er wegen 
eines ausgedehnten enostalen Unterkieferepithelioms den 
halben Kiefer exartikuliert hatte, und bespricht im Anschluss daran 
die Frage des Kieferersatzes. Patientin trägt eine Prothese, die 
in funktioneller wie in kosmetischer Hinsicht tadellos ist, und die 
von ihr selbst ausgewechselt werden kann. 3. Herr Delbanco 
führt wiederum den schon einmal gezeigten Feuerwehrmann mit 
Sclerodermie vor, dessen Leiden trotz der Salicyltherapie 
Fortschritte gemacht hatte. Jetzt ist Vortr. zu Fibrolysin- und 
Thiosinamininjektionen übergegangen. 4. Herr Krieg spricht über 
seine Erfolge bei Scoliosenbehandlung mit dem Klappschen 
Kriech ve rfahren. ö. Herr Kümmell zeigt an der Hand 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


17 


eines einschlägigen Falles mehrere Röntgenaufnahmen von W irbel- 
kompressionsfrakturen, die häufig erst nach einiger Zeit 
Beschwerden machen. 6. Ferner spricht Herr Kümmell über 
den Erfolg von Thiosinamininjektionen bei Oesophagus- 
strictur in fünf Fällen; obwohl er anfangs dem Verfahren sehr 
skeptisch gegenüberstand, hat ihn das Resultat doch eines Besseren 
belehrt. 

IT. Dem am 10. November 1906 verstorbenen Medizinalrat 
des Hamburgischen Staates Herrn Dr. J. Reineke, der sich vor 
wenigen Monaten seiner angegriffenen Gesundheit wegen pen¬ 
sionieren liess, widmet Herr Kümmell einen warmen Nachruf. 

III. Vortrag des Herrn Hasebroek: „Ueber Arterio¬ 
sklerose und Gymnastik.“ (Autoreferat.) H. gibt zunächst 
die von ihm in früheren Arbeiten entwickelten Anschauungen über 
die Bedeutung der Gefasse für den normalen Kreislauf, speziell 
in Hinsicht auf die selbständige Aspiration der Peripherie gegen¬ 
über dem Herzen. Er berührt kurz die Tatsachen der Gefäss- 
histologie und Physiologie, und definiert die Arteriosklerose, 
funktionell betrachtet, als Schädigung und Ausfall des selbständigen 
Eigenbetriebes der Gefässe. Eine Kompensation schafft die Natur 
durch Erhöhung des Blutdruckes, die Selbständigkeit der Peripherie 
geht unter Umständen so weit, dass die Peripherie für ein erkranktes 
Herz eintreten kann, wofür H. besonders die Versuche Balints 
über fehlende Kompensationsstörungen bei phosphorvergifteten 
herzklappenkranken Tieren mit totaler Degeneration des Herzmuskels 
anführt. Die Abnutzungstheorie kann nach H. nur für die Organe 
Gehirn, Herz, Niere, Splanchnicusgebiet gültig sein, für den Kreis¬ 
lauf des motorischen Körpers kann diese Theorie bei der grossen 
Zahl Arteriosklerotiker aus den besseren Ständen unmöglich zu¬ 
treffen: denn hier ist es vielmehr Untätigkeit mit oder ohne 
Altersinvolution, welche den Eigenbetrieb darniederliegen lässt. 
H. führt den Körperkreislauf als Blitzableiter für die Abnützungs¬ 
schädigungen nervöser und toxischer Natur auf. Die vorhandenen 
Ausgleichstellen im Körperkreislauf zu trainieren, ist das Ziel der 
Gymnastik. Der Körperkreislauf ist ein Organ, welches durch 
Vernachlässigung leidet und durch Uebung aufgebessert werden 
kann! Solche Arteriosklerotiker hält H. für geeignet zur Gym¬ 
nastik. H. bespricht die Wirkung der Muskelarbeit auf die Puls- 
curve und den Blutdruck. Die Druckabnahme unter der Wieder¬ 
holung der Muskelarbeit ist ihm Beweis für die Trainierbarkeit der 
Körperkreislaufperipherie. Das Training bedeutet für den Arterio¬ 
sklerotiker Vergrösseru ng der Aspir ati onsbreite des 
Körperkreislaufes, resp. dessen Peripherie. Es findet 
ausserdem durch die Uebung eine Hebung der Toleranz 
gegen Blutdrucksteigerung statt. 

H. gibt alsdann Uebersicht über die verschiedenen Methoden 
der Gymnastik und betont die Vorzüge der Zanderschen Gymnastik, 
bei welcher ein automatisches Arbeiten von Bedeutung ist. Möglichste 
Automatik hält H. für notwendig bei der aktiven belasteten 
Bewegung, um den Gefahren einer Blutdrucksteigerung vor¬ 
zubeugen. Die Therapie ist zunächst prophylaktisch durch die 
Eliminierung der nervösen und toxischen Abnutzungsschädigungen 
durch gründliche Betätigung des Körperkreislaufes. H. meint, dass 
es vielleicht möglich sei, hierdurch die anatomische Sklerose zeit¬ 
lich hinauszuschieben. Für die Wirkung der Gymnastik bei aus¬ 
gebildeter Sklerose führt H. die Neurasthenie an, welche man 
neuerdings vielfach mit der Arteriosklerose und mit einer Blut¬ 
drucksteigerung in Verbindung bringt. Weitere Bemerkungen 
über Angina pectoris und Herzneurosen beschliessen den Vortrag 1 — 

Schönewald. 

Sitzung'vom 27. November 1906. ( 

Vorsitzender Herr Kümmell. 

I. Demonstrationen: 1. Herr Wiesinger stellt einen 
jungen Mann mit linksseitiger Scapularesection wegen Osteo¬ 
myelitis vor, deren funktionelles Resultat ausgezeichnet ist. 2. 
Herr E. Franke spricht über anormale Trichromas ie und gibt 
die neuen Nagelschen Tafeln zur Diagnosensicherung herum. 3. Herr 
Rudolph demonstriert einen jungen Schlachter, bei dem sicher eine 
Tuberkuloseübertragung vom Tier stattgefunden hat. Er 
verletzte sich bei seiner Arbeit, die Wunde wollte sichnicht schliessen: 
durch das Röntgenbild wurde ein tuberkulöser Käseherd am 


vierten Metacarpus festgestellt. Pat. stammte aus völlig gesunder 
Familie und war selbst nie krank gewesen. 4. Herr Arning zeigt 
unter dem Mikroskop lebende Spirochaeten im hängenden 
Tropfen, die er aus einem Primäraffect gewonnen hat. Spirochaeten 
im Ausstrichpräparat aus syphilitischen Produkten, besonders aus 
Primäraffecten nachzuweisen, ist einstweilen noch sehr schwierig. 
Gefärbte Spirochaetenpräparate werden jetzt schon in einer Viertel¬ 
stunde hergestellt, so dass die Diagnosenstellung auf Lues beschleunigt 
wird. 

IT. Vortrag des Herrn Simmonds: Ueber Form und 
Lageanomalien des Magens. (Autoreferat.) 

Vortr. berichtet unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder über 
seine durch photographische Aufnahmen des Bauchsitus bei Sektionen 
gemachten Erfahrungen über normale und pathologische Form und 
Lagerung des Magens. Er kommt zum Schluss, dass es nicht eine 
normale Magenform gibt, sondern zahlreiche verschiedene, dass die 
vertikale Stellung in allen Altersstufen weit überwiege , dass die 
von Holz kn echt als pathologisch bezeichnete hakenförmige Form 
der Pars pylorica ebenfalls eine normale sei, da sie schon im 
Säuglingsalter, gelegentlich sogar bei starker Schleimfüllung beim 
Neugeborenen anzutreffen sei. Er weist ferner auf das Empor¬ 
klappen des Magens durch stärkere Darmfüllung hin, wobei die 
hintere Magenfläche zur unteren werde. Das sei sehr häufig im 
Kindesalter. Der Magen nimmt diejenige Stellung ein, welche ihm 
die übrigen Eingeweide und der Gegendruck der Bauchdecken an¬ 
weisen. Ist der Raum durch einen abnorm schmalen, sogen, 
paralytischen Thorax, durch Tiefstand des Zwerchfells, durch 
Schnürwirkung eingeengt, und kommt dazu Schlaffheit der Bauch¬ 
decken, die beim weiblichen Geschlecht, zumal nach'Geburten, so 
häufig ist, hinzu, so erfolgt eine dauernde Verlagerung des Magens 
nach abwärts, die Gastroptose. Am häufigsten ist der ptotische 
Magen überdehnt, öfter gleichzeitig auch der Anfangsteil des Duo¬ 
denums infolge Abknickung desselben an der Grenze zwischen dem 
beweglichen, oberen, horizontalen und dem vertikalen, fixierten 
Abschnitt. Bei älteren Individuen begegnet man oft nur partiell 
gedehnten oder auch ganz engen, darmähnlichen ptotischen Magen. 
Bei diesen steht in der Regel die kleine Kurvatur besonders tief, 
das Pankreas liegt dabei in grosser Ausdehnung frei vor, ist intra 
vitam palpabel. Man kann von einer ausgesprochenen Gastroptose 
reden, wenn der Pylorus oder die kleine Kurvatur oder beide 
abwärts von einer normal geformten Leber bei Eröffnung der 
Bauchhöhle vorliegen. Eine Verlagerung der Kardia kommt bei 
Gastroptose nur dann vor, wenn das Zwerchfell tief steht. Es 
gibt aber auch Gastroptosen bei Zwerchfellhochstand, so bei 
phthisischen Frauen mit Retraktion der Lungen und Obliteration 
der Pleurahöhlen. Bei Verwachsung des Pylorus mit der Leber¬ 
pforte kann trotz exquisiter Ptose der Pylorus in normaler Höhe 
bleiben. Dann haben wir eine Gastroptose, die sich nur durch 
Verlagerung der kleinen Kurvatur dokumentiert. Die höchsten 
Grade von Gastrektasie neben Ptosis hat Vortr. bei kyphoskoliotischen 
Individuen gesehen und ferner dort, wo sekundär eine Krebs- 
striktur am Pylorus sich entwickelt hatte. In manchen Fällen 
wird die Ptosis durch Zugwirkung eines verlängerten dislocierten, 
schweren Colon oder durch Netztumoren und Hernien gefördert. 
Hand in Hand mit der Gastroptose geht oft eine Senkung des 
Colon transversum, welche denselben Schädlichkeiten wie die des 
Magens ihre Entstehung verdankt. Doch kommen für die Ent¬ 
stehung der Coloptose noch angeborene Anomalien des Colon, 
abnorm langes, schlaffes Lig. gastrocolicum, abnorme Länge und 
Schlingenbildung dieses Darmteiles in Betracht. Mäßige Grade 
von Coloptosis sind daher schon beim Kinde zu finden, während 
Gastroptosis in diesem Alter nicht vorkommt. Klinisch weniger 
wichtig sind die Verlagerungen des Magens durch abnorm gelagerte 
Schlingenbildung des Colon transversum. Oft ist der Magen nach 
rechts verdrängt durch eine zwischen Rippen und Magen ein¬ 
gelagerte bewegliche oder durch Adhaesion fixierte Colonschlinge. 
Gelegentlich kann sich eine solche Schb'nge zwischen Zwerchfell 
und einen ptotischen engen Magen von oben her einschieben. Am 
häufigsten aber ist die Ueberlagerung des Magens durch ein ver¬ 
längertes, geschlungenes Colon, so dass bei Eröffnung der Bauch¬ 
höhle der Magen nicht sichtbar ist. Dabei kann auch der linke 
Leberlappen mit vom Colon überlagert sein. Auch Ueberlagerung 
des rechten Leberlappens durch das Colon ist nicht selten. Alle 


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18 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr 2. 


diese Magenverdrängungen machen wahrscheinlich keine Erschei¬ 
nungen, sie bieten nur der physikalischen Diagnostik Schwierig¬ 
keiten. 

TTT . Diskussion über den Vortrag des Herrn Hasebroek: 
„Arteriosklerose und Gymnastik“. Nach einigen kurzeu 
Bemerkungen des Herrn Raether bespricht Herr Hasebroek 
noch den grossen Wert der dosier- und kontrollierbaren Zander- 
Apparate. Schönewald. 


Periodische Literatur. 

Münchener med. Wochenschrift. Nr. 47. 1906. 

1. Cloetta, Zürich: lieber die Comulativwirkung der Digi¬ 
talis. 

Vergleichende Tierexperimente mit Digitoxin und Digalen er¬ 
gaben das überraschende Resultat, das mit klinischen Erfahrungen 
übereinstimmt, dass das kristallinische Digitoxin eine cumulative 
Wirkung hat, das Digalen dagegen nicht. Zur Erklärung dieser 
Differenz konnte bei der Gleichheit der Elementaranalyse, der 
.Farbenreaktionen, der Abbauprodukte für beide Substanzen nur 
noch die Moleculargrösse herangezogen werden. Nach den Be¬ 
stimmungen dieser kommt dem kristallisierten Digitoxin die 
Formel CzsHieOio, dem Digalen die Formel Cu H»s Ob zu, wo¬ 
bei es als wahrscheinlich anzusehen ist, dass die letztere die ur¬ 
sprüngliche Digitoxinformel ist und offenbar bei der Kristalli¬ 
sation zwei Moleküle zusammentreten. Bis wurden nun Versuche 
angestellt, um zu sehen, ob in den verschiedenen Molecülgrösseu 
die Ursache der Cumulativwirkung zu suchen sei. Diese ergaben 
mit Deutlichkeit, dass die Grösse des Moleculargewichts nicht 
maßgebend ist für den Eintritt der Cumulation; welche andern 
Faktoren denselben bestimmen, ist zur Zeit nicht zu überblicken; 
sicher erscheint nur, dass das einmal kristallisiert gewesene Prä¬ 
parat die Giftwirkung auslöst. Für die Beantwortung der Frage, 
unter welchen Umständen die Digitalis cuinulativ wirkt, erscheinen 
diese Resultate von Wert. Die praktische Erfahrung, dass die 
ganz frischen Digitalisblätter fast nie cuinulativ wirken, und die 
Tatsache, dass das kristallisierte Digitoxin dies mit einer gewissen 
Regelmäßigkeit tut, das Digalen dagegen nicht, erlauben die 
Folgerung, dass das Digalen das Digitoxin in dem Zustande dar¬ 
stellt, wie es sich in den frischen Blättern findet. Cumulative 
Wirkung an Folia digitalis wären danach in der Weise zu er¬ 
klären, dass in derselben eine Ueberführung des Digalens in einen 
dem kristallisierten Digitoxin analogen Zustand stattgefunden hat. 
Die Cumulativwirkung ist somit keine notwendige Eigenschaft der 
Digitalis, sonst müsste sie das Digalen auch aufweisen; vielmehr 
ist ihr Auftreten an bestimmte Umstände und Veränderungen der 
Blätter gebunden. Weiteren Untersuchungen muss es Vorbehalten 
bleiben, Anhaltspunkte dafür zu gewinnen, ob eine bestimmte 
Blättersorte bereits in dieses unzuverlässliche Stadium einge¬ 
treten ist. 

2. Hamburger, Wien: Ueber die Oberflächenwirkung des 
Perkussionsstosses. 

Bezüglich der Entstehung des Perkussionsschalles akzeptiert 
H. die, eine Vereinigung der Williamschen und Skodaschen Lehre 
darstellende Erklärung Mazonns, nach der der Perkussionsschall 
hervorgerufen wird durch die Schwingungen der Brustwand und 
durch die dadurch sekundär bedingten Schwingungen der Lungen¬ 
luft, wobei die besondere Bedeutung der unbehinderten Schwiug- 
ungsfähigkeit der Brustwand betont wird. Weiter schliesst er 
sich Weil darin an, dass die Intensität des Perkussionsschalles 
nicht nur von der Schwingungsamplitude, sondern auch von der 
Schwingungsmasse abhängt, unter der die Gesamtheit der in 
schallgebende Schwingungen versetzten Anteile der Brustwand, 
des Lungengewebes und der in ihr enthaltenen Luft zu verstehen 
ist. Die Schwingungsmasse hängt wiederum ab von der Intensität 
des Perkussionsschlages. Hierbei kommt aber nicht nur, wie 
Weil annahm, eine Tiefenwirkung in Betracht, sondern auch eine 
Oberflächen Wirkung. Deren Bedeutung wird genauer erläutert 
und besonders gezeigt, wie die relative Leber- oder Herzdämpfung 
entsteht, wenn ein Teil des supponierten Erschütterungskreises 


dürch die in ihn hineinfallende Leber (resp. Hers) am Schwingen 
verhindert wird. Mit dem Uebergreifen der ideellen Erachütte- 
rungskreise von der einen Thoraxhälfte auf die andere, sind leicht 
die paravertebralen und parasternalen Perkussionserscheinungen 
bei Pleuritis zu erklären. Die Berücksichtigung der Oberflächen¬ 
wirkung des Perkussionsstosses ist praktisch von grosser Wichtig¬ 
keit besonders für die Untersuchung des kranken Kindes. Die 
grössere Elastizität und die daduroh erhöhte Schwingungsfohig- 
keit der kindlichen Thoraxwandung bedingen beim Kinde eine 
viel grössere Wirkungssphäre des Perkussionsstosses. Das ist bei 
Beurteilung der Untersuchungsresultate zu beachten, und weiter 
sind Fehler zu vermeiden, die durch künstliche Schwingungsbe¬ 
hinderung der Brustwand bedingt werden, dadurch, dass die 
stützende Hand der Mutter auf dem Thorax des Kindes ruht, 
oder dieses sich mit der Brustwand gegen die Mutter lehnt. 

3. Lichtenberg, Heidelberg: Experimenteller Beitrag 
zur Frage der Entstehung der Pneumonie nach Varkosen. 

Die Experimente wurden an Kaninchen angestellt und 
durch besondere Vorrichtungen mit Verwendung des Roth-Dräger- 
schen Apparates Narkosezeiten bis zu 7 V» Stunden erreicht, eine 
Zeitdauer, welche die bisher bei Narkoseexperimenten an diesen 
Tieren verzeichneten Zeiten aufs vielfache übertrifft. Die Tiere 
wurden entweder gleich nach der Narkose, oder 1—2 Tage später 
durch Verblutung, Nackenschlag oder elektrischen Schlag getötet. 
Die Experimente ergaben, dass bei Kaninchen näoh Chloroform¬ 
inhalation tiefgehende Lungenveränderungen angetroffen werden, 
welche innerhalb 48 Stunden zu einer typischen lobulären Pneu¬ 
monie führen können. Die Veränderungen finden sich, ob man 
Chloroformdämpfe mit Luft oder ob man sie mit Sauerstoff ge¬ 
mischt einatmen lässt. Als das ursächliche Moment muss man 
die direkte schädigende Wirkung der Chloroformdämpfe auf die 
Alveolarepithelien annehmen. Die Quellung und Abstossung der 
verfetteten Epithelien, Blutungen in die Alveolen sind die un¬ 
mittelbaren Folgen der Schädigung. Dadurch werden die ein¬ 
zelnen Bronchiolen verstopft, und so entstehen überall auf der 
Lunge zerstreut kleine atelektatische Herde. Ein Teil der Atelek¬ 
tasen dürfte auch auf Aspiration zurückzuführen sein; diese Atelek¬ 
tasen sind a priori als infiziert zu betrachten, während die durch 
Schädigung der Chloroformdämpfe entstandenen nur leicht infizier¬ 
bare Puncta minoris resistentiae darstellen. Die durch die schädi¬ 
gende Wirkung des Narcoticums entstandenen Veränderungen 
der Lungen sind als ernste Komplikation der Betäubung zu be¬ 
trachten, und die Narkose muss für die grösste Mehrzahl der post¬ 
operativen Lungenveränderungen verantwortlich gemacht werden. 
Die Hoffnung, durch Mischung der eingeatmeten Chloroformdämpfe 
mit Sauerstoff die Entstehung der Lungenveränderungen irgend¬ 
wie vorteilhaft beeinflussen zu können, erscheint nach den Experi¬ 
menten nicht berechtigt. 

4. Schmieden, Bonn: Ueber die Cirrhoee des Pankreas. 

Zwei Fälle mit annähernd gleicher Anamnese und gleichem 
Befund: Abmagerung, heftige Kolikattaquen, fühlbarer, harter, 
höckeriger, druckempfindlicher Tumor, der Lage des Pankreas 
entsprechend. Die Wahrscheinlichkeitsdiagnose eines chronischen 
Krankheitsprozesses am Pankreas findet eine Stütze in der deut¬ 
lichen Verlangsamung der Sahlischen Glutoidreaktion. Die Probe¬ 
laparotomie ergibt im einen Falle Carcinom des Pankreaskopfes, 
im andern hochgradige Cirrhose des Organs; hier tritt nach einer 
ausgedehnteren Excision Heilung ein. 

5. Blum, Strossburg: Ueber die diagnostische Bedeutung 
der Angina typhosa ulcerosa. 

In einer nicht geringen Zahl von Typhusfüllen lässt sich eine 
eigenartige ulceröse Angina beobachten; die Geschwüre sind flach, 
ovalär, mit leicht aufgeworfenem Rande; die Geschwürsfläche er¬ 
scheint gelblich, blutet nach dem Abstreichen, zeigt keine Mem¬ 
branbildung; der Sitz ist meist an den vorderen Gaumensegeln, 
weichem Gaumen, Uvula. Von mancher Seite werden diese Ulcera- 
tionen für typhöse angesprochen und eine derartige Angina als 
sicheres Typhussymptom betrachtet. B. selbst vertrat diese An¬ 
sicht, bis ihn zwei Beobachtungen zur Aufgabe derselben zwangen. 
Es handelte sich um einen Fall 'von exsudativer Pleuritis und 
einen Fall von akuter Miliartuberkulose, bei denen sich die An¬ 
gina in ihrer charakteristischen Form fand. Die mikroskopische 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


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Untersuchung nach der Autopsie im zweiten Falle ergab, dass es 
sich um einfach katarrhalische Geschwüre handelte. Durch diese 
mangelnde Spezifizität ist die Deutung der Entstehung der Ge¬ 
schwüre und ihres häufigen Vorkommens beim Typhus abdominalis 
sehr erschwert; vielleicht handelt es sich um sekundäre Infek¬ 
tionen; hierdurch würde das Vorkommen der Uloerationen auch 
bei andern Erkrankungen seine Erklärung finden und ebenso das 
gehäufte Auftreten der Affektion bei manchen Epidemien und zu 
manchen Jahreszeiten. In praktischer Beziehung ergibt sich, dass, 
so wichtig auch die Angina ulcerosa typhosa für die Diagnose 
des Typhus ist, in Einzelfällen das Symptom nioht den Ausschlag 
geben und die Diagnose sichern kann. 

6. Goett, Seelisberg: lieber auffallende Resultate der Blut- 
Untersuchung bei Nervösen. 

Bei vier jungen Männern mit ausgesprochenen neurastheni- 
schen Symptomen ergab die Blutuntersuchung bei völlig oder 
nahezu normalem Haemoglobingehalt eine ausserordentlich geringe 
Anzahl von roten Blutkörperchen, während das mikroskopische 
Bild sonst normale Verhältnisse aufwies. Zur Erklärung dieses 
auffallenden Befundes zieht G. Nerveneinflüsse heran, die in kurzer 
Zeit die Blutzusammensetzung beträchtlich zu verändern imstande 
sind. Boi nervösen Individuen mag schon die Vorbereitung zur 
Blutuntersuchung eine psychische Erregung hervorrufen können, 
die eine Einwirkung auf das Vasomotorenzentrum bedingt; durch 
diese kann es zu einer raschen Erweiterung der Capillaren in dem 
betreffenden Hautbezirk kommen, wobei der Blutdruck sinkt; in¬ 
folgedessen wird der Druck der die Capillaren umgebenden Flüssig¬ 
keit grösser als jener der die Capillaren erfüllenden; Gewebs¬ 
flüssigkeit dringt in die Capillaren und mischt sich mit dem 
Blute; dadurch wird das Blut verdünnt, und der aus der Stich- 
wande fliessende Tropfen enthält weniger Erythrocyten. Auffallende 
Blutbefunde bei deutlich nervösen Individuen können also nicht 
unbedingt im Sinne von wirklichen pathologischen Veränderungen 
des Gesamtblutes gedeutet werden. Anaemien und Polycythae- 
mien können durch Nerveneinflüsse vorgetäuscht werden. Eine 
sichere Entscheidung kann nicht die Blutkörperchenzählung, son¬ 
dern nur das mikroskopische Präparat geben. 

7. Weber, Göttingen: Das Isolierzimmer der kleinen 
Krankenhäuser. 

Die Beschränkung der Isolierung namentlich frischer Geistes¬ 
kranker auf ein Minimum wird für notwendig erachtet. Wenn 
auch demgemäß für die grossen Irrenanstalten der Ersatz der 
Isolierzimmer durch Wachsäle zu fordern ist, so wird doch für 
kleinere Krankenhäuser das Isolierzimmer als Notbehelf anzuer¬ 
kennen sein. Welche Anforderungen an ein solches in Bezug auf 
Grösse, Wandung, Fussboden, Fenster, Lüftung, Tür, Heizung, 
Einrichtung zu stellen sind, wird eingehend erörtert. 

8. Lameris, Utrecht: Ueber angeborene Ankylose der 
Fingergelenke. 

9. Goldflam, Warschau: Ein Fall von kongenitaler, fami¬ 
liärer Ankylose der Fingergelenke. 

An der Hand von Röntgenbildern werden diese seltenen Miss¬ 
bildungsfälle besprochen. 

10. Franze, Nauheim: Zur Teohnik der Orthodiagraphie: 
Eine durchsichtige Zeichenebene. 

Hinsichtlich der Methodik der Orthodiagraphie verdient die 
Projektion auf eine unabhängige Ebene den Vorzug vor der Pro¬ 
jektion auf die Brusthaut des Patienten. Zur Umgehung der 
Schwierigkeit, dabei anatomische Merkmale der Thoraxoberfläclie 
mit in die orthodiagraphische Zeichnung zu bekommen, empfiehlt 
F. die Verwendung von durchsichtigen Projektionsebenen aus 
Celluloid. Auf diese zeichnet man erst die Linien, die man in 
das Orthogramm übertragen will, Mittellinie, untere Thoraxapertur 
etc., setzt dann den Röntgenapparat in Betrieb und zeichnet das 
Orthodiagramm. Das Resultat ist, dass man letzteres mit den 
andern Linien (eventuell mit Perkussionsfigur) zusammen in einem 
Bilde erhält, von dem man durch Durchpausen beliebige Weiter¬ 
übertragungen an fertigen kann. 

11. Jung, Zürich: Die Hysterielehre Freuds. Eine Erwide¬ 
rung auf die Aschaffenburgsche Kritik. 


Dieselbe gipfelt in folgenden Sätzen: Es ist noch nie nach¬ 
gewiesen worden, dass Freuds Hysterielehre in allen Fällen ein 
Irrtum ist. Diesen Nachweis kann logischerweise nur der er¬ 
bringen, der die psychoanalytische Methode beherrscht. Es ist 
nicht nachgewiesen, dass die Psychoanalyse andere Resultate er¬ 
gibt, als diejenigen Freuds. Es ist nicht nachgewiesen , dass die 
Psychoanalyse auf verfehlten Prinzipien beruht und überhaupt un¬ 
tauglich ist zum Verständnis hysterischer Symptome. 

12. Riehl: Makroskopische Asthmaspiralen. (Schluss aus 
Nr. 46.) 

Vier Fälle werden mitgeteilt, die folgendes Gesamtbild der 
Erkrankung aufwiesen: Beginn gewöhnlich mit Allgemeinerschei¬ 
nungen als Vorboten, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Unwohlsein, 
event. leichtes Fieber; weiter Husten, Auswurf, Schmerzen in der 
betreffenden Brusthälfte und Atemnot. An objektiven Symptomen 
finden sich ausser leichter Erregbarkeit des Nervensystems ein 
leichter Grad von Blähung der betroffenen Lunge, feuchtes 
Rasseln, mit Atemnot verbundene schwere Expektoration; Giemen 
und Rhonchi fehlen; das Sputum gleicht dem Asthmasputum; es 
enthält massenhaft eosinophile Zellen, keine Charcot-Leydenschen 
Kristalle, vereinzelt kleine Spiralen und als bemerkenswertesten 
Befund Riesenspiralen. Die grösste war 24 cm lang, mit einer 
Flächenausbreituug am Ende von 3 — 3,5 cm. In solcher Grösse 
sind Spiralen bisher noch nicht beschrieben. Die Struktur ist die 
typische der Asthmaspirale. Im Anfang liess sich ein feiner 
spiraliger Bau deutlich erkennen, der im weiteren Verlauf von 
einer beträchtlichen Schleimschicht aufgenommen wird, die als 
Mantelspirale in grossen Windungen den Zentralteil mit Zentral¬ 
faden umgibt; gegen das Ende zu fasert sich die Mantelspirale 
in einzelne nebeneinander verlaufende, oder büschelförmig sich 
ausbreitende Schleimzüge auf. Die beschriebene Form des Asth¬ 
mas ist als eine leichtere Erkrankung zu betrachten. Dass es 
sich dabei um eine eigene Erkrankungsform des Respirations- 
traktus handele, ist nicht anzunehmen; wohl aber dürfte die Er¬ 
krankung in der mitgeteilten Form, mit den vom gewöhnlichen 
Bilde abweichenden Erscheinungen als eine Variante des Bronchial¬ 
asthmas, als ein auf vereinzelte grössere Bronchialäste und deren 
nächste Umgebung lokalisiertes, isoliertes Asthma anzusprechen 
sein, eine Form, die bis jetzt noch nicht genügend erkannt und 
beschrieben war. 

Deutsche med. Wochenschrift. Nr. 48. 1906. 

I. A. Neisser, C. Burek und A. Schluch t: Diagnostische 
Gewebs- und Blntnntersnchnngen bei Syphilis. 

Durch die Komplementablenkung gelingt es, in Organextrakten 
und Körpersäften einerseits das Vorhandensein gelöster Bakterien¬ 
substanzen, andrerseits die Anwesenheit der vom Körper erzeugten 
spezifischen Antikörper nachzuweisen. Ein sogenanntes haemo- 
lytisches System wird mit dem spezifischen Antigen - Antikörper¬ 
gemisch wieder gemischt, wobei „Antigen“ der spezifische, von den 
Krankheitserregern gelieferte, den „Antikörper“ erzeugende Krank¬ 
heitsstoff ist; je nach dem Auftreten oder Ausbleiben der Haemo- 
lyse ist die Reaktion positiv oder negativ. Diese Methode haben 
Verfasser zu ihren umfangreichen Versuchen benutzt, indem sie 
ein Syphilisantigen aus spirochaetenhaltigem Gewebe herstellten 
— über Reinkulturen verfügt man nicht — und das Immunseram, 
nach Analogie anderer Sera, an Affen. 

Sie kommen zu dem Resultat, dass für praktisch-diagnostische 
Zwecke wichtig wäre, die Untersuchung von I. Gewebsextrakten 
von Organen, Foeten und Kindern, von Plazenten, exstirpierten 
Drüsen, Neubildungen mit fraglicher Syphilis. 

II. Blutextrakten und Sera von Patienten, deren Syphilis ent¬ 
weder überhaupt noch nicht sicher feststeht, weil die Infektion 
soeben erst erfolgt ist, oder schon sehr lange zurückliegt, oder 
die Syphilissymptome unklar aber verdächtig sind und die 
Anamnese nichts Belastendes ergibt, oder aber von Patienten, 
deren Lues bekannt ist, wo aber ein Anhaltspunkt gewonnen 
werden kann, ob man noch mit der Krankheit rechnen muss oder 
eine Heilung annehmen darf. 

Eine positive Antigen-Reaktion ist so zu deuten, dass Syphilis¬ 
parasiten noch im Körper existieren, eine positive Antikörper- 
Reaktion, dass zu irgend einer Zeit — entweder gegenwärtig oder 


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MEDIC1NISCHB WOCHE. 


Nr. 2. 


früher — der Körper Syphilisparasiten beherbergt hat. Anti¬ 
körper-Reaktion kann sich zeigen bei noch bestehender, aber auoh 
vermutlich schon abgelaufener Krankheit. Fälle mit Antigen- 
Reaktion wird man stets behandeln, mit Antikörper-Reaktion nur, 
wenn sie bisher nicht behandelt waren, oder wenn sie unklare, auf 
Lues verdächtige Symptome aufweisen, wo also die Antikörper- 
Reaktion die klinische Diagnose stützt. Negative Reaktion kommen 
bei sicheren klinischen Diagnosen nicht in Betracht, auch nicht 
für die Behandlung: aber erneute“Untersuchungen in längeren 
Zwischenräumen sind angezeigt. 

2. Schlimpus, Dresden: Pathologiach-aiiatomische Befand« 
an den Angen bei zwei Fällen von Lues congenita. 

Besonders hervorzuheben ist eine Conjunctivitis gummosa der 
Lider bei einem viermonatlichen Foetus. Die histologische Unter¬ 
suchung zeigt in den beiden Fällen, dass eine, besonders in der 
Nähe der Gefässe bemerkbare und das interstitielle Gewebe bevor¬ 
zugende Endzündung vorliegt, die aber nicht gleichmäßig alle 
Organe befallen hat, sondern für einige eine gewisse Vorliebe hat, 
wie die Chorioidea und hauptsächlich die Muskeln. Spirochaeten 
waren spärlich nachzuweisen, von Ueberschwemmungen, wie sie in 
der Milz, Leber, Nebenniere oder am Darm Vorkommen, war hier 
nicht die Rede; vielleicht ist die Annahme gerechtfertigt, dass das 
Auge nicht zu den von den Spirochaeten bevorzugten Organen 
gehört oder dass der von Symmonds vermutete Anreicherungs- 
vorgang im Auge nicht so gut von statten geht. Weniger im 
Blut, als vielmehr in den Gefässwänden und deren Nachbarschaft 
wurden die Spirochaeten gefunden; eine Conjunctivitis gummosa, 
Dacryoadenitis und Myositis der äusseren Augenmuskel waren 
durch sie als spezifisch sichergestellt, obwohl die Tränendrüse 
lauge Zeit als immun gegen Syphilis galt, bis Alexander u. a. 
anatomisch und klinisch das Gegenteil feststellen konnten. Nach 
Antonelli schielt mehr als die Hälfte aller an Syphilis hereditaria 
leidender Kinder, was wohl nicht zutrifFt; aber die hier gefundene 
Myositis stützt die Ansicht, dass in manchen Fällen die Ursache 
für das Schielen bei Lues congenita ausschliesslich oder gleich¬ 
zeitig am peripherischen Muskel zu suchen Ist. 

3. B a b, Berlin: Spirochaetenbefunde im menschlichen Ange. 

Auf dem Wege der Blutbahn überschwemmen 'die Spiro¬ 
chaeten das Auge. Am reichlichsten finden sie sich in der 
Chorioidea, weiter im Irisstroma, in der Sklera und in den tiefem 
Schichten der Cornea. Im Opticus liegen sie hauptsächlich in 
der Nähe der Gefässe, dringen zwischen die Nervenbänder vor, 
um hier und da auch selbst in die Nervensubstanz zu gelangen. 
Die Wandungen der Retinagefässe und deren nächste Umgebung 
bleiben auch nicht frei. Von der Sklera aus gelangen sie in die 
äusseren Augenmuskeln und scheinen sich in die Muskelfasern 
einzubohren. Auf dieser Grundlage lassen sich leicht die schweren 
syphilitischen Prozesse des Auges erklären. Glaskörper und Linse 
blieben frei nach den Untersuchungen des Verfassers. Er betont 
besonders, dass seine Befunde die Behauptung von Sahling 
endgültig widerlegten, dass die Silberspirochaeten überhaupt keine 
Mikroorganismen, sondern Nervenendigungen seien; denn Spiro¬ 
chaeten fanden sich überall frei im Blute, ausserdem in derartigen 
Klumpen, z. B. in der Chorioidea, dass es sich unmöglich um 
Nervengebilde handeln kann, und bei Kontrollversuchen an nicht 
syphilitischen Augen sind niemals spirochaetenähnliche Gebilde 
gefunden. 

4. Stadelmann, Berlin: Die Behandlung des Typhös ab¬ 
dominalis. (Schluss aus Nr. 47.) 

II. Die antipyretisch wirkenden Arzneimittel. 

Sie können die Bäderbehandlung nicht ersetzen, am besten 
lässt man sie regelmäßig fort. Kalomel ist nur einen einzigen 
Tag zu geben, Antipyrin hat unangenehme Nebenwirkung auf 
den Magen, PhenacetiD ist giftig, Laktophenin und Pyramidon 
werden von manchen sehr gelobt, der Verlauf des Typhus soll 
sich dadurch leichter gestalten und abgekürzt werden. Verfasser 
kann dies nicht bestätigen, hohe Temperaturen kommen trotzdem 
vor, Erbrechen, Appetitlosigkeit trat ein, und vor allem sehr 
schwächende Schweisse. Die Salze des Pyramidon hatten keine 
bessere Wirkung. Das beste aller Antipyretica ist das altbewährte 
Chinin, 1—1,5 g einen Tag um den anderen gegeben und zwar 
am vorteilhaftesten vormittags gegen 1 oder 2 Uhr, weil dann 


die Hauptwirkung zwischen 4—5 Uhr zu erwarten ist, kurz vor 
dem Auftreten der höchsten Temperatur. Aber wegen seiner 
Nebenwirkungen, Ohrensausen, eines gewissen Rausches, Schwer¬ 
hörigkeit, Unbehagen, Tremor, ja sogar Kollapszustände, bleibt es 
am besten ebenfalls fort. 

Was die Störungen von seiten der verschiedenen Organe und 
ihre Behandlung anbetrifft, so werden die Erscheinungen von 
seiten des Zentralnervensystems, wie Unruhe, Delirien, Schlaflosig¬ 
keit usw. durch die Bäder und eventuell leichte Morphiuminjektionen 
günstig beeinflusst; Zirkulationsstörungen erheischen die grösste 
Sorgfalt, vor allem die gefürchtete Herzschwäche ist mit allen 
möglichen Exzitantien zu bekämpfen, Kampferöle haben sich be¬ 
währt, Aether ist unsicher in seiner Wirkung; die Anwendung 
subcutan schmerzhaft, Alkohol vermeidet man besser gänzlich. 
Coffein und seine Salze sind gut brauchbar, Digitalis und Stro- 
phantus lassen im Stich. Besondere Berücksichtigung verlangt 
auch der Tractus intestinalis. Bei starken Diarrhoeen ist Tct. opii 
in Klystieren von guter Wirkung, ebenso bei Meteorismus; auch 
die Wismuthpräparate sind recht brauchbar dabei, Eisblase oder 
Priessnitzsche Umschläge, Einlegen eines Darmrohres zeitigen 
oft günstige Resultate. Vor Darmpunktion bei Meteorismus warnt 
Verfasser dringend. Bei Darmblutungen ist äusserste Ruhe nötig 
und jede IteizuDg des Darmes zu vermeiden, Eisblase, Eispillen, 
kalter Tee sind erforderlich. Von Medikamenten kommt Plumbum 
aceticum, Secale, Stypticin und Gelatineinjektion in Frage. Eisen¬ 
chlorid hat keine Wirkung, ebenso lässt Adrenalin-Anwendung 
zuweilen im Stich. Gegen das profuse gefahrvolle Nasenbluten 
ist Tamponade von aussen und innen notwendig. Die Prog¬ 
nose bei Darmperforation ist absolut ungünstig. Sehr selten er¬ 
folgt Spontanheilung. Pneumonien und Decubitus verlangen die 
übliche Behandlung, Niere und Blase sind aufmerksam zu beob¬ 
achten, Typhusbacillen sind oft in ungeheuren Mengen im Urin 
nachweisbar. Nachschübe und Typhusrecidive erfordern die 
gleiche Behandlung wie der Typhus selbst. Das Bestehen der 
Milzvergrösserung weist darauf hin, dass ein Recidiv droht. Nach 
Abfall des Fiebers ist acht Tage lang nur flüssige Diät erlaubt, 
dann sind Zusätze, wie Zwieback, Reis etc. erlaubt, nach vier¬ 
zehn Tagen geschabtes oder gehacktes Fleisch, nach drei Wochen 
kehrt man allmählich zur gewohnten Nahrung zurück. Nach vier¬ 
zehn Tagen, seit der Entfieberung, darf der Patient zum ersten 
Male frühestens aufstehen. Eine mehrmonatliche Erholung ist dann 
notwendig. 

5. Schellenberg, Beelitz i. M.: Erfahrungen über die 
Behandlung der Obstipation, besonders der chronischen habi¬ 
tuellen Form, mit Regulin und Pararegulin. 

Regulin besteht aus Agar-Agar, an das eine kleine Menge 
wässerigen entbitterten Cascaraextractes (25%) fest gebunden ist, 
Pararegulin aus Paraffinum liquidum mit einer kleinen Menge 
Cascaraextractes (10%); seine Wirkung soll milder sein. Schmidt 
und Voit haben mit diesen Präparaten gute Erfolge bei Ostipation 
erzielt, Mollweide solche bei Darmatonie. Verfasser glaubt 
nach seinen Erfahrungen beide Präparate gegen chronische Obsti¬ 
pation, besonders gegen mittelschwere Formen, die nicht allzulange 
bestehen, empfehlen zu können, wenn es auch öfters, genau so wie 
alle anderen Behandlungsmethoden, versagt. Ein Vorzug ist das 
Fehlen jeder Belästigung. In manchen Fällen ist eine Kombination 
beider Mittel vorteilhaft, oft ist Massage, Elektrizität und Hydro¬ 
therapie zu Hilfe zu nehmen. 

6. Dünnwald, Wiesdorf a. Rh.: Heber die Verwendung 
von Isopral in der Geburtshilfe und Gynaekologie, zugleich ein 
Beitrag zur rektalen Narkose. 

Isopral in den leeren Magen oder in das leere Rektum ge¬ 
bracht, erzeugt tiefen Schlaf mit vollkommener Analgesie. b> 
Aether gelöst, ist es zur Inhalationsnarkose ohne praktischen Wert 
wegen der starken Reizerscheinungen auf die Luftwege, wenn 
auch die narkotische Wirkung vollkommen ist. Gute Erfolge sah 
Verfasser bei rektaler Anwendung, um die Schmerzhaftigkeit der 
Wehen herabzusetzen. Benutzt wird dazu eine Gabe von 2,5 g 
Isopral, in wenig Aether und verdünntem Alkohol (55%) gelöst. 
Von Vorteil erwies sich die Kombination der Kolpeuryse mit der 
zeitlich vorhergehenden rektalen Anwendung von Isopral, um die 
zumal bei enger Scheide Erstgebärender oft recht bedeutende 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


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Schmerzhaftigkeit aufzuheben. Da Isopral keine ungünstige Neben¬ 
erscheinungen verursacht, weder von seiten des Nervensystems 
noch des Zirkulationsapparates, empfiehlt es sich zur Anwendung 
bei der allgemeinen Narkose, derart, dass die Patienten eine Drei¬ 
viertel- bis Stunde vor der Operation 3—4 g Isopral (gelöst in 
Aether und Alkohol) in das gereinigte Rektum eingespritzt er¬ 
hielten. Während der Operation wird Aether oder Chloroform 
tropfenweise auf die Esmarchsche Maske geträufelt. Längerer 
erquickender Schlaf und spontaner Stuhlgang erfolgen bald nach 
der Operation. In geburtshilflichen Fällen ist diese kombinierte 
Narkose wegen der Dringlichkeit der Operation meist nicht mehr 
anwendbar; aber für die Eklampsie ist sie sehr wohl brauchbar. 
Die Lösung wird so bereitet, dass 6—10 g Isopral in 6—8 ccm 
Aether gelöst werden, und diese Lösung mit 55 % Alkohol auf 
100 ccm aufgefüllt wird. Nötig ist für die Injektion eine einfache 
Kolpeurynterspritze, die man am besten mit einem etwa 12 cm 
langen Schlauch armiert, der hoch ins Rektum eingeführt wird. 

7. Denker, Erlangen: Die Behandlung der Erkrankungen 
des äusseren Ohres. (Schluss aus Nr. 47.) 

Fremdkörper, von deren sicherem Vorhandensein man sich 
durch Spiegeluntersuchung überzeugt hat, versucht man durch 
Ausspritzungen zu entfernen, bei quellbaren nach vorheriger Oel- 
einträufelung. Pinzetten und Zangen sind strengstens dabei zu 
vermeiden. Bei instrumenteller Extraktion ist Spiegelanwendung 
und tiefe Narkose selbst bei Kindern wegen der Schmerzhaftigkeit 
notwendig. Verletzungen des Gehörgangs entstehen durch Kratzen 
mit Haarnadeln, Streichhölzern, OhrlöfFeln etc. und werden wie 
üblich behandelt. Frakturen des knöchernen Gehörganges zeichnen 
sich durch Schmerzen beim Kauen im Kiefergelenk aus. Nur 
flüssige Nahrung ist dann geboten; weitere Maßnahmen sind über¬ 
flüssig. Bei Rissen und Blutungen der membranösen Gehörwand 
ist ein aseptischer Schutzverband und Ruhe erforderlich. Stenose 
und Atresie sind operativ zu behandeln, ebenso grössere Exostosen 
und Hyperostosen, sofern sie Beschwerden verursachen. Bei Rup¬ 
turen der Membrana tympani muss jede Schädlichkeit ferngehalten 
werden, der Abschluss erfolgt durch einen sterilen Wattepfropf. 
Hereinbringen von irgendwelcher Flüssigkeit ist strengstens zu 
vermeiden. Erst bei Mittelohreiterung darf diese Behandlungs¬ 
methode Platz greifen. Neubildungen sind chirurgisch zu be¬ 
handeln. Es kommen Atherome, Angiome, Chondrome vor, an der 
Ohrmuschel kongenitale Dermoidcysten, Fibroide, Lipome, Papillome; 
von malignen: Carcinome und Epitheliome. 

Berliner klinische Wochenschrift. Nr. 49. 1906. 

1. Sticker, Berlin: Uebertragung von Tumoren bei Hunden 
durch den Geschlechtsakt. 

St. hat mit Tumormassen sowohl von einem experimentell er¬ 
zeugten und nach der Schleimhaut durchgebrochenen, als auch 
von einem spontan entstandenen Vulvacarcinom einer Hündin er¬ 
folgreiche Uebertragungen auf andere Hunde gemacht, und damit 
bewiesen, dass auch aus ulcerierenden Tumoren lebende, zu pro¬ 
gressivem Wachstum befähigte Geschwulstzellen in die Aussen - 
weit gelangen können. Er liess dann die Hündin von mehreren 
Hunden decken; bei zwei von diesen entwickelte sich nach einer 
Latenzzeit von 3 Vs Monaten ein Penissarkom. Die Eindeutigkeit 
der Entstehung als Kontakttumoren berechtigt zu der wissenschaft¬ 
lichen Annahme, dass auch manche in der Literatur mitgeteilte 
Fälle von spontanen Kontaktübertragungen maligner Tumoren 
beim Menschen nicht anders zu deuten sind. Die beim Tier er¬ 
hobenen Befunde dürften geeignet sein, über gewisse Erschei¬ 
nungen in der Pathologie der Geschwülste des Menschen zu vor¬ 
urteilsfreieren Beobachtungen in bestimmter Richtung anzuregen. 

2. Landau, Berlin: lieber den primären Krebs der Ap¬ 
pendix, nebst Bemerkungen über die Revision der Appendix 
bei jedweder Laparotomie. 

Nicht abgeschlossen. 

3. Sippe 1, Frankfurt: Ein neuer Vorschlag zur Bekämpfung 
schwerster Eklampsieformen. 

Für die Therapie der Eklampsie sind zwei Wege gegeben: 
der eine verlangt die Entfernung der Krankheitsursache im voll¬ 


kommenen Sinne, d. h. die Beseitigung der Schwangerschaft, der 
andere die Entfernung der Eirankheitsursache in sekundärer Hin¬ 
sicht, d. h. die Entfernung der bereits im Körper angehäuften 
und im Blute zirkulierenden Toxjne. Die aktive, auf möglichst 
rascher Beseitigung der Schwangerschaft beruhende Therapie ge¬ 
winnt mehr und mehr an Boden. Aber abgesehen davon, dass 
nicht jeder Arzt die technischen Vorbedingungen für das opera¬ 
tive Eingreifen erfüllen kann, bleibt eine nicht geringe Zahl von 
Fällen, bei denen die Entleerung des Uterus nicht genügt, um 
die Heilung der Entbundenen herbeizuführen; hier kommt die 
Entfernung der bereits im Körper angehäuften und zirkulierenden 
Toxine in Betracht. Anregung der Sekretion von Haut, Darm, 
Nieren, Einführung von Flüssigkeit in den Organismus zur Aus¬ 
schwemmung der Gifte führen oft zum Ziel; aber nicht immer, 
und namentlich erscheint die Prognose infaust, wenn es nach der 
Entbindung nicht gelingt, die Urinsekretion in Gang zu bringen. 
Die anatomischen Veränderungen der Nieren, welche diesen Sekre¬ 
tionsstörungen zu Grunde liegen, sind wohl zum Teil auf Stauungs¬ 
vorgänge zurückzuführen; die Niere bei Schwangerschaftsnephritis 
und Eklampsie zeigt eine Volumzunahme, die nicht durch inter¬ 
stitielle Wucherung und nicht durch arterielle Fluxion bedingt 
ist, sondern wohl auf Stauungsvorgänge im Ureter oder in der 
Vene zu beziehen ist. Von der Beseitigung dieser Stauung er¬ 
hofft S. eine Heilung verzweifelter Fälle von Eklampsie. Er 
schlägt dazu vor, nach den Erfahrungen, die man bei schweren 
akuten Nephritiden und anderen Nierenleiden mit stark herabge¬ 
setzter oder aufgehobener Urinsekretion mit der Kapselspaltung 
der Niere, deren Heilwirkung auf der bewirkten Druckentlastung 
des Organs beruht, gemacht hat, diese Operation auch bei der 
Eklampsie vorzunehmen, in Fällen, wo nach der Entbindung die 
fortdauernd versagende Urinsekretion die Prognose infaust ge¬ 
staltet. 

4. Polya, Budapest: Zur Pathogenese der akuten Pankreas¬ 
blutung und Pankreasnekrose. 

Die zahlreichen Tierexperimente führen zu folgenden Schlüssen: 
1. Das Hineingelangen von Duodenalinhalt in den Ausführungs¬ 
gang des Pankreas erzeugt schon in geringen Mengen eine in 
kürzester Zeit zum Tode führende Erkrankung bei Hunden, welche 
mit den schweren Formen der menschlichen Fettgewebsnekrose, 
sowohl im Verlaufe, wie auch im pathologisch-anatomischen Bilde, 
vollkommen übereinstimmt. 2. Hineingelangen von Trypsin in 
den Ausführungsgang des Pankreas erzeugt in demselben schwere 
Degeneration, Nekrose und Blutung, welche meistens mit Fettge¬ 
websnekrose einhergeht und letal endigt. 3. Auch bei schweren, 
vom Pankreas ausgehenden Fettgewebsnekrosen können auffallende 
makroskopische Veränderungen am Pankreas selbst vollständig 
fehlen. 

5. Wolff, Potsdam: Ueber Pathogenese und Therapie der 
Anaemia splenica infantum. 

Das Krankheitsbild wird nach den Mitteilungen in der Lite¬ 
ratur besprochen, besonders nach Heubner, und ein Fall eigener 
Beobachtung mitgeteilt, der die charakteristischen Erscheinungen, 
grosser Milztumor bei Fehlen von Drtisenschwellungen und hoch¬ 
gradige Herabsetzung der Erythrocyten im Blute (bis auf 467 000 
im Kubikmillimeter) zeigte. Bei der völlig infausten Prognose 
entschloss sich W. zu einem therapeutischen Versuch, zur Splenek- 
tomie. Die Operation hatte einen frappierenden Erfolg: schon 
nach zehn Tagen fand sich eine um mehr als das Zehnfache ver¬ 
mehrte Zahl der Erythrocyten und eine Gewichtszunahme um zwei 
Pfund, und die weiteren Fortschritte in der Besserung des All¬ 
gemeinbefindens waren stetige. Aus der völligen Umwälzung im 
Krankheitsverlaufe durch die Entfernung der Milz schliesst W., 
dass die durch die Milzvergrösserung und das histologische Blut¬ 
bild sicher gekennzeichneten Fälle der Anaemia splenica infantum 
ihre Entstehung einer primären Milzerkrankung verdanken, und 
dass sie als völlig selbständiges Krankheitsbild aufgefasst zu' 
werden verdienen. • 

6. Mankiewicz, Berlin: Ueber das Borovertin, ein neues 
Harndesinficienz! 

Borovertin ist ein Hexamethylentetramintriborat, fabriziert 
von der A. G. für Anilin fabrikation; es wird am besten in 


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22 


MIDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 2. 


Pastillen a 0,6 g gegeben, 2 — 8 pro die während oder nach der 
Mahlzeit in irgend einer Flüssigkeit. Die praktische Erprobung 
hat ergeben, dass sich bisweilen Erbrechen oder Appetitlosigkeit 
einstellt. Durchfälle, Blasenblutungen wurden nicht beobachtet. 
Bezüglich des therapeutischen lEffektes hat es in allen Anwen¬ 
dungsfällen des Urotropins die gleiche Wirkung, es geht aber über 
die Wirkung des Urotropins hinaus, vermöge seiner den Harn 
acidifioierenden Wirkung und vermag in vielen Fällen bakterieller 
Erkrankung der Harnorgane den Urin klar und sauer zu machen; 
insbesondere ist dies der Fall bei Patienten, die infolge Prostata¬ 
hypertrophie und Blasenschwäche, oder nach Operationen sich 
häufiger Katheterisation unterwerfen müssen. 

7. Bruhns, Berlin: Die bisherigen Resultate der experi¬ 
mentellen 8yphiliaimpfung. (Schluss aus Nr. 48.) 

Das Referat umfasst die wichtigeren Arbeiten auf diesem 
Gebiete. Einige Punkte werden als besonders bedeutungsvoll 
hervorgehoben und ihre Beziehungen zur Praxis beleuchtet. Mit 
voller Sicherheit hat sich ergeben, dass in den Affen, nicht nur 
in den anthropomorphen, sondern auch in den niederen, ausser¬ 
ordentlich brauchbare Versuchstiere zur experimentellen Syphilis¬ 
erzeugung gegeben sind. Für praktisch diagnostische Zwecke 
dürften die Aifenimpfungen kaum in Frage kommen ; in fraglichen 
Fällen werden der klinische Verlauf und der Spirochaetennach- 
weis in der Regel eher eine Entscheidung bringen können. Elin¬ 
greifend für die Frage der ärztlichen Praxis erscheint der Nach¬ 
weis der Uebertragbarkeit tertiär syphilitischer Produkte. Das 
negative Ergebnis der Versuche Neissers, durch frühzeitige Ex- 
cision der Impfstellen das Eindringen der Lues in den Tierkörper 
zu verhindern, braucht nicht von dem Versuche abzuhalten, durch 
die Ausschneidung eines früh zur Beobachtung kommenden und 
günstig gelegenen Ulcus einen Herd von zahlreichen Spirochaeten 
aus dem Körper auszuschalten. Die Möglichkeit der Infektion 
durch syphilitische Leichen hat durch Experimente eine Bestäti¬ 
gung gefunden. Die Lehre, dass eine einmalige Syphilisinfektion 
fast immer immun gegen eine neue Infektion mache, hat sich als 
nicht mehr haltbar erwiesen. Von grossem Interesse sind die 
Versuche von Metschnikoff und Roux, mit der 25%igen Calomel- 
salbe das Luesvirus kurz nach dem Eindringen in die Lymphbabn 
abzntöten. Alle auf eine Immunisierung gerichteten Versuche, 
durch Tierpassage ein abgeschwächtes Virus zu erzielen, führten 
bisher zu keinen Ergebnissen, die sich praktisch verwerten Hessen. 


Baineologische Mitteilungen. 

Baineologen- Congress zu Dresden. 

Am 3. März hielt Dr. P. Münz, Badearzt in Bad Kissingen, 
den angekündigten Vortrag: „Das Kinderhe il s tä t ten wesen 
in Deutschland.“ In der Einleitung wurde die historische 
Entwickelung des Kinderheilstättenwesens in Europa und besonders 
in Deutschland geschildert. Die erste Anstalt im Jahre 1796 in 
Margarte in England begründet, fand erst 50 Jahre später im 
übrigen Europa Nachahmung. Deutschland ist jetzt als das klassische 
Land der Kinderheilstätten zu bezeichnen. Es bestehen daselbst 
nach einer Statistik des Vortragenden 60 derartige Anstalten, in 
denen im Jahre 1904 an 23000 Kinder Aufnahme fanden. Die 
jüngste ist die durch die Initiative von Dr. Münz begründete 
Anstalt in Bad Kissingen. Der Unterschied der Ferienkolonien, 
Kinderheilstätten sowie Waldschulen und Walderholungstätten wird 
beleuchtet. Waldschulen, welche Unterrichtsanstalten für schwäch¬ 
liche, kränkliche Kinder darstellen, und Walderholungstätten, be¬ 
herbergen die Kinder nur während des Tages; abends kehren sie 
wieder in ihr Elternhaus zurück. Sämtliche Kinderheilstätten ver¬ 
danken ihre Entstehung privater Wohltätigkeit, keine ist eine 
staatliche Institution. Eine Anzahl derselben lässt den Pfleg¬ 
lingen auch Schulunterricht angedeihen. In den Anstalten finden, 
ausschliesslich chronische Zustände und Erkrankungen, wirksamste 
Behandlung vor allem Scrophulose , Rhachitis, Blutarmut, allge¬ 
meine Schwäche, ferner Herzaffektionen, Verdauungsstörungen, 
Rheumatismus, Affektionen der Luftwege und nervöse Störungen. 


Da sich für die Behandlung diese Erkrankungen, insbesondere der 
Scrophulose und Rhachitis Kochsalzwasser in Form von Bädern 
oder Trinkkuren oder kombiniert sehr bewährt haben, finden die 
Kinderheilstätten in erster Linie dort eine Stätte, wo die Heilfak¬ 
toren neben gutem, gesunden Klima gegeben sind: an den Meeres¬ 
küsten und im Binnenlande in Soolbädern. An der Ostsee be¬ 
finden sich 13, an der Nordsee 9, in den Soolbädern des Binnen¬ 
landes 38 Kinderheilatätten, deren Namen angeführt werden. Za 
den grössten gehören die Anstalten in Norderney mit einer jähr¬ 
lichen Frequenz von 1000, Kreuznach mit 1260 und Sassendorf 
mit 1300 Kindern. Manche Anstalten erfreuen sich einer spe¬ 
zifischen Heilwirkung; so eignen sich die eisenhaltigen Quellen 
zur Behandlung der Blutarmut, kohlensäurereiche für Herzaffektionen, 
jod- und bromhaltige für Scrophulose uud Tuberkulose der Haat 
und Gelenke, die See sowie alle Soolbäder, denen Gradierwerke 
und Inhalatorien zur Verfügung stehen, für Lungenkranke. Die 
jeweils in Betracht kommenden Anstalten werden angeführt Die 
Berichte über erzielte Heilerfolge lauten auf allen Anstalten sehr 
günstig. Durchschnittlich finden 26 Prozent aller Fälle Heilung, 
die übrigen eine entschiedene Besserung. Ebenso werden die 
äusseren Bedingungen der Tätigkeit in den einzelnen Anstalten 
eingehend besprochen, Kurdauer, Alter der aufzunehmenden Kinder, 
Kurpreis. Nur wenige Anstalten haben ihre Pforten während des 
ganzen Jahres geöffnet, wie das Seehospiz Kaiserin Friedrich in 
Norderney, die Kaiserin Augusta-Anstalt in Eimen, das Kinder¬ 
hospital in Lüneburg, das Elisabethaus in Bad Nauheim; die 
übrigen Anstalten sind nur während der Sommermonate geöffnet. 
ISs wird hier betont, dass sich die See, vermöge des günstigen 
Klimas zur Winterstation, auch für Kinder besonders eignet. 
Zum Schluss wird auf den grossen Nutzen der Kinderheilstätten 
hingewiesen. Vor allem kommt ihnen eine hervorragende pro¬ 
phylaktische Bedeutung zu im Kampfe gegen die Tuberkulose, 
indem durch eine Behandlung in Kinderheilstätten schwächliche 
und kränkliche Kinder, die leichter zu Tuberkulose neigen, kräftiger 
und widerstandsfähiger gemacht werden, indem ferner die Scrophu¬ 
lose, welche ja Anfang und Ende der Tuberkulose darstellt, zur 
Heilung gebracht wird. Hierfür wird statistisches Material ange¬ 
führt. Auch in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung erfüllen 
die Kinderheilstätten eine hohe Mission, indem sie sozial ausgleichend 
und versöhnend wirken; denn ihre Segnungen erstrecken sich ja 
gerade auf die unbemittelten Volksschichten, denen die meisten 
Anstalten unentgeltlich ihre Pforten öffnen. Die Kinderheilstätten 
stellen somit mit Recht das bedeutendste Denkmal moderner Kinder¬ 
fürsorge dar. 

Dr. Stemmler, Bad Ems: Ueber den Wert der In¬ 
halation frei zerstäubter Flüssigkeit bei der Be¬ 
handlung des chronischen Bronchialkatarrhs. 

Ausgehend von der Einführung der Inhalationstherapie in die 
wissenschschaftliche Medicin im Jahre 1856 durch Sales Tiron in 
Pierrefond, streift Redner kurz den auf eingehende Tierver¬ 
suche sich stützenden, lebhaften Meinungsaustausch in der 
Pariser Akademie der Wissenschaften (Demarquay, Trousseau) 
und die Untersuchungen der deutschen Forscher, ferner Freber, 
Tobold, Siezle, Schnitzler, Waldenburg. Die von Lazarus in seiner 
1898 erschienenen Abhandlung über Inhalationstherapie noch ver¬ 
misste absolute EIxaktizität der Untersuchungen finden wir in den 
schlackenfreien Untersuchungsresultaten der neueren Forschungen 
von Emmerich, Hofrat von Schrötter, Heryng, Kapracitz und 
Herrn, von Schrötter, Hartl und Herrmann, welche einwandfrei 
die beiden Kardinal fragen, welche bei der Behandlung des 
Bronchialkatarrhs in Betracht kommen: 

1. gelangt zerstäubte Flüssigkeit durch Inhalation in die 
Bronchien, Bronchiolen und Alveolen der Lunge? 

2. gelangt in der Zeiteinheit soviel der inhalierten, zer¬ 
stäubten Flüssigkeit in die Luftwege, dass sich eine therapeu¬ 
tische Beeinflussung derselben erwarten lässt? 

in positivem Sinne beantworten. 

Speziell die Inhalation frei im Raum zerstäubter Flüssigkeit 
hat sich bei der Behandlung des chronischen Bronchialkatarrhs 
als wichtiges, therapeutisches Unterstützungsmittel gut bewährt. 
Das Bad Ems als Kurort für die Katarrhe der Luftwege bot 
dem Redner ein reichhaltiges Krankenmaterial zur Beobachtang 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


23 


der Wirksamkeit dieser Inhalationsmethode, welche in fünf ver¬ 
schiedenen Systemen (Wassmuth, Goebel, Heyer, Bulling, 
Clar) daselbst vertreten ist. Schöpfend ans den Erfahrungen bei 
einem 1000 Fälle übersteigenden Beobachtnngsmaterial berichtet 
Redner über die günstige Wirkung der Inhalation frei im Raum zer¬ 
stäubter Flüssigkeit auf die verschiedenen Formen des Katarrhs, 
wie sie das Kaleidoskop der chronischen Bronchitis uns zeigt. 
Am günstigsten sind die Erfolge bei der trockenen Form des 
chronischen Bronchialkatarrhs. Aber auch bei den schwereren 
Fällen des bronchoblenorrhoischen Katarrhs mit Bronchiectasien 
und Emphysem, mit eitrigem Auswurf bietet diese Inhalations¬ 
methode durch Verflüssigung des Sekretes eine Erleichterung der 
Expektoration, eine wesentliche Linderung der Beschwerden und bei 
jeder wiederholten Inhalationskur eine Sprosse mehr auf der 
Leiter zur Erreichung eines höheren Lebensalters. 

Zum Schlüsse seiner Ausführungen stellt Redner folgende 
Leitsätze auf: 

1. Das Experiment am Tier hat erwiesen, dass frei zerstäubte 
Flüssigkeit bis in die Bronchien, Bronchiolen und Alveolen ein¬ 
dringt und zwar in hinreichender Masse, um eine Heilwirkung er¬ 
zielen zu können. 

2. Die praktische Erfahrung hat an einem ausreichenden 
Krankenmaterial festgestellt, dass der chronische Bronchialkatarrh 
in vorzüglicher Weise durch die Inhalation freizerstäubter Flüssig¬ 
keit beeinflusst wird. 

3. Dieser günstige Einfluss beruht in der Hauptsache auf 
einer Verminderung und Hebung der Sekretionsstörung der 
Respirationsschleimhaut. 

Dr. Martin Si egfried-Nauheim: Uebe r die Veränderung 
des physiologischen Verhaltens zwischen Atmung und 
Pulsbeschaffenheit bei Herzkrankheiten und ihre 
Bedeutung für Prognose und Therapie. S. macht darauf 
aufmerksam, dass die dauernde Beobachtung der Atmung bei der 
Behandlung Herzkranker ebenso wichtig sei, wie diejenige des 
Herz- und Pulsbefundes. Er empfiehlt graphische Registrierung 
mittels einer Modifikation des Jaquet’schen Sphygmochronographen, 
welche Prof. Jaquet selbst für diesen Zweck angegeben hat und 
durch welche es ermöglicht wird, gleichzeitig die Atmungsp hasen 
mit der Pulskurve zur Erscheinung zu bringen. 

Es stellt sich dabei heraus, dass eine Reihe sogenannter „Ab¬ 
normitäten“ des Verhaltens zwischen Atmung und Pulsbild relativ 
häufig Vorkommen (so z. B. des Pulsus paradoxus) und dass eine 
Reihe anscheinend Störungen der Herztätigkeit bei Klappen¬ 
fehlern und Myocarditis eine unverhältnismäßig gute Prog¬ 
nose geben, wenn die Atmung keine schwereren Störungen 
zeigt. 

Herr Heinsheimer (Baden-Baden): Das Experiment 
in der Balneotherapie. Vortragender hat in der experimentell- 
biologischen Abteilung des Berliner pathologischen Instituts gemein¬ 
sam mit Bickel und anderen eine grosse Reihe von experimentellen 
Untersuchungen an Parylowschen Magenfistelhunden gemacht, 
um die sekretionsfördernde und -hemmende Wirkung bestimmter 
Mineralwässer und Medikamente auf die Magensaftabsonderung 
in möglichst reiner Form zu studieren. Die meisten Versuche 
wurden am sogenannten Magenblindsack-Hund vorgenommen und 
zwar derart, dass das nüchterne Tier 200 ccm Mineralwasser (von 
Zimmertemperatur) oder eine Lösung des zu prüfenden Medika¬ 
mentes erhielt und eine halbe Stunde später ein bestimmtes 
Quantum Milch. Halbstündlich wurde das aus der Fistel des 
„kleinen“ Magens sich ergiessende Sekret gesammelt, gemessen 
und auf seine Acidität und peptische Kraft (nach Metz) untersucht. 
Zur Kontrolle wurde dieselbe Anordnung mit gewöhnlichem Wasser 
an Stelle des Mineralwassers etc. gezählt. Geprüft wurden Stoma- 
chica (Bitterstoffe, Fleischextrakt und Bouillon), Koohsalzwässer 
(Kissingen, Homburg, Baden-Baden und Wiesbaden) und mit 
Kohlensäure imprägniertes Wasser als sekretions f ö r d e r nd e, 
Alkalien (Natr. carbon., Natr. bicarb., Magnesia usta, Calcium carbo- 
nicum, Bismutum subuitricum), alkalische Brunnen (Vichy, Fachingen 
u. a.), Bittersalze und Bitterwässer als sekretionshemmende 
Mittel, ferner Salzsäure vor und nach der Nahrung gereicht u. a. m. 
Im ganzen bestätigten die Experimente die klinisch-therapeutischen 
Erfahrungen; bezüglich der Einzelheiten muss auf die ausführliche 


Publikation verwiesen werden (Berl. klin. Wochensohr.). Zum 
Schlüsse demonstriert Vortragender an Kurven den Einflnaa 
psychischer Affekte auf die Magensekretion und hebt ferner her¬ 
vor, dass analoge Versuche an einer 23jährigen Patientin (mit 
Oesophagus- und Magenfistel, die durch einen künstlichen Oesophagus 
miteinander verbunden waren), eine vollkommene Uebereinstimmung 
der Befunde mit denen am Hunde ergaben. Hieraus erhellt — 
innerhalb bestimmter Grenzen — die Berechtigung des Tierexperi¬ 
mentes zur Prüfung balneologischer und baineotherapeutischer 
Probleme. (Autoreferat.) 


Moran. Gegen die in Obermais geplante Errichtung eines 
Sanatoriums für Lungenkranke ist eine Bewegung entstanden. 
Meran will nicht mehr als Kurort für Lungenkranke, sondern als 
fashionabler Erholungs- und Vergnügungsort gelten. 

Vom Schwarzwald. Bei einem Gange zu den verschiedenen 
Besitzern der Kurhotels kann man jetzt, wie der „Strassb. Post“ 
geschrieben wird, vielfach hören, dass die vergangene Saison im 
Schwarzwald — von wenigen Ausnahmen abgesehen — finanziell 
wenig ergiebig war trotz des nicht geringen Fremdenverkehrs. 
Die Hotel- und Kurhausbesitzer sind zur Zeit in keiner beneidens¬ 
werten Lage, ganz besonders trifft dies zu für diejenigen, die nur 
Saisonbetrieb haben. Das Publikum scheint hierfür aber nicht 
hinreichend Verständnis zu haben. Einerseits sind die Preise für 
die Lebensmittel und Arbeitsleistungen enorm gestiegen und 
anderseits sollen die Kurhäuser Preise machen, die um fünf und 
mehr Jahre zurückliegen, und dann leidet eben die Fremdenindu¬ 
strie auch an Ueberproduktion, da fast jedes Plätzchen sich für 
einen Kurort hält. Die Folgen zeigen sich. 

Wiesbaden. Der revidierte Kostenvoranschlag für das Adler¬ 
bad ergibt ein Erfordernis von 2 1 /, Millionen. Nach einer vor¬ 
läufigen Rentabilitätsberechnung wird das Bad einen städtischen 
Zuschuss von 60000 M. jährlich erfordern. 

Der 28. Balneologen*KongreS8 wird unter Vorsitz des Ge¬ 
heimrats Liebreich anfangs März 1907 in Berlin stattfinden. 
Anmeldungen von Vorträgen und Demonstrationen sind spätestens 
bis zum 15. Januar 1907 zu richten an den Generalsekretär, Ge¬ 
heimrat Dr. Brock, Berlin NW., Thomasiusstrasse 24, oder an 
den Sekretär der Baineologischen Gesellschaft, Privatdozenten Dr. 
Rüge, Berlin W., Magdeburgerstrasse 31. 

Der Verband Deutscher Ostseebäder hielt am 3. und 4. 

Dezember in Berlin seine 7. Jahresversammlung ab. Ueber den 
Verlauf der Tagung versendet der Verband folgenden Bericht: 

Die 7. Jahresversammlung des Verbandes Deutscher Ostsee¬ 
bäder am 3. und 4. Dezember vorigen Jahres zu Berlin war von 
fast allen, dem Verbände angehörenden Verwaltungen und den 
Vertretern der Könglichen Eisenbahndirektionen Berlin und Stettin 
besucht. Der Vorsitzende, Reohtsanwalt Dr. Delbrück-Stettin, 
verlas den eingehenden Bericht über das verflossene Geschäftsjahr; 
die Gesamtfrequenz der 73 Ostseebäder belief sich in dieser Sai¬ 
son auf 319 524 Kurgäste und überstieg demnach den voijährigen 
Besuch um die Zahl von 4500. 

Ein polnischer Boykott gegen die böhmischen Mineralwässer. 

Die bestehende polnische Industriellen-Liga Galiziens erlässt in 
polnischen Blättern einen Aufruf, in welchem die Bevölkerung auf¬ 
gefordert wird, sich des Gebrauches aller fremden Mineralwässer, 
insbesondere der böhmischen, zu enthalten. Mindestens für eine 
Million Kronen werden böhmische Mineralwässer alljährlich nach 
Galizien importiert und verbraucht. Dieses Geld könne im Lande 
bleiben, denn Galizien habe Mineralquellen genug, welche die „aus¬ 
ländischen“ Mineralwässer reichlich zu ersetzen imstande seien. 
Diese Stellungnahme der österreichischen Polen gegen öster¬ 
reichische Mineralwässer, die als „ausländische“ bezeichnet werden, 
kennzeichnet so recht die Verblendung des polnischen Nationalbe¬ 
wusstseins. Die ärztliche Kunst muss sich nach nationalen Gesichts¬ 
punkten richten. Demnach können wir auch in Deutschland bald 
erwarten, dass die preussischen Polen den Gebrauch der west- und 
süddeutschen Mineralwässer und Bäder als ausländische bekämpfen 
werden. 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 2. 


Heimatsschutz in der Schweiz. Der Reklameseuche, die 
seit einiger Zeit die Landschaften der Rhone-Ebene und der Ge- 
birgswelt überwuchert, soll endlich ein Ende gemacht werden. 
Am 27. November wurde im Grossen Rate die staatsrfttliche Bot¬ 
schaft nebst Gesetzentwurf über Reklameplakate eingebracht. Das 
Anbringen von Plakaten, die die Landschaft verunstalten oder den 
Schönheitssinn beleidigen, soll nach diesem Entwurf durch das 
neue Gesetz bei einer Geldbusse von 20—200 Frc. untersagt 
werden. Anderseits hat der Hotelierverband vom Rhonetal und 
Chamonix einhellig beschlossen, sämtliche Handelsfirmen und speziell 
die Schokoladefabriken zu boykottieren, die die Landschaft mit 
solchen Plakaten überschwemmen. Ein Verzeichnis all dieser Firmen 
wird einem jeden Verbandsmitgliede zugestellt werden. 

Col. Südstrand Föhr. Der Nordseebäderverband hat in 
Berlin auf 1. April ein Lokal am Potsdamer Platz zur Errichtung 
einer eigenen Auskunftsstelle gemietet. Voraussichtlich werden 
auch Fahrkarten dort ausgegeben werden können. 

Personalien. Die Sanitätsräte Dr. Julius Nitsche-Bad Salz¬ 
brunn, Dr. P. Unschuld-Neuenahr und Dr. H. Krabbel-Aachen, 
wurden zu Geheimen Sanitätsräten ernannt. 


Vermischtes. 

Berlin. Unter Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Alexander fand 
am Freitag, den 28. Dezember 1906, abends die Generalver¬ 
sammlung des Aerzte-Vereins der Berliner Rettungs¬ 
gesellschaft statt. Zunächst wurde vom Vorsitzenden der Ge¬ 
schäftsbericht erstattet. Die Mitgliederzahl des Vereins ist auf 
ungefähr gleicher Höhe wie früher geblieben und beträgt gegen 
1050, von welchen in den neun Rettungswachen 212 Aerzte tätig 
sind. Durch den Tod hat der Verein eine Reihe Mitglieder ver¬ 
loren, von welchen der Vorsitzende besonders des leider zu früh 
verstorbenen Wolf Becher gedachte, welcher, wie alle Gebiete 
der sozialen Medicin, die Ziele und Zwecke der Berliner Rettungs¬ 
gesellschaft und des Aerzte-Vereins aufs Eifrigste gefördert hatte. 
Den Bericht über die Tätigkeit der Rettungswachen erstattete 
Professor George Meyer. Im Berichtsjahre wurden einschliess¬ 
lich der Krankenbeförderung 14417 Hülfeleistungen ausgeführt. 
An die beiden Berichte schloss sich eine lebhafte Erörterung. 
Zum Schluss wurde der bisherige Vorstand, bestehend aus den 
Herren Sanitätsrat S. Alexander, Sanitätsrat Henius, Ge¬ 
heimrat Ph. Herzberg, Prof. Fedor Kraus, Professor Robert 
Kutner, Prof. George Meyer, Prof. Rotter, Dr. O. Salo- 
mon, Dr. Schayer wiedergewählt. 

Berlin. Die Herren Geheimen Räte Professoren Orth und 
Reubner sind von deriKönigl. Akademie der Wissenschaften zu 
ordentlichen Mitgliedern der physikalisch-mathematischen Klasse 
gewählt worden. 

Berlin. An die Herren Kollegen in Gross-Berlin! Die Peri¬ 
typhlitis tritt seit etwa zwei Jahrzehnten in den meisten Kultur¬ 
ländern wie eine Volkskrankheit auf. Auch in Deutschland hat 
sie seitdem anscheinend nicht nur an Häufigkeit, sondern auch an 
Schwere dauernd zugenommen. . Zur genauen Beurteilung dieser 
Verhältnisse fehlt es aber leider an einer umfassenden Morbiditäts¬ 
und Mortalitätsstatistik. Die aus den grossen Hospitälern und 
Kliniken stammenden Statsitiken haben auch bisher die wichtige 
Frage nocht nicht entschieden, welche Fälle von Blinddarmentzün¬ 
dung unbedingt einer Operation, bezw. der sogenannten Früh¬ 
operation bedürfen und welche Fälle ohne Gefahr einer abwarten¬ 
den internen Therapie überlassen werden dürfen. Deshalb hat die 
Berliner medicinische Gesellschaft in der .Sitzung vom 25. Juli 
1906 auf die Anregung der Herren Kr aus undAlbu beschlossen, 
für das Jahr 1907 unter den Aerzten von Gross-Berlin statistische 
Erhebungen zu veranstalten, welche sich auf die Häufigkeit des 
Auftretens der Blinddarmentzündung und ihrer verschiedenen 
Formen, auf den Verlauf und den Ausgang der Erkrankung unter 
interner und operativer Behandlung und dergleichen mehr erstrecken 


sollen. Wenn eine solche Umfrage allseitig ernste Berücksich¬ 
tigung findet, dann sind von ihren Ergebnissen ausserordentlich 
wertvolle Aufschlüsse für die Epidemiologie, Pathologie und Thera¬ 
pie dieser Krankheit zu erwarten. Nur unter der tatkräftigen 
Mitarbeit der praktischen Aerzte kann dieses Ziel erreicht werden! 
Es ergeht deshalb an die Herren Kollegen die dringende Bitte, 
dieser wichtigen Angelegenheit ihr Interesse entgegenzubringen 
und die geringe Mühe der sorgfältigen Ausfüllung der Zählbogen 
auf sich zu nehmen. Eis sei dazu folgendes bemerkt: Wenn ein 
Kranker gleichzeitig von mehreren Aerzten behandelt wurde, so 
ist der Zählbogen nur von demjenigen auszufüllen, welcher zuerst 
gerufen wurden ist, bezw. zuerst die Diagnose gestellt hat. Zur 
Vermeidung von Doppel- und Mehrfachzählungen solcher Fälle, 
welche nacheinander in Behandlung mehrerer Aerzte, Kranken¬ 
häuser und dergleichen gestanden haben, hat es sich als unerläss¬ 
lich erwiesen, dass in jedem Einzelfall Familien- und Vornamen 
ganz mitgeteilt werden. Irgend welche Unannehmlichkeiten wer¬ 
den den Herren Kollegen daraus nicht entstehen. Auch Kosten 
erwachsen ihnen durch die Umfrage nicht. Es ist dafür gesorgt, 
dass die Zählbogen portofrei zurückgesendet werden können. 

Berlin, den 1. Januar 1907. 

Die Perityphlitis-Kommission der Berliner 
medicinischen Gesellschaft. 

Albu. Aschoff. Kraus. R.Lennhoff. H.Neumann. 

Pappenheim. Riese. Rotter. Selberg. 

Berlin. Unter dem Präsidium von Geheim-Rat Pütt er, 
Verwaltungsdirektor der Königlichen Charite, und Geheimer Rat 
Hoffa ist in Gross-Lichterfelde, West, Albrechtstrasse 14a, ein 
Kinderbospital gegründet und Anfang November vorigen Jahres 
eröffnet worden. Der Pensionspreis beträgt pro Kind und Tag 
1,50 M., wodurch übrigens die Kosten nicht gedeckt werden. 
Das Heim verfügt über 30 Betten. Ein Arzt wohnt im Hause, 
die Behandlung kann jedoch auf Wunsch dem behandelnden Arzt 
verbleiben. Anmeldungen im Heime selbst oder in den bekannten 
Auskünfte- und Fürsorgungsstellen für Lungenkranke. 


Hochschulnachrichten. 

Berlin: Priv.-Doz. Dr. Richter hat den Titel Professor er¬ 
halten. — Breslau: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Richter tritt 
Ende des Semesters in den Ruhestand.— Jena: Prof. Dr. Ger¬ 
hardt hat einen Ruf als ordentl. Prof, und Direktor der medi¬ 
cinischen Poliklinik nach Erlangen erhalten. — Fr ei bürg: Dr. 
Spielmeyer hat sich für Psychiatrie habilitiert. — Halles.S.: 
Prof. Dr. Anton, Direktor der Psychiatrischen Klinik, hat den 
Charakter als Geh. Med.-Rat erhalten. — Köln: Oberstabsarzt 
Dr. Dautwitz ist zum Dozenten an der Akademie ernannt. — 
Leipzig: Prof. Dr. Birsch-Hirschfeld ist für seine Arbeiten 
über Wirkung von Strahlen auf das Auge der v. Welz-Gräfe- 
Preis zuerkannt. — Giessen: Prof. Moritz hat den Ruf als 
Nachfolger Krehls in Strassburg angenommen. — Würzburg: 
Dr. Brückner hat sich habilitiert. — Klausen bürg: Dr. 
Rein hold habilitierte sich für medicinische Chemie, Dr. Konrad 
für allgemeine Pathologie und Therapie. 


Dr. P. J. Möbius f. 

Nach Redaktionsschluss läuft soeben die betrübende 
Nachricht ein, dass am 8. Januar nach kurzem Krankenlager 
der als Forscher und Gelehrter weit über die Kreise seiner 
Fachgenossen hinaus bekannte Leipziger Nervenarzt Dr. 
P. J. Möbius nach kurzem Krankenlager verschieden ist. 
Wir werden darauf in der nächsten Nummer unseres Blattes 
ausführlicher zurückkommen. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. P. Meitiner, Berlin W. 8S, Kurfürttenttr. 81. — Veiantwortlich ltlr den Iuveratontoil: Der Verlag too Carl Marhold, Halle a. S. 

Druck ron der Heynemann'tchen Buchdruckerei. Gebr. Wolff Halle a. S. 


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Medicinische Woche 


Oentscbmann, A. Dfihrssen, A. Hoffa, E. Jacobi, 

Hamburg. Berlin. Berlin. Freiburg i. Bi. 

H. Senator, R. Sommer, 
Berlin. Qiessen. 


Verlag und Expedition 

Carl Marhold ln Halle a. S., Uhlandstrasse 6. 

TeL-Adr.: Marhold Verlag Hallesaale. Fernsprecher 823. 


Herausgegeben von 



R. Robert, M. Koeppen, K. Partsch, H. Rosin, H. Schlange, 

Rostock. Berlin. Breslau. Berlin. Hannover. 

H. Unrerricht, A. Vossins, 

Magdeburg. Qiessen. 


Redaktion: 

Berlin W. 62, Kurf firstenstrasse 81. 

Dr. P Meißner. 


Organ des Schwarzwaldb&dertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebäder nnd des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 


VIII. Jahrgang. 


21. Januar 1907; 


Nr. 3. 


Die .Medicinische Woche" erscheint jeden Montag und kostet vierteljährl. 2.50 M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen jede Buchhandlung, die Post, sowie 
die Verlagsbuchhandlung von Carl Marhold in Halle a. S. entgegen. Inserate werden für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum mit 50 Pf. berechnet. Beilagen 

nach Uebereinkunft. Reklamezeile 1,50 M. Bei größeren Aufträgen wird Rabatt gewährt. 

Nachdruck der Original-Aufsätze ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 


Der heutige Stand der Wochenbettpflege. 

Nach einem in der tnediciniscben Gesellschaft zu Giessen gehaltenen Vortrage 

von 

Dr. Kroemer, Privatdozent zu Giessen. 

(Fortsetzung.) 

Es ist meines Erachtens nach nicht richtig, dass eine 
Erstgebärende keiner Leib-Binde in der Schwangerschaft bedarf. 
Die Grösse des Kindes bezw. des schwangeren Uterus und die 
Raum Verhältnisse allein sind entscheidend bei dem Entstehen 
einer Diastase der musculi Recti. Unser Bestreben muss es 
sein, dieses Missverhältnis nach Möglichkeit zu verhindern. 
Es wird von allen Seiten auf die Notwendigkeit der Binden¬ 
behandlung des Leibes im Wochenbett hingewiesen. Diese 
Behandlung muss in der Schwangerschaft beginnen. Gelegentlich 
finden wir bei Frauen, welche ihres Berufes w’egen bis zur 
letzten Schwangerschaftszeit ihre Umstände durch Toiletten¬ 
künste — die ja alsdaDn stets auf Bandagierung hinauslaufen 
— verbergen, schon im Beginn des 10. Monats den Kopf tief 
im Becken, die Cervix in voller Entfaltung, so dass der Emtritt 
der Geburt meist vor Ablauf des 10. Monats stattfindet. In 
solchen Fällen nimmt gewissermaßen der Kopf frühzeitig Maß 
im Beckenring. Der Uterus wird in Walzenform gepresst. 
Die Grösse des Eies, d h. vor allem die Menge des Frucht¬ 
wassers, bleibt auf dem geringsten Maße stehen, vermutlich 
schon deshalb, weil die Patientinnen sich freiwillig eine Trocken- 
und Hungerdiät auferlegen. Diese Beobachtungen schienen mir 
stets eine Mahnung, die praktische Nutzanwendung in gewissen 
Grenzen auf alle Schwangeren auszudehnen. Wie ich in meinen 
früheren Arbeiten ausführte, besteht unsere hauptsächliche 
Tätigkeit bei der Schwangerenfürsorge in der Aufklärung der 
Klientinnen und in der Zwangserziehung zur Körperpflege. 

Zahl und Art der Bäder und Waschungen muss ordiniert 
werden. Die Krampfadern sind durch gute Bindenbehandlung 
äusserst günstig zu beeinflussen. Je früher die regelmäßige 
Bandagierung eintritt, um so geringer das Fortschreiten der 
varicösen Veränderungen. Dazu gehört aber, dass Massage und 
Bäder für eine richtige Hautpflege gerade der Schenkel sorgen. 
Die Leibbinde muss vom 6. Monat an getragen und vom Arzt 
ständig kontrolliert werden. Zum Schlüsse wird Prochowniksche 
Diät mit Einschränkung der Flüssigkeitsaufnahme unsere Be¬ 
strebungen ergänzen. Neigt die Patientin zu vermehrter Frucht¬ 
wassermenge, so scheint mir eine Trockendiät und versuchsweise 
eine Diabeteskur, auch ohne positiven Zuckerbefund im Urin, 
geboten. 

Der Befund von Zucker im Urin Schwangerer bei Anstellung 
der gewöhnlichen Proben ist sehr selten, meist nur vorüber¬ 


gehend nachzuweisen. Alimentäre Glycosurie ist jedenfalls schon 
pathologisch. 

Für den Wochenbettsverlauf wichtig scheint mir die Unter¬ 
weisung der Frauen in der Uebung der Blasenentleerung bei 
Bettlage. Die Kenntnis der Blasen-, Ureter und Nierener¬ 
krankungen im Wochenbett rundet sich erfreulich ab. Wir 
wissen seit langem, dass die Geburt auch an der Blase Schädi¬ 
gungen setzen kann, die zur Lähmung, zur Notweudigkeit zu 
katheterisieren und damit zur Cystitis und deren Folgen führen. 
Wir sehen derartige Störungen aber auch ohne Katheterisierung 
eintreten, wir sehen gelegentlich auch von parametranen Exsu¬ 
daten aus denUreter direkt durch Kontaktinfektion befallen werden 
und die Ureteritis zur Pyelitis werden. Diese Störungen im 
Hamtraktus erfordern eine ganz besondere Aufmerksamkeit in 
diagnostischer und therapeutischer Beziehung. Gewisse inter¬ 
mittierende Fieberformen, welche in der Kurve malariaähnlich 
aussehen, mit und ohne Schüttelfrösten sind stets auf Pye¬ 
litis verdächtig. Fängt man nach dem Anfall — in welchem 
man Ureterenkoliken beobachten kann — den Urin ab, so ist 
häufig reiner Eiter und eine Unmenge Bakterien darin. 

Diesen Fällen kann man z. T. Vorbeugen. Ich rate, in 
allen Fällen mit Quetschung der Blase, z. B. nach Pubiotomie 
und schweren Zangen, stets in den ersten acht Tagen einen 
Dauerkatheter einzulegen, und die Blase täglich mit 3 % iger 
Borlösung unter gelindem Druck durch den Dauerkatheter zu 
spülen. 

Die orthop aedischen Maß nahmen setzen unmittelbar 
nach der Geburt ein. Ein straffgezogenes breites Handtuch ge¬ 
nügt, bis die unter Umständen selbstverfertigte 8- oder lOköpfige 
Schnallenbinde angelegt werden kann. Letztere reicht von 
den Trochanteren bis zum Rippenbogen. Das Tragen elastischer 
Binden ist nicht notwendig. Die Anschaffung mehrerer wasch¬ 
barer Binden zum Wechselgebrauch scheint mir ökonomischer 
und ausreichend zu sein. 

Selbstverständlich wird im Spät Wochenbett nach dem Ver¬ 
lassen des Bettes jede Retroflexio und Scheidensenkung durch 
Pessar zu korrigieren sein. Der reichliche Gebrauch von Voll- 
und Sitzbädern ist schon zur Hebung des Allgemeinbefindens 
wichtig und erwünscht. 

Die Diätfrage wird von besonderer Wichtigkeit, wenn eine 
Niereninsufficienz sich zeigt, sei es, daß eine mehr chronische 
Form exacerbiert, sei es, dass eine mehr akute Form mit 
Eklampsieprodromen in Erscheinung tritt. Die Einschränkung der 
Flüssigkeitszufuhr mit wöchentlichen wasserreichen Tagen wird 
wohl mehr für schwere Formen mit hochgradigen Oedemen 
reserviert bleiben. Im allgemeinen kommen wir mit einer vor¬ 
wiegenden Milchdiät aus. Im übrigen sind protrahierte heisse 
Bäder, Ganzpackungen, Anregung der Diurese und.Laxation 
durch saliniscne Mittel (Karlsbader Salz) zu empfehlen. Büttner 
hat mit Recht wieder auf die'.Wichtigkeit der Diätregelung in 
der Schwangerschaft hingewiesen. 


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26 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr 3. 


Ich muss es mir versagen, auf alle diese wichtigen Fragen 
näher einzugehen. Sie dienten ja nur, zu zeigen, wie wichtig 
uns die Beobachtung der Körperfunktionen in der Schwanger¬ 
schaft ist. Wir wollen schon in der Schwangerschaft uns die 
Möglichkeit verschaffen, den Gang der Geburt und des Wochen¬ 
bettes prognostisch vorauszusehen. 

In der Praxis wird man freilich oft genug der Gebärenden 
oder der schon im Wochenbett Erkrankten gegenüberstehen 
und auf die durch Beobachtung gewonnene Kenntnis des 
Körpers und seiner Organfunktionsstärke verzichten müssen. 
In einer gewissen Anzahl von Fällen wird auch die weitest¬ 
gehende Prophylaxe der genitalen und extragenitalen Erkrank¬ 
ungen versagen. 

Wir müssen daher auch gerüstet sein, die Erkrankungen 
im Wochenbett in ihrem Sitz klar zu erkennen und zu Be¬ 
kämpfen. Wenn irgendwo, so gilt hier der Satz: „Nur die 
genaue Diagnose des Krankheitsherdes ermöglicht uns die sach¬ 
gemäße Behandlung.“ 

Die Abgrenzung der rein genitalen Fieberursachen gegen 
die extragenitalen Erkrankungen gehört aber mit zu den 
schwierigsten Fragen und erfordert in einzelnen Fällen sorg¬ 
fältigste Beobachtung. Sehen wir von den Allgemeinerkrank¬ 
ungen ab, welche die Wöchnerin vielleicht mit in das Puer¬ 
perium übernommen hat, welche vielleicht sogar Ursache des 
Geburtseintritts geworden sind, sehen wir auch von seltenen 
Komplikationen ab, so werden im wesentlichen ausser dem 
Genitaltraktus die Brüste und die Harnwerkzeuge diejenigen 
Bezirke darstellen, welche wir bei Fieber im Wochenbett zu¬ 
nächst einer genauen Untersuchung unterziehen müssen. 

Die Behandlung der Brust im Wochenbett beruht ja eben¬ 
falls auf einer strengen Asepsis mit prophylaktischer Desin¬ 
fektion. Die eventuell sich findenden Warzenschrunden werden 
mit besonderer Sorgfalt zu kontrollieren sein. Häufiges Reinigen 
der Excoriationen durch Betupfen mit Alkohol und Feuchthalten 
der Region durch Glycerin- oder Borsäurekompressen, welche 
oft gewechselt werden, genügen in leichten Fällen, bei denen 
wir — eventuell mit Warzenhütchen •- weiter stillen lassen. 
Vielleicht ermöglicht die von Doederlein (Zentralblatt für 
Gynaek. 1906 Nr. 49) empfohlene Anwendung des Gaudanins 
zur Bedeckung der wunden Warze das Fortlassen des Saug¬ 
hütchens. Aber die Warzenschrunden führen zuweilen zu einer 
erysipelartigen Staphylococcen-Invasion mit nachfolgender Keil- 
entztindung (Mastitis interstitialis) der Brustdrüse. Diese Formen 
der Brustinfektion sind viel hartnäckiger als die parenchymatösen 
Mastitisformen, bei welchen die Mikroben im gestauten Sekret 


in die Drüsengfinge selbst eindringen. Bei letzteren wird durch 
energisches Absaugen durch- einen kräftigen Säüglibg ein 
rascheres Abschwellen der oft unförmlich geschwollenen, heißen 
Drüsenkörper erzielt. Erst wenn bei einer Warzenschrunde 
alle Zeichen einer beginnenden Lymphangitis und Mastitis 
interstitialis hinzutreten, verzichten wir auf die betreffende 
Brust und lassen nur auf der gesunden Seite das Kind anlegen. 

Inzwischen sorgen feuchte Verbände, d. h. ausgiebige 
Packungen der kranken Brust mit essigsaurer Tonerde- (6 %) 
oder mit Alkohol- (50%) Lösungen für ein rasches Zurück¬ 
gehen der Erscheinungen. Von der Eisblase habe ich nur 
selten Gebrauch gemacht. Die Kälte schiebt die eventuell not¬ 
wendige Incision nur hinaus, sie macht sie aber nicht unnötig. 
Wohl aber kann dies durch die feuchte Wärme ermöglicht 
werden. 

Einen sehr wichtigen Fortschritt in der Behandlung der 
Mastitisformen bedeutet die Anwendung der Bierechen Stauung. 
Die feuchten Packungen möchte ich auch bei Behandlung mit 
dem Saugapparat nicht missen. Im Gegenteil scheinen beide 
Verfahren sich gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen. 
Vor allen Dingen ist bei den abscedierenden Formen die Be¬ 
handlung mit dem Saugapparat denkbar leicht und der Ver¬ 
lauf wesentlich abgekürzt. 

Durch die Schwangerschaftsprophylaxe waren wir imstande, 
die Zahl unserer erkrankten Brustdrüsen von 7% auf 1,3% 
herabzudrücken. Zuweilen haben wir in einem Zeitraum von 
12 bis 13 Monaten nicht eine einzige Brust zur Abscedierung 
kommen sehen. Es gibt aber zuweilen Fälle, in welchen keine 
Vorsichtsmaßregel den Abscess verhindern kann. So sahen 
wir Mamma-Abscesse in nicht stillenden Drüsen entstehen 
bei anaemischen entkräfteten Individuen (infolge Tuberkulose 
und Querschnittsmyelitis). 

Je frühzeitiger der Abscess diagnostiziert wird (Probe¬ 
punktion), um so kleiner die Incision und um so rascher die 
Heilung mit Saugbehandlung. Zweifellos geht ein grosser 
Prozentsatz von Mastitisfällen im Beginn bei Stauungsbehand¬ 
lung zurück. Wir saugen in den ersten Tagen zwei- bis drei¬ 
mal täglich. Bei jeder Sitzung, welche etwa 15 Minuten in 
Anspruch nimmt, wird zwei- bis dreimal die fest aufgesetzte 
Saugglocke evacuiert; nach drei bis fünf Minuten langem An¬ 
saugen muss eine Pause von mehreren Minuten folgen. Das 
Ansaugen muss ganz allmählich sich steigern und von Fall zu 
Fall variiert werden. Etwaige am Glockenrand entstehende, 
blutige Hautsugillationen sind ohne Bedeutung. Sie verschwinden 
rasch mit dem Aussetzen der Stauungsbehandlung. Letztere, 


Feuilleton. 


Eine ßeise anf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm-Darrnstadt. 

(Fortsetzung.) 

Als der Riese langsam von kleinen Schleppern längseits 
der Landungsbrücke gebracht ward, zeigte sich dieselbe voll¬ 
gepfropft mit aus den Fenstern heraus winkenden grüssenden 
Menschen, die gekommen waren, ihre Freunde und Ver¬ 
wandten abzuholen. Bald erhob sich ein mächtiges Getümmel 
auf dem Peer, als die Passagiere mit ihrem Gepäck über die 
Landungsstege, „Gengways“, hinüber gestiegen waren vom 
deutschen Boden des Schiffs auf den amerikanischen. Da 
drängten sich die Passagiere mit ihren Freunden, dazwischen 
die das Gepäck besorgenden Stewards und die Gepäckführer, 
welche ihre schweren zweirädrigen Gepäckrollen mit staunens¬ 
werter Geschicklichkeit haarscharf an den nebenmenschlichen 
Hühneraugen vorbei zu lenken verstehen. Da sind Telefon- 
und Telegrammoffices und die Beamten daran kommen 
nicht aus der Tätigkeit heraus; die Telefonanschlussverzeich- 
nisse, allein in 2 oder 3 Bänden aufliegend, haben jeder etwa den 


doppelten Umfang des Frankfurter Adressbuches. Da sind vor 
Allem Scharen von Zöllnern, welche mit unnachsichtiger Wissbe¬ 
gier in die innigsten Geheimnisse, auch der weiblichsten Toilette¬ 
koffer, eindringen, und es ist spasshaft, die verzweifelt-erregten 
ladies vor ihren gewaltigen, kommodengleich oft mit Schieb¬ 
laden versehenen Koffern nach den Schlüsseln suchen oder ihre 
wild durcheinandergeworfenen Schätze wieder hineinraffen zu 
sehen. Gern hat man die Zollknechte wohl nie gehabt, schon 
das neue Testament schätzt sie nicht allzuhoch ein; aber ich 
glaube, die da drüben haben’s dazu gebracht, dass sie zu den 
bestgehassten ihrer Art sich zählen dürfen. — Hat sich dann 
endlich der Schwarm verlaufen, so sind die weiten Hallen, welche 
noch eben das mächtige Gedränge nicht zu fassen vermocht, 
öde und ausgestorben, in schier endloser Weise gähnen sie dem 
Besucher entgegen. 

Bei der Fahrt durch den Hafen fielen uns schon, 
manche Schiffserscheinungen auf, die uns neu waren. Da 
liegen weit draussen vor Anker Frachtdampfer oder schlanke, 
zierliche Segler, bis zum mächtigen Fünfmaster hinauf, die an¬ 
mutigsten aller Scliiffstypen, aus aller Herren Länder, unter aller 
Nationen Flaggen; aber im Hafengebiete selbst fallen weit mehr 
ins Auge dre^besondere Typen: Die mächtigen „Ferry u boote, 
welche die Ueberfahrt von einer New Yorker Landestelle nach 
einer andern in Hoboken oder Staten- oder Cuney-Island oder 
sonst wohin besorgen. Zweistöckig nehmen diese gewaltigen 
Dampfer Massen von Passagieren auf. während in dem Tunnel, 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


27 


sowohl wie die Alkoholpackungen müssen auch nach dem Ab¬ 
klingen der Mastitiserscheinungen noch eine Zeit lang (bis eine 
Woche) fortgesetzt werden. Im anderen Falle sind Recidive 
der Mastitis nicht selten. 

Von den sonstigen Organen sind, wie erwähnt, die Harn¬ 
werkzeuge ganz besonders Schädigungen ausgesetzt. Cysti- 
tische Erscheinungen auch ohne vorhergehendes Katheterisieren 
treten recht häufig auf, vielleicht durch Residualharn bei mangel¬ 
hafter Detrusorkraft begünstigt, Collatterale Blutungen, Quetsch¬ 
ungen der Schleimhaut und sogar ulcera sind gelegentlich im 
cystoskopischen Bilde zu beobachten. 

Die Häufigkeit aufsteigender Ureterprozesse und nach¬ 
folgender Pyelitis purulenta ist früher offenbar vielfach über¬ 
sehen worden. Je mehr die Aufmerksamkeit darauf gelenkt 
wird, um so mehr Fälle werden publiziert. Auch wir verfügen 
über eine stets wachsende reiche Zahl derartiger Beobachtungen. 
Bemerkenswert ist, dass rasch entstehende Fälle zunächst mit 
einem heftigen Schüttelfröste einsetzen und bei jeder neuen 
Exacerbation mit Frösten verlaufen können, welche die Ver¬ 
wechslung mit einer puerperalen Wundinfektion möglich machen. 
Wartet man unmittelbar nach dem Anfall, in welchem die 
Patientinnen zuweilen direkt die Gegend der Nierenbecken als 
Schmerzpunkt angeben, den ersten Urinabgang ab, so ist schon 
makroskopisch, sicher aber mikroskopisch die Pyurie sichtlich. 
Jede neue Fieberattacke geht mit Veränderungen des Urins 
conform, so dass auch in zweifelhaften Fällen das dauernde, 
zunächst gute Allgemeinbefinden im Intervall bei dem qualitativ 
unveränderten Pulse die Diagnose sichern. 

Schwierig wird die Diagnose und Prognose, wenn die 
Pyelitis als Kombination einer genitalen Wundinfektion — viel¬ 
leicht von einem tiefen parametranen Eiterherd aus — ent¬ 
stand. Jedoch gehören ja diese Formen zu den schwersten 
Erkrankungen, wie überhaupt die Prognose doppelseitiger Pye¬ 
litis häufig dubiös wird. Zum mindesten ist es schwer, oder 
unmöglich, für eine Dauerheilung zu garantieren. Wie in 
der Hauptsache die puerperale Wundinfektion auf ektogene 
Keime zurückzuführen ist, . so die Cystitis und Pyelitis auf 
da» Katheterisieren. Daher sollen die Frauen schon vor der 
Entbindung.das Urinieren bei horizontaler Bettruhe üben, daher 
sollen wir jedem Katheterisieren eine prophylactische Blasen¬ 
desinfektion mit Arg. nitr. 1 : 3000 anschliessen. Der Rest der 
Spülflüssigkeit bleibt als Detrusorreiz in der Blase, etwa 50 ccm. 
3 % Borglycerin hat uns nicht immer die gleichen Dienste 

f etam. Für besonders gefährlich erachte ich die nach dem 
katheterisieren eintretende unvollständige Funktion der Blase, 


bei welcher die Residualharnmengen bei scheinbar guter Blasen¬ 
entleerung grösser und grösser werden und zuletzt das Rück¬ 
stauen des Harnes von der Blase zur Niere ermöglichen. Im 

f estauten Harn wachsen die Mikroben aufwärts. In solchen 
ällen von Blasenlähmung ist es besser, für die erste Zeit einen 
Dauerkatheter einzulegen. Es wird dadurch der Blase Zeit 
gegeben, sich von der mechanischen Laesion zu erholen. Frei¬ 
lich erfordert der Dauerkatheter auch täglich Reinigung durch 
Blasenspülung; eventuell wird er auch, wenn Inkrustation bei 
mangelhaftem Abfluss wahrscheinlich ist, durch einen neuen 
ersetzt. Auch bei Pyelitis haben wir von der Behandlung der 
puerperalen Blase mit übermangansaurem Kali nur gutes ge¬ 
sehen. Ich brauche nicht hinzuzusetzen, dass wir bei diesen 
Spülungen jede grössere, vom Patienten lästig empfundene 
Drucksteigerung vermeiden, und dass Milchdiät, Vermeidung 
von alkoholischen Getränken, innere Desinfektion (Helmitol, 
Urotropin etc.), die Behandlung unterstützen. Das reichliche 
Durchspülen durch Verabreichung von alkalischen Säuerlingen 
(Biliner, Fachinger, Wildunger Helenenquelle etc.) ist zuweflen 
von bestem Erfolge. Schon der quälende Durst wird uns zur 
Verordnung angenehmer Quellen zwingen. Zur Anwendung 
des Ureterencystoskopes und zur Durchspülung der Nieren¬ 
becken haben wir uns bisher, nicht entschliessen können. 

Es würde zu weit führen, wollte ich im Rahmen meines 
bescheidenen Vortrages alle die möglichen extragenitalen Fieber¬ 
quellen berühren. Die Störungen von seiten der Lunge und 
des Darmes, insbesondere die tuberkulösen Formen gehören ja 
mit in das typische Bild einer Statistik über puerperale Morbi¬ 
dität. Ich möchte nicht verfehlen, darauf bin zu weisen, dass 
uns in zweifelhaften Fällen die orthodiagraphische Lungenunter¬ 
suchung, sowie die Tuberkulin-Reaktion ein wertvolles diag¬ 
nostisches Hilfsmittel gewährt. 

Je klarer wir das Gebiet der wirklichen genitalen Wund¬ 
erkranbungen umschreiben können, um so mehr Aussicht auf 
Erfolg wird unsere Therapie bieten. Vielfach, ja meistens 
kommen gerade die schweren Puerperalfieber zu spät als soge¬ 
nannte verschleppte Fälle in unsere Behandlung. Viel kost¬ 
bare Zeit ist mit zu langem Warten verloren gegangen. Das 
Virus hat längst den Uterus verlassen und sitzt vielleicht an 
vielen uns zunächst unerreichbaren Stellen. 

Die Verhältnisse liegen ja oft denkbar verwickelt. Kein 
einziges klinisches Symptom vermag einen sicheren Anhalt zu 
geben, ob der Fall günstig oder ungünstig verlaufen wird. 
Am sichersten noch wird der allgemeine Aspectus und die 
Qualität des Pulses dem Erfahrenen eine gewisse Prognosen¬ 


weicher unten längs durch das ganz flach und merkwürdig breit 
gebaute Schiff hinzieht, ein ganzer Wagenpark mit übergesetzt 
wird. Während dann von oben und von unten die Menschen in 
endlosen Scharen dem Schiffe enteilen, fahren aus seinem 
Bauche heraus gewaltige Bierfuhrwerke, Lastwagen aller Art, 
Luxuswagen una Automobile in zwei langen Reihen. Dabei sind 
diese Ferryboote so bequem und elegant mit ihren Gummiböden 
und Treppen, offenen und gedeckten Veranden, Klappsesseln 
und Rohr- oder Holzbänken eingerichtet, dass wir nur daran 
lernen könnten. Drollig wirkt ein kioskartiger Aufbau vorne 
und hinten auf diesen Booten und die wie der Anker in der 
Ankeruhr auf und abpendelnde querverbundene Kolbenstange, 
welche hoch oben auf dem Schiffe sich bewegt. Es soll damit 
Platz gespart werden im Maschinenraum, erklärte mir ein 
Ingenieur. 

Eine andere auffallende Schiffsart sind die entzückenden, 
zum Uebernachten eingerichteten Hudsondampfer: Schneeweiss, 
nadelschlank mit hohem Aufbau bieten sie dem Auge den er¬ 
freulichsten Anblick, den ein Schiff nur gewähren kann. End¬ 
los an Zahl müssen sie sein, wie sie gleich Möven so schnell 
und elegant, riesenhaft in den Ausmessungen, die Wasser durch¬ 
furchen. 

Drittens verblüffen die fortgesetzt von einer Bahnstation 
zur andern übers Wasser überfahrenden Eisenbahnzüge: Nur 
beladene Frachtwagen — Lokomotive und Personenwagen bleiben 


zweckmäßig auf ihren Geleisen — in zwei Reihen nebenein¬ 
ander auf ganz flachen Fähren verladen, werden von den fixen 
kleinen Schleppdampfern mit merkwürdiger Schnelligkeit über 
den Hafen bugsiert. Nicht hie und da, fortwährend bietet sich 
das Schauspiel dem Auge dar, und es gibt einen leisen Begriff 
von der unfaßbaren Grösse, von der Unendlichkeit des Han¬ 
dels, der sich in dieser Metropole abspielt! Und dabei erzählte 
mir ein Reisegenosse aus Chicago — der alljährlich, ohne ein 
Wort Deutsch zu können, als Reisender seiner Firma im 
sächsischen Erzgebirge und im Westphälischen die dort her¬ 
gestellten einfacnen Spitzen einkaufen geht; auch etwas Be¬ 
merkenswertes! —, dass in dieser zukünftigen Hauptstadt der 
Erde, in diesem Herzen von Amerika, das sein Blut aus den 
Riesenplätzen des Ostens und Westens und vom Norden her 
bezieht und es weitergibt nach Süden, wie es das von dorther 
bezogene durch die Schlagadern, welche die Vanderbild und 
Genossen ihm eröffnet haben in ihren riesigen Bahnbauten, 
wieder nach jenen zurückströmt, dass in Chicago der 
Schiffeverkehr schon heute grösser sei als in New- 
York, freilich nicht der Zahl von Registertons nach, wohl 
aber der einzelnen Kiele! (Fortsetzung folgt.) 


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28 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 3. 


Stellung ermöglichen. Sichere diagnostische Hilfsmittel haben 
wir eigentlich nur im letalen Endstadium, so die hochgradige 
Zerstörung der Blutelemente, Zerfall der roten Blutkörperchen, 
Ausbleiben der Leucocytose oder Aenderung des neutrophilen 
Blutbildes. Je rascher der Fall aggravierende Symptome im 
Verlauf zeigt, um so schlechter die Prognose. Und doch wird 
auch der Erfahrene stets Ueberraschungen erleben. Heilungen 
in trostlosen Fällen, ohne dass man eine Spur von irgend einer 
Lokalisation des Giftes nachweisen kann, selbst nach 20 und 
mehr Schüttelfrösten, und andererseits Todesfälle im Verlauf 
von Erkrankungen, die erst ganz harmlos schienen und nach 
wochenlangem Siechtum doch noch durch allgemeine Ent¬ 
kräftung oder durch Komplikationen letal endigten. 

(Fortsetzung folgt.) 


Möbius +. 

Am 8. Januar früh 7 Uhr starb Paul Julius Möbius an 
einer Nephritis, welche infolge lange bestehender lnsufficienz 
des Herzens allmählich sich entwickelt hatte. Mit ihm ist ein 
Mann dahingegangen, welcher in der medicinischen Wissen¬ 
schaft und unter den Aerzten eine ganz, besondere und eigen¬ 
artige Stellung einnahm. Von Haus aus ein bescheidener, jeder 



äusseren Ehrung und jeder Streberei abholder Mensch, kannto 
Möbius nur ein Ziel, nach der Wahrheit zu suchen in stiller 
eifriger Gelehrtenarbeit. Unbeirrt um die Mode in der Medicin, 
unbeeinflusst von jedem Autoritätsglauben ist er zielbewusst 
seine eigenen Wege gegangen. Er hatte in hohem Maße den 
Mut seiner Ueberzeugung und liess sich durch Anfeindungen 
nie beirren. Auch Beifall war ihm nur ein Ansporn zu weiterem 
Streben, nicht ein Grund zur Selbstüberhebung und Eitelkeit. 
Unermüdlich tätig hat er seine reiche Erfahrung und seine 
durch eifriges Studium erworbenen Kenntnisse in zahlreichen 
Publikationen niedergelegt, welche, wenn auch nicht alle gleich¬ 
wertig, stets eine ganz besondere dem Verfasser eigene Marke 
trugen. Möbius war ein Nervenpathologe ohne Seciertisch, 
die Beobachtungen am Lebenden, die Durchforschung der gei¬ 
stigen Produkte hervorragender Menschen führten ihn zur Ana- 
lysierung der komplizierten und viel verschlungenen Wege, 
welche der menschliche Geist wandelt und die so oft Irrwege 
sind oder zu solchen werden. Unnachsichtlich sagte Möbius 
die Wahrheit, wenn er sie einmal erkannt hatte, ganz unbeirrt, 
ob er sich dadurch mit den bestehenden Lehren seiner Wissen¬ 
schaft oder mit den gebräuchlichen oder landläufigen Anschau¬ 
ungen des Publikums in Widerspruch setzte. Dogmen, die nur 


in ihrem Alter noch eine gewisse Existenzberechtigung hatten, 
wurden mutig über den Haufen geworfen. Nur weiter dem 
Lichte zu! war seine Parole. 

Die Durchforschung der Krankheiten hervorragender Geister 
hat er in einer Reihe von Publikationen niedergelegt, die eine 
neue Form der Betätigung darstellen, die sogenannte „Patho- 
graphie“. Hierher gehören: „J. J. Rousseaus Krankheitsge¬ 
schichte“ 1889, „Ueber das Pathologische bei Goethe“ 1898, 
„Feber Schopenhauer“ 1899, „Ueber das Pathologische bei 
Nietzsche“ 1902, „lieber Robert Schumanns Krankheit“ 1905, 
„Ueber Scheffels Krankheit“ 1907, „Ueber Kunst und Künstler“ 
1901. 

Von den zahlreichen fach wissenschaftlichen Schriften seien 
hier aufgeführt: „Die Nervosität“ 1882, 3. Aufl. 1905, „All¬ 
gemeine Diagnostik der Nervenkrankheiten“ 2. Aufl. 1894, „Abriss 
der Lehre von den Nervenkrankheiten“ 1893, „Neurologische 
Beiträge“ 5 Hefte 1894—1898, „Die Migräne“ 2. Aufl. 1903, „Die 
Basedowsche Krankheit“ und „Der umschriebene Gesichts¬ 
schwund“ in Nothnagels spezieller Pathologie und Therapie, 
„Ueber die Tabes“ 1897. „Ueber den Kopfschmerz“ 1902, „Ueber 
die Behandlung von Nervenkranken und die Errichtung von 
Nervenheilstätten“ 2. Aufl. 1896. 

Im Publikum machte eine Schrift ganz besonderes Aufsehen: 
„Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes“. Dieses 
Buch, welches viele Auflagen erlebt hat, wandte sich gegen die 
sinnlosen Frauenemancipations-Bestrebungen des letzten Dezen¬ 
niums und war bestimmt, die Frau gegen ungeeignete und 
gefährliche Hetzereien ultraradikaler Anhänger der Frauen- 
emancipation in Schutz zu nehmen. Natürlich waren die An¬ 
feindungen unzählige und wenige Bücher dürften so oft miss¬ 
verstanden worden sein, wie dieses. Heute, wo die hocliqehenden 
Wogen der Frauenemancipation sich etwas beruhigt haben, 
werden alle besonnenen Frauen den Wert des Buches anerkennen. 

Möbius wurde am 24. Januar 1853 zu Leipzig geboren, 
studierte daselbst und in Jena und Marburg. 1883 habilitierte 
er sich in seiner Vaterstadt als Dozent der Nervenheilkunde, 
legte aber diese Dozentur 1893 nieder, um ganz seinen Privat¬ 
studien und der Verfolgung seiner weitausschauenden Ziele leben 
zu können. Im besten Mannesalter hat ihn der unüberwindliche 
Vernichter dahingerafft mitten aus einem arbeitsreichen, nützlichen 
Leben. Die medicinische Wissenschaft und die leidende Mensch¬ 
heit verlieren in ihm einen geistvollen, von dem erhabenen 
Streben nach Wahrheit durchdrungenen Arzt, dessen ferneres 
Leben noch unendlich viel Gutes und Wertvolles versprach. 

requiescat in pace. 

Redaktion und Verlag. 


Sitzungsberichte. 

Deutschland. 

Schlesische Gesellschaft für vaterländische Oultur. 

(Med. Sektion.) 

Vorsitzender H. Uhthoff, Schriftführer H. v. Strümpell. 

Sitzung vom 26. Oktober 1906. 

Vor der Tagesordnung Demonstration mikroskopischer Präparate 
von Anguillula intestinalis aus der Strümpellschen Klinik. 

Herr W inkler zeigt die Sexualorgane einer 32 jährigen Frau, 
die zehn Tage Dach einer Sturzgeburt verstorben war. Durch eine 
Nephritis und Cystitis war eine Infektion der Placenta eingetreten 
und der Exitus erfolgte durch Lungenembolie. 

Herr Asch weist auf die forensische Bedeutung dieses Falles 
von Selbstinfektion hin. Die Nephritis war in vivo nicht diagnosti¬ 
ziert worden. 

1. Herr Krause: Zur Symptomatologie des Coma 
diabeticum mit besonderer Berücksichtigung einiger 
neuerer Punkte (Acetessigsäure-Nachweis in der Lum- 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


29 


bal-Flüssi gkeit, Hypotonie bnlbi, Lipaemie, Lipaemia 
retinalis): Alle bisher festgestellten Symptome, wie die „grosse 
Kussmaulsche Atmung, Temperatarateigerung, Aceton-Essigsäure, 
Coma-Cylinder sind nicht constant und können nicht für das Coma 
verantwortlich gemacht werden. Als ein neues Symptom erwähnt 
der Vortr. den Nachweis von Aceton in der Lumbal-Füssigkeit; 
bei drei untersuchten Fällen war der Befund immer positiv. Dann 
hat er vor 3 Jahren zum ersten Male die Hypotonia bulbi wahrge¬ 
nommen und darauf in 22 Fällen von sicherem Coma diabeticum 
stets vorgefunden. Die Bulbi sind ganz weich und schlaff. Weder 
bei Toten und Sterbenden noch bei anderen Comatösen tritt dieses 
Symptom auf. Auch bei Diabetikern, die aus anderen Ursachen 
sterben, kommt es nicht vor. Darum kann auch die Wasser-Ver¬ 
armung nicht schuld sein. Es liess sich überhaupt keine glaubliche 
Erklärung dafür finden. Die Erscheinung tritt 1—10 Stunden vor 
dem Tode auf und hat prognostisch eine sehr ungünstige Bedeutung. 
Von anderen Befunden sei noch der hohe Fettgehalt des Blutes 
erwähnt. 

2. HerrHeine: U e ber Augenspiegelbef und e bei dia¬ 
betischer Lipaemie: Bei der retinalen Lipaemie sind die Ge- 
fässe weisslichblau gefärbt, der Fundus behält seine normale Farbe. 
Ein Fettgehalt von 3% lässt sich durch Sudan-Färbung nachweisen, 
während im Blut erst bei 5% die Diagnose möglich ist; daher 
die Wichtigkeit der Augenspiegeluntersuchung. 

An der Diskussion beteiligen sich ausser dem Vortragenden 
die Herren Rosenfeld, Röhmann und Uhthoff. Peritz. 

Sitzung vom 9. November 1906. 

Vorsitzender H. Uh t ho ff, Schriftführer H. Partsch. 

Herr Anschütz stellt einen Jungen vor, der 3 Meter hoch 
heruntergefallen und bewusstlos und ganz reaktionslos eingeliefert 
worden war. Es traten leichte Zuckungen rechts auf, und bei der 
Palpation des Schädels fühlte man Krepitationen. Es wurde tre¬ 
paniert und schon während der Operation trat Reaktion auf. Prog¬ 
nose ist günstig. 

1. Herr Anschütz: Vorstellung eines operierten Klein¬ 
hirntumors: Der Tamor hatte V» Jahr bestanden. Symp¬ 
tome waren: Kopfschmerz, dann Schwindel und Erbrechen, schliess¬ 
lich unsicherer Gang und Bewusstlosigkeit; am quälendsten war der 
Kopfschmerz. Eis trat cerebrale Ataxie, aber ohne Spasmus auf; 
das Rhombergsche Phaenomen war sehr ausgesprochen; Nystagmus 
war vorhanden, aber keine Stauungspapille. Puls war normal; es 
bestand ausgesprochene Nackensteifigkeit und Zwangslage auf der 
rechten Seite. Am 6. Tage nach der Aufnahme trat Stauungs¬ 
papille auf, und daher war zum mindesten die palliative Trepanation 
indiziert. Die Operation wurde in der hinteren Schädelgrube aus¬ 
geführt und, da links, wo er diagnostiziert war, kein Tumor sich 
vorfand, wurde auch rechts eingegangen, und dort fand man eine 
blutrote, walnussgrosse Geschwulst, die entfernt wurde; gleich¬ 
zeitig wurde noch Vs—Vio des Kleinhirns abgetragen, um jeden 
Druck zu vermeiden. Der Tumor war ein Myxosarcom. Am anderen 
Tage sprach Patient und nach 3 Wochen waren die Stauungser¬ 
scheinungen verschwunden. (Vorstellung des Patienten und De¬ 
monstration des Tumors.) 

Herr Winkler: Ueber Appendicitis mit Demonstration: 
Der Vortr. hat über 200 frische E'älle untersucht und zeigt die 
vorzüglichen Präparate in Lichtbildern. Aetiologisch hat er bei 
24% Concremente (Kotsteine), bei 4% Tuberkulose und bei 30% 
akute Entzündung festgestellt. Der Rest betrifft die chronische 
Appendicitis. Er stellte dann folgende Thesen auf: 1. Für die 
Aetiologie der Appendicitis kommt in erster Linie der anatomische 
Bau des Wurmfortsatzes in Betracht. 2. Die Behauptung, dass 
der Kotstein für die Schleimhaut unschädlich sei, ist durch 
zahlreiche Beispiele widerlegt. 3. Bei der Beurteilung derartiger 
„Konkremente“ ist zu unterscheiden zwischen frischen weichen 
„Kotmassen“ und alten festen, sogenannten „Kotsteinen“. 4. Im 
ersten Falle, Appendicitis coprostatica, können frische (bak¬ 
terienreiche) Kotbestandteile in sehr kurzer Zeit zur vollständigen 
Gangrän des Wurmfortsatzes führen. 5. Im zweiten Falle, Appen¬ 
dicitis ooprolitica, bleibt der Stein solange unschädlich für die 
Schleimhaut, bis eine Infektion hinzutritt. 6. Die entzündlichen 
Prozesse entwickeln sich zuerst in der Schleimhaut und ergreifen 
erst später die übrigen Schichten der Wand. Deshalb gehören 


submuköse Phlegmonen, und die unter Umständen bis zur Absce- 
dierung fortschreitenden Infiltrate der Muskularis als primäre 
Erscheinung zu den grössten Seltenheiten. 7. Infektionen des 
Wurmfortsatzes mit Tuberkulose, sowie Eindringen von tierischen 
Parasiten in dessen Schleimhaut können unter dem gleichen Bilde 
verlaufen, wie die akute oder chronische Appendicitis. 8. Die 
chronische Appendicitis ist als eine Summe von Einzel-Erkrankungen 
aufzufassen. 9. Die klinischen Erscheinungen lassen vielfach keiner¬ 
lei Schlüsse zu betreffend die anatomischen Schädigungen des Or¬ 
gans. Dies gilt bezüglich: a) Der Intensität und Lokalisation des 
Schmerzes, b) des Fiebere, sowie c) des Allgemeinbefindens des 
Patienten. 10. Die vorstehenden Symptome kommen für die Diag¬ 
nose nur insofern in Betracht, als sie vorhanden sind, nicht in so¬ 
weit sie fehlen. 11. Die Atrophie des Wurmfortsatzes ist weit 
häufiger als eine Folge latenter Entzündung aufzufassen (Appen¬ 
dicitis occulta), denn als Folge seniler Involution. J2. Je inten¬ 
siver die anatomische Untersuchung des operativ entfernten Wurm¬ 
fortsatzes betrieben wird, und je mehr deren Ergebnisse mit der 
Krankengeschichte verglichen werden, desto mehr wird sich die 
Ueberzeugung befestigen, dass möglichst frühzeitig durch operatives 
Elingreifen geholfen werden müsse. Peritz. 


Noturforschende Gesellschaft Freiburg i. B. 

Fachwissenschaftliche Sitzung vom 14. November 1906. 

Schilling: Demonstrationen zur pathologischen Anatomie 
des Labyrinthes. 

Sch. demonstriert ein Wachsplattenmodell eines auch klinisch 
untersuchten Falles von multipler Spongiosierung der Labyrinth¬ 
kapsel, welches die Hohlräume des Labyrinthes und die ihnen an¬ 
liegenden pathologischen Knochenherde plastisch zur Darstellung 
bringt (s. Arch. f. Ohrh. Bd. 68). Histologisch handelt es sieb, 
wie an mikroskopischen Projektionen gezeigt wird, um Knochen¬ 
herde von spongiosaähnlicher Struktur, die aus dünnen, struktur¬ 
losen, unregelmäßige' erweiterte Knochenkörperchen enthaltenden 
Knochenbälkchen bestehen und vielgestaltige Markräume mit ge¬ 
schlängelten Gefässen und retikulärer bis fasriger Zwischensubstanz 
begrenzen. Entstanden sind die Herde durch Resorption des alten 
lamellären Knochens (Erweiterung der Ha veraschen Kanäle, Ein¬ 
wachsen neuer Gefässe vom Periost, lacunäre Resorption durch 
Osteoklasten) und Ersatz durch neugebildete Knochenbälkchen 
durch Tätigkeit von Osteoblasten. Der Prozess ist teilweise zum 
Stillstand gekommen, an anderen Stellen schreitet er weiter, wo¬ 
bei sich resorptive und appositive Prozesse nebeneinander abspielen. 
Durch das Uebergreifen der Herde auf funktionell wichtige Teile 
entstehen Hörstörungen. Meistens wird, wie im gegebenen Falle, 
die Steigbügelplatte von dem Prozesse ergriffen, verdickt und an- 
kylosiert und macht dann das klinische Bild der Stapesankylose, 
einer progressiven, meist mit Sausen einhergehenden Schmerzhörigkeit 
mit den Erscheinungen des Schallleitungshindernisses und häufig 
auch einer nervösen Schwerhörigkeit, deren Ursache noch unklar 
ist, vielleicht mit dem Einfluss der bis an das Elndost reichenden 
Markräume auf die Labyrinthflüssigkeit zusammenhängt. 

Ueber den Ausgangspunkt des Spongiosierungsprozesses be¬ 
stehen verschiedene Ansichten, die älteste von v. Troeltsch in¬ 
augurierte nimmt eine Sklerose der Paukenschleimhaut an. Der 
Name Sklerose ist heute noch üblich, jedoch ist in reinen Fällen 
die Paukenschleimhaut völlig intakt. Man muss deshalb den Aus¬ 
gangspunkt des Prozesses im Perioste oder den Knochen selbst 
suchen. Die Vertreter der ersteren Anschauung nehmen meist 
an, dass es sich um einen entzündlichen Prozess handelt, eine 
Periostitis auf konstitutioneller Grundlage (gichtische Diathese, 
Scrophulose, Rhachitis, Lues). Diese Momente können jedoch nur 
für einzelne Fälle verantwortlich gemacht, und dürfen nicht ver¬ 
allgemeinert werden. Politzer hat zuerst die Erkrankung als 
eine primäre Knochenneubildung aufgefasst. Dann hat Lieben- 
mann die Grenze des enchondrae gebildeten und periostal aufge¬ 
lagerten Knochens als Ausgangspunkt des Prozesses bezeichnet, 
den er für die letzte Phase eines Wachstumsvorganges hält, der 
normaler Weise im Felsenbein nicht vorkommt. Nach Koerner 
ist diese abnorme Wachstumstendenz eine vererbte, schon im Ahnen¬ 
plasma enthaltene Anlage. 

Kurzer Ueberblick über die pathologische Anatomie der 
Taubstummheit, Demonstration eines Präparates von angeborener 


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30 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 3. 


Taubstummheit mit Degeneration des Cortischen Organes, Collaps 
der Reissnersohen Membran und des Sacculua (Praep. von Prof. 
Lind t Bern s. Deutsch. Arch. f. klin. med. Bd. 86). 

Die bei Leukaemie auftretenden Gehörs- uni Gleichgewichts¬ 
störungen sind durch Blutungen oder leukaem. Infiltrationen oder 
beides zugleich verursacht. Demonstration eines Präparates, das 
sämtliche Labyrinthräume von Blutungen erfüllt zeigt (Lindt-Bern). 

Demonstration einer Reihe von Labyrintheiterungen (eigene 
Präparate), welche die Durchbruchstellen der Eiterungen von der 
Paukenhöhle ins Labyrinth (ovales und rundes Fenster) und die 
verschiedene Ausbreitungsweise im Labyrinthe illustrieren; so kann 
die Entzündung z. B. auf den perilymphatischen Raum beschränkt 
bleiben. Heilungstendenz macht sich durch Bindegewebsneubildung 
und Knochenneubildung geltend. In ungünstigen Fällen geht die 
Eiterung auf dem Wöge des porus acustic. internus oder des 
aquaeductus cochleae aaf die Meningen über, wodurch gewöhnlich 
Meningitis entsteht, od$r seltener durch den aquaeductus vestibuli, 
dessen anatomische Verhältnisse die Entstehung eines Kleinhirn- 
abscesses begünstige. 

Küster: Lieber Trypauosomen als Krankheitser¬ 
rege r. 

Unter Demonstration und Projektion verschiedener Trypano¬ 
somen-Präparate gibt Vortragender zunächst einen kurzen Ueber- 
blick über das zoologische biologische Verhalten der Trypanosomen. 
In geschichtlicher Reihenfolge behandelt er sodann die wichtigsten 
Entdeckungen auf dem Gebiete der trypanosomischen Forschung, 
um dann die einzelnen Typen der trypanosomischen Erkrankungen 
und unter diesen die für Deutschland wichtigsten: Nagana und 
Schlafkrankheit näher zu besprechen. Ueber Nagana hat V. 
an kleineren Laboratoriumstieren eine Reihe von Untersuchungen 
angestellt, aus denen besonders eine durch häufige Passage auf 
Ratten und Mäuse erworbene ausserordentlich geringe Virulenz 
der Naganaerreger für Hunde hervorging. Die infizierten Hunde 
machten eine chronisch-verlaufende Nagana durch mit deutlichen 
klinischen Symptomen (Fieber, Somnolenz, Keratitis parenchymatosa, 
starke Abmagerung bei dauernd guter Nahrungsaufnahme); der 
Tod erfolgte nach 2 bis 3 Monaten; über Obduktionsbefund und 
die noch nicht abgeschlossenen histologischen Untersuchungen wird 
an anderer Stelle noch ausführlicher berichtet werden. V. schliesst 
mit einem Hinweis auf die von Schaudinn gefundenen Beziehungen 
zwischen Trypanosomischen- und Spirillen-Erkrankungen. 

Krielmeyer: Experimentelle Tabes bei Hunden (Trypano- 
somen-Tabes). 

Diese experimentellen Untersuchungen gingen von den Er¬ 
wägungen aus, dass sich die Trypanosomiasis (speziell der Schlaf¬ 
krankheit) mit den syphilitischen und metasyphilitischen Er¬ 
krankungen (Paralyse) anatomisch und klinisch in manchen Punkten 
berührt und dass die Trypanosomen der Gruppe der Spirocbaeten, 
in die der wahrscheinliche Lues - Erreger gehört, nahestehen. Es 
sollte untersucht werden, ob sich auch sonst noch verwandtschaft¬ 
liche Beziehungen zwischen Trypanosomiasis und Lues (respektive 
Metasyphilis) finden. Die Versuche bestätigten das: bei Hunden 
kann es infolge von Trypanosomen-Infektion zu degenerativen 
zentralen Veränderungen kommen (Hinterwurzeln, sensible 
Trigeminuswurzel, Optikus), die prinzipiell denen bei 
der postsyphilitischen Tabes der Menschen gleich sind. 
(Vgl. den Aufsatz in Nr. 48 der Münchener medicinischen Wochen¬ 
schrift 27. 11. 1906.) 


Gynaekologische Monatsschau. 

Die für den Praktiker eminent bedeutsame Frage einer 
rationellen Therapie bei engem Becken war auf dem 
diesjährigen Naturforschertage zu Stuttgart in mannigfach variierten 
Themen der Gegenstand eingehendster Erörterung. Als wichtigstes 
Resultat^derselben ist zu registrieren, dass die von Krönig und 
Zweifel vertretene Anschauung, die künstliche Frühgeburt sei 
gänzlich zu vermeiden und in allen Fällen durch eine aktivere 
Therapie, die Pubiotomie oder Sektio caesarea, zu ersetzen, von 
Seiten aller Referenten eine mehr oder minder energische Zurück¬ 
weisung erfuhr. Fehling kommt auf Grund seiner Erfahrungen 


zu dem Resultat, dass die künstliche Frühgeburt in ihrem Wert 
für das Leben der Kinder voll bestehen bleibt und endgültig sogar 
bessere Resultate für dieselben liefert als der Kaiserschnitt. Die 
Pubiotomie ist kein Ersatz für die künstliche Frühgeburt, sondern 
beide Operationen sollen mit eigenen Indikationen nebeneinander 
bestehen. Das Gebiet der Pubiotomie umfasst Erstgebärende, wo 
Gefahr für Mutter und Kind besteht und bisher am lebenden oder 
toten Kinde perforiert worden war; ferner solche Mehrgebärende, 
die von vornherein den relativen Kaiserschnitt ablehnen oder wo 
im Verlaufe der Geburt unvorhergesehene, anders nicht zu behebende 
Gefahren auftreten. Die künstliche Frühgeburt bleibt reserviert 
für Frauen, die 1 — 2 Totgeburten hinter sich haben und bei 
denen die Beckenverengung nicht zu hochgradig ist. Pfannen¬ 
stiel tritt besonders im Interesse des Praktikers, der infolge 
äusserer Umstände nur selten in der Lage sein wird, die grossen 
und eingreifenden Operationen aasführen zu können, als warmer 
Fürsprecher der künstlichen Frühgeburt auf. Er formuliert seine 
Indikationen für die Therapie bei engem Becken folgendermaßen: 
Hochgradig verengte Becken sollen im allgemeinen der 
Klinik zur Ausführung der Sectio caesarea oder der Pubiotomie 
mit oder ohne Verbindung mit künstlicher Frühgeburt überwiesen 
werden. In diese Kategorie werden im allgemeinen auch die 
höheren Grade des allgemein verengten platten Beckens 
gehören. Alle geringeren Grade von Becken Verengung können im 
Hause nach folgenden Grundsätzen behandelt werden: Die künst¬ 
liche Frühgeburt ist indiciert, wenn der Geburtsverlauf beim ersten 
Kinde ein grosses Mißverhältnis zwischen Kopf und Becken ge¬ 
zeigt hat oder wenn die Messung schon io der ersten Gravidität 
eine bedenkliche Verengung aufweist (Conj. vera 7—8Va cm). 
Für die rein platten Becken eignet sich die künstliche Früh¬ 
geburt durch Hystereuryse mit prinzipieller Ausführung der 
prophylaktischen Wendung, für die allgemein verengten 
Becken ist die Abwartung des Spontan Verlaufs vorteilhafter und 
deshalb zur Einleitung der Frühgeburt die Bougieraethode 
mehr zu empfehlen. Bei Geburten am normalen Ende der Schwanger¬ 
schaft gilt als Grundsatz, den natürlichen Geburtslauf nicht zu 
stören, sondern nach Möglichkeit zu unterstützen (Regelung der 
Wehentätigkeit, Hängelage etc.). 

Auch das v. Herff’sche Referat gipfelt auf Grund der Tat¬ 
sache, dass die Lebensfähigkeit der durch künstliche Frühgeburt 
geborenen Kinder kaum geringer ist als die der reifen , in dem 
Satze, dass die künstliche Frühgeburt nach wie vor als vollbe¬ 
rechtigter und segensreicher Eingriff zu Recht besteht. H o f m e i er, 
der letzte Referent, ist zwar mit den Resultaten der künstlichen 
Frühgeburt in Bezug auf die Mütter nicht zufrieden, kommt aber 
doch zu dem Ergebnis, dass die von Krönig aufgeworfene Frage 
nach einer Berechtigung oder Verpflichtung zu einer aktiveren 
Therapie in der Geburtshilfe nur sehr vorsichtig und keineswegs 
ohne Vorbehalt bejahend beantwortet werden könne. 

Einen weiteren Beitrag zu diesem scheinbar unerschöpflichen 
Thema bringen zwei Veröffentlichungen, die gleichzeitig eine Illu¬ 
stration der oft wiederholten Mahnung, die Pubiotomie nicht als 
eine für den praktischen Arzt geeignete Operation zu empfehlen, 
bilden. In einem Falle von ziemlich hochgradig verengtem Becken 
erlebte Rühl bei einer Pubiotomie infolge fester Verwachsung 
der Blase mit dem absteigenden Schambein- resp. aufsteigenden 
Sitzbeinaste eine kollossale Zerreissung der ganzen Scheide und 
Blase, deren Vereinigung nur mit grösster Mühe und unter Zu¬ 
rückbleiben einer Blasenscheidenfistel gelang. Diese unangenehme 
Erfahrung veranlasst Rühl zu dem etwas weitgehenden Vorschlag, 
bei stark verengten Becken, sehr rigider Scheidewand und vor¬ 
ausgegangenen Entzündungen im kleinen Becken, die die oben er¬ 
wähnten Verwachsungen von Blase und Knochen verursachen, vor 
der Ausführung der Pubiotomie die Blase wie beim vaginalen 
Kaiserschnitt von einem später wieder zu vereinigenden Scheiden¬ 
schnitt aus prophylaktisch abzulösen und hochzuschieben, so dass 
sie aus dem Bereich der Durchsägungsstelle zu liegen kommt 

v. Rosthorn beschreibt ein Erlebnis, das bisher bei der 
Pubiotomie für unmöglich gehalten worden ist, nämlich eine Blutung 
von derartiger Heftigkeit, dass trotz raschesten Eingreifens bei 
guter Assistenz, Spaltung der Weichteile, Freilegung des Wund¬ 
gebietes und Tamponade die Patientin an ihr in wenigen Minuten 
zu Grunde ging. 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


81 


In hohem Grade beachtenswert sind die Mitteilungen, die 
Welcher auf dem Stuttgarter Kongress über Ernährung der 
Wöchner innen und Stillvermögen machte. Seit 1887 hat 
Walcher in seiner Anstalt den Wöchnerinnen vom ersten Tage 
nach der Geburt an volle Kost verabreicht und gleichzeitig eine 
andere Reihe von Wöchnerinnen zum Zwecke eines Vergleiches 
bei der in der Praxis meist noch üblichen „Hungerdiät“ belassen. 
Die Untersuchungen ergaben, dass bei guter Ernährung die Rück¬ 
bildung der Gebärmutter sowie der Bauchdecken eine bessere ist; 
die Verdauung ist, wenn am nächsten Tage schon für Stuhlgang 
gesorgt wird, eine vortreffliche. Die Temperaturen der gut Ge¬ 
nährten waren durchschnittlich 0,3 Grad geringer als die der 
schlecht genährten, die Morbidität überhaupt geringer. Am Schlüsse 
der 13 tägigen Beobachtung wurden die gut genährten Wöchnerinnen 
frisch und gesund, die in der früheren Ernährungsweise ernährten 
blass und schwach entlassen. Die gut genährten konnten ihre 
Kinder ganz stillen in 79%, die schlecht ernährten in nur 22%. 
Mit der Zeit wurde die Stillfähigkeit bis auf annähernd 100% 
gesteigert. (Schluss folgt.) 


Periodische Literatur. 

Deutsche med. Wochenschrift. No. 49. 1906. 

1. Ehrmann, Wien: Die Therapie der akuten und chro¬ 
nischen Cystitis. 

Die Cystitis ist immer durch Mikroben hervorgerufen, die 
durch die Urethra, Ureteren oder von den Nachbarorganen durch 
Gewebsspalten und den Blutkreislauf eindringen. Symptome sind 
Trübung des Urins durch Eiter, Epithelien, Mikroben in ver¬ 
schiedener Menge, Schmerzhaftigkeit beim Urinlassen, Auspressen 
blutigen Harnes oder Blut, gesteigerter Harndrang und zuweilen 
Fieber. Die Gonococcencystitis entsteht dadurch, dass 
Bakterien teils durch Instrumente, teils durch Injektionen in die 
Blase gebracht werden, oder durch Ansaugen des Eiters aus der 
Urethra anterior durch die Periuealmuskulatur bei forcierten Be¬ 
wegungen der unteren Extremitäten und bei übermäßigem Uri¬ 
nieren nach Alkoholgenuss. Daher muss vor der Injektion oder 
Einführung eines Instrumentes die Urethra vom Eiter befreit, der 
letzte Urin klar abgeflossen sein. Die Behandlung ist kausal und 
symptomatisch. Salicylsaures Natron oder Salol (0,5 6 mal pro die) 
genügen meist, auch bei Blutungen; bei längerer Dauer empfehlen 
sich die Balsamica. Urotropin leistet hierbei weniger, ebenso 
Citarin und Helmitol. Falls Harndrang, Schmerz und Haematurie 
besondere Medication verlangen, verwendet man Decocte von Folia 
uvae ursi, oder Herba Herniariae oder Herba Chenopodii ambrosi- 
vidis und Narcotica, wie Morphium 0,01 pro supositorio und Extr. 
Canabis indicae. Blutungen werden mit warmen Bädern oder 
Extr. secal. behandelt. Nach Verschwinden der Reizerscheinungen 
geht man zur lokalen Behandlung über; blande Spülmittel sind 
2—3%ige Borsäurelösungen, lauwarm, wobei die Spritzen absolut 
aseptisch sein müssen, die interne Behandlung geht nebenher. 
Das beste stärkere Desinfektionsmittel ist Argentum nitricum 
(0,25—1,0 auf 1000,0), beginnend mit schwachen Lösungen nach 
voraufgegangener Spülung mit warmem sterilen Wasser oder Bor¬ 
säurelösung; allmählich wird die Injektionsmenge vergrössert und 
länger in der Blase gelassen. Argentamin, Albargin, Protargol, 
Argonin, Itrol und übermangansaures Kali (1,0/1000,0) sind eben¬ 
falls brauchbare Präparate, ferner Salicylsäure 1/200, Resorcin 
3/100, Chininum sulfuricum 0,5/400. Andere Formen der 
akuten Cystitis werden durch Mikroben erzeugt, welche durch 
Instrumente in die Blase gelangen, die - sich wegen Hindernisse 
in den vorderen Harn wegen (Striktur, Prostatahypertrophie) oder 
wegen paretischer Zustände nicht vollständig entleeren kann. 
Hierfür in Betracht kommende Mikroben sind Bakterium coli und 
Proteus Hauser. Urotropin leistet dagegen gute Dienste, ferner 
Aqua calcis zu gleichen Teilen mit Milch (30 — 35 g) dreimal 
am Tage, alkalische Wässer, Biliner, Salicylpräparate, Benzoe¬ 
säure , Methylenblau. Leichte Fleischspeisen, grünes Gemüse, 
Fruchteäfte, Kompotts, Mehlspeisen und Milch machen die Diät 
aus. Die chronische Cystitis zeichnet sich durch Mangel 
an Harndrang, Fehlen der Schmerzen und Blutungen aus. Uro¬ 


tropin leistet auch hierbei gute Dienste. Argentum nitricum ist 
als lokales Mittel bewährt. Wegen des Sediments in der Blase 
ziehe man den Katheter etwas vor und wieder zurück. Zincum 
sulfuricum oder sulfocarbolicum, Alaun und übermangansaures Kali 
sind ebenfalls empfehlenswert. Bei tuberkulöser Cystitis 
sind Einspritzung von Jodoformemulsionen angezeigt, bei .nur 
lokaler Schleimhautentzündung von Argentum nitricum mittels 
Guyonscher Spritze. Bei Abscessen, Harninfiltration und zur Ab- 
l,eitung des Eiters sind chirurgische Eingriffe notwendig, Curette- 
ment und Kauterisation unter Zuhilfenahme des Operationscysto- 
skops. Dehnungen bei Schrumpfungen infolge chronischen Katarrhs 
sind mittels Flüssigkeit von drei zu drei Tagen vorsichtig auszu¬ 
führen. 

Bei saurem oder neutralem Ham der Cystitiskranken em¬ 
pfiehlt sioh die Darreichung von Säuerlingen; bei Stauungen im 
Becken Karlsbader oder Marienbader, bei chronischen mit Anaemie 
verbundenen Eisensäuerlinge, wie Wildunger. 

2. Weber, Kaiser! Gesundheitsamt, Berlin: Die Infektion des 
Menschen mit den Tnberkelbazillen des Kindes (Perlsucht¬ 
bazillen). 

Für die Tuberkulose des Menschen kommen zwei sich nahe¬ 
stehende Krankheitserreger in Betracht, erstens die Bazillen des 
Typus humanus, die eigentlichen Erreger der menschlichen Tuber¬ 
kulose, und zweitens des Typus bovinus, die Erreger der Tuber¬ 
kulose des Rindes, der Perlsucht. Letztere maohen einen Teil 
derjenigen Tuberkulose aus, deren Eingangspforte im Verdauungs¬ 
kanal zu suchen ist, der primären Darm- und Mesenterialdrüsen-, 
sowie der Halsdrüsentuberkulose. Hierbei kommt nur das Kindes¬ 
alter in Frage. Die Möglichkeit einer Uebertragung von Mensch 
zu Mensch ist sehr gering, bisher ist sie nicht beobachtet. Die 
Gefahr der Perlsuchtinfektion besteht immerhin, und darum sind 
die Maßnahmen zur Verhütung einer Uebertragung der Tuber¬ 
kulose des Rindes auf den Menschen durch Nahrungsmittel ge¬ 
rechtfertigt. 

3. Vervurod, Bern: Ueber Agglutinine und spezifische 
Immunkörper im Qonoooocenserum. 

Verfasser hat fast zu derselben Zeit wie Bruck in der Neisser- 
schen Klinik und unabhängig davon seine Untersuchungen ange¬ 
stellt. Die Resultate sind ebenfalls die gleichen; nur in einem 
Punkte unterscheiden sie sich. Bruck nahm an, dass die Bildung 
der Gonococcenagglutinine vollständig unabhängig von derjenigen 
der spezifischen Amboceptoren sei. V.'s Versuche zeigen aber, 
dass im künstlichen Immunserum beide Stoffe nebeneinander ge¬ 
bildet werden können. Die Resultate seiner Untersuchungen sind 
folgende: 1. Eis lässt sich an Tieren durch Vorbehandlung mit 
Derivaten der Gonococcen ein hochwertig agglutinierendes Gono- 
coccenserum hersteilen. 2. Das Gonococcenserum agglutiniert nicht 
Staphylococcen, Streptococcen, Typhuskulturen, wohl aber Meningo- 
coccen (starke Gruppenagglutination). 3. Gonococcenserum besitzt 
einen erheblichen Agglutinationstitre auch für Meningococcen; um¬ 
gekehrt agglutiniert Meningococcenserum die Gonococcen stark 
(starke Gruppenagglutination). 4. Gonococcenserum enthält spe¬ 
zifische Immunkörper (Amboceptoren nach Ehrlich) für Gonococcen. 
5. Die Amboceptoren des Gonococcenserums werden von Meningo¬ 
coccen nicht gebunden, wie umgekehrt die Gonococcen keine Bin¬ 
dung der Meningococcen-Immunkörper herbeiführen. Die Methode 
des Nachweises spezifischer Amboceptoren in vitro ist daher bei. 
diesen Coccenarten für diagnostische Zwecke der Agglutination 
anscheinend überlegen. 

4. Bab, Berlin: Kurze Mitteilungen zu dem Aufsatz von 
Prof. Wassermann und Dr. Plaut über syphilitisohe Antistoffe 
in der Cerebrospinalflüssigkeit von Paralytikern. 

Aus den Untersuchungen erscheint der Schluss gerechtfertigt, 
dass die Spirochaete der Produzent der biologisch nachweisbaren 
syphilitischen Stoffe ist, dass also die Spirochaete pallida tatsäch¬ 
lich der Erreger der Syphilis ist, falls man nicht zu der unwahr¬ 
scheinlichen Hypothese die Zuflucht ergreifen will, dass die Spiro¬ 
chaete als ein harmloser Schmarotzer in engster Symbiose mit 
einem uns noch unbekannten Lueserreger lebt. 

5. Frijedberger und Moresohi: Beitrag zur aktiven Im¬ 
munisierung des Mensehen gegen Typhus. 


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58 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 3. 


Zwischen Impfstoffmenge und Intensität" der Antikörperbil¬ 
dung besteht ein paradoxes Verhältnis; es ergab sich ans zahl¬ 
reichen Impfversnchen, dass innerhalb weiter Grenzen die Antigen¬ 
menge ohne Einfluss auf die Höhe ’ der ^erreichten Titreworte für 
Agglutination und Bakteriolyse. Zu erklären ist diese Erscheinung 
mit, der Annahme Pfeiffers, dass die Antikörperproduktion eine 
spezifische Sekretion auf einen spezifischen Reiz sei. Man muss 
dann annehmen, dass z. B. in Vsoo Oese Typhusbakterien soviel 
Receptoren vorhanden sind, als mit passenden Zellengruppen in 
Aktion zu treten vermögen, so dass ein Mehr von eingeführten 
Bakterienreceptoren vom Organismus nicht verarbeitet wird. Die 
Verfasser wählten für ihre Versuche mit totem Typhusimpfstoff 
die endovenöse Injektion, die keine lokale Reaktion verui-sacht. 
Der eine Bakterienstamm zeigte im Reagensglas fast gar keine 
Receptoren, seine antigene Fähigkeit war aber gleichwertig dem 
zweiten bemessen. Es dürfen also nicht Antikörper bildende und 
bindende Gruppen nicht als identisch angesehen werden, wie 
Ehrlich annimmt, ebensowenig ist die Bindungsfahigkeit eines 
Typhusstamms ein alleiniger Maßstab seiner antigenen Qualität, 
wie Wassermann glaubt. Der Impfstoff wurde aus 18 ständigen 
Agarkulturen nach Löffler bereitet, die toxische Wirkung der 
Bakteriensubstanzen aber erlitt dabei keine Einbusse. Auch 
1 / 2 ooo Oese hatte noch Temperaturanstieg zur Folge, erst bei 
’Aooo Oese blieb Fieber aus. Verfasser haben so für den Men¬ 
schen die minimale Menge von totem Impfstoff festgestellt, welche 
überhaupt noch eine nachweisbare Antikörperbildung auslöst, ferner 
diejenige kleinste Menge, bei der noch eine optimale, oder doch 
wenigstens nach den bisherigen Erfahrungen ausreichende Anti¬ 
körperbildung stattfindet. Die für die Agglutination gefundenen 
Werte unterliegen beträchtlichen individuellen Schwankungen, sind 
aber meist recht erheblich. Wichtiger als die Agglutinationswerte 
sind für die Beurteilung dieser Methode die bakteriolytischen 
Titer. Die von Hetsch gefundenen höchsten Werte nach drei¬ 
maliger Vorbehandlung mit im ganzen sechs Oesen abgetöteter 
Typhuskultur wurden durch einmalige endovenöse Injektion einer 
300mal geringeren Bakterienmenge erreicht, und selbst mit 6 bis 
24000mal geringerer Bakteriendosis wurden Werte erreicht, die 
den mit sechs Oesen (subcutan) gleichkamen. Zwischen Fiebergrad und 
Intensität der Antikörperproduktion besteht keine Beziehung, wie 
es auch Wr ( i'gt annimmt. Zu bemerken ist "noch, dass dieselben 
Verhältnisse, wie sie hier beim Typhus ermittelt wurden, nicht 
für jede Infektionskrankheit mit bakteriolytischer Immunität Gel¬ 
tung haben. Eine Tabelle veranschaulicht die gefundenen Re¬ 
sultate. 

6. Saalfeld, Berlin: Zur£[mneren Behandlung der Go* 
norrhoe. 

Nach Ansicht des Verfassers hat das Gonosan viele Vorzüge 
vor dem Sandelöl. Im Gonosan ist Oleum Santali rein und un¬ 
verfälscht, von guter£Qualität, ferner die Kawa-Kawa mit ihrer 
sekretionsbeschränkenden Eigenschaft vorhanden, und schliesslich 
tritt die sedative Wirkung ganz besonders hervor. Eine Ueber- 
legenheit des Santyls gegenüber dem Gonosan ist nicht nachzu¬ 
weisen. Salicylsäurezusatz zu den Sandelölpräparaten sind zu ver¬ 
meiden wegen der reizenden Eigenschaft auf die Nieren, wie auch 
Casper betont. Verfasser ist cjler Ueberzeugung, dass die innere 
Gonorrhoetherapie niemals etwas schadet; er ist derselben Ansicht 
wieLetzel, der bei gleichzeitiger ^Anwendung von Balsamicis und 
Injektionen^sehr selten Komplikationen gesehen hat, viel seltener 
jedenfalls, als bei der Anwendung von Injektionen allein, die 
Dauer war kürzer, der Verlauf milder. LJa*n'g ist ähnlicher An- 
sicht,g|er {hatj oft Heilung^'durah[ interne^Behandlung allein ge¬ 
sehen, und Meyerhawt bestätigt diese Angaben. 'Auch Z e i s s 1 und 
Verfasser haben die gleichen Erfahrungen gemacht; letzterer em¬ 
pfiehlt, den intelligenten, manuell geschickten Patienten die Tripper¬ 
spritzen in die Hand zu geben; solange aber Aerztejdiese Technik 
nicht beherrschen, und solange manuell ungeschickte Kranke Vor¬ 
kommen, würde die innere Behandlung" der Gonorrhoe nicht auf¬ 
hören. 

7. 'Hess, Marburg: Ueber Eventeratio di&phragmatica. 

H. beweist, dass die Ansicht Lo tzes, bei Fr. Schneider liege 
eine Hernia diaphragmatica vor, unrichtig sei. Zwei Arbeiten 
von Hildebrand-Hess und Jamin haben durch eingehende Unter¬ 


suchung bereits festgestellt, dass in diesem Falle eine Eventeratio 
diaphragmatica vorhanden sein müsse. 

8. Heinzeimann, Osnabrüok: Ein Fall von Lymphangiom 
des grossen Netzes, kombiniert mit Ovarialoystom. 

IJ. beschreibt einen Fall von Lymphangioms cavernosum et 
cysticum mit ausgesprochenem traubenartigem Bau des grossen 
Netzes. Die Diagnose war insofern schwierig, als das linke Ovarium 
in eine apfelgrosse Cyste verwandelt war, während das rechte 
Ovarium klein cystisch degeneriert war. Ueber die Entstehnngs- 
weise und Ursache hat sich nichts sicheres feststellen lassen, viel¬ 
leicht bildete der gravide Uterus ein disponierendes Moment. Die 
klinischen Erscheinungen boten keinen charakteristischen Befund, 
da Verwachsungen mit dem Darm und dem Peritoneum parietale 
der vorderen Bauchwand bestanden. Die Operation war leicht, 
die Heilung erfolgte prompt, Recidive sind nicht zu befürchten. 
Um eine Metastase des Ovarialcystoms hat es sich nicht gehandelt. 

9. Bachem, Bonn: Arsneiverordnnng und Pharmakopoe. 

Für die geplante Neuauflage des jetzigen deutschen Arznei¬ 
buches macht B. einige Vorschläge, z. B. die Streichung einiger 
nie gebrauchten, oder durch bessere Präparate ersetzten Mittel. 
Vollkommen entbehrlich ist Acetum aromaticum, Acidum hydro- 
bromicnm, ein Ersatz des Bromkalium, aber in der Wirkung ge¬ 
ringer als dieses, Ammonium chloratum-ferratum, früher bei Chlorose 
mit gleichzeitiger Bronchitis gebraucht, aber durch viel bessere 
Eisenpräparate ersetzt, ebenso verhält es sich mit Amylenhydrat. 
Areolinum hydrobromicum hat nur Bedeutung für die Veterinär¬ 
praxis, Carrageen wird fast nur noch zur Anfertigung von Ge¬ 
heimmitteln gebraucht, Elixir amarum ist völlig in Vergessenheit 
geraten. Für Folia Jaborandi wird das Pilocarpin gebraucht, das 
die Schädlichkeiten der Folia nicht besitzt. Fructus papaveris 
immaturi, Semen und Sirupus papaveris sollten gestrichen werden, 
weil ihr Alkaloidgehalt nicht vorgeschrieben ist, Fungus chirurgorum 
ist unbrauchbar, weil dies Mittel nicht aseptisch ist, Herba 
Conii werdon nie verschrieben, ebenso Herba Violae tricoloris. 
Hirudines sind nicht aseptisch und andere Mittel leisten mehr. 
Ferner können gestrichen werden: Mixtura sulfurica acida, Spiri¬ 
tus Angelicae compositus, Tinctura Ferri chlorati aetherea, Ungt. 
Plumbi tannici, Ungt Rosmarini compos. und Ungt. Tartari stibiati, 
Zincum aceticum. 

Würdig aber, in das neue Arzneibuch aufgenommen zu werden* 
sind Adrenalin, unter dem Nam9n Alcaloideum suprarenale, womit 
Adrenalin, Suprarenin und Paranephrin gemeint wäre, und der 
Apotheker wäre nicht gezwungen, alle drei Präparate vorrätig zu 
halten, Aspirin, unter dem Namen Acidum acetylosalicylicum, da 
Aspirin ein Schutzname für das jPräparat von Bayer & Co. in 
Elberfeld ist, Dionin und Heroin mit den Maximaldosen 0,1 und 
0,01, beide sind vorsichtig aufzubewahren, Hydrogenium peroy- 
datum, Migränin, unter dem Namen Antipyreticum compositum, 
Tannalbin und Tanningen, Urotropin, Vasogenum jodatum, Veronal 
1,0 pro die, 2,0 pro dosi. 

Empfehlenswert wäre auch die Aufnahme von Guajacol oder 
ähnlicher Kreosotmittel, Jodipin, Sozojodol, Thyosinamin, Tinctura 
Ferri composita. 

Statt Acidum carbolicum sollte es Phenolum oder Carbolum 
heissen, weil es richtiger ist.' Einige stark wirkende Drogen, 
vor allem Folia Digitalis, sollten, soweit dies angängig ist, eine 
Prüfungsmethode zur quantitativen Bestimmung ihres wirksamen 
Bestandteils erhalten. Ferner sollte die Maximaldosis für Strich- 
ninum nitricum von 0,01 auf 0,005 erniedrigtjwerden, da 0,01 
schon Intoxikationserscheinungen macht. 

10. Zernik, Steglitz: Nene Arzneimittel, Spezialitäten 
und Geheimmittel, 

Verfasser hat eine Anzahl neu untersuchter Abführ-, bezw. 
Entfettungsmittel zusammengestellt. Nur auf Verordnung des 
Arztes dürfen folgende abgegeben werden, da sie Drastica ent¬ 
halten : Ayers Cathartie Pills, Moritons Pills, Redlingersche Pillen, 
Pagliano Sirup, Corpulin. Freihändig verkauft können folgende 
werden: Winthers nature health restorer, Burkharts Kräuterpillen, 
Dalloff The contre l’obesite, Graziana - Zehrkur, Melal, Myotin- 
Laxiersaft, Eunors fruis salt, Plautal, Slaukal und Antipositin. 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


33 


Berliner klinische Wochenschrift. Nr. 50. 1906. 

1. Lewin nnd Stadelmann, Berlin: lieber Acokanthera 
Sohimperi als Mittel bei Herzkrankheiten. 

Lewin bespricht die verschiedenen Acokanthera-Arten und 
die Chemie nnd Pharmakologie des daraus gewonnenen^Ouabain. 
Dieses Glycosid hat er in amorpher Form dargestellt, im Gegen¬ 
satz zu einem diesem sicherlich nahestehenden kristallinischen 
anderer Autoren. Die biologische Prüfung zeigte eine durch Oua¬ 
bain verstärkte Systole, eine grössere Arbeitsleistung des Herzens, 
eine vermehrte Füllung der Arterien, Steigerung des Blutdrucks. 
Diese Ergebnisse legten eine klinische Prüfung des Ouabains als 
Herzmittel nahe. Diese wurde von Stadelmann vorgenommen. Er 
wandte das Mittel an als Infns-Decoct Acokantherae 1,0 —1,5 
: 160,0, Syr. 30,0, Aq. menth. 10,0; davon 6 — 8 Esslöffel in 24 
Stunden, 4 — 5 Flaschen hintereinander. Im ganzen wurden 29 
Patienten damit behandelt (Nephritis chronica mit Herzschwäohe, 
Cirrhoeis hepatis, Arteriosclerose, Myocarditis, Aorteninsufficienz, 
Mitralfehlern, Vitium cordis complicatum). Die Erfolge bei Herz¬ 
kranken der verschiedensten Art waren nicht gleichmäßig, aber 
ermutigend; in einzelnen Fällen versagte das Mittel, in anderen 
hatte es schöne, befriedigende Erfolge, wie das ja auch bei Digi¬ 
talis. Digalen, Diuretin etc. der Fall ist. Im einzelnen wurde 
der Puls keineswegs regelmäßig beeinflusst, am günstigsten bei 
Mitralfehlern, bei Aortenfehlern blieb er oft unbeeinflusst, selbst 
wenn sonst das Krankheitabild sich besserte. Der Blutdruck stieg 
in einzelnen Fällen bedeutend, in anderen zeigte er keine Aende- 
rung, vereinzelt sank er. Die Vermehrung der darniederliegenden 
Harnabsonderung wurde nicht immer durch das Mittel erzielt, 
manchmal aber in überraschend prompter und reichlicher Weise. 
Einzelne Krankengeschichten, die dies erläutern, werden mit^e- 
te>lt. Mit der Vermehrung der Urinsekretion ging Hand in Hand 
eine wesentliche Besserung des Allgemeinbefindens, Schwinden 
der Dyspnoe, Cyanose, der Stauungskatarrhe, der Leberschwel¬ 
lungen, der Transsudate, Oedeme. Manchmal empfanden die 
Kranken subjektive Besserungen, wenn objektiv keine deutlichen 
Anzeichen einer günstigen Einwirkung vorhanden waren. Nach 
den bisherigen Erfahrungen ist die Acokanthera ein wirksames 
Herzmittel, das der Digitalis an die Seite gestellt werden kann, 
und das auf das kranke Herz wie diese ein wirkt. Sehr wichtig 
erscheint, dass die wirksame Substanz des Lign. Acokantherae 
sehr haltbar ist; die verwandten Mixturen waren aus einem Holz 
hergestellt, das schon viele Jahre vorher abgeschnitten war und 
gelagert hatte. Auch mit dem Ouabain hat St. einzelne Versuche 
angestellt; er hat es snbcutan oder intramuskulär injiziert, 1 ccm 
einer Lösung 0,003—0,004 : 10,0, dreimal täglich; die Wirkung war 
eine prompte und vortreffliche, dabei waren die Injektionen völlig 
schmerzlos und ohne sonstige Nebenwirkungen. 

2. Strauss, Berlin: Ueber erworbene Formen de« chroni¬ 
schen acholurisohen Ikterus mit Splenomegalie. 

Zwei Fälle werden mitgeteilt, die Patienten im dritten Lebens¬ 
dezennium betrafen; der eine litt seit 23 Jahren, der zweite seit 
unbestimmter Zeit an Gelbfärbung, der Stuhl war stets braun, 
der Urin gelblich-rötlich gewesen. Objektiv fand sich bei beiden 
ikterisches Aussehen, erheblicher Milztumor, geringfügige Leber- 
vergrös8erung, braunes Aussehen des 8tuhles, Fehlen von Bilirubin, 
aber Vorhandensein von Urobilin im Urin und eine Neigung zu 
Störungen im Gebiete des Magendarmkanals. Lues, Cholelithiasis, 
Echinococcus, Lenkaemie, Pseudoleukaemie, Malaria Hessen sich 
ausschliessen, und war daher die Einreihung der beiden Fälle in 
obige Krankheitsgruppe gerechtfertigt. Bezüglich der Patho¬ 
genese neigt St. dahin, das Primäre in einer Cholangitis zu 
suchen. Therapeutisch wurde ein die Cholangitis bekämpfendes 
Regime befolgt, aber ohne sicheren Erfolg. 

3. Rothschild, Berlin: Ueber einen Blaaenstein mit 
Wachskern, Krankengeschichte und Beitrag zur Frage der 
diagnostischen Verwendung der Röntgenstrahlen bei Harnkon¬ 
krementen. 

Der betr. Kranke kam in Behandlung mit dem schon ca. ein 
Jahr bestehenden Krankheitsbilde einer schweren Cystitis dolorosa 
mit hochgradigsten Schmerzparoxysmen. Nach verschiedenen ver¬ 
geblichen therapeutischen Versuchen wurde der Gedanke ventüiert, 
ob nicht ein die Blasenwand verletzender Fremdkörper vorhanden 


sein könne; der Patient gab schliesslich zu, dass er sich seiner 
Zeit masturbationis causa ein mit dem Stück eines spiraligen 
Wachsstockes armiertes Gummirohr in die Harnröhre eingeführt 
habe, und dass beim Zurückzieben das Wachs stecken geblieben 
sei. Die Röntgenuntersuchung zeigte einen grossen Stein in der 
Blase. Derselbe wurde durch Sectio alta entfernt; er glich in 
Form und Farbe einer Klartoffel, wog 44 g, auf dem Durchschnitt 
zeigt sich im Inneren von den weissen Steinschichten umgeben 
ein pflaumengrosser Kern aus Wachs. 

4. Landau, Berlin; lieber den primären Krebs der Ap¬ 
pendix, nebst Bemerkungen über die Revision der Appendix 
bei jedweder Laparotomie. (Schluss aus Nr. 49.) 

Bei einer Patientin, die wegen Myom l&parotomiert wurde, 
ergab die Revision der Appendix suspekte Veränderungen der¬ 
selben, weshalb die Appendektomie vorgenommen wurde. Die 
anatomische Untersuchung ergab alsdann ein beginnendes Garei¬ 
nom der Appendix, histologisch ein Carcinoma Simplex. Primäre 
maligne Appendixtumoren sind relativ selten; in der Literatur 
sind 64 beschrieben, meist Carcinome. Fast alle sind zufällige 
Befunde bei der Obduktion oder bei der Autopsie in vivo. Der 
Sitz der Geschwülste ist meist das laterale Drittel des Processus. 
Die Reaktionen in der Umgebung sind entzündlicher Natur; die 
durch diese eventuell hervorgerufenen Erscheinungen sind die der 
Appendicitis. Metastasen sind selten beobachtet worden. Das 
Alter, in dem ein Carcinom der Appendix gefunden worden ist, 
schwankt in den weitesten Grenzen (8—81 Jahre); bei den meisten 
Kranken lag das Alter im dritten und vierten Dezennium. Reci- 
dive sind nach den Operationen nur sehr selten beobachtet wordeD. 
Im Anschluss an die Besprechung seines Falles begründet dann 
L. die Forderung, dass bei jeder Laparotomie der Zustand der 
Appendix zu kontrollieren ist, und dass in jedem Falle, in dem 
sie makroskopische oder palpatoriSche Zeichen von Veränderungen 
zeigt, oder in denen die Anamnese auch nur im entferntesten auf 
eine vorangegangene Erkrankung hin weist, ohne Zögern die Ex¬ 
stirpation vorgenommen wird. 

5. Maass, Berlin: Kohlendnhst und Leuchtgas. 

Es werden besprochen die Entstehung der Kohlenoxyd Ver¬ 
giftung, der Verlauf, die verschiedenen Stadien, die an den Organen 
hervorgebrachten Veränderungen, die Diagnose und die Therapie. 
Bezüglich der Entstehungsursachen des giftigen Gases sind zu 
nennen: verborgene Balkenbrände, Ansammlung von Gasen nach 
Sprengungen, ganz besonders aber die Kohlendunstentwicklung 
durch fehlerhafte Handhabung der Ofenklappen und das Leucht¬ 
gas. Bezüglich der Vergiftung durch letzteres erscheint es . wohl 
f68tgestellt nach genauem Vergleich der Symptome und nach Tier¬ 
experimenten, dass es sich hierbei nicht um eine reine Kohlen¬ 
oxydintoxikation handelt, sondern dass im Leuchtgas noch eine 
weitere toxische Komponente enthalten sein muss, deren Natur 
freilich bisher noch nicht eruiert ist. Es ist zu hoffen, dass die 
völlige Beseitigung der Oefen mit verschliessbaren Klappen und 
die Verdrängung des Gaslichtes durch elektrisches die gefährliche 
Kohlenoxyd Vergiftung immer seltener werden lassen. 

Wiener klinische Wochenschrift. 1906. Nr. 48. 

1. Schur und Zak: Ueber Hierenfünktion. Klinische Unter¬ 
suchungen über Vierenfnnktion bei Arteriosklerose und ohron. 
Nephritis. 

Zur Prüfung der Nierenfunktion haben Verf. das Wasseraus¬ 
scheidungsvermögen der Nieren auf Zufuhr bestimmter Flüssig¬ 
keitsmengen und nach Diuretingaben herangezogen. Die Versuche 
ergaben, dass kranke Nieren in ihrem Wasserausscheidungsver¬ 
mögen und in ihrer Verdtinnungsftlhigkeit insofern geschädigt sind, 
als sie entsprechenden Anforderungen nicht exakt Folge leisten; 
bei Arteriosklerose mit hohem Blutdruck, ebenso bei Nephritis 
lässt sich nach der benutzten Methode eine Niereninsufficienz nach- 
weisen. Theoretisch wird ausgeführt, welche Mängel den Theorien 
über die Physiologie der Nierenfunktion, der Ludwig’schen und 
Bowmann-Heidenhain’scben, anhaften, namentHch zur Erklärung 
der pathologischen Reaktionen der Nieren; unter Uebertragung 
von Vorstellungen über die Quellung kolloider Substanzen in Salz¬ 
lösungen auf die NierenepitheUen wird eine neue Theorie skizzirt 


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MEDICINISCHE WOCHE 


Nr. 8. 


84 


und zu ihrer Unterstützung das pathologische Verhalten der 
Nieren herangezogen. 

2. Fuchs, Wien: Zur Kasuistik der tonischen Krämpfe des 
Sumpfes. 

Im Anschluss an einen Sturz entwickelte sich bei einer 
Patientin eine eigenartige Störung in der Haltung des Oberkörpers; 
das Kreuz biegt sich mehr und mehr ein, der Kopf fällt nach vorn, 
der Rücken wird in den unteren Teilen hohl, in den oberen nach 
rückwärts gekrümmt. Für das Zustandekommen der Difformität 
können drei Möglichkeiten in Betracht kommen: eine Veränderung 
am Knochen-, Gelenks- und Bandapparat der Wirbelsäule und des 
Beckens, eine muskuläre Ursache, eine Kombination von musku¬ 
lärer Störung — Desequilibrierung — mit Skelettanomalie. Unter 
Ausschliessung der organischen Möglichkeiten wird eine funktionelle 
Ursache für die pathologische Haltung wahrscheinlich gemacht, ein 
Krampfzustand der Musculi erektores trunci, also eine Art Tic in 
diesem Muskelgebiet angenommen. 

3. Torday, Budapest: Die partielle Exstirpation der Schild¬ 
drüse als Heilmittel in einem Falle Basedowscher Krankheit. 

Nach der Möbius’schen Erklärung der Basedowschen Krankheit 
als einer Hyperthyreoidisation erscheint, wenn die Organotherapie 
sich als nutzlos erwiesen hat, der Versuch einer partiellen Exstir¬ 
pation der Drüse gerechtfertigt. Die Operation erscheint nament¬ 
lich indiciert bei hartnäckigen, progrediierenden Fällen, ganz be¬ 
sonders wenn die vergrösserte Drüse auch lokale Druckerschei¬ 
nungen macht; sie mu'os aber frühzeitig genug gemacht werden, 
bevor die Herzmuskulatur affiziert oder der Kranke durch schwere 
Magen-Darmstörungen extrem geschwächt ist. Die bisher mitge¬ 
teilten Ergebnisse der Operation weisen nach verschiedenen 
Statistiken einen erheblichen Prozentsatz von Heilungen auf, aber 
eine Mortalität von etwa 5%, der aber eine solche von 12% bei 
interner Behandlung entgegenzuhalten ist. Die Krankengeschichte 
eines erfolgreich operierten Falles von schwerem Basedow wird 
mitgeteilt. 

4. Kraft, Wien: Ueber Ersatz von Fingern durch Zehen¬ 
transplantation (Daktyloplastik). 

Zwei Fälle dieser noch selten ausgeführten Plastik werden 
mitgeteilt. Beim ersten wurden zweite und dritte Phalanx des 
Mittelfingers mit vollem Erfolg durch die zweite Zehe ersetzt, 
beim zweiten die Endphalange des Zeigefingers aus der zweiten 
Zehe; hier wurde der Erfolg dadurch beeinträchtigt, dass Auf¬ 
regungszustände der Patientin zu vorzeitiger Abnahme des fixieren¬ 
den Verbandes und vorzeitiger völliger Abtrennung der Zehe 
zwangen. Bezüglich der Operation ist im allgemeinen zu sagen, 
dass es sich empfiehlt, zunächst eine probeweise Fesselung vorzu¬ 
nehmen; zur Erzielung der unbedingt erforderlichen Unbeweg¬ 
lichkeit soll in Narkose operiert werden; die Transplantation zer¬ 
fällt in vier Akte in zweiseitiger Ausführung: I. 1. Anfrischung 
des Fingerstumpfes mit Mobilisierung der einzelnen Teile, 2. Mobili¬ 
sierung der Zehe und Anfrischung, 3. Vereinigung beider Glieder. 
II. 4. Durchtrennung der plantaren Brücke, am besten nicht vor 
zwei Wochen. Was das weitere Verhalten des transplantierten 
Gliedes betrifft, so bleibt die Farbe der Zehe lange Zeit blasser, 
die Temperatur niedriger; die aktive Beweglichkeit ist in der 
ersten Zeit in all$tl Gelenken aufgehoben oder stark herabgesetzt, 
kann aber durch entsprechende Behandlung in ausgiebiger Weise 
ausgebildet werden; bei Jugendlichen kann das transplantierte 
Glied am Wachstum teilnehmen. Der praktische Wert dieser 
Autoplastik ist ein bedeutender, indem Individuen, die für ihre 
erlernte Beschäftigung besonders des Daumens oder Zeigefingers 
bedürfen, nach Verlust derselben teilweise oder völlig erwerbsun¬ 
fähig geworden sind, durch die Operation wieder erwerbsfähig 
werden k önnen. 

5. Neu mann: Ueber die bisherigen Ergebnisse der Ueber- 
tragung der Syphilis auf Affen. 

Neben andern werden besonders eingehend die Versuche über 
Super- Reinfektion berichtet, die die Annahme einer Immunität 
des Syphilitikers gegen Syphilisvirus sehr unwahrscheinlich 
machen, weiter die Versuche, durch Excision des Primäraffektes 
oder Behandlung mit einem Syphilisextrakt den Ausbruch der 
Sekundärerscheinungen zu verhüten, die im ganzen negatives 


Resultat zeitigten. Als wichtiges Ergebnis wird hervorgehoben 
der trotz intensivster Infektion milde, abortive Verlauf der Affen¬ 
syphilis. Hierdurch scheint die Annahme begründet, dass es, wenn 
auch auf einem vom bisherigen abweichenden Wege, gelingen 
werde, sei es ein dem Diphtherieserum analog wirkendes Syphilis- 
serum, sei es ein Immunserum herzustellen. Durch die Möglich¬ 
keit der Abschwächung des Sypbilisvirus einerseits und die Allge¬ 
meinwirkung des letzteren auf den syphilitischen Organismus 
andererseits sind die Vorbedingungen für ein Heilserum der 
Syphilis gegeben. 

Nr. 49. 

1. Langer, Graz: Ein Blick in den Haushalt des nor¬ 
malen Heugeborenen. 

Antrittsvorlesung bei Uebernahme der Kinderklinik im Anna- 
Kinderspitale in Graz. 

2. Mayer und Sternberg, Brünn: Zur Kenntnis der 
akuten myeloiden (gemisohtselligen) Leukaemie. 

Eine 34jährige, dem Arbeiterstande angehörende Frau wurde, 
ohne dass krankhafte Antecedentien bestanden, plötzlich von einer 
fieberhaften Affektion befallen, die unter dem Büde einer schweren 
Infektionskrankheit innerhalb 27 Tagen zum Tode führte. Ueber 
der einen Lungenspitze waren Residuen einer abgelaufenen Affek¬ 
tion nachweisbar; sonst war an Organ befunden nur eine mäßige 
Schwellung der Lymphdrüsen und ein schmerzhafter Milztumor 
vorhanden, der nach den Angaben erst mit der Erkrankung sich 
eingestellt hatte; im Verlaufe der Krankheit bestand meist ein 
kontinuierliches Fieber, vereinzelte Haemorrhagien traten auf, 
Diazoreaktion im Harn. Unter Ausschluss eines Typhus und einer 
Sepsis wurde die Diagnose einer Erkrankung des baematopoetischen 
Apparates erörtert, aber, nachdem eine Blutuntersuchung drei 
Tage vor dem Exitus nur eine Verminderung der roten Blut¬ 
körperchen und des Haemoglobingehaltes ergeben hatte, eine 
eigenartige, unter dem Bilde der Pseudoleukaemie verlaufende 
Tuberkulose des lymphatischen Apparats angenommen. Die Au¬ 
topsie ergab schwere Veränderungen der blutbildenden Organe, 
wie sie der Leukaemie entsprechen, und eine Untersuchung des 
Leichenblutes zeigte eine Vermehrung der Leukocyten, vor allem 
sehr zahlreiche neutrophile Myelocyten (mindestens 21%), so dass 
der Fall als eine akute mveloide Leukaemie anzusprechen ist. 

3. Glaessner, Wien: Beitrag zur Pathologie der Poly- 
cythaemia rubra. 

Der Fall betrifft einen 44 jährigen Patienten, der seit mehreren 
Jahren an Kurzatmigkeit litt, seit zwei Jahren eine zunehmende 
Rötung des Gesichts bemerkte. Er zeigte eine hochgradige 
Cyanose des Gesichts und der Schleimhäute, einen grossen harten 
Milztumor, Lebervergrösserung, Albuminurie und tabische Symp¬ 
tome. Das Blut bot eine hochgradige Vermehrung der roten 
Blutkörperchen bis zu ll 1 /* Millionen im ccm; der mikroskopische 
Befund war von der Norm nicht abweichend, der Haemoglobin- 
gehalt verhältnismäßig gering, der Blutdruck nicht wesentlich er¬ 
höht, die Gerinnbarkeit des Blutes abnorm gesteigert. Nach 
einem apoplektiformen Insult erfolgte unter suffakatorischen Er¬ 
scheinungen der Exitus. Die Autopsie ergab einen enormen Blut- 
reichtum aller Organe, der entgegen dem Befunde bei der Stau¬ 
ung gleichmäßig über alle Gewebe verbreitet war, also eine wirk¬ 
liche Plethora und, als weiteren wichtigen Befund, eine gewaltige 
Vermehrung der kernhaltigen roten Blutkörperchen im Knochen¬ 
mark, also eine Veränderung, die auf eine erhöhte Funktion des 
roten Knochenmarks schliessen lässt. 

4. Lotzel, Wien: Ueber das Vorkommen von Milchsäure- 
bazillen im Harnsediment. 

Bei zwei Patientinnen konnten zur Zeit einer Haematurie 
Milchsäurebazillen aus dem Harn gezüchtet werden, während 
weder im Magensaft noch im Stuhl und Vaginalsekret diese Ba¬ 
zillen nachweisbar waren. An ein bestimmtes anatomisches Sub¬ 
strat scheint danach das Auftreten der Milchsäurebazillen nicht 
gebunden zu sein, vielmehr nur ein Zusammenhang zwischen dem¬ 
selben und dem Vorhandensein von Blut zu bestehen.- 

5. Rodari, Zürich: Die Bedeutung der Pawlowsclien Tier* 
experimente für die Magentherapie. 

Der experimentell nachweisbare Zusammenhang zwischen psy* 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


35 


chischer Vorstellung des Essenwollens oder Lusthabens zum Essen 
und der Magensaftsekretion und zwischen dem Kauen und der 
Saftabscheidung rechtfertigt den Ausspruch „Appetit ist Saft“; 
den durch den Appetit secernierten Saft bezeichnet man als 
psychischen oder Appetitsaft; die von der Psyche wie von den 
Geschmacksnerve s n ausgehenden Impulse werden durch den Vagus 
auf den sekretorischen Apparat des Magens übertragen. Dem 
Appetit ist die Rolle eines Heilfaktors bei Magenkrankheiten zu¬ 
zuschreiben. Durch häufige und kleinere Mahlzeiten kann man 
den psychischen Appetitsaft öfters erregen, und wo eine ober¬ 
flächliche Schleimhauterkrankung die chemische Sekretion herab¬ 
setzt, kann man durch Erweckung eines lebhaften Appetitsgefühls 
den Sekretionsimpuls aus dem Zentralnervensystem unbehindert zu 
den in den tieferen, intakten Schichten liegenden Drüsen ent¬ 
senden. Gewürze und Genussmittel sollen auch in der Küche 
des Kranken nicht fehlen, können sogar eine kurative Rolle 
spielen. Die mächtigsten Anreger des Appetitsaftes sind die 
Fleischderivate, die auch als direkte Erreger des Magensaftes 
vom Magen aus gelten müssen und, im Gegensatz zu den scharfen 
Gewürzen, keine anatomische Schädigung der Mukosa verursachen. 
Bei Magenerkrankungen, die mit krankhafter Steigerung der 
Sekretion einhergehen, verbietet sich natürlich die Anwendung 
von solchen Safttreibem in der Nahrung; hierher gehören die 
typischen Ulcusformen, die Gastritis chronica acida, die Atonien 
und Ectasien mit Hyperacidität, die irritativen Sekretionsneurosen, 
die Gastrosuccoi rhoe. Hier sind als starke qualitative und quan¬ 
titative Herabsetzer der Sekretion zu verwenden das Fett und 
der Zucker. Was die medicamentöse Therapie betrifft, so er¬ 
geben die Pawlowschen Forschungen, dass die Amara nur indirekte 
Safttreiber sind. Die Salzsäureeinführung übt kaum einen chemi¬ 
schen Einfluss auf die Magendrüsen aus; sie gewinnt aber da¬ 
durch eine grosse Bedeutung, als sie der mächtigste Erreger der 
Pankreassekretion ist. Für das Krankheitsbild der Magendiar- 
rboeen hat diese Erkenntnis eine entscheidende Klärung gebracht. 
Die Untersuchungen über die Wirkung der Mineralwässer haben 
die alte Vorstellung, dass durch den Genuss der Kochsalzwässer 
eine Hemmung der sekretorischen Magenfunktion herbeigeführt 
wird, als unhaltbar erwiesen; Kohlensäure und Kochsalz begün¬ 
stigen die sekretorische Arbeit der Magenschleimhaut, nur die 
alkalischen Wässer (Vichy) und die Bitterwässer (Hungadi-Janos) 
haben die Eigenschaft der Sekretionsherabsetzung. 

6. Lichtenstern, Wien: Zur Frage der Phloridzinprobe 

Polemik gegen den Artikel Kapsammers in Nr. 47 d. W. 

7. Pach: Die Kindersterblichkeit und Lungentuberkulose 
in Budapest. 

Aus den statistischen Daten ergibt sich, dass, soweit die 
Kindersterblichkeit in Betracht kommt, die derzeitigen Verhält¬ 
nisse in Budapest die Gültigkeit des sozialhygienischen Gesetzes, 
wonach die Wohlhabenheit als wichtigste Ursache der Lebens¬ 
haltung auf die sanitären Verhältnisse einen bedeutenden Einfluss 
ausübt, völlig bestätigen. Weiter tritt der schädigende Ein¬ 
fluss der Wohnungsmisere hervor, ganz besonders aus den Tuber¬ 
kulosesterblichkeitsverhältnissen, und es wird energisch gefordert 
die Aufhebung des Schlafstellenwesens, der Bau von Ledigen¬ 
heimen, Behinderung des modernen Massenbaues, gesetzliche Fest¬ 
legung der maximalen Belegung, Beschränkung des Aftermieter¬ 
tu ms. 

Aerztliche Rundschau. Nr. 49. 1906. 

Boltenstern, Berlin: Die Entwicklung unserer Kenntnisse 
über die Zirkulation. (Nach A. G. Gordon, Montreal Medical 
Journal.) 

Historische Studie. 


Baineologische Mitteilungen. 

Bericht über die VII. Jahresversammlung des Vereins der 
Badeärzte an der Ostsee am 2. Dezember 1906, im Bureau des 
Verbands Deutscher Ostseebäder, Berlin NW, Unter den Linden 76 a. 
Der Vorsitzende (Hofrat Dr. Röchling-Misdroy) begrüsst die ver¬ 


hältnismäßig zahlreich anwesenden Mitglieder des Vereins, sowie 
drei Gäste. 

In seinem ausführlichen Berichte über verschiedene Tages¬ 
fragen beklagt der Vorsitzende aufs Lebhafteste die geringe Teil¬ 
nahme, welche die Mitglieder (mit wenigen Ausnahmen) an dem 
Vereinsleben bekunden. Den Grund hierfür sucht R. in dem 
Umstande, dass der Arzt in einem Badeorte die kürzeste Zeit des 
Jahres als „Badearzt“ fungiert, von einer Seite, welche sich am 
Vereinsleben mit betätigt, wird dem Verein der Badeärzte an der 
Ostsee die Existenzberechtigung abgesprochen; es wird von der¬ 
selben Seite der Vorschlag gemacht, dass sich die Kollegen in 
einzelnen naheliegenden Badeorten zu kleinen Verbänden zusammen¬ 
tun sollten etc. R. weist nach, dass die Vorwürfe, welche dem 
Verein resp. dem Vorstande gemacht werden, unberechtigt seien. 
Beweis: Die badeärztliche Gebühren-Taxe, Honorierung ärztlicher 
Hülfeleistung selbst bei den Familienangehörigen der Aerzte, An¬ 
bringung von Warnungstafeln (offiziell) betreffend Konsultation 
eines Badearztes vor dem Gebrauche des ersten Bades, Abgabe 
von Heilbädern nur gegen badeärztliche Verordnung etc. etc. 
Selbst in der Beziehung ist gegen früher eine Besserung einge¬ 
treten, dass nach einem Beschlüsse des Vereins die Badedirektionen 
verpflichtet sind, mindestens einem Badearzt Sitz und Stimme in 
der Badedirektion zu gewähren. Zum Schlüsse seiner Ausführungen 
über diesen Punkt erwähnt R. noch, dass der Verein der Bade¬ 
ärzte Mitglied des Ostseebäderverbandes sei, wodurch, da jedes 
einzelne Mitglied zu den Verhandlungen des Verbandes eingeladen 
wurde, der Verein als solcher einen gewissen Einfluss habe. 
R. erwähnt fernerhin, dass die Badesaison 1906 eine gute gewesen 
sei, wenn auch die Besucherzahl in einzelnen Badeorten, besonders 
den grösseren, abgenommen, während in den kleineren Bädern die 
Anzahl der Badegäste bedeutend zugenommen habe. Von einer 
gewissen Seite wird der Grund für die scheinbare Abnahme der 
Besucher der Ostseebäder darin gesucht, dass 1. zuviel Ver¬ 
gnügungen (Musik etc.) geboten würden, 2. die Hotels etc. die 
Badegäste übervorteilten und 3. die Bevölkerung den Badegästen 
sehr unfreundlich begegnete. Diesen Uebelständen, wenn solche 
wirklich vorhanden sein sollten, könnte abgeholfen werden durch 
wissenschaftliche Prospekte, nicht aber durch untätige Reklame, 
wovon der Vorsitzende ein krasses Beispiel zum Besten gibt. 

Des Ferneren bespricht R. eine Schrift von Hennig-Cranz: 

Die wissenschaftliche und praktische Bedeutung der Ostseebäder 
(besonders Cranz)“, und das „Bäderbuch“. R. berührt des weiteren 
die ärztlichen Studienreisen (einer ev. Studienreise in die Ostsee¬ 
bäder drückt die Versammlung ihre volle Sympathie aus), die 
Gründung des Vereins der Badeärzte an der Nordsee und die 
ständige Kommission für die gesundheitlichen Einrichtungen in den 
deutschen Kur- und Badeorten, welche vor allen Dingen in jedem 
Badeorte eine Kanalisation fordert. R. fragt die Versammlung 
an, ob für Berlin ein anderer Versammlungsort des Vereins beliebt 
würde. S.-R. Dr. Lange-Heiligendamm befürwortet wieder Berlin, 
was von den Versammelten einstimmig akzeptiert wird. Zur Be¬ 
sprechung kommt eine Klage aus Dievenow, welche die Kürze der 
Saison betrifft. Diesem Uebelstande sollte dadurch abgeholfen 
werden, dass aufklärende ärztliche Berichte und Artikel, welche 
ev. honoriert würden, in die Tagespresse gebracht werden sollten. 

Folgende Beschlüsse werden nach längeren Debatten gefasst: 
„1. Die Warnungstafeln (Konsultationen vor dem ersten Bade betr.) 
sollen sichtbar angebracht werden; 2. die medicinischen Bäder 
dürfen nur gegen badeärztliche Verordnung abgegeben werden; 
3. die Gewährung von Vergünstigungen an die Aerzte soll den 
einzelnen Badeorten überlassen bleiben; 4. auf der Freikarte (für 
Aerzte) soll ein Vermerk gemacht werden, dass sich die Aerzte 
während des Aufenthalts an der See jeder ärztliohen Tätigkeit 
zu enthalten haben.“ 

2. Dr. Margulies-Kohlberg gibt einen höchst interessanten 
Bericht über die demnächst erscheinende ärztliche Broschüre. Der 
Titel soll lauten: „Der Heilwert der Ostsee“, den Aerzten ge¬ 
widmet vom „Verein der Badeärzte an der Ostsee“. Unter freundlicher 
Mitarbeit von Badeärzten aus Ahlbeck, Kansin, Binz a. R., Borg- 
Dievenow, Devin, Glücksburg, Heiligendamm, Heiligenhafen, 
Heringsdorf, Kohlberg, Misdroy, 8assnitz, Sellin, Warnemünde, 
Zinnowitz. Herausgegeben von S.-R. Dr. Lange-Heiligendamm, Dr. 
Margulies Kohlberg, Hofrat Dr. Röchling-Misdroy. Es entspinnt 


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86 


MÄDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 8. 


sich eine lange Debatte über den Antrag Dr. Guthmnnn-Binz, wo- 
nach die Namen der Badeorte auf dem Titelblatte gestrichen, dafür 
aber die Namen der Mitglieder des Vereins der Badeärzte an der 
Ostsee aufgeführt werden sollten. Schliesslich kommt ein Antrag 
S.-R. Pr. Lange-Heiligendäram zur Annahme, welcher besagt, dass 
der Titel, wie vorgeschlagen, bestehen bleiben soll, dass aber in 
einem Anhänge die Badeorte, welche dem Verbände der deutschen 
Ostseebäder angehören, einzeln benannt werden sollen. 

3. Der vom S.-R. Dr. Rhode erstattete Jahresbericht ergibt des 
Interessanten nichts bemerkenswertes. Der Verein zählt 31) Mit¬ 
glieder. 

4. Für den am Erscheinen behinderten Kassenführer (Dr. 
Paulsen-Warnemünde) gibt Rhode eine Uebersicht über die Kassen¬ 
verhältnisse. Es bleibt nach Abzug der Ausgaben ein Barbestand 
von 281,40 M. Für das nächste Jahr wird eiu Beitrag von 1,50 M. 
festgesetzt! Mehrere Mitglieder, welche mit dem Jahresbeiträge 
rückständig sind, werden aus der Liste gestrichen. Als neues 
Mitglied meldet sich Sanitätsrat Dr. Kauffmann-Ueckeritz. 

5. Der bisherige Vorstand wird durch Zuruf wieder gewählt. 

Sanitätsrat Dr. Rhode. 


Vermischtes. 

Berlin. Der Gesamtvorstand der Berliner Rettungsgesell¬ 
schaft hat anlässlich des 70. Geburtstages seines Vorsitzenden, 
Excellenz v. Bergmann, denselben zum Ehren-Vorsitzenden ernaunt 
und ihm am 16. Dezember durch den geschäftsführendeu Vorstand 
eine von Herrn R. Otto künstlerisch ausgeführte Adresse folgenden 
Inhalts überreichen lassen. „Ew. Excellenz haben als Begründer 
und ’ oberster Leiter der Berliner Rettungsgesellschaft sich um 
das Werden und Gedeihen derselben, sowie damit um das Wühl 
der gesamten Einwohnerschaft der Reidishauptstadt unvergängliche 
Verdienste erworben. In dem Augenblick, wo es Ew. Excellenz 
vergönnt ist, in seltener körperlicher und geistiger Frische das 
70. Lebensjahr zu vollenden, ist es uns ein Bedürfnis, unsere 
innigsten und herzlichsten Wünsche für das fernere Wohlergehen 
Ew. Excellenz und zugleich unseren tiefgefühltesten Dank auszu¬ 
sprechen für Alles, was Ew. Excellenz für unsere Rettungsgesellschaft 
getan haben. Um diesem Dank auch einen sichtbaren A isdruck 
z\i geben, hat der Gesamt-Vorstand einstimmig beschlossen, seinen 
Vorsitzenden Ernst von Bergmann zum Ehren-Vorsitzenden der 
Berliner Rettungsgesellschaft zu ernennen. Dieses zur Urkund. 
In aufrichtiger Verehrung Ew. Excellenz getreue Mitarbeiter, der 
Gesamt-Vorstand der Berliner Rettungsgesellschaft (folgen 46 
Namen).“ 

Hierauf ist unterm 28. Dezember von Excellenz v, Bergmann 
folgendes Dankschreiben eingegangen, welches wir bei dem Interesse, 
dessen sich das Rettungswesen in der Bürgerschaft zu erfreuen 
hat, der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten möchten. „An die 
Berliner Rettungsgesellschaft, Berlin. Es hat mich tief gerührt, 
dass mitten unter den ernsten Kämpfen, die ich jetzt gemeinsam 
mit der Berliner Rettungsgesellschaft zu bestehen habe, der Vorstand 
noch daran gedacht hat, mich zum Ehren-Vorsitzenden zu ernennen. 
Möge es mir in der kurzen Spanne Zeit, die ich noch zu leben 
habe, vergönnt sein, der Gesellschaft die Anerkennung ihrer von 
mir voll und ganz geteilten Grundsätze zu gewinnen. Möge die 
Stadt Berlin, für deren Einwohnerschaft wir arbeiten, es immer 
mehr erfahren, dass wir nichts anderes wollen, als den Aerzten 
das ihnen gebührende Arbeitsfeld und den Bürgern der Stadt den 
vollen Anteil ihrer Aerzte zu schaffen. Wenn es noch eines 
Sporns bedurfte, alles an dieses Ziel zu setzen, so wäre es meine 
von Ihnen vollzogene Ernennung zum Ehrenpräsidenten. Ich nehme 
sie als gutes Zeichen Ihres Vertrauens und unserer Zukunft. 
Empfangen Sie meinem herzlichen Dank, (gez.) E. v. Bergmann.“ 

Berlin. Die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Ge¬ 
sellschaft zur Be kämpfun g der Geschlechtskrankheiten 
hielt am Donnerstag, den 10. Januar ihre erste öffentliche Sitzung 
in diesem Jahre ab. 

Der Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Dr.. O. Rosenthal, gab 
zunächst einen Rückblick auf das verflossene Jahr, in dem nicht 


nur die Zahl der Vereinsmitglieder erheblich gewachsen, sondern 
auch durch die massenhafte Versen lung von Merkblättern wie 
durch die öffentlichen Vorträge der Herren A. Neisser, Oppen¬ 
heim, Rosenthal, Eulenburg und Frl. Pappritz das Interesse der 
Behörden wie des grossen Publikums auf das Lebhafteste geweckt 
wurde. — Sodann erhielt Dr. Alfred Pinkuss das Wort zu 
seinem Vortrage „Frauenleiden und Geschlechtskrankheiten“. Der¬ 
selbe wies darauf bin, dass die Erkenntnis der durch geschlecht¬ 
liche Infektion hervorgerufenen Frauenkrankheiten leider noch 
immer erschwert werde durch Unkenntnis, Gleichgiltigkeit und 
falsche Scham der Frauen, die sich lieber zuerst bei guten Be¬ 
kannten, Hebeatnmeu, Apothekern und Kurpfuschern Rat holten, 
ehe sie sich an den sachverständigen Arzt wendeten. Auch das 
heutige gesteigerte Erwerbsleben, das keine oder mangelhafte 
Schonung des Körpers gestatte, die zunehmende Genusssucht, die 
modernen übertriebenen Sportbestrebungen u. dgl. m. täten dem 
Erfolg hygienischer Maßnahmen und einer frühzeitigen und gründ¬ 
lichen Behandlung von Geschlechtskrankheiten der Frauen Ab¬ 
bruch. Vortragender schildert sodann besonders die Gefahren und 
Folgen der chronischen latenten Gonorrhoe beim Manne, der beim 
Weibe eine gleichartige, zuerst scheinbar latente Erkrankung her¬ 
vorruft, später durch Fortkriechen des Krankheitsprozesses nach 
den inneren, der Fortpflanzung dienenden Organen häufig schwere 
Leiden, die Unfruchtbarkeit der Frau bedingt und die häufigste 
Ursache der Erblindung der Neugeborenen bildet. Die Tripper¬ 
erkrankung und ihre Folge-Erscheinuugeu bei der Frau seien aber 
durch rechtzeitiges Erkennen und sachgemäße Behandlung heilbar 
und vermeidbar. In gleicher Weise übe die Syphilis einen ver¬ 
hängnisvollen Einfluss auf die Unterleibsorgane und die Fort¬ 
pflanzungsfähigkeit der Frau aus. Aber- diese schlimmen Folgen 
seien noch mehr als beim Tripper der Frau durch rechtzeitige 
spezifische Behandlung zu beheben. So lange die sexuelle vorehe¬ 
liche Abstinenz noch nicht erreichbar sei, müssten die Frauen aller 
Kreise immer wieder über die schweren Gefahren, die ihrem 
Unterleibe durch die Geschlechtskrankheiten droheu, aufgeklärt 
werden. 

An der sich an den Vortrag anschliessenden Diskussion be¬ 
teiligten sieh der Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. O. Rosenthal, 
der besonders auf die verschiedensten Ursachen der nicht darch 
die Gesddechtskrankheiten hervorgerufenen Frauenkrankheiten des 
Näheren eingiug, und Dr. Schindler, welcher die oft durch 
Leichtsinn und mangelhafte Pflege bedingten Augenerkrankungen 
der Neugeborenen besprach. 

Patentnachrichten. 

Anmeldungen. 

•Sch. 24272. Gebissbefestigung mit Saugraum und an der Kieferseito 
befindlichen Saug löchern. Charles Louis Georg Schubert, Dresden. 

1t. 22t 79 Den Mund und die Nase bedeckende Atmungsmaske mit 
Einrichtung zum Regeln des Luftzuflussos. S. Rhode, Berlin. 

S. 21587. Vorrichtung zum Baden der Augen. Albert Sebald, 
Weiden. 

W. 24575. Stuhl für Atmungsgymnastik mit an der Rückenlehne 
angelenkten, wagerccht drehbaren und" mit einem verstellbaren Leibgurt 
verbundenen Seitenlehnen. Ernst August Weidemann, Liebenburg. 

W. 22413. Vorrichtung zur Behandlung gebrochener Oberarme. 
Eugen Weisshuhn, Troppau, Oesterreich. 

M. 23576. Krankenbett, bestehend aus zwei gelenkig miteinander 
verbundenen Teilen. Johann Martin, Neu-Ulm. 

R. 22483. Tasehen-Spueknapf. Isidor Rothschild, Budapest. 

F'. 17 191 Vorrichtung zur Durchleuchtung von Kürporn mit Röntgon- 
stralilen. Polyphos Elektrizitäts-Gesellschaft m. b H., München. 

M 30 179. Instrument zum Erweichen des Wulstes von Modellplatten 
künstlicher Gebisse. Joseph Miller, Bexhill-on-Sea. 

R. 22927. Halter für Winkelstücke zu Bohrmaschinen, insbesondere 
zu zahnärztlichen Zwecken. Paul Repsold, Riga. 

11 35001. Vorrichtung zur Behandlung des menschlichen oder tie¬ 
rischen Körpers gleichzeitig mit Elektrizität und Wärme. Fa. W. A. Hirsch- 
inann, Pankow b Berlin. 

O. 4458. Massiervorrichtung mit in einer Gabel drehbar aufgohängtciu 
Motor. Charles Owens und Dwight Preston Montague, Chatanooga, Tenessee, 
V. St. A. 

K. 30783. Verfahren zur Herstellung einer stets gebrauchsfertigen 
Paste für provisorischen Zahn Verschluss und ähnliche Zwecke. Dr. Josef 
lvietfer, .Strassburg i. E. 


Vrm-itwnrtlirher Redakteur- Pr I’. Meissner; Berlin W. M, Ki-rfürs*enrtr. fll - Verantwortlich lllr den Inseratenteil: Der V -H«e *on <arl Marhold, Hall« a S, 

crucit vuu -lei UeyootnMBD sebea Buchüiuac.ci, ocbi H*>.« *. b 


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Medicinische Woche 


ßeatKbmanii, 

Hamburg. 


A. Dührssen, A. Hoffa, E. Jacob!, 

Berlin. Berlin. Frei bürg i. Bi. 

H. Senator, R. Sommer, 
Berlin. Giessen. 


Verlag und Expedition 

Carl Marhold ln Halle a. S-, Uhlandstrasse 6. 

Tcl.-Adr.: Marhold Verlag Hallesaale. Fernsprecher 823. 


Herausgegeben von 



R. Robert, M. Koeppen, K. Partsch, IL Rosin, H. Schlange, 

Rostock. Berlin. Breslau. Berlin. Hannover. 

H. Unverricbt, A. Vossiot, 

Magdeburg. 01 essen. 

” Redaktion: 

Berlin W. 62« KurttrstautrssM M. 

Dr. P. Meißner. 

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Officlelles Organ des Schwarzwaldbldertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebider and des Vereins der Bmfelrzte der OaCSee. 


VIII. Jahrgang. 28. Januar 1907. Nr. 4. 


Die .Med I cinische Woche* erscheint Jeden Montag und kostet viertelJShrl. 2.50 M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen Jede Buchhandlung, die Post, sowie 
die Verlagsbuchhandlung von Carl Marhold in Halle a. S. entgegen. Inseratd werden für die 4gespaltene Petitzelle oder deren Raum mit 50 Pf. berechnet Beilagen 

nach Ueberelnkunft. Reklamezelle 1,50 M; Bei größeren Aufträgen wird Rabatt gewährt. 

Nachdruck der Orlginal-Aufsfltze ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 


Der heutige Stand der Wochenbettpflege. 

Nach einem in der niedicinischen Gesellschaft zu Giessen gehaltenen Vorträge 

von 

Dr. Kroemer, Privatdozent zu Giessen. 

(Schluss.) 

Die Anfangserscheinungen werden, wenn es sich nicht um 
ein exquisit foudroyantes Puerperalfieber handelt, manchmal die 
Schwere der Erkrankung noch nicht verraten. Aber von dem 
Zustandekommen einer lokalen Infektion in utero bis zum Ein¬ 
bruch und zur Verschleppung der Mikroben in die Blut- und 
Lymphbahnen ist meist nur ein kurzes Intervall. Gar bald 
kündet die allgemeine Intoxication oder ein Schüttelfrost, der 
bis zu einer Stunde anhalten kann, das zweite Stadium der 
Erkrankung an. Es drängt nun die schwierige Entscheidung: 
„Sollen wir schon chirurgisch eingreifen oder ist es bereits zti 
spät? Wo sitzen die gefährlichen Feinde?“ Dass zuweilen eine 
septische Endometritis purulenta ohne Weiterwandern der 
Bakterien durch reine vergiftende Toxinwirkung zum Tode 
führen kann, ist nicht zu leugnen. 

Ich musste mich davon in einem Falle überzeugen, in 
welchem jede neue Einschwemmung von Bakterienprodukten 
in den Körper (vom Endometrium aus) von abortiven Schüttel¬ 
frösten begleitet war. Die Sektion ergab ausser der schmierigen, 
grünbraunen Endometriumfläche keinerlei Veränderungen irgend 
welcher Organe. Andererseits kann man aber fast mit Sicher¬ 
heit rechnen, dass nach dem ersten Schüttelfrost (genitalen 
Ursprungs) die Puerperalfieberkeime bereits weit im Körper 
verschleppt sind. 

Die Klarheit über das Wesen der puerperalen Wund¬ 
störungen und deren Verlauf nutzt uns oft wenig für den 
einzelnen Fall. Immer bleibt allein der Verlauf entscheidend. 
Schon die Unterscheidung einer putriden Intoxikation von einer 
beginnenden lokalen Infektion gehört sehr oft zu den Unmöglich¬ 
keiten. Nach den Untersuchungen Walthards, der das Ueber- 
gangsstadium zwischen der Intoxikation und der wahren In¬ 
fektion, durch die Vergiftung des Endometriums mit Bakterien¬ 
toxinen (bakteriotoxische Endometritis) erklärt, möchte ich an¬ 
nehmen,. dass lokale Infektionen kleinen Umfanges bei der 

S utriden Intoxikation öfter als wir ahnen, vorhanden sind. 

ur wird eben der Herd lokalisiert, gewissermaßen durch einen 
Leucocytenwall im angrenzenden gesunden Gewebe ausge¬ 
schaltet. 

Die Anwesenheit von Bakterien im Lochialfluss des Uterus 
(Keimentnahme aus dem Uterus) allein ohne Berücksichtigung 
der übrigen Verhältnisse kann uns nur sagen, welche Bakterien- 
arten im Uterus vorhanden sind. Die Virulenz der Bakterien 


zu prüfen sind wir ausser stände. Es sind auf der Agarplatte 
und im Tierversuch dieselben Bakterienstämme, die wir bei 
fieberlosen Wöchnerinnen auch in utero etwa vom 3. bis 5. 
Wochenbettstage an finden können. Es muss die Keiment¬ 
nahme verbunden werden mit der genauen Inspektion 
des Dammes, der Vulva, der Vagina, der Portio und 
des Cervicalkanales. Ueberall können Zeichen lokaler In¬ 
fektion sich finden und Beläge vorhanden sein, welche für die 
aetiologische Frage viel wichtiger sind, als die vielleicht noch 
harmlosen Uterusloehien. Der Abschnitt im Bu mm sehen Lehr¬ 
buch über das Puerperalfieber bringt in klarer knapper Diktion 
alles Wissenswerte für den, der sich über diese Fragen noch einmal 
orientieren will. Die Keimentnahme aus dem Uterus ist wichtig, 
sie kann uns namentlich bei intaktem, unterem Genitalabschnitt 
zeigen, ob eine reine Sireptoeoccenerkrankung oder eine Misch¬ 
infektion vorliegt. Die mikroskopische Untersuchung der Lochien¬ 
zusammensetzung soll uns nach Leo (Münchner medicinische 
Wochenschrift 1904, pag. 2131) aufklären über den Grad der 
Phagocytose. Je zahlreicher die polynucleären Leucocvten, 
je reicher die Phagocytose, um so besser die Heilnngsanssichten. 
Zugleich wird das Blutbild: die Leucocytenkurve, das Verhältnis 
der Kernzahl in den Leucocyten (Wol ff-Heidelberg), das Ver¬ 
hältnis der polynucleären zu den eosinophilen Zellen, endlich 
die Beschaffenheit der Erythrocyten vielleicht in Zukunft die 
Möglichkeit gewähren, uns über die Widerstandskraft des Orga¬ 
nismus eine begründete Meinung zu bilden, — eine ausserordent¬ 
lich wichtige Forderung vor der Entscheidung, Roll man eine 
eingreifende Operation vornehmen, oder als bereits aussichtslos 
unterlassen. Entschieden stehen wir heute hinsichtlich der 
Therapie auf einem rationelleren Boden als in der Zeit, in 
welcher Chinin und Antipyrin, die ja meist nur symptomatisch 
wirken können — die Puerperalbehandlung beherrschten. Ge¬ 
wöhnlich wird unsere diagnostische Keimentnahme mit Deok- 
lasausstrich aus Vulva, Vagina und Uterus gefolgt sein von 
em Beginn unserer Therapie. Es kann nicht meine Aufgabe 
sein, alle über dieses Thema in der Litteratur veröffentlichten 
Ansichten hier zu berücksichtigen Ich beschränke mich 
auf dio an unserer Anstalt üblichen Maßnahmen und verweise 
zur Orientierung auf den umfassenden Aufsatz von E. Fränkel. 
(Encyclop. Jahrbücher. Neue Folge. 4. Bd.) Von vornherein 
unterscheiden wir aus praktischen Gründen die Fälle, in 
welchen wir selbst die Nachgeburtsleitung übernehmen konnten 
von solchen, die uns von auswärts hereingebracht werden. Je 
mehr wir darauf achteten, um so häufiger sahen wir aus der 
Praxis einer und derselben Hebamme, oft aus einem und dem¬ 
selben Ort gleichzeitig genau die gleichartigen Krankheitsbilder 
zu uns kommen: Störung der Nachgeburtsperiode, Unmöglich¬ 
keit der ärztlichen Placentarkontrolle, und Blutungen oder stark 
blutiger Fluor im Wochenbett. Ursache: Placentarreste in utero! 
Finden wir diese Anamnese, oder bei Inspektion des Muttermundes 
in dem letzteren, der alsdann weit geöffnet bleibt, grünlich zersetzte 
Massen, so wird der Uterus ausgeräumt (Vorsichtige Corettage 
mit breitem stumpfen Instrument.) Dar ganze Eingriff schlien 


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38 


MBDICINISCHB WOCHB. 


Kr. 4. 


mit einer einmaligen Alkoholausspülung des Uterus, welche 
wir auch •'■bei Lqchiometra gern anwenden. Jede Aetzbehand- 
lung, -jede Anwendung ätzender Desinficientien, wie Lysol oder 
Sublimat, wird vermieden. Von nun an beschränken wir die 
Desinfektionsmaßnahmen auf tägliche Vaginalspülungen (3 % 
Perhydrol), ähnlich wie Füth und Zweifel die Vaginal¬ 
reinigung als ein unschädliches aber die Heilung beschleunigen¬ 
des Verfahren betrachten. Wir wollen den Keimen den Nähr¬ 
boden entziehen und ein neues Nachwachsen unbegrenzter 
Bakterienschwärme verhindern. In zweifelhaften Fällen, in 
welchen Anamnese und Lokalinspektion uns im Zweifel dar¬ 
über lässt, ob das Cavum Uteri leer ist, wird uns eine digitale 
Austastung des puerperalen Uterus, die ich noch stets ohne 
Narkose ausführen konnte, die Sachlage klären. Bei schonen¬ 
der Ausführung ist diese Austastung zu diagnostischen Zwecken 
völlig unschädlich. Die kritiklose prinzipielle Abrasio oder 
Eeouvillonage (Budin) halten wir für ein bedenkliches Ver¬ 
fahren und stehen auch hinsichtlich der Retentio secundinarum 
und der Gonorrhoe auf demselben konservativ abwartenden 
Standpunkt, wie beispielsweise AhIfeld und v. Herff. Fieber 
bei Gonorrhoe und Eihaut-Retention ist eine Contraindikation 
gegen intrauterine Eingriffe. Zurückbleibende Placentarteile 
müssen aber als Quelle der Blutung und Infektion in allen 
Fällen entfernt werden. 

Schwieriger wird die Sachlage, wenn die Wahrscheinlich¬ 
keit der Mikrobenpropagation vorliegt, wenn eine hohe Continua 
oder Schüttelfröste mit allgemeiner Prostration uns die einge¬ 
tretene Infektion gewissermaßen drohend vor Augen führen. 

Wer je Gelegenheit hatte, an der Hand von mikroskopischen 
Präparaten puerperal erkrankte Uteri und deren Anhänge 
nach der Sektion zu studieren, wird mir zugeben, dass man 
theoretisch von einem chirurgischen Eingriff nicht allzuviel ver¬ 
langen kann. 

In vielen Fällen geht die Propagation der Fiebererreger 
auf dem Blut- wie auf dem Lymphwege von statten. Nehmen 
wir aber an, dass das reine Bild der Thrombophlebitis einem 
gegebenen Krankheitsbild zu Grunde liegt. Das Mikroskop 
zeigt uns, wie weit verbreitet in solchen Fällen die Thrombose 
und der eitrige Thrombenzorfall in der Gebärmutterwand ist. 
Die Diagnose: wie weit reicht die eitrige Thrombenver¬ 
schleppung, welche Venen sind befallen, d. h. zu unterbinden, 
endlich die Entscheidung: wann muss man eingreifen, bezw. 
wann ist der Eingriff als aussichtslos zu unterlassen, ist mit 
Sicherheit nicht zu treffen. In dem einen Fall ist nach dem 
ersten Schüttelfrost der Thrombus bereits in der vena cava und 
vielleicht durch retrograde Verschleppung in zahlreichen Seiten- 


Feuilleton. 


Eine ßeise auf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm-Darmstadt. 

(Fortsetzung.) 

Neben uns, an den Landungsbrücken des Bremer Lloyds, 
lag der schöne „Kaiser Wilhelm der Grosse“ neben anderen 
Ozeanriesen. Wenn man mehreren dieser Kolosse Besuche 
abstattet, so erwächst dem Besucher eine dämmernde Ahnung 
von der Riesenhaftigkeit des Hafens, der, Peer an Peer ge¬ 
drängt, den unzähligen Dampfern der massenhaften englischen, 
französischen, deutschen, amerikanischen, holländischen und 
anderen Linien Unterkunft bietet, einer ungeheuren Flotte auf 
einmal, ungerechnet seine schon erwähnten ständigen Ein¬ 
wohner ! 

Bevor ich nun der Quarantaine und Zwischendeckeraus¬ 
schiffung und -Weiterbehandlung eine Schilderung widme, will 
ich einen Versuch machen, das Schiff zu zeichnen, dessen 
grandiose Verhältnisse und Einrichtung den Deutschen Kaiser 
veranlasst haben, ihm einen zweitägigen Besuch abzustatten, den 
mitzumachen mir beschieden war. 


.ästen, im andern.Falle ist trotz wiederholter Schüttelfröste die 
Thrombosierung noch auf den Uterus beschränkt 

Die lymphangitische Form wird meist erst durch die Vor¬ 
posten (parametranes Exsudat, Phlegmasia alba dolens, Perito¬ 
nitis, perimetrit. Exsudat) offenbar. Die hier notwendig werden¬ 
den chirurgischen Maßnahmen decken sich mit dem alten 
chirurgischen Satz: „Ubi pus ibi evacua.“ Der Satz hat ge¬ 
rade heute seine erhöhte Gültigkeit, weil nur nach Ablassen 
der Eitermenge die moderne Serumbehandlung statthaft ist. 
Serumbehandlung bei uneröffneten grossen Exsudaten könnte 
ja zu lebhafter Eiter-Resorption und -Vergiftung führen! 

Für die Totalexstirpation des septischen Uteru3 bleibt 
eigentlich keine begründete Indikation übrig. Die Genesung 
einzelner Individuen nach Totalexstirpation beweist nicht, dass 
sie ohne diesen gefährlichen Eingriff nicht auch mit dem Leben 
davongekommen wären. Wir wissen ferner, dass reine Strepto¬ 
coccenfälle nach der Totalexstirpation so gut wie immer an 
Peritonitis zu Grunde gehen. Trotzdem wird es immer glück¬ 
liche Fälle geben, in welchen bei sonst unentfembarer Pla- 
centa (Fall Schultze) und bei lokal beschränktem Infektions¬ 
herd (Metritis dissecans) die Totalexstirpation als der rettende 
Eingriff sich erweisen wird. Aber diese Formen werden wohl 
durch den protrahierten Verlauf von vornherein mehr als gut¬ 
artige Formen sich markieren. Die Widerstandskraft junger 
Individuen ist eben doch nicht zu unterschätzen. Die Aus¬ 
schaltung der eitrig zerfallenen Thromben (Trendelenburg) 
ist gewiss ein berechtigter Wunsch. Nur muss man meiner 
Ansicht nach auch so weit gehen und eventuell alle 4 Venen 
(beide venae hypogastricae und beide venae spermaticae) unter¬ 
binden. Die Venen - Resektion wird wohl von Allen zur Zeit 
als unnötig und zu gefährlich verworfen. 

Ob man dabei den extraperitonealen Weg wählt, oder per 
laparotomiam transperitoneal die Venen angeht, ist vielleicht 
nicht gleichgültig. Die Laparotomie erscheint mir rationeller. 
Sie klärt durch gute Uebersicht über den Gang und die Grenzen 
der Infektion aui und ermöglicht es, bei rascher Operation je 
nach Sitz der Placentarstelle und der Thrombosen das Ver¬ 
fahren zweckentsprechend zu modifizieren. Bei extraperitonealem 
Vorgehen kann es uns begegnen, dass wir z. B. rechts die 
venae hypogastricae unterbinden, während der Thrombus links 
im Spermaticalgebiet sitzt. Nur beiderseitige Unterbindung 
ferner verhindert das retrograde Verschleppen der Thromben 
auf dem übrigen eng-kalibrigen Anastomosenwege. Ich darf 
mir erlauben hinzuzufügen, dass die Anastomosen nach Unter¬ 
bindung der vier Hauptvenen noch reichlich genug bleiben, um 
eine Weiterernährung des Uterus zu garantieren. Nur wird in 

Gebaut ist die „Amerika“ auf der englischen Werft in 
Belfast aus dem einfachen Grunde, weil weder die Hamburger 
Werft von Blohm & Voss noch ausser dem „Vulkan“ in 
Stettin irgend eine andere Deutsche Werft gross genug ange¬ 
legt ist, um solch’ einem Koloss das Leben zu schenken! Und 
auf dem „Vulkan“ hat die „Hamburg-Amerika-Linie“ die 
„Kaiserin Augusta Viktoria“, den eben fertig gewordenen, noch 
ein wenig grösseren Rivalen der „Amerika“, erbauen lassen, 
so dass eben das eine Schiff in England hergestellt werden 
musste. Ungefähr 14 Millionen Mark sollen darin angelegt 
sein, was allerdings wenig erscheint gegenüber den Kosten, 
welche ein Schlachtschiff verursacht, dessen weit geringere 
Dimensionen es z. B. erlauben, auf der Germaniawerft in Kiel 
oder der erwähnten Hamburger Werft, auf der ich ein eben 
im Bau befindliches Kriegsschiff gesehen habe, dasselbe her- 
stellen zu lassen. 

Leider sollen manche Schiffsteile, insonderheit die-wunder- 
bar exakt arbeitenden Dynamomaschinen, Eis- und Ktihl- 
maschinen etc., bei uns nicht in gleicher Güte hergestellt werden 
können, wie die englische Konkurrenz es hier getan hat. Die 
Belfastwerft hat sich übrigens selbst übertroffen, indem sie ein 
um noch etwa hundert Kuss grösseres Schiff für eine englische, 
die Cunard-Linie, mittlerweile, wie uns auf See gefunkt ward, 
vom Stapel gelassen hat. 

Die Amerika mit ihren, glaube ich, 690' Länge, also etwa 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


39 


1Ö07. 


dem vielwinkligen, dabei notwendig zu durchlaufenden Venen¬ 
netz die Masse der grossen Thromben eher abgefangen werden. 
Wir sahen selbst nach dem Unterbinden aller vier Arterien- 
nnd Venenbündel (bei Carcinom) die Zirkulation nach kurzer 
Zeit soweit wiederhergestellt, dass erneute Blutungen des Carci- 
nomkraters eintraten. Der Eingriff ist technisch möglich. Die 
Zukunft muss lehren, ob die Unterbindung der Venen eine 
dauernd berechtigte Encheirese bleiben soll. Die bisherigen 
Erfahrungen unserer Klinik sind noch zu gering, als dass ich 
es wagen dürfte, ein bindendes Urteil darüber abzugeben. 

Sehr viel versprechend scheint mir die Spüldrainage des 
Peritonealraumes bei Peritonitis — so namentlich bei den go¬ 
norrhoischen Formen (Leopold — Zentralbl. für Gynaekologie. 
1906, Nr. 43), die eine erstaunlich grosse Menge peritonealen 
Exsudates erzeugen können. Bei der Eröffnung des Abdomens 
scbiesst der grünliche Eiter, wie Leopold es treffend be¬ 
schreibt, dem Operateur direkt entgegen. 

In allen übrigen Fällen aber bleibt der chirurgische Ein¬ 
griff immer ein gewagtes Unternehmen, für dessen Erfolg man 
nicht garantieren kann. 

In dem von mir (Zentralbl. für Gynaekologie, 1906, Nr. 4) 
beschriebenen Falle schilderte ich die Schwierigkeit, in welcher 
sich der Operateur befindet, wenn der von ihm indizieite Ein¬ 
griff von seiten der Angehörigen direkt untersagt wird. Man 
hat gleichsam den Wunsch, einen Saugpfropf an den Uterus 
zu setzen, um die lokal sitzenden Thromben und Eitermassen 
zu fixieren. Die3 war der Gedankengang, welcher mich ver¬ 
anlasst», die Stauunjsbohandlung durcn Suktion nach Bier mit 
einem von mir konstruiei ten Saugspeculum (Zentralblatt für 
Gynaekologie, 1906, Nr. 4) am puerperal infizierten Uterus 
zu versuchen, wie ich damals schon berichten konnte mit gutem 
Erfolg. Inzwischen habe ich in einer Reihe von Fällen, bei 
welchen Placentarreste Ursache der ausgehenden Infektion 
waren (nach Abort wie nach normalen Geburten), und zwar 
z. T. in Fällen, in welchen mehrere Schüttelfröste vorhergegangen 
waren, nach Ausräumung der Placentarreste das Saugverfahren 
mit Erfolg angewandt. Ich selbst will meine Hoffnungen nicht 
zu weit steigern, glaube aber, dass gerade die Fälle mit Sa- 
praemie, mit Lochiometra und bakteriotoxischer Endometritis, 
welche zur Infektion führt, schliesslich auch die lokale Myo- 
Endometritis lymphatica mit Stauung günstig zu beeinflussen 
sind, gerade wie auch bei der Mastitis die Stauung von gutem 
Einfluss ist. 

Die Heilbestrebungen der Natur gegenüber der puerperalen 
Infektion bestehen überall in einer leucocytären Reaktion. Im 
Blute vermehren sich die Leucocyten (die Leucocytose kann 

V* km, ist natürlich ganz aus Stahl gebaut. Etwas düster 
bebt sich der schwarze Schiffsrumpf, der nicht durch volle 
Ladung ins Wasser gedrückt werden kann, da selbst der New- 
Yorker Hafen zur Zeit ihm nicht den vollen Tiefgang von 
37' Fuss erlaubt — New-York baggert jetzt eigens aus diesem 
Grunde seine Fahrrinne von 31' Fuss seitheriger Tiefe auf die 
erwähnte Tiefe aus —, von den Ankommenden ab. Wir 
fuhren auf dem grossen Elbdampfer „Willkommen“, einem 
Schiffe, das oft genug auch in die Nordsee hinaus nach 
Helgoland etc. Passagiere bringt, längsseit des Ozeanriesen. 
Wie putzig klein lag unser Nachen neben dem Koloss 1 Turm¬ 
hoch hob sich schon der schwarze Rumpf über uns empor 
und schwindelnder Höhe strebt der weissgestrichene Oberbau 
entgegen 1 Ich zählte einmal auf einer Seite sieben Leichter¬ 
fahrzeuge, darunter recht stattliche Dampfer, wie der erwähnte 
„Willkommen“, welche hintereinander an verschiedenen Stellen 
teils Ladung übernahmen, teils löschten oder Passagierbeförde- 
rung dienten, ohne dass ein von der anderen Seite her¬ 
kommendes Schiff ihrer gewahr geworden wäre, weil der 
Riesen-Rumpf sie völlig verdeckte! Mast- und Schornstein¬ 
höhe der grössten Leichter endet tief unter dem Deck, aus dem 
die des Giganten erst emporragen. 

Zu unterst, natürlich schon hoch über der Wasserlinie, 
mit runden „Bullaugen“ versehen, liegt Franklindeck noch im 
schwarzen Rumpfe, tief, tief darunter sind die Decks für die 


bis z i Werten von 50 0 )0 ansteigend Die Leucocyten liefern 
baktericide Stoffe, welche die Bakterien widerstandslos, gegen 
die Phagocyten machen. Lokal in utero wird der Infektions¬ 
herd durch einen Leucocytenwall abgekapselt und unschädlich 
gemacht. Alle Mittel, welche lokal wie allgemein die Leuco¬ 
cytose anzuregen geeignet sind, werden rationell sein. Die 
Stauung soll den Aufmarsch der Leucocyten in der Zone der 
reaktiven Entzündung beschleunigen. Die allgemeine Leuco¬ 
cytose wird gesteigert durch NucleinVerabreichung (Hofbauer) 
mit gleichzeitiger Zufuhr von physiologischer Kochsalzlösung. 
Hofbauer gibt das Nuclein in Dosen von 5—6 Gramm in 
24 Stunden, bis als Zeichen der Nucleinknochenmarksreaktion 
Knochenempfindlichkeit auftritt. Die subkutanen Infusionen 
dürfen nicht so weit gehen, dass das Herz durch zu grosse 
Wasserzufuhr empfindlich belastet werden könnte. Da die auf 
Nucleinverabreichung eintretende Leucocytose im Sinne Ehr- 
lichs eine Vermehrung der bactericiden Stoffe schafft, so ist 
die Hoffnung, im Nuclein ein wirksames Mittel im Kampfe gegen 
Infektionen gefunden zu haben, wohl begründet. 

Aehnlich wie das Nuclein mag wohl auch das Chinin bezw. 
Antipyrin und Phenacetin zuweilen leucotakdsche Wirkungen 
entfalten können. Das Chinin hat zweifellos noch eine andere 
Bedeutung. Wir wissen, dass es in Dogen von ein bis zwei 
Gramm den Tonus der Uterusmuskulatur steigert und direkt 
Kontraktionen auslöst oder verstärkt. In allzugrossen Dosen 
wirkt es dann allerdings lähmend. Solange der Wenen anregende 
Einfluss anhält, gleicht es also der Secaiewirkung. Die Secale- 
präparate — insbesondere Ergotin und Secacomin — regen 
die Uteruskontraktion an, verhindern die Resorption putriden 
Inhaltes und sorgen für einen prompten Lochialfluss, so dass 
ich die Secaleverabreichung in den ersten Tagen des Wochen¬ 
bettes nicht gern missen möchte. Ich halte den Gebrauch der 
Secalepräparate für einen nicht unwesentlichen Teil der Fieber¬ 
prophylaxe im Wochenbett. Nicht immer erweisen sich die 
Leucocyten stark genug, um die Bakterien und ihre Produkte 
unschädlich zu machen. Nach den Anschauungen Ehrlichs 
ist es sehr wohl denkbar, dass nach dem allgemeinen Auflösen 
der Bakterien im Körper Gifte frei werden können, welche 
immer noch den Tod herbeizuführen imstande sind. Um dem 
Zellen- und Serumkampf des Individuums zu Hilfe zu kommen, 
müssten wir also ein Serum gewinnen, welches baktericid und 
antitoxisch zu wirken vermöchte. Unsere bisherigen sehr zahl¬ 
reichen Antistreptococcensera sind nur baktericid, oder viel¬ 
leicht nur bakteriotrop, d. h. sie schädigen die Streptococcen, 
so dass sie nunmehr von den Leucocyten aufgenommen werden 
können (die Phagocytose ist also mit Hilfe des Antistrepto¬ 
coccenserums wirksamer als vorher). 


Ladung etc. bestimmt; in ihnen sind eiserne Türen zum Ab¬ 
schluss der wasserdichten „Schotten“ befindlich, welche nach 
dem zwei Minuten zuvor von der Kommandobrücke erteilten 
Signal automatisch durch Druck auf einen Knopf geschlossen 
werden können. Strömt Wasser durch ein Leck ein, das sich 
das Schiff auf einem Riff in den Boden gerannt, oder welches 
ihm ein wüster Ozeangesell in den Bauch gestossen hat, so ist 
alsbald der wunde Schiffsteil nach allen Seiten hin dicht ge¬ 
macht und die in den riesigen übrigen, noch unbeschädigten 
Schiffsräumen eingeschlossene Luft hält dasselbe leicht über 
Wasser. 

Ueber Franklindeck folgt Clevelanddeck, diesem Roosevelt, 
beide noch mit Bullaugen in der Bordwand. Ueber Roosevelt 
erhebt sich Washington deck, über diesem Kaiserdeck, beide mit 
mächtigen, überdachten Promenadedecks versehen, auf die hin¬ 
aus die viereckigen, erheblich grösseren Fenster der hier mit 
fürstlicher Pracht ausgestatteten Kabinen gehen. Ueber dem 
Kaiserdeck folgt das nicht überdeckte Sonnen- oder Bootsdeck, 
auf welchem aas Offizierhaus mit Wohnungen für Kapitän und 
Offiziere sich erhebt; hier habe ich auf der Rückreise in der 
sogenannten „Lootsenkammer“ fern von Schiffsgeruch hoch 
oben gehaust. Der Kapitän und der erste Offizier haben aus 
ihrer Wohnung Türen nach der vorliegenden Kommandobrücke 
hinaus, deren mittleren Teil ein Glashaus bildet, in welchem 
die nautischen Bestimmungen gemacht und die Steuerlenkung 


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40 


MEJDICHflSCHE WOCHB. 


Tfr. 4. 


Die grosse Menge der Antistreptococcenserumarten ist ein 
Beweis, dass die Wirkung des Serums oder der Sera nicht ab¬ 
solut zuverlässig ist. Bumm und Zangemeister haben be¬ 
gründet, wann und warum der Erfolg in manchea Fällen, 
namentlich in den vorgeschrittenen, ausbleiben wird. Gleich¬ 
wohl ist die Serumtherapie rationell und muss nach meiner 
Anschauung fortgesetzt werden. 

Zweifellos hat sie einen ganz anderen Wert als das viel¬ 
besprochene Collargol, von dessen Unwirksamkeit wir und an¬ 
dere Kliniken überzeugt sind. Gegenwärtig wird wohl nur ein 
von menschlichen Streptococcen direkt ohne Tierpassage ge 
wonnenes Antistreptococcenserum bevorzugt. Wir benutzen 
zur Zeit das Menzersche Serum und glauben auch, wie Aron- 
son, dass die Dosen nicht zu klein sein dürfen, etwa 10 bis 
40 ccm pro Dosis. 

Burckhard (Reichs-Medicinalanzeiger 1905, Nr. 3), welcher 
günstigere Erfolge als unsere Klinik zu verzeichnen hatte, em¬ 
pfiehlt den Gebrauch des Menzersehen Serums, von welchem 
er in acht Fällen wechselnde Mengen von je 20 bis 50 ccm 
pro Fall brauchte. Die Einzeldosis wählten wir nie höher als 
20 ccm. Doch kann man offenbar die erste Dosis bis auf 
50 ccm steigern. Die Reaktion (Serum - Fieber -Exanthem) ist 
vorübergehend und harmlos. Gleich Bumm wenden wir das 
Antistreptococcenserum auch bei Mischinfektionen an. Eine 
ungünstige Wirkung konnten wir in keinem unserer Fälle kon¬ 
statieren. Erfolge gleich den von Burckhard beobachteten 
sieben Heilungen unter acht Fällen haben wir nicht zu ver¬ 
zeichnen. Zu einem Versuche, durch aktive Immunisierung 
mit abgetöteten Streptococcenkulturen prophylactisch dem Puer¬ 
peralfieber vorzubeugen, haben wir uns bisher nicht entschliessen 
können. 

Die nebenstehende Tabelle soll einen kurzen Ueberblick 
über die an der Giessener Frauenklinik übliche Therapie des 
Puerperalfiebers geben. 

Die Allgemeinbehandlung der Puerperalfieberanfälle ist 
natürlich Gegenstand unserer besonderen Fürsorge. Vom Alko : 
hol machen wir nur sehr beschränkten Gebrauch. Antipyretica 
werden so gut wie nie angewendet, da sie die Temperaturkurve 
stören und den Verlauf des Prozesses nur verschleiern können 
Es gilt gerade bei dem Abklingen des akuten puerperalen Pro¬ 
zesses dasselbe wie für die Behandlung der Typhus-Rekon¬ 
valeszenten: „Die erfahrene, geschickte Pflegerin und die Rege¬ 
lung der Ernährung ist fast wichtiger als der Arzt.“ 

Viel erfreulicher als das eben entrollte Bild ist für mich 
der Rückblick auf die jüngsten Fortschritte der allgemeinen 
prophylactischen Bestrebungen. Wenn wir bisher sagen mussten, 
dass die Aerzte für ihre Hände eine erstklassige Desinfektions- 


etc. vorgenommen werden. So hebt sich, bereits hoch über 
dem Wasserspiegel in sechs, bezw. das Deck der Offiziers¬ 
wohnung eingerechnet, sieben Decks, sechsstöckig der 
Koloss empor zur Höhe eines mächtigen Wohnhauses! Beginnen 
wir den Rundgang von oben, wo die Offizierswohnung bereits 
erwähnt ist, so sehen wir rechts und links die Rettungsboote 
in ihren drehbaren Krahnen hängen, wovon das Deck seinen 
Namen führt. Weiter nach achter kommen wir an der Funken¬ 
telegraphenstation vorbei, wo zwei liebenswürdige, nette Bel¬ 
gier ihres Amtes walten. Darauf folgt der Eingang zu dem 
oberen Stockwerke des zweistöckigen, überaus vornehmen 
Rauchsalons, der leider über der Maschine gelegen, ständig 
etwas von ihren Erschütterungen zu leiden hat. 

Eine nach hinten offene zweiteilige Laube bietet ein aller¬ 
liebstes Plätzchen dar, um, vor Sonne und Regen geschützt, 
dennoch im Freien mit Ausblick über das Schiff hinweg der 
Fahrt zu geniessen. 

Eine Treppe führt uns dort hinab aufs Kaiserdeck. Doch 
wir kehren zurück, um die an der Offizierswohnung vorbei¬ 
führende Haupttreppe zu benutzen. (Fortsetzung folgt.) 


methode brauchten, während die Hebammen mit dem minder¬ 
wertigen Verfahren derCarboldesinfektion sich begnügen mussten, 
ist nun in Preussen und Hessen eine erfreuliche Ueberein- 
stimmung geschaffen worden, insofern durch Ministerialver- 
ftigung die Heisswasser-Seifen-Alkohol-Sublimatdesinfektion 
für die Hebammen obligatorisch geworden ist. In Preussen 
ist wohl durch Runge, in Hessen durch Pfannenstiel dieser 
Fortschritt angebahnt worden. Die Erfahrungen, die ich mit 


Art des Prozesses 


A. Putride Intoxication, Lochiomctra, 
Sapraemie, bakteriotoxischo Endo¬ 
metritis. 

B. Infektion: 

I. lokale 

Vulvo-vaginitis, 

Endo-Myometritis. 

II. verschleppte 

a. auf dem Lymphwege 
Beckenphleirmone, 

Exsudate, I'hlegmasie . . 

(Peritonitis). 

b. auf dem Blutwege 
Thrombophlebitis purulonta 

(Pyaemie) 

III. Allgemeine Sopticopyaomie. . 


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meinem Chef Pfannenstiel an den Hebammen unseres Be¬ 
zirkes in Oberhessen sammeln konnte, lassen schon jetzt die 
Behauptung zu, dass diese Neuerung sich aufs Beste bewähren 
wird. Im Grossherzogtum Hessen ist durch Loehlein die Ein¬ 
richtung der 5jährigen Wiederholungskurse für Hebammen 
obligatorisch geworden. Bei Gelegenheit dieser Kurse werden 
alte und ältere Hebammen mit dem Verfahren praktisch und 
theoretisch vertraut gemacht. Wir sind erstaunt gewesen, wie 
anstellig sich die Frauen im Lehrkurse dabei erwiesen, wie 
sie zum Teil freudig das neue Verfahren übernahmen. Die 
segensreiche Einrichtung der Wiederholungskurse, welche uns 
immer wieder das Hebammenmaterial vorführt, hat uns auch 
belehrt, wie recht Dohrn urteilt, wenn er den Zudrang der 
gebildeten Stände zu dem Hebammenberuf nicht für erwünscht 
hält. Nicht die gleichgebildete Frau wird dem Arzt die er¬ 
wünschte Gehilfin am Kreissbett und in puerperio sein, son¬ 
dern die geschulte einfache Subalterne. Wie das Heer durch 
den tüchtigen Unteroffizierstand stark und gesund bleibt, so 
müssen wir einen wohl ausgebildeten, zufriedenen Hebammen¬ 
stand heranziehen und durch Fortbildungskurse frisch erhalten. 
Freilich wird der Staat, welcher die Hebammen bisher notge¬ 
drungen durch zahlreiche Paragraphen und Verbote auf die 
nötige Abstinenz (Noninfektion) verpflichtet hat, auch einmal 
anfangen müssen, die Rechte der Hebammen zu formulieren. Staat¬ 
liche Unterstützung bei mangelhaftem Einkommen und Pensions¬ 
berechtigung für Gemeindehebammen werden wohl diejenigen 
Maßregeln sein, welche einerseits den Hebammen ein Aufgeben 
jeglicher Nebenbeschäftigung ermöglichen, andererseits die 
Stellung der Hebammen gegenüber den Wochenpflegerinnen 
sichern. Die Forderung der Hebammen, dass bei jeder Ent¬ 
bindung eine Hebamme hinzugezogen werden müsse, auch 
wenn Arzt und Wochenpflegerin vorhanden sind, ist zweifellos 
berechtigt. Eine Reglementierung der Wochenpflegerinnen in 
einer oder der anderen Form wird wohl notwendig werden. — 
Doch erscheint diese Frage mir noch nicht so brennend, so¬ 
lange die Pflegerin stets unter ärztlicher Kontrolle arbeiten 
muss. — Das nächstliegende Erfordernis ist — das möchte 
ich mit Pfannenstiel annehmen — die Sanierung und bessere 
Finanzierung des Hebammenstandes. 


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1907. 


MKD1CINISCHB WOCHE. 


41 


Sitzungsberichte. 

Deutschland. 

Berliner medicinische Gesellschaft . 

Sitzung vom 9. Januar 1907. 

Vor der Tagesordnung 

demonstriert Baginsky ein Kind, das im Anschluss an 
Keuchhusten vollständig ertaubt und erblindet ist; erst in letzter 
Zeit scheint sich eine geringe Wiederherstellung des Seh- und 
Hörvermögens einzustellen; ob damit aber die schon entwickelte 
Idiotie sich ändern wird, erscheint fraglich. Ob cerebrale Störungen 
nach Tussis convulsiva durch meningitische oder toxische Ver¬ 
änderungen bedingt sind, ist nicht entschieden; vielleicht können 
auch feinste Blutungen in der Gehirnrinde die Ursache sein. 

Weiter zeigt er ein Kind mit einer seltenen Bautaffektion; 
die Epidermis löst sich unter schnellem Aufschiessen von Blasen 
ab; in diesen sind Streptococcen nachzuweisen. Mit dem Pemphigus 
malignus hat die Krankheit nichts zu tun; er glaubt, dass der 
Fall als Epidermolysis bullosa zu bezeichnen ist. 

Bla sch ko glaubt, dass bei dem spontanen Auftreten der 
Blasen eine Dermatitis herpetiformis vorliegt. 

Tagesordnung: 

Lassar: Kurze Mitteilung zum jetzigen Stand der Radio¬ 
therapie. (Mit Demonstrationen.) 

Die früher erhobenen Ergebnisse haben eine dauernde Be¬ 
stätigung gefunden; besonders betreffs der Neubildungen ist eine 
erfreuliche Stabilität der Resultate zu verzeichnen. Ohne Schädigung 
der Patienten können Neubildungen zum Schwinden gebracht werden 
und dabei auch bleibende Resultate, wenn auch nicht in allen 
Fällen, erzielt werden. Dass das Licht gegenüber erreichbaren 
malignen Keimen eine Heilkraft ausübt, ist als sicher festgestellt 
zu betrachten. L. verwendet für die Lichtbehandlung entweder 
Radium oder Röntgenstrahlen oder beide abwechselnd. Eine grosse 
Zahl von Patienten werden demonstriert, die die erzielten Heil¬ 
resultate illustrieren. Dieselben betreffen Cancroide an den ver¬ 
schiedensten Teilen des Gesichts, Mammacarcinomrecidive, bei denen 
der Chirurg eine Operation abgelehnt hatte, Fälle von Brand¬ 
wunden, Eczemen, Favus, Lichen ruber, Mycosis fungoides, einen 
Naevus vasculosus in der Gegend des Auges bei einem Kinde, 
einen Fall von stabilem Gesichtsoedem, ein Krankheitsbild, das 
öfters mit Myxoedem verwechselt wird, einen Fall von Hypertrophia 
musculorum spuria. In vielen tausenden von Sitzungen bei mehreren 
hundert Patienten ist nur ganz vereinzelt eine tiefere Gewebs- 
änderung vorgekommen bei Behandlung mit Röntgenstrahlen; Ra¬ 
dium ist in den zugänglichen Mengen absolut unschädlich, dabei 
anscheinend unbeschränkt wirksam. 

Diskussion: Zondek macht zu einem der vorgestellten^Fälle, 
Mammacarcinomrecidiv, ergänzende Bemerkungen. 

Diskussion über den Vortrag Heubner: Zur Kenntnis ortho- 
tischer Albuminurie. 

Langstein hat Stoffwechseluntersuchungen bei orthotischer 
Albuminurie angestellt, die eine Trennung dieser Affektion von 
der chronischen Nephritis rechtfertigen; weiter ist in diesem Sinne 
zu verwerten, dass bei ersterer im Gegensatz zu letzterer haupt¬ 
sächlich durch Essigsäure ausfällbare Eiweissstoffe ausgeschieden 
werden. Auch der sprunghafte Wechsel der Eiweissausscheidung 
kommt bei Nephritis nicht vor. Die orthotische Albuminurie ist 
eine sehr häufige Affektion; ein Zusammenhang mit einer Infektions¬ 
krankheit für sehr viele Fälle nicht nachzuweisen. Das wahrschein¬ 
lichste bleibt, dass es sich um eine Vasomotorenaflfektion handelt. 

Baginsky: erinnert daran, dass klinisch eine abklingende 
Nephritis orthotischen Typus annehmen kann. Ob man die Ortho- 
tiker zu den Nephritikern rechnen soll oder nicht, hält er für prak¬ 
tisch von nicht so hoher Bedeutung, mehr für eine Doktorfrage. 
Jedenfalls sind Orthotiker nicht völlig gesund; mindestens bestehen 
konstitutionelle Veränderungen, an denen die Gefässe und wohl 
auch die Nieren teilnehmen. 

Fürbringer: glaubt, dass die Veränderungen in den de¬ 
monstrierten Nieren nicht die jahrelange, zeitweilig bedeutende 
Eiweissausscheidung erklären können, und neigt mehr zu der Auf¬ 
fassung, dass die Nieren als gesund zu betrachten sind. Er hat 


das Experiment gemacht, einer Orthotikerin sonst Verbotenes zu 
verordnen, Alkohol, Fleisch, Schwimmbäder, und dabei nicht den 
geringsten schlechten Einfluss auf die Albuminurie beobaohtet; das 
macht es wahrscheinlich, dass die Patientin anatomisch gesunde 
Nieren trägt. Die praktische Bedeutung der Frage hält er für 
sehr gross. Betreffs der Lebensversicherung sollten die Orthotiker 
nicht zu ängstlich betrachtet werden. Restlose Heilungen der 
Affektion sind oft zu konstatieren. 

Hansemann: Ob eine Niere anatomisch gesund ist, ist schwer 
zu sagen. Die von Heubner konstatierten Veränderungen hält er 
auch für irrelevant; namentlich Fett kommt in den Nieren oft vor, 
ohne die geringste pathologische Bedeutung. Dagegen glaubt er 
in de i Präparaten Veränderungen an den Glomerulis, Vermehrung 
der Kerne, zu sehen. Das braucht keine Entzündung zu sein, 
kann abermals Rest einer Glomerulonephritis angesehen werden. 

Aerztlicher Verein in Hamburg. 

(Biologische Abteilung.) 

Sitzung vom 4. Dezember 1906. 

Vorsitzender Herr Nonne. 

Demonstrationen: 1. Herr Plaut sah vor kurzem einen 
17jährigen Mann mit Angina ulcero-membranosa. Er 
fühlte plötzlich beim Zähneputzen einen stechenden Schmerz im 
Hals, konnte jedoch im Spiegel nichts entdecken; zwei Tage später 
traten heftigere Halsschmerzen auf, die den Pat. zum Arzt führten. 
Aus der einen Tonsille konnte mit der Pincette eine schmierig 
belegte Zahnbürstenborste entfernt werden; es bestand typische 
Plaut-Vincentsche Angina. Im Abstrichpräparat fanden sich 
Spirochaeten und fusiforme Bazillen. Vortr. hat stets behauptet, 
dass es sich bei dieser Anginaform wahrscheinlich um eine In¬ 
fektion mit Zahnbakterien handelt, und glaubt nun, heute hierfür 
den strikten Beweis geliefert zu haben. 2. Herr Plaut hat ferner 
unter dem Mikroskop Geisselfärbungenaufgestellt. Die grossen 
fusiformen Bazillen haben meist keine Geissein, die mittlere Art 
hat peritriche, während die kleine Art Haupt- und Nebengeissein 
besitzt. Die Geisselfärbung selbst ist ausserordentlich schwierig. 
3. Herr Pla]ut zeigt ferner noch lebensfähiges Achorion Schön- 
leinii bei einem Kind, dessen Einwanderung in Amerika von den 
dortigen Behörden verhindert worden war. Herr Paschen fragt, 
ob die fusiformen Bazillen Eigenbewegung gehabt hätten, während 
Herr Unna sich danach erkundigt, ob die Mikroorganismen auch 
aus der Zahnbürste selbst gezüchtet worden wären. Indem Herr 
Plaut die erste Frage bejaht, entgegnete er, dass er die Zahn¬ 
bürste mit negativem Resultat untersucht habe. Nun bezweifelt 
Herr Unna die Richtigkeit der Entstehung der ulcerösen Angina 
in diesem Falle: es könne sich nicht nur ,’um ein gewöhnliches 
Trauma handeln, an das sich die Angina angeschlossen hätte, 
sondern es könne die Zahnbürste auch andere Bakterien enthalten 
haben, und nur am locus minoris resistentiae setzte die Angina 
ein. Jedenfalls sei mit der extrahierten Borste keinerlei Beweis 
erbracht. Herr Paschen hält die fusiformen Bazillen im All¬ 
gemeinen für ziemlich harmlos. Herr Edlefsen bemerkt, dass 
die warme Mundhöhle doch ein guter Nährboden für die mit der 
Zahnbürste hereingebrachten Bakterien sei. Herr Reiche hält 
die fusiformen Bazillen für die Erreger [der Plaut-Vincentschen 
Angina, während die Spirochaeten nur die Schmarotzer sind, und 
erinnert an einen genau von ihm beobachteten und beschriebenen 
Larynxfall von Angina ulcero-membranosa. Herr Paschen hat 
in Schnittpräparaten von breiten Condylomen stets fusiforme Ba¬ 
zillen und Spirochaeten gefunden. Herr Fraenkel hält den 
Beweis für nicht erbracht, dass die fusiformen Bazillen und Spiro- 
cbaeten bei breiten Condylomen mit denen bei Plaut-Vincentscher 
Angina identisch sind. HerrP t redöhl hat in seiner Praxis nach 
Formaminttabletten bei dieser Angina dicke Membranen sich ent¬ 
leeren sehen. Herr Engelmann bezweifelt, dass sich dicke 
Membranen hierbei aus der Nase entleeren können. Im übrigen 
hat der Patient ein Mundwasser und welches benutzt? Es war 
vielleicht schon eine Angina vorhanden, und die Borste hat sie 
erst verschlimmert. Herr Predöhl wollte nur die allgemeine 
Aufmerksamkeit auf Formamint lenken. Herr Reiche sah niemals 
bei dieser Angina Membranen aus der Nase abgehen. Die von 


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MEDIC1NISCHK WOCHB. 


Nr. 4. 


43 


Vincent empfohlene Tct. Jodi bewährte sich nicht; bessere Erfolge 
hatte er in jüngster Zeit mit Chinosol. Herr Engel mann warnt 
vor Formamint wie vor anderen Mentholpräparaten, die häufig 
Magenbeschwerden verursachen; er empfiehlt innerlich chlorsaures 
Kali. Herr Plaut hält die fusiformen Bazillen zusammen mit 
den Spifoohaeten unbedingt für die Erreger der von ihm zuerst 
beschriebenen Anginaform. 4. Herr Lange demonstriert zwei 
Präparate vonNebennierenhaematom beim Neugeborenen; 
die Blutung zerstört meist nur die Marksubstanz und geht in 
schwereren Fällen in die Bindensubstanz über. Die Hauptursache 
dieser Blutung scheint der Geburtsvorgang als sol?her zu sein 
(Congestion, Asphyxie); häufig findet man die Haematome mit mul¬ 
tiplen subserösen Blutungen kombiniert. Das eine Präparat stammte 
von einem bei Placenta praevia extrahierten Kinde, die Blutung 
war taubeneigross, während im anderen Falle mehrere kirscbgrosse 
Blutungen bei dem mit der Zange entwickelten Kinde stattgefunden 
hatten. Herr Simmonds sah solche Blutungen schon nur auf 
der einen Seite. 5. Herr Simmonds spricht über an ge borenen 
Verschluss der Gallenwege. Das betreffende Kind bekam 
in den ersten Lebedstagen Icterus, der stetig zunahm. Bei dem 
nach einem Vierteljahr erfolgten Tode zeigte sich die Papille voll¬ 
kommen normal; es fehlte jedoch der Ductus choledochus wie alle 
anderen grösseren Gallenausfuhrgänge. Es fand sich als zufälliger 
Nebenbefund eine sehr grosse gelappte Milz; ferner eine interstitielle 
Hepatitis, doch ist diese ebensowenig wie Lues die Ursache des 
Verschlusses. Jeder Verschluss der Gallenausfuhrwege ruft eine 
interstitielle Hepatitis hervor; in diesem Falle dürfte es sich viel¬ 
mehr um einen Bildungsfehler handeln. 6. Herr Nonne spricht 
an der Hand mehrerer Fälle über kombinierte Systemer¬ 
krankungen; an der kurzen Debatte beteiligen sich ausserdem 
Vortr. die Herren Engelmann und Hess. 

Schönewald. 

j Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. 

Sitzung vom 23. November 1906. 

Vorsitzender Herr Uht ho ff, Schriftführer Herr Partsch. 

Nachruf für Herrn Gen.-Arzt Bölirne und Herrn Bloch. 

HerrKobrak demonstriert einen Fall von multiplen Panaritien. 

Herr Mertens berichtet aus der Tietzeschen Klinik über 
einige analoge Fälle. 

In der Diskussion über den Vortrag des Herrn Anschütz 
über Kleinhirntumor bemerkt Herr Förster, dass beim vorge¬ 
stellten Falle das wichtige Symptom des Neigens des Körpers 
nach der erkrankten Seite fehle. Dies könne damit erklärt 
werden, dass Patient aus Furcht vor dem Fallen selbst nach 
der anderen Seite neigte. Um dies auszuschalten, gäbe es 
folgende Untersuchungsmittel: 1. Sitzen mit geschlossenen Augen, 
2. Aufrichten aus der Rückenlage zum Sitzen, 3. Aufstehen vom 
Stuhl. Herr Bonnhöfer hatte den Patienten vor der Operation 
untersucht und linksseitigen Tumor diagnostiziert wegen linksseitiger 
Parese und fehlendem Comealreflex. Herr Förster demonstriert 
Präparate von einem Manne, dem vor 2 Jahren eine Eisenstange 
auf den Kopf gefallen war. Herr Ansch üt z mahnt zur Vorsicht 
bei Operationen am Kleinhirn. Es müsse jeglicher Druck vermieden 
werden. 

Diskussion über den Vortrag des Herrn Winkler über 
Appendicitis: Herr Ponfick: Der Wurmfortsatz ist ein funk¬ 
tionsloses Organ. Daher kann er, ohne wesentliche Erscheinungen 
zu machen, erkranken. Nur Eiterungen und Entzündungen der 
Umgegend machen sich bemerkbar. Aber bei seiner variablen 
Lage und der Beweglichkeit der Dünndarmschlingen ist die Diag¬ 
nose sehr erschwert. P. ist für sofortige Operation und gegen 
Abwarten bis zum Intervall. 

Herr Tietze: Die Bedeutung der Winkelschen Untersuchungen 
ist, dass er den Kotstein in den Vordergrund gestellt hat. T. 
hat selbst oft so grosse Steine gesehen, dass der Wurmfortsatz 
lädiert werden musste. Er ist auch für Frühoperation in den 
ersten 24 Stunden. 

H. Göbel fragt nach der Aetiologie des Kotsteines. 

H. Winkler weist auf seine These 5 hin, wonach zum Kot¬ 
steine noch eine Infektion hinzukommen müsse. Peritz. 


Sitzung vom 7. Dezember 1906. 

Vorsitzender Herr Uhthoff, Schriftführer Herr Rosenfeld. 

Der Vorsitzende gedenkt mit ehrenden W T orten des dahinge¬ 
schiedenen Mitgliedes, des Primftrarztes Dr. Georg Reinbacb, 
zu dessen Ehren die Anwesenden sich von den Plätzen erheben. 

1. Herr Mann: Demonstration eines Falles von Myotonie 
(Tompsonscher Krankheit). Herr M. hält dafür, dass die EikrankuDg 
nicht ein reines Muskelleiden sei, sondern glaubt, dass das Central¬ 
nervensystem mit eine Rolle spiele. Es kämen wohl die Pyramiden¬ 
bahnen in Betracht. 

2. Fortsetzung der Diskussion zu dem Vortrage des Herrn 
Winkler: „Ueber Appendicitis*. 

Herr v. Strümpell: Die Annahme, dass einer Appendicitis 
häufig Anginen, Influenzen etc. vorangingen, sei nicht aufrecht zu 
erhalten. Haematogene Erkrankung spiele wohl nur gelegentlich 
eine Rolle. In den meisten Fällen fände eine Invasion durch das 
Lumen des Wurmfortsatzes statt Die Formen seien: Die Ent¬ 
zündung der Schleimhaut, die circumscripte serofibrinöse Entzündung 
und der Abscess, bezw. die diffuse Peritonitis. Redner ist nicht 
für sofortige Operation in allen Fällen. Die Statistik der Früh¬ 
operation weise noch 5—6 % Todesfälle auf. Der Abscess dagegen 
indiziere sofortigen Eingriff. Für die Untersuchung sei eine 
tastende Palpation zweckmäßig, die Exploration per vaginam, per 
rectum sei ein gutes Hilfsmittel. Fällt das Fieber kritisch ab, 
um nachher wieder anzusteigen, so sei ein Anlass zum Eingreifen 
vorhanden. Desgleichen mahne dazu ein Erbrechen, Aufstossen am 
4 ten oder 5 ten Tage. Wichtig sei auch der Puls. Zunehmende 
Leucocytose sei beachtlich, aber kein fester Verlass zu bestimmter 
Auffassung. Für die Intervalloperation kämen als Indikation öfters 
auftretende Beschwerden, aber auch eine beständige nervös 
machende Angst vor einem ferneren Anfall entscheidend in Betracht. 

Herr Garr6 weist darauf hin, dass als hereditäres Moment 
ein ungewöhnlich langer Wurmfortsatz in Frage komme. Eine 
Schädigung durch den Kotstein könne nicht geleugnet werden, 
weicher Kot im Wurmfortsatz sei nicht so selten. Der Vortragende, 
der auf 400 Perityphlitisfälle zurücksieht, ist Anhänger der Früh¬ 
operation, aber nicht ohne jede Einschränkung. Die Frühoperationen 
müssen zeitlich eingeteilt werden: in den ersten 48 Stunden er¬ 
geben sich 100% Heilungen, am 3. und 4. Tage sind die Resultate 
ungünstiger bis 60% Todesfälle — hier sprechen peritoneale Ent¬ 
zündungen mit —, am 6. Tage bessert sich die Prognose wieder 
— bei 116 operierten 8% Mortalität. — Ueber die Intervall¬ 
operation herrsche überall Einigkeit. 

Herr W inkler betont im Schlusswort, dass lange Wurmfort¬ 
sätze häufig zur Operation kamen, Angina und septische Prozesse 
könnten aetiologisch keine grosse Rolle spielen. Peritz. 


Gynaekologische Monatsschau. 

(Schluss.) 

Beiträge zur Kenntnis der Darmstörungen der 
Säuglinge und der Säuglingssterblichkeit liefert 
Schabert. Auf Grund bakteriologischer Stuhluntersuchung Neu¬ 
geborener kommt er zu dem Ergebnis, dass jeder Säugling in den 
ersten Lebenstagen eine Staphylococcenenteritis durchmacht, über 
die kräftige, widerstandsfähige Kinder bei guter Pflege und ent¬ 
sprechenden hygienischen Verhältnissen rasch und ohne Folgen 
hinwegkommen, durch die aber der Organismus an sich schwäch¬ 
licher Kinder erheblich geschädigt und gegen weitere später hin¬ 
zutretende neue Infektionen des Darmes weniger widerstandsfähig 
gemacht wird. Es liegt seiner Ansicht nach nahe, den Ikterus 
neonatorum durch diese Affektiou als einfach-catarrhalischen Ikterus 
zu erklären. 

In einer Arbeit über den Einfluss der Scheidendesin¬ 
fektion auf die Morbidität des Wochenbettes sucht 
Baisch die noch immer ungelöste und viel umstrittene Frage 
nach dem Wert oder Unwert der desinfizierenden Scheidenspülungen 
ante partum der Klärung näher zu bringen. Seine unter sorgfältiger 
Beobachtung aller notwendigen Cautelen ausgeführten Versuche 
zeitigten das anscheinend überraschende, aber auch schon vou 


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1007. 


ÄÖGMCINI8CH8 WOCHE. 


43 


anderen Autoren erzielte Resultat, dass die (mit Sublimatlösung) 
Gespülten in einem viel höheren Prozentsatz fieberten als die Nicht- 
geepülten. Die Erklärung hierfür liegt darin, dass die Scheidendes¬ 
infektion nicht imstande ist, die eigentlichen Erreger des Puerperal¬ 
fiebers, die Staphylo- und Streptoooccen aus der Vagina zu ent¬ 
fernen, sondern dass sie vielmehr durch die Vernichtung der den 
pathogenen Bakterien antagonistischen harmlosen, saprophytischen 
Stäbchen formen ihre Ansiedelung und Vermehrung begünstigt. 

Eine längere Versuchsreihe, die Burkhard mit dem Paltauf- 
schen Str eptococcenserum bei Wochenbettfieber vorgenommen 
hat, führt ihn zu der Anschauung, dass dasselbe bei lange dauernden 
Erkrankungen oder bei schon bestehenden schweren OrganUesionen 
wirkungslos und möglicherweise sogar schädlich ist, während es in 
frischen Fällen sicher niemals schaden kann, mithin zur versuchs¬ 
weisen Anwendung durchaus zu empfehlen ist. 

Das Studium der Eklampsie bildet noch immer ein viel um¬ 
strittenes Forschungsgebiet. Liepmann hat bekanntlich die 
Theorie aufgestellt, dass die Eklampsie eine Intoxikation mit einem 
in der Placenta gebildeten, an das Eiweissmolekül gebundenen Toxin 
ist. Ist der Organismus nicht imstande, diese toxischen Substanzen 
durch Bildung entsprechender Antisubstanzen zu neutralisieren, so 
wird er vergiftet. Diese Vergiftung hat man sich so vorzustellen, 
dass das Gift im Gehirn, in den Nieren und in der Leber besondere 
Angriffspunkte findet und daher diese Organe am meisten schädigt. 
Die Entstehung der Wochenbettseklampsie stellt sich L. so vor, 
dass in diesen Fällen die Leber imstande ist, zunächst die Gesamt¬ 
menge des Toxins zu retinieren, aber nicht imstande ist, sie zu 
neutralisieren. Im Verlaufe des Wochenbettes nun treten diese 
nicht neutralisierten Toxinmengen in den mütterlichen Organismus 
über: finden sie ihn susceptibel, bieten sich dem Gift Angriffs¬ 
punkte, so tritt das typische Bild der Eklampsie, Krämpfe und 
Albuminurie auf. Die an der B u mmschen Klinik geübte Therapie 
der Wochenbettseklampsie, die L. an einigen Beispielen beschreibt, 
ist eine sehr intensive und mannigfaltige: Physiologische Kochsalz¬ 
infusionen subkutan 2000—4000 ccm. Ev. Aderlass, ’Diuretin und 
Digitalis, Coffein, Kampher, künstliche Atmung, die ev. tagelang 
mit Intervallen von Va Std. fortzusetzen ist, in den Pausen Ab¬ 
klatschen mit kaltem Wasser. Kalte Packungen. Narkotica 
möglichst wenig, am besten 3,0 Chloralhydrat pro dosi per clysma; 
bei starker Unruhe Morphium 0,03. Die_ Erfolge sind nach den 
bisherigen Erfahrungen ausgezeichnete. 

Auf einem ganz anderen Wege glaubt Edebohls zum Ziele 
gelangen zu können. Auf Grund von drei glücklich verlaufenen 
Fällen tritt er warm für die Nierendekapsulation ein. In 
zwei Fällen wurden die Kranken gerettet, nachdem die Entleerung 
des Uterus versagt batte, der Eklampsie Einhalt zu gebieten. Im 
dritten Falle konnte er der Eklampsie Herr werden, auch ohne 
den Uterus zu entleeren. Er glaubt daher, dass die Schnellent¬ 
bindung nicht mehr als ultimum refugium betrachtet werden darf. 

Auf Grund der Tatstiche, dass in zahlreichen Fällen von 
Eklampsie eine Erhöhung des Druckes im Subarachnoidealraum 
gefunden worden ist, hat Thies an der Leipziger Klinik den 
Versuch gemacht, die Lumbalpunktion therapeutisch zu 7 : verwerten. 
Der Druck im Lumbalkanal war in allen seinen Fällen erhöht, 
z. T. sogar sehr stark. Ein Erfolg der Lumbalpunktion ist nur 
in einem Teil der Fälle zu konstatieren. Das tiefe Koma naeh 
den eklamptischen Anfällen war nach der Punktion anscheinend 
abgekürzt. Auf die Zahl der eklamptischen Anfklle hat dieselbe 
keinen konstant nachweisbaren Einfluss gehabt, ebenso wenig auf 
die Mortalität, eine therapeutische Verwertbarkeit^ist daher nicht 
zu erwarten. 

Bekanntlich hat Halb er s tädter vor einigen Jahren den 
Nachweis erbracht, dass man durch verhältnismäßig geringe Röntgen¬ 
bestrahlungen der Ovarialgegend von Kaninchen Atrophie der Eier¬ 
stocksfollikel erzielen könne. Dass die Uebertragung dieser Ver¬ 
suche auf den Menschen praktisch wohl möglich ist, hat Görl 
an einem Fall von Myom erwiosen, in dem er durch 43 Sitzungen 
völliges Sistieren der vorher abundanten und therapeutisch in keiner 
Weise beeinflussbaren Blutungen erzielte. Es eröffnen diese Ver¬ 
suche hoffnungsvolle Ausblicke in mancherlei therapeutische Gebiete, 
so namentlich die Behandlung der Osteomalacie, die Frage der 
therapeutischen Sterilisierung etc. etc. 


Zum leichteren Auffinden der kindlichen Herztöne, 
namentlich noch in der ersten Schwangerschaftshälfte, empfiehlt 
Schwab einen einfachen Handgriff, der darin besteht, dass man 
den Uterusinhalt mittels der oberhalb der Symphyse senkrecht 
eindrückenden und nach oben zu schiebenden Hand empordrängt 
und so im Uterusfundus fixiert. 

Für die Behandlung der spitzen Cond’ylome empfiehlt 
Courant den Aethylchloridspray. Man richtet den Strahl in 
10—20 cm Entfernung'gegen die Spitze des Condyloms, wo sich 
fast immer eine vom Epithel ganz freie Stelle findet, die eine rasche 
Durchfrierung und Vereisung bis zur Basis ermöglicht. Ganze 
Condylomrasen können so vereist werden. Nach 2—3 Tagen 
sind die Condylome bis auf Va oder Vs ihrer Grösse zurückgegangen, 
im weiteren Verlaufe schrumpfen sie zu kleinen!, graugelben Ex- 
krescenzen zusammen, nach ca. zwei Wochen sind sie gänzlich 
geschwunden. Eine zweite Vereisung ist nur selten notwendig. 
Besonders verwendbar ist das Verfahren für die Condylomatosis 
der Vagina. G. Z. 


Periodische Literatur. 

Münchener med. Wochenschrift. Nr. 50. 1906. 

1. Selter, Bonn: Bakteriologische Untersuchungen über 
ein neues Formalin-Desinfektionsverfahren, das Autanverfahren. 

Au tan (hergestellt von den Farbenfabriken Bayer & Co., 
Elberfeld) besteht aus einem Gemisch von polymerisiertem Formal¬ 
dehyd und Metallsuperoxyden; es stellt ein gelbliches Pulver mit 
schwachem Formalingeruch dar, der aber nicht durch die Ver¬ 
packung dringt, so dass es ohne jede Belästigung längere Zeit im 
Zimmer aulbewahrt werden kann; mit Wasser*übergossen, ent¬ 
wickelt es unter starker Temperaturerhöhung in wenigen Sekunden 
reichliche Gasbildung. Um für die Wohnungsdesinfektion in 
Wirksamkeit treten zu können, verlangt es nur einen Eimer und 
ein Gefäss mit Wasser. Die in Tabellen dargelegten bakterio¬ 
logischen Untersuchungen zeigen die ausgezeichnete Wirkung der 
Autandesinfektion, namentlich eine Tiefenwirkung, wie sie kaum 
mit einem der früheren Verfahren zu 'erzielen war. Die haupt¬ 
sächlichsten Vorzüge, die die Einführung des*Autan-Desinfektions- 
verfahrens in die Praxis empfehlen, sind folgende: 1. es ist denkbar 
einfach und allenthalben auszuführen, auch an solchen Stellen, wo 
man bisher Apparate nicht gut gebrauchen konnte, bei Kleider-, 
Bücherschränken, Kisten, Droschken, Eisenbahncoupes etc.; 2. die 
Plötzlichkeit der Formalinentwicklung macht eine bedeutend ge¬ 
ringere Zeit der Einwirkung nötig und erübrigt eine sorgfältige 
Abdichtung des zu desinfizierenden Raumes; 3. das Präparat kann 
überall leicht hingeschafft werden; 4. Desinfektoren sind nicht 
mehr erforderlich. Ausser zu Desinfektionszwecken kann das 
Autan auch zur Desodorierung, z. B. von Leichenzimmern, übel¬ 
riechenden'Eisschränken etc. verwendet werden. 

2. Henking, Marburg: Erfahrungen überLumbalanaesthesie 
mit Hovokain. 

Die Beobachtungen erstrecken sioh auf 160 Fälle in einem 
halben Jahre. Zur Verwendung gelangte ausschliesslich das von 
den Höchster Farbwerken hergestellte Novokain; meist wurde die 
in zugeschmolzenen Phiolen sterilisierte und zur Injektion sofort 
gebrauchsfertige 5%ige Novokainlösung benutzt. Die Methode 
der Injektion war genau die von Bier angegebene; nach erfolgter 
Injektion wurde steile Beckenbochlagerung vorgenommen; dann 
genügen meist geringe Mengen, z. B. 1,5 ccm der 5°/oigen Lösung 
für eine Laparotomie. Der Eintritt der Anaesthesie erfolgte inner¬ 
halb von 5—20 Minuten. Unter den 160 Fällen war ein völliger 
Versager; in 26 Fällen musste trotz einwandfreier Technik noch 
eine leichte Aethernarkose zu Hilfe genommen werden; doch ge¬ 
nügten dann in der Regel wenige Tropfen des Narkotikums. Die 
Dauer der Anaesthesie schwankte zwischen einer und sechs Stunden, 
im Durchschnitt war sie nach 2 Va Stunden wieder geschwunden. 
Das Alter der Patienten schwankte zwischen 5 und 77 Jahren. 
Irgend welche, das Leben bedrohende Zufälle wurden während der 
Dauer der Anaesthesie nie beobachtet, vor allem niemals die ge- 


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44 


MEDICINTSCHE WOOHE. 


Nr 4. 


ringste Beeinflussung des Atemzentrums. Erbrechen trat häufiger 
auf, besonders bei Operationen, wo am Bauchfell gezerrt werden 
musste. Von Nachwirkungen wurden öfters Kopfschmerzen beob¬ 
achtet, vereinzelt Temperaturanstiege, Appetitlosigkeit, Brechreiz, 
zweimal Incontinenz von Blase und Mastdarin, je einmal aseptische 
Meningitis und Abducenslähmung. Die Erfolge der Lumbal- 
anaesthesie sind sehr zufriedenstellende. Gegenüber der Allgemein¬ 
narkose liegt ein grosser Vorzug darin, dass die Operation als 
solche auf den Gesamtorganismus weit weniger eingreifend wirkt. 
Von alten Leuten, Kindern, schwächlichen Personen wird die 
Lumbalanaesthesie gut vertragen; die meisten Nachwirkungen und 
eine weniger sichere Anaesthesie wird bei jungen und kräftigen 
Leuten beobachtet. Die Lumbalanaesthesie verwendet Verf. grund¬ 
sätzlich bei allen Operationen an den Extremitäten und der Anal- 
und Inguinalgegend; bei Bauchoperationen hat er sich auf die 
Probelaparotomie, Entfernung des Wurmfortsatzes und Nephrek- ! 
tomie beschränkt. Wertvoll erscheint die Möglichkeit, während 
der Operation von dem Patienten die Erlaubnis zu einem grösseren 
Eingriff einzuholen. Ein Narkotiseur ist in der Regel zu ent¬ 
behren, was besonders bei Operationen auf dem Lande von Be¬ 
deutung ist. Zu verwerfen ist die Lumbalanaesthesie bei schwer 
septischen und ängstlichen und aufgeregten Patienten. 

3. Dietze, Wurzen: Zur Technik der Lokalanaesthesie 
mit besonderer Berücksichtigung des Hovokain-Suprarenins. 

Die Erfahrungen erstrecken sich auf 120 Fälle von Opera¬ 
tionen der kleineren Chirurgie, Versorgung von Fingerverletzungen, 
Exstirpationen von kleinen Geschwülsten, Ausschabungen alter 
Fisteln, Haemorrhoiden, Phimosen, Furunkel, Panaritien, heisse 
Abscesse, Zahnextraktionen. Die Technik geschah nach Braun, 
entweder terminale oder Leitungsanaesthesie; zur Injektion kamen 
Novokain - Suprarenin-Tabletten Höchst A (die Tablette enthält 
0,125 g Novokain — 0,00016 g Suprarenin) und für Zahnextrak¬ 
tionen Höchst B (die Tablette enthält 0,1 g Novokain — 0,00045 g 
Suprarenin) in 0,9%iger NaCl-Lösung zur Anwendung. Zur 
Leitungsanaesthesie wurden 2°/oige, bei Infiltrationsanaesthesie 
V*—l%ige Lösungen injiziert. Die Anaesthesie war durchweg 
eine vollständige und trat bei langsamer Injektion so rasch ein, 
dass die Operation meistens kurz nach der Injektion begonnen 
werden konnte. Genauer erörtert wird da3 Verfahren für einzelne der 
Operationen, Haemorrhoiden, Phimoseu, Furunkel, und besonders 
für die Zahnextrakfionen. 

4. Stein, Hildesheim: Unsere Erfahrungen mit Hovok&in. 

Das Material umfasst 59 Fälle grösserer und kleinerer chirur¬ 
gischer und gynaekologischer Eingriffe, die unter Lumbalanaesthesie 
mit Novokain vorgenommen wurden; verwandt wurde die 5%ige 
Lösung, wie sie als Novokain-Suprareninlösuug C zur Medullar- 
anaesthesie in Ampullen a 3 ccm von den Höchster Farbwerken 
geliefert wird. Vor der Injektion wurden etwa 2 ccm Liquor 
abgelassen und dann injiziert, ohne zu aspirieren, worauf steile 
Beckenhochlagerung folgte; die Menge der injizierten Lösung be¬ 
trug in der Regel 2 — 3 ccm = 0,1—0,15 Novokain. Die 
Anaesthesie war vollkommen in 53 Fällen', unvollkommen in 4, 
ausbleibend in 2; Uebelkeit und Erbrechen während der Operation 
und als Nachwirkung wurde vereinzelt beobachtet, ebenso Kopf¬ 
schmerz und vorübergehende Temperatursteigerung. Die Dauer 
der Anaesthesie betrug durchschnittlich drei Stunden. Abgesehen 
wurde von der Lumbalanaesthesie bei Personen unter 15 Jahren, 
bei hysterischen und sehr ängstlichen Individuen, bei solchen, 
die eine Allgemeinnarkose vorzogen,‘ 4 bei ausgedehnteren septischen 
Prozessen, bei eingreifenderen Operationen der Bauchhöhle. Als 
Lokalanaesthetikum wurde Novokain immer mit bestem Erfolg 
und ohne irgend welche nachteilige Wirkungen gebraucht, zur 
Infiltrationsanaesthesie die Tabletten Höchst A in 0,75%iger 
Lösung, zur zentralen Leitungsanaesthesie die Tabletten Höchst B 
in l,5%iger Lösung. 

5. Levy und Kayser, Strassburg: Bakteriologischer Be¬ 
fund bei der Autopsie eines Typhusbazillenträgers. 

Bei’einer Frau, die lange’als Bazillenträgerin in bakteriolo¬ 
gischer Kontrolle gestanden hatte und unter septischen Erschei¬ 
nungen gestorben war, fanden Verf. in der Milz, in der Leber, 
der Galle, der Gallenblasenwand, vor allem aber im Inneren eines 


grossen Gallensteines reichlich Typhusbazillen. Damit ist der Be¬ 
weis erbracht, dass die Gallenblase den Dauersitz, den Vegetatoins- 
ort der Typhuskeime chronischer Bazillenträger darstellen kann. 
Bei der Wahrscheinlichkeit, dass die zum Exitus führende Er¬ 
krankung eine Typhussepsis darstellte und dem Befunde der Ba¬ 
zillen in der Milz, erscheint weiter die Annahme berechtigt, dass 
bei Typhusbazillenträgern eine Autoinfektion, eine Reinfektion von 
den Gallenwegen aus möglich ist. 

6. To markin, Bern: Ueber die Gefahren der Uebertra- 
gung von Infektionsstoffen durch das Telephon und ihre Ver¬ 
hütung. 

Die Rolle des Telephons als Uebertrager von Infektionsstöffen 
wird vom Publikum weit überschätzt, der Infektionskreis, der 
hier geboten ist, ist ein relativ enger. Eine Uebertragung von 
Krankheitskeimen bei Benutzung des Telephons kann stattfinden 
durch Vermittlung des Mundstückes oder des Hörtrichters. Beim 
lauten Sprechen können gelegentlich Absonderungsprodukte der 
tieferen Respirationswege in das Innere des Schallbechers geraten; 
für eine nachträglich das Telephon benutzende Person kann eine 
Infektionsmöglichkeit in zwiefacher Weise geboten: durch die In¬ 
halation von flugfähigen feinsten Tröpfchen und durch die Ein¬ 
atmung des mit Infektionsstoffen beladenen, durch die Exspirations¬ 
luft aufgewirbelten Staubes. Von Infektionsstoffen, die beim 
Telephonieren in den Schallbecher gelangen und dort in irgend 
einer Form deponiert werden können, kommen in Frage die Er¬ 
reger der Tuberkulose, Diphtherie, Masern, Influenza, Pneumonie, 
des Scharlach, verschiedener Anginen und Katarrhe etc. Das Hör¬ 
rohr kann von kranken Personen mit Krankheitserregern infiziert 
werden und dann die direkte Uebertragung auf Gesunde ver¬ 
mitteln. Verfahren und Vorrichtungen verschiedener Art sind an¬ 
gegeben worden, um die Uebertragung von Infektionskrankheiten 
durch das Telephon zu verhüten; die Leistungen der meisten der¬ 
artigen Apparate stehen im umgekehrten Verhältnis zu den ver- 
heissungsvollen Ankündigungen. So hat T. das von Amerika aus 
als sehr wirksam empfohlene Telephonin einer bakteriologischen 
Prüfung unterzogen und als völlig unbrauchbar gefunden. Da¬ 
gegen hat sich nach eingehenden bakteriologischen Untersuch¬ 
ungen der Telephondesinfektor der Firma Percy Simundt Berlin 
als sehr wirksam bewährt. Derselbe besteht aus einer, der Sprech¬ 
muschel oder dem Hörrohr aufsetzbaren und dieselbe hermetisch 
abschliessenden Nickelkapsel, in deren Innern die Desinfektions - 
masse, die aus Formalin und aromatischen Substanzen besteht, 
in Tablettenform befindet. Mittels der von dieser entwickelten 
Dämpfe lässt sich eine sichere und rasche Keimbefreiung der 
Schallbecher und Hörrohre erzielen; auch bei starker Inanspruch¬ 
nahme des Telephons im Laufe von mehr als zwei Wochen er¬ 
leidet das Desinfiziens^keine merkliche Einbusse an Wirksamkeit. 
Zieht man dazu die einfache Handhabung des Apparates und die 
geringen Anschaffungskosten in Betracht, so muss der Telephon¬ 
desinfektor vom hygienischen Standpunkte aus als sehr beachtens¬ 
wert erscheinen. 

7. Vierordt, Heidelberg: Bedeutung und Anwendung der 
physikalischen Heilmethoden in der ärztlichen Praxis. (Nicht 
abgeschlossen.) 

8. Bjurkhard't, Würzburg: Ueber die Entstehung links¬ 
seitiger Symptome bei Perityphlitis. 

Die verschiedenen Möglichkeiten, wie bei einer Perityphlitis 
linksseitige Symptome entstehen können, lassen die einschlägigen 
Fälle in drei Gruppen sondern. Die erste umfasst die Fälle, bei 
denen mehr oder weniger typischer Weise rechts Symptome nach¬ 
weisbar sind oder waren, bei denen es dann sekundär durch Wan¬ 
derung der Eiterung oder Abkapselung von Abscessen nach diffuser 
Peritonitis oder auf dem Blut- und Lymphweg bezw. durch Em¬ 
bolie zu Eiterungen in der linken Seite gekommen ist. Die zweite 
Gruppe würde die Fälle mit sonst normalem Situs umfassen, bei 
denen wenigstens anfangs keine Symptome rechts vorhanden waren, 
welche also mit Schmerzen, Resistenz bezw. Eiterung links von 
vornherein begannen. Hier handelt es sich dann um weite Ver¬ 
lagerung des Prozessus oder seiner Spitze nach der Mitte oder 
nach links, oder um metastatische Abscesse oder um Wanderung 
des infektiösen Materials nach der linken Seite, wobei aber der 


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1907 . 


MEDICEflSCHE WOCHE. 


45 


primäre Herd rechts am Wurmfortsatz entweder spontan wieder 
ausgeheilt war oder sich in latentem symptomlosen und seiner Ge¬ 
ringfügigkeit wegen nicht sicher nachweisbaren Zustand befand. 
Zur dritten Gruppe müssten die Fälle mit Situs inversus gezählt 
werden, bei denen die linksseitig auftretenden Symptome bei 
Perityphlitis das Normale wären. 

9. Hornung, Marbaek: Die Elektrotherapie der Kreislauf- 
Störungen. 

Während bei Gesunden das elektrische Bad keine oder nur 
ganz geringe Veränderungen des Blutdrucks im Sinne einer Stei¬ 
gerung hervorbringt, konnte H. bei unkomplizierten Herzmuskel- 
insufficienzen fast stets sowohl nach faradischen als auch nach 
sinusoidalen Bädern eine wesentliche Erhöhung des Blutdrucks 
konstatieren. Herzen mit schlaffer Dilatation können sich oft im 
elektrischen Bade wesentlich verkleinern. Wahrscheinlich werden 
diese Effekte bedingt durch Einwirkung des elektrischen Stromes 
auf die Vasomotoren, wodurch die Hypotonie der Gefässe beseitigt 
und das Herz entlastet wird. Die Behandlung mit dem faradischen 
und sinusoidalen Strom ist im Gegensatz zum Kohlensäurebad als 
eine eminent herzschonende zu betrachten; sie erscheint geeignet 
für unkomplizierte Herzmuskelinsufficienz, auch schwersten Grades, 
nach Infektionskrankheiten, Intoxikationen, Ueberanstrengung etc., 
Herzfehler mit beginnender Kompensationsstörung, beginnende 
Arteriosklerose, chronische Myocarditis, Herz- und Vasoneurosen. 
Irgend einen üblen Zwischenfall hat H. bei 1000 von ihm ver- 
ordneten Bädern nie gesehen. 

10. Vollert, Leipzig: Ein neues Prinzip der operativen 
Behandlung des Glaucoms (Iridocleisis antiglaucomatosa Holth). 

Holth hat die besten Wirkungen von denjenigen Glaukom- 
iridektomien gesehen, nach welchen sich eine cystoide Narbe ge¬ 
bildet hat, deren Ursache eine kleine zufällige Einklemmung der 
Irisperipherie in die Wunde gewesen ist. In diesen Fällen wurde 
die Tension dauernd normal, das Sehvermögen hielt sich auffallend 
gut, während das andere Auge trotz korrekter Iridektomie wieder 
hart und nachher blind wurde. V. hat die gleiche Erfahrung bei 
mehreren Fällen gemacht; die Iridektomie mit artefiziellem Iris¬ 
prolaps, der sich nicht zurückbringen liess, ergab die besten Re¬ 
sultate. Ein vermeintlicher Fehler, ein unliebsamer^ Zwischenfall 
bei der Operation, eine Vernarbung gegen die Regel schafft also 
hier Gutes, und es dürfte sich empfehlen, bewusst diese'Modifikation 
der Operation vorzunehmen. 

11. Sachs-Müke: Ein Hilfsmittel bei Sedimentierungsver- 
fahren. 

Bei den Sedimentierungsverfahren erhält man meist grosse 
Mengen von Sediment, deren genaue Untersuchung zahlreiche Prä¬ 
parate erfordert. Um dies zu vermeiden, empfiehlt S. etwa ’/j ccm 
des Sediments auf einem Objektträger zu verstreichen, lufttrocken 
werden zu lassen, dann wieder ein entsprechendes Quantum auf- 
zostreichen und so fort; auf diese Weise kann man in einer halben 
Stunde leicht 4 ccm Sediment auf den Objektträger bringen und 
erhält doch eine hinreichend feine Schicht, deren mikroskopische 
Durchmusterung nach Anwendung der gebräuchlichen Färbemethoden 
keinerlei Schwierigkeiten macht. 

12. Wed er hake, Bonn: Theoretisches and Praktisches über 
unser Fadenmaterial. (Schluss aus Nr. 49.) 

In dem Bestreben, einen Ersatz für den Silberfaden, der als 
idealstes Nahtmaterial zu betrachten ist, der aber wegen seioer 
Starre und Zerreisslichkeit für versenkte Nähte nicht geeignet ist, 
zu finden, hat W. sich bemüht, den Seidenfaden besonders zu prä¬ 
parieren, so dass eine nachträgliche Infektion. desselben von der 
Wunde aus unmöglich wird; ganz besonders war es dazu nötig, 
seine Imbibitionsfähigkeit aufzuheben. Auf Grund eingehend dar¬ 
gelegter chemischer Erwägungen, ist er dazu gekommen, den mit 
Silber imprägnierten Seidenfaden, die Silberkautschukseide und 
eine resorbierbare Seide herzustellen. Die Silberseide wird bereitet 
durch Entfetten der Seide in Alkohol, Kochen in Sublimatlösung, 
Einlegen in Wasserstoffsuperoxydlösung und dann auf 1—4 Stunden 
in alkalische Silberlösung. Sie hat starke, nachhaltige antiseptische 
Eigenschaften, ist aber mit Flüssigkeiten imbibierbar. Das wird 
aufgehoben durch Imprägnierung mit Kautschuk; dazu wird die 
mit metallischem Silber beladene Seide bei 100° getrocknet, dann 


in Chloroform gelegt, von da auf etwa 12 Stunden in eine Chloro¬ 
formkautschuklösung, worauf sie in Chloroform abgespült und even¬ 
tuell nochmals in Sublimatlösung gekocht werden kann. Belastungs¬ 
versuche haben gezeigt, dass diese Silberkautschukseide an Festig¬ 
keit die bisher gebräuchlichsten Nähmaterialien um ein Bedeuten¬ 
des übertriflft; sie stellt ein sehr dauerhaftes und, wie die praktische 
Verwendung ergeben bat, ein nicht infizierbares Material dar. Die 
resorbierbare „Pergament“-Seide wird hergestellt, indem man ge¬ 
wöhnliche Nähseide auf kurze Zeit (21 Sekunden bis 4 Minuten) 
in konzentrierte Schwefelsäure legt, schnell mit Wasser abwäscht, 
in Alkohol entwässert und in Tanninalkohol härtet; sie wird so starr 
wie dünner Silberdraht, kann aber durch Behandlung mit Glycerin 
geschmeidig gemacht werden, sie kann trocken bei 100 0 sterilisiert 
oder in Sublimatlösung gekocht werden, und nach der Sterilisierung 
in Sublimatwasser steril aufbewahrt werden. Gegenüber dem Cat¬ 
gut hat sie noch den weiteren Vorteil, dass sie wesentlich lang¬ 
samer zur Auflösung gelangt (meist innerhalb von 4—6 Wochen) 
und so ihre mechanischen Zwecke länger erfüllen kann. 

Nr. 51. 

1. Schöne, Frankfurt: Untersuchungen über Carcinom- 
immunitftt bei Mäusen. 

Sch. hat Gruppen von Mäusen vorbehandelt mit Mäuseembryo¬ 
nen, Mäuseleber, Mäusehoden, Hühnchenembryonen, menschlichem 
Mammacarcinom, und dann auf diese Tiere Mäuse-Sarcome und Carci- 
nome zu übertragen versucht. Das Ergebnis der Untersuchungen 
ist im wesentlichen, dass eine Immunität gegen epitheliale Mäuse¬ 
tumoren durch wiederholte Injektionen eines Breies aus grossen 
Mäuseembryonen erzielt werden kann. Einspritzungen von Mäuse¬ 
organen (Leber, Hoden) wirken wesentlich weniger immunisierend, 
desgleichen Hühnerembryouen; die mit Mammacarcinominjektionen 
vorbehandelten Mäuse zeigten eine geringere Empfänglichkeit für 
die nachherige Tumorimpfung als die Kontrolltiere. Gegenüber 
den Anschauungen Doyens, der die Carcinomimmunität als eine 
bakterielle auffasst und in Beziehung zu seinem Micrococcus neo- 
formans bringt, zeigen diese Versuche in Ergänzung zu solchen 
von Bashford (Blutinjektionen), dass mit normalen Geweben, in 
denen Micrococcus neoformans nicht zu vermuten ist, Immunität er¬ 
zeugt werden kann, dass es also eine Immunität gegen Mäuse- 
carcinom gibt, welche nicht spezifisch genannt werden kann und 
welche jedenfalls nicht durch Parasiten oder deren Stoffwechsel¬ 
produkte hervorgebracht wird. Der Zukunft muss es überlassen 
bleiben, zu entscheiden, ob es sich hier um eine durch das Serum 
vermittelte Antikörperwirkung des Blutes handelt, oder ob die 
in Frage stehende Immunität als eine zelluläre oder histogene 
zu verstehen und mit denjenigen Erscheinungen in Beziehung zu 
setzen ist, die Ehrlich unter dem Namen der atreptischen Immu¬ 
nität zusammengefasst hat. 

2. Schwab, Erlangen: Venenthrombose and Gerinnbarkeit 
des Blutes. 

Sch. berichtet über fünf in einem kürzeren Zeitraum beob¬ 
achtete Fälle von Venenthrombose mit tötlicher Lungenembolie 
bei Myoma uteri. Beigefügte Pulskurven beweisen, dass das 
Verhalten des Pulses für die Diagnosenstellung im Stiche lässt, 
und dass bei Kranken mit offenkundiger Thrombose die sofort 
eingenommene und die durch Wochen hindurch festgehaltene ab¬ 
solute Bettruhe das Eintreten der Embolie nicht fernzuhalten ver¬ 
mag, dass bei anderen absolut keine Zeichen vorhanden sein 
können, dass eine Thrombose vorhanden ist, und dass die Embolie 
aus anscheinend völligem Gesundsein den plötzlichen Exitus her¬ 
beiführt. Um der Frage näher zu treten, ob die Myomerkran¬ 
kung zu einer erhöhten Gerinnungsfähigkeit des Blutes und damit 
zur leichteren Thrombosenbildung führe, bat Verf. orientierende 
Versuche über die Gerinnbarkeit des Blutes angestellt, in der 
Weise, dass er den Zeitpunkt bestimmte, in welchem die Bildung 
der Fibrinfäden im hängenden Tropfen sichtbar wird. Die unter¬ 
suchten Personen waren entweder gesund oder mit belanglosen 
gynaekologischen Leiden behaftet; die Gerinnungszeit des Blutes 
betrug bei allen 4 8 A — 5 1 /a Minuten, am häufigsten 5 Minuten; 
ein Zusammenhang zwischen Gerinnungszeit und Haemoglobin- 
gehalt des Blntes besteht nicht; dagegen besteht bis zu einem 


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46 


MEDTCIK1SCHE WO€HE. 


Nr. 4. 


gewissen Grade ein Zusammenhang mit dem allgemeinen Körper¬ 
befinden im Sinne einer Erniedrigung der Gerinnungsfähigke : t bei 
Kachexie. Nie hat Verf. ein Präparat erhalten, bei dem die Ge¬ 
rinnungszeit weniger als 4 3 /4 Minuten betragen hätte, und glaubt, 
nach den wenigen Versuchen, das Vorkommen einer so erhöhten 
Gerinnbarkeit des Blutes, dass es dem Menschen von patholo¬ 
gischer Bedeutung werden könnte, anzweifeln zu müssen. 

3. Martin, Togo: Studien über den Einfluss der Tropen¬ 
sonne auf pathogene Bakterien. 

Das Ergebnis der Untersuchungen wird folgendermaßen zu¬ 
sammen gefasst: 1. In den tropischen Ländern herrscht eine ge¬ 
wisse Bakterienarmut hinaichtlich der meisten pathogenen Arten. 

2. Sie ist bedingt durch die bakterientötende Wirkung der Sonne. 

3. Den Hauptfaktor der Sonnenwirkung bildet anscheinend die 
Sonnen wärme; doch kommt auch dem Sonnenlicht eine erhebliche 
Bedeutung zu. 4. Ein Anzahl nicht pathogener Keime bleibt vom 
Einfluss der Sonne unberührt. 5. Die mechanische Reinigung 
durch das Seewasser der Brandung erzeugt Sterilität des Ober¬ 
flächensandes im Bereiche der Brandung. 

4. Franke, Altona: Beitrag zur chirurgischen Behandlung 
der Perityphlitis und ihrer Folgezustände. 

Auf Grund eines kleineren, aber genau beobachteten Materials, 
77 im akuten Anfall, 57 im Intervall ausgeführte Operationen 
mit 29, resp. 3 Todesfällen umfassend, kommt Verf. zu folgenden 
Gesichtspunkten bezüglich des klinischen Standpunktes zur Appen- 
dicitis. 1. Die Appendicitis ist eine Erkrankung, die in jedem 
Stadium — von wenigen besonderen Ausnahmen abgesehen — 
chirurgischer Behandlung bedarf. 2. Als ideale Methode ist die 
möglichst rasch nach Einsetzen der ersten Krankheitssymptome 
ausgefiihrte Appendixectomie mit daranschliessender Wundnaht zu 
bezeichnen. Ihr am nächsten kommt die unkomplizierte Intervall¬ 
operation nach dem ersten Anfall. 3. Die Appendicitis ist eine 
chronische Erkrankung der verschiedenen Wandschicbten, in erster 
Hinsicht der Mukosa des Wurmfortsatzes, die mit akuten Exa¬ 
cerbationen einhergeht. Jeder sicher beobachtete appendicitische 
Anfall weist diese chronische Erkrankung nach und involviert da¬ 
mit die Entfernung des Processus. Die ^wenigen, noch dazu — 
solange die Personen am Leben [sind — nicht sicher gestellten 
einmaligen Anfalle mit dauernder Heilung, verlieren ihre Beweis¬ 
kraft gegenüber den zahlreichen chirurgischen Beobachtungen und 
Untersuchungen der exstirpierten Wurmfortsätze. 4. Die Frage 
der Notwendigkeit einer Operation darf nicht abhängig gemacht 
werden von der Zeit, die seit dem Auftreten der ersten Symp¬ 
tome verstrichen ist, da sie Irrtümern ausgesetzt ist. Die schema¬ 
tische Forderung, vom dritten Tage ab im „Intermediärstadium“ 
nicht zu operieren, ist nicht zu billigen. 5. Es erscheint am rat¬ 
samsten , gleich beim ersten Eingriff die Appendix mit zu ent¬ 
fernen , wenn nicht erhebliche Schwierigkeiten dagegen sprechen, 
da das Zurücklassen des erkrankten Processus der Anlass zu er¬ 
neuten Beschwerden und anhaltender Eiterung ist. Besondere 
Nachteile der zweizeitigen Operation sind nicht festzustellen , da¬ 
gegen ist der Verlauf im allgemeinen schneller. 6. Die Eröffnung 
von Abscessen auf extraperitonealem Wege* kann dieser Indika¬ 
tionsstellung nicht genügen. Deshalb, und wegen der besseren 
Uebersicht, ist es vorzuziehen, erst die freie Bauchhöhle zu er¬ 
öffnen , die Därme rings um die Abscesswand durch Tampons ab¬ 
zudecken und dann die Höhle zu eröffnen. 7. Es sind Tampons 
zu benutzen, die in 0,9%iger Salzlösung getränkt sind. Dieselbe 
Lösung dient auch zum Ausspülen der Bauchhöhle bei allen 
eitrigen Prozessen darin. 8. Ergiebige Tamponade der Abscess- 
höhle bis zur völligen Reinigung der Bauchhöhle bei diffuser 
Peritonitis ohne Bauchdeckennaht scheint den Abfluss der Sekrete 
und des Eiters sicherer zu gewährleisten als Drainage mit Wund¬ 
naht. 

5. Herz, Auckland (Neu-Seeland): Die chirurgische Behand¬ 
lung paralytischer Schlottergelenke. Seidenligamente oder Ar¬ 
throdese ? 

Den Vorschlag, mittels Anlegung von Seidenligamenten voll¬ 
ständig gelähmten Gelenken eine für den Gebrauch gute Stellung 
zu geben, hat H. praktisch erprobt, hat aber keine guten Dauer¬ 
erfolge erzielen können wegen der immer eintretenden direkten 
oder indirekten Verlängerung der Seidensehnen. Er nimmt des¬ 


halb die Arthrodese sowohl für das Fuss-, wie Kniegelenk vor; 
Abmeisselung von Knochenlamellen, Ausfüllung aller Lücken mit 
der Mosetigschen Knochenplombe und Fixierung mittels Silber¬ 
nägeln und Silberklammern. 

6. PriSram, Wien: lieber das Verhalten der Agglntinine 
im passiv immunisierten Organismus. 

Nachdem von anderer Seite nachgewiesen war, dass ein durch 
entsprechende Vorbehandlung eines Tieres gewonnenes Serum, 
welches Pi'erdeserum präzipitiert, auf ein antitoxisches Pferdeserum 
unter bestimmten Bedingungen derart wirkt, dass dabei die anti¬ 
toxische Fähigkeit desselben aufgehoben wird, haben Kraus und 
Verf. gezeigt, dass dasselbe für andere Antitoxine und auch für 
andere Immunkörper (Agglutiniu) der Fall sei. Diese Versuche 
hat Manteufel (d. W. Nr. 41) wieder aufgenomraen, kam aber 
bei Versuchen im Tierkörper zu ganz anderen Ergebnissen als bei 
den Versuchen in vitro und zog daraus den Schluss, dass das 
Verschwinden der Agglutinine duroh den Vorgang der Ausflockung 
bedingt werde. Diese Tierversuche unterzieht Verf. einer Kritik, 
führt die Momente an, die gegen die Auffassung des Vorganges 
als Ausflockungserscheinung sprechen, und kommt zu dem Schlüsse, 
dass weder die Tierversuche, noch solche mit erhitztem Serum 
gegen die innigen Beziehungen zwischen Präzipitinogen des Serums 
und der Immunkörper (Antitoxin, Agglutinin) sprechen. 

7. Hoeflmayr, M ünchen: Drei Fälle von Zungenneuralgie. 

Kurze Krankengeschichten von drei Fällen des seltenen Krank¬ 
heitsbildes der isolierten Neuralgie des Nervus lingualis. Bei 
allen dreien blieben die beiden eigentlichen Zungennerven, Glosso- 
pkaryngeus und Hypog'ossus, völlig unbeteiligt; Schmerzen traten 
nur im Ausbreitungsgebiet des Nervus lingualis auf. Eine Rege¬ 
lung der Darmtunktion als Haupttbernpie führte zum allmählichen 
Schwinden der Zungenschmerzen; danach dürfte die Ursache der 
Neuralgie in der habituellen Obstipation zu suchen sein. 

8. Reichert, Wien; Ueber einen neuen Spiegelkondensor 
zur Sichtbarmachung ultramikroskopischer Teilchen. 

An der Hand von Abbildungen wird der Apparat beschrieben. 

9. Kuhn, Kassel: Tüll bei der Transplantation. 

Gegenüber anderen Vorschlägen über die Nachbehandlung 

der Transplantationen verweist K. erneut auf die Nachbehandlung 
mit Tüll als einlächstes, billigstes, bequemstes und leistungsfähig¬ 
stes Verfahren, das ohne Modifikationen unter allen Verhältnissen 
in gleicher Weise angewandt werden kann und unter allen Vor¬ 
aussetzungen das noch eben mögliche leistet. 

10. Stale wsky, Freiburg: Neue Sicherheitsnadel für Ver¬ 
bandzwecke. 

Die Form der Nadel und ihre Anwendung wird an Abbil¬ 
dungen gezeigt; sie soll ermöglichen: Bedienen mit einer Hand, 
flaches Aufliegen und rasches und leichtes Entfernen aus dem 
Verbände. Zu beziehen ist sie als „ Aeskulap-Sicherheits-Modell“. 

11. Wrzosek, Krakau: Bemerkungen über die Züchtung 
von strengen Anaöroben in aörober Weise. 

In Ergänzung einer Arbeit von Harras (d. W. Nr. 46) be¬ 
richtet Verf., dass es auch ihm gelungen ist, Anaeroben in Bouillon, 
welche ein frisches Tiergewebsstück enthält und bei 100° steri¬ 
lisiert ist, aerob zu züchten, und dass weiter tierische Gewebs¬ 
stückchen enthaltende Bouillonröhrchen, die 15 Minuten lang bei 
140° C im Autoklaven sterilisiert wurden, und gleichfalls Bouillon 
mit einem Stück Pflanzengewebe noch als Nährboden für Anaeroben 
dienen können. 

12. Ko pp, München: Zur Beurteilung der Erbschen Sta¬ 
tistik des Trippers beim Manne und seiner Folgen für die Ehe¬ 
frauen. 

Auch wenn die Erb sehe Statistik einwandfrei und über jeden 
Zweifel erhaben wäre, glaubt Verf. doch vor einem zu weit gehen¬ 
den Optimismus energisch warnen zu sollen und sieht nicht den 
geringsten Anlass, nun wieder in alter Weise die Gonorrhoe als 
eine verhältnismäßig leicht zu nehmende Erkrankung aufzufassen. 

13. Kossmann, Berlin: Zur Statistik der Gonorrhoe. 

K. bemängelt die Beweiskraft der Tabelle 2 der Erbschen 
Statistik, die sich auf Ehefrauen von Männern bezieht, die vor der 


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ÜEDICtNISCHE WOCHE. 


47 


190t. 


Heirat eingestandenermaßen an Gonorrhoe gelitten haben, und wo 
an erster Stelle die Frauen geführt werden, von denen Erb an¬ 
nimmt, dass sie unterleibsgesund oder mit gleichgültigen, nicht 
gonorrhoischen Erkrankungen behaftet waren. Er betont, dass das 
akute Auftreten der Gonorrhoe von Frauen, die indolent oder 
durch andere Sorgen oder Leiden in Anspruch genommen sind, in 
sehr vielen Fällen übersehen wird; und dass weiter selbst das 
Uebergreifen der Gonorrhoe auf die inneren Genitalorgane in einer 
grossen Anzahl von Fällen nur ganz geringe Beschwerden macht. 
Deshalb wird die Zahl der in dieser Weise erkrankten Frauen, 
die sich nicht in ärztliche Behandlung begeben haben und später 
über Zeitpunkt und Erscheinungen dieser Erkrankung keine Aus¬ 
kunft erteilen können, niemals durch eine Statistik festgestellt 
werden können. 

14. .Hoffmann, Heidelberg: lieber die Möller-Barlowsche 
Krankheit (Infantiler Skorbut.) 

Entgegnung auf eine gleichnamige Arbeit von Fränkel (d- 
W. Nr. 45 und 46). 

Fränkel: Replik auf die vorstehende Entgegnung. 

15. Vierordt, Heidelberg: Bedeutung und Anwendbarkeit 
der physikalischen Heilmethoden in der ärztlichen Praxis. 

(Schluss aus Nr. 50.) 

Die eingehenden Erläuterungen zeigen das ungemessene 
Wachstum der therapeutischen Hilfsmittel und Methoden und die 
in solcher Periode gegebene Gefahr einerseits einer Unklarheit 
und Verworrenheit, andrerseits der gedankenlosen, schematischen 
Routine, und führen aus, dass, um dieser zu begegnen, es nötig ist, 
die Krankenbehandlung sorgfältig zu organisieren und überall die 
wissenschaftliche Basis zu suchen und festzuhalten. Die Methode, 
deren tieferer Sinn erkannt ist, macht den, der sie übt, nicht zum 
Sklaven; sie wird stets neu belebt, immer den nie gleichen Um¬ 
ständen angepasst und dadurch neu geschaffen. 

16. Knauer, Wiesbaden: Negative Diagnose. 

Ein Patient konsultierte wegen eines anscheinend einfachen 
Ulcus penis einen Spezialisten, der auf Grund des negativen 
Spirochaetenbefundes die Möglichkeit einer Lues mit Sicherheit 
ausschloss. Wenige Wochen später konnte K. zur großen Ueber- 
rasohung des Patienten allgemeine Lues feststellen. K. warnt vor 
der einseitigen Ueberschätzung eines diagnostischen Hilfsmittels 
und sieht in einer solchen negativen Diagnose eine Fahrlässigkeit. 

Deutsche med. Wochenschrift. Nr. 50. 1906. 

1. von Eiseisberg, Wien: Beitrag zur Behandlung des 
in die freie Bauchhöhle perforierten Magen- und Duodenalulcus. 

v. E. hat in den letzten 5 Va Jahren 12 Fälle von Perfora¬ 
tionsperitonitis operiert, davon 5 mit Erfolg. Auch er bestätigt 
die Erfahrung, dass das Gelingen der Operation und die nach¬ 
folgende Heilung abhängig sind von der Zeit des Eingriffes und 
der Virulenz der Bakterien. Radikaloperationen bringen nicht mit 
Sicherheit Dauerheilungen, daher ist im allgemeinen davon abzu¬ 
sehen. Verf. empfiehlt dagegen, eine Ernährungsfistel (Jeju- 
nostomie) anzulegen, die leicht und schnell ausgeführt ist, und 
manchem Patienten,* besonders den schwer erkrankten, hilft, da 
die erkrankten Partien völlig ruhig gestellt werden können, und 
doch dem Patienten schon auf dem Operationstisch ausreichende 
Nahrung auf diese Weise zugeführt werden kann. Beim Weg¬ 
lassen des Katheters tritt prompt Spontanheilung der Fistel ein. 
Der Wert der subkutan wie intravenös applizierten Kochsalzlösung 
wird betont, v. E. ist auf Grund seiner Erfahrungen ein eifriger 
Anhänger der gründlichen Spülung des Peritoneums; er empfiehlt 
bei diffuser Peritonitis selbst möglichst ausgedehnte und dichte 
Naht der Laparotomiewunde, um der Entwicklung grosser Bauch¬ 
brüche vorzubeugen, und das Einlegen von Tampons, am besten 
in Gestalt der Dochte (nach Gersuny), die ein allmähliches Ent¬ 
fernen der Tampons ohne Schmerzen und Aufreissen der Verkle¬ 
bungen ermöglichen und in den allermeisten Fällen es überflüssig 
machen, neue einzuführen, wodurch abgeschlossene Infektionsherde 
leicht generalisiert werden können. 

2. Payr, Graz: lieber operative Behandlung des Mal um 
inboecipitale. 


An den Behandlungsprinzipien dieses Leidens ist trotz der 
grossen Fortschritte der Operationstechnik und der Orthopädie 
bisher nichts wesentliches geändert, und mit Recht, da patho¬ 
logisch-anatomische Grundlagen, die eine Heilungsmöglichkeit 
bieten, fehlen. Die Prognose ist schlechter, noch schlechter als 
bei anderen Lokalisationen der Spondylitis, bei Erwachsenen noch 
viel schlechter als ira Kindesalter, gegen das 40. - Lebensjahr 
immer infaust. P. hat nun eine 35 jährige Frau mit primär ostaler 
Form von Halswirboltuberkulose mit gutem Ei folge operiert. 
Glücklicherweise Hessen Grösse, Ausdehnung und Lokalisation der 
einseitigen Herde eine radikale,'’zu fistelloser vollständiger Heilung 
führende Entfernung zu. Das Atlantoccipitalgelenke war vorn 
frei, wenn auch in unmittelbarer Nähe ein Krankheitsherd sass, 
ebenso war das verlängerte Mark intakt. Für die Frühdiagnose 
lassen sich folgende Symptome verwerten: „die durch die Muskel- 
aktion bewirkte Fixierung des Gelenkes in pathognostischer Stel¬ 
lung“ (Albert), mit dem Kinn nach der” Seite der Erkrankung 
gedreht, Druckschmerz am Kopf, einseitiger Druck lässt einseitige 
Erkrankung vermuten, Vor- und Rückneigen des Kopfes und 
gleichzeitiger Druck, vielleicht eine Erkrankung des vorderen, 
resp. hinteren Atlasbogen, ein auffälliges Freibleiben der Nick- 
und s Drehbewegungen spräche für extraarticulären Sitz des Leidens, 
endlich vermag auch das Röntgenverfahren manchmal Aufschluss 
zu geben. Bei der Operation ist stets die Arteria vertebralis 
zu unterbinden. Besondere Vorsicht erfordern die Vena jugularis 
interna und der Plexus venosus cervicalis post, sowie die beiden 
obersten Oervicalnerven. Auf Puls und Atmung hatte das Arbeiten 
am Knochen keineu Einfluss. Als Indikationsstellung für einen 
radikalen Eingriff sieht P. die Erfüllung folgender Bedingungen an : 

1. Mitbeteiligung des Rückenmarks und seiner Häute oder 
des Gehirns schliesst jeden Eingriff aus. 

2. Erkrankung des Zahngelenkes zwischen Atlas und Epi- 
stropheus lässt gleichfalls einen Eingriff untunlich erscheinen. 

3. Die Wirbelerkrankung soll sich womöglich in einem frühen 
Stadium befinden und auf eine Seite beschränkt sein. 

4. Kommunikation des Krankheitsherdes mit der Mundrachen¬ 
höhle, sowie Mischinfektion bei nach aussen mündender Fistel sind 
als gefährliche Komplikation zu betrachten. 

5 Es soll, wenn irgend möglich, durch Röntgenographie der 
hauptsächlichste Sitz der Knochenerkrankung festgestellt sein (pri- 
mär-ostale Form): die klinischen Symptome sollen, wenn möglich, 
eine Lokalisationsdiagnose des Erkrankungsherdes, eventuell 'per 
exclusiouem, gestatten; die Anwesenheit eines kalten Abscesses ist 
kein Hindernis für den Eingriff. 

6. Es sollen keine irgend schweren tuberkulösen Verände¬ 
rungen in anderen Organen vorhanden sein. 

3. A. v. Bergmann, Riga: Darmstenosen als 8p&twirkung 
der Appendicitis 

Nach abgeklungener Appendicitis oder nach erfolgter Exstir¬ 
pation des Wurmfortsatzes machen sich oft die durch die Er¬ 
krankung bedingten entzündlichen Veränderungen des Peritoneums, 
Adhaesionen und Schwarten, in der nächsten Umgebung der 
Appendix und namentlich der weiblichen Genitalorgane geltend: 
das Coecum und Colon ascendens kann in seiner Motilität stark 
beeinträchtigt, abgeknickt und so die Durchgängigkeit des Darms 
völlig aufgehoben werden. Von anderer Seite wurde darauf hin¬ 
gewiesen, dass die schwieligen, schwartigen Verwachsungen ein 
Moment bilden können, das zur Kompression des rechten Ureters 
und nachfolgender schweren Erkrankung der Niere führt. Aber 
auch entfernt vom Ausgangspunkt der Entzündung kommen 
Schwarten und Adhaesionen vor, welche den Darm fixieren, kom¬ 
primieren und winklig abknicken, was von anderer Seite schon 
mehrfach bestätigt ist. Verf. beschreibt einen Fall, der zeigt, 
dass acht Jahre nach der Entfernung des Wurmfortsatzes ver¬ 
gehen können, ehe sich die Adhaesionen am Colon pelvinum gel¬ 
tend machen, welche ihre Entstehung offenbar der perytiphlitischen 
Eiterung verdanken; die Operation bringt Heilung. Die Differen¬ 
tialdiagnose zwischen dem Magen- und Duodenalulcus einerseits, 
und einer Appendicitis andererseits kann sehr grosse Schwierig¬ 
keiten bieten, was folgender Fall beweist. Eine Frau erkrankt 
unter den charakteristischen Erscheinungen des Duodenalulcus, 
die blutigen Stühle fehlen selbst nicht; bei der Operation wird 


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48 


MÄDtCtNtSCHB vrocm. 


Nr. 4. 


eine Fixierung des unteren Teiles des Duodenums durch Adhae- 
sionen gefunden, welohe ihren Ausgangspunkt von dem Wurmfort¬ 
satz genommen haben, der an den absteigenden Teil des Duo¬ 
denum angelagert war. 

4. Riedel, Jena: Die C&tgutn&ht bei Fraotura patellae. 

R. berichtet über seine Erfahrungen mit Catgutnaht bei 
Patellafraktur, und zwar dreimal bei veralteter und achtmal bei 
frischer. Die Frakturen waren durch direkte Gewalt entstanden, 
es handelte sich um Splitterbrüche ohne stärkere Dislokation der 
Fragmente; die Heilung erfolgte sehr gut, die Kniegelenke funk¬ 
tionieren fast in normaler Weise, die Röntgenaufnahme ergab fast 
immer tadellose Heilung der Bruchstücke. Jeder Längsschnitt 
über die Patella, wie jeder Querschnitt unterhalb derselben ist 
kontraindiziert, weil die Operierten später ihr Bein spitzwinklig 
beugen und eventuell in knieender Stellung arbeiten sollen. R. 
bedient sich deshalb zweier Schnitte neben der Patella, in der 
Längsrichtung des Gliedes, oder der subkutanen Catgutnaht, bei 
der man mit zwei ganz kleinen Längsschnitten auskommt, ein 
Verband nur notwendig ist, und der Patient nach sechs Wochen 
das Bett verlassen und umhergehen kann. Ein Nachteil der sub¬ 
kutanen Naht kann darin liegen, dass die knöcherne Heilung nicht 
immer prompt erfolgt, wenn Gewebsfetzen zwischen den Frag¬ 
menten liegen. Auf zwei Dinge lenkt Verf. noch die Aufmerk¬ 
samkeit. Die Perforation des oberen Recessus ergibt oft einen 
ausgebreiteten Bluterguss, wobei das Gelenk leer bleibt, die 
Fuuktion des Quadrlceps wird dadurch geschädigt, insofern seine 
Dehnbarkeit vermindert wird, und damit die Möglichkeit, das Knie 
zu beugen. Benutzt man ferner sehr viel und sehr starkes, wenn 
auch steriles, Catgut, so kann es zur aseptischen Entzündung 
kommen, die charakterisiert ist durch schwere Phlegmone mit 
hohem Fieber, aber das Allgemeinbefinden ist ungestört, die 
Stimmung bleibt behaglich, Appetit und Schlaf gut, Schmerzen 
sind nicht vorhanden. Einige kleine Einstiche genügen dann, ein 
flockiges Sekret entleert sich, frei von Organismen, bei mikro¬ 
skopischer Untersuchung und Züchtung. 

5. Sprengel, Braunschweig: Behandlung der SchnMver- 
letzungen. 

Von grosser Bedeutung für die Art und die Schwere der 
Verletzung ist die Entfernung, aus der der Schuss erfolgt. In 
grösserer Entfernung pflegt das längliche Geschoss aus kleinkali- 
brigem Gewehr mit harter Spitze einen glatten Durchschuss zu 
geben; anders auf nahe Entfernungen, wo entsetzliche, auf hydro¬ 
dynamischer Wirkung beruhende Verstümmelungen gewisser Hohl¬ 
organe und komminutive Zertrümmerungen der Knochendinpbysen 
eintreten; Schrappnells und Granaten, die Quer- und Aufschläger 
mit ihren grossen Ein- und Ausschussöffnungen sind ebenfalls 
anders zu beurteilen. Als bewährtes Grundgesetz für den Kriegs¬ 
fall gilt die aseptische Occlussion der unberührt gelassenen Schuss¬ 
wunde und Immobilisierung; jedes Sondieren auch mit sterilem 
Instrument ist wegen der möglicherweise von aussen hineinzu¬ 
tragenden Infektion verboten. Die Schusswunde aus kleinkalibrigen 
Handfeuerwaffen hat gutartigen Charakter. Bei Schädelverletzungen 
hat man zwischen den tief perforierenden und den TangentiaK 
Schüssen zu unterscheiden, erstere sind konservativ zu behandeln 
mit Occlusivverband, bei letzteren ist die Gefahr der Sepsis 
und Meningitis nicht ausgeschlossen. Die Behandlung der Herz¬ 
schüsse, im Kriege wenigstens, ist aussichtslos; Lungenschüsse sind 
konservativ zu behandeln, posttraumatische Blutungen stehen am 
besten durch die naturgemäß einsetzende intrathoracische Kom¬ 
pression und ausnahmsweise ist chirurgisches Eingreifen notwendig. 
Gelenkschüsse und Schussverletzungen der Methaphysen erfordern 
konservatives Verfahren; je weiter entfernt vom Gelenk, um so 
gefährlicher die Schussfraktur. Ueber die Behandlung der Bauch¬ 
schussverletzungen sind die Ansichten verschieden, von dem Gesetz 
absoluter Zurückhaltung bis zum Vorschläge fliegender Laparotomie¬ 
kolonnen sind alle vertreten; gewisse Notoperationen wie Lösung 
und Reposition prolabierter Organe sind auch im Felde angezeigt. 
Bei Schnssverletzungen im Frieden ist das Individualisieren in 
höherem Maße notwendig als im Kriege. Die schlimmsten Ver¬ 
letzungen rühren vom Zerspringen des Laufes in der Hand des 


Schlitzen her; offene Behandlung ist hier allein möglich, was un¬ 
rettbar verloren ist, muss entfernt werden, plastische Versuche 
müssen besser einer späteren Zeit der Wundheilung Vorbehalten 
werden. Dasselbe gilt von Schrot Schüssen aus unmittelbarer Nähe. 
Gutartig dagegen ist der zerstreute Schrotschuss. Eine grosse Rolle 
spielen die Selbstmordversuche. Bei Brustschüssen gebt die Kugel 
meist durch den Thorax glatt hindurch und bleibt in der Rücken¬ 
haut stecken, die Behandlung ist die konservative. Beim Nachweis 
einer Blutung aus den Brust wand gefässen und bei schnell sich 
ausbreitendem Empbysen ist ein sofortiges oder baldiges chirur¬ 
gisches Eingreifen angezeigt. Sonst ist bei Thoraxverletzungen 
der Occlusionsverband anzuwenden. Herzschüsse, die sehr selten 
sind, nehmen eine Sonderstellung ein. Zugreifendes Verfahren 
dürfte empfehlenswert sein, da bereits 14 operativ behandelte Herz¬ 
schussverletzungen in der Literatur bekannt geworden sind. Als 
vorbereitenden Schnitt nehme man die Resektion im Bereich der 
fünften Rippe vor; plötzliches Angstgefühl, livide Verfärbung, Inter- 
mittenz des Pulses, Strudel- und Mühlradgeräusche fordern zum 
sofortigen Eingriff auf. In bezug auf die Behandlung der Schuss¬ 
verletzungen des Schädels ist bis jetzt eine Einigung nicht erzielt. 
Vielleicht empfiehlt es sich, den kurzen Schusskanal durch Haut 
und Knochen bis in die Dura zu säubern und dann den Occlusions¬ 
verband anzulegen, das Suchen nach dem Projektil aber zu unter¬ 
lassen. Die Verletzungen der mit Schleimhaut ausgekleideten 
Schädelhöhlen verlangen, wenn die Kugel in oder an ihnen stecken 
geblieben ist, die operative Entfernung. Verletzungen der Orbita, 
des Augapfels und der Sehnerven, sowie Schüsse in den Gehör¬ 
gang, wobei das Verhalten des Facialis, des Gehirns, Blutungen 
aus der Carotis Fingerzeige geben, erfordern einen Fachchirurgen. 
Bei Unterleibsschüssen im Frieden ist unbedingt und möglichst 
schnell die Laparotomie auszuführen. Für die Schussverletzungen 
der Extremitäten und der grossen Gelenke im Frieden gilt als 
Grundsatz: kleine Hautverletzung konservatives Verhalten; grosse 
Hautverletzung operativer Eingriff. Bei Verletzungen der kleinen 
Knochen der Hand oder des Fusses entferne man die Projektile, 
um weiteren Komplikationen und funktionellen Störungen vorzu¬ 
beugen. Das Röntgen verfahren gibt sicheren Aufschluss über den 
Sitz des Projektils und der Knochenverletzung. 

6. Pozzi, Paris: Neues Verfahren für die Nahtvereinigung 
der Enden des Harnleiters nach seiner völligen Durchschneidung 
(Invägination mit Entropium). 

Drei Verfahren waren bisher bekannt, um einen durchtrennten 
Ureter wieder funktionsfähig zu machen: 1. die zirkuläre oder 
Endstück-Ureteroraphie oder termino-terminale Anastoraose, 2. 
die terminolaterale Anastomose, 3. die latero-laterale Anastoraose. 
Die beiden letzten Verfahren erschweren die Operation. Die erste 
Methode kann auf zweierlei Weisen ausgeführt werden, erstens 
durch das Aneinanderlegen oder die Intusapposition der Schnitt¬ 
flächen , zweitens durch die Invagination. Letzteres Verfahren 
hat Gubaroff erfolgreich angewendet, indem er das untere Ende 
ein wenig spaltete, das obere Endstück hineinführte und vernähte. 
Ein Fehler ist dabei, indem zwei homogene Oberflächen zur Ver¬ 
wachsung aufeinander gebracht werden, die nur sehr schwer ver¬ 
kleben. P. hat nun die beiden Aussenseiten der getrennten Harn¬ 
leiterenden erfolgreich miteinander vereinigt, dadurch, dass er 
den Rand des unteren Endstücks leicht nach innen einschlug, 
indem er ihn nach der Innenfläche zu entropionierte, ehe er das 
obere Endstück hineinstülpte und vernähte. Einen Dauerkatheter 
legt man wegen der leicht möglichen Infektion des Nierenbeckens 
besser nicht ein. Es empfiehlt sich aber Drainage der Laparotomie¬ 
wunde wegen des eventuell durchsickernden Urins. 


Patentnachrichten. 

Anmeldungen. 

M. 28489. Verfahren zur Herstellung eines Haarpflegemittels. Fritz 
Merz, Darm stadt. 

F. 21298. Verfahren zum Geruchlosmachen von Räumen, in denen 
Formaldchyd und sodann Ammoniak zur Verteilung gelangt sind. Eugöne 
Fournicr, Paris. 

G. 22081. Betäubungsvorrichtung mit einer von dem Bohälter für 
die Betäubungsflüssigkcit räumlich getrennten Vergasungskammer. Dr. Emil 
Gerdes, Schildesche b. Bielefeld. 


V«antwortlich« Redakteur : Dr. P. Meiaaner, Berlin W. 81, Kurfur.ien.tr . 81. — Veiantwortlich für den Inaeratenteil: Der Verlag ton Carl Marhold, Halle a. S. 

Druck von der Heyuemaun'acheu Buch druck er ei. Gehr. Wolff Halle a. S. 


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Medicinische Woche 


Dentscbinann, A. DQhrssen, A. Hoffa, E. Jacobi, 

Hamburg. Berlin. Berlin. Freiburg i. Bi. 

H. Senator, R. Sommer, 

Berlin. (Hessen. 

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Verlag und Expedition 

Carl Marhold ln Halle a. S., Uhlandstrasse 6. 

Tel.-Adr.: Marhold Verlag Hallesaale. Fernsprecher 823. 


Herausgegeben von 



R. Robert, M. Koeppen, K. Partscb, H. Rosin, H. Schlange, 
Rostock. Berlin. Breslau. Berlin. Hannover. 


H. Unverricht, 

A. Vossins, 


Magdeburg. 

Giessen. 


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Redaktion: 


Berlin W. 62, Kurfürsten»trasse 81. 


1 

Dr. P. Meißner. 




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Officielles Organ des Schwarzwaldb&dertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebäder und des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 


Vffl. Jahrgang. 4. Februar 1907. Nr. 5. 


Die .Medicinische Woche* erscheint jeden Montag und kostet vierteljährl. 2.50 M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen Jede Buchhandlung, die Post, sowie 
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Nachdruck der Original-Aufsätze ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 

Die Anstaltsbehandlung 
der Herzkranken und ihre Indikationen. 

Von Dr. med. Theodor Büdingen, 

leitendem Arzt dos Sanatoriums Konstanzorhof zu Konstanz-Seehauson. 

M. H. Während es heutzutage keines weiteren Wortes 
über die Existenzberechtigung der Sanatorien für Lungenkranke 
und der Nervenheilanstalten bedarf, ist die Behandlung Herz¬ 
leidender in Sanatorien, die früher vorzugsweise von Nerven¬ 
kranken besucht wurden, noch zu jungen Datums, um allge¬ 
mein beachtet und berücksichtigt zu werden. Das Mekka der 
Herzkranken war bisher Nauheim. Und es ist noch nicht so 
lange her, dass man jeden, dessen Herzklappen- und Herzmuskel¬ 
apparat nicht in Ordnung war, und der sich renitent gegen die 
ärztlichen Heilbestrebungen zu Hause zeigte, nach Nauheim 
oder einem anderen Badeort mit ähnlichen kohlensäurehaltigen 
Quellen schickte. Es liegt mir fern, die schönen Erfolge, die 
in diesen Kurorten bei zweckentsprechendem kurgemäßem Leben 
erreicht werden, bemängeln oder verkleinern zu wollen. Die 
Grossartigkeit der Anlagen eines solchen Weltbades, die voll¬ 
kommen ausgebildete Technik des Badewesens lassen es ver¬ 
messen erscheinen, wenn irgend eine ärztlicho Institution ausser¬ 
halb eines solchen Kurortes damit in Wettstreit treten wollte. 
Zu diesen unverkennbar grossen Vorzügen gesellen sich aber 
auch Nachteile, die für manchen Arzt und für manchen Herz¬ 
kranken schwerwiegend genug sind, eineu dem speziellen Fall 
angemesseneren Aufenthalt zu wünschen. Ebenso, wie nicht 
jeder Nervenkranke sich für eine Nervenheilanstalt eignet, — 
ich erinnere hier an manche Fälle endogener Nervosität, oder 
konstitutioneller Neurasthenie, die, wie Erb es will, besser ins 
Hochgebirge geschickt werden, ein Rat, der häufig missver¬ 
standen, zum Schaden der Patienten auf Nervenkranke über¬ 
haupt ausgedehnt worden ist, — ebenso gibt es genug Herz¬ 
kranke, für die eine Kur in einem offenen Badeort nichts weniger 
als angebracht ist. Ganz abgesehen von kurwidrigen Verlock¬ 
ungen, wozu auch die leider vorhandene Möglichkeit gehört, 
wild auf eigene Faust und zu eigenem Schaden ohne Arzt die 
gebotenen Kurmittel — Brunnen oder Bäder — im Uebermaß 
zu gebrauchen und abgesehen von den gesellschaftlichen Ver¬ 
pflichtungen ist das geräuschvolle Bade- und Hotelleben, der 
oft damit verbundene Weinzwang, die Notwendigkeit, Toilette 
zu machen, der Transport des Kranken über die Strasse, noch 
dazu bei schlechtem Wetter, die häufig erforderliche Sorge für 
geeignete Unterkunft und Verpflegung, die Schwierigkeit, eine 
bestimmte Diät in Hotels oder Pensionen einzuhalten, die da¬ 
mit verbundenen Aufregungen etc. bisweilen von so ungünstigem 


Einfluss auf das Gesamtbefinden, dass die Wirkung der eigent¬ 
lichen Bäderkur dadurch in Frage gestellt werden kann. 

Diese Bedenken würden aber gar nicht in Betracht kommen, 
wenn die Thermalbäder ein heilkräftiges Etwas enthielten, das 
nirgendswo sonst in der Welt vorhanden wäre. Hingegen 
sagtOertel: „Eine Verschiedenheit in der Wirkung der künst¬ 
lich hergestellten kohlensäurehaltigen Bäder und der natürlichen 
Quellen von Kudowa, Nauheim etc. konnte nicht konstatiert 
werden.“ Professor Bauer-München spricht sich dahin aus: 
„Die Wirkung ist die gleiche, ob künstliche Bäder oder natür¬ 
liche Quellen zur Anwendung gelangen.“ Und Professor von 
Krehl greift den springenden Punkt mit den Worten: „Jeden¬ 
falls haben in diesen Orten, speziell in Nauheim die Aerzte 
eine recht grosse Erfahrung in der Behandlung von Herzkranken 
und das möchte ich vorerst noch für einen Grund halten, Kranke 
gerade nach diesen Orten zu schicken.“ 

Wenn also Kohlensäurebäder an jedem beliebigen Ort unter 
Ueberwachung von Aerzten, die sich sowohl auf die Diagnose 
der Herzkrankheiten, als auf die Grenzen der Balneotherapie 
und auf die rechtzeitige Anwendung der Digitalis, wie die 
Nauheimer Kollegen, verstehen, mit gleich gutem Erfolge ge¬ 
geben werden können, so fallen zwar die prinzipiellen Bedenken 
gegen ihre Anwendung in Sanatorien fort, aber damit ist die 
Anstaltsbehandlung der Herzkranken selbst noch nicht gerecht¬ 
fertigt; auch dadurch nicht, dass die modernen Kuranstalten 
noch über Wechselstrombäder, in Massage ausgebildetes Bade¬ 
personal, über mediko-mechanische und hydrotherapeutische 
Einrichtungen verfügen. Zum Nachweis der Bedeutung der 
Anstaltsbehandlung für Herzkranke möchte ich Sie an das grosse 
und unvergängliche Wort Hoffmanns erinnern, dass unser 
ganzes therapeutisches Können auf der richtigen Anwendung 
von Schonung und Uebung beruht. Es kommt bei der Behand¬ 
lung im wesentlichen darauf an, Reize auszuschalten und andere 
den krankhaften Zuständen entsprechende Reiee als Kur- und 
Heilmittel anzuwenden. Die auszuschaltenden Reize sind die 
im Leben des Kulturmenschen eine so grosse Rolle spielenden 
Extrareize, um ein in der Herzpathologie jetzt viel gebrauchtes 
Wort in erweitertem und übertragenem Sinne anzuwenden. 
Ich verstehe darunter solche Reize, die nicht, wie z. B. Sauer¬ 
stoff und Nahrungszufuhr, zur Erhaltung des Lebens dienen, 
sondern als Erregungsmittel des Zentralnervensystems für den 
Gesunden ebenso bedeutsam, wie für den Kranken verhängnis¬ 
voll werden kÖDnen. Ich meine die Extrareize, welche nicht 
nur als Genussmittel unter den häuslichen Verhältnissen oder 
in Kurorten den Patienten schwer oder gar nicht zu entziehen 
sind, sondern insbesondere diejenigen, welche mit dem modernen 
Kulturleben, welches die Nacht zum Tage macht, mit den über¬ 
aus geräuschvollen Existenzbedingungen unserer Zeit, mit ihren 
Verkehrsmitteln und auch mit den häuslichen, beruflichen, 
dienstlichen und geschäftlichen Verhältnissen selbst aufs Engste 
verknüpft sind. Was die letzteren betrifft, so kommen hier 
nicht nur die mit Absicht zugefügten psychischen Traumen, 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr 5. 


wie Kränkungen, Beleidigungen, Zurücksetzungen und Chik&ne 
in Betracht, sondern auch die durch das Zusammenleben un¬ 
harmonischer Charaktere einwirkenden Extrareize, welche in 
der Herztätigkeit, dem feinsten Keagens unseres Nervenlebens, 
in der Beschleunigung des Pulsschlages ihren Ausdruck finden. 

Hoffmann sagt mit Recht: „Die Erfahrung am Kranken¬ 
bett zeigt uns doch zuweilen recht überraschende Dinge. Wir 
finden, dass Kranke mit hochausgebildeten Herzfehlern sich zu 
ewissen Zeiten sehr schlecht und zu anderen Zeiten viel besser 
efinden, obwohl unzweifelhaft sich der Herzfehler nicht ge¬ 
ändert haben kann. Die mechanischen Bedingungen sind die¬ 
selben und doch kommen so starke Veränderungen im Allge¬ 
meinbefinden vor, dass wir zugeben müssen, für das Befinden 
dieser Kranken fallen die mechanischen Verhältnisse nicht allein 
ins Gewicht; das andere bedeutungsvolle Moment kann aber nur 
das nervöse sein“. Welche gewaltige Rollo das Nervensystem 
bei Herzkranken spielt, zeigt sich so recht dann, wenn dem 
von schwerster Beklemmung geplagten, mit Todesangst ringen¬ 
den, an Angina pectoris leidenden Patienten eine Morphium¬ 
spritze gegeben wird. Der noch vor wenigen Minuten flatternde, 
rasche, unregelmäßige, kaum fühlbare Puls wird bald regulär, 
kräftig, voll, langsam und bald stellt das Gefühl der Erleichterung 
und Befreiung auch selbst in solchen Fällen sich ein. wo an 
der Diagnose Coroaarsklerose nicht der mindeste Zweifel be¬ 
stehen kann. Das Morphium hat dem Herzen gewiss keine 
neuen Kräfte gebracht und doch hat es eine für den Laien ans 
Wunderbare grenzende Aenderung der furchtbaren Szene her- 
beigeftihrt, welche nur so zu erklären ist, dass die Erschwerung 
der Herzarbeit durch die aus dem Zentralnervensystem dem 
Herzmuskel zufliessenden Erregungen beseitigt wurde. Solche 
wertvollen therapeutischen Erfahrungen, die jeder Arzt schon 
gemacht hat oder machen kann, müssen uns ein Wegweiser 
sein, dass wir nicht einseitig einen kranken Herzmuskel be¬ 
handeln dürfen, sondern dass wir dem herzkranken Menschen, 
insbesondere aber seinem Nervensystem, die gebührende Auf¬ 
merksamkeit zu wenden müssen und dass wir sofort bei Ueber¬ 
nahm e der Behandlung für Beruhigung desselben, und zwar 
selbstverständlich nur in Ausnahmefällen durch Morphium, im 
übrigen durch andere am leichtesten und sichersten in Anstalten 
durchführbare Maßnahmen Sorge zu tragen haben. Auch die 
wertvolle Beobachtung Quinckes darf in diesem Zusammen¬ 
hänge hier erwähnt werden, dass Herzkranke häufig mehr Urin 
in der Nacht, als am Tag lassen. Auch dies spricht für die 
Erleichterung der Herzarbeit durch Ruhe, bezw. durch Fern¬ 
haltung von störenden Reizen. 

M. H.! Die Bedeutung der Erregungen des Zentralnerven- 


Feuilleton. 


Eine ßeise auf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm -Darmstadt. 

(Fortsetzung.) 

Mit schneeweissem Gummi belegt, in zwei Treppenbäumen 
auslaufend, führt dieselbe, von mächtigem Oberlicht erleuchtet, 
hinab nach Kaiserdeck. Ein grosses Wandgemälde ziert die 
Wand, an welcher beide Treppen zusammenstossen. Auf 
Kaiserdeck geht es rechts hinein in den Damensalon: Erst ein 
in veilchenfarbener Seide gehaltenes, mit einem köstlichen Ge¬ 
mälde geziertes Schreibzimmer im Empirestil, dann der grosse, 
in hellrosa Seide ausgeschlagene mit gleiehfarbenen Stühlen 
auf hellem Holzgestell ausgestattete Bibliotheksraum mit dem 
kostbaren Flügel. Den etwas zweifelhaften Schmuck desselben 
bildet eine nicht gut geglückte Kopie eines lebensgrossen Kaiser¬ 
bildes. Neben dem Eingänge zum Schreibzimmer mündet der 
elektrisch betriebene Personenaufzug, der Lift, welcher für 
allzu Bequeme die Verbindung zwischen den Hauptdecks, von 
Roosevelt- zum Kaiserdeck, vermittelt: Ein auf Schiffen bisher 
unerhörter Luxus! Gegenüber dem Damensalon liegt das nach 
dem Muster des berühmten Londoner Restaurant gleichen 


Systems für die Herzarbeit ist durch das glänzende Referat 
Grützners auf der letzten Versammlung stidwestdeutscher 
Neurologen und Irrenärzte dem allgemeinen Verständnis nfiher- 
gebracht worden. Danach spielen die Gefässnerven in ihrer 
Einwirkung auf die in der Wandung der Blutgefässe gelegene 
Muskulatur nicht nur die Rolle als gelegentliche Erweiterer 
und Verengerer der Gefässe, sondern sie nehmen aktiven An¬ 
teil an der Fortbewegung und Verteilung des Blutes. Grützner 
sagt: „Die Gefässe sind Nebenherzen, die unabhängig vom 
Herzen das Blut aus den Arterien in die Venen treiben.“ Er 
nimmt eine nach der Peripherie fortschreitende kontinuierliche 
Peristaltik der Arterien an, welche ebenso, wie die Peristaltik 
des Darmes die faeces ausstösst, zur Austreibung des Blutes 
beiträgt. 

Wie gross diese Mitarbeit des Gefässnerven- und -muskel- 
systems ist, wissen wir nicht. Sie kann aber nicht gering sein. 
Dies schliessen wir aus längst bekannten Erscheinungen am 
Krankenbett. Wir konstatieren z. B. einen übernormalen Blut¬ 
druck, ohne dass eine Nephritis bestünde und ohne dass wir 
eine hochgradige Arteriosklerose nachweisen könnten, und wir 
finden trotz dieses hohen Blutdruckes ausgeprägte Stauungser¬ 
scheinungen. Das Herz arbeitet also mit grösserer Kraft als 
unter normalen Verhältnissen und doch genügt diese Kraft 
nicht zu einer ausreichenden Fortbewegung und Verteilung des 
Blutes. Man hat den Eindruck, dass hier eine wichtige Mit¬ 
hilfe fortgefallen oder vermindert ist; dies dürfte die Mitarbeit 
der Gefässmuskulatur unter Einwirkung der Gefässnerven sein. 

Unter welchen Bedingungen es zu einem Nachlassen und 
Versagen der Gefässnerven- und Gefässmuskelkraft kommt, dar¬ 
über wissen wir wenig. Soviel aber liegt auf der Hand, dass 
eine übermäßige Inanspruchnahme dieses Apparates ebenso zu 
Erschöpfungs- und Insuffizienzerscheinungen führen muss, wie 
wir dies bei jedem im Uebermaß angestrengten Organ beob¬ 
achten können. Die Chancen eines kranken Herzens richten 
sich also sicherlich zum Teil nach dem Zustand der Gefäss¬ 
nerven wie nach dem Zustand der Gefässe selbst. Die Gefäss¬ 
nerven stehen aber in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Zentral¬ 
nervensystem, wie die tägliche Erfahrung lehrt. Erröten und 
Erblassen des Gesichtes werden durch psychische Einflüsse 
hervorgerufen. 

In Berücksichtigung der Wichtigkeit der Gefässnerven für 
die Erleichterung der Herzarbeit müssen wir also bei der Be¬ 
handlung der Herzkranken dem Zentralnervensystem unsere 
ernste Aufmerksamkeit zuwendön, wir müssen die Extrareize 
auszuschalten suchen, welche die Labilität der Vasomotoren 
unterhalten und welche durch Beeinträchtigung der Gefässarbeit 


Namens bewirtschaftete Ritz'-Carlton-Restaurant, das seine 
eigenen Köche und Kellner, seine eigene Musikkapelle — den 
Ohrenschmaus für die gewöhnlichen Sterblichen, die nicht in 
fünfte-Avenue-Lage des Geldbeutels sich befinden, besorgt 
eine Stewardkapelle — und seine eigenen Vorrats- und Wein¬ 
keller mit sich führt: Hier können an kleinen Tischen für 
grosses Geld die üppigsten Mahlzeiten eingenommen werden; 
liegen doch Cognacs zu 75,— M. die Flasche unten bereit und 
dergleichen mehr! Dort werden die „juten jebratenen Jänse“ 
effektiv mit „joldenen Jabeln jespissen“ — ob sie davon besser 
werden, weiss ich nicht zu vermelden. Der Lichtschacht 
mündete gerade neben meiner Bude, und ich liess mir manch¬ 
mal von dem gefälligen kleinen Kapellmeister das „Spinner¬ 
liedchen aus dem fliegenden Holländer* 4 oder ein anderes Lieb¬ 
lingsstück aufspielen. 

Ein Deck tiefer ist ein prächtig eingerichteter, mit be¬ 
quemen Korbsesseln ausgerüsteter gummibelegter und teppich¬ 
geschmückter Vorplatz an die offene Galerie des schönen 
Lichtschachtes angelehnt, durch welchen der grosse Speise¬ 
saal, wieder ein Deck tiefer, seine Beleuchtung erhält. Auch ein 
Blumenladen findet sich dort. 

Auf diesen beiden Decks, dem Washington- und dem 
Kaiserdeck, sind die Luxusappartements. Wohn- und Schreib¬ 
zimmer, Schlafzimmer und eigenes Badezimmer mit Kloset, 
jedes verschieden vom anderen mit unerhörtem Prunke ausge¬ 
stattet: Man glaubt sich in das vornehmste Hotel an Land 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


51 


auch die Herzarbeit in Mitleidenschaft ziehen. Dass diese 
funktionellen Störungen im Gefässnervensystem, bezw. die mit 
ihnen verbundenen häufigen Blutdruckschwankungen zu einer 
vorzeitigen Abnutzung der Gefässwand, zur Arteriosklerose 
führen können, welche eine weitere Erschwerung der Herz¬ 
arbeit im Gefolge hat, darauf braucht nur hingewiesen zu 
werden, um die Bedeutung der Erregungen des Zentralnerven¬ 
systems zu illustrieren. Im Hinblick also auf die Kardinal¬ 
forderung, die Extrareize möglichst auszuschalten, ist der beste 
Aufenthalt für eine ganze Reihe von Herzkranken die Nerven¬ 
heilanstalt, wo der Herz- und Nervenkrankheiten kundige Aerzte 
Praxis ausüben. Eine solche Anstalt muss vor Allem ein ruhiges, 
möglichst reizloses Leben garantieren. Dazu gehört, dass sie 
in einer klimatisch günstigen, schönen Gegend liegt und nicht 
dem Lärm einer Grossstadt ausgesetzt ist. Die Ruhe zu be¬ 
stimmten Tagesstunden, und vor Allem zur Nachtzeit, muss un¬ 
bedingt gewährleistet sein. Ein Anstaltsarzt darf nicht dulden, 
dass Patienten oder deren Begleitpersonen nach 10 Uhr ihr 
Zimmer aufsuchen. 

Was die Geselligkeit betrifft, so soll sie ein gemütliches, 
aber kein lärmendes Gepräge tragen. Der Ruhe suchende 
Patient muss auch ausserhalb seines Zimmers unbelästigt durch 
Fragen und unerbetene Unterhaltung seiner Gesundheit leben 
können. Das lässt sich nur in Anstalten mit grossen Räumlich¬ 
keiten erreichen, wo die Patienten gesellschaftlich nicht zu¬ 
sammengepfercht sind und sich absonaem können. In Berück¬ 
sichtigung dieses Bedürfnisses habe ich u. a. eine Scbweigehalle 
eingerichtet, wo Gespräche verboten sind, und wo die Patienten 
ohne Unterhaltung durch Andere die verordnete Liegekur ge¬ 
brauchen können. Wer die menschliche Natur kennt, weiss, 
dass die Gefahr, hierdurch Trappisten zu erziehen, nicht gross 
ist- Neben der Schweigehalle darf es selbstverständlich auch 
nicht an Liegehallen fehlen, wo der Rede und fröhlicher Gegen¬ 
rede gehuldigt wird. Als wesentliches Kur- und Heilmittel or- 
freut sich die Liegekur bei Lungenkranken längst der ver¬ 
dienten Anerkennung. Ich habe im Laufe der letzten 5 Jahre 
sie gerade bei Herz- und Nervenkranken sehr schätzen gelernt 
und wende sie systematisch an. Welche Schonung des Herzens 
durch Ruhelage sich erreichen lässt, ergibt sich aus folgender 
Berechnung*). Bei horizontaler Lage konstatiert man z. B. 65 
Pulsschläge in der Minute, im Stehen 74. Dies gibt pro Tag, 
wenn man nur liegen würde, eine Ersparnis von 8610 Puls¬ 
schlägen, bezw. Herzkontraktionen. Wenn dies für den Ge¬ 
sunden gilt, wieviel mehr für den Kranken mit erregbarem ge- 

*) Nach F. A. Hoffmann „Allgemeine Therapie“. 


versetzt, auf keinem Schiffe zu weilen, wenn man dieselben 
besichtigt. Allerdings kostet so ’ne Ueberfahrt in solchen | 
Räumen auch ’ne Kleinigkeit mehr, als wir zumeist für acht 
Tage Reise anzulegen gewohnt sind; so seine 4000 M. etwa 
kommt der Spass zu stehen! Das ist gegen ca, 850 M., mit 
denen die — geringsten allerdings der — Erstkajütplätze be¬ 
zahlt werden, ein netter Unterschied! 

Ueber die Schiffsmitte hinaus nach achter liegt der be¬ 
reits erwähnte Rauchsalon, von eigener breiter Gummitreppe 
aus erreichbar und hinter ihm sind wieder zwei Lauben (wie 
oben) angebracht, und dann ist durch lange Glaswände ein 
grosser Teil des Decks zu einem, nur nach hinten offenen 
Saale verwandelt, während an den Seiten vorbei das eigent¬ 
liche „Promenadedeck“ führt. 

Der in Dunkel - Eichenholz gehaltene, mit rindsledernen 
Polster-Sesseln und Sophas versehene zweistöckige Salon bietet 
durch eingebaute Nischen, die gleichfalls eingebaute und mit 
einem ganz wundervollen Oelgemälde, einem alpinen Land- 
schaftsbilde mit zwei darein hineinkletternden Bären, ge¬ 
schmückte Freitreppe einen zugleich anheimelnden und über¬ 
aus vornehmen Eindruck. Nur schade, dass die strenge Be¬ 
folgung des, einem irischen Jagdschlösse entlehnten Styles, 
den Rahmen teilweise etwas düster hat werden lassen, was durch 
Anbringung von Kacheln und Tellern an den dunklen Holz¬ 
wänden zu bannen wäre: Wie belebend wirkt der gegenüber 
der Treppe eingebaute Backsteinkamin! 


schwächten Herzen. Bei manchen Patienten habe ich zu Be¬ 
ginn der Kur eine regelmäßige Differenz von 30—40 Puls¬ 
schlägen beim Liegen und beim Stehen gefunden. Rechnet 
man nur 30 als Differenz, so spart das Herz eines solchen 
ruhenden Patienten 28 800 Kontraktionen in 16 Stunden. Diese 
Berechnung bedarf allerdings einer gewissen Korrektur, inso¬ 
fern das Herz bei horizontaler Lage mit etwas grösserer Kraft 
arbeitet, wie sich aus dem höheren Blutdruck ergibt. Dessen¬ 
ungeachtet dürfte der Kraftverbrauch ein viel geringerer sein, 
als beim Stehen. (Schluss folgt.) 


Sitzungsberichte. 

Deutschland. 

Aerztlicher Verein in Hamburg. 

Sitzung vom 11. Dezember 1906. 

Vorsitzender Herr Kümmell. 

I. Demonstrationen: 1. Herr Preiser stellt einen 39- 
jährigen Patienten vor, der vor einem Jahr zwei Stufen verfehlte 
und fiel; er tat weiter Dienst, obwohl der linke Fuss anschwoll, 
Schmerzen hatte er nicht; im Januar erbt, also nach zwei Monaten, 
kam er in Behandlung, wo durch das Röntgenbild eine Fractur 
des Talus, des Naviculare, des ersten und zweiten 
Cuneiforme und des zweiten Metatarsus konstatiert wurde. 
Der Patient tat den ganzen Sommer Dienst als Kassenbote weiter 
ohne Schmerzen und ohne Gangstöruug. Im September schwoll 
der Unterschenkel an; beim Fensterputzen im Dezember 1906 trat, 
ohne dass er fehltrat, eine Luxation des Talusfragmentes lateral- 
wärts von der Fibula ein. Der Patient tat seinen Dienst weiter. 
Der Unterschenkel ist bretthart infiltriert, der Fuss enorm ver¬ 
breitert und geschwollen. Hautsensibilität intakt; die tiefe Sen¬ 
sibilität muss aber herabgesetzt sein , sonst würde Patient nicht 
umhergehen. Am Unterschenkel finden sich an den Knochen peri¬ 
ostale und muskuläre Ossifikationen. Lues negntur; Empfindung 
für kalt und warm erhalten, kein Romberg, Pupillen reagieren, 
Augenbintergrund normal, Patellar-, Fusssohlen- und Achülessehnen- 
reflexe fehlen beiderseits. Die Differentialdiagnose schwankt 
zwischen Tabes und Syringomyelie. 2. Herr Wichmann demon¬ 
striert einen Schlachthofangestellten, der sich nach einem Fall auf 
den Ellenbogen offenbar mit perlsüchtigem Material inficierte und 
nun das Bild einer Tuberculosis cutis verrucosa darbietet. 
Die angestellten Untersuchungen ergaben, dass 4 °/o aller am Ham- 


Die Promenadedecks haben noch allerlei lauschige Winkel 
und Erker und bieten einen mächtigen Laufplatz, den die 
Amerikaner im Geschwindschritt in drolliger Weise nutzen 
und der sich durch Abteilung der H. Klasse von der ersten nur 
wenig für beide verringert. — Auf Clevelanddeck befindet sich 
die riesige Küche mit ihren Anrichten. 

Wieder ein Deck tiefer folgt der mit braunledernen Dreh¬ 
sesseln in hellgelben, mit grünem Streifen eingelegtem Holz¬ 
rahmen ausgestattete, ganz weiss gehaltene Speisesaal: Sünd¬ 
haft nur, dass hier die herrlichsten Holzschnitzereien aus Maha¬ 
goni und edle Bronzen übertüncht wurden mit Farbe, während 
anderseits der Silberlederbezug, mit dem die glatten Eisen¬ 
träger umnäht sind, recht eigenartig nett wirkt. 

Diesen Räumen I. Klasse entsprechen in der zweiten eben¬ 
falls Speise-, Rauch- und Damensalon, jedoch weniger prunk¬ 
haft in der Ausstattung, mehr an die gewöhnlichen Schiffsein¬ 
richtungen erinnernd. Aber auch hier allenthalben Gummi¬ 
treppen, nichts von den alten eisenbeschlagenen Kajütentreppen, 
an denen man sich früher, bei hohem Seegang besonders, die 
Schienbeine wund schlug und wie man sie naiver Weise noch 
heute auf unseren Rheinsalon dampf ern gemessen kann. Es 
wäre Zeit, wenn die „Köln Düsseldorfer“ ’mal an den Neu- 
Yorker Ferrybooten oder Hudsondampfern Studien anstellte. 
Allerdings, wer hinabtaucht ins Zwischendeck oder die auf 
diesem Schiffe eingerichtete HI. Klasse, kann diese alten 
Schiffstreppen noch kennen lernen! Mittschiffs, auf fünf Decks 


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52 


BlEDICINISCtÜfi WOCHBl. 


Nr. 5. 


burger Schlachtbof angestellten Leute inficiert sind. 3. Herr 
Wichmann stellt ferner zwei Fälle mit Lupus erythematodes 
vor, die erfolgreich mit Chinin und Röntgenbestrahlungen behan¬ 
delt wurden. 4. Herr Wiesinger bespricht die von ihm geübte 
Methode bei Appendicitisoperation zur Verhütung 
von Bauchbrüchen, die jedoch im wesentlichen nur Verwen¬ 
dung finden kann, wenn primär genäht wird. Vier cm langer 
Schnitt in der Ileo-Coccalgegend, Durchtrennung der Fascie in der 
Richtung des Faserverlaufs, desgl. werden die Muskelschichten im 
Faserverlauf stumpf durchtrennt, und das Peritoneum nach einem 
kleinen Einschnitt mit dem Finger weiter eröffnet. Darauf eigent¬ 
liche Appendektomie. Hierdurch glaubt der Vortr. einen Bauch- 
bruch vermeiden zu können Vorstellung einiger Patienten. 5. 
Herr Ed. Arning stellt einen jungen Menschen mit Favus scroti 
vor (Mäusetypus), während 6. Herr Plaut im Anschluss hieran 
die morphologischen und biologischen Verhältnisse des Achorion 
Schönleinii bespricht. 7. Herr Kümmell stellt einen Patienten 
vor und zeigt die zugehörigen Röntgenbilder, bei dem er eine aus¬ 
gedehnte Resektion und Plastik der Fusswurzel vorge- 
nornmen hatte. Reseziert wurde das untere Ende der Tibia, Fibula, 
Talus, Calcaneus und ein grosser Teil der übrigen Fusswurzel- 
knochen. Um annähernd die menschliche Form zu erhalten, machte 
er nicht die Operation nach Wladimiroff-Miculicz, sondern er frischte 
die vordere Seite der Tibia und der Fibula an und setzte gegen 
diese die angefrischten Mittelfussknochen. 8. Herr Schmilinsky 
gibt die Krankengeschichte eines von ihm beobachteten Falles von 
Polycy thaem ie. 

IT. Diskussion über den Vortrag des Herrn Simmonds: 
„Ueber Anomalien der Form und der Lage des Magens 
und des Dickdarms“, an der sich ausser dem Vortr. noch die 
Herren Kümmell und Aly beteiligen. Schönewald. 


Standesfragen. 

Von Dr. M. Cohn (Berlin-Charlottenburg). 

Die Erkenntnis, dass den wirtschaftlichen Fragen, welche die deut¬ 
sche Aerzteschatt bewegten, auch eine grössere Berücksichtigung 
in der ärztlichen Presse gebührt, hat dazu gefühlt, dass zwei 
ärztliche Blätter seit Beginn dieses Jahres eine Umwandlung er¬ 
fahren haben. Das Org m dei deutschen Aerztevereinsbundes, das 
ärztliche Vereinsblatt, hat eine besondere sozial-ärztliche 
Abteilung eingerichtet und als deren Leiter ist der durch viel¬ 
fache Arbeiten in Standes fragen hervorragend geeignete Kollege 


verteilt, ist also das Hotel I. Klasse. Mehr nach achter die 
II. Klasse, ganz hinten, und von Roosevelt abwärts III. Klasse 
und Zwischendeck, im Vorderschiff nur Zwischendeck. 

In mächtigen, mit guten Kojen versehenen Schlafsälen zu 
mehreren hundert Personen, aber gut lüftbar und peinlich 
sauber gehalten, ist der Zwischendecker angstvoll drängende 
Menge zusammengepfercht., jüdische Küche ist gesondert ein¬ 
gerichtet. Die Anschläge der Schiffs Vorschriften etc. sind deutsch, 
englisch, französisch, hebräisch, russisch, türkisch, polnisch etc. 
etc. vorhanden. — Durch Luken, welche von oben niederge¬ 
legt werden können, führen die Treppen nach dort unten. 
Die III. Klasse hat einen festen Treppenaufbau, einen Aufent¬ 
halts- und Speisesaal für schlechtes Wetter, eigene Bar, Bad 
— unglaublicherweise nur wenig benutzt! — für Männer und 
Weiber und Kabineneinteilung zu je 2—4—6 Betten. — Ganz 
hinten liegt die Steuerung eingebaut, ein Zahnhalbrad von 
ungeheurer Grösse, welches den Ozeanriesen lenkt, gehorsam 
seinem Steuer wie das kleinste Schiff. 

Im Hinter- und Vorderschiff liegt je ein „Isolierspital“, 
ein mit Betten, eigenem Bad und Klosett versehenes Abteil 
für den Fall, dass ansteckende Krankheiten an Bord aus¬ 
brechen und auf ihren Herd, die ersten Kranken, beschränkt 
werden sollten. 

Mittschiffs an Backbord liegt der mit dem hochtrabenden 
Namen „Hospital“ bezeichnete, für Männer und Weiber getrennt 
eingerichtete Raum, in welchem die Mannschaft veiarztet wird, 


Magen aus Breslau berufen worden. Da das Vereinsblatt jetzt 
wöchentlich erscheint, liegen bereits drei Nummern im neuen 
Gewand vor, die erkennen lassen, dass man den rechten Mann auf 
den rechten Fleck gesetzt hat; hoffentlich gelingt es Magen, dem 
Blatte die Bedeutung zu verschaffen, die ihm eigentlich zukommt, 
zu der es aber unter der bisherigen Leitung nicht gelaugen konnte. 

Auch der Leipziger Verband hat wohl eingesehen, dass seinem 
Blatte, den Aerztlichen Mitteilungen, neue Lebenskraft zu¬ 
geführt werden müsse, um es vor allmählichem Absterben zu be¬ 
hüten. Er hat deshalb die Redaktion dem Kollegen Hellpach 
(Karlsruhe) anvertraut, der durch Besprechung ärztlicher Standes¬ 
angelegenheiten in verschiedenen Organen, auch in der politischen 
Presse, gezeigt hat, dass er solche in wirksamer Form zu vertreten 
versteht. Seine Aufforderung an die Kollegen, alle ihm wichtig 
erscheinenden Fragen selbst zur Erörterung zu bringen, wird 
hoffentlich das luteresse an diesem Organ wesentlich beleben. 

Welche Wirkung durch ärztliche Diskussion erzielt werden 
kann, zeigt der soeben zwischen dem Leipziger Verband und 
dem Norddeu tschen Lloyd abgeschlossene Vertrag. Die Klagen, 
die über die Stellung der Schiffsärzte geführt werden, haben wir in 
diesen Blättern mehrfach besprochen; der neue Vertrag trägt allen 
wesentlichen Wünschen Rechnung. Als Gehalt wird den Schiffs¬ 
ärzten bezahlt im ersten Jahr 150 M., im zweiten 175 M., im 
dritten 200 M., nach fünf Jahren 250 M., nach zehn Jahren 300 M. pro 
Monat. Statt des üblichen Anrechts auf Getränke im Werte von M. 2 
täglich erfo'.gt Auszahlung des betreffenden Betrages in bar. Der 
Schiffsarzt hat das Recht, für Behandlung krank an Bord kommender 
Kajütpassagiere erster Klasse unter Zugrundelegung der geltenden 
Gebührenordnung Honorar zu verlangen. Er hat den Rang eines 
ersten Offiziers und erhält dementsprechend Wohnung und Ver¬ 
pflegung , die Schiffsapotheke darf nicht mehr in der Arztkabine 
untergebracht werden. Die Urlaubsverhältnisse werden in bestimmter 
Weise geregelt, die Stellenvermittlung geschieht in erster Linie 
durch den Leipziger Verband. Ein ganz ähnlicher Vertrag ist 
mit der Hamburg-Amerika-Linie abgeschlossen worden. 

Mit der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Aerzte 
wird sich hoffentlich auch das Selbstgefühl, die Selbstachtung 
wieder heben. Vom Schwinden dieser haben wir leider in den 
letzten Jahren mehrfach bedauerliche Beispiele gesehen. Als 
Zeichen davon muss man es auch betrachten, wenn Badeärzte 
au solche Kollegen, von denen sie die Zusendung zahlreicher Patienten 
erhoffen, Weihnachtspräsente machen, worüber H. Oppenheim (Berlin) 
in einer Zuschrift an die Deutsche Medicinische Wochenschrift 
mit Recht Klage führt. Sicherlich sind auch zahlreiche Badeärzte 
nicht auf Rosen gebettet. Es gehört aber wirklich viel Geduld 
dazu, die Besuche dieser Herren zu empfangen und ruhig mitanzu- 


und Patienten geringerer Klassen Aufnahme finden können. 
Den Namen „Hospital“ verdient der eigentlich nur mit Betten 
ausgestattete, in der bescheidensten Weise aber nur für ärzt¬ 
liche Maßnahmen jeder Art versehene Raum nicht so recht 
nach unseren heutigen Begriffen. Immerhin ist er vorhanden 
im Gegensätze zu seinem gänzlichen Fehlen in II. und 
I. Klasse! 

Am Mannschaftsgang auf Franklindeck und bei den 
Mannschaftslogis, ein Deck tiefer, sind wir nun; gehen wir 
nach achter, so führt uns der Weg an dem Maschinen raum 
vorbei; wir steigen nach Clevelanddeck empor, wo die Bureaus 
der liebenswürdigen Maschineningenieure und dahinter die 
Schiffsdruckerei — denn wir verlegen ja ein eigenes Tageblatt 
an Bord! — sich befinden. Von einem der 'Herren geleitet, 
steigen wir hinab in den Raum, in welchem zwei herrliche 
Maschinen zu je 7500 PS in rasender Eile ihre Kolbenstangen 
emporwerfen und wieder anziehen. Wir bewundern die herr¬ 
lichen Dynamos, Eis- und Kühlmaschinen, die Süsswasser- und 
Salzwasserpumpen und wollen eben dem heissen Raume den 
Rücken kehren, da weht uns eine kühle Brise fast die Mütze 
vom Kopfe: Unter dem hoch oben auf Deck die entgegen¬ 
stemmende Luft einsaugenden Luftfang, der hier hineinleitet, 
stehend, merken wir erst, welch’ unerhörte Bedeutung diese 
so einfachen sinnreichen Einrichtungen für die Erneuerung der 
Innenluft in den Schiffsräumen besitzen! Folgen wir dann 
noch der ungeheuren Schraubenwelle bis an ihr Ende in 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


53 


hören, wie dieselben in devotester Weise die Ueberweisung von 
Patienten erbetteln. Die Schamröte muss einem wahrlich oft ins 
Gesicht steigen, wenn ein Arzt dem Arzt gegenüber sich derart 
erniedrigt, wie es leider nur allzu oft geschieht. Es wäre ein 
Verdienst aller badeärztlichen Verbände, wenn sie dieser für sie 
sehr wichtigen Standesfrage ihre Aufmerksamkeit znwenden würden. 

Mit Beginn des neuen Jahres erschienen sogleich die An¬ 
kündigungen ärztlicher resp. hygienischer Kongresse. Aeusserst 
wichtig und interessant dürfte die diesjährige Jahresversammlung 
der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der 
Geschlechtskrankheiten werden, die im Mai in Mannheim 
stattfindet und ausschliesslich der Frage der Sexualpädagogik 
gewidmet ist. Man will getrennt über die sexuelle Diätetik und 
die sexuelle Aufklärung im Elternhause, in der Volksschule, den 
höheren Schulen, der Fortbildungsschule diskutieren. Für jedes Ge¬ 
biet sind hervorragend geeignete Referenten gewonnen. Von einer 
solchen Erörterung kann man wohl mit Bestimmtheit eine Förderung 
einer Frage erwarten, die Schulmänner, Aerzte, sowie Gebildete 
aller Stände in gleicher Weise bewegt. Auch der im Juni statt¬ 
findende Aerztetag, der das Thema der Erziehung der Schul¬ 
jugend zur Gesundheitspflege auf der Tagesordnung hat, wird auf 
die Verhandlungen der Mannheimer Tagung Rücksicht nehmen 
müssen. 


Periodische Literatur. 

Münchener med. Wochenschrift. Nr. 52. 1906. 

1. Hofmann, Köln: Ueber die Dosierung und Darreich- 
ungsform der analgesierenden Mittel bei der Lumbalanaesthesie. 

Beobachtungen an über 120 Fällen haben die Tatsache er¬ 
geben, dass man bei der Lumbalanaesthesie mit dünneren Lösungen 
der Analgetica mit unverhältnismäßig kleinerer Dosis eine min¬ 
destens ebenso gute, wenn nicht bessere Anaesthesie erzielt, wie 
früher mit den grösseren Dosen. Es wurde Novokain benutzt und 
die Lösung meist selbst bereitet; 0,2 g Novokain (Pulver) wurden 
abgewogen, in einem sterilen Kölbchen mit 21 ccm gekochten 
destillierten Wassers gelöst, auf 20 ccm eingekocht und erkaltet, 
dann Zusatz von 20 Tropfen Suprarenin (1: 1000); das gibt eine 
gebrauchsfertige l%ige Novokainlösung, die auf jeden ccm 0,01 
Novokain und einen Tropfen Suprareninlösung enthält. Die Ein¬ 
spritzungen wurden mit einer 10 ccm fassenden Recordspritze ge¬ 
macht, nach vorheriger Durchstechung der Haut und des Ligam. 
interspinale mit einem feinen, spitzen Skalpell; injiziert wurde 


laDgem, schmalen Gange und lassen wir uns die Rettungsaus¬ 
stiege, die in engen Kaminen hochführen, um bei Gefahr die 
Maschinenmannschaft an Deck gelangen zu lassen, noch zeigen, 
und lassen wir dann das Herz des Schiffes, welches allein ihm 
Leben verleiht, denen, welche sich besser darauf verstehen, 
um uns nach den Provianträumen umzusehen. Mächtige Kühl¬ 
kammern bergen die frischen Gemüse und Salate in stets 
gleicher Temperatur von einigen Grad Celsius; die Fische 
liegen in unter Null gehaltenem Raume für sich, ebenso das 
Fleisch, und der Weinkeller enthält eine Kellerbibliothek, die 
manchem das Auge feucht werden lassen mag! Das Restau¬ 
rant hat für alles seine eigenen getrennten Räume. Treten 
wir dann noch unter den kolossalen Warenaufzug dort unten 
und schauen empor nach der Höhe, aus welcher er mit Ladung 
herabzuschweben pflegt, so ist uns, als blickten wir an einem 
hohen Kirchturm empor: Wahrlich, Dimensionen von solch’ 

f igantischer Art, dass die Besichtigung dieses Zeugnisses von 
eutschem Unternehmungsgeist allein schon eine Reise lohnt! 
Wären wir nun im offenen Hafenbecken, so müssten wir 
Anker fallen lassen. Die sind vorne auf „der Back“. An 
Kettlein, bei deren Abrollen die Glieder tönen wie Doraglocken, 
sinken die zierlichen Dingerchen, deren jedes wohl eine halbe 
Waggonladung ausmacht, hinab ins Wasser, wenn sie gebraucht 
werden, getrieben von Dampfkraft, die sie auch später wieder 
einholt. An der Peer brauchen wir keine Anker fallen zu 
lassen. (Fortsetzung folgt.) 


möglichst langsam, ohne noch Liquor cerebrospinalis abfliessen zu 
lassen, je nach Alter, Kräftezustand und nuszuführender Operation, 
5 bis höchstens 7 ccm der 1 %igen Novokainlösung. Junge Indivi¬ 
duen und ältere Leute, die, entgegen der Annahme anderer, der 
Giftwirkung am meisten ausgesetzt erschienen, erhielten die 
kleinsten Mengen. Beckenhochlagerung liess man niemals folgen, 
im Gegenteil leichto Elevation des Oberkörpers. Selbst bei der 
niedrigsten Dosis (0,05 Novokain) reichte die anaesthetische Zone 
gewöhnlich schon bis Nabelhöhe. Die unangenehmen Nebenerschei¬ 
nungen waren wesentlich geringer als bei den höheren Konzen¬ 
trationen. Was die Verwendbarkeit der Lumbalanaesthesie be¬ 
trifft, so hält H. sie für am Platze, abgesehen ven Extremitäten¬ 
operationen, bei typischen Abdominaloperationen (Gastrostomose, 
Anus praeternaturalis, Ovariotomie, Appendektomie), wo aber 
kompliziertere Verhältnisse zu erwarten sind, glaubt er im Inter¬ 
esse des Patienten, der besonders ein intensiveres Hantieren am 
Peritoneum als sehr schmerzhaft empfindet, die Allgemeinnarkose 
anraten zu müssen. 

2. Erben, Prag: Ueber das proteolytische Ferment der 
Leucocyten und die Autolyse normalen Menschenblutes. 

Auf Platten, die aus mit physiologischer Kochsalzlösung ver¬ 
dünntem Serum hergestellt waren, war Verdauung durch Leuco¬ 
cyten bei 37,6° in einigen Stunden deutlich zu konstatieren, in¬ 
tensiver anscheinend bei solchen aus leucaemischem als aus normalem 
Blut. Versuche auf gleichen Platten mit normalem Menschenblut 
Hessen nach 25 tägiger Autolyse bei 37,6° und 3 tägiger bei 50° 
zwar keine Peptone, aber sicher Albumosen auffinden, womit die 
Autoproteolyse auch für normales Menschenblut nachgewiesen ist. 

3. Kraus, Prag: Zur Technik der Spirochaetenfärbung. 

K. empfiehlt Aufstrichpräparate nach Hoffmann - Halle durch 
Osmiumdämpfe zu fixieren, mit Giemsa zu färben und dann in 
30%iger wässriger Tanninlösung zu differenzieren. Dadurch 
werden Farbenstoffniederschläge beseitigt; die Spirochaeten nehmen 
einen rötlichen Farbenton an und heben sich scharf vom Unter¬ 
grund ab. So angefertigte Ausstrich präparate empfehlen sich be¬ 
sonders zu Demonstrationszwecken und da, wo es sich darum 
handelt, gewisse Anhaltspunkte über die Menge vorhandener Spiro¬ 
chaeten zu gewinnen. 

4. Stoffel, Heidelberg: Die Pseud&rthrose des Processus 
styloideus ulnae. 

Zwei Fälle, bei denen eine vor einem halben, resp. 20 Jahren 
stattgehabte Fraktur des Processus styloideus ulnae sich nicht 
konsolidiert hat; die Befunde wurden zufällig bei der Durchsicht von 
Radiogrammen gefunden. Durch die ihn umgebenden Bandmassen 
fixiert, steht der Processus mit der Ulna in bewegUcher Verbin¬ 
dung. Im einen Falle war die Beweglichkeit des Processus auch 
bei der Palpation deutlich nachzuweisen; für die Funktion der 
Hand hatte die Pseudarthrose keine nachteilige Bedeutung. Die 
in den anatomischen Verhältnissen gegebenen Ursachen, die die 
Konsolidation des abgesprengten Processus mit der Ulna verhin¬ 
dern, werden eingehend erörtert; durch geeignete therapeutische 
Maßnahmen ist die Wirkung der von der Natur gesetzten, einer 
knöchernen Wiedervereinigung ungünstigen anatomischen Verhält¬ 
nisse auszuschalten; bei entsprechender Verletzung ist ein die 
Skelettteile in geeigneter Weise gut fixierender Verband zu legen. 
Dies sollte stets geschehen, wenn auch nur ein leiser Verdacht 
auf eine Fraktur des Handgelenks hinweist; die Diagnose „Distor¬ 
sion“ des Handgelenks soll möglichst eingeschränkt werden. 

5 Mennacher, München: Perforation des Dnodennm durch 
eine verschlackte Haarnadel. 

Ein sechsjähriges Mädchen verschluckte eine Haarnadel, ohne 
dass sich wesentliche Beschwerden einstellten; genaue Beobach¬ 
tung während eines Monats liess eine Entfernung vermissen. Vier 
Monate später erkrankte das Kind einen Tag nach einem Fall 
mit peritonitischen Erscheinungen, die nach dem Befund als wahr¬ 
scheinlich vom Wurmfortsatz ausgehend angesehen wurden. Nach 
Einlieferung auf die chirurgische Abteilung besserte sich das Be¬ 
finden so auffällig, alle Symptome gingen völlig zurück, so dass 
von sofortiger Operation abgesehen wurde. Am andern Morgen 
bot das Kind das Bild einer allgemeinen Peritonitis; die sofortige 


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54 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nt. 5. 


Operation bestätigte dieselbe und ergab als Ursache eine Perfora¬ 
tion des Duodenums durch die Haarnadel. Die Autopsie zeigte 
neben der Perforationsöffnung noch Druck- und Arrosionsgeschwüre 
im Duodenum. Besonders bemerkenswert in dem Krankheitsver¬ 
lauf ist die, eine Reihe von Stunden nach Eintritt des Durch¬ 
bruchs erfolgte plötzliche Remission der vorher beobachteten 
schweren Symptome bis zu völligem Verschwinden derselben. 

6. Mayer, Simmern: Zur Höhe der Erwerbsbeachr&nkung 
nach Heilung eines Anus praeternaturalis. 

M. berichtet über eine Patientin , bei der bei Einklemmung 
einer Hernie ein Anus praeternaturalis angelegt werden musste, 
der aber zur völligen Ausheilung kam, worauf sich später ein 
Bauohbruch entwickelte, und erörtert die Abschätzungen der Er¬ 
werbsbeschränkung, wobei er sich gegen den Standpunkt aus¬ 
spricht, dass ein Anus praeternaturalis als Siechtum aufzufassen 
sei, selbst wenn er durch Operation geheilt wird. 

7. Lücke, Kolberg: Angeborene Fingergelenksankylose. 

Zufälliger Befund bei einem Kinde, ein Interphalangealgelenk 
eines Fingers betreffend. 

8. Je hie, Wien: Ueber die Rolle der Grubeninfektion beim 
Entstehen der Genickstarre. 

Gegenüber einer Kritik durch Lindemann (Nr. 44 d. W.) 
motiviert J. nochmals eingehend seinen Standpunkt, dass der 
Herd der epidemischen Genickstarre in den Grubengebieten die 
Arbeitsstätte des Bergmannes ist. 

9. Elken, Planegg: Ueber die bildliche Darstellung von 
Lungenbefunden. 

Im Anschluss an die Arbeit Besolds-Falkenstein (Nr. 45 d.W.) 
beschreibt E. die in der Volksheilstätte Planegg übliche Methode 
der bildlichen Darstellung des Lungenbefundes; er schliesst sich 
dem Wunsche an, dass die Lungenheilstätten auf eine gemeinsame 
bildliche Darstellung des Befundes sich einigen sollen, wodurch 
eine leichte und schnelle Verständigung gegeben würde. 

10. Siegel, Berlin: Was wissen wir über den Vacoina- 
erreger? 

Polemische Bemerkungen zu dem Aufsatze Paschens in Nr. 49 
d. W. 

Paschen: Antwort aut diese Bemerkungen. 

Nr. 1. 1907. 

1. Pfaundler, München: Ueber Wesen und Behandlung 
von Ern&hrungstörungen im Säuglingsalter. 

(Nicht abgeschlossen.) 

2. Soltmann, Leipzig: Die Säuglingssterblichkeit im 
Krankenhause. 

(Nicht abgeschlossen.) 

3. Schlossmann, Düsseldorf: Statistik und Säuglingsfür¬ 
sorge. 

Wenn auch für die erfolgreiche Gestaltung des Kampfes 
gegen die Säuglingssterblichkeit gewisse Grundlagen unentbehr¬ 
lich sind, in erster Linie Verbesserung des pädiatrischen Unter¬ 
richts und Vermehrung der für die Behandlung erkraukter Säug¬ 
linge besonders eingerichteten Anstalten , die zwei Grundgeboten: 
aseptischer Betrieb und Möglichkeit der Ernährung an der Frauen¬ 
brust, gerecht werden können, vorhanden sein müssen, so bietet 
doch die Entscheidung, welche Maßnahmen unter gegebenen Ver¬ 
hältnissen für die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit die ge¬ 
eigneten sind, grosse Schwierigkeiten und kann nie schematisch 
getroffen werden; alles muss sich von Fall zu Fall den vorliegenden 
Bedürfnissen und Verhältnissen anpassen. Das Kumulieren der 
Todesfälle während der heissen Sommermonate ist etwas für das 
Säuglingsalter und seine Letalität typisches; auffälliger Weise ist 
aber dieser Sommergipfel an verschiedenen Orten des Deutschen 
Reiches ganz verschieden hoch; die Gefährdung, die der Säug¬ 
ling durch die Hitze erfährt, differiert in den verschiedenen 
Städten in sehr merkwürdiger Weise. So ergibt ein statistischer 
Vergleich der Verhältnisse in München und Düsseldorf, dass, ob¬ 
schon München über doppelt so viel Einwohner hat als Düsseldorf, 


obsohon die gesamte Säuglingssterblichkeit in München wesent¬ 
lich höher ist als in Düsseldorf, doch in Düsseldorf im August 
absolut fast ebenso viele Säuglinge sterbenJals in dem doppelt so 
grossen und an und für sich gefährdeteren München. Klimatische 
Unterschiede, Wohnungsverhältnisse etc. reichen für diese eigen¬ 
tümlichen Tatsachen zur Erklärung nicht aus. Als praktische 
Folgerung aus diesen statistischen Ergebnissen ergibt sich: in 
Düsseldorf muss die Sommersterblichkeit bekämpft werden, der 
Angriff ist gegen einen zeitlich bestimmten Punkt zu richten 
(eine „Flucht ins Freie“ nach Meinert, ein Flusssäuglingsheim 
auf dem Rhein wird in Aussicht genommen); in München ist der 
Kampf gegen ganz andere, das ganze Jahr hindurch wirkende 
Momente zu richten. Interessante Ergebnisse gibt auch eine 
andere Statistik, die Geburtenhäufigkeit und Säuglingssterblich¬ 
keit für eine grössere Zahl deutscher Städte in Vergleich bringt. 
Dieselbe zeigt, entgegen der sonst geltenden Ansicht, dass diese 
beiden Faktoren keineswegs überall in direkter Beziehung stehen. 
Diese überraschende Tatsache findet zu einem guten Teil ihre 
Erklärung durch Heranziehung einer Statistik über die Höhe der 
ausserehelichen Geburten, die ja eine erheblich grössere Sterblich¬ 
keit aufweisen als die ehelichen. Geburtshäufigkeit und Illegitimi¬ 
tätskoeffizient üben einen bestimmenden Einfluss auf die Zahl der 
wieder absterbenden Säuglinge aus, bald in ein und derselben 
Richtung verhängnisvoll wirkend, bald gegeneinander sich die 
Wage haltend. 

4. Essei, Bonn: Die Mütterberatungsstelle und S&uglings- 
milchküche der Stadt Bonn. 

5. Doerffler, Weissenburg: Die SftuglingsfÜrsorgestelle in 
Weissenburg i. Bayern. 

Eingehende Darlegungen der Ziele, Einrichtungen, des Be¬ 
triebes, der Erfolge der betreffenden Anstalten. 

6. Fraenkel: Der Nachweis des Toxins im Blute des 
Diphtheriekranken. 

Uffenheimer hat in mehreren Fällen durch Injektion von Blut¬ 
serum von Diphtheriekranken bei Meerschweinchen toxische Er¬ 
scheinungen auftreten sehen und daraus geschlossen, dass freies 
Toxin im Blute dieser Diphtheriker kreist, dessen schnelle Ab¬ 
sättigung durch Heilseruminjektion besonders geboten erscheine. 
F. hat diese Versuche nachgeprüft, hat aber niemals die geringsten 
Veränderungen bei den Meerschweinchen gefunden , die auf eine 
örtliche Einwirkung des eingespritzten Serums hätten schliessen 
lassen. Er glaubt deshalb nicht, dass die Ansammlung des Giftes 
der Löfflerschen Stäbchen im Blute des von Diphtherie ergriffenen 
Menschen eine so erhebliche ist, um sich bei der Uebertragung 
kleiner Mengen des Serums auf Meerschweinchen zu erkennen zu 
geben. Von einer Verwendung des in Rede stehenden Verfahrens 
für praktische Zwecke kann nicht die Rede sein. 

7. Klapp, Bonn: Ueber Luftmassage. 

Mit Hilfe des Luftstromes lässt sich auf die Haut ein Druck 
ausüben, der eine sehr energische Hyperaemie zur Folge hat. K. 
hat einen ventilatorartigen Apparat konstruieren lassen, der einen 
starken Luftstrom erzeugt, der durch ein bewegliches Ansatzrohr 
beliebig hin- und hergeführt werden kann, und die Anwendung 
kalter oder warmer Luft ermöglicht. Die Einwirkung des Luft¬ 
stromes auf die Haut ruft eigenartige, nicht gekannte Gefühle 
hervor, es ist eine richtige Massagewirkung, die sich aber von 
der bisher gebrauchten Haudmassage dadurch unterscheidet, dass 
jede fühlbare Reibung wegfällt. Die starke Wirkung der reibungs¬ 
losen Massage lässt sich überall da anwenden, wo bisher Hand¬ 
massage für richtig gehalten wurde. Bei schmerzhaften Leiden, 
z. B. frischen Frakturen kommt die völlige Schmerzlosigkeit der 
Luftmassage [ besonders zu* statten. Frische Frakturen können 
sofort der Luftmassage unterworfen werden, ohne dass man zu 
besorgen brauoht, dass die reponierte Fraktur wieder in eine 
fehlerhafte Stellung zurückgeführt wird. Nach Entzündungen zu¬ 
rückgebliebene Infiltrate hat K. mit dem Luftstrom behandelt 
und in kurzer Zeit zum Schwinden gebracht. Durch schnell 
wechselnde Unterbrechungen des kontinuierlichen Stromes lässt 
sich auch mit dem Luftstrome eine Vibrationsmassage erzielen. 

8. Kraus, Marburg: Ueber die Beziehungen der Orbitae 
zu den Foesae pterygo-palatinae. 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


55 


Wahrend die Beziehungen der Nebenhöhlen zu Erkrankungen 
der Orbitae eine eingehende Würdigung erfahren haben, sind die 
Fossae pterygo - palatinae bisher sehr stiefmütterlich behandelt 
worden. K. erörtert eine Reihe von Möglichkeiten, wie solche 
Beziehungen von wesentlicher Bedeutung, besonders durch die 
Verhältnisse der Fissura orbitalis inferior mit spezieller Rück¬ 
sicht auf die Ableitung des venösen Blutes aus der Orbita ge¬ 
geben sein können, und wie deren eingehenderes Studium viel¬ 
leicht für manche noch dunklen Punkte der Ophthalmologie Klärung 
bringen könnte. 

9. Burckhart und Polano, Würzburg: Die Füllung der 
Blase mit Sauerstoff zum Zwecke der Cystoskopie und Radio¬ 
graphie. 

Eine cystoskopiscbe Untersuchung kann gelegentlich daran 
scheitern, dass die Blase der Patienten entweder nicht die zur 
Cystoskopie nötige Minimalmenge von Flüssigkeit zu halten ver¬ 
mag, oder dass infolge von dauernder Blutung oder eitriger Ab¬ 
sonderung die Flüssigkeit sich sofort trübt und ihre Durchsichtig¬ 
keit verliert. In solchen Fällen empfehlen Verf. die Entfaltung 
der Blase mit Gasen vorzunehmen, wozu am besten chemisch 
reiner, keimfreier Sauerstoff zu verwenden ist. Die Technik der 
Sauerstofffüllung ist eine sehr einfache; mittels Katheters wird 
die Blase entleert und dann durch denselben der Sauerstoff in¬ 
jiziert, den man aus einer Wasserstoffsuperoxydlösung gewinnt, 
in die eine als Katalysator dienende Kalium-hypermangan-Pastille 
kommt. Die Quantität des im einzelnen Falle nötigen Sauerstoffs 
lässt sich allgemein ebensowenig wie für Flüssigkeitsfüllung angeben. 
Das Verfahren soll die klassische Methode der Cystoskopie nie¬ 
mals ersetzen; es wird aber wohl in schwierigen Fällen die Cysto¬ 
skopie erleichtern können. 

10. Kromayer, Berlin: Die Behandlung der gonorrhoischen 
Posteriocystitis seitens des praktischen Arztes. 

An Stelle der vorzüglich wirksamen, aber für den Praktiker 
Schwierigkeiten bietenden Höllensteininfiltrationen nach Guyon und 
Ultzmann empfiehlt K. für die lokale Behandlung der Posterio¬ 
cystitis Einspritzungen von 2 — 3%igen Albarginlösungen mittels 
eines gewöhnlichen, graden Seidenkatheters mit Mercierscher Ab¬ 
knickung in folgender Weise: Der Seidenkatheter wird in die 
Blase eingeführt, der Urin entleert; dann spritzt man mit einer 
Spritze 5 — 20 ccm der Lösung ein, entfernt die Spritze vom An¬ 
satz des Katheters, lässt einige Tropfen abfliessen, zieht den 
Katheter zurück, bis das Abfliessen der Lösung auf hört; dann 
befindet sich das Auge des Katheters sicher im Blasenhals, und 
nun werden nochmals 5 — 20 ccm injiziert. Als beste Konzentra¬ 
tion der Lösung hat sich eine 3 % ige ergeben, die sehr wirksam 
ist und keinerlei Reizerscheinungen macht; die Injektionen alle 
zwei Tage wiederholt, bringen die Posteriocystitis in ein bis zwei 
Wochen zur Heilung. Wo eine lokale Behandlung wegen zu 
grosser Schmerzhaftigkeit, die die Einführung eines Instrumentes 
nicht erlaubt, nicht möglich ist, empfiehlt sich Bettruhe kombiniert 
mit energischer Durchspülung mittels grosser Mengen Bärentrauben- 
blätterthee (5—10 Liter pro Tag). Bei ambulanter Behandlung 
wird man für die interne Therapie zu den Balsamicis greifen 
müssen; hier hat sich K. ganz besonders das Santyl bewährt in 
grossen Dosen, bis zu dreimal täglich 60 Tropfen, das nie unan¬ 
genehme Erscheinungen von Seiten des Magens hervorruft. 

11. Isemer, Halle: Zwei Fälle von Ohrschwindel, durch 
Operation geheilt. 

Beide Patienten hatten viele Jahre ohne besondere Be¬ 
schwerden an chronischer Mittelohreiterung gelitten, hochgradiges 
Schwindelgefühl, das beim einen ganz plötzlich in apoplexieähn¬ 
lichen Anfällen, beim andern in plötzlicher Verschlimmerung eines 
bestehenden leichten Schwindelgefühls einsetzte, führte sie in die 
Klinik. Bei der Totalaufmeisselung wurde neben ausgedehnter 
Karies in allen Mittelohrräumen dickes Granulationspolster um 
Ambos und in der Steigbügelgegend gefunden. Der Erfolg der 
Operation war in beiden Fällen ein sehr prompter und günstiger. 
Das plötzliche apoplexieähnliche Eintreten des Schwindels, die 
rapide Zunahme, der prompte Heilerfolg unmittelbar nach der 
Operation, stellen etwas Ungewöhnliches dar. Als Ursache des 
Schwindels ist wohl nur eine Drucksteigerung anzusehen. 


12. Mann, Ludwigshafen: Heber Behandlung von Magen- 
und Darmblutungen mit flüssiger Gelatine. 

Einem Vorschläge Cohns folgend (Therapie der Gegenwart, 
1905, S. 420) hat M. mehrere Fälle von Magen-Darmblutungen 
mit flüssiger Gelatine nach der dort gegebenen Anweisung unter 
Zusatz von 2 g Acid. citric. und 20 g Sir. cort. aur. auf 200 g 
Mixtur behandelt. Die Fälle betrafen Blutungen bei Ulcus ven- 
trikuli, Typhus und Intestinaltuberkulose. Die Wirkungen der 
innerlich gereichten flüssigen Gelatine waren so prompte und 
eklatante, dass an dem ursächlichen Zusammenhang nicht zu 
zweifeln ist, und dass die Medication die weiteste Anwendung 
verdient. Selbst in der heissesten Jahreszeit hielt sich das Mittel 
während einiger Tage gut, und wurde von allen Patienten gern 
genommen. 

13. Karl v. Pfeufer. Zur Erinnerung an seinen hundertsten 
Geburtstag. Von einem ehemaligen Assistenten. 

Deutsche med. Wochenschrift. No. 52. 1906. 

1. Sittmann, München: Die Behandlung der Anaemien. 

Ersatz für die Verminderung des Gesamtblutes, wie sie am 

stärksten bei posthaemorrhagischen akuten und chronischen Anae¬ 
mien auftritt, wird erzielt durch Transfusion menschlichen Blutes, 
oder durch subkutane Kochsalzinfusionen. Der Ersatz des Haemo- 
globins erfordert die Zufuhr von Eisen; da Fe. im Darme sowohl 
aus anorganischen, als auch aus organischen Verbindungen resor¬ 
biert wird, ist die Wahl des Eisenpräparates gleichgültig; wichtig 
ist nur, dass eine Störung des Appetits, Beeinträchtigung des 
Magens vermieden wird. Um Einfluss auf die blutbildenden 
Organe zu gewinnen, wird Arsen verordnet, innerlich am besten 
in Form der Fowlerschen Lösung, oder arsenhaltige Mineralwässer, 
subkutan als Natr. cacodylic. Für die Behandlung der Leucaemie 
kann mit Erfolg die Röntgenbestrahlung herangezogen werden. 
Eine wichtige Aufgabe bei der Behandlung der Anaemien ist die 
allgemeine Diätetik. Grosse Erfolge sind durch Schonung und 
Ruhe, am besten absolute Bettruhe durch mehrere Wochen, zu 
erzielen; ist dadurch Besserung des Blutbefundes erreicht, können 
Badekuren in Stahlbädern, an der See, im Gebirge angeschlossen 
werden. Die Ernährung soll eine reichliche sein, am besten gilt 
gemischte Kost unter reichb'cher Verwendung frischer Vegetahilien, 
Gemüsen, Obst; die Verteilung der Nahrungszufuhr auf fünf 
Mahlzeiten am Tage ist zu empfehlen; als Eiweissträger dienen 
Fleisch und Eier in jeder Form, Fett wird als Butter und Oel 
zugeführt; Milch soll nicht in zu grosser Menge gegeben werden, 
Alkohol ist völlig zu entbehren. Die Regulierung der Darmtätig¬ 
keit ist von grosser Bedeutung. Hydrotherapeutische Maßnahmen 
sollen auf milde Applikationen beschränkt bleiben, Massage ist 
im allgemeinen zu entbehren. Allzu grosser Aktivität, therapeu¬ 
tischer Vielgeschäftigkeit soll man sich enthalten. 

2. Albu, Berlin: Zur Frühdiagnose des Magencarcinoms. 

Der Begriff „Frühdiagnose“ beim Magenkrebs ist zu fassen 
als „Erkennung der Krankheit vor Nachweis eines palpablen 
Tumors“. Von grosser Bedeutung hierbei sind Körpergewichts¬ 
verluste, welche in geringem, aber ununterbrochenem Maße weiter¬ 
gehen, trotz zweckmäßiger und reichlicher Ernährung. Ihre Kon¬ 
statierung rechtfertigt die Annahme eines den Körperbestand 
schnell zersetzenden Krankheitsprozesses, wofür bei chronischen 
Erkrankungen nur das Krebsgift in Betracht kommt. Solch lang¬ 
sam , aber immer weiter fortschreitender Gewebszerfall lässt sich 
sowohl beim Fundus- wie beim Pyloruscarcinom bei sorgfältiger 
Beobachtung rechtzeitig erkennen. Die Magenfunktionsprüfung 
ergibt bei den beiden Formen verschiedene Resultate; beim Fun- 
duscarcinom anfangs gute Motilität, Fehlen der freien Salzsäure 
im schlecht chymifizierten, oft mit Blutstreifen durchsetzten 
Mageninhalt — also das Bild 'der atrophierenden chronischen 
Gastritis; beim Pyloruscarcinom dagegen frühzeitig herabgesetzte 
Motilität, überschüssige Salzsäuremengen im gut chymifizierten 
Nahrungsrückstande, also im wesentlichen'das Bild'der^Pylorus- 
stenose. Fortlaufende Ergebnisse der Magenfunktionsprüfung mit 
genauer Verfolgung des Körpergewichts lassen zuweilen eine wirk¬ 
liche Frühdiagnose erreichen, wie an’einigen, nachher durch die 
erfolgreiche Operation verifizierten Beispielen gezeigt wird. 


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56 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 5. 


3. Vogel, Dortmund: Eine einfaohe Vorrichtung zur Unter¬ 
stützung der Bardenhanerschen Extensionsbehandlnng der Frak¬ 
turen. 

Die zum Ausgleich der Dislokation des oberen Bruchstückes 
bei Oberschenkel frakturen erforderliche starke Abduktion sichert 
Bardenhauer durch Leitung der Schnur des Extensionsverbandes 
über das Nachbarbett. V. gibt eine einfache Vorrichtung an, die 
am Bett des Patienten befestigt werden kann und diesem Not¬ 
behelf abhilft. Auch für die schräg nach oben gerichtete Exten¬ 
sion des Armes bei Fraktur des Collum chirurgicum erweist sich 
dieselbe als brauchbar. 

4. Barth, Berlin: Ein neues Pharynxtonsillotom. 

B. hat die Vorzüge des Schützeschen Instruments, bei dem 
das Messer in einer schlittenartigen Führung, deren Krümmung 
der des Ueberganges des Rachendachs in die hintere Rachenwand 
entspricht, gleitet, mit der Handlichkeit des Beckmannschen Mo¬ 
dells zu vereinigen gesucht, indem er unmittelbar unterhalb des 
viereckigen Rahmens das Instrument auf die Breite eines Stieles 
verschmälerte. Diese Verschmälerung gelang, nachdem das Messer 
durch einen besonderen Spiraldraht, welcher sich um winklige 
Biegungen herumführen lässt, ohne dabei die Fähigkeit gleich¬ 
mäßigen Gleitens' zu verlieren, vor- und rückwärts geschoben 
werden kann. Mit diesem Instrument kann nur das abgetrennt 
werden, was innerhalb des Rahmens zu liegen kommt; deshalb 
sind gröbere Schleimhautverletzungen der Umgebung und tieier 
greifende Verletzungen der Unterlage der Wucherung ausge¬ 
schlossen. 

5. Martin, Magdeburg: Zur Technik der Saugbehandlung 
bei Nasenleiden. 

M. empfiehlt eine Glasolive, die mit einem Rezeptaculum 
versehen und mit einem Stiel armiert ist, mit dem der Patient 
sie fest gegen den Rand des Nasenlochs drücken kann; dadurch 
wird leicht luftdichter Abschluss herbeigeführt; zudem ist der 
Sauger leicht zu sterilisieren. 

6. Kl ose, Strassburg: Ueber komplizierende haemorrha- 
gische Diathesen bei Scharlach, nebst Bemerkungen zur Gela¬ 
tinetherapie. (Schluss aus Nr. 51.) 

Ausführliche Darlegung eines Scharlachfalles, bei dem sich 
an ein leichtes petechiöses Exanthem eine schubweise exazerbierende 
und remittierende haemorrhagische Diathese anschloss. Durch den 
exquisit chronischen Verlauf in bisher als gutartig bekannten 
Formen wurde dem Organismus die Fähigkeit geraubt, die infolge 
In- und Extensität der Blutungen gesetzten Alterationen zu 
regenerieren, so dass er an irreparablen Schädigungen zu Grunde 
ging. Die Modalitäten des Eintritts und die Reihenfolge der 
haemorrhagischen Affektionen ergibt die Berechtigung, sie in den 
fundierten Begriff einer Scharlachkomplikation einzureihen, anderer¬ 
seits die symptomatologische Zusammengehörigkeit der essentiellen 
wie secundären haemorrhagischen Diathesen. Sehr bemerkenswert 
war der glänzende symptomatische Effekt subkutaner Gelatine¬ 
injektionen. 

Nr 1. 1907. 

1. Fraenkel, Berlin: Die Behandlung der exsudativen 
Pleuritis. 

Der im Beginn vorherrschende Schmerz wird bekämpft durch 
Narkoti ca, Kälteapplikation, event. Schröpf köpfe. Der fortschrei¬ 
tenden Ausschwitzung Einhalt zu tun, kann nur die künstliche 
Entleerung des Exsudates dienen. Der Punktion hat eine Probe¬ 
punktion vorauszugehen, die die Stelle fixiert, an der der zur 
Entleerung dienende Troicart eingestochen werden muss, die be¬ 
quem Aufschluss über die Natur des Ergusses gibt, und die noch 
den weiteren Vorteil hat, dass^ bisweilen sie allein die Resorption 
in energischer Weise anregt. Zur Feststellung abgesackter Er¬ 
güsse ist die Probepunktion unentbehrlich. Die Thoracocentese 
und Aspiration wird entweder nach dem Heberverfahren oder mit 
Vacuumapparaten vorgenomraen. Bei grossen Ergüssen punktiert 
man [am besten^bei Rückenlage in der Seite zwischen Mammillar- 
und ^vorderer Axillarlinie, rechts im vierten, links im fünften 
Intercostalraum; sonst wird im Rücken eingestochen, im sechsten 
bis achten Intercostalraum. Auch bei grossen Exsudaten soll man 


nicht mehr als 2—2*/, 1 auf einmal entnehmen, unter allen Um¬ 
ständen aufhören, wenn nicht zu unterdrückende Hustenanfälle, 
starker Schmerz in der Brust auftreten, oder der Puls schwach 
wird. Nach der Aspiration empfiehlt sich die Verordnung von 
Diureticis, daneben Hautreize in Form von Jodapplikationen. Die 
Zahl der Kontraindikationen ist relativ gering; Herzkrankheiten, 
Lungentuberkulose haben nicht unbedingt als solche zu gelten. 
Vorgeschrittene Lungentuberkulose, sonstige ulceröse Prozesse 
mahnen zu grosser Vorsicht; bestimmte Tumorbildungen der 
Pleura werden durch Punktionen ungünstig beeinflusst. Die 
Thoracocenthese soll frühzeitig vorgenommen und nicht mehr 
wie früher die Indikatio vitalis abgewartet werden. Der Früh¬ 
entleerung der Ergüsse ist es zuzuschreiben, dass auf Schwarten¬ 
bildung beruhende Schrumpfungszustände der Lunge nach Pleu¬ 
ritis zu einem relativ seltenen Vorkommnis zählen. Verhältnis¬ 
mäßig lockere Adhaerescenzen, die sich auch nach der Frühpunk¬ 
tion bilden können, sind einer allmählichen Dehnung durch 
methodische Atemgymnastik leicht zugänglich. 

2. Jürgens, Berlin: Ueber typhus&hnliche Erkrankungen. 

(Nicht abgeschlossen.) 

3. Pels-Lousden, Berlin: Ueber Sehnengeschwülstchen 
bei Kindern. 

Zwei Fälle von Stellungsanomalie des Daumens mit dem 
Symptom des Schnellens bei Kindern, als deren Ursache die Pal¬ 
pation einen Knoten in der Sehne des Flexor pollicis longus er¬ 
gab; die Operation zeigte eine spindelförmige, in der Substanz 
der Sehne gelegene Anschwellung. Die mikroskopische Unter¬ 
suchung ergab, dass es sich um einen Prozess handelte, der mit 
den Gefässen in direktem Zusammenhang steht, sich teilweise auf 
die Bildung von Gefässschlingen beschränkt, teilweise zur Bildung 
eines lockeren, adventitiellen Bindegewebes im Bereiche der 
jüngeren Gefässe führt; ein entzündlicher Prozess und Tuber¬ 
kulose Hessen sich ausschHessen. Therapeutisch kommt allein die 
operative Entfernung dieser leicht diagnostizierbaren Verdickungen 
in Betracht, die bei nötiger Vorsicht Gefahren nicht bietet, dabei 
aber ein sicheres und dauerndes Heilresultat'gibt. 

4. L a n d o i s, Greifswald: Ein Beitrag zur klinischen und 
forensischen Beurteilung der chronischen Meningoencephalitis 
tuberculosa. 

Die Tuberkulose der weichen Hirnhaut tritt in dreierlei ver¬ 
schiedener Form auf: Durchsetzung der Leptomeninx mit sub¬ 
miliaren und miliaren Tuberkelknötchen, Solitärtuberkel der Pia 
mater, Meningoencephalitis chronica tuberculosa. Bei der letzteren 
Form kommt es zu einer circumscripten herdförmigen Entzündung 
der Pia an der Convexität, meist im Bereich des motorischen 
Rindenzentrums; die weiche Hirnhaut wird stark verdickt, Exsudat 
häuft sich nicht an; infolge der schlechten Ernährung kommt es 
allmählich zu einer Zerstörung der daruntergelegenen grauen Hirn¬ 
substanz; erst wenn diese stärker gelitten, tritt die bis dahin 
völlig schleichend verlaufende Krankheit in die Erscheinung unter 
den Symptomen einer schnell auftretenden Lähmung oder partiellen 
Epilepsie. L. berichtet über den Autopsiebefund eines solchen 
seltenen Falles. Der betr. Patient, der früher an Krämpfen ge¬ 
litten haben soll, erkrankte nach einem Fall auf den Hinterkopf 
mit heftigen Kopfschmerzen und ging in wenigen Wochen unter 
Erscheinungen einer tuberkulösen Meningitis zu Grunde. Die 
Autopsie ergab neben älteren tuberkulösen Prozessen in den 
Lungen und im Darm interessante^Veränderungen an den Hirn¬ 
häuten. An der Basis findet sich am Chiasma und an der Brücke 
dickes eitriges Exsudat der weichen Hirnhaut, in den Fossae 
Sylvii ist sie mit glasigen miliaren* Knötchen durchsetzt. Die 
Konvexität zeigt rechts an einer zweimarkstückgrossen Stelle Dura 
und Pia fest verwachsen; letztere ist in eine narbige, undurch¬ 
sichtige fibriöse Platte verwandelt, unter der eine Unterscheidung 
der Sulci und Gyri nicht möglich ist. Die Deutung der Befunde 
muss offenbar die sein , dass von den Herden der Lunge aus die 
tuberkulöse Convexität meningitis 'erzeugt wurde; diese entwickelte 
sich in sehr langsamer Weise, zeigte keine Neigung zur Ver¬ 
käsung, sondern führte zur Narbenbildung, in die Teile der Gross¬ 
hirnrinde hineinbezogen wurden. Durch das Trauma ist die latente 
Tuberkulose der Hirnhaut. wahrscheinUch wieder manifest ge¬ 
worden und hat zu der frischen basalen Meningitis geführt, der 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


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der Patient erlag. Vom forensischen Gesichtspunkte ist der Fall 
besonders interessant, da er zeigt, dass eine bis zum Verschwinden 
aller Symptome geheilte tuberkulöse Gehirnhautentzündung durch 
ein Trauma wieder aufflackern und in ein akutes tötliches End¬ 
stadium übergeführt werden kann. 

5. Pfister, Heidelberg: Beitrag zur internen Behandlung 
der Appendicitis. 

(Nicht abgeschlossen.) 

6. Jacoby, Göttingen: Zur Frage der mechanischen Wir¬ 
kungen der Luftdruckerniedrigung auf den Organismus. 

Der Einfluss des vermindernden Luftdrucks auf die Gelenke 
und Bewegungsvorgänge wird meist als zu gering angesehen, als 
dass ihm eine praktische Bedeutung beizumessen wäre. Es ist 
jedoch anzunehmen, dass auch ein geringes Auseinanderweichen 
der Gelenkflächen bei Herabsetzung des Druckes reflektorisch zu 
der Tendenz eines Ausgleiches durch Muskelzug führen wird; die 
dadurch veranlasste allgemeinere gesteigerte Inanspruchnahme von 
Muskelarbeit, die sich bei der mangelnden 0.-Versorgung in 
grösseren Höhen doppelt bemerkbar macht, dürfte einen Teil der 
auf letztere allein bezogenen Erscheinungen der Höhenkrankheit 
verursachen. In geringeren Höhen ist von der Verminderung 
des Druckes, infolge der geringeren Pressung der Gelenkflächen 
aufeinander, eine Erleichterung der Bewegungen zu erwarten, wie 
sich das auch in dem Gefühl der grösseren Bewegungsfähigkeit, 
wenn man zu Höhen von 1000 — 2000 m emporsteigt, ausprägt. 
Wichtig für den Organismus erscheint aber ein direkter physi¬ 
kalischer Einfluss der Luftdruckverminderung auf Atmung und 
Zirkulation. Dass und wie ein solcher za stände kommt, wird 
durch schematische Versuche gezeigt, die einen wichtigen Faktor, 
den Blutdruck in den arteriel'en Gefässen, welcher durch die 
vom Luftdruck unabhängige Herztätigkeit unterhalten wird, be¬ 
rücksichtigen. Mit Herabsetzung des Luftdrucks tritt eine stärkere 
Füllung der Lungengefässe ein; das die Lunge durchströmende 
Blut verweilt länger in derselben. Das kann für das Lumen der 
Alveolen, für den Gaswechsel in ihnen, für die Dehnungsfähig¬ 
keit des Lungengewebes und die gesamte Blutverteilung im 
Körper nicht ohne Einfluss sein; die bessere Durchblutung der 
verschiedenen Teile der Lunge muss von wesentlichem Einfluss 
auf krankhafte Vorgänge in derselben sein. Auch auf den grossen 
Kreislauf kann eine Veränderung des Luftdrucks einwirken; eine 
Verminderung desselben muss eine Herabsetzung der gesamten 
Blutmenge im Arteriensystem, Sinken des Blutdrucks und eine 
entsprechende Blutansammlung im Venensystem herbeiführen. Der 
Einfluss der Luftdruckveränderung auf die Zirkulation im kleinen 
and grossen Kreislauf bietet eine Erklärung für eine grosse Zahl 
von Erscheinungen des mittleren Höhenklimas und dort beobach¬ 
teter Heileffekte. 

7. Pick, Prag: Heber akustische und optisch-motorische 
Folgeerscheinungen von Krampfanfällen. 

Während Reizerscheinungen im akustischen Gebiet, analog 
den Krampferscheinungen des epileptiformen Anfalls der Dementia 
paralytica, also einseitige Gehörshallucinationen, im Gefolge solcher 
Anfälle schon mehrfach beschrieben sind, sind Ausfallserschei¬ 
nungen in jenem Gebiet als Folge paralytischer Anfälle bisher 
nur in Form gestörten Sprachverständnisses beobachtet. Bei der 
Häufigkeit der Hemianopsie, also des vollständigen Ausfalls in 
dem betreffenden Gebiet, ist es auffallend, dass etwas analoges 
ira akustischen Gebiet bisher nicht zur Beobachtung gekommen. 
P. glaubt, dass das nur daran liegt, dass den Störungen des Ge¬ 
hörs zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden ist, und be¬ 
richtet über einige eigene einschlägige Beobachtungen. 

8. Engel, Budapest: Ueber Röntgenschädigungen in der 
medicinischen Radiotherapie. 

Neben äusseren Läsionen durch Röntgenstrahlen und anato¬ 
mischen Läsionen bestrahlter Organe kommen auch funktionelle 
Störungen, Fernwirkungen der Strahlen vor, die erst nach dem 
therapeutischen Gebrauch der Röntgenstrahlen, in der internen 
Medicin eine grössere Bedeutung gewonnen haben. Hierher ge¬ 
hört das Auftreten von Kopfschmerzen, Schwindel, Unwohlsein, 
Schwächegefühl, wie es von mehreren Seiten beobachtet wurde. 
Besonders nach Bestrahlungen von Leukaemie und Pseudoleukaemie 


sind Symptomenkomplexe beobachtet worden, die als Toxaemie 
angesprochen werden müssen. E. berichtet über einon derartigen 
Fall, wo unter hohem Fieber, Diarrhoen, Herzschwäche, Kollaps 
der Exitus eintrat. Zur Vermeidung der durch Röntgenstrahlen 
bedingten Schädigungen soll man nicht länger als zwei Minuten 
bei 20 cm Lampenabstand bestrahlen, bei therapeutischer Be¬ 
strahlung exquisit harte Röhren gebrauchen; sorgsamer Schutz 
der Nachbarschaft bei möglichster Beschränkung der bestrahlten 
Fläche ist erforderlich; die Reaktionsfähigkeit des Kranken gegen¬ 
über den Strahlen muss sorgfältig überwacht werden: nach einigen 
Bestrahlungen sind Pansen einzuschalten und bei der mindesten 
unangenehmen Nebenwirkung die Behandlung auf längere Zeit 
einzustellen. 

9. Cohn, Bern: Ein Fall von paranrethraler Gonorrhoe. 

Krankengeschichte eines Patienten, der zunächst eine isolierte 
Gonorrhoe eines hinter dem Frenulum bestehenden Ganges acqui- 
rierte, von wo erst viel später die Urethra infiziert wurde; nach 
der Heilung Reinfektion von der während der ersten Erkrankung 
infizierten und noch nicht völlig geheilten Frau. Bemerkenswert 
sind die histologischen Ergebnisse, die die Untersuchung eines 
aus dem Gang exzidierten Knotens bot. Der Gang ist mit hoch¬ 
geschichtetem Zylinderepithel ausgekleidet; dazwischen sind hier 
und da Inseln mit geschichtetem Plattenepithel eingelagert; auf 
diesem finden sich Gonococcen, während das zylindrische Epithel 
überall frei von demselben ist. Dieser Befund entspricht ganz 
dem von Bumm bei der chronischen Uterusgonorrhoe erhobenen. 
Danach ist anzunehmen, dass in einem ursprünglich mit Zylinder¬ 
epithel ausgekleideten Organ durch die Invasion der Gonococcen 
eine Metaplasie zu geschichtetem Pflasterepithel zu stände kommt, 
dass dieses sich weiterhin wieder in normal aussehendes Zylfnder- 
epithel zurückverwandelt, und dass nur einzelne Stellen metapla- 
siert bleiben, auf denen die Gonococcen weiter vegetieren können; 
die wieder morphologisch normal gewordenen Zylinderepithelien 
haben wahrscheinlich eine Immunität gegen die Gonococcen, da 
sie trotz deren Vorhandensein im Lumen und auf den dicht be¬ 
nachbarten Epithelien von ihnen nicht attackiert werden. Warum 
einzelne Inseln von Pflasterepithel mit Gonococcen bestehen bleiben, 
ist nicht zu entscheiden; bei Ablauf der Gonorrhoe zur Heilung 
werden voraussichtlich auch diese Inseln wieder normales Epithel 
haben. Dass die chronische Gonorrhoe durch besonders tiefe In¬ 
vasion der Gonococcen bedingt, resp. unterhalten werde, ist nach 
den Befunden Bumms und Verf.s nicht richtig; die Gonococcen 
fanden sich stets nur auf den Plattenepithelinseln. Dement¬ 
sprechend gelingt es auch oft genug bei chronisch gonorrhoischen 
Prozessen, die Gonococcen definitiv zu beseitigen; wo dies Ziel 
nicht schnell genug erreicht wird, sind Gonococcenherde in unzu¬ 
gänglichen Krypten, Drüsengängen etc. anzunehmen, in denen 
aber auch nur eine an sich oberflächliche epitheliale Infektion vor¬ 
handen zu sein braucht. 

10. Laqueur, Berlin: Ueber Sauerstoffbäder (Sarasonsche 
Ozetbäder). 

Die Sauerstoffentwicklung erfolgt bei diesen Bädern iu sehr 
feinen Bläschen, die kleiner sind als die im Kohlensäurebad vor¬ 
handenen, und somit vermöge ihrer grösseren Zahl einen erheb¬ 
licheren mechanischen Reiz auf die Haut auszuüben im stände 
sind. Lebhaftes Gefühl des Prickelns gibt sich bei den Patienten 
kund, die Pulszahl kann in erheblicher Weise herabgesetzt werden, 
dagegen ist der Blutdruck weniger alteriert, als bei den Kohlen¬ 
säurebädern. Mit diesen sind die Ozetbäder nicht ohne weiteres 
zu vergleichen. Der durch das lebhafte Moussieren ausgeübte 
mechanische Reiz auf die sensiblen Hautnerven, der reflektorisch 
auch auf die Herzaktion verlangsamend wirkt, ist wohl als das 
hauptsächlich wirksame Moment bei den letzteren anzusehen. Sie 
eignen sich besonders für neurasthenische Patienten, namentlich 
solche, die an Paraesthesien der Haut leiden; dann wegen der 
allgemein beruhigenden Wirkung für nervöse Aufregungszustäude, 
Schlaflosigkeit; weiter sind sie mit Erfolg zu verwenden bei 
tabischen Paraesthesien, bei Herzkranken, besonders bei der Tachy- 
cardie. Die Technik des Bades ist sehr einfach; jede Badewanne 
kann benutzt werden; die Temperatur soll 34 — 32°C betragen. 
Im Wasser wird zunächst Natriumhyperboratsalz aufgelöst, als¬ 
dann steigt der Patient in die Wanne, worauf als Katalysator 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 5. 


wirkendes Manganborat zugesetzt wird; dann beginnt gleich ein 
lebhaftes Moussieren, das 15 — 20 Minuten anhält. Die Ozet-Bäder 
sind zu beziehen von L. Eikau, Berlin. 

Berliner klinische Wochenschrift. No. 52. 

1. Frankel, Berlin: Die Entwicklung der Lehre von der 
Ozaena. 

Nach dem Vorschläge F.’s ist seiner Zeit der Name Ozaena, 
womit man bis dahin jede Krankheit bezeichnete, die einen Ge¬ 
stank in der Nase erzeugte, auf die atrophierende Form des 
Katarrhs mit Borkenbildung beschränkt worden. Die Entstehung 
der Borken erklärte er bedingt durch den Zellreichtum, die 
Klebrigkeit, die der Eiweissgehalt in den Sekreten bedingt, und 
die Flüssigkeitsarinut der Absonderungen, die von dem darüber¬ 
streichenden Luftstrom ausgetrocknet würden; dazu trete dann 
noch ein Ferment, das die stinkende Zersetzung der Borken be¬ 
dinge. Die gleichzeitig von anderer Seite aufgestellte These, dass 
eine Nebenhöhlenerkrankung die Ursache der Ozaena sei, ist durch 
ausgedehnte anatomische Untersuchungen widerlegt worden. Auch 
die weiter gemachte Annahme, die Ozaena sei eine Herderkran¬ 
kung in dem Sinne, dass das adenoide Gewebe derjenige Teil der 
Nase sei, von dem die Erkrankung ausgehe, hat sich in diesem 
Umfange als nicht haltbar erwiesen. Ebensowenig die Lehre von 
der ursächlichen Bedeutung der Metaplasie des Epithels. Die 
Theorie von der rarefizierenden Ostitis ist wohl dahin zu modi- 
fiziren, dass der Knochen an der allgemeinen Atrophie teilnimmt; 
in gleicher Weise dürfte auch die als Ursache der Ozaena in 
Anspruch genommene Kürze des Septums eher als Folge der 
Atrophie anzusehen sein. Die bakteriologischen Forschungen bei 
der Ozaena haben noch keine definitiven Resultate ergeben; der 
Bacillus mucosus oder Bacillus ozaeuae ist vielleicht identisch mit 
dem Friedländerschen Pneumococcus und demRhinosklerombakterium. 
Eine Fortsetzung der bakteriologischen Studien über deu Ozaena¬ 
prozess ist aber dringend zu wünschen und wird vielleicht auch 
Klärung über die Uebertragbarkeit der Ozaena bringen. 

2. Schütze, Berlin: Ueber den forensischen Wert des 
Neisser-Sachsschen Verfahrens der Komplementablenknng. 

Eingehende Untersuchungen werden raitgeteilt, die dem Stu¬ 
dium der Fragen galten: 1. Ist die Neisser-Sachssche Methode 
spezifisch? 2. Welche Vorzüge besitzt sie vor dem Uhlenhuth- 
Wassermann - Schützeschen Präzipitierungsverfahren ? 3. Welche 

Nachteile, bezw. Fehlerquellen bietet die -neue Methode der Kom¬ 
plementablenkung? 4. Inwieweit ist sie imstande, das bisherige 
Präzipitierungsverfahren zu ergänzen? Verf. fasst sein Urteil 
folgendermaßen zusammen: Die neue Methode erfordert einen mit 
quantitativen Laboratoriumsarbeiten vertrauten Untersucher; in 
seiner Hand ist sie, entsprechend den Angaben von Neisser und 
Sachs, genau so spezifisch wie das bisherige Präzipitierungsver¬ 
fahren. An Empfindlichkeit ist sie diesem überlegen. Ueber die 
Verwendbarkeit für die forensische Medicin wird sich indessen 
erst dann ein endgültiges Urteil abgeben lassen, wenn sie längere 
Zeit vergleichend mit der bisherigen Präzipitierungsmethode an 
dem gleichen Material praktisch erprobt ist. Auf Grund der bis¬ 
herigen Laboratoriumsexperimente kann jedenfalls den Gutachtern, 
welche Eiweissmaterial forensisch zu untersuchen haben, empfohlen 
werden, neben der Präzipitierungsmethode zum Vergleiche auch 
das Neisser-Sachssche Verfahren anzuwenden. Auf diese Weise 
wird sich dann in einiger Zeit ein sicheres Urteil über die prak¬ 
tische Zuverlässigkeit des Komplementablenkungsverfahrens für die 
gerichtlichen Sachverständigen erzielen lassen. 

3. Bing, Kopenhagen: Ueber die Blutdruckmessung bei 
Menschen. 

Bei Blutdruckuntersuchungen bezweckt man, den Blutdruck 
in der Aorta zu finden und sucht ihn zu bestimmen durch Messung 
des Enddrucks in der Art. bracbialis. Eis erscheint aber fraglich, 
ob man mit den Riva Roccischen Apparaten wirklich diesen End¬ 
druck bestimmt, oder nicht vielmehr den Seitendruck. Zur Lösung 
dieser Frage hat B. eine Reihe von Versuchen vorgenommen, in¬ 
dem er beinahe gleichzeitig an beiden Seiten den Blutdruck mit 
Apparaten nach dem Prinzip von Riva-Rocci bestimmte, während j 
der eine oder andere Arm durch thermische Einwirkungen gereizt | 


wurde. Das Resultat der Untersuchungen lässt sich dahin zu¬ 
sammenfassen, dass der Druck, den man mit den üblichen klini¬ 
schen Blutdruckapparaten misst, von dem Kontraktionszustand 
abhängig ist, in welchem die unterhalb der Kompressionsstelle 
liegenden Gefässe sich bennden, so dass Veränderungen im Lumen 
dieser Gefässe imstande sind, eine Druck Veränderung hervorzu- 
rufen, ohne dass eine entsprechende Veränderung im Aortendruck 
notwendigerweise stattfindet; mit andern Worten, mittels der ge¬ 
nannten Blutdruckapparate wird nicht, wie man gewöhnlich an¬ 
nahm, der Enddruck in der Art. brachialis, sondern der Seiten¬ 
druck in dieser Arterie gemessen. Diese Erkenntnis Lat nicht 
nur ein theoretisches, sondern auch ein eminent praktisches Inter¬ 
esse ; so z. B. in Fällen, wo man den Blutdruckapparat zur Schätz¬ 
ung des Nutzens therapeutischer Eingriffe auf die Zirkulatious- 
organe angewandt hat, hat man bisher entschieden falsche Schlüsse 
aus den Ergebnissen der Untersuchungen gezogen. 

4. Schulze, Friedenau: Zur Frage der Silberspirochaete. 

Auf Grund seiner Untersuchungen und denen anderer Autoren 

betrachtet Sch. es als feststehend, dass die Lues mit Sicherheit 
auf das Kaninchen übertragen werden kann, und dass in dem¬ 
selben, besonders in dem erfolgreich geimpften Auge, ebenso wie 
in den luetisch erkrankten Organen des Menschen, der Cytorrhyctes 
luis (Siegel) nachweisbar ist. Die Frage der Bedeutung der nach 
Levaditi gefärbten Silberspirochaeten unterzieht er einer eingehen¬ 
den Erörterung, sucht die seinen früheren Ausführungen gemachten 
Einwände zu widerlegen, macht auf eine Reihe von schwachen 
Punkten in der Beweisführung der ihm gegenüberstehenden Autoren 
aufmerksam und kommt erneut zu dem Schlüsse, dass die mittels 
der Silbermethode dargestellten mehr oder minder spiraligen Ge¬ 
bilde in syphilitischen und nichtsyphilitischen Organen als Gewebs- 
bestandteile, und zwar in der Regel als Nervenendfibrillen zu 
deuten sind. 

5. Lublinski, Berlin: Die Schweigetherapie bei der Kehl- 
kopftuberkulose. 

Schon vor 20 Jahren hat L. als wichtiges Postulat bei der 
Behandlung der Kohlkopftuberkulose absolutes Schweigen, womög¬ 
lich mehrere Monate hindurch, aufgestellt und seiner Zeit über 
sehr günstige Resultate berichten können; er hat auch weiterhin 
diese Methode der Behandlung beibehalten, will sie aber nur bei 
den inneren Kehlkopf'tuberkulosen versucht wissen ur.d empfiehlt 
daneben lokaltherapeutisch ausgiebige Anwendung der Anaesthetica. 

6. Bickel, Berlin: Die Pathologie, Diagnostik, klinische 
Bedeutung der Extrasystole des Herzens. 

Eine Extrasystole kann sowohl bei organisch gesunden als 
auch bei organisch kranken Herzen auftreten. Abgesehen von 
wenigen Ausnahmen bei völlig Gesunden, ist die Extrasystole der 
Effekt einer abnormen Reizung oder einer abnormen Anspruchs¬ 
fähigkeit des Herzens auf normale Reize. Das Auftreten von 
Extrasystolen kann anknüpfen an gewisse Entwicklungsphasen 
(Pubertätszeit); venerische Elxzesse, Masturbation können sie aus- 
lösen; die grösste Gruppe von Patienten, bei denen Extrasystolen 
beobachtet werden, umfasst die allgemeinen Neurosen, Neurasthenie, 
Hysterie; daneben können sie bei fast allen organischen Erkran¬ 
kungen des Herzens beobachtet werden. Die klinische Bedeutung 
der Extrasystole des Herzens und auch der prognostische Wert 
ergibt sich daraus, dass die Extrasystole eine Erscheinung dar¬ 
stellt , die bald fast noch auf der physiologischen Breitengrenze 
steht, aber auch die Erlahmung des Herzmuskels ankünden kann. 
Auf Grund der neueren physiologischen Forschungen über die 
Herzbewegung wird der Mechanismus der Extrasystole eingehend 
klargelegt und erläutert, wie sich die charakteristischen klinischen 
Symptome dieser Herzarythmie: die vorzeitige kleine Arterienpuls¬ 
welle, die Erscheinungen am Venenpuls, der verstärkte Spitzen- 
stoss und der paukende erste Ton, die verlängerte Diastole mit 
ihrer Blutdrucksenkung und einer möglichen vorübergehenden Ge- 
hirnaemie und endlich die vergrösserte postkompensatorische Systole 
aus dem Mechanismus der Störung wie aus dem Angriflfsort und 
der Angriflfszeit des sie erzeugenden Reizes ableiten lassen. 

Nr. 53. 

1. Weil und Axamit, Prag: Ueber freie Bezeptoren. 

Der Begriff der freien Rezeptoren wurde von Neisser und 


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1907. 


MEDICHfieCHE WOCHE. 


59 


Shiga eingefflhrt und an der Agglutinationsbehinderung von ! 
Typhusbazillen durch Typhusbazillenextrakte demonstriert. Den 
freien Rezeptoren ist in neuerer Zeit eine grosse Bedeutung für 
die Erklärung der Infektion und für diagnostische Methoden zu¬ 
gesprochen worden. Verf. haben Versuche angestellt über den 
Mechanismus der Bakteriolyseunterdrtickung im Tierkörper, um 
zu untersuchen, ob vielleicht ira Tierkörper freie Rezeptoren einen 
Einfluss haben Auf Grund dieser Experimente kommen sie zu 
dem Ergebnis, dass die Fähigkeit von Bakterienextrakten, die 
Immunkörperreaktion zu verhindern, nicht ihre Ursache in der 
Bindung des Immunkörpers hat, dass Bakterienbestandteile, welche 
nach Art von Rezeptoren (haptophore Gruppen) wirken, sich nicht 
nach weisen lassen, dass alle jene Anschauungen und Versuchsdeu¬ 
tungen, welche zu ihrer Erklärung freie Rezeptoren zu Hilfe 
nehmen, nicht einwandfrei sind. 

2. Sitsen, Amsterdam: Myasthenia gravis pseudo-para- 
lyüea. 

Bericht Uber Autopsieergebnisse eines Falles von Myasthenia 
gravis pseudo -paralytica, die im wesentlichen ergaben: kleine, 
frische Blutergüsse in Leber, Lunge, Hirnrinde; mit Haematin 
gefärbte Schollen in den perivasculftren Lymphräumen im Pons 
(durch Formalin erstarrte Lymphe); Anhäufungen von Leucocyten 
in der Leber; geringe Milzvergrösserung mit spärlichen Follikeln, 
die lose geballt waren und viele polynucleäre Zellen enthielten; 
Vergrösserung der Nieren (Degeneration der Tubuli); Colloid- 
struma; Vermehrung der Leucocytenzahl im Blute. Eine Zu¬ 
sammenstellung der bisher erhobenen Sektionsbefunde bei dieser 
Krankheit (80 Fälle) zeigt, dass die positiven Befunde sehr ge¬ 
ring sind. Am häufigsten sind Veränderungen des lymphatischen 
Systems gefunden worden. Es dürfte sioh empfehlen, dem Ver¬ 
halten zwischen diesem und der Myasthenia gravis pseudo- p ara- 
lytica weiter nach zuforschen; doch sind dazu viel eingehendere 
makroskopische und mikroskopische Durchforschungen aller Organe 
notwendig. 

3. Zupnik: Die Beziehungen der Meningocoeeen zu den 
Qonococoen. 

Unter den Mikroben bestehen Komplexe, die als Gattungen 
zu bezeichnen sind, die sich dadurch auszeichnen, dass alle ihre 
Arten eino grosse Anzahl von morphologischen, mikrochemischen, 
kulturellen, pathogenetischen Merkmalen gemeinsam haben. Bei 
einer Anzahl derartiger, auf experimentellem Wege ermittelter 
Gattungen wurde die Spezifitätsbreite aller heute bekannten Gegen¬ 
körperreaktionen einer Prüfung unterzogen, der Präzipitine, Agglu- 
tinine, Bakteriolysine, Toxine und Antitoxine, wie Verf. nach 
eigenen und anderer Arbeiten zeigt. Daraus ergibt sich, dass jegliche, 
einer Infektionskrankheit sui generis spezifische Erscheinung der 
Gattung entspringt; spezifische Erreger von Infektionskrankheiten 
— von eigenartigen klinischen Krankheitsbildern —, von eigen¬ 
tümlichen pathologischen Veränderungen sind nur Mikrobengat¬ 
tongen, und nicht Mikrobenarten. Ihre letzte Ursache findet diese 
Erscheinung in der Gattungsspezifität aller bakteriellen Produkte. 
Für die Behandlung der kranken Menschen und Tiere ergeben 
diese Tatsachen eine neue therapeutische Grundlage, die sich am 
besten als gattnngsspezifiscbe Therapie bezeichnen lässt. Was 
speziell die Beziehung der Meningocoeeen zu den Gonococcen be¬ 
trifft, so ist als feststehend zu betrachten, dass einerseits Gono¬ 
coccen und andererseits Meningocoeeen gleichbeschaffene Agglu- 
tinine, Präzipitine, Toxine und Antitoxine produzieren, d. h. dass 
auch sämtliche mittels dieser beiden Arten bisher dargestellten 
Gegenkörper gattungsspezifisch sind. Es lässt sich Voraussagen, 
dass auch die übrigen Bakterienarten, die durch kulturelle und 
mikrochemische Eigenschaften ihre Angehörigkeit zur „Gono- 
coccengattung“ dokumentieren, im menschlichen wie im tierischen 
Organismus die nämlichen gattungsspezifischen Gegenkörper liefern 
werden. Es sind dies: der Laveran-Catrinsche Mumpscoccus, der 
Fraenkelsche Diplococcus Conjunctivitis und der Pfeiffersche Diplo- 
ooccus catarrhalis. 

Aerztliche Rundschau. Nr. 52. 1906. 

Müllert, Waren: Zur Therapie des chronischen Alkoho- 
lismus. 


Gegenüber einer Arbeit von Simpson-London betont Verf., 
dass zur erfolgreichen Behandlung des chronischen Alkoholismus 
nur der Arzt geeignet ist, der unter allen Bedingungen überzeugter 
Abstinent ist. Eine Dauer der Kur von nur vier Wochen, wie 
sie dort gefordert wird, kann nie ausreichend sein. Am meisten 
Erfolg ist zu versprechen von einer monatelangen Kur in einer 
Trinkerheilanstalt und an diese sich anschliessend der Beitritt in 
einen der strengen Abstinenzvereine. Wo das nicht möglich ist, 
kann man gelegentlich, bei sehr sorgfältiger Auswahl der Kranken, 
wohl auch Erfolge mit einer Strychnininjektionskur, deren Haupt¬ 
wirkung Verf. nicht als spezifische, sondern im hypnotischen Effekt 
begründet ansieht, verbunden mit einer ununterbrochenen psychi¬ 
schen Behandlung erzielen. 

Neurologisches Zentralblatt. Nr. 1 . 1907. 

1. M. Bernhardt: Zur Kenntnis der sogen, angeborenen 
Muskelschlaffheit, Muskelschw&ohe (Myohypotonia, Myatonia 
congenita). 

Bernhardt weist darauf hin, dass er schon früher darauf auf¬ 
merksam gemacht habe, dass bei peripheren Lähmungen auch in 
nicht gelähmt gewesenen Muskeln die elektrische Erregbarkeit 
geschwunden oder stark' herabgesetzt ist. Er konnte zwei 
Fälle beobachten, bei denen plötzlich die Motilität gestört wurde 
an den Beinen und zugleich die elektrische faradische Reaktion 
an diesen ganz schwand, aber auch an den oberen Extremitäten 
sie nicht finden konnte, die Fälle gingen in Heilung aus. B. 
deutet sie als Polyneuritis, die von andern allerdings nicht in so 
frühem Alter gefunden wird (2 1 /» Jahr und 9 Monate); besonders 
wenn keine Infektion vorhergegangen ist. Die Deutung der ana¬ 
tomischen Grundlage der von Oppenheim zuerst beschriebenen 
Myatonia congenita ist bisher nicht einwandfrei gelungen. B. gibt 
zu bedenken, ob nicht eine Polyneuritis in solchen Fällen in 
Frage kommt. 

2. Pelz: Ein Fall von genuiner Epilepsie mit darauf fol¬ 
gender Dementia paralytica. 

Bei dem Kranken bestand genuine Epilepsie seit dem 16. bis 
zum 33. Lebensjahre. Im Alter von 37 Jahren Beginn einer 
Paralyse, die 1905 manifest war. Bei dem langen Zwischenraum 
zwischen der Epilepsie und dem Ausbruch der Paralyse ist erstere 
nicht als Prodromalstadium der Paralyse zu deuten, sondern es 
handelt sich um zwei getrennte Erkrankungen. Der Fall gehört 
zu den seltenen Beobachtungen „successiver Kombination“. 

3. Higier: Schweissauomalien bei Rückenmarkskrank¬ 
heiten. 

Fall 1. Anidrosis der unteren gelähmten Körperhälfte bei 
einem Fall, dessen Diagnose zwischen Sklerosis multiplex, Lues 
und diffuser Encephalomyelitis schwankte. 

Fall 2. Anidrosis inferior bei zentraler Haematomyelie, 

Fall 3. Anidrosis der rechten Rumpf hälfte und der r. oberen 
Extremität bei Syringomyelie. 

Fall 4. Anidrosis inferior bei Sarcomatosis mit Compression 
des Lumbosacralteils. 

Die Schweissbahnen konzentrieren sich in der medulla oblon- 
gata, durchziehen aber das Rückenmark in ziemlich kompliziertem 
Verlauf, um auch den sympathischen Grenzstrang zu passieren. 
Störungen können durch Affektion in den Centren des Rücken¬ 
markes, in den Intervertebralganglien, dem Sympathikus, der Hirn¬ 
rinde auftreten und sind sicher häufiger vorhanden, als sie ge¬ 
funden werden. G. Flatau. 


Bücherbesprechung. 

Das Rhin 08 klerom. Von Dr. Max Toeplitz und Dr. 
Henry Krender New-York. — Der 6r8te Skleromfall in 
Schleswig-Holstein. VonG. He ermann in Kiel. (Sammlung 
zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der Nasen-, Ohren-, 
Mund- und Halskrankheiten, begründet von Bresgen, herausgegeben 
von Heermann. IX. Band, Heft 1.) Verlag von Carl Markold 
in Halle a. S. 


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6« 


MBDIOINESCHE WOOHB. 


Nr. ». 


Die erste der beiden Arbeiten enthält eine kurze klinische 
und ausführliche histologische Beschreibung eines in New-York bei 
einer eingewanderten Galizierin beobachteten Falles von Rhino- 
sklerom, die zweite den Bericht über den ersten in Schleswig- 
Holstein beobachteten Sklerom fall, dessen Nachweis um so wichtiger 
ist, als Schleswig-Holstein bis jetzt als skleromfrei galt. 

Das Sklerom ist eine zuerst in Galizien, später auch in 
Russisch-Polen, Ungarn usw. beobachtete übertragbare Infek- 
tionskrankheit, welche vor allem bei den in genannten Ländern 
besonders tief stehenden und schmutzigen untersten Volksschichten 
vorkommt. In Deutschland ist bisher ein Herd in Ostpreussen 
und in Schlesien festgestellt worden. Vermittler der Infektion 
sind wahrscheinlich die aus sklerom verseuchten Gegenden stammenden 
galizischen nnd polnischen Saisonarbeiter, deren Gesundheitszustand 
bisher viel zu wenig beachtet wurde. 

Das Rhinosklerom beginut unter den Erscheinungen eines 
profusen Schnupfens. In den Choanen bilden sich auf der Ober¬ 
fläche der Schleimhaut granulomatöse Wucherungen, seltener ist 
der Beginn mit gleichmäßiger Schwellung oder diffuser Infiltration 
des subcumösen Gewebes. Die Wucherungen ziehen sich zusammen, 
verhärten sich und verwachsen fest mit dem darunterliegenden 
Gewebe. Die befallenen Teile können etwa die Konsistenz eines 
harten Schankers erreichen. Der Prozess schreitet meist sehr 
langsam vor, er kann sich im Lauf der Jahre auf den Nasen¬ 
rachenraum und die tieferen Luftwege und auf die äussere Haut 
der Nase und von Lippe nnd Wange ausdehnen, wo er zu schweren 
Verunstaltungen führen kann. In vorgeschrittenen Fällen findet 
sich meist ein charakteristischer, an Ozaena erinnernder Geruch. 

Als Erreger wird ein von Frisch gefundener Kapselbacillus 
angesehen. 

Die Therapie steht der widerwärtigen Erkrankung fast völlig 
machtlos gegenüber, die Prognose ist deshalb schlecht. 

Der Forderung Heermanns nach staatlichen Vorbeugungsma߬ 
regeln gegen die weitere Einschleppung und Verbreitung der Er¬ 
krankung kann im Interesse der Erhaltung unserer Volksgesundheit 
nur beigestimmt werden. Hölscher (Ulm). 

Die Erkrankungen der Znngenmandel (mit Aus¬ 
nahme der Tumoren). Von Dr. Leo Katz. Würzburger Abhand¬ 
lungen, Bd. V, He t 12. 

Unter Zungenmandel versteht man die Ansammlung von 
Follikeln auf dem Zungengrunde, sie bildet den Abschluss des 
lymphatischen Rings nach unten. Die Zungentonsille kann mit 
dem ganzen Ring gemeinsam, aber auch isoliert erkranken" 

Die Untersuchung erfolgt mit langem Zungenspatel (Kirstein) 
oder dem Kehlkopfspiegel. 

Die isolierte eitrige Entzündung der Zungenmandel ist oft 
die Folge des Eindringens von Fremdkörpern, die sich in dem 
weichen, zerklüfteten Gewebe leicht festsetzen. Häufig rückfällige 
entzündliche Erkrankungen iin mittleren und höheren Lebensalter 
sind oft die Folge von harn saurer Diathese. 

Tuberkulöse Erkrankung der Zungentonsille ist nach den 
bisherigen Beobachtungen seltener wie der übrigen Tonsillen. 
Häufig ist ihre Erkrankung bei Lues, ebenso wird sie häufig bei 
Diphtheritis in Mitleidenschaft gezogen. 

Symptome der isolierten akuten Entzündung der Zungen¬ 
mandel: klossiges Gefühl beim Sprechen; heiserer Beiklang der 
Sprache bis zur vollständigen Heiserkeit, Schmerzen beim Schlucken, 
übler Geschmack und Geruch aus dem Mund, Uebelkeit und Fieber. 

Häufig finden sich auch in stark zerklüfteten Zungenmandeln 
Pfröpfe. 

Behandlung: Spaltung etwaiger Abszesse, Entfernung der 
Pfröpfe. 

Sehr häufig kommt Hypertrophie der Zungenmandel vor, 
welche sich in Form von rohen Wülsten, die den ganren Zungen¬ 
grund oder Teile desselben einnehmen, darstellt. 

Symptome: Fremdkörpergefühl im Halse, Schluck- und Räusper¬ 
zwang, trockner Husten und zuweilen Schmerzen in der Gegend 
des Zungenbeins. 

Behandlung: Entfernung mit Schlinge oder Tonsillotom. 


Erwähnungswert ist eine Beobachtung des Verfassers, dass 
durch Blutungen aus einem Venenknoten der vergrösserten Zungen- 
maudel Magenblutungen vorgetäuscht wurden. 

Hölscher (Ulm). 

Vier sagittale Schädeldurchschnitte in Bild 
nnd Wort als Erklärung zn den Gypsmodellen 
der Nasenhöhle und ihrer Nebenräume. Von Dr. 

0. Betz in Heilbronn. 

Die sehr hübsch und aus haltbarem Material hergestellten 
Modelle kann ich aus eigener Erfahrung nur bestens empfehlen. 
Sie bilden ein ausgezeichnetes Hilfsmittel beim Studium und zur 
Orientierung in der Sprechstunde. Hölscher (Ulm). 


Vermischtes. 

Leipzig. Vom Vorstand des Wirtschaftlichen Verbandes geht 
uns folgende Mitteilung zu: 

Die Gattin eines praktischen Arztes, der durch Geisteskrankheit 
dauernd erwerbsunfähig geworden und in einer Anstalt unterge¬ 
bracht ist, sucht für den 1. April d. J. oder später Stellung als 
Oberin zur wirtschaftlichen Leitung eines Krankenhauses, Klinik 
oder dergl., um für sich und ihre drei unmündigen Kinder eine neue 
Existenz zu gründen. Die Dame, die sich in der äussersten 
materiellen Not befindet, war früher bereits in solcher Stellung 
an grossen Krankenanstalten jahrelang tätig und kann darüber 
Zeugnisse aufweisen. Kollegen, welche imstande sind, hier zu 
helfen, werden dringend ersucht, sich mit Dr. Hartmann, Leipzig 
60 in Verbindung zu setzen. 


Patentnachrichten. 

Anmeldungen. 

K. 30784. Von oiner Person zu bedienender zweirädriger Wagen für 
den Transport von Krankentragbahren. Hermann Friedrich Kunze, Lim- 
bach i. S. 

B. 40337. Mit Stützarmen verschonor Gürtel zur Sicherung des 
menschlichen Körpers in einer bestimmten Lago. Andrew Breslin und 
Joseph Lees, Summit Hill, Perms. 

D. 16800. Sarg mit im Deckel befindlicher, durch eine verschiebbare 
Zierleiste zu verdeckender Glasscheibe. Aduni Dux, Cassel. 

M. 28679. Zweirädriger Krankenwagen. Paul Mttllemueistcr, Aachen. 

A. 12125. Warmluftbläser. Max Aron, Berlin. 


Meyers Grosses Konversations-Lexikon. Ein Nach¬ 
schlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neuboarbcitcto und 
vermehrte Auflage. Mehr als J48000 Artikel und Verweisungen auf Uber 
18210 Seiten Text mit mehr als 11 000 Abbildungen, Karten und Plänen 
im Text und auf über 1400 Illustrationstafeln (darunter etwa 190 Farben¬ 
drucktafeln und 300 selbständige Kartenboilagen) sowie 130 Textbeilagen. 
20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark oder in Prachtband zu jo 
12 Mark (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien). 

Wie sehr Meyers Grosses Konversations-Lexikon seine Aufgabe, ein 
Spiegelbild seiner Zeit zu sein, auch auf technisch-industriellem Gebiet er¬ 
füllt, zeigen uns in dem eben ausgegeboncn 14. Band (Mittewald bis Ohm¬ 
geld) eine erfreuliche Reihe zeitgemäßer Artikel, von denen wir nur die 
über Motor, Motorboote und Motorwagen herausgreifon, unsre modernsten 
Verkehrsmittel, die in ihren Grundtypen und Konstruktionen durch fünf sehr 
gefällige Tafeln veranschaulicht sind. Hier sind ferner zu nennen die mit 
zahlreichen Textbildern unterstützte Darstellung der Nähmaschine und ihrer 
Technik, die Artikel über Mühlen, Nadeln, Nautische Instrumente (letztere 
mit zwei instruktiven Tafeln). Auf den Nachbargebieten Chemie und Physik 
finden wir hier jede einschlägige Frage beantwortet, mögen wir uns über 
eine der zahlreichen Natriumverbindungen oder Naphthalinderivato oder etwa 
über Molekulargewicht oder Newtonscho Farbcnringo unterrichten wollen. 
Biographisch von Bedeutung sind die Kapitel „Moltke“ und „Napoleon“, 
.Newton“ und „Mozart“. Auch die zusammenfassenden Ueborsichten über 
die Neugriechische, Niederländische, Nordanierikanische, Nordische und Nor¬ 
wegische Literatur verdienen besonders hervorgehoben zu werden Hohen 
praktischen Wert messen wir den Artikeln Uber Nahrungsmittel und ihre 
Kontrolle, Uber Nährpräparate, Nutzhölzer, über Obst und Obstverwertung 
zu. Aus volkswirtschaftlichem Ge'iet zitieren wir Monopol, Milnzwesen, 
Normalarbeitstug und fügen mit grosser Befriedigung hinzu, dass wir zahl¬ 
reichen neuen Tatein in Bunt- und .Schwarzdruck sowie überaus klaren und 
stets zeitgemäß ergänzten Karten und Stadtplänen begegnet sind. Mit 
diesen Hinweisen über die Vielseitigkeit des „Grossen Meyer“ müssen wir 
uns diesmal begnügen und uns ein Eingehen auf die zahlreichen andern Ge¬ 
biete,•denen auch nur andeutungsweise gerecht zu werden der Raum fehlt, 
für spätere Bände Vorbehalten. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. P. Meismer, Berlin W. SS, Kurfüritenitr. 81. — Verantwortlich für den Inaeratenteil: Der Verlag to> Carl Marhold. Halle a. S. 

Druck vou ler Hejrnoeaann ic en Buchdruckerei, Cebr. Wolff Halle a. S 


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Medicinische Woche 


Deatscbmann, A. Dfihrssen, A. Hoffa, E. Jacobi, 

Hamburg. Berlin. Berlin. Freiburg 1. Bi. 

H. Senator, R. Sommer, 

Berlin. (Hessen. 


Herausgegeben von 


Verlag und Expedition 

Carl Marfaold in Halle a. S., Uhlandstrasse 

Tel.-Adr„- Marfaold Verlag Hallesaale. Fernsprecher 823. 


asse 6. 

823. J 



R. Robert, M. Koeppen, K. Partsch, H. Rosin, H. Schlange, 
Rostock. Berlin. Breslau. Berlin. Hannover. 

H. Unverricht, A. Vossins, 

Magdeburg. Glessen. 


Redaktion: 

Berlin W. 62, Korfürstenstrasse 81* 

Dr. P. Meißner. 


Officielles Organ des Schwarzwaldbidertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebider and des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 



Jahrgang. 


11. Februar 1907. 


Nr. 6. 


Die .Med i cinische Woche* erscheint jeden Montag und kostet vierteljährl. 2.50 M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen jede Buchhandlung, die Post, sowie 
die Verlagsbuchhandlung von Carl Marhold in Halle a. S. entgegen. Inserate werden für die 4 gespaltene Petitzelle oder deren Raum mit 50 Pf. berechnet Beilagen 

nach Uebereinkunft. Reklamezeile 1,50 M. Bei gröBeren Aufträgen wird Rabatt gewflhrt. 

Nachdruck der Original-Aufsätze ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen Ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 

Die Anstaltsbehandlung 
der Herzkranken und ihre Indikationen. 

Von Dr. med. Theodor Büdingen, 

leitendem Arzt des Sanatoriums Konstanzerhof zu Konstanz-Seehausen. 

(Schluss.) 

Es gibt kaum einen Patienten in meiner Anstalt, dem die 
Liegekur im Freien, welche, abgesehen von den physikalischen 
und physiologischen Einflüssen, so viele erhebende psychische 
Momente vor dem Liegen im Zimmer voraus hat, nicht ver¬ 
ordnet würde, und sei es auch nur für 1 — 2 Stunden am Tag, 
einerlei zu welcher Jahreszeit die Kur gebraucht wird. In den 
Tageseinteilungen meines Kurverordnungsbüchleins spielt die 
Liegekur eine grosse Rolle. Ein nicht geringer Teil der er¬ 
freulichen Erfolge, welche die Anstaltsbehandlung aufzuweisen 
hat, kommt auf ihr Konto. Fortgeschrittene Patienten lasse 
ich die Freiluftkur an schönen Nachmittagen auf einem der 
bequemen Bodenseedampfer machen. 

Selbstverständlich muss in einer Anstalt dafür gesorgt sein, 
dass Alles, was zum Begriff der Krankenpflege gehört, vor¬ 
handen ist und dass auch die kleinen Aufregungen durch Un¬ 
pünktlichkeit und mangelnde Sorgfalt des Personals in Wegfall 
kommen. Der Herzkranke soll sich ebensowenig um die Durch¬ 
führung der ärztlichen Verordnungen, wie um die Verpflegung 
zu bekümmern haben. Dies muss ihm abgenommen werden. 
Hinsichtlich der Zulassung von Begleitpersonen und Besuchen 
muss der Anstaltsarzt streng sein. Auch allzuliebevolle und 
besorgte Verwandte muss er ausschliessen. Ebenso muss er 
für Ausschluss solcher Elemente, die sich nicht der Hausord¬ 
nung fügen oder sie gar untergraben, rechtzeitig Sorge tragen. 
Das Alles gehört zur Kardinalforderung jeder Herz- und Nerven- 
behandlung, die Extrareize des Lebens, soweit sie von Aussen 
kommen, auszuschalten. Auf die endogenen Erregungen muss 
das beruhigende Wort des Arztes einzuwirken suchen. Auch 
die Psychotherapie lässt sich in einer Anstalt leichter durch¬ 
führen. 

Eine soweitgehende Schonung des erregbaren Herzens lässt 
sich in einem offenen Kurort meistens nicht erreichen und auf 
diesem Gebiet liegt die unbedingte Ueberlegenheit der Anstalts¬ 
behandlung. 

In dem Kapitel über die auszuschaltenden Reize muss noch 
der Missbrauch von Medikamenten und die Alkohol frage be¬ 
rührt werden. Es ist fast unglaublich, mit welcher Menge 
differenter Mittel manche Kranken reisen. Der grösste Unfug 
wird mit dem gewiss an und für sich schätzenswerten, aber 
bei Herzkranken keineswegs unbedenklichen Veronal getrieben. 


In der Mehrzahl der Fälle nehme ich den Patienten diese Mittel 
weg und gebe Medikamente unter meiner Kontrolle nach Bedarf. 

Was den Alkohol betrifft, so möchte ich ihn am Kranken¬ 
bett nicht missen. In Fällen schwerster Herzinsuffizienz gehört 
er unbedingt zu den guten Mitteln. Ich gebe ihn nur als 
Arznei. Damit ist schon gesagt, dass er nicht auf den Mittags¬ 
oder Abendtisch kommt und auch nicht im verschwiegenen Zimmer 
zur feuchtfröhlichen Erquickung getrunken werden darf. Nur 
einige Ausnahmen lasse ich zu: Wer bis zu seinem 60. Lebens¬ 
jahr an Weinkonsum gewöhnt war, oder wer ohne diese Alters¬ 
grenze überschritten zu haben, an chronischer Herzschwäche 
leidend früher beträchtliche Quantitäten Alkohol genossen hat, 
dem darf der Wein nicht sofort entzogen werden. In allen 
anderen Fällen muss die Verabfolgung von Spirituosen abge¬ 
lehnt werden. Dies lässt sich nur dann erreichen, wenn aie 
Verwaltung der ärztlichen Leitung untersteht. Zum Zwecke 
der fortlaufenden Beobachtung und Behandlung soll auf je 20 bis 
30 Kranke ein fertiger Arzt, kein unerfahrener Assistenzarzt 
kommen. Ich habe diesen Grundsatz in meiner Anstalt durch- 

? e führt und glaube, dass dies zum Vorteil der Patienten ist. 

agliche Konferenzen der Anstaltsärzte über jeden einzelnen 
Fall sichern die Einheitlichkeit der Behandlung. Der Anstalts¬ 
arzt, der ausserdem von einem gut geschulten Personal unter¬ 
stützt wird, kann seine Patienten, wie Sie aus diesen Andeut¬ 
ungen entnehmen mögen, ganz anders in der Hand haben, als 
dies in offenen Kurorten überhaupt möglich ist. Dies gilt auch 
bei der Durchführung von Ernährungskuren zum Zwecke der 
Mästung von dürftigen Herzkranken und andererseits der Ent¬ 
fettung der Korpulenten. — In Fällen drohender oder schwerer 
Herzinsuffizienz kommt es darauf an, „temporäre Steigerungen 
der Funktion des Herzmuskels durch Luxusaufnahme von Nähr¬ 
material* zu verhindern, „denn was der Körper zuviel zersetzt, 
das kann er nur durch vermehrte Wärmeabgabe, also vermehrte 
Respiration und Zirkulation loswerden.“ In solchen Fällen em¬ 
pfehlen sich Milchkuren. Bei Komplikation mit Arteriosklerose 
habe ich gute Erfolge von Milch-Breikuren unter Ausschaltung 
des Fleisches gesehen. Derartige Kuren, die oft an Bedeutung 
die Bäderbehandlung übertreffen, lassen sich in Hotels und 
Pensionen nicht entfernt mit gleicher Präzision durchführen. 
Dasselbe gilt von der Ernährung herzkranker Diabetiker oder 
Nierenleidender mit beginnender Herzinsuffizienz. 

M. H.! Ueber die Reize, die bei Herzkranken anzuwenden 
sind, sowie über den gegebenen Zeitpunkt ihrer Anwendung 
Hessen sich Bücher schreiben und sind Bände geschrieben 
worden. Warum in dem einen Fall Medikamente gegeben 
werden, in dem anderen hydro-balneo- oder elektrotherapeutischo 
Maßnahmen angewendet werden, das ist Sache des Wissens 
und der Erfahrung, das kann unmöglich in einem kurzen Vor¬ 
trag abgehandelt werden. Eine Anstalt, in der Herzkranke be¬ 
handelt werden, muss über alle diese Mittel, sowie über ge¬ 
schulte Kräfte verfügen, welche auf dem Gebiete der Massage, 
der Widerstands-, der schwedischen Gymnastik Bescheid wissen 


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62 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 6. 


und mit den Apparaten des zu einer solchen Anstalt gehörigen 
mediko-mechanischen Instituts nach ärztlicher Vorschrift um¬ 
gehen können. 

M. H.! So sehr ich die Bedeutung der übenden, aber irri¬ 
tierenden gymnastischen Behandlung anerkenne, so halte ich sie 
dennoch nicht für das notwendige Schlussstück in der Behand¬ 
lung jedes Herzkranken. Wenn ein Patient, nachdem er eben 
eine Kompensationsstörung seines Klappenfehlers oder wieder¬ 
holt eine schwere Insuffizienz seines Herzmuskels überstanden 
hat, von seinem ärztlichen Berater zur Kur in einen Badeort 
oder in ein Sanatorium geschickt wird und dort 4 Wochen 
bleiben soll, so kann er eventuell soweit gebracht werden, dass 
er wieder gehen kann, aber die Zeit ist zu kurz um irgendwie 
erheblicheren Anforderungen an seine Kraft genügen zu können. 
Dazu bedarf es einer längeren Zeit. Es wäre also in solchen 
Fällen verfehlt, wenn man, statt dem Patienten Schonung auch 
noch zu Hause anzuraten, ihn Widerstandsgymnastik treiben 
oder eine Terrainkur machen liesse. Für einen solchen Patienten 
kommt neben der Ruhe, der Bäderbehandlung und den anderen 
eventuell anzuwendenden Kurmitteln das übende Moment nur 
insofern in Betracht, als man seinen Spaziergang am besten an 
der Hand eines Schrittmessers vorsichtig verlängert. Wenn 
man in solchen Fällen mehr tut, so treibt man keine rationelle 
gymnastische Behandlung mehr, sondern man wirkt durch das 
Anspornen zu solchen Leistungen in ungünstigem Sinne suggestiv 
auf den Patienten ein, indem man, wieOttomar Rosenbach 
dies so schön und treffend darstellt, „Vorstellungen hervorruft, 
die dem vertrauenden Patienten seine Beschwerden weniger 
empfindlich machen oder — und das ist die schädlichste Wirk¬ 
ung solcher exzitierenden Behandlungsmethoden — Willensakte 
auslöst, durch die im Vertrauen auf die anscheinend deutliche 
Macht der Therapie, der Organismus zu einer letzten höchsten 
Anspannung seiner Leistungsfähigkeit angespornt wird. Dieser 
ephemere Erfolg erweckt dann gewöhnlich auch bei einem 
skeptischen Kranken den Glauben, dass ihm wirklich neue 
Kräfte eingeflösst seien, während in Wirklichkeit die grössere 
Leistung nur eine Verschleuderung des noch vorhandenen Restes 
von Energie durch eine starke Willensaktion bedeutet.“ „Dies 
hat der Verlauf so vieler Fälle von unvorsichtig gehandhabten 
gymnastischen-, Terrain- und Entfettungskuren bewiesen. Die 
Katastrophe tritt nach kurzer Periode subjektiver Besserung 

E lötzlich und hoffnungslos ein. Das Organ, das bei mäßigen 
leistungen den Körper noch jahrelang erhalten hätte, versagt 
jede Kompensation.“ 

In der Mitte zwischen übender und schonender Behand¬ 
lung des Herzmuskels steht die Balneotherapie. Dies gilt be- 


Feuilleton. 


Eine Reise auf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm-Darmstadt. 

(Fortsetzung.) 

Ich glaube, ich habe nur noch der Stahlmasteu zu ge¬ 
denken, die nur mehr als Stützen für die drehbaren Hebe¬ 
bäume und die Befestigung der Flaggen und Wimpeln dienen. 
Segel tragen dieselben leider nicht mehr: Es ist doch ein gar 
zu stolzer Anblick, solch’ einen Fünfmaster unter voller Lein¬ 
wand die See furchen zu sehen; messerscharf schneidet er 
durch die Wogen, in seinen schlanken Linien, ohne Aufbau, 
weit eleganter auf dem Wasser liegend, als die beträchtlich 
plumper aussehenden Dampfer. Freilich mag manche darüber 
ehende Sturzsee dem darauf Befindlichen die Poesie bald aus 
en Knochen schlagen! 

„Wer kennt die Völker, nennt die Namen, die gastlich 
hier zusammen kamen!“ 

Es ist ja nicht gerade schön, so unbedingt für längere 
Zeit auf Reisegenossen angewiesen zu sein, die uns oft unsym¬ 
pathisch sind; denn die Unangenehmen darunter verekeln uns 


sonders für die Kohlensäurebäder, in gewissem Sinne auch für 
die Wechselstrombäder, die sich mehr und mehr einer ver¬ 
dienten Anerkennung erfreuen. Auf die Theorie ihrer Wirkung, 
welche vorzugsweise eine herzübende ist, habe ich in einer in 
Gemeinschaft mit Dr. Ge issler verfassten Arbeit hingewiesen 
und die in meiner Anstalt damit gemachten Erfahrungen mit¬ 
geteilt, die Indikationen und besonders auch die Kontraindika¬ 
tionen besprochen. Am besten bewährten sich die Wechsel¬ 
strombäder nach abgelaufener akuter oder bei und nach chro¬ 
nischer Myocarditis mit und ohne vorhandene oder zurückge¬ 
bliebene Äktionsstörung des Herzens. Ein Blutdruck über 150 
bis 160 mm Hg sollte meistens ihre Anwendung ausschliessen. 

Sehr zufrieden war ich auch mit den Wechselstrombädem 
in jenen keineswegs seltenen Fällen, wo leichtere Insuffizienz¬ 
erscheinungen des Herzens auftreten, ohne dass in der Anam- 
nese irgendwelche Anhaltspunkte für eine Herzmuskelentzündung 
oder bei der Untersuchung Klappenfehler, arteriosklerotische 
Prozesse oder Anaemie aufzufinden wären. Ob hierbei das Ge- 
fässnervensystem eine Rolle spielt, lasse ich dahingestellt. In 
diesen Fällen sind die Wechselstrombäder den Kohlensäure¬ 
bädern unbedingt überlegen. Eine Erklärung dafür dürfte in 
der Beobachtung Grützners zu finden sein, dass intermittie¬ 
rende Ströme die Gefässarbeit anregen und unterstützen. Ich 
hoffe, m. H., Sie haben aus meinen Ausführungen nicht den 
Eindruck gewonnen, dass das Wesen der Anstaltsbehandlung 
in der Anwendung eines bestimmten Mittels oder einer be¬ 
stimmten Balneotherapie besteht. Kohlensäure- oder Wechsel¬ 
strombäder sind Schlagworte für das grosse Publikum, das 
einen Fetisch braucht. Wer sorgfältig beobachtet und über 
seine Behandlungsweise sich strenge Rechenschaft zu geben 
pflegt, hinter dem liegt in wesenlosem Scheine der Glaube an 
Allheilmittel; ein solcher Arzt weiss, dass ein kranker Teil des 
so komplizierten menschlichen Organismus immer andere Teile 
in Mitleidenschaft zieht und dass man nicht von einem Punkte 
aus einen in Unordnung geratenen Mechanismus in Angriff 
nehmen darf. Diesem Postulate entspricht eine rationelle An¬ 
staltsbehandlung. Sie berücksichtigt neben der Behandlung des 
insuffizienten Herzmuskels durch geeignete Mittel das Nerven¬ 
system des Patienten und die Alterationen seiner Gefässe, sie 
sorgt für Ruhe, geeignete Diät, Hautpflege und bestimmt das 
zulässige Maß von Bewegung. Sie hat die weitere Aufgabe, 
darauf hinzu wirken, dass der Patient die Grenzen seiner Kraft 
kennen und achten lernt, sie gibt die Anweisung, wie das 
künftige Leben im Bereiche der Möglichkeit zu gestalten ist. 

Gestatten Sie mir noch kurz auf die Indikationen für die 
Anstaltsbehandlung einzugehen. 


oft genug das Zusammensein mit den Netten. Aber der Be¬ 
trieb unter solcher Reisegesellschaft ist interessant zu beobach¬ 
ten: Die amerikanische Spielwut wird von gewerbsmäßigen 
Falschspielern, vor denen im Rauchsalon angeschlagene Plakate 
warnen, ausgenutzt; ihre Wettsucht kommt im „Pool“ zum 
Ausdruck, wenn Abend für Abend die zu erwartende Meilen¬ 
zahl von einem Kerl, der als Ausrufer für eine Messbude seine 
Schulung empfangen zu haben scheint, ausgeboten wird zur 
Wette, und ein „Comit6 u eifrig notierender Genossen um ihn 
herum sitzt, mit einer Feierlichkeit, als gelte es kein blöd¬ 
sinniges, für den denkenden Menschen völlig reiz- und verständ¬ 
nisloses Geldverplämpern für den blinden Zufall, sondern eine 
Arbeit geistiger Art. Es werden, wenn das Schiff z. B. rund 
400 Meilen am Tage läuft (wir machten zwischen 324 und 435, 
je nach Seegang, Golfstrom und Wind: Mit Wind und Strom viel, 
dagegen bei rauher See und gegen Wind und Strom weniger), 20 
Nummern von 400- 420 versteigert; ausserdem was darüber und 
darunter ist, als je eine. Setzt also Jemand auf 403 und das Schiff 
läuft zufällig so viel, so hat er den ganzen „pool“ gewonnen, 
läuft das Schiff unter 400, so ist der Sieger, welcher die 
Nummern darunter gekauft hat etc. Auf eine Zahl werden 
oft 40, 50 Dollars geboten, so dass der Gewinner Tausende von 
Mark ohne auch nur den Schein eines Verdienstes, einer 
geistigen Arbeit, davonträgt, die andere Narren ebenso töricht 
zusammengesteuert haben: Das Abend für Abend zu erleben, 
hat etwas Anwiderndes und Ekelhailes. Da ist das Wetten 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


68 


Die Beantwortung der Fragö, ob Anstalt oder Kurort, richtet 
sich nicht nur nach der Schwere der Herzerkrankung, sondern, 
worauf ich bereits hingewiesen habe, nach der Beimischung 
von Nervosität zur Grundkrankheit und nicht zum wenigsten 
nach dem Temperament und Charakter des Kranken. Die 
leicht Verstimmten, die apathisch Nervösen unter den Herz¬ 
kranken eignen sich mehr für den Kurort, wo sie Zerstreuung 
finden, die überreizten, erregbaren, welche der Ruhe bedürfen, 
gehören in die Anstalt, wo die Reize des Lebens möglichst 
gedämpft und vermindert sind. Wer ängstlich jedes Symptom 
seines Leidens beachtet, wer gewissenhaft alles einhält, was 
ihm verordnet wird, wem die Bewertung seines leidenden Zu¬ 
standes über die Lockungen, Reize und geistigen Genüsse des 
Lebens geht, der bedan, wenn nicht die Schwere der Er¬ 
krankung Krankenhauspflege verlangt, nicht der Anstaltsbe¬ 
handlung. Hingegen die Optimisten, die nach der kleinsten 
Besserung im Befinden sich wohl und leistungsfähig fühlen, 
die gelegentlich excedieren, die schwachen, haltlosen Charaktere, 
die jeder Versuchung unterliegen und im Gegensatz zu ihnen 
die Menschen mit unverwüstlicher geistiger Spannkraft, die ihr 
körperliches Leiden gering achten, die Vorwärtsstürmer und 
andererseits die Phlegmatischen mit dem Motto „komme ich 
heute nicht, komme ich morgen“, sie bedürfen der Anstaltsob¬ 
hut des Anspornens, des Belehrens, des Zurückhaltens, des Zu- 
rechtweisens durch geschulte und erfahrene Anstaltsärzte. Es 
gehört in das Gebiet der ärztlichen Kunst, hier nicht zu ver¬ 
letzen, den richtigen Ton zu finden gegenüber Menschen, die 
nicht mehr erzogen werden wollen, ohne Schulmeisterallüren 
das durchzusetzen, was für gut und notwendig erachtet wird. 

M. H.! Die moderne Sanatoriumsbehandlung, die zum Teil 
andere therapeutischen Wege wandelt als sie in der allgemeinen 
Praxis gangbar sind, will kein aufgepfropfter fremder Schöss¬ 
ling an dem Baume der medicinischen Wissenschaft sein. Orga¬ 
nisch aus ihm hervorgegangen, zieht sie geistige Nahrung und 
lebendige Kraft aus seinen Wurzeln. In dieser Zugehörigkeit 
hat der alte Ast der Nervenheilanstalt ein junges, wie ich 
laube, hoffnungsvolles Reis getrieben. Das ist die Anstalts- 
ehandlung der Herzkranken. Möge es in der Anerkennung 
des ärztlichen Standes sich weiter entwickeln und auch ferner¬ 
hin zum Nutzen der Kranken heilsame Früchte tragen 1 

M. H.! Der Ausgangspunkt meiner Betrachtung, woraus 
ich die Berechtigung der Anstaltsbehandlung der Herzkranken 
ableitete, war die nirgendswo sonst in gleichem Maße durch¬ 
führbare Ausschaltung der Extrareize des Lebens. 

Ich danke Ihnen, meine verehrten Herren Kollegen, für 
das freundliche Gehör, das Sie meinen Ausführungen geschenkt 


auf Rennpferde oder Rennschiffe doch auf anderer Grundlage 
beruhend als solch’ blindes Zufallsspiel! 

Damit sind wir nun wieder in echt amerikanische Luft 
gekommen, denn jener marktschreierische Gesell ist ein Voll- 
blut-Jankee, der im tadellosen smoking coat zu Tisch erscheint 
und keinen Begriff von dem Unanständigen besitzt, das darin 
liegt, dass er, werbend und girrend wie ein alter Werbeoffizier 
oder, besser gesagt, wie ein geschickter Versteigerer die Gim¬ 
pel für sein Spiel alltäglich zu kirren sucht. 

Soll ich von New-York etwas sagen? Jeder kennt diese 
Riesenstadt, wenn er auch noch nicht dort war. Dass un¬ 
mittelbar in den grössten Verkehrsknotenpunkten daselbst stille 
Inseln liegen, auf denen Lumpen aller Art im Haufen ge¬ 
schichtet sind, weiss vielleicht nicht jeder aus solchen Schilde¬ 
rungen : Papier- und Kleiderfetzen auf Dreckhaufen, und male¬ 
risch darauf hingegossen fragwürdigste Grossstadttypen, welche 
ihre Siesta da halten, beschattet von irgend einer der unzäh¬ 
ligen Strassenüberführungen; dass die fünfte Avenue sich dar¬ 
stellt wie irgend eine andere langweilige Grossstadtstrasse, 
dass die erwarteten malerischen Palastbauten der vielgenann¬ 
ten „500“ aussehen, wie beliebige andere Häuser auch, das 
erwartet man nicht; eine schöne neue gothische Kirche ist 
leider zu eintönig in Architektur und Tönung gehalten; der 
freie Wechsel der Formen des Stils ist gänzlicn unberücksich¬ 
tigt geblieben. Freilich wirkt drollig ein da und dort in den 
Strassen wie eine Rakete gen Himmel steigender Wolkenkratzer, 


haben. Ich erkenne dies umsomehr an, als Sie heute für sich 
gewiss nicht in der Stimmung sind, auf diese Extrareize zu 
verzichten. Mögen sie im Gegenteil in einer Herz und Gemüt 
erhebenden Weise Ihnen auf Ihrer schönen Fahrt durch die 
Bodenseelandschaft Zuströmen, ohne dass sie mit den unange¬ 
nehmen Folgen, den Extrasystolen des Herzens, verbunden sind. 


Sitzungsberichte. 

Deutschland. 

Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynaekologie zu 

Berlin . 

Sitzung am 11. Januar 1907. 

Vorsitzender: Herr Keller. 

I. Demonstrationen. 

Herr Olshausen stellt eine Patientin vor, bei der er eine 
grosse Bauchhernie, die sonst wohl inoperabel gewesen wäre, durch 
Einheilen eines Drahtnetzes mit Erfolg operiert hat. 

II. Vorträge. 

Herr Kownatzki demonstriert im Anschluss an seinen 
letzten Vortrag noch zwei Bilder, die Unterbindung der vena 
hypogastrica im Puerperium betreffend. 

Herr Bumm bespricht unter Bezugnahme auf die anato¬ 
mischen Auseinandersetzungen des Herrn Ko wnatzki die Venen¬ 
unterbindung bei puerperaler Pyaemie vom operativen Standpunkte 
aus. Er macht auf die grossen Schwierigkeiten bei der Orientierung 
in dem komplizierten Venengebiet aufmerksam und rät, sich mög¬ 
lichst an die grossen, oberen Gefässstämme zu halten, um zu 
wissen, was man unter den Händen hat. Wenn man nach Spal¬ 
tung des ligamentum latum die arteria hypogastrica nach links 
zieht, findet man die vena hypogastrica leicht. B. empfiehlt, die 
Vena nicht zu durchschneiden, sondern nur doppelt zu unterbinden, 
um die bei ev. Abgleiten der Ligatur auftretenden enormen Nach¬ 
blutungen sicher zu vermeiden. Ein Erfolg der Operation ist nur 
bei chronischer Pyaemie zu erwarten, in akuten Fällen ist sie 
aussichtslos. 

Herr Bumm: Ueber Blutstillung bei Beckenaus¬ 
räumung wegen Carcinoma uteri. 

Exakte Blutstillung ist bei den Carcinomoperationen von ent¬ 
scheidender Bedeutung, weil man nur unter dieser Vorbedingung 
exakt, sorgfältig und somit radikal operieren kann. 


und wenn am Broadway neben einem zweistöckigen Häuschen 
ein zweiundzwanzigstöckiger klobiger Gigant sich emporreckt, 
so wirken da die Kontraste; wenn ein reitender Schutzmann 
unserem Pferdebahn wagen vorreitet, um ihm für ein paar 
Häuserbreiten wenigstens unten im Hafenviertel Fahrbahn zu 
schaffen, und ein schlauer Niggerfuhrmann, unter seinem grossen 
Schirm mit Reklameaufschriften sitzend in S-förmiger Fahrt 
listig immer wieder vor uns das Geleise quert, um hernach 
wieder entgegengesetzt darüber zu fahren in Durchbrechung der 
endlosen, stockenden Wagenreihe, die hier die Strassen ver¬ 
stopft, so wird hierdurch die rasende Schnelle, mit der die 
elektrische Hochbahn auf ihren, wie ein Provisorium an¬ 
mutenden Gerüstbauten dahinsaust, nur um so verblüffender 
fühlbar. Wenn wir eine Strasse durchwandern, in der nur 
Neger — coloured people — wohnen, vom eleganten Nigger¬ 
dandy mit seiner senneeweiss angetanen „lady“ zum schlampig 
von erborgten Kleidern umflatterten schwarzen Gestell, wie 
wir uns diese Sorte vorzustellen gewohnt sind, um hernach in 
einer anderen Strasse nur die feine weisse Welt sich ergehen 
zu sehen, und in wieder einer anderen lauter gelbhäutige 
Chinesen — dann sind es immer wieder die Gegensätze, die 
wirken: Und wahrlich, das planlose, wilde Aufeinanderprallen 
der Kontraste ist es, was in der Riesenstadt uns allenthalben 
verblüfft, unseren Schönheits- und Formensinn aufs Tödlichste 
beleidigt 1 Soviel Grossstadtschmutz wie New-York weist 
wohl keine andere Grossstadt auf, lind so mustergültig der 


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64 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 6. 


In einfachen Fällen ist dieselbe leicht und so vollständig 
durchzuführen, dass die Pat. fast gar kein Blut verlieren. Erhebliche 
Schwierigkeiten treten jedoch auf, wenn das Carcinom in das 
Bindegewebe seitlich vom Uterus eingedrungen ist, da man in 
diesen Fällen in das enorme Wurzelgebiet der Venen hineinkommt. 
Die Versorgung der Arterien und der Venen des Spermatikal- 
stranges ist einfach und bedarf keiner besonderen Besprechung. 
Für die weitere Durchlührung der Operation empfiehlt B. folgendes 
Vorgehen: Bogenschnitt durch das Peritoneum und Auseinander¬ 
ziehen der Blätter des ligamentum latum, wodurch die grossen 
Gefässe und der Ureter freigelegt werden. Stumpfe Ausräumung 
des Fettgewebes und der Drüsen von der iliaca communis bis zum 
inneren Leistenring. Geringe Blutung, leicht durch Ligaturen 
zu stillen. Freilegen der hypogastrica. Unterbindung der vesicalis 
superior dicht an der uterina, dann der uterina mit ihren Venen 
über und unter dem Ureter. Jetzt ist der ganze uterine Gefäss- 
strang gelöst, lässt sich Zurückschlagen und der Ureter liegt bis 
zur Blase frei. Bis hierher sind schwere Blutungen nicht zu 
erwarten. Nunmehr gleiches Vorgehen auf der anderen Seite, 
dann Abschieben von Blase und Rektum und Durchtrennung der 
Scheide. Jetzt hängt der Uterus nur noch an der Basis des 
Ligaments rechts und links; man kann das ganze Venengebiet mit 
dem Uterus emporziehen und nach Belieben abklemmen oder partien¬ 
weise ligieren. Auf diese Weise können Blutungen vollkommen 
vermieden werden auch in Fällen, in denen das Carcinom schon 
in dieses Gebiet eingebrochen ist. Verletzt man doch vorher ver¬ 
sehentlich eine der tiefen Venen, so ist es nicht richtig, mit 
Klemmen vorzugehen oder den Stamm der iliaca zu unterbinden. 
Das einzig richtige ist, einen grossen Gazetompon auf die blutende 
Stelle aufzudrücken und zunächst die andere Seite und den Uterus 
auszulösen. Geht man dann zum Schluss an die Operation der 
verletzten Seite heran, so blutet es gewöhnlich gar nicht mehr, da 
die zuführenden Wurzeln der betreffenden Venen schon durch¬ 
schnitten sind. 

Diskussion: 

Herr Macken rodt bestätigt die Ausführungen des Herrn 
Bumm betreffs der Schwierigkeit der Orientierung und der Ge¬ 
fährlichkeit der Venenblutungen und macht noch im besonderen 
auf die Möglichkeit eiuer Luftembolie aufmerksam, die noch ge¬ 
fährlicher ist als eine starke Blutung und manchmal erst nach 
einer Reihe von Stunden zum Exitus führt. Bei starken Blutungen 
empfiehlt er als sicherstes Mittel zur Blutstillung die Abklemmung 
der Arteria iliaca communis, namentlich bei fetten Personen, bei 
denen die Uebersicht und Blutstillung sehr erschwert ist. Die 
einzigen Nachteile sind ev. später auftretende, aber vorübergehende 
Beinlähmungen. Des ferneren tritt er warm für die Verwendung 


Komfort im Hause auch drüben entwickelt ist, auf der Strasse 
isteroft merkwürdig wenig ausgebildet! Einen anderen Gegensatz 
bot mir ein Gabelfrühstück im Savoy Hotel am Central Park, 
Eingangs der fünften Avenue, und ein anderes in der vielge¬ 
rühmten B a chm an n'schen Brauerei auf Staten Island: Dort 
im Service, das nach meinem Grundsätze „gut serviert ist halb 
gegessen“ fast allein schon als Mahl genügt hätte, da auf 
schmutzigem Tischtuch zwei gebrauchte Servietten auf die 
Plätze gelegt, die aussahen wie gebrauchte Kinderwindeln! 
Meine Herren und Damen, ein guter Ort, um Heisshunger zu 
vertreiben! 

Selbst im berühmten Centralpark wirken die überall wild 
emporstarrenden Granitschroffen, um welche mancher Park bei 
uns dieses Refugium der New-Yorker beneiden würde, doppelt 
die unangenehme Empfindung steigernd, wenn ein gut Teil der 
Gehwege mit Asphaltbelag abgedeckt ist: Wo will unser Fuss 
im Walde auf festem Kunstboden wandeln, wo er weit lieber 
einmal selbst über die halbverborgene Baumwurzel stolpert! 
Ich kann das Gefühl nicht wiedergeben, mit dem ich zum 
ersten Male wieder in unsere, doch gewiss recht zahmen 
Wälder hier eingotreten bin und gegen die dort so ungeschickt 
verböserte grossartige, die hier so viel kleiner von Hause aus 
schaffende, aber nicht allzuabgeschliffene Natur verglich! — 
Wie widerlich wirkt auch z. B. die Reklame der Zahnärzte, 
welche draussen auf der Strasse im Glaskasten Goldgebisse 
und ganze Vermögen an Plattgold zur Schau stellen! 


des von ihm angegebenen Bogenschnittes ein, der eine ausgezeichnete 
Freilegung des Operationsgebietes gestattet und nach seiner Er¬ 
fahrung keine schlechteren Heili.ngschancen bietet als andere Schnitt* 
methoden. 

Herr Frommei (a. G.) berichtet aus der Hallenser Klinik 
über Fälle von Nekrose der Blasenschleimhaut nach doppelseitiger 
Unterbindung der art. hypogastrica am Abgang der vesicalis supe¬ 
rior, wie solche auch von Bumm beobachtet worden sind. Nament¬ 
lich bei älteren Frauen ist in dieser Beziehung Vorsicht geboten, 
während bei jüngeren Personen infolge der besseren Anastomosen- 
bildung die Gefahr geringer ist. 

Herr Gerstenberg fragt Herrn Bumm nach seinen Er¬ 
fahrungen und Resultaten bei der Operation der puerperalen Py- 
aemie. Bezüglich der Luftembolien ist er der Ansicht, dass die¬ 
selben bei Beckenhochlagerung wenig zu fürchten sind; Tod an 
Luftembolie mehrere Stunden post operationum hält er für sehr 
un wah rschei nl ich. 

Herr Mainzer tritt warm für die Mackenrodtsche Schnitt¬ 
führung ein. Die temporäre Abklemmung der iliacae hält er für 
gefährlich. Mit dem Verfahren Bum ms hat er sehr gute Erfah¬ 
rungen gemacht. Die Nekrose der Blasenschleimhaut ist seiner 
Ansicht nach weniger von der Unterbindung der art. vesicalis, als 
von der durch das Abschieben der Blase bedingten Ernährungs¬ 
störung abhängig. 

Herr Olshausen fragt an, was Herr Bumm unter chronischer 
Pyaemie verstanden wissen will. Das Erwähnen der Luftembolie 
hält er für sehr bedeutsam, da seiner Ansicht nach sicher viele 
solcher Fälle übersehen werden. Nur so kann er es sich wenigstens 
erklären, das er an seiner Klinik sechs Fälle beobachten konnte 
in einem Zeitraum, in dem in der gesamten gynaekologischen 
Literatur auch nur sechs Fälle beschrieben worden sind. 

Herr Mackenrodt, Herr Bumm: Schlusswort. Ueber die 
Abklemmung der iliacae hat er keine eigene Erfahrung,"er wird 
dieselbe aber gelegentlich versuchen. Luftembolien hat er nie 
gesehen. Bezüglich der Erfolge der Operation bei puerperaler 
Pyaemie teilt er mit, dass er unter den letzten sechs Fällen zwei 
Heilungen gesehen bat. Unter akuter Pyaemie versteht B. Fälle, 
die unter ständigen Schüttelfrösten in 8—14 Tagen zu Grunde 
gehen, die länger dauernden chronischen Fälle sind solche, bei denen 
sich der Prozess lokalisiert, abgekapselt hat und nur noch alle 
2—3 Tage ein Schüttelfrost auf tritt. Die Prognose der akuten 
Pyaemie ist sehr schlecht. Auf die Schonung der art. vesicalis sup. 
rät er, grosses Gewicht zu legen. Gegen den Mackenrodtsehen 
Querschnitt hat er bei aller Anerkennung seiner Vorzüge immer 
noch Bedenken wegen der grossen Weichteil Verletzung. 

G. Z. 


Wer sich drüben eingewöhnt, der ist für unsere Anschau¬ 
ungen verloren: Das ist wohl gutenteils der Grund, weshalb 
in den Hauptverkehrszentren Amerikas das Deutschtum so 
schnell erlischt in den Eingewanderten. Es gehört eine weit 
über den Durchschnitt ragende Individualität, wie sie etwa 
Carl Schurz besass, dazu, um sich von dem abschleifenden 
Einfluss dort frei zu halten! 

Vieles, vieles ist Staunens-und nachahmenswert; in vielem 
aber liegt die Dekadenz ausgeprägt am Tage: Untergang der 
geistigen Individualität, so sehr sie drüben damit prahlen 
mögen in selbstvorblendeter Täuschung, ist das Los, an dem 
das amerikanische Volk zu Grunde gehen wird, um ausein¬ 
anderzufallen in Einzelstaats wesen, in denen sich wieder kraft¬ 
volle Eigenart entwickeln kann. Was ist der Grund, warum 
das Deutsche Volk so viel mehr zu überstehen vermochte als 
irgend eine andere Nation? Hätten wir nicht die durch unsere 
vielgeschmähte Kleinstaaterei gezüchtete ideale Einzelindividu¬ 
alität jedes Volkesstammes gewahrt, so wären wir unter den 
Drangsalen des dreissigjährigen oder der französischen Kriege 
zu Grunde gegangen, elend erloschen am Völkerhimmel als 
Satelliten im Gefolge der Sonne Frankreich, von dort em¬ 
pfangend, was wir als geborgtes Licht weiterstrahlen würden! 

(Fortsetzung folgt.) 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


65 


Berliner medidnische Gesellschaft. 

Sitzung vom 16. Januar 1907. 

Vor der Tagesordnung 

demonstriert Kromay er eine Quarzlampe, die auf dem Prinzip 
der Aron sehen Quecksilberlampe beruht. Durch Färbung der 
Kühlflüssigkeit lässt sich eine Auslese der Strahlen bewirken. 
Das Licht ist sehr wirksam, die Anwendung einfach, und der 
relativ billige Preis gegenüber der Finsenlampe wird eine aus¬ 
giebigere Verwendung ermöglichen und eine unbeschränkte Er¬ 
weiterung der Indikationen der Lichttherapie herbeiführen können. 

Bla sch ko sieht in der Lampe einen wesentlichen Fortschritt 
gegenüber früher hergestellten Modellen, glaubt aber, dass noch 
Verbesserungen erforderlich sind (Erhöhung der Beweglichkeit, 
besonderes Kompressorium nebea dem Quarzfenster). Mit diesem 
wird die Quarzlampe der Finsenlampe üborlegen sein. 

Fortsetzung der Diskussion über den Vortrag Heubner: Zur 
Kenntnis orthotischer Albuminurie. 

Zondek erinnert an seine anatomischen Untersuchungen, die 
gezeigt haben, dass gewissen Gef&ssen der Niere eine besondere 
Bedeutung zur Regulierung des Druckes und der Stromgeschwin¬ 
digkeit des Blutes zukommt. Die physiologische Blutstromverlang¬ 
samung kann bei orthotischer Albuminurie bei aufrechter Haltung 
zu einer pathologischen Stauung führen. 

Schiffer: Während bis zum 10. Jahre die orthotische Albu¬ 
minurie gleich häufig bei Knaben und Mädchen auftritt, wird sie 
vom 10. bis 14. Jahre viel öfter bei Mädchen beobachtet (42 
Mädchen gegenüber 9 Knaben nach Untersuchungen in der Neu¬ 
mann sehen Poliklinik). Das ist nicht durch voraufgegangene In¬ 
fektionskrankheiten zu erklären; da ist ein neues Moment wirk¬ 
sam, die Pubertät, die bei Mädchen einige Jahre früher auftritt; 
sie bringt oft ein Missverhältnis zwischen dem Wachstum des 
Körpers und des Herzens; das letztere genügt nicht voll allen 
Ansprüchen, dadurch kommt es zu Stauungserscheinungen bei der 
aufrechten Haltung. Nach dieser Anschauung erscheint ein thera¬ 
peutischer Versuch mit Widerstandsgymnastik zur Herzkräftigung 
gerechtfertigt. Stets wurden dabei subjektive Besserungen, nie¬ 
mals eine Schädigung beobachtet. 

Reyher: Ein erheblicher Teil der orthotischen Kinder ist 
tuberkulös, oder stammt aus tuberkulösen Familien. Das weist 
auf einen Zusammenhang zwischen der orthotischen Albuminurie 
und der Tuberkulose hin, der dadurch noch wahrscheinlicher wird, 
dass viele der Kinder eine nachweisbare relative Kleinheit des 
Herzens und der abgehenden Ge fasse aufweisen. 

Uli mann hat Untersuchungen an gesunden Schulmädchen 
ar gestellt und bei einer grösseren Zahl in 33V8% Albuminurien 
festgestellt. Infektionskrankheiten waren nur in wenigen Fällen 
vorangegangen, sie können also nicht die Ursache der orthotischen 
Albuminurie sein. Der höchste Eiweissgehalt fand sich bei dem 
kräftigsten der untersuchten Mädchen; ein Zusammenhang zwischen 
Konstitution und orthotischer Albuminurie wurde ihm nicht er¬ 
sichtlich. Eine Therapie ist überflüssig. Bei allen Kindern schwand 
die Albuminurie völlig von selbst. Vom versicherungstechnischen 
Standpunkte aus ist die orthotische Albuminurie als gleichgültig 
zu betrachten. 

Casper hat bei langer Beobachtung zwei Fälle von ortho¬ 
tischer Albuminurie in Cylindrurie übergehen sehen. Er erinnert 
daran, dass es sehr schwere Nierenblutungen gibt, für die ein 
anatomisches Substrat nicht zu finden ist. Die Veränderungen in 
der Heubnerschen Niere hält er für nicht pathologisch, und 
durch den Fall für bewiesen, dass es eine orthotische Albuminurie 
ohne Nephritis gibt. 

Senator betont nochmals die Bedeutung der Infektionskrank¬ 
heiten für die Entstehung der orthotischen Albuminurie; es sind 
dahin aber auch die leichten Fälle, Anginen etc., zu rechnen, die 
oft übersehen werden und dem Gedächtnis entschwinden. Dass 
in Fällen orthotischer Albuminurie eine diffuse Nephritis vorliege, 
habe er nicht behauptet; es handele sich um Nieren, die durch 
eine vorangegangene oder ablaufende, oder in schleichender Ent¬ 
wicklung begriffene Entzündung in ihrer Widerstandskraft ge¬ 
schwächt seien; dafür könne gerade die Heubnersche Niero als 


Beweis gelten, in der sicherlich Reste von Entzündungsherdchen 
vorhanden sind. 

Orth: Das vorgestellte Nierenpräparat ist absolut nicht nor¬ 
mal; die Niere onthält den atrophischen Herd; derselbe ist als 
Folge einer Gefässverflnderung zu betrachten, sicherlich aber nicht 
— ebensowenig wie die Fettinfiltration der Epithelien — als 
Zeichen einer Entzündung oder Residuum einer solchen anzusehen. 
Die von Hansemann hervorgehobenen Veränderungen an den Glo- 
ineruli kann er nicht anerkennen. Absolut betrachtet ist die vor¬ 
gestellte Niere nicht normal, für die Erklärung der orthotischen 
Albuminurie aber ist sie als normal zu betrachten. 

Meyer: Den Langsteinschen Befund bezgl. der durch Essig¬ 
säure fällbaren Eiweissstoffe bei orthotischer Albuminurie kann 
er nicht bestätigen. Als Ursache für die Affektion kommen car- 
diovasculäre Störungen, hydrostatische Veränderungen, Herab¬ 
setzung des Blutdrucks, Verlangsamung des Blutumlaufs in Be¬ 
tracht. 

Ewald: Eine lang fortgesetzte Beobachtung einer Anzahl 
von orthotischen Albuminurien hat ihn dazu geführt, die Prog¬ 
nose doch sehr vorsichtig zu stellen. Durch Verabreichung von 
milchsaurem Kalk (0,5 g dreimal täglich) hat er in mehreren Fällen 
von orthotischer Albuminurie das Eiweiss zum Schwinden ge¬ 
bracht. 

Aerztlicher Verein vn Hamburg. 

(Biologische Abteilung.) 

Sitzung am 18. Dezember 1906. 

Vorsitzender Herr Paschen. 

I. Demonstrationen: 1. Herr Preiser berichtet über 
zwei circa 35jährige Patienten mit Tennisellbogen: Erguss im 
Humeroradialgelenk, extreme Beugung und Streckung schmerzhaft 
und nur passiv möglich, Zwischenbewegungen völlig frei, ebenso 
Pronation und Supination. Der Schmerz beim Tennisspiei wird 
ebenso wie bei der Palpation auf die Humeroradialkapsel und auf 
das Capitulum des Radius lokalisiert. Vortr. erklärt den Mechanis¬ 
mus des Tennisellbogens folgendermaßen: an der Humeroradial¬ 
kapsel, d. h. dem lig. collater. radial., setzen sich einmal ein Teil der 
Fasern vom M. supinat. brev. und zweitens Fasern vom M. brac- 
chial. intern, an, die ihrerseits die Funktion haben, bei stärkster 
Beugung die Kapsel vor Einklemmung zu schützen. Findet also 
gleichzeitig eine Beugung und eine Supination statt, so kann die 
Kapselpartie gleichzeitig nach zwei verschiedenen Richtungen ge¬ 
zerrt werden, und dadurch eine chronische Kapselentzündung ent¬ 
stehen. Beugung mit gleichzeitiger Supination findet statt beim 
Abschlag des Balles nach unten, wenn sich der Ball unter Schulter¬ 
höbe befindet. Vortr. stellt dann einen Schmied vor mit gleichem 
Symptomenkomplex, der seitwärts in Rumpfhöhe befindliche Röhren 
mit dem Hammer durch Schläge in Beugung und Supination zu 
bearbeiten hatte. Therapie: Ruhe, heisse Armbäder, Massage und 
vorsichtiges Pendeln, — Stauung ohne Erfolg! —, Tennisspiel 
aussetzen lassen. 2. Herr Roosen-Runge berichtet über Blut¬ 
untersuchungen bei Typhuskranken. Ausgehend von den 
Arbeiten, die sich mit Anreicherung von Typhusbazillen im Blut 
mit Galle befassen, insbesondere der Arbeit von Meyerstein, der 
angibt, dass Lösungen von gallensauren Salzen dieselben Dienste 
tun wie die Galle selbst, bat Vortr. sich einen 1 % Natr. glyko- 
cholic. - Agar hergestellt. Hiermit wurden die Blutuntersuch¬ 
ungen nach den von Schottmüller angegebenen Methoden aus¬ 
geführt, und zum Vergleich ein Teil des Blutes in gewöhnlichen 
Glycerinagar übertragen. Es zeigte sich, dass auf dem neuen 
Nährboden stets nach 16 Stunden bereits Kolonien sichtbar waren, 
während im Glycerinagar, wie bekannt, frühestens nach 30 Stunden 
Kolonien erscheinen. Ausserdem ist die Zahl der Kolonien be¬ 
deutend grösser, und beträgt das Doppelte und Dreifache der im 
Glycerinagar aufgebenden Kolonien. Die Methode bietet gegen¬ 
über dem Arbeiten mit flüssigen Gallen-Nährböden den Vorteil, 
dass sie eine Keimzählung ermöglicht. 3. Herr Roosen-Runge 
berichtet über einen Fall von Thyreoiditis purulenta bei 
einem Typhuskranken, der an Lungenembolie zu Grunde ging. Die 
Thyreoidea schwoll an, zeigte Fluktuation und wurde incidiert: es 
fanden sich nur Typhusbazillen, keine anderen Eitererreger. 


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66 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 6. 


II. Vortrag des Herrn Ftilleborn: „Ueber Kalaazar.“ 
Kalaazar ist eine in den Tropen vorkommende fieberhafte Er¬ 
krankung mit Milz- und Leberschwellung, die meist nach neun¬ 
monatigem Bestehen zum Tode führt. In der Milz finden sich da¬ 
bei eigenartige Gebilde, die sogen. Leishman - Donovanschen 
Körper. Anfangs der 80 er Jahre fand die erste grössere Kala- 
azarepidemie den Bramaputra hinauf statt, an der Hunderttausende 
starben; eine solche Epidemie dauert meist etwa sechs Jahre, doch 
blieb dann stets eine Endemie zurück. Ross und Rogers hielten 
Kalaazar zunächst für eine Art Malaria, doch sind die Malaria¬ 
plasmodien dabei wohl nur ein Nebenbefund; auch hielt man die 
Krankheit für eine Aukylostomiasis, bis im Mai 1903 Leishman 
und Donovan in Madras die nach ihnen benannten Körperchen 
entdeckten, die jedoch keine Degenerationsformen von Trypanosomen 
darstellen. Es ergab sich, dass auch das sogen. Dumdumfieber keine 
Malariakachexie ist, sondern es ist Kalaazar. 5% aller Aufnahmen 
in den Krankenhäusern von Madras sind Kalaazarfälle. Die Krank¬ 
heit kommt ausser in Indien vor in Aegypten, Algier, Arabien, 
China und Ceylon und zwar dort ebenfalls mit 95%iger Morta¬ 
lität. Fieberperioden wechseln mit fieberfreien ab, es besteht ein 
grosser Milz- und Lebertumor, die Hautfarbe wird erheblich dunkler, 
namentlich an der Innenfläche der Hände und der Füsse, weshalb 
es die „schwarze Krankheit“ genannt wird. Dabei findet eine 
starke Blutveränderung statt: die Anaemie braucht nicht sehr 
hochgradig zu sein, da sich oft noch zwei bis drei Millionen roter 
Blutkörperchen vorfinden, aber die Leukocytenzahl ist stark ver¬ 
mindert, mehr als es relativ zur roten Blutkörperchenzahl sein 
müsste. Es haben meist die polynucleären Leukocyten abge¬ 
nommen, dabei ist eine relative Mehrheit von mononucleären Ele¬ 
menten vorhanden. Die Therapie besteht in Chinin in heroischen 
Dosen; mit frischem Knochenmark erzielte man keine guten Er¬ 
folge. Die Diagnose ist nicht ganz einfach, da die charakteristischen 
Elemente nicht im peripheren Blut kreisen, sondern nur durch 
Punktion der Leber oder der Milzpulpa gewonnen werden können; 
dabei sind Todesfälle während der Milzpulpapunktion nicht gerade 
selten, während die Leberpunktion einfacher ist. Die Leishman- 
Donovanschen Körper sind ungemein klein, bestehen aus einem 
Protoplasmaleib mit einem grossen und einem kleinen stabförmigen 
Kern, welch’ letzterer sich viel intensiver färbt. Die Kerne teilen 
sich meistens zweifach, nur manchmal multipel, dann findet eine 
Plasmaabschnürung statt. Die Körperchen befinden sich nie im 
freien Gewebe, sondern sind in Phagocyten eingeschlossen. Leish¬ 
man hielt sie zunächst für Kerndegenerationen von Trypanosomen, 
Rogers konnte aus ihnen Flagellatenformen züchten. Der Parasit, 
der jetzt offiziell Leishmania-Donovanii heisst, kommt auch im 
Granulationsgewebe der Delhibeule vor. Die Uebertragung des 
Kalaazar findet in folgender Weise statt: im Wanzenmagen ist 
eine Flagellaten form gefunden worden, die mit der oben erwähnten, 
von Rogers gezüchteten identisch zu sein scheint: man nimmt 
nun an, dass das Kalaazar durch Wauzenstiche übertragen wird; 
meist erkrankt die nächste Umgebung des Kranken sofort, eine 
Uebertragung findet jedoch nicht statt, wenn die ganze Eingeborenen¬ 
hütte verbrannt wird. Europäer erkranken nur in ärmlichen Ver¬ 
hältnissen oder nach Verkehr mit eingeborenen Konkubinen. Im 
allgemeinen ist Kalaazar der Bantischen Krankheit sehr ähnlich. 
Dem Vortrag folgte eine grosse Anzahl Lichtbilder. 

III. Diskussion: Herr Umber (Altona) glaubt nach der 
Darstellung ebenfalls eine grosse Aehnlichkeit mit Bantifällen er¬ 
kennen zu können. Herr Unna tritt der Auffassung entgegen, 
dass die Delhibeule nur eine Variation der Aleppobeule sei; in 
Wirklichkeit handelt es sich wohl um eine ganz verschiedene 
Krankheit. Herr Paschen erkundigt sich, ob bei Kalaazar be¬ 
reits Impfungen gemacht seien. Herr Fülleborn weist im Schluss¬ 
wort nochmals auf die grosse Aehnlichkeit mit Bantischer Er¬ 
krankung hin und teilt mit, dass bei Kalaazar ebenfalls schon 
Milzexstirpationen wie bei Banti gemacht worden seien, allerdings 
ohne jeden Erfolg. 

Nachdem zu Vorsitzenden der biologischen Abteilung des ärzt¬ 
lichen Vereins in Hamburg pro 1907 die Herren Umber (Altona) 
und Sud eck gewählt worden sind, werden die Sitzungen bis nach 
Neujahr vertagt. Schönewald. 


Verein für innere Medicin. 

Sitzung vom 7. Juli 1906. 

Vor der Tagesordnung: 

Herr Holländer demonstriert Präparate von operierten 
Fällen a) multiple miliare Abscessbildung einer Niere; b) Pyelo¬ 
nephritis caloulosa mit hypertrophischer Wucherung der Kapseln 
auch bei der anderen Niere, die dehapsuliert wurde, Ausgang in 
Heilung; c) Nieren- und Hodentuberkulose. 

Herr Litten stellt einen Fall von doppelseitiger totaler Oph¬ 
thalmoplegie vor bei einem 20jährigen Mädchen, das in einer Gummi¬ 
fabrik mit Galvanisieren von Kautschuck beschäftigt war. Bei 
ihrer Einlieferung ins Krankenhaus zeigte sich doppelseitige Ptosis, 
Unbeweglichkeit beider Augen, Schwäche der Kaumuskeln, totale 
Pupillenstarre. Allmählich trat Paraaesthesie und Parese sämt¬ 
licher Extremitäten auf, alle Muskeln sind schliesslich ergriffen, 
Sehnenreflexe erloschen. Muskeln zeigen myasthenische Reaktion, 
keine Atrophie. Allmählich langsamer Rückgang aller Erscheinungen, 
Pat. vermag jetzt etwas zu gehen, bewegt auch die Augen bereits 
in geringem Grade. Myasthenia paralytica ist es nicht, auch gegen 
Polioencephalomyelitis haemorrhagica spricht sehr viel. In excidierten 
Muskelstückchen findet sich Verschmälerung der Muskelfasern und 
Vermehrung der Kerne. 

Diskussion. Herr von Leyden hält Polioencephalomyelitis für 
vorliegend, wogegen sich Herr Litten wendet. 

Herr Lewandowski fragt, ob hier nicht eine Polyneuritis 
vorliegen könne. 

Diskussion wird vertagt. 

Tagesordnung: 

Herr R ö n n i g e r zur Pathologie des Herzschlags. 

Mackenzie hat als erster die systolischen Erhebungen der 
Venenkurven dort, wo Lebervenenpuls und TJeberfüllung der Hals¬ 
venen fehlt, als Folge gleichzeitiger Kontraktion von Vorhof und 
Ventrikel angesehen, eine Blutung, die En gelmann durch das Tier¬ 
experiment gestützt hat. Hering hingegen sieht diese systolischen 
Venenwellen als Ausdruck einer Tricuspidalinsufficienz an. Vor¬ 
tragender suchte diese Frage zu entscheiden und kommt zu dem 
Resultat, dass in der Tat Fälle zu beobachten sind, wo «in Reiz 
von der Atrioventriculargrenze ausgehend, Vorhof und Kammer 
gleichzeitig zur Kontraktion bringt. Gegen die Tricuspidalinsuffi¬ 
cienz spreche vieles, vor allem das Fehlen des Lebervenenpulses 
und die Venenstauung. Charakteristisch sei die Unregularität des 
Herzschlages, therapeutisch werde Digitalis schlecht vertragen. 

Diskussion: Herr Fürbringer. Carl Lewin. 


Literarische Monatsschau. 

Gynäkologie. 

Das uralte, bisher aber immer noch nicht befriedigend gelöste 
Problem von der Menstruation in ihrer Beziehung zur 
Conception macht Bayer-Strassburg zum Gegenstand einer 
interessanten, kritischen Studie. Auf Grund vergleichend ana¬ 
tomischer und teleologischer Betrachtungen, die im Einklänge mit 
den anatomischen Befunden beim Menschen stehen, kommt er zu 
dem Resultat, dass die eigentliche Bedeutung der Menstruation 
in der oberflächlichen, zur Abstossung der flimmernden Cilien des 
Epithels führenden Desquamation der Uterusscbleimhaut besteht. 
Er sieht darin eine Anpassungserscheinung, hervorgegangen aus 
der Notwendigkeit, die phylogenetisch zum Zweck der Eiablage 
überkommene Flimmerung im Interesse der Conception zeitweilig 
zu unterbrechen. Es wird auf diese Weise den Spermatozoon in 
der Zeit nach der Menstruation die Möglichkeit, in das Uterus¬ 
innere und die Tunen einzudringen, erheblich erleichtert (Concep¬ 
tion). In der Tube verharren sie dann solange, bis ganz unab¬ 
hängig von Menstruation und Conception nach einiger Zeit die 
Ovulation und im Anschlüsse daran die Imprägnation, die Befruch¬ 
tung des Eies erfolgt. Diese von Bayer geistreich ersonnene 
Theorie hat fraglos den grossen Vorzug vor anderen, dass sie tat¬ 
sächlich das gesamte Problem der Menstruation, Conception und 
Befruchtung restlos und zwanglos zu lösen imstande ist. 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


67 


Id der neuen, fünften Auflage seines Vortrages „Ueber die 
zunehmende Unfähigkeit der Frauen, ihre Kinder zu 
stillen“ hat von Bunge zur Unterstützung seiner früheren Be¬ 
hauptungen neues beweiskräftiges Material beigebracht, so dass er 
jetzt über ganz beträchtliche Zahlenreihen verfügt. Die Ausführ¬ 
ungen v.'Bunges gipfeln bekanntlich im wesentlichen in der 
Anschauung, dass der chronische Alkoholismus die hauptsächlichste 
Ursache einer die Stillfähigkeit vernichtenden rasch vorschreitenden 
Degeneration des Menschengeschlechtes ist. 

Er sagt: „War der Vater ein Trinker, so verliert die Tochter 
die Fähigkeit, ihr Kind zu stillen und diese Fähigkeit ist fast 
immer verloren für alle kommenden Generationen. Die Unfähig¬ 
keit zu stillen ist keine isolierte Erscheinung; sie paart sich mit 
anderen Symptomen der Degeneration, insbesondere mit der Wider¬ 
standslosigkeit gegen Erkrankungen aller Art, wie Tuberkulose, 
Nervenleiden, Zahnkaries etc. Die Kinder werden ungenügend er¬ 
nährt und so steigert sich die Entartung von Generation zu 
Generation.“ Zur Verhütung dieser fortschreitenden Degeneration 
empfiehlt v. Bunge zwei Radikalmittel, nämlich die Abschaffung 
des Alkohols und eine strenge Zuchtwahl. Ein gesunder junger 
Mann soll 

1. kein Mädchen heiraten, das nicht von der eigenen Mutter ge¬ 

stillt werden konnte, 

2. kein Mädchen aus einer tuberkulösen Familie, 

3. kein Mädchen aus einer psychopathisch belasteten Familie, 

4. keine Tochter eines Trinkers. 

So anerkennenswert und wertvoll die Forschungen v. Bunge8 
sind, soviel wahres und beherzigenswertes sie fraglos enthalten, 
auf das Gebiet der radikalen Zuchtwahl wird man ihm schwerlich 
folgen können. Leider macht Verf. keine Anäheren ngaben dar¬ 
über, wie er sich die Umsetzung seiner Utopie in das Leben des 
Alltags vorstellt. 

In Form eines ausserordentlich flott und klar abgefassten 
klinischen Vortrages behandelt Bäck er-Budapest das Gebiet der 
Infektionskrankheiten der weiblichen Genitalien. Die 
recht lesenswerte Arbeit gibt — wenn sie auch im wesentlichen 
nichts Neues bringen kann — dem Praktiker einen umfassenden 
und klaren Ueberblick über Aetiologie, Pathologie, Diagnose und 
Therapie, namentlich der gonorrhoischen und puerperal-septischen 
Erkrankungen. Am Schlüsse der Arbeit bespricht B. die Frage 
der Prophylaxis und gelangt zu dem Schluss, dass auf dem Ge¬ 
biete der puerperalen Infektion nur die Heranziehung intelligen¬ 
terer Elemente zum Hebammenstande, auf dem Gebiet der gonor¬ 
rhoischen Erkrankungen nur eine streDge Regelung des Prostitu¬ 
tionswesens eine durchgreifende Besserung zu schaffen imstande 
wäre. 

Jn dem dringenden Rufe nach gebildeten Hebammen gipfelt 
auch die Arbeit Eksteins über die puerperale Infektion in 
forensischer Beziehung. An der Hand der einschlägigen 
preussi8chen und österreichischen Gesetzesparagraphen sucht er den 
Nachweis zu führen, dass dieselben durchaus mangelhaft sind und 
unseren Anschauungen und Anforderungen gerade in bezug auf 
die puerperale Infektion nicht entsprechen. Er sieht vom forensi¬ 
schen Standpunkte aus eine grosse Ungerechtigkeit darin, an der 
Hand unzulänglicher Gesetze an die Leistungen unserer jetzigen, 
nach ihrer geistigen Qualifikation und technischen Ausbildung als 
durchaus ungeeignet zu bezeichnenden Hebammen den Maßstab 
anzulegen und die Hebammen streng zur Veiantwortung und Be¬ 
strafung heranzuziehen, während sie doch infolge ihrer unzu¬ 
reichenden Ausbildung für ihr Tun und Lassen ebenso kein Ver¬ 
ständnis besitzen, wie ihnen dasselbe für ihre Unterlassungen voll¬ 
kommen fehlt. 

Auf Grund früherer schlechter Erfahrungen bei Retention 
der Eihäute ist Rissmann zu der Anschauung gekommen, dass 
diese Komplikation nicht allzu leicht genommen und durch ein 
aktiveres Vorgehen als bisher bekämpft werden sollte. In sechs¬ 
zehn nach seinen Prinzipien behandelten Fällen war er mit den 
erzielten Erfolgen recht zufrieden. Er resümiert: 1. Zurückge¬ 
bliebene Eihäute sind zu entfernen, der drohenden Sepsis wegen, 
um das Wochenbett nicht unnötigerweise zu verlängern und um 
eine gute Involution zu erzielen, in seltenen Fällen auch der Blut- 
stillnng wegen. 2. Zur Entfernung genügt oft ein energischer, 
in längeren Pausen wiederholter äusserer Druck auf die Gebär¬ 


mutter. Sind 24 Stunden nach der Geburt verflossen, so ist die 
Herausbeförderung auf alle Fälle, ev. nach Einstellung der Portio 
instrumentell, zu vollziehen. 

Einen interessanten Beitrag zur therapeutischen Seite der 
Eklampsie frage liefert eine kurze Mitteilung von Gutbrod. 
Bei einer Patientin, die in den ersten beiden Graviditäten jedes¬ 
mal eine schwere Eklampsie durchgemacht hatte, verordnete Gut¬ 
brod während der dritten Gravidität prophylaktisch — na’h dem 
Vorschläge von Bolle und Lomer — Jodkali 10:200 mit dem 
Resultate, dass die Entbindung völlig normal verlief. Am Ende 
der darauffolgenden vierten Gravidität, während der die Patientin 
wieder aus der Behandlung fortblie’o, kam wieder eine schwere 
Eklampsie zum Ausbruch. G. wirft im Anschluss daran die Frage 
auf, ob es sich nicht ev. empfehlen würde, allen Schwangeren 
während der letzten Monate die unschädliche Jodkalimedikation 
zu verabfolgen. (Schluss folgt.) 


Periodische Literatur. 

Münchener med. Wochenschrift. Nr. 2 . 1907. 

1. Bingel, Tübingen: Untersuchungen über den Einfluß des 
Biertzinkens und Fechtens auf das Herz junger Leute. 

B. hat systematische, durch mehrere Jahre fortgesetzte Unter¬ 
suchungen der Herzen junger Studenten, die als Angehörige einer 
schlagenden Verbindung in ausgiebiger Weise dem Genuss von 
Alcoholicis, sowie dem Fecht- und Mensursport huldigten, angestellt. 
Die Beobachtungen ergaben, dass die Einflüsse des Studenten¬ 
lebens, Alkoholgenuss, Fechten, Mensurenschlagen, während der 
üblichen Studienzeit das gesunde Herz nicht in erkennbarer Weise 
schädigen, wenn nicht andere schädliche Momente hinzukommen; 
sie lassen aber keinen Schluss darüber zu, ob ein Herz, das ein 
ausgiebiges Studentenleben hinter sich hat, nicht früher und leichter 
versagt, als ein anderes, das solchen Einflüssen nicht ausgesetzt 
war. Von grosser Bedeutung ist es, ob die Lebensführung der 
ersten Studienjahre über die übliche Zeit fortgesetzt wird. Das 
vorher schon irgendwie geschädigte Herz läuft dagegen Gefahr, 
insuffizient zu werden. 

2. Bürker, Tübingen: Zur Thermodynamik des Muskel. 

Die an Fröschen angestellten Versuche ergaben, dass die 

Muskelmaschine unter den verschiedenen äusseren und inneren 
Einflüssen, wie sie die verschiedenen Jahreszeiten mit sich bringen, 
gesetzmässig wechselnde Mengen von Brennmaterial enthält und 
dieses verschieden verwertet; die weiblichen Muskeln verfügen in 
der Laichzeit über viel Brennmaterial und sind daher sehr leistungs¬ 
fähig; Krötenmuskeln wenden unter sonst gleichen Bedingungen 
zur Ermöglichung einer maximalen Zuckung nur halb so viel Ener¬ 
gie auf als Froschmuskeln; es bestehen sehr bemerkenswerte 
Differenzen im thermodynamischen Verhalten des Adduktoren- und 
Gastrocuemiuspräparates, indem das erstere mit der halben Menge 
von Brennmaterial doppelt so viel Arbeit leisten kann als das 
letztere; eine Heizung des Muskels vom Nerven aus, ohne dass es 
zu einer Kontraktion kommt, gibt es nicht; bezüglich des Ener¬ 
gieaufwandes ist es gleichgültig, ob direkt oder indirekt gereizt 
wird, falls die Arbeitsleistung gleich gross wird; bei einer Muskel¬ 
zuckung löst der Zug des Gewichtes nicht nur im Stadium der 
steigenden Energie, sondern auch in dem der sinkenden Energie 
exothermiscbe Prozesse, wenn auch in geringem Grade, aus. 

3. Best, Giessen: Ueber Korrelation bei Vererbung in der 
Augenheilkunde. 

Betrachtet werden zunächst die Beziehungen der einzelnen 
Teile des Auges zu einander und gezeigt, dass die erblich über¬ 
kommene Refraktion ein Verhältnis der formgebenden Faktoreu 
des Auges ausdrückt, dass also die Korrelation der einzelnen Teile 
des Auges vererbt wird. Der Astigmatismus, dessen Erblichkeit 
nicht zu bestreiten ist, findet sich oft vergesellschaftet mit im 
engeren Sinne pathologischen Fehlern an anderen Geweben des 
Auges. Zwischen Netzhaut- und Sehnervenbildung einerseits, und 
Homhautrefraktion andererseits, besteht eine erbliche Korrelation: 
enge entwicklungsgeschichtliche Beziehungen zwischen Netzhaut 


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68 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 6. 


und dem dioptrischen Apparat des Auges sind anzunehmen, und 
bei Fehlern des nervösen Augenanteils finden sich häufig korrela¬ 
tive Fehlbildungen an Hornhaut, Linse und anderen Geweben des 
Auges; so z. B. Refraktionsfehler, angeborene Katarakte bei Farben¬ 
blindheit. Neben der gleichartigen Vererbung spielt die hetero- 
morphe Vererbung eine Rolle, indem der Augenfehler nicht in 
derselben Form vererbt wird, sondern mehr eine Vererbung der 
defekten Anlage des Organs stattfindet. Es ist anzunehmen, dass 
bei der Keimesmischung ein bestimmtes pathologisches Merkmal 
zwar nicht genügend dominiert, um sich selbst ganz durchzusetzen, 
sondern nur noch eine schwache Störung, eventuell in entwick¬ 
lungsgeschichtlich verknüpften Geweben , hervorrufen kann. 
Auf dem grossen Gebiete der erblichen Beziehungen dos Auges 
zu anderen Organen, spielen die zum Gehirn die grösste Rolle 
und sind auch allgemeiner gewürdigt; eine Verbildung des Auges 
beliebiger Art in Korrelation zu geistiger Erkrankung auf ange¬ 
borener Grundlage ist sehr häufig zu beobachten. Neben den Be¬ 
ziehungen des Auges zum Gehirn kommen noch solche zu Miss¬ 
bildungen verschiedener Art am Körper und zu Stoffwechselanoma¬ 
lien in Betracht. 

4. Arnsperger, Heidelberg: Zur Frühdiagnose der Lungen¬ 
tuberkulose. 

Ueber die Bedeutung der Röntgenmethode zur Frühdiagnose 
der Lungentuberkulose sind die Ansichten noch geteilt. A. kommt 
auf Grund seiner Erfahrungen zu günstigem Urteil. Das Wil¬ 
liam ssche Symptom, die verminderte Atmungsexkursionsbreite des 
Zwerchfells der befallenen Seite, hat er nur selten beobachten 
können; dagegen gibt das Röntgenbild in Veränderungen der 
Helligkeit und Grösse der Lungenspitzenfelder und Verschieden¬ 
heiten der Helligkeitsänderung bei der Atmungsbewegung wichtige 
Anhaltspunkte lür eine beginnende Spitzenaffektion. Die Röntgen¬ 
untersuchung macht die anderen Untersuchungsmethoden nicht 
überflüssig; sie leistet nicht mehr, aber anderes als diese und 
kann sie in wertvoller Weise ergänzen. 

5. Pförringer und Bunz, Regensburg: Die röntgenologi¬ 
sche Diagnostik der Lungentuberkulose. 

Ihre vielseitigen Erfahrungen über die Bedeutung der Rönt¬ 
genuntersuchung für die Diagnose der Lungentuberkulose fassen 
die Verff. dahin zusammen, dass die Methode bei vorgeschrittenen 
Fällen einen guten Einblick in den Zerstörungsprozess, der oft 
weit über das klinisch Nachweisbare hinausgeht, gestattet, dass 
sie bei incipienten Fällen fast stets die oft schwankende Diagnose 
zu sichern und zu festigen vermag. Sie ist keine selbständige 
Methode, die der übrigen klinischen Hilfsmittel entraten könnte, 
aber sie ist eine wertvolle Unterstützung derselben und besonders 
für die Untersuchungen und Begutachtung versicherungspflichtiger 
Kranker nicht zu entbehren. 

6. Nyrop, Kopenhagen: Gastropexie und Retention. 

Verf. berichtet über mehrere Fälle, bei denen eine Gastro¬ 
pexie, die spontan durch Verwachsungen mit der vorderen Bauch¬ 
wand entstanden, oder operativ angelegt war, zu schweren Stör¬ 
ungen der Magenfunktion, besonders durch Retention geführt hatte, 
deren Beseitigung eine Gastroenterostomie erforderte. Danach be¬ 
steht die von Rovsing bei Empfehlung der Gastropexie zur Be¬ 
handlung der Gastroptose gemachte Annahme, dass die physiolo¬ 
gische Funktion des Magens beeinträchtigende Störungen durch 
die Operation nicht herbeigeführt werden könnten, nicht zu Recht. 

7. Rosenbach, Berlin: Die Methoden der Verstärkung des 
Kniephänomens. 

Gegenüber den andern Methoden, Jendrassikscher, Krönig- 
scher Kunstgriff, Rückwärtszählenlassen, verweist R. auf den von 
ihm früher gemachten Vorschlag, die Aufmerksamkeit des Patienten 
dadurch abzulenken, dass man ihn aus einem grossen Buche oder 
der Zeitung vorlesen lässt. Die beste Methode, die auch bei völlig 
unintelligenten und bewusstlosen Patienten anzuwenden ist, ist 
die von Guttmann angegebene, nach der durch Suspension des 
Beines mittels zweier Handtücher jeder subjektive Einfluss ausge¬ 
schaltet wird. 

8. Mekus, Düsseldorf: Ein Fall von Leberschwund nach 
Trauma und Rekreation des Organs, unterstützt durch operativen 
Eingriff. 


Der betr. Patient erlitt eine Quetschung des Bauches; es 
wurde zunächst die Diagnose Leberkontusion gestellt, die Frage 
der Ruptur offen gelassen, und exspektative Behandlung einge¬ 
schlagen. Nach einigen Tagen entwickelte sich ein Ikterus und 
traten hochgradige Schmerzattacken auf. Die genaue Beobachtung 
der Leber zeigte eine fortschreitende Verringerung der Dämpfungs¬ 
zone. Langsam wachsendes Exsudat in der Bauchhöhle und fort¬ 
schreitender Verfall zwangen schliesslich zur Operation. Dabei 
zeigte sich galliger Ascites, zahlreiche Verwachsungen der Darm¬ 
schlingen und eine hochgradige Verkleinerung der Leber. Um den 
gestörten Leberkreislauf zu entlasten, wurden nach Talma Netz¬ 
teile an den parietalen Bauchfellüberzug genäht. Nach anfäng¬ 
licher Störung durch einen galligen Abscess verlief die Rekonva- 
lescenz glatt, ausgiebige Ernährung war wieder möglich, die 
Schmerzen blieben geschwunden, das Körpergewicht nahm rapide 
zu und vor allem ging damit eine allmähliche, perkutorisch nach¬ 
weisbare Vergrösserung der Leberdämpfung einher. Es ist anzu- 
nehmen, dass durch das Trauma eine Zerreisung der Leberkapsel 
und teilweise Zertrümmerung von Lebersubstanz zu stände ge¬ 
kommen ist. Der Ascites ist wohl als Folge einer chronischen Ent¬ 
zündung des Peritoneums in Verbindung mit der sich allmählich 
geltendmachendeu Stauung infolge der Störung des Leberkreislaufs 
zu betrachten. Die durch die Talmasche Operation herbeige¬ 
führte Entlastung des Pfortaderkreislaufs hat dann wohl auch eine 
Rekreation des Lebergewebes ermöglicht. 

9. Gold flamm, Warschau: Ein Fall von angeborenen 
Fisteln der Unterlippen. 

Zufälliger Befund der kongenitalen Missbildung, die darin be¬ 
steht, dass an der Unterlippe zu beiden Seiten der Medianlinie 
im Lippenrot je eine Fistelöffnung besteht, die in eine sackförmige 
Erweiterung oralwärts unter den Schleimhautteil der Unterlippe 
mündet, aus der sich eine schleimartige Flüssigkeit entleert. Bei 
drei anderen Mitgliedern der Familie des Pat. soll sich dieselbe 
Anomalie finden. 

10. Fromm, München: Zur Prophylaxe der Infektionen in 
den Warteräumen von Kinderambulatorien. 

F. schildert die betr. Einrichtungen in seinem Institut; jedes 
neu kommende Kind wird beim Eintritt einer ärztlichen Inspek¬ 
tion unterzogen; lässt sich eine der Infektionskrankheiten fest¬ 
stellen, so wird es in ein für die betr. Krankheit vorgesehenes 
kleines Isolierzimmer gebracht. Die Untersuchung im Ordina¬ 
tionszimmer erfolgt erst, nachdem andere Parteien dasselbe ver¬ 
lassen haben; bevor neue es betreten, findet eine Desinfektion 
statt. Auf diese Weise wird jeder direkte Kontakt mit anderen 
vermieden. 

11. Pfaundler, München: Ueber Wesen und Behandlung 
von Ernährungsstörungen im Säuglingsalter (Schluss aus Nr. 1). 

Bei den Krankheiten des Verdauungsapparates der Säuglinge 
werden am besten zwei Gruppen von Fällen prinzipiell geschieden, 
jene, die ausschliesslich auf einer Schädigung des jugendlichen 
Organismus durch quantitativ und qualitativ unzweckmäßige Nahrung 
beruhen, und jene, in denen bakterielle, infektiöse Vorgänge im 
Spiele sind; die erste Gruppe kann man als die der „Ernährungs¬ 
störungen“ im engeren Sinne des Wortes, die letztere als die der 
eigentlichen genuinen (organischen) „Verdauungskrankheiten“ be¬ 
zeichnen, „Ernährungsstörungen ex alimentatione“ und „ex infek- 
tione“. Bezüglich des Einflusses dieser Schäden auf Morbidität 
und Mortalität der Säuglinge ist zu sagen: ex alimentatione er¬ 
kranken die Kinder und ex infektione sterben sie. P. beschränkt 
seine Ausführungen auf die reine Ernährungsstörung bei Flaschen¬ 
kindern; das Krankheitsbild entspricht dem, wie es früher als 
„Dyspepsie der Flaschenkinder“ aufgestellt wurde; in neuerer 
Zeit ist es treffender als „Milchnährschaden“ bezeichnet worden. 
Als Ursachen für das Nichtgedeiheu eines unter allen Kautelen 
künstlich, mit fremder Milch ernährten Säuglings, für den „Milch¬ 
nährschaden“ , die „Heterodystrophie“, sind die verschiedensten 
Momente herangezogen worden. In längeren Ausführungen werden 
die wichtigsten Hypothesen besprochen und kritisiert, die Biedert- 
sche bezgl. des Kuhmilchkaseins, die Czerny-K e 11ersehe bezgl. 
des Kuhmilchfettes, die Hamburgersche bezgl. des Kuhmilchei- 
weisses als artfremdes Eiweiss. Die alle gehen von der Annahme 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


69 


aus, dass irgend welche Bestandteile der körperiremden Nahrung 
dem Organismus direkt oder indirekt positiven Schaden zu fügen. 
Es ist aber wohl zu fragen, ob der Schaden nicht auch ein nega¬ 
tiver sein kann, ob es sich nicht, statt dass der Schaden durch 
Beotandteile der künstlichen Nahrung gebracht wird, um das 
Fehlen eines schwer entbehrlichen Nutzens handelt, den die natür¬ 
liche Ernährung vermittelt, den die arteigene Milch birgt. Die 
Annahme, dass der Nutzen der Muttermilch nicht vorwiegend oder 
ausschliesslich in ihrer quantitativen Zusammensetzung gelegen ist, 
auch nicht in ihrer „Leichtverdaulichkeit“, sondern dass er durch 
den Gehalt an gewissen, allerdings zunächst noch hypothetischen 
Nutzstoffen bedingt ist, hat manches für sich. Diesseits der Darm¬ 
wand besteht kein von vornherein wesentlich abweichendes Ver¬ 
halten zwischen dem Brust- und Flaschenkind: jenseits der Darm¬ 
wand muss die Verschiedenheit zum Ausdruck kommen und ihre 
Ursache gesucht werden. Wenn die Frauenmilch positiven Nutzen 
bringt, so muss dieser Nutzen in einer Förderung der Assimila¬ 
tionsfunktion, der „ZellVerdauung“ gelegen sein. Der Bestandteil 
der Milch, welcher der Träger der den Nutzen vermittelnden Stoffe 
ist, scheint nach experimentellen Ergebnissen die Molke zu sein. 
Man würde danach zu folgender hypothetischer Auffassung kommen. 
Die beim neugeborenen Säuger noch rückständige Funktion der 
Assimilation, der eigentlichen Zellernährung, erfährt eine in vielen 
Fällen nicht entbehrliche Unterstützung durch fremdartig wirkende 
Substanzen der Molke, die in Analogie mit anderen Wehrstoffen 
die Eigentümlichkeit haben, nur innerhalb der Spezies, also nur 
bei natürlicher Ernährung, zu wirken. Diese Schutzstoffe der art¬ 
gleichen Milch (bezw. Molke) widerstehen offenbar der Verdauung 
und gelangen in die kindlichen Körpersäfte. Da in manchen Fällen 
die Muttermilch ohne erkennbaren Schaden entbehrt werden kann, 
ist anznnehmen, dass solche Stoffe, oder die Fähigkeit solche zu 
produzieren, in individuell schwankendem Maße dem Körper des 
Neugeborenen bereits eigentümlich sind und dass es sich bei ihrer 
Verfütterung im Wesen nur um eine Ergänzung dieser Depots 
handelt. Für den Ernährungserfolg ist anscheinend wesentlich 
maßgebend das Mengenverhältnis der zu bewältigenden Nähr- und 
jener anderen Nutzstoffe. Was die Behandlung des Milchnähr¬ 
schadens betrifft, so ergibt sich aus den Ausführungen, dass bei 
reiner bestehender Heterotrophie Frauenmilch nicht nur das zweck¬ 
mäßigste Nähr-, sondern auch ein richtiges Heilmittel ist. Die 
Ammenbrust ist für solche Kinder zu fordern. Wo das auf 
Schwierigkeiten stösst, da findet man, da das Missverhältnis zwischen 
Nähr- und jenen Molkennutzstoffen nicht durch Mehrung der letz¬ 
teren zu beseitigen ist, oft in der Minderung der ersteren ein 
wirksames Verfahren; es hat eine Reduktion der Nahrungsmenge, 
die Einstellung auf das wahre Nahrungsbedürfnis, allenfalls die 
Einleitung einer richtigen r Minimalnahrung“ einzutreten. Und 
zwar empfiehlt es sich, die Einschränkung der Nahrungsmenge im 
allgemeinen nicht durch Verminderung des Nahrungsvolums, sondern 
durch stärkere Verdünnung der Kuhmilch zu bewerkstelligen. 
Hat man damit eine Regulierung der Stühle erreicht, so sieht 
man meist auch eine paradox erscheinende Körpergewichtszunahme 
eintreten und alle übrigen Krankheitserscheinungen schwinden; 
bleibt die Zunahme aus, so spielt wohl die Unterbilanz des Kraft¬ 
wechsels die wesentlichste Rolle: die Heterotrophie geht dann in 
einfachen Hungerzustand, Atrophie, über. Wo das der Fall ist, muss 
man zur Beigabe von Heizstoffen in der Nahrung schreiten. Den Fetten 
und Zuckerarten, die als solche in Betracht kommen könnten, sind 
im allgemeinen die Schleime und Mehle vorzuziehen, und zwar in 
Form von natürlichen Cerealien, nicht von Kindermehlen, deren 
weit getriebene Dextrinisierung („Aufschliessung“) bei der Behand¬ 
lung der Heterotrophie entschieden als Nachteil zu betrachten ist. 
Bei der Wahl der Cerealien und der Zubereitung im Einzel falle 
lässt die Empirie bei jüngeren Kindern die aus Gerste und Reis 
bereiteten, etwas Pflanzeneiweiss enthaltenden Schleime, bei älteren 
die aus Weizen und Hafermehl bereiteten Abkochungen, beide von 
geringer Konzentration, als verdünnenden Zusatz zur Milch vor¬ 
ziehen. Versagen diese, so empfiehlt sich die gleichzeitige Ver¬ 
abreichung zweier verschiedener Kohlehydrate, also Mehl und Mal¬ 
tose oder Mehl und Rohrzucker, z. B. Nahrungsformen, die dieser 
Forderung entsprechen, sind die Buttermilch (nach de Jager), die 
Liebigsuppe, die Kellersche Malzsuppe. Beim Gebrauch derartiger 
Nährmittel muss man sich bewusst bleiben, dass ihr andauernder 


Gebrauch bei Kindern iui ersten Lebeushalbjahre bineu anderen 
und nicht minder schweren Schaden als die Heterotrophie zur Folge 
haben kann, den „Mehlnährschaden *. Hierbei kommen therapeu¬ 
tisch nebst Frauenmilch fettreiche Milchverdünnungen, allenfalls 
vorgelabte Milch in kleinen Mengen in Betracht. 

12. Soltmann, Leipzig: Die Säuglingssterblichkeit im 
Krankenhause (Schluss aus Nr. 1). 

Auf Grund eingehender statistischer Studien, die in Tabellen 
dargelegt werden, kommt Verf. zu dem Ergebnis, dass trotz Ein¬ 
führung aller hygienischen Verbesserungen, trotz peinlichster Sauber¬ 
keit, trotz Durchführung der Asepsis bei der Säuglingspflege im 
Krankenhause bei Beibehaltung des Systems der künstlichen Er¬ 
nährung die Infektionsgefahr sich nicht bannen lässt und nicht die 
wesentlichen Erfolge bezgl. der Säuglingsmortalität, die zu er¬ 
streben sind, erreicht werden. Hygiene und Asepsis bleiben das 
Fundament der Säuglingspflege, aber die Brustnahrung sollte jedem 
Säugling auf einer Säuglingsstation eines Krankenhauses zur Ver¬ 
fügung stehen, und nur wo sie nicht ausreicht oder nicht zu be¬ 
schaffen ist, soll als Notbehelf das Zwiemilchsystem oder künst¬ 
liche Ernährung Platz greifen. Die Brustnahrung, Muttermilch, 
bleibt das unersetzliche Material, das sich quantitativ und quali¬ 
tativ dem Entwicklungsgang des Kindes anpasst, die physiologi¬ 
schen Funktionen der Verdauungsorgane aufrecht erhält und unter 
den günstigsten Verhältnissen des Gesamtorganismus zu ihrer nor¬ 
malen Vollkommenheit entfaltet, sie ist das Bollwerk, das den ge¬ 
sunden und kranken jungen Weltbürger feit gegen Gefahr und 
Siechtum. 

13. Eversbusch: Zum siebenzigsten Geburtstag von Gene¬ 
ralarzt Dr. Seggel. 

14. Neustätter: Geburtenziffer und Fruchtbarkeit. 

Besprechung einer Arbeit von Webb in der Times „Physi¬ 
sche Entartung oder Selbstmord der Rasse“, worin für die eng¬ 
lischen Verhältnisse nachgewiesen wird, dass dem willkürlichen 
Eingreifen, der willkürlichen Beschränkung, nicht einer physischen 
Degeneration das Herabgehen der Geburtenzahl zuzuschreiben ist. 

Deutsche med. Wochenschrift. Nr. 2 . 1907. 

1. Koch : Bericht über die Tätigkeit der deutschen Expe¬ 
dition zur Erforschung der Schlafkrankheit bis zum 25. Novem¬ 
ber 1906. 

Bezüglich der Diagnose der Trypanosomiasis haben sich die 
Drüsenpunktionen als sicherstes Mittel erwiesen; 356 Punktionen 
ergaben 347 mal positiven Befund. De" Trypanosomenbefund in 
den Drüsen scheint ein ganz konstantes Symptom zu sein bei den 
Trypanosomiasis-Kranken und nicht wie das Auftreten der Trypa¬ 
nosomen im Blutstrom starken Schwankungen unterworfen zu sein. 
Der Drüsenbefund gewinnt hohe Bedeutung nicht nur für die 
Diagnose, sondern auch für die Beurteilung des Einflusses der 
Behandlungsmethoden. Immer günstigere Resultate hat die Atoxyl- 
behandlung gezeitigt. Die Kranken teilt man am besten in zwei 
Kategorien, Leicht- und Schwerkranke, ein. Erstere fühlen sich 
zwar krank, nehmen eine gewisse Schwäche der Bewegungen und 
mancherlei Schmerzempfindungen wahr, bieten aber neben den sub¬ 
jektiven Symptomen objektiv nur die Schwellung der Lymphdrüsen 
und das Vorhandensein der Trypanosomen in diesen dar. Die 
Schwerkranken zeigen eine Kombination von motorischen und psy¬ 
chischen Störungen: sichtbare Beeinträchtigung der Muskeltätig¬ 
keit, Zittern, taumelnder Gang bis zur völligen Gehunfähigkeit, 
Erregungszustände wie bei Choreatischen, Manischen, oder' psychische 
Schwächezustände, Apathie, Somnolenz, Enuresis. Das Atoxyl 
wurde in Doppelinjektionen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen 
gegeben. Während die Wirkungen bei den Leichtkranken sich 
nur als Besserungen des subjektiven Befindens dokumentieren, sind 
sie bei den Schwerkranken objektiv zu verfolgen; und obwohl 
sich unter diesem Material eine ganze Zahl von Kranken befinden, 
die sich nicht mehr aufrichten können, in bewusstlosem Zustand 
daliegen und unter sich gehen lassen, sind im Laufe von ein bis 
zwei Monaten eine Anzahl soweit gebessert, dass die Schlafsucht 
sich verloren hat, das Bewusstsein wiedergekehrt, die Enuresis ge¬ 
schwunden ist, und dass sie ohne Unterstützung gehen können. 


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70 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 6. 


Unter den Schwerkranken befinden sich auch solche, bei denen 
der Zustand unter der Atoxylbehandlung bisher unverändert ge¬ 
blieben ist; wenn sich bei diesen nicht noch später eine Besserung 
einstellt, dürfte anznnehmen sein, dass bei der langen Dauer der 
Krankheit, die der Behandlung vorausging, Veränderungen im 
Zentralnervensystem gesetzt sind, die auch trotz Beseitigung der 
Trypanosomen irreparabel sind ; solche Kranken sind gewissermaßen 
Invaliden der Trypanosomiasis. Die Trypanosomen verschwinden 
nach den Atoxylinjektionen vollständig und erscheinen bis zum 
dreissigsten Tage und darüber hinaus nur ausnahmsweise wieder. 
Eine Abschwächung der Atoxylwirkung, etwa infolge einer Ge¬ 
wöhnung an das Mittel, ist nicht zu beobachten. Während vor 
der Behandlung in den Drüsen immer leicht viele Trypanosomen 
npchzuweisen sind, sind dieselben, wenn sie nach der Behandlung 
ausnahmsweise wieder auftreten, immer nur in einzelnen Exem¬ 
plaren nach mühevollem Suchen zu finden. Es macht den Ein¬ 
druck, als ob durch die Resorption der vom Atoxyl abgetöteten 
Trypanosomen ein gewisser Grad von Immunität erzeugt wird, 
welcher die Trypanosomen nicht mehr recht aufkommen lässt. Ein 
grosser Vorzug der Atoxylbehandlung liegt weiter darin, dass diese 
Behandlungsmethode sich ohne Schwierigkeiten zur Anwendung 
auf beliebig grosse Massen von Menschen eignet; die Expedition 
selbst ist mit ihren einfachen Mitteln imstande gewesen, nahezu 
tausend Kranke gleichzeitig in Behandlung zu nehmen. Die 
Methode selbst ist wohl noch einer Verbesserung und Vereinfach¬ 
ung zugänglich in dem Sinne, dass an Stelle der Doppelinjektionen 
einfache gesetzt werden können. So bedeutend die praktischen 
Ergebnisse bezüglich der Behandlung und der dadurch ermög¬ 
lichten Bekämpfung der Schlafkrankheit sind, so wenig sind die¬ 
selben auf theoretischem Gebiet fortgeschritten. In den Glossinen 
sind immer wieder mehrere Typen von Trypanosomen gefunden 
worden, aber nur einer, der sich mit dem Trypanosoma gambiense 
identifizieren lässt. Der gelegentliche Befund von diesen Trypa¬ 
nosomen in den Speicheldrüsen der Glossinen beweist, dass sie 
nicht nur als Schmarotzer in den Verdauungswegen der Glossinen 
leben, sondern in ähnlichem Verhältnis zu ihnen stehen, wie die 
Malariaparasiten zu den Anopheles. 

2. Rudinger, Wien: Ueber den Einfluss der Eöntgenstrahlen 
auf den Eiweissumsatz bei der Basedowschen Krankheit. 

Stoffwechsel Untersuchungen bei zwei mit Röntgenbestrahlungen 
behandelten Basedow-Kranken ergaben einen Einfluss der Röntgen¬ 
bestrahlung im Sinne einer intensiven Stickstoffretention, eines 
wirklichen Ansatzes von Körpersubstanz. In jedem Falle von 
Morbus Basedowii sollte wenigstens eine einmalige versuchsweise 
Bestrahlung der Schilddrüse vorgenommen werden. 

3. B er gell: Zur Kenntnis des Hexamethylentetramins und 
seiner Salze (Cystopurin). 

Verf. teilt eine Methode der Darstellung des Hexamethylen¬ 
tetramins aus Harn mit und eine Methode der Bestimmung als 
Sublimat-Doppelsalz und als erstes Ergebnis der Anwendung dieser 
Methodik die Tatsache, dass Hexamethylentetramin als solches im 
Harn erscheint, das3 aber etwa 50% dieser Substanz im Organis¬ 
mus verbrannt werden. Von den Verbindungen des Hexamethylen¬ 
tetramins beansprucht eine doppelsalzartige mit Natriumazetat vom 
Typus 1 Mol. Hexamethylentetramin und 2 Mol. Natriumazetat 
ein besonderes Interesse. Es ist ein gut krystallisiertes Doppel¬ 
salz, eine einheitliche chemische Verbindung, die unter den nötigen 
Kautelen stets analytisch rein erhalten werden kann. Sie hat den 
Namen Cystopurin erhalten und scheint vor dem Hexamethylente¬ 
tramin wesentliche Vorzüge für die medicinische Verwendung zu 
haben. 

4. Loose, Berlin: Ueber den klinischen Wert' des Cysto- 
purins. 

Das Cystopurin wurde in Tabletten a 1,0 g, dreimal täglich 
zwei Stück, gegeben; es ist in Wasser gelöst fast geschmacklos; 
keiner der Patienten klagte über Magenbeschwerden, auch nicht 
solche, die an chronischen Magenleiden litten; eine Anregung der 
Verdauung wurde öfters konstatiert; die Urinsekretion wurde ver¬ 
mehrt, irgend welche Nebenerscheinungen unangenehmer Art von 
Seiten der Niere oder Blase traten nicht auf. Bei frischen und 
alten Cystitiden, darunter solchen, die lange Zeit mit den ver¬ 


schiedensten Mittelu behandelt waren, .machte sich in wenigen 
Tagen der günstigste Einfluss des Cystopurins geltend. Bei einer 
grösseren Zahl von frischen und chronischen Gonorrhoen wurde 
eingehend mikroskopisch und kulturell das Verhalten der Gono- 
coccen unter innerlicher Darreichung von Cystopurin, Injektion von 
Cystopurin-Lösungen und solchen anderer Mittel verfolgt. Dabei 
zeigte sich, dass es gelingt, dem Fortschreiten der gonorrhoischen 
Erkrankung durch Einnehmen von 6 g Cystopurin täglich ein Ziel 
zu setzen; Injektion starker Lösungen tötet aber die Gonococcen 
nicht ab, sondern lässt sie sich ständig vermehren und hebt nicht 
die Möglichkeit ihrer Züchtung auf künstlichem Nährboden auf. 
Es ist deshalb anzunehmen, dass Cystopurin nicht imstande ist, 
die Gonococcen nach Art der desinfizierenden Mittel abzutöten; 
vielmehr wird es wahrscheinlich, dass es den Gonococcen unmög¬ 
lich wird, in das Gewebe einzudringen. Diese Annahme findet 
eine Stütze darin, dass bei innerer Cystopurindarreichung sofort 
zahlreiche Lymphocyten auftreten, die das Bestreben zeigen, die 
Gonococcen in sich aufzunehmen; ihre Zahl nimmt zu, wenn ad¬ 
stringierende Lösungen nebenbei injiziert werden und ist am 
grössten bei Injektionen von Albargin und Protargol. Cystopurin 
ruft also eine vermehrte Einwanderung von Lymphocyten hervor, 
genau wie die injizierten Lösungen, und diese Lymphocyten sind 
es, die die Gonococcen vernichten. Die Wirkung der injizierten 
Lösungen verstärkt ebenso die Wirkung des Cystopurins, wie dies 
umgekehrt die Wirkung der injizierten Mittel vermehrt. Verf. 
sieht danach im Cystopurin einen chemischen Körper, der imstande 
ist, in den Gebieten, die er berührt, den Lymphstrom zu beein¬ 
flussen und dadurch in der Weise eine Heilung herbeizuführen, 
wie wir sie bei künstlicher Hyperaemie sehen. 

5. Jürgens, Berlin; Ueber typhusähnliche Erkrankungen 

(Schluss aus Nr. 1). 

Verf. zeigt an einer Reihe von Krankengeschichten, wie ver¬ 
kehrt es ist, zu viel von deu aetiologischen Methoden zu verlangen, 
eine aetiologische Reaktion kann nicht an sich, sondern immer nur 
in Verwertung mit dem allgemeinen klinisch - pathologischen Syn¬ 
drom zur Diagnose verhelfen. Die Zugehörigkeit einer Erkrankung 
zum Abdominaltyphus lässt sich weder nach den einzelnen Symp¬ 
tomen noch alleiu nach dem vorliegenden aetiologischen Befund 
entscheiden, sondern lediglich danach, ob die auftretenden Symp¬ 
tome Ausdruck, und ob der gefundene Bazillus die Ursache eines 
ganz bestimmten Krankheitsprozesses sind, den wir eben Typhus 
nennen. Nur nach solchen Begriffen lässt sich der Typhusbegriff 
abgrenzen, und nur hiernach lässt sich entscheiden, wo der Bazillen¬ 
träger aufhört und wo der Typhuskranke an fängt. Ueberträgt 
man dies auf die Paratyphuserkrankungen, so kann es nicht ge¬ 
nügen, in typhusähnlich verlaufenden Fällen die aetiologische Rolle 
des Paratyphusbazillus nachzuweisen, als ob damit erwiesen wäre, 
dass solche Fälle deshalb zum Typhus oder Paratypbus gerechnet 
werden müssen, weil der betreffende Krankheitserreger ein Typhus¬ 
oder Paratyphusbazillus ist. Nicht auf das Bakterium kommt es 
an, sondern auf den entstandenen Krankheitsprozess. Wenn es 
auch erwiesen ist, dass typhöse Erkrankungen durch Paratyphus¬ 
bazillen zu stände kommen können, so ist doch nicht gesagt, dass 
jeder Paratyphus-Infekt als Typhus verläuft. Es sind Paratyphus- 
Infekte beobachtet, die ganz andere Erscheinungen hervorrafen, 
z. B. das Bild der akutesten Gastroenteritis; und solche Infekte 
sind klinisch entschieden von denen zu sondern, die als Typhus¬ 
erkrankung verlaufen. Die Paratyphusbazilleninfekte sind trotz 
ihrer aetiologischen Einheit klinisch nicht einheitlich aufzufassen. 
Die Erkenntnis, dass der Paratyphusbazillus verschiedenartige 
Schädigungen und damit verschiedene Krankheitsbilder auslösen 
kann, hat an sich nichts Befremdendes. Wenn der Eberthsche 
Bazillus nach der bisherigen Erkenntnis keine anderen Affektionen 
auslöst als einen Typhus, so liegt das vielleicht daran, dass der In¬ 
fektionsmodus immer in derselben Weise erfolgt. Die Paratyphus¬ 
bazillen verhalten sich ausserhalb des menschlichen Körpers anders 
als die Typhusbazillen; sie werden öfters in verdorbenen Nahrungs¬ 
mitteln gefunden, und weil ein solches Verhalten des E berth sehen 
Bazillus bisher nicht beobachtet ist, so findet schon hierin das 
Fehlen eines solchen dem Paratyphusiufekt analogen Vorganges 
beim Typhusbazillus eine Erklärung. Die gelegentliche Entstehung 
von Typhus- und Paratyphusepidemien, sowie das eigenartige Atif- 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


71 


treten von solchen Erkrankungen durch Kontaktinfektion deuten 
auf ein ganz bestimmtes, noch unbekanntes Verhalten der Typhus- 
und ebenso der Paratyphusbazillen ausserhalb des kranken Menschen 
hin. Die akuten, unter Vergiftungserscheinungen auftretenden 
Paratyphusinfekte zeigen ein ganz anderes klinisches Syndrom, und 
sie unterscheiden sich auch aetiologisch und epidemiologisch vom 
Typhus, indem die Infektion auf ganz bestimmte Weise, durch 
den Genuss von bazillenhaltigem, verdorbenem Fleisch entsteht. 
Die Paratyphusfrage liegt demnach so, dass die typhusähnlichen 
Erkrankungen keine einheitliche Aetiologie haben. Jede aetiolo- 
gische Gruppe, z. B. der Paratyphusbaziileninfekt, bildet in si?h 
eine geschlossene Einheit, klinisch können aber verschiedene Krank¬ 
heitsbilder auftreten.. Unter gewissen Bedingungen entsteht ein 
Typhus, unter anderen Verhältnissen ein ganz anderer Krankheits¬ 
prozess, z. B. eine schwere Gastroenteritis, die klinisch und ana¬ 
tomisch nichts mit dem Typhus gemein hat und sich auch epide¬ 
miologisch und aetiologisch vom Typhus insofern unterscheidet, als 
die Entstehung an den Genuss verunreinigter Nahrungsmittel ge¬ 
knüpft ist und eine Ansteckung nicht durch den kranken Menschen 
zu erfolgen pflegt. Den klinischen Begriff „Paratyphus“ sollte 
man danach fallen lassen. Ein Typhus bleibt ein Typhus, ob er 
durch Eberthsche oder andere Bazillen entsteht; die aetiologische 
Form Hesse sich durch einen entsprechenden Zusatz zum Ausdruck 
bringen. Für die in anderer klinischer Form sich äussernden Para¬ 
typhusbazilleninfekte wäre vielleicht die Bezeichnung Paratyphus- 
bazilloeen zu wählen. 

6. Pfister, Heidelberg: Beitrag zur internen Behandlung der 
Appendicitis (Schluss aus Nr. 1). 

Das beobachtete Material umfasst 70 Fälle, die in den Jahren 
1904 und 1905 auf der Erbschen Klinik zur Behandlung kamen. 
Davon waren 30 leichte und 25 mittelschwere Fälle, 15 gingen 
mit deutlicher Exsudatbildung einher; davon wurden 4 zur Opera¬ 
tion gebracht und damit geheilt, einer starb. Die Gesichtspunkte, 
die sich aus den Beobachtungen für die Behandlung der frischen 
Appendicitis ergeben, sind folgende: 1. Jede als Appendicitis diag¬ 
nostizierte Erkrankung soll mit Opium, wenn nötig mit grossen 
Dosen, und Eisblase behandelt werden, mit Ausnahme derjenigen 
akuten Fälle, die von vornherein durch einen schweren Allgemein¬ 
eindruck (kleiner, frequenter Puls, Bauchdeckenspannung etc.) eine 
beginnende allgemeine Peritonitis durch Gangrän oder Perforation 
vermuten lassen; in diesen Fällen ist eine sofortige Operation an¬ 
gezeigt. Für die unbedingte Frühoperation am ersten oder zweiten 
Tage der Krankheit liegt keinerlei Anlass vor. 2. Eine Operation 
kann nötig werden, wenn im weiteren Verlauf sich Symptome einer 
beginnenden Perforation heraussteilen, Zeichen einer sicheren grös¬ 
seren Eiteransammlung vorhanden sind und die Allgemeinerschei¬ 
nungen bedrohliche Verschlimmerung zeigen. Bei genauer Beob¬ 
achtung in einer Klinik sind diese Zeichen nicht zu übersehen und 
sofortige Operation kommt dann nicht zu spät. 3. Bei verzögerter 
Heilung, mangelnder Resorption des Exsudates, ständigen Schmerzen 
etc. ist ebenfalls eine Operation indiziert. 4. Bei ein- und mehr¬ 
maliger Wiederholung des Anfalls ist die sofortige Frühoperation 
oder besser, wenn möglich, die Intervalloperation unbedingt anzu¬ 
raten. 

7. Boldt, Berlin: Glycosurie nach Kropfschwund. 

Elin Patient, der seit vielen Jahren eine Struma parenchyma- 
tosa hatte, erhielt wegen einer andern Affektion Jodkali. Dabei 
schwand seine Struma fast völlig; dafür aber trat eine Glycosurie 
auf. Die Entstehung derselben dürfte, da eine Pankreaserkrank¬ 
ung sich ausschliessen lässt, wohl auf den Schwund der Schilddrüse 
zurückzuführen sein. 

8. Krueger, Togo: Ein Fall von intraperitonealer Blasen- 
ruptur. 

Die Verletzung entstand durch plötzliche Einwirkung einer 
stumpfen Gewalt gegen das Kreuzbein; die Diagnose Hess sich 
aus Anamnese, Allgemeinzustand, Druckempfindlichkeit der Regio 
suprapubica, Anurie, schmerzlose Durchgängigkeit der Harnröhre 
für dicken Nölaton, Abfluss von wenig blutigem Urin stellen; für 
intraperitoneale Rnptnr sprach der Nachweis von Flüssigkeit im 
Abdomen und das Fehlen der Urininfiltration. Naht der Ruptur 


per Laparotomie unter Sc hl eich scher Infiltration brachte glatte 
Heilung. 

9. Sachs, Charlottenburg: Eine Vereinfachung der Heller- 
sohen Bingprobe. 

Auf einen auf dunklem Grunde Hegenden Objektträger bringe 
man einen Tropfen Salpetersäure, daneben einen Tropfen des zu 
untersuchenden Urins; die Tropfen verbreitern sich von selbst 
gegeneinander und vereinigen sich, wobei sie sich unter- bezw. 
überschichten. Bei stärkerem Eiweissgehalt entsteht sofort, bei 
schwachem nach kurzer Zeit ein weisser, grauer, bezw. gräulich¬ 
blauer Schleier in der Halbkugel, der zumeist halbmondförmig über 
den Säuretropfen sich ausbreitet. Die Methode ist bequemer als 
alle bisher üblichen. Spuren von Albumen bis zu 0,01 °/oo sind 
deutlich zu erkennen. 

Aerztliche Rundschau. Nr. l. 1907. 

Hauffe, Ebenhausen: Chronisohe Hautinfiltration bei einem 
Phthisiker mit hyperaemisierenden Prozeduren behandelt. 

Es handelte sich um markstückgrosse, bis 1 cm dicke Infiltrate 
der Haut an der Hand eines progressen Phthisikers, der Prozess 
war als chronisches Ekzem oder Hauttuberkulose anzusprechen. 
Die Behandlung geschah mit Oelguttaperchaumschlägen, warmen 
Bädern und möglichst häufigen Sonnenbestrahlungen. Darunter 
heilten die Herde in wenigen Wochen, ohne Narben zu hinter¬ 
lassen, ab. 

Nr. 2. 

1. Esch polemisiert gegen Zweifel, der zur Kritik therapeu¬ 
tischer Vorschläge nur denjenigen für berechtigt hält, der die¬ 
selben praktisch nachgeprüft hat.. Den Vorschlag Zweifels, die 
nach der Geburt in der Scheide vorhandenen Blutcoagula, weil sie 
zum Nährboden für pathogene Mikroorganismen werden können, 
durch Auswischen zu beseitigen, bekämpft er vom Standpunkt der 
biologischen Heilkunde, und fordert allgemein, dass an Stelle der 
einseitigen anatomisch bakteriologischen Anschauungsweise eine ein¬ 
gehendere Berücksichtigung des Stoffwechsels und des Energiege¬ 
triebes in der lebenden Substanz, die von den morphologischen 
Forschern fast ganz vernachlässigt werden, treten solle. 

2. Schöppler, München: Ueber Bader, Barbiere und Wund¬ 
ärzte der ehemals freien Reichsstadt Nürnberg. 

Historische Studie. 

3. Schmidt, Berlin: Zum Kapitel der Ernährung blutarmer 
Personen. 

Ueber die Tatsache, dass blutarme, nervöse, schwächliche Per¬ 
sonen mit Eisen ernährt werden müssen, ist in der Praxis nicht 
hinwegzukommen. Die meisten Eisenpräparate, die therapeutisch 
wirksame Mengen Eisen enthalten, leiden an dem Nachteil, dass sie 
rasch Verdauungsstörungen, hervorrufen, was um so bedenklicher 
ist, als die betr. Patienten meist schon an sich an hochgradiger 
Appetitlosigkeit leiden. Da muss man zur konzentrierten Ernähr¬ 
ung mit künstlichen Präparaten greifen, am besten zu solchen, 
die Eisen enthalten. In dieser Hinsicht hat sich beim Verf. das Eisen- 
tropon ganz besonders bewährt, sowohl bei Erwachsenen als auch 
bei Kindern. 

Bücherbesprechung. 

Die Untersuchungen von Körperverletzungen, 
insbesondere der tötlichen. Von Dr. Kurtz. Düsseldorf, 
1906. Verlag von L. Schwann. 133 Seiten, Preis: 1,80 M. 

Die Arbeit enthält in gedrängter Kürze eine übersichtliche 
Zusammenstellung der hierauf bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen 
und wird dem Juristen wie dem Gerichtsarzte ein willkommener 
Ratgeber sein. H. Engel, Berlin. 

Die chirurgische Behandlung der Haemor- 

rhoiden. Von Dr. Paul Schlacht. Königsberg i. Pr., 1906. Ver¬ 
lag von Gräfe und Unger. II. Auflage, 90 Seiten, Preis 2 M. 

Die fleissige Arbeit gibt eine kritische Zusammenstellung der 
im Laufe der Zeit bei dem weit verbreiteten Leiden zur Anwendung 
gelangten Behandlungsmethode. Dass das lesenswerte Werkchen 


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78 


MEDICINISCHE ^^OCHK. 


Nr 6. 


im Laufe eines Jahres die wohlverdiente zweite Auflage erlebt, ist 
sich Empfehlung genug. H. Engel, Berlin. 

Die Schmerzverhütung in der Chirurgie. Mit 

20 Abbildungen. Von Dr. 0. Witzei, F. Wenzel und 0. Hacken- 
brucb. München, S. F. Lehmanns Verlag 1906. 106 Seiten, Preis 

3 M. 

In drei Abschnitten: Ueber die Wahl des Verfahrens zur Schmerz¬ 
verhütung, Die allgemeine Narkose, Die örtliche Schmerzverhütung, 
bringen die Verfasser ihre Erfahrung und die erforderlichen Tech- 
nicismen in formvollendeter Weise zum Ausdruck. Der Chirurg 
wie der Praktiker werden in der Lektüre der Arbeit mannigfaltige 
Anregung und reichen Lohn fiuden. H. Engel, Berlin. 

Ueber Blinddarmentzündung. Wann soll ope¬ 
riert werden. Von Med.-Rat Dr. J. Baumgärtner, Baden- 
Baden. Verlag der Aerztlichen Rundschau, München 1906. 41 

Seiten. 

Die mit sehr instruktiven Abbildungen versehene klare Arbeit 
spiegelt den heutigen Standpunkt wieder, den der Arzt gegen¬ 
über der Blinddarmentzündung einnimmt. Das populär geschriebene 
Werkchen sollte vom Arzte seiner gebildeten Klientel in die Hand 
gegeben werden. H. Engel, Berlin. 


Vermischtes. 

Berlin. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der 
Geschlechtskrankheiten wird ihren diesjährigen Kongress, den 
dritten seit ihrer Begründung, am 24. und 25. Mai in Mannheim 
abhalten. 

Als einziges Verhandlungsthema wird die Frage der sexuellen 
Pädagogik eingehend erörtert werden. Nach der vorläufigen 
Tagesordnung sollen folgende Spezialreferate erstattet werden: 

Die Aufgabe der Mutter, des Hauses, der Volksschule. — 
Sexuelle Aufklärung in höheren Schulen, für Abiturienten, Semi¬ 
naristen, Fortbildungsschulen, auf dem Lande. — Jugendliteratur. — 
Sexuelle Diätetik. 

Hervorragende Mediciner und Pädagogen haben die Referate 
übernommen. Wir nennen von Aerzten die Herren Geheimrat 
Prof. Albert Eulenburg-Berlin, Prof. Kopp-München, 
Dr. A. Blaschko-Berlin, Dr. E. von den Steinen-Düssel- 
dorf, Dr. W. Fürstenheim-Berlin und Frau Dr. Adams- 
Lehm an n-München; von Pädagogen die Herren Prof. Foerster- 
Zürich, Köster und Hö 11 er-Hamburg, Dir. Prof. Kemsies- 
Berlin, Prof. Sc h ä fen ac ker-Mannheim, Hauptlehrer Lacroix 
und End erlin-Mannheim, sowie die Damen Frau Prof. Kruken¬ 
berg-Kreuznach und Frl. Dr. Bäumer-Berlin. 

Berlin. Einladungs-Rundschreiben zum dritten Kongress der 
Deutschen Röntgen-Gesellschaft 1907. 

Der dritte Kongress der Deutschen Röntgen-Gesellschaft 
findet am Montag, den 1. April 1907, morgens 9 Uhr, in Berlin 
im Langenbeck-Hause statt. Für die Wahl dieses Tages war der 
Gesichtspunkt maßgebend, den Teilnehmern,: den Besuch des am 
2. April tagenden Orthopäden-Kongresses und des am 3. April 
beginnenden Chirurgen-Kongresses zu ermöglichen. 

Die Ausschusssitzung findet am Sonntag, den 31. März 8 Uhr 
abends präzise statt. Ort wird noch bestimmt. 

Die Erölfnungs- und Geschäftssitzung beginnt am Montag, 
den 1. April 9 Uhr morgens präzise. 

Zur Diskussion steht das Thema: „Welchen Einfluss hat die 
Röntgendiagnostik auf die Erkennung und Behandlung der Knochen- 
brücbe gehabt?“ 

Das Referat hat Herr Prof. Dr. O b e rs t-Halle, das Korreferat 
Herr Dr. Imme 1 mann-Berlin gütigst übernommen. 

Anfragen sind an den derzeitigen Vorsitzenden, Herrn Dr. 
Albers-Schön berg, Hamburg, Klopstockstr. 10 zu richten. 

Anmeldungen von Vorträgen oder Demonstrationen sind mög¬ 
lichst frühzeitig (spätestens bis zum 1. März 1907) bei dem 
1. Schriftführer der Gesellschaft, Horrn Dr. Max Immelmann, 
Berlin W. 35, Lützowstr. 72 anzumelden. 

H. A1 bers-Schönber g, Vorsitzender. 


Berlin. Der Central-Krankenpflege-Nachweis für 
Berlin und Umgebung (Fernsprechanruf: Amt III, Rettungs¬ 
gesellschaft) hielt am Mittwoch 30. Januar im Langenbeckhause 
seine Generalversammlung unter Vorsitz von Sanitätsrat Dr. 
S. Alexander ab. Aus dem Geschäftsbericht, welchen Dr. P. 
Jacobsohn erstattete, geht hervor, dass die Inanspruchnahme 
des Instituts seitens der Aerzte, der Familien und Krankenanstalten 
andauernd wächst. Im Jahre 1906 betrug die Zahl der Pflege¬ 
nachweisungen 2046 Fälle, Besondere Ausdehnung erhielt auch 
die Beschaffung guter Pflege für arme Kranke, indem wiederum 
775 mal Pflegepersonen zu ermäßigtem Preise und 76 mal (meist 
für die Dauer von 1—2 Wochen) unentgeltlich zur Verfügung 
gestellt wurden. Die staatlichen und städtischen Beihilfen wurden 
fast gänzlich für diesen Zweck aufgewendet. Trotzdem ist die 
finanzielle Lage des Unternehmens nach dem Kassenbericht des 
Herrn H. Saxenberg befriedigend. Unter den Krankenhäusern, 
welche den Central-Nachweis in 254 Fällen in Anspruch nehmen, 
sind die städtischen Kranken- und Irrenanstalten stark vertreten; 
auch die kleinen Provinz-Krankenhäuser wenden sich oft an die 
Centralstelle. Im Ganzen hat der Central-Krankenpflege-Nachweis 
bisher in etwa 7000 Fällen gutes Pflegepersonal besorgt. 

Berlin. Der 28. Balneologen-Kongress wird unter Vor¬ 
sitz von Geheimrat Liebreich vom 7.—11. März er. in Berlin 
tagen. Vorträge haben angemeldet die Herren Hofr. Prof. Winter- 
nitz-Wien, Geheimrat Prof. Brieger-Berlin, Dr. Rothschild- 
Soden, Dr. Gr äupner-Nauheim, Prof. K isch-Marienbad, Privat¬ 
dozent Dr. Strasser-Wien, Prof. Strauss-Berlin, San.-Rat 
Lenne-Neuenahr, San.-Rat Marcus-Pyrmont, Dr. Burwinkel- 
Nauheim, San.-Rat Baur-Nauheim, Geheimrat Prof. H o f fa - Berlin, 
Prof. Wassermann-Berlin, Hofrat Determann-St. Blasien 
und viele andere. Mit dem Kongresse ist eine Ausstellung von 
medicinischen Apparaten und Präparationen verbunden. Ueber 
alle den Kongress betreffende Angelegenheiten gibt Auskunft der 
Generalsekretär der Baineologischen Gesellschaft, Geheimrat Brock, 
Berlin NW. 52. 

Berlin. Der VI. Kongress der Deutschen Gesellschaft für 
orthopädische Chirurgie wird in der Osterwoche, am Dienstag, 
den 2. April, dem Tage vor der Zusammenkunft der Deutschen 
Gesellschaft für Chirurgie, im Langenbeckhause, Ziegel-Strasse 
10/11 stattfinden. Die Eröffnung des Kongresses wird vormittags 
9 Uhr erfolgen. In der Nachmittagssitzung findet die General¬ 
versammlung statt, in der einige formelle Aenderungen der Sta¬ 
tuten beschlossen werden sollen, welche sich wegen der beab¬ 
sichtigten Anmeldung der Gesellschaft zum Vereinsregister als 
notwendig erweisen. Ein Entwurf der entsprechend abgeänderten 
Statuten folgt anbei. 

Von der Aufstellung eines Hauptthemas für die Verhandlungen 
der Gesellschaft ist iu diesem Jahre Abstand genommen worden. 

Vorträge und Mitteilungen bitte ich möglichst bald — 
spätestens bis zum 1. März — bei Herrn Professor Dr. Joachims¬ 
thal, Berlin W., Magdeburger Strasse 36, anzumelden. 

Vorzustellende, von auswärts kommende Kranke finden in der 
Kgl. chirurgischen Klinik Sr. Excellenz des Herrn Geh.-Rat Professor 
Dr. v. Bergmann (Ziegel-Strasse 5/9) Aufnahme. 

Anmeldungen neuer Mitglieder bitte ich mit der Unterschrift 
dreier Mitglieder der Gesellschaft gleichfalls an Herrn Professor 
Dr. Joachimsthal zu'richten. 

Berlin. Die Vorarbeiten für den XIV. internatio¬ 
nalen Kongress für Hygiene und Demographie, der in 
der Zeit vom 23.—29. September d. J. in Berlin stattfindet, 
schreiten rüstig vorwärts. Die Themata . für die einzel¬ 
nen Sektionen sind endgültig festgelegt, die hierfür vorgesehenen 
Referenten aufgefordert, die Auswahl der Referenten ist so ge¬ 
troffen, dass eine möglichst vielseitige, umfassende Behandlung 
der einzelnen Verhandlungsgegenstände gewährleistet ist. Die 
deutschen Referenten haben schon jetzt zum grössten Teil zuge¬ 
sagt, auch aus dem Auslande ist bereits eine Reihe zustimmender 
Antworten eingegangen. 

Drucksachen, den Kongress betreffend, sind erhältlich im 
Bureau des Kongresses Berlin W. 9, Eichhornstr. 9. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. P. Meiianer, Berlin W. CS, KurfüritenatT. 81. — Veiantwortlich für den Inaeratenteil: Der Varlag ron Carl Marhold. Halle a. S. 

trank von der HeTOemann'sc en Buchoruuiaiai. t>ebi. Wollt hau« a. o 


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Medicinische Woche 


Dentschmann, A. Dfihrssen, A. Hoffa, E. Jacobi, 

Hamburg. Berlin. Berlin. Freiburg i. Bi. 

H. Senator, R. Sommer, 

Berlin. Giessen. 


Herausgegeben von 


R. Robert M. Koeppen, K. Partsch, H. Rosin, H. Schlange, 

Rostock. Berlin. Breslau. Berlin. Hannover. 

H. Unverricht A. Vossius, 

Magdeburg. Giessen. 



r A 

Verlag und Expedition 

Carl Marhold in Halle a. 5., Uhlandstrasse 6. 

TeL-Adr.: Marhold Verlag Hallesaale F-'crnsprecher 823. 


Redaktion: ^ 

Berlin W. 62, Kurfürstenstrasse 81. 

Dr. P. Meißner. 


Officielles Organ des Schwarzwaldbädertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebäder and des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 

VIII. Jahrgang. 

18. Februar 1907. 

Nr. ‘ 

7. 


Die .Med 1 ci nIsche Woche* erscheint jeden Montag und kostet vierteljShrl. 2.5) M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen jede Buchhandlung, die Post, sowie 
die Verlagsbuchhandlung von Carl Marhold in Halle a. S. entgegen. Inserate werden für die 4gespattene Petitzeile oder deren Raum mit 50 Pf. berechnet. Beilagen 

nach Ueberelnkunft. Reklamezeile 1,50 M. Bei gröberen AuftrSgen wird Rabatt gewährt. 

Nachdruck der Original-Aufsätze ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 

[Was muss der Arzt von Nasen- und Hals- 
Krankheiten wissen? 

Von Dr. Maximilian Bresgen iu Wiesbaden. 

Die von mir aufgestellte Frage ist schon vielfach erhoben 
und mit mehr oder weniger Geschick zu beantworten ver¬ 
sucht worden. Dem Zuge der Zeit folgend ist aber zumeist 
unseres Erachtens der grössere Wert auf die Vermehrung des 
Könnens, nicht aber des Wissens gelegt worden. Es ist docli 
zweierlei, ob die Zwecke des „Arztes“ oder die des soge¬ 
nannten Spezialarztes gefördert werden sollen. Wenn auf 
einem Sondergebiete die Handfertigkeit des „Arztes“ gefördert 
wird, ohne das Wissen über den Gegenstand entsprechend zu 
vertiefen, so wird damit weder dem Kranken noch dem Arzte 
gedient; denn die beste Handfertigkeit ist ziemlich wertlos, 
wenn sie nicht auf einem, alle einschlägigen Umstände be- 

7 O O 

herrschenden Wissen beruht. Vertieft man das Wissen, so 
vermehrt sich das Können von selbst, allerdings langsam, doch 
stetig und sicher. Auf diesem Wege sind in früheren Jahren 
tüchtige „Spezialärzte“ entstanden; und auch heutzutage 
könnte das noch geschehen, und diese würden, wie ehedom, 
den Vorzug haben, eine breitere Uebersicht über das ganze 
ärztliche Wissensgebiet zu besitzen, während die „Spezial¬ 
ärzte“ der Neuzeit sich solche erst erwerben müssen, um ihr 
Können wirklich nutzbringend den Kranken nahe zu bringen. 

Den „Spezialärzten“ wird so häufig von „Aerzten“ Ein¬ 
seitigkeit vorgeworfen; es kann hier gleichgültig sein, ob mit 
Recht oder Unrecht, besonders wenn der Vorwurf nur für 
einzelne Fälle gelten soll. Wird er aber im allgemeinen er¬ 
hoben, so muss doch geltend gemacht werden, dass auch 
„Aerzte“ recht häufig sehr einseitig ihres Berufes walten. Von 
spezialistischen Kenntnissen nicht beschwert, übt mancher 
„Arzt“ seine Tätigkeit in geradezu vorsiindflutlicher Weise 
ans, hält die Inanspruchnahme eines „Spezialarztes“ immer für 
überflüssig, ja sogar schädlich, weil dieser nur die örtlichen 
Veränderungen berücksichtige usw. usw. Andererseits ist auch 
zu tadeln, wenn so mancher „Arzt“ überaus bereitwillig die 
Kranken an „Spezialärzte“ überweist, während er selbst schon 
helfen könnte, wenn er sein Wissen nach dieser Seite be¬ 
reichert hätte. Denn es gibt recht viele Fälle, in denen der 
Hausarzt sein Ansehen wesentlich hoben könnte, wenn er sich 
zu den einfachsten spezialärztlichen Vorrichtungen durch fort¬ 
gesetzte Bereicherung seines Wissens befähigt hätte. Ja, es 
würde ihm schon hoch angerechnet werden, wenn er infolge 
seines Wissens Zusammenhänge von Krankheitserscheinungen 
richtig zu erkennen vermöchte, bevor die Kranken erst 


da und dort ohne Erfolg „behandelt“ und ihre Zustände statt 
besser immer schlechter geworden wären. So können also 
auch sogenannte praktische Aerzte in der Ausübung dieses 
Berufes sehr schlimme Spezialisten sein, jedenfalls ebenso 
schlimm wie „Spezialärzte“, die spezialistische, aber keine 
ärztliche Fähigkeiten bei der Krankenbehandlung zur Wirkung 
kommen lassen. 

Was noch in langen Jahren in dieser Frage aufgefallen 
ist, möchte ich im folgenden in grossen Zügen zusammen¬ 
stellen, auf dass in immer weiteren Kreisen der Aerzte die 
Erkenntnis sich Bahn breche, dass Nasenleiden und Halskrank¬ 
heiten nicht nach ihren örtlichen Beschwerden allein gewertet 
werden dürfen, sondern dass in viel höherem Grade ihre Be-' 
Ziehungen zu anderen Teilen und Organen des Körpers in Be¬ 
tracht gezogen werden müssen.*) 

Die Erkrankung der Rachenhöhle, insbesondere der Rachen- 
enge mit den beiden Gaumenmandeln, gehören schon von 
altersher zu den am meisten in ärztliclio Behandlung ge¬ 
langenden Krankheiten. Der frische Schnupfen dagegen, der 
mindestens ebenso häufig ist, erfreute sich niemals einer so 
ausgiebigen Berücksichtigung, nicht nur deshalb nicht, weil 
man bis vor 30 Jahren die Nasenhöhlen noch nicht zweck¬ 
mäßig zu untersuchen vermochte, sondern hauptsächlich wohl 
aus dem sehr nachdrücklich sich geltend machenden Grunde 
der ärztlichen Ohnmacht gegenüber dem genannten Uebel so¬ 
wie aus der nur allzu geringen Wertschätzung der Bedeutung 
eines solchen für die Nase, deren Nachbarschaft und den 
Körper überhaupt. 

In der Zeit der Umwertung aller Werte, wo alles in be¬ 
ständigem Flusse ist und bleiben muss, kann kein grösserer 
Fehler gemacht werden, als am alten kleben zu bleiben — 
bloss weil es bequem ist. Zum Kranksein gehört freilich Zeit, 
und zum Gesundwerden noch viel mehr. Das beachten auch 
alle Kranken fast durchweg, wenn sie an „Kurpfuscher“ sich 
wenden, während sie von „Aerzten“ sozusagen umgehende 
Hülfe verlangen, vielleicht weil sie deren Können unbewusst 
doch höher einscliätzen! Aber wir Aerzte müssen uns stets 
bewusst bleiben, dass wir nicht nach Kurpfuscherart etwas 
versprochen dürfen, dessen Erfüllung uns durch unsere Wissen¬ 
schaft von vornherein als zum mindesten fraglich erscheinen 
muss. Alsdann wahren wir unser Anselien als Aerzte, alsdann 
gewöhnen sich die Kranken ab, uns mit Forderungen zu be¬ 
helligen, die nur Kurpfuschern zugomutet werden können. 
Freilich verlangt ein solches Verhalten neben einer idealen, 
pflichttreuen Auffassung unseres Berufes ein ausgiebiges 

*) Insbesondere verweise irli ii. a. auf folgende meiner Schriften: Der 
Kopfschmerz bei Nasen- und Kuchen - Leiden und seine Heilung. 3. Aufl. 
Leipzig 1901. — Die Reizung und Entzündung der Nusenschleimhaut iu 
ihrem Einflüsse auf die Atmung und das Herz. Halle 1U00. — Aerztlicho 
Eortbildungsvorlosungen. Hallo 1003. — Die hauptsächlichen kindlichen 
Erkrankungen dor Nasenhöhlen, der Rachenhöhle und der Ohren sowie ihre 
Bedeutung filr..Schule und Gesundheit nebst grundsätzlichen Erörterungen 
über Untersuchung und Behandlung solcher Kranken. Halle 1904. 


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74 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr 7. 


Wissen und sicheres Können; aber daran brauchts heute 
keinem Arzte zu fehlen, sofern es ihm Ernst ist mit seinem 
Berufe. 

Will also ein Arzt den berechtigten Forderungen seiner 
Kranken in Bezug auf Erkrankungen der Nase und aes Halses 
genügen, ,so muss er sich die Errungenschaften dieser Gebiete 
insoweit zu eigen machen und halten, dass er jederzeit zu¬ 
treffend raten und womöglich auch die einfacheren örtlichen 
Behandlungsweisen selbst ausüben kann. So muss er also den 
frischen Schnupfen, das häufigste Leiden der Nase und die 
häufigste Ursache der Miterkrankung des Halses und der 
Ohren sowie der Lidbindehaut, als eine Erkrankung zu werten 
wissen, die nicht nur rasch zu heilen, sondern in ihren so be¬ 
schwerlichen Erscheinungen auch zu verhindern ist. 

In erster Linie muss man wissen, dass der frische 
Schnupfen an sich keine Verschwellung der Nasenschleim¬ 
haut verursacht, sondern dass das nur erfolgt, wenn die 
Nasenhöhle mit einer Dauerschwellung behaftet ist. Ist diese 
dauernd gehoben, so verläuft der frische Schnupfen unter einem 
ziemlich harmlosen Bilde: die Absonderung ist wohl vermehrt 
und zeigt auch sonst die bekannten Eigenschaften, aber der 
Nasenluftweg bleibt für die Atmung frei, und wenn im Be¬ 
reiche auch der mittleren Muschel keine Dauerschwellung mehr 
vorliegt, so macht der frische Schnupfen auch keinen Kopf¬ 
druck oder Kopfschmerz. Der Schnupfen verläuft auch rascher 
als sonst und es bleibt ihm damit auch weniger Zeit, auf die 
Nachbarschaft überzugreifen; auch vermindert sich erheblich 
die Gefahr, durch das sonst so erschwerte und dadurch ver¬ 
stärkte Schneuzen den Ansteckungsstoff in die Ohrtrompeten 
und das Mittelohr zu treiben und dort die so schmerzhaften 
und oft so gefährlichen Entzündungen hervorzurufen. Dann 
aber auch ist die örtliche Behandlung des Nasoninneren ausser¬ 
ordentlich erleichtert, weil die engeren Wege des Naseninnem 
nicht verschlossen, also der Einwirkung geeigneter Heilmittel 
zugänglich sind, ohne dass man genötigt ist, vor Einbringung 
dieser die Schleimhautschwellung durch geeignete Anwendung 
jetzt von Suprarenin, verschwinden zu machen. 

Bei der örtlichen Behandlung des frischen Schnupfens *) 
muss, soll sie wirklich von Erfolg bogleitot sein, das Nasen¬ 
innere bis in die Tiefen seiner Gänge frei sein oder gemacht 
sein. Man muss eben wissen, dass die Schnupfenkeime gerade 
aus den verschwollenen Teilen immer von neuem wieder die 


*) Ich verweise des näheren auf meine, wenn auch nicht bis auf die 
Neuzeit fortgeführte Schrift: Ueber die Notwendigkeit der örtlichen Be¬ 
handlung des frischen Schnupfens. Leipzig 1900. 


Feuilleton. 


Eine Reise auf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm-Darrnstadt. 

(Fortsetzung.) 

Doch, wir sind auf der Reise und nicht am Grübeln über 
Dinge, die so sind, wie sie werden mussten! 

Gross, gigantisch mutet’s den Fremdling drüben an, aber 
nicht heimisch fühlt er sich. Flüchten wir wieder auf unser 
Schiff, statten wir den Nachbarn am Lloydkay und den 
anderen Hamburger Dampfern Besuche ab, betrachten wir das 
Leben des Hafens bei Tag und bei Nacht und — freuen wir 
uns der Heimreise! 

Zuvor, ehe wir die Anker heben, müssen wir aber der 
armen Teufel gedenken, die so viel ausmachen zur Lohnend¬ 
gestaltung der Reise für die Gesellschaft: Denn ohne die ca. 
3000 Zwischendeckor wäre das nicht der Fall; an ihnen wird 
Geld verdient! 

Wir kehren also zurück zur Einfahrt in den Hafen: 
Draussen, im Vorbecken, schwimmt eine gebäudebesetzte Insel, 
die Quarantainestation, tvehe denen, welche dort aussen liegen 


Nasenschleimhaut befallen. Diese Keime aber müssen durch 
Einwirkung geeigneter Mittel geschwächt oder zerstört werden; 
sie dürfen also in • keinem Winkel hinter verschwollener 
Schleimhaut ihre Giftwirkung ungestört zu entfalten ver¬ 
mögen. 

So muss also beim frischen Schnupfen das Naseninnere in 
allen seinen Gängen und Spalten aurch Einbringung von 
Suprarenin vollkommen frei von Schwellung gemacht werden. 
Das geschieht am zuverlässigsten in der von mir für die 
Kokainanwendung angegebenen Weise. Wissen muss man hier¬ 
bei, dass sowohl Kokain wie Suprarenin nur dort wirkt, wohin es 
unmittelbar aufgetragen ist. Es muss also sowohl Sprühregen 
solcher Mittel, wie einfache Einbringung und Liegenlassen von 
mit dem Mittel getränkten Wattebäuschchen eine unvoll¬ 
kommene. im vorliegenden Falle also eine gänzlich unge¬ 
nügende Wirkung hervorbringen. Ich habe deshalb von jeher 
für notwendig gehalten, ein solches Mittel immer unmittelbar 
an jede Stelle zu bringen, die seiner Wirkung unterworfen 
werden soll. Mit einer nadelspitzen, langen Sonde, an deren 
Spitze ich ein sehr kleines Wölkchen Watte dergestalt fest an¬ 
drehe (mit dem Fingernagel), dass dieses etwa einen Tropfen 
Flüssigkeit hält, bringe ich diese vorsichtig von vorne nach 
hinten und oben vordringend auf alle Teile der Nasenschleim¬ 
haut bis in die engsten Wege hinein. So lange man sich mangels 
der Neben nieren-Mittel ausschliesslich des Kokains bedienen 
musste, bedurfte es oft einer drei- bis viermaligen Einführung 
dieses Mittels, um die verschwollenen Gänge wenigstens 
einigermaßen frei zu bekommen, währ« nd man jetzt nach An¬ 
wendung des Suprarenins meist mit einer einmaligen, aller¬ 
dings sehr sorgfältigen Bestreichung der ganzen Nasenschleim¬ 
haut ausreicht. Die Benutzung des Suprarenins hat auch der 
des Kokains gegenüber den sehr grossen Vorteil, dass nach¬ 
her keine rückwirkende Schwellung der Schleimhaut eintritt. 
Es ist dieser Umstand auch bei der Anwendung des Suprarenins 
deshalb wohl im Auge zu behalten, weil dabei eine vorherige 
Kokainisierung, um Herabminderung der Empfindlichkeit her¬ 
beizuführen, nicht Tätlich ist. Denn bei vorsichtiger Ein¬ 
bringung des Suprarenins ist die Empfindlichkeit der Nasen¬ 
schleimhaut nicht grösser als hei der ersten Einbringung 
von Kokain selbst, abgesehen natürlich von den ganz seltenen 
Fällen von wirklich hochgradiger Empfindlichkeit der Nasen¬ 
schleimhaut. *) Man muss also wis.'en. dass bei der .örtlichen 
Behandlung des frischen Schnupfens möglichst kein Kokain ver- 

*) Für diese Fälle bediene ich mich des 20 prozentigen Novokains 
+ Suprarenin. 


bleiben müssen, weil ein verdächtiger Fall an Bord die Hafen¬ 
einfahrt sperrt: Wir fuhren daran vorüber und stoppten erst 
angesichts des auf uns zukommenden Quarantainebootes. Der 
inspizierende Arzt stieg an Bord, liess sich kurz über den 
Gesundheitszustand an Bord heiichten und die Impflisten vor¬ 
legen — sämtliche Zwischendecker müssen, wie erwähnt, ge¬ 
impft sein zur Zulassung auf amerikanischen Boden, wenn 
auch Amerika selbst keinen Impfzwang kennt, während wir 
die zu uns kommenden Rückwanderer ohne Schererei herein- 
lassen: auch ein Kontrast zwischen Freiheits- und Tyrannen¬ 
staat! — und dann die Herde Revue passieren. — Barhaupt 
im Gänsemarsch mussten sie im Laufschritt an ihm vorbei¬ 
jagen, hatte einer der Kerle Hut oder Mütze aufbehalten, so 
reckte des langgliedrigen Yankees Hand sich aus, die unvor- 
schriftsmäßige Kopfbedeckung höchst formlos zu beseitigen: 
Mancher mag das Gefühl einer ersten Maulschelle der Freiheit 
gehabt haben, als ihm so der Hut vom Kopfe flog. — Aber 
einen ärztlichen Scharfblick, eine Uebung besitzen die Kollegen 
in solcher Stellung da drüben, die mir Staunen abnötigte: 
Nicht schnell genug konnten die Menschen vorbeitraben, und 
dennoch griff er mit sicherer Hand zwei heraus, die sich aus 
dem lsolier-Hospital gestohlen und in die Reihe geschmuggelt 
hatten: ein Masemkind und eine Frau mit Rose waren sofort 
wieder da, wohin sie gehörten, zurückgestellt nämlich fürs 
Hospital! 

Am Tage nach der Landung der Kajütpassagiere ging in 


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1907. 


MEDIGINISCHE WOCHE. 


75 


wendet werden soll. Daraus ergibt sich denn auch, dass die 
anz unwissenschaftliche Behandlung des Schnupfens mit 
okainhaltigen Schnupfpulvern oder Spray - Flüssigkeiten und 
dergleichen durchaus vermieden werden muss, ganz abgesehen 
davon, dass die Kranken dadurch von einer wirklich wirk¬ 
samen Behandlung ferngehalten werden. 

Ist also das ganze Naseninnere bis in seine feinsten Ver¬ 
zweigungen frei von Schwellung, so bringt eine zarte Einstäu- 
bung von feinstgepulvertem Kalium sozojodolicum, täglich 
wiederholt, eine ausserordentlich gute und rasche Heilwirkung 
hervor. Das Pulver muss aber bei künstlicher Beleuchtung 
des Naseninnern durch einen Kabierske-Bresgenschen Pulver¬ 
bläser unter Verwendung eines einfachen, mit dem Fusse 
zu tretenden Gummigebläses in die Nasenhöhle durch einen ge¬ 
eigneten, in die Nasenöffnung eingeführten Nasenerweiterer 
hindurch in dünner Schicht gleichmäßig verteilt werden. Eine 
massenhafte Einblasung von Pulver hat gar keinen Zweck, ist 
sogar zweckwidrig, indem sie sogar Kopfschmerz hervorzürufen, 
Zusammenballen des Pulvers in den engen Gängen zu bewirken 
und seine Lösung zu beeinträchtigen oder zu verhindern imstande 
ist. Man muss auch wissen, dass das genannte Pulver zweck¬ 
los verwendet wird, wenn es auf irgend eine andere Weise als 
sogenanntes Schnupfpulver in die Nase gebracht wird; denn 
in solchem Falle gelangt es nicht in die engen Wege, in denen 
gerade die Schnupfenkeime sich fortgesetzt entwickeln; es 
kann also auch keine ausreichende Wirkung entfalten. 

Nun muss man aber auch wissen und sich stets vor Augen 
halten, dass es im Berufe des Arztes nicht begründet ist, immer 
wieder gegen das gleiche Uebel in gleicher Weise anzukämpfen, 
wenn man weiss, dass es durch Hinwegräumen einer wesent¬ 
lichen Ursache in seiner üblen Wirkung sozusagen ausgeschaltet 
werden kann. Wie es keinen Mundatmer ohne Verschwellung 
des Nasenluftweges gibt, so kann auch ein frischer Schnupfen, 
wie ich bereits hervorhob, ohne gleichzeitiges Vorhandensein 
einer Dauerschwellung der Nasenschleimhaut die Nasenatmung 
nicht aufheben oder so beeinträchtigen, dass es einer Aufhebung 
gleichkommt. Man muss also wissen, dass es eine vornehme Auf- 
abe des Arztes ist, in dieser Richtung Belehrung zu ver- 
reiten, um wirkliche Dauererfolge zu erzielen und dadurch 
das ärztliche Ansehen unausgesetzt zu fördern und dadurch 
wieder den Nutzen ärztlicher Behandlung für die Kranken ins 
hellste Licht zu setzen. 

Die Beseitigung einer Dauerschwellung der Nasenschleim¬ 
baut mit allen ihren Abarten, auf die ich hier nicht näher ein- 
gehen kann, ist aber eine keineswegs einfache oder gar kurz¬ 
weilige Sache. Man muss sich dabei stets gegenwärtig halten, 


dass bei aller Zerstörung von Nasenschleimhaut nicht aus dem 
Auge gelassen werden darf, dass die letztere als solche immer 
noch vollkommen leistungsfähig bleiben muss, dass sie der 
eingeatmeten Luft bei ihiem Durchstreichen der Nase die er¬ 
forderliche Feuchtigkeit und Wärme zuführen und etwaige 
Verunreinigungen abnehmen muss. Man muss demnach wissen, 
dass eine einmalige „gründliche“ Zerstörung unerlaubt ist, sie 
darf vielmehr nur nach Maßgabe des vorliegenden Schleim¬ 
haut-Zustandes erfolgen, ist also Sache reiflicher, auf sorg¬ 
fältiger Erfahrung beruhender Ueberlegung. Man wird also 
zunächst nur eine wesentbche Verbesserung der Nasenatmung 
erzielen dürfen, die vielleicht nur für ein halbes Jahr aus¬ 
reichen wird; alsdann müssen die Reste der Schwellung weiter 
behandelt werden, auch wenn gar keine Beschwerden vor¬ 
handen sind. Geschieht die Weiterbehandlung nicht recht¬ 
zeitig, so läuft man Gefahr, die eingebrachten Vorteile der 
ersten Behandlung infolge von neuer Verschwellung ganz oder 
grösstenteils zu verlieren; die Behandlung dauert dann länger, 
als es sonst nötig wäre und bringt auch überdies die Unbe- 
uemlichkeiten einer erstmaligen Behandlung. Je nach der 
tärke der Schleimhaut-Verschwellung, bezw. -Verdickung muss 
auch noch eine dritte und selbst vierte Behandlung eintreten. 
Bei Beobachtung solcher Vorsicht wird die Leistungsfähigkeit 
der Nasenschleimhaut in keiner Weise beeinträchtigt, im 
Gegenteil erst zu einer für die Nasenatmung notwendigen Ge¬ 
sundheit geführt. (Fortsetzung folgt.) 


Sitzungsberichte. 

Deutschland. 

Berliner medizinische Gesellschaft . 

Sitzung vom 23. Januar 1907. 

Vor Eintritt in die Tagesordnung Demonstration eines Falles 
von hochgradiger Arteriosklerose mit multipler Aneurysmabildung. 
Es bestand Hypertrophie des Herzens und Pulslosigkeit am rechten 
Fuss, der infolgedessen gangraenös geworden war. Kurz vor der 
Operation starb der Patient an Haemoptoe im Kollaps. Die Sek¬ 
tion ergab hochgradige Arteriosklerose, ein apfelgrosses Aneurysma 
der Aorta, das durch die Pleura in die Lunge durchgebrochen 
war. Am rechten Unterschenkel waren die Gefösse undurchgängig 
und verdickt; die linke Arteria femoralis zeigte eine Reihe apfel- 
grosser und kleinerer Aneurysmen, beginnend unter dem Liga¬ 
mentum Poupartii bis zur Poplitea. 


der Frühe die Ausschiffung der Zwischendecker los für Ellis 
Island. Ein grosser Kahn, neben dem ein Schlepper lag, wurde 
vollgestopft mit Menschen. Mit einem Kollegen fuhr ich mit. 
Bezeichnend für die Beherrschung der Kräfte, wie sie drüben 
entwickelt ist, war unterwegs der Umstand, dass mit einem 
Male der Schlepper die Taue löste, um den grossen Kahn her- 
umfuhr und auf seiner anderen Seite sie wieder befestigte, ohne im 
geringsten die Fahrt zu unterbrechen. Dabei steigen nicht 
ungezählte Schiffsbeamten mit Uniformen und Goldschnüren 
darauf umher, sondern ein paar Männer in praktischer Arbeits¬ 
kleidung besorgen die Geschäfte mit derselben Gelassenheit, 
wie sie gleich darauf Tabak rauchend oder kauend — oder 
beides zugleich — und vor allem kunstgerecht spuckend über 
die Reeling gelehnt abwarten, bis es wieder etwas zu tun gibt. 

An der ehernen „Freiheit“, dem Franzosengeschenk, vor¬ 
bei ging’s nach der Auswandererinsel. Ein prachtvoller, mäch¬ 
tiger Bau, die Auswandererhallen bergend, hebt sich da an 
Stelle der alten, niedergebrannten Holzhallen empor. Ein 
schöner anlagengezierter Quai davor an dem kleinen Inselhafen, 
an dessen gegenüberliegender Seite zwei gewaltige Hospital¬ 
bauten teils fertig dastehen, teils im Bau begriffen sind. Wir 
begaben uns in den Untersuchungsraum und machten uns mit 
einigen der Herren, die dort, das mächtige ^U.-S.“ auf dem 
Uniformkittel, an der Arbeit waren, bekannt. Die staunenswerte 
Fixigkeit, mit welcher dort nach dem gefürchteten Trachom, 
der „ägyptischen Angenkrankheit“, geforscht wird, hat vor 


kurzem veranlasst, dass ein Hamburger Augenarzt beauftragt 
ward, diese Massenuntersuchungsweise drüben zu studieren. 
Freilich mag’s wohl auch nicht immer stimmen dabei: So erzählte 
mir ein Augenarzt aus San Franzisko, der zur Erneuerung seiner 
verbrannten Bibliothek und Instrumente nach Paris, Heidelberg 
und Berlin reiste, dass in Franzisko kürzlich von den Hafen¬ 
ärzten ein paar Russen, welche den Japanern aus der Kriegs¬ 
gefangenschaft ausgekniffen waren, wegen Trachoms abge¬ 
wiesen werden sollten Die armen Teufel wären dann an die 
nächste russische Militär-Behörde überwiesen und dort als 
Deserteure, denn das waren sie ja, wohl einfach niedergeknallt 
worden. Nun hatten sie aber alle kein Trachom, wie der 
Kollege feststellte. Beschwerde beim Präsidenten veranlasste 
Wiederaufnahme des Verfahrens, und bis auf zwei oder drei 
wurden die Russen laufen gelassen. Auch die hatten kein 
Trachom, wie in der ophthalmologischen Gesellschaft in Frisco 
festgestellt ward, wohin jener Arzt sie brachte. Am Trachom 
hielten die Quarantaineärzte zwar fest — was tut man nicht für 
die liebe Eitelkeit! — aber sie schickten die Burschen nicht 
heim, sondern nur in ein ander Land, nach Mexiko; und von 
da mögen sie wohl zu Fuss allmählich nach dem Lande ihrer 
Sehnsucht gepilgert sein, unbehelligt von jeder Quarantaine 
— denn aus amerikanischen Ländern Kommende werden nicht mit 
Untersuchungen — wenn sie noch so sehr an Trachom leiden — ge¬ 
quält — guckt da nicht die Monroe-doktrin wieder ’mal ’raus?! — 
Es sollen an jenem Tage an 12000 Menschen in den 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 7. 


Zur Tagesordnung: Heubner: Schlusswort zu seinem 
Vortrag über orthotische Albuminurie. 

Er hält die fragliche Niere für gesund, die Kerne in der 
Glomerulis seien nicht vermehrt, gegen eine voraufgegangene und 
nun abklingende Nephritis spricht der klinische Verlauf, der genau 
beobachtet war, und die physikalischen Gesetze hätten im Körper 
nur bedingte Geltung, der Einfluss der Muskeln und Nerven modi¬ 
fiziere die Gesetze der Hydraulik. 

Senator: persönliche Bemerkung. 

Goldschmidt: Eigenschaften und Ziele einer neuen 
Methode der Harnröhrenbesichtigung. 

Die bisherigen Methoden hatten alle den Nachteil, dass es 
nur gelang, bestimmte Stellen der Harnröhre zu betrachten, ein 
Verschieben der Lichtquelle wurde nötig, und trotzdem konnte 
man kein genaues Bild bekommen. Nitze hat durch sein Cysto- 
skop ein Instrument geschaffen, mit dem es möglich iBt, die ganze 
Schleimhaut der Blase zu übersehen und damit alle Einmündungs¬ 
stellen der Harnwege, etwaige pathologische Erscheinungen, Fremd¬ 
körper etc. Ein ähnliches Instrument für die Harnröhre zu kon¬ 
struieren war das Streben. Herrn G. ist es gelungen, wie auch 
von anderer Seite bestätigt wurde, ein derartiges, brauchbares 
Instrument herzustellen; notwendig ist dazu Dilatation der Harn¬ 
röhre, ein Leuchtkörper und die Betrachtung durch ein geeignetes 
Linsensystem. Die Instrumente werden herumgegeben. Im ersten 
Teil der Harnröhre ist die Untersuchung leicht und schmerzlos, 
bei Blutungen ist sie unmöglich. Eine Infektionsgefahr ist ausge¬ 
schlossen, da eine ständige Berieselung mit Borsäure erfolgt. Die 
Kompression schliesst am ersten Teil der Harnröhre ab, so dass 
die Auftreibung leicht vor sich geht. Der Abschluss des zweiten 
Teiles nach der Blase hin ist weniger gut, es fliesst das Wasser 
sehr leicht in die Blase; aber in der Norm besteht ein willkür¬ 
licher Abschluss der Blase gegen die Harnröhre, so dass die 
Dilatation meist gelingt. In diesem Teil liegen wichtige Organe; 
und somit ergibt die Betrachtung dieses Abschnittes oft wichtige 
Aufschlüsse über Konfiguration der Seitenwände, Krümmung der 
Harnröhre, Prostataveränderungen, Residuen älterer Prozesse, die 
Samenhügel und ihre Funktiqn, die selbst bei Anuspalpation wahr¬ 
genommen werden kann. 

An der Diskussion beteiligen sich die Herren Rotschild, 
Glücksmann. 

Aerztlicher Verein in Semiburg. 

Sitzung vom 8. Januar 1907. 

Vorsitzender: Herr Kümmell. 

I. Demonstrationen: 1. Herr Revenstorff berichtet über 


Auswandererhallen versammelt gewesen sein. — In langen ver¬ 
gitterten Käfigen harren dort, mit Nummern um den Hals ver¬ 
sehen, die Auswanderer des Aufrufs zur Vorführung und Re¬ 
gistrierung; ich glaube kaum, dass ein Hagenbeckscher Trans¬ 
port viel anders behandelt wird. Nach „Freiheit“ freilich 
sieht’s verdammt wenig aus! Und sie wissen zuzugreifen, 
wenn einer zaudert, drüben! Als bei einer Aufstellung in 
Reihen einer der unseligen Pollacken nicht gleich seine dalketen 
Glieder am rechten Platze hatte, wie half da gleich der Police¬ 
mann nach! Bei uns gäbe das ’ne Woche lang Leitartikel für 
die brave „Frankfurter“, den „Vorwärts“ und dergleichen 
tyrannenmordende Blätter — aber drüben macht sich das 
alles natürlich, wenn der schwere Holzknittel des Polizisten auf 
Menschenrücken seine Zeichen malt! 

Lange duldete mich’s nicht in dieser Menschenmenagerie. 
Das nächste Regierungsboot entführte uns dem Trubel. Es hatte 
sich die Nase irgendwo eingestossen und an seinen verbeulten 
Platten arbeiteten die Kesselschmiede, während es ruhig seinen 
Dienst weiter tat; was am schwimmenden Schiff geschafft 
werden kann, wird ohne Fahrtunterbrechung auch während des 
Dienstes gemacht: wozu auch Zeit verlieren, sie ist Geld — 
warum sieht man aber gerade drüben so viel Tagediebe um- 
herlungem? Was wohl solch ein Stiefelputzer verdienen 
mag; auf jedem Schiffe sah ich wenigstens zwei derselben 
mit ihrem Putzzeug herumlaufen, und an der Arbeit hab’ ich 
zufällig keinen einzigen davon gesehen. Ueberall auf den Strassen 


einen im Hafenkrankenhaus beobachteten besonders sohweren Fall 
von Hitzschlag. Bei der Aufnahme war der Pat. cyanotisch, 
die Reflexe waren erhöht, die Pupillen reagierten träge. Bei ex¬ 
tremer Temperatur hielt die Bewusstlosigkeit achtzehn Stunden 
lang an, am fünften Tage trat noch Delir, trem. auf. Später ent¬ 
wickelten sich deutliche Coordinationsstörungen, die noch jetzt nach 
fünf Monaten vorhanden sind; einzelne Reflexe, wie z. B. der 
Patellarreflex, sind völlig erloschen. 2. Herr Nonne stellt ein 
Analogon zu diesem Fall vor. Coordinationsstörungen sind 
zuerst nach Typhus, später auch nach anderen Infektionskrank¬ 
heiten beobachtet worden; es handelt sich dabei um eine völlige 
Ataxie der gesamten willkürlichen Muskulatur. Der 43jähr. Pat. 
brach bei einer Temperatur von 41° C im Heizraum bewusstlos 
zusammen und kam erst nach vier Tagen wüeder zu sich; inzwischen 
waren mehrfach Konvulsionen aufgetreten. Die vorhandoDe Aphasie 
und Halbseitenlähmung gingen bald wieder zurück, während die 
cerebellare Ataxie ziemlich unverändert jetzt seit über einem Jahre 
besteht. Dabei ist die Intelligenz des Mannes stark beeinträchtigt. 
Die Prognose ist ziemlich schlecht. 3. Herr Dreyfuss zeigt 
Röntgenbilder von angeborener Skoliose und bespricht die 
Entstehungsweise dieser Anomalie, die auf eine Hemmung in der 
frühesten Foetalzeit zurückzufübren ist. 4. Herr Staude zeigt 
ein über mannskopfgrosses Myom, das er durch Porrosche 
Operation entfernt hatte. 5. Herr Laueustein demonstriert an 
der Hand einer grossen Anzahl von Röntgenbildern die Umfor¬ 
mung der Fuss wurzelknochen nach Operationen, die aus den 
verschiedensten Gründen vorgenommen worden waren. Meist 
handelte es sich um Tuberkulose des Taluß. Die Druck- und Zug¬ 
liniensysteme waren in guter Weise auf den Bildern zu erkennen. 

II. Vortrag des Herrn Deutschländer: Die Hyperaemie- 
behandlung der Knochen- und Gel e n k tu be rk ul ose. 
(Autoreferat.) 

Nach einer kurzen Uebersicht über die Hauptgesichtspunkte 
der Hyperaemielehre gibt Vortr. einen Bericht über die Erfah¬ 
rungen, die er bei 44 Knochen- und Gelenktuberkulosen mit der 
Hyperaemiebehandlung gemacht hat. Hierbei sind nur diejenigen 
Fälle berücksichtigt, die nach der jetzt gültigen Technik der 
kurzen, intermittierenden Stauung behandelt und genügend lange Zeit 
beobachtet worden sind. Am günstigsten wirkte die Hyperaemie¬ 
behandlung bei Ellenbogen-, Hand- und Fusstuberkulosen, etwas 
weniger günstig bei Knietuberkulosen, und ziemlich viel Hessen 
die Resultate noch bei den Metacarpal-und Phalangealtuberkulosen zu 
wünschen übrig. Für die Beurteilung der Hyperaemiebehandlung 
ist allerdings die Lokalisation nur von untergeordneter Bedeutung, 
weit wichtiger sind andere Gesichtspunkte, wie pathologisch-ana- 

stehen ja auch die grossen Stühle, auf denen man mit aufgestell¬ 
ten Füssen Platz nimmt, um sich das Fell am Fusse glänzend 
reiben zu lassen. Drollig mutet es an, wenn ein verachteter 
Neger da oben auf dem Stuhle thront, und ein Weisser ihm 
die Schuhe reinigt, der nicht an demselben Tische mit ihm essen 
würde. 

Doch nun, good bye; New-York! Wir haben unsere 
neuen Passagiere an Bord und fort geht’s um fünf Uhr in der 
Frühe bei klobiger Hitze, wie sie uns die ganze Zeit über in 
New-York gepeinigt hat, der Heimat zu! Langsam läuft die 
Maschine an, der Koloss dreht sicher und schonend ab von 
seinem Peer, er folgt dem Steuer wie ein Kind an der Hand 
läuft, er legt sich quer vor die Hudsonmündung, und es sieht 
aus, als ob er dieselbe völlig absperrte, so riesenhaft lagert 
sich der König des Ozeans davor. Hinaus geht’s dann bei 
herrlichem Wetter durch den wunderbaren Hafen der offenen 
See zu. Der Golfstrom nimmt uns auf, rasch schwimmen wir 
in ihm dahin bei wundervollem Wetter der Heimat zu! Ein 
Herr, der die Reise zum achtzehnten Male machte, sagte mir, 
Europawärts wäre die See immer besser als nach Amerika. 
Sollte das nicht eine Warnung sein für den Menschenstrom, 
der sich alljährlich dort hinüber ergiesst? 

(Fortsetzung folgt.) 


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1907 . 


MEDIOTNISCHE W0CH3C. 


77 


tomische Verhältnisse, Charakter der Tuberkulose, Konstitution der 
Erkrankten, Zeitpunkt des Einsetzens der Behandlung uaw. 

Bei der Technik kommt es nicht bloss darauf an, Hyperaemie 
überhaupt zu erzeugen, sondern den richtigen Grad der Hyperaemie 
— die akute heisse Stauung — hervorzurufen. Nach einer drei- 
bis vierwöchentlichen Staubehandlung empfiehlt sich , regelmäßig 
eine Staupause von fünf bis sieben Tagen einzuschieben. Sobald 
Fistel- und Abscessbildung eintritt, kombiniert man am zweck¬ 
mäßigsten die Stauungshyperaemie mit der Saughvperaemie; letz¬ 
tere hat sich namentlich auch bei der Punktion von kalten Abscessen 
dem Vortr. bewährt. Für den Dauererfolg ist es wichtig, dass 
man nicht mit dem Schwinden der entzündlichen Erscheinungen 
mit der Hyperaemiebehandlung auf hört, sondern sie noch monate¬ 
lang als Nachbehandlung fortsetzt. In gewissen Stadien ist die 
Kombination mit Streck- und Gypsverbänden bezw. Schienenhülsen¬ 
apparaten zu empfehlen, die Kombination mit der Jodoformbehand¬ 
lung hält Vortr. dagegen für überflüssig. Die operativen Eingriffe 
trugen fast durchweg einen schonenden, konservativen Charakter; 
von verstümmelnden Operationen wurde nur eine einzige grössere 
bei den 44 Berichtsfällen ausgeführt, nämlich die Resektion eines 
schon beim Eintritt in die Behandlung völlig zerstörten Kniege¬ 
lenkes. 

Der Heilungsverlauf vollzieht sich ganz analog wie bei der 
Spontanheilung; nämlich entweder unter dem Bilde der Bindege¬ 
websbildung und Narbenschrumpfung oder unter Abscess- und 
Fistelbildung; der letztere Heilungsverlauf weist eine Reihe von 
Eigentümlichkeiten auf, die man unbedingt kennen muss, wenn 
man mit Erfolg die Hyperaemiebehandlung durchführen will. Vor¬ 
tragender steht vollkommen auf dem Standpunkte Biers und 
sieht in der Hyperaemiebehandlung das beste konservative Heil¬ 
verfahren, das wir zur Zeit besitzen. Vortr. hält im Hinblick 
auf das im allgemeinen abfällige Urteil eine gründliche Revision 
der Frage für erforderlich. Allerdings darf sich die Nachprüfung 
nicht bloss auf kurz dauernde, vorübergehende Stadien erstrecken, 
sondern man muss die Einwirkungen der Hyperaemie während des 
Gesamtverlaufs der Tuberkulose beobachten und verfolgen, um zu 
einem richtigen Urteil zu gelangen. Schönewald. 

(Biologische Abteilung.) 

Sitzung vom 15. Januar 1907. 

Vorsitzender: Herr Umber. 

Herr Nocht heisst den ärztlichen Verein im Institut für 
Schiffs- und Tropenkrankheiten willkommen und gedenkt nochmals 
der grossen Verdienste Schaudinns. 

Darauf spricht J. Herr Fülleborn unter Vorführung von 
zahlreichen Mikrophotogrammen und mikroskopischen Präparaten 
über den Infektionsmodus bei der bekanntlich durch Mücken über¬ 
tragenen Filaria immitis des Hundes. Die Infektion des 
Menschen mit Filaria Bancrofti (nocturna) findet, wie bereits 
Grassi und Noe hervorheben, offenbar auf demselben Wege statt, 
wie die des Hundes mit Filaria immitis, und so liefert die letztere 
ein sehr willkommenes Material zu Uebertragungsversuchen, die 
sich beim Menschen wegen der Gefährlichkeit der Filarienkrank¬ 
heit naturgemäß verbieten. 

Durch die Versuche englischer und italienischer Forscher ist 
es erwiesen, dass die zugleich mit dem Blute eines Filariakranken 
in die Mücke gelangten und dort herangereiften Filarienlarven 
sich beim Mückenstich aus der Spitze der Rüsselscheide heraus¬ 
bohren und so auf die Haut des Hundes resp. Menschen gelangen; 
auch der Vortragende gelangte zu denselben Ergebnissen. Er 
konnte Filarienlarven ferner zum ersten Male in dem Unterhaut¬ 
zellgewebe demonstrieren, wenn solche vorher auf die Oberfläche 
der Haut gebracht worden waren; seine diesbezüglichen Versuche 
sind aber noch nicht abgeschlossen. (Autoreferat.) 

2. Herr Martin Meyer demonstriert Präparate aus dem 
Gebiet der Trypan osomen und Spirochaeten: 

a) Trypanosoma himalayanum, von Lingard beim Rind 
in Indien gefunden, wahrscheinlich mit dem Trypanosoma Theileri 
aus Südafrika identisch; wegen seiner Grösse (bis 28 ft) ist dies 
Trypanosoma für morphologische Studien sehr geeignet. 

b) Trypanosoma congolense, von Broden 1902 am Kongo 
zuerst bei Schafen entdeckt, hat keine ireie Geissein und ist sehr 


klein; wahrscheinlich identisoh mit Trypanosoma dimorphus; diese 
Art scheint in Afrika verbreiteter, als bisher angenommen. 

c) Froschtrypanosomen, Trypanosoma rotatorium 
(Mayer 1843), das längst durch die Variation seiner Formen be¬ 
kannte Trypanosoma, das der Gattung den Namen gab. 

d) Spirochaete pertennis (Castellani 1905), eine der 
Spirochaete pallida Schaudinn sehr ähnliche, bei Framboesie von 
Castellani entdeckte Spirochaete, die aber noch feiner ist als 
die Spirochaete pallida. Vortr. konnte mit Fülleborn die Be¬ 
funde Castellanis in Ceylon und Ostafrika bestätigen. 

e) Spirochaete Duttoni, der Erreger des afrikanischen 
Recurrens lebend bei gewöhnlicher Beleuchtung (2400 fach ver- 
grössert) und im Zeissschen Dunkelfeld, wobei der Vorteil des 
letzteren zur Erkennung dieses feinen Organismus manifest wird. 

f) Spontanagglutination von Spirochaeten der brasi¬ 

lianischen Hühnerspirillose kurz vor dem Tod: die enormen 
Kugeln der agglutinierten Spirochaeten können zu Thrombosen 
führen. (Autoreferat.) Schönewald. 

Österreich. 

Gesellschaft für innere Medicin und Kinderheil¬ 
kunde in Wien, 

Sitzung vom 22. November 1906. 

(Eigener Bericht.) 

Frau Dr. Lateiner demonstriert zwei Geschwister mit 
Myxödem. Es finden sich bei denselben alle Symptome des 
Myxödems (psychische Schwäche, offene Fontanellen, Krümmung 
der unteren Extremitäten, Myödem der Haut, fast vollständiges 
Fehlen des Sprach Vermögens, Zurückbleiben der Ossifitation hinter 
der Norm, Verkümmerung der Schilddrüse). 

Knöpfelmacher stellt einen sechsjährigen Knaben mit 
Riesenwuchs vor. Der Körperbau ist proportioniert, die Körper¬ 
höhe ist 134 cm, das Genitale ist mächtig entwickelt, am ganzen 
Körper findet sich reichliche Behaarung, es ist ein Anflug von 
Bart zu sehen. K. bringt den Riesenwuchs mit der vorzeitigen 
Reife der Genitalien in Zusammenhang und ist der Ansicht, dass 
das Körperwachstum nach sechs bis acht Jahren abgeschlossen 
sein dürfte. 

Preleitner zeigt ein zwölfjähriges Mädchen mit Trichter¬ 
brust. Es dürfte sich um eine angeborene Missbildung handeln. 

Hecht demonstriert den Harn eines dreieinhalbjährigen Knaben, 
welcher Indigurie und Indikanurie zeigte. Der Harn ist 
grün, wird er mit Chloroform geschüttelt, so wird dieses blau ge¬ 
färbt. An der Niere ist kein pathologischer Prozess nachweisbar. 

Escherich berichtet über einen Fall von Kindertetanie, 
der tödtlich endete. Therapie war machtlos. 

Erdheim berichtet über den anatomischen Befund des Falles. 
Es fanden sich in allen vier Epithelkörperchen alte Haemor- 
rh agien. 

v. Pirquet hält einen Vortrag über die Bedeutung der 
galvanischen Untersuchung im Säuglingsalter. Er ist 
auf Grund von zirka 800 Untersuchungen zu dem Schlüsse' ge¬ 
kommen, dass die Normalwerte, wie sie Mann angegeben hat, zu 
gross sind. Die praktische Bedeutung der galvanischen Unter¬ 
suchung liegt darin, dass man durch diese Methode in den Stand 
gesetzt ist, die Einreihung von Kropfformen in die Gruppen der 
tetanoiden Erkrankungen auszuführen und den Effekt der^Therapie 
zu verfolgen. Bei einzelnen Formen von Tetanie gelingt es, durch 
Aenderung der Diät eine Besserung hervorzurufen, wie R e h n 
und Lewin berichten und die galvanische Uebererregbarkeit zum 
Schwinden zu bringen. Allzuviel Hoffnungen soll man aber auch 
in diese Theorie nicht setzen, wie ja der eben gezeigte Fall 
Escherichs beweist. 

K. K. Gesellschaft der Aerzte in Wien, 

Sitzung vom 23. November 1906. 

(Eigener Bericht.) 

Kutschka demonstriert einen Fall von merkwürdiger 
Knochen er krank ung an einer älteren Frau. (Verdickungen 
der Corticalis, osteoporose und Cystenbildung.) 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 7. 


H. Salzer zeigt ein Kind, bei dem er Fungus des Knie- 
und Ellbogengelenkes mit Injektionen von Perlsuchttuber¬ 
kulin mit gutem Erfolge behandelt bat. 

Benedict demonstriert zwei Röntgenbilder von Erkrank¬ 
ungen des Sohädelinnern. Im ersten Falle handelt es sich wahr¬ 
scheinlich um ein Haematom der Falx, im zweiten um eine 
Verengerung der Stirnhöhle und Eburneation ihrer Umgebung. 

Kretz zeigt mikroskopische Präparate .von Rekurrens- 
Spirochaeten bei biliösem Typhoid. 

Bum hält einen Vortrag über arthritische Muskelatrophie, 
wobei er betont, dass bei diesen Atrophien die Invalidität die Hauptr 
rolle spielt. 


Literarische Monatsschau. 

Gynäkologie. 

(Schluss.) 

Kuliga berichtet über drei Fälle von Parametritis, in 
denen die entzündlichen Ausschwitzungen im Parametrium zu so 
hochgradiger Verengung des Rectums mit konsekutiver Darm¬ 
lähmung führten, dass eine Patientin an Darmperforation mit an- 
schliessender Peritonitis zu Grunde ging und die beiden anderen 
nur durch Anlegung eines anus praeternaturalis gerettet werden 
konnten. 

Die Hoffnung, durch die Pubiotomie einen bleibenden Erfolg 
in Gestalt einer dauernden Erweiterung des Beckens erzielen zu 
können, hat sich nach einer Zusammenstellung von Baisch über 
sieben bisher beobachtete Geburten nach Pubiotomie als trügerisch 
erwiesen. In vier Fällen erfolgten die Geburten allerdings spontan, 
aber in allen diesen Fällen waren die Gewichte der Kinder erheb¬ 
lich geringer als die der Pubiotomiekinder. In drei Fällen, in denen 
es sich um kräftig entwickelte Kinder handelte, erwies sich eine 
wiederholte Pubiotomie als notwendig. Gleichzeitig gibt B. eine 
Zusammenstellung von 132 Geburten nach Symphyseotomie, die zu 
denselben Ergebnissen führte, d. h. Spontangeburten sind in den 
meisten Fällen bedingt durch Kleinheit der Kinder, in dem Rest 
durch Vorhandensein eines Schlottergelenkes, also einer schweren 
Störung des HeilungsVerlaufes. 

Seilheim empfiehlt die Anwendung der von Walcher für 
die Geburt bei engem Becken empfohlenen Hängelage auch für 
normale Entbindungen, da dieselbe nach seinen Versuchen den 
Austritt] des Kindes erleichtert und mit möglichster Schonung 
der Weichteile vor sich gehen lässt. Er beschreibt eine an der 
Freiburger Klinik im Gebrauch befindliche, in jeden Matratzen¬ 
rahmen einsetzbare Hebel Vorrichtung, durch die man mittels einer 
Kurbel leicht den Kreuzabschnitt der Matratze in beliebigem Maße 
anheben kann. 

Eine neue Theorie über die Entstehung der Eklampsie hat 
Vassale in Modena aufgestellt. Auf Grund von Tierexperimenten 
ist er zu der Anschauung gekommen, dass der Symptomeukomplex 
der Eklampsie hervorgebracht wird durch eine Insufficienz der 
glandulae parathyreoideae, kleiner Gebilde von epithelialem Charak¬ 
ter mit reichlichen Blutgefässen und zellreicher Struktur, die — 
vier an Zahl — dicht an der Thyreoidea gelegen sind und eine 
antitoxische Funktion auszuüben haben. Mit dem Extrakt der¬ 
selben, dem Parathyreoidin, hat V. angeblich vorzügliche Heil¬ 
erfolge bei Eklampsie gesehen. Frommer hat bei Nachunter¬ 
suchungen feststellen können, dass partielle Exstirpation der Para¬ 
thyreoideae beim normalen Tier ohne besondere Störungen er¬ 
tragen wird, beim graviden hingegen tetanieähnliche Symptome 
hervorbringt. Einen genetischen Zusammenhang mit der Eklamp¬ 
sie konnte er nicht konstatieren. Weitere Untersuchungen der 
interessanten Frage werden notwendig sein. 

Zur Verhütung der puerperalen Mastitis empfiehlt 
Döderlein die Anwendung des von ihm angegebenen Gaudanin, 
d. h. einer mit 1 % Formalinzusatz bereiteten Lösung von feinstem 
Paragummi. Die Lösung wird mit einem kleinen Pinsel auf die 
vorher beliebig desinfizierte Brustwarze aufgetragen, nach dem 
Trocknen mit sterilem Talkum oder Mehl bestreut und bildet nun 
ein festes Häutchen, das beim Ansaugen der Milch nur an den 


AusfÜhrungsgäDgen der Brustdrüse gesprengt wird. Es wird ge¬ 
nügen, die Gummierung der Brustwarze alle zwei bis drei Tage 
zu wiederholen. Nach den Erfahrungen über zweihundert Fälle 
ist es auf diese Weise möglich, die Entstehung von Schrunden 
und Fissuren und damit auch die der Mastitis beinahe vollkommen 
sicher zu vermeiden. 

Einen pathologisch-anatomisch interessanten Befund demon¬ 
strierte 8chmorl in der gynäkologischen Gesellschaft zu Dresden. 
In dem Uterus einer 73jährigen Greisin, die intra vitam niemals 
Symptome eines Uterinleidens gehabt hatte, fand sich eine ausge¬ 
dehnte, echte Knochenbildung im Endometrium. Die die 
ganze Uterushöhle auskleidende Knochenplatte war ca. V* mm dick, 
lag im interstitiellen Gewebe der Mucosa und wurde von den 
Mündungen der noch spärlich vorhandenen Drüsen durchbohrt. 
Für ihre Entstehung liegen zwei Möglichkeiten vor: Keimver¬ 
sprengung oder metaplastische Bildung. 

In derselben Sitzung demonstrierte Sohmorl die Spirochaete 
pallida in Organen syphilitischer Neugeborener und führte den 
Nachweis, dass sich dieselben nicht nur in allen inneren Organen 
finden, sondern auch das Epithel der Drüsen und der Schleim¬ 
häute durchdringen und somit allen Sekreten und Exkreten bei¬ 
gemischt sein können. Diese müssen daher auch als infektiös be¬ 
trachtet werden. 

Die in neuerer Zeit empfohlene Behandlung asphyctischer 
Neugeborener mit Sauerstoffinfusionen in die Nabelvene hat 
Offergeld in zwölf Fällen nachgeprüft und ist zu dem Resultate 
gekommen, dass dieselbe durchaus nicht mehr leistet als die anderen 
Behandlungsarten und ausserdem nicht ungefährlich ist, da trotz 
grösster Vorsicht sehr leicht akute Herzdilatation mit sofortigem Tod 
eintreten kann. Eine Empfehlung für die Praxis ist daher durch¬ 
aus nicht angängig. 

Dass die Kopfgeschwulst, das caput succedaneum der 
Neugeborenen, nicht unter allen Umständen eine absolut harmlose 
Affektion darstellt, geht aus einer Veröffentlichung Ehrendorfers 
hervor, nach der bei zwei aufeinander folgenden Entbindungen 
derselben Frau die stark blutig-seröse Infiltration der Weichteile 
des kindlichen Kopfes zu Gewebstod und gangränösem Zerfall 
eines grossen Teiles der Kopfschwarte, stellenweise bis auf den 
Knochen, führte. In einem Fall kam es im Anschluss an die 
langwierige Eiterung zum Exitus des Kindes. Die starke, die 
Nekrose bedingende Einschnürung kam nach E. in diesen Fällen 
bei infolge schwacher Wehentätigkeit verzögerter Geburt durch 
eine auf bindegewebiger Entartung beruhende Striktur des inneren 
Muttermundes zu stände. G. Z. 


Periodische Literatur. 

Münchener med. Wochenschrift. Nr. 3. 1907. 

1. Tendeloo, Leiden: Aöro-lymphogene Lungentuberkulose. 

Die primären, weil einzigen, Tuberkuloseherde kommen in 
allen Lungenabschnitten vor, aber weitaus am häufigsten in den 
kranialen paravertebralen Lungenabschnitten. Bei allgemeiner 
haematogener Miliartuberkulose trifft man die Knötchen in allen 
Lungenabschnitten gleichmäßig verteilt an; die Annahme der haema- 
togenen Infektion vermag deshalb nicht den Sitz der primären 
Lungentuberkulose zu erklären. Dagegen gewinnt hierfür eine 
wesentliche Bedeutung die Betrachtung des Staubpigmentes, das 
sich in grösster Menge in denselben Lungenteilen wie die aller¬ 
meisten einsetzenden Tuberkuloseherde findet. Der Staub gelangt 
mit der eingeatmeten Luft in die Lunge, wo er zum grösseren 
Teil in die Lymphwege aufgenommen wird. In diesen zirkulierend 
kann sich der Staub in allen Lungen teilen ablagern, aber da findet 
die Ablagerung am leichtesten statt, wo die abführende Kraft, die 
Bewegungsenergie der Lymphe am geringsten ist, und das ist in 
den kranialen, paravertebralen Lungenteilen der Fall. Was für 
die Staubpartikel gilt, trifft auch für die Verteilung anderer kleiner 
Körperchen, der Bakterien, zu. Wird so die bevorzugte Lokalisa¬ 
tion der primären Tuberkuloseherde in den kranialen Lungenteilen 
begreiflich, so scheint doch mit dieser Erklärung im Widerspruch 
zu stehen, dass Entzündungen der Lungen durch andere Bakterien 


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1907 . 


MEDICINISCHE WOCHE. 


79 


mehr ln den kaudelen Teilen sich lokalisieren, obgleich für sie 
doch dieselben physikalischen Entstehungsmöglichkeiten wie für 
die Tuberkelbazillen vorliegen. Diese Differenz erklärt sich aus 
den Verschiedenheiten der Lebenseigenschaften der Tuberkelbazillen 
und der anderen Bakterien; letztere wachsen ungleich schneller, 
produzieren viel rapider ihre Gifte, vor allem aber entwickeln sie 
sich am energischsten in blut- und saftreichem Gewebe. Neben 
der bronohogenen steht danach die lymphogene Verbreitung der 
Tuberkulose in der Lunge im Vordergrund. Der Sitz der einsetzen¬ 
den primären Tuberkuloseberde in der Lunge wird bestimmt von der 
physikalischen Gelegenheit für lymphogene Infektion. In den meisten 
Fällen ist die primäre Lungentuberkulose eine lymphogene. Auf drei 
Wegen können die Tuberkelbazillen in die Lymphwege der Lunge 
gelangen: aus Lymphwegen ausserhalb der Lunge, aus Blutgefässen 
der Lunge, aus den Luftwegen und Lungenbläschen. Von diesen 
drei Wegen scheint der letzte der häufigste. Die mit der einge¬ 
atmeten Luft zugeführten Tuberkelbazillen schlagen sich zum Teil 
nieder, zum Teil geraten sie in die Lymphwege, das kann in allen 
Lungenteilen geschehen; aber die Infektionsgefahr steht in um¬ 
gekehrter Proportion zur Bewegungsenergie des Lymphstromes. 
Die primäre Lungentuberkulose verdankt in den meisten Fällen 
ihre Entstehung einem Zusammenwirken aerogener und lympho- 
gener Infektion. 

2. Schucht, Breslau: Zur experimentellen Uebertr&gung 
der Syphilis auf Kaninchenaugen. 

Sch. hat 51 Augen von 26 Kaninchen in sechsfach modifi¬ 
zierter Weise mit syphilitischem Material geimpft; ohne Erfolg 
blieb die Impfung bei Benutzung einer Organemulsion eines syphili¬ 
tischen Affen und Material von Condylomata lata; in den anderen 
Fällen wurde von frisch exzidierten Inguiualdrüsen von Patienten 
mit primärer und sekundärer Syphilis geimpft und stets mit jeder 
Form der Impftechnik ein positives Resultat erzielt. Keratitis 
parenchymatosa entwickelte sich nach einer mittleren Inkubations¬ 
zeit von 29 Tagen, Iritis condylomatosa nach einer solchen von 
16 Tagen, und eine gummöse Iritis mit gleichzeitiger Keratitis 
nach 62 Tagen. Der Nachweis der Spirochaeten in der Cornea 
sowohl im Schnitt wie im Ausstrichpräparat wurde mehrfach ge¬ 
führt, und durch diesen doppelten Nachweis der Ein wand Schulz es, 
dass die Silberspirochaeten Nervenfibrillen seien, widerlegt. Irgend 
welche Befunde an den anderen Organen der am Auge mit Erfolg 
geimpften Tiere wurden nicht gefunden. Die Versuche ergeben 
eine weitere Bestätigung der Tatsache, dass das Syphilisvirus im 
stände ist, auch bei Tieren, die weit unter dem Affen stehen, 
spezifische Erscheinungen hervorzurufen. Gleichzeitig erscheint es 
aber sehr wahrscheinlich, dass die Virulenz des Syphiliserregers 
bei dieser Uebertragung eine starke Abschwächung erfährt. 

3. Hoffmann, Leipzig: Heber rudimentäre Eventration. 

In Nr. 17, 1905, d. W. hat Verf. das Krankheitsbild der 
„chronischen Magenblase“ beschrieben und verweist erneut auf 
deren häufigeres Vorkommen. Die betr. Patienten klagen über 
ein Gefühl von Aufgetriebensein, besonders nach dem Essen, meist 
sind dabei Herzbeschwerden vorhanden, Gefühl von Druck auf der 
Brust, Angstgefühle; starke Dyspnoe, heftige krampfartige Schmerzen 
können sich einstellen; solche Fälle werden oft als „Magenkrämpfe“ 
gedeutet. Das Röntgenbild zeigt, dass es sich um eine Magen¬ 
blase handelt, durch die das Zwerchfell hoch in den linken Brust¬ 
raum hineingedrängt wird. „Magenblasen“ finden sich bei der 
Röntgenuntersuchung sehr häufig; eine pathologische Bedeutung 
kommt nur den Fällen zu, wo es sich um einen chronischen Zu¬ 
stand handelt. Hier handelt es sich nicht um eine nur vom Magen 
oder Darm ausgehende Affektion; hier ist auch die normale Elasti¬ 
zität des Zwerchfells geschädigt, sei es durch primäre Erkrankung 
seiner Nerven oder der Muskulatur, sei es sekundär durch pleuri- 
tische oder peritonitische Prozesse. Hiermit ist dann eine Dispo¬ 
sition zur wirklichen Eventration gegeben. 

4. Büdingen, Konstanz-Seehausen: Die Anst&ltsbehandlung 
der Herzkranken und ihre Indikationen. 

Das Wesen der Anstaltsbehandlung soll nicht in der An¬ 
wendung eines bestimmten Mittels oder einer bestimmten Balneo¬ 
therapie bestehen. Sie muss neben der Behandlung des insuffi¬ 
zienten Herzmuskels durch geeignete Mittel das Nervensystem des 
Patienten und die Alterationen seiner Gefässe berücksichtigen, 


sie soll für Ruhe, geeignete Diät und Hautpflege sorgen und das 
zulässige Maß von Bewegung bestimmen; weiter soll sie darauf 
hinwirken, dass der Patient die Grenzen seiner Kraft kennen und 
achten lernt, sie gibt die Anweisung, wie das künftige Leben im 
Bereiche der Möglichkeit Jzu gestalten ist. Was die^Indikationen 
für Anstaltsbehandlung der Herzkranken betrifft, so richtet sich 
die Beantwortung der Frage, ob Anstalt oder Kurort, nicht nur 
nach der Schwörender Herzerkrankung, sondern auch der Bei¬ 
mischung von Nervosität zur Grundkrankheit und nicht zum wenig¬ 
sten nach Temperament und Charakter. Die apathisch Nervösen 
eignen sich mehr für den Kurort, wo sie Zerstreuung finden, die 
überreizten, erregbaren, die der Ruhe bedürfen, für die Anstalt, 
wo die Reize des Lebens gedämpft und gemildert werden. Wer 
ängstlich sein Leiden beobachtet, wer alle Verordnungen streng 
einhält, wem die Bewertung seines leidenden Zustandes über die 
Lockungen des Lebens geht, der bedarf, wenn nicht die Schwere 
des Leidens Krankenhauspflege fordert, nicht der Anstaltsbehaud- 
lung. Die Optimisten dagegen, die bei der kleinsten Besserung 
sich wohl und leistungsfähig fühlen, die schwachen Charaktere, 
die jeder Versuchung unterliegen, die Vorwärtsstürmer mit unver¬ 
wüstlicher geistiger Spannkralt, die ihr körperliches Leiden gering 
achten, die bedürfen der Anstaltsobhut, des Anspornes, des Be- 
lehrens, des Zurückhaltens, des Zurechtweisens durch geschulte und 
erfahrene Anstaltsärzte. 

5. Roemisch, Arosa: Ueber Dauererfolge mit Tuberkulinbe- 
handlung. 

In Nr. 46 und 47, 1902, d. W. hat Verf. eine Reihe von 
Fällen mitgeteilt, die zeigten, dass die von Goetsch empfohlene 
vorsichtige Tuberkulinbehandlung einer bestimmten Art Lungen¬ 
tuberkulose in einer Weise Nutzen zu bringen vermag, wie dies 
in gleicher Weise mit keiner andern Behandlungsmethode erzielt 
werden kann. Er berichtet jetzt erneut über diese Fälle, die nun 
zeigen, dass die damals erzielten Erfolge dauerhaft geblieben sind 
über einen Zeitraum bis zu 4 '/z Jahren. Bei der Tuberkulinkur 
kommt es darauf an, sich mit den Dosen an der Grenze zu halten, 
wo eben eine lokale Einwirkung auf die tuberkulös erkrankten 
Stellen stattfindet, ohne dass es dabei zu einer heftigeren Reak¬ 
tion kommt. Bleibt man zu weit unter der Grenze, so ist die Kur 
nutzlos; überschreitet man sie bis zu heftigen Reaktionen, so kann 
die Kur gefährlich werden. Aeussere Anzeichen, dass die Grenze 
erreicht ist, sind Verschlechterung des Allgemeinbefindens, Mattig¬ 
keit, Appetitlosigkeit, schlechter Schlaf, Schmerzempfindungen, ver¬ 
mehrter Auswurf, leichte Temperatur Veränderungen. Bei Auftreten 
solcher verdächtiger Störungen ist die Dosis zu verringere. An 
einigen Beispielen wird der Verlauf der Kur erläutert. Sie er¬ 
scheint indiziert für die chronisch Kranken, die durch eine Luft¬ 
ruhekur die entzündlichen Erscheinungen in der Umgebung der 
Erkrankungsherde verloren haben, bei denen aber die dadurch ab¬ 
gegrenzten, noch bestehenden Tuberkuloseherde nun keine Neigung 
zu weiterer Besserung zeigen. Akute und fiebernde Fälle sind 
keinesfalls geeignet; sie bedürfen zuerst einer Kur der absoluten 
Ruhe. Die Tuberkulinbehandlung macht also die bisherigen Be¬ 
handlungsweisen nicht unnötig; diese werden bei heilbaren und 
rechtzeitig zur Behandlung kommenden Fällen volle Herstellung 
der Gesundheit bringen lassen; aber für die oben abgegrenzten 
chronischen Tuberkulosefälle bietet die Tuberkulinkur ein sehr 
wertvolles Hilfsmittel. 

6. Ganser, Dresden: Zur Behandlung des Delirium tremens. 

G.s Erfahrungen erstrecken sich auf ein Material von 1051 
Fällen, die er von 1890—1905 zu behandeln hatte. 486 Fälle 
der ersten 8 Jahre zeigten eine Mortalität von 6,37%, 565 Deli- 
ranten der letzten 8 Jahre wiesen nur eine solche von 0,88% 
auf, so dass also die ausserordentliche Besserung der Mortalitäts¬ 
ziffer auf weniger als 1 h in der zweiten Zeitperiode zu konsta¬ 
tieren ist. Die allgemeinen Grundsätze der Behandlung, absolute 
Alkoholabstinenz von vornherein, möglichst weit durchgeführte 
Bettbehandlung, sorgsame Wartung, waren für beide Serien die¬ 
selben; bei der zweiten wurde die Behandlung in einem Punkte 
geändert, das ist die prinzipielle Verabfolgung von Digitalis an 
jeden Alkoholdeliranten von der ersten Stunde des Anstaltsaufent¬ 
haltes an, in der Weise, dass meist im Laufe eines Tages 1,5 g 
im Aufguss verbraucht werden und diese Dosis je nach dem Fall 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 7. 


2—3 mal gegeben wird. ^Wie die erfreuliche Besserung der Mor¬ 
talitätsziffer hierbei zeigt, scheint es damit möglich, den beim 
Deliranten so sehr zu fürchtenden Qerzkollapsen wirksam zu be¬ 
gegnen. Tritt trotz des Digitalis Herzschwäche ein, so wird aus¬ 
giebiger Gebrauch von Excitantien gemacht. Eine energische Aus¬ 
waschung der Gewebe erstrebt eine reichliche Flüssigkeitszufuhr; 
die Kranken erhalten ein Getränk, welches aus l%iger Lösung 
von Natrium aceticum in Wasser mit etwas Syrup besteht, und 
von den Patienten wegen seines bierähnlichen Aussehens gern ge¬ 
nommen wird. 

7. Weygandt, Würzburg: Ueber den Stand der Idioten- 
fürsorge in Deutschland. 

W. gibt statistische Daten über die Zahl der Idioten in 
Deutschland, über den verschieden gestalteten Betrieb bestehender 
Anstalten und die Einrichtungen neugebauter. Er erhebt die For¬ 
derung der Verstaatlichung und Verärztlichung der Anstalten, um 
die Schwachsinnigenfürsorge in einer dem kulturellen Niveau unserer 
Zeit entsprechenden Weise zu heben. Die grössere Mehrzahl aller 
Schwachsinnigen, die für längere Zeit der Internierung bedürfen, 
gehören in psychiatrische Leitung. Es darf sich nicht darum 
handeln, Idioten lediglich wegen körperlicher Beschwerden ärztlich 
zu behandeln; psychiatrische Behandlung ist erforderlich, die 
dauernd alle psychischen Faktoren berücksichtigt und in geeigneten 
Fällen auch die erzieherische und ditaktische Einwirkung und 
nutzbringende Beschäftigung heranziehen kann. An Stelle eigner 
Anstalten für jugendliche Schwachsinnige erscheint es empfehlens¬ 
werter, Idiotenabteilungen den Irrenanstalten anzugliedern. 

8. Mittermaier, Heidelberg: Die H&mmerzehen und ihre 
Behandlung. 

M. empfiehlt für das Leiden nach persönlichen Erfahrungen 
eine an einer Sandalensohle zu befestigende kissenartige Bandage 
zur Unterstützung und Streckung der Zehe. 

9. Reismann, Haspe: Zum Auf finden der Ligamenta rotunda 
im Leistenkanale. 

Für weniger Geübte empfiehlt Verf. nach Freilegung des 
Leistenkanals den gesamten Inhalt desselben, etwa in der Mitte 
mit einem gebogenen Wundhaken zu umgehen und auf diesem 
aufzufangen; breitet man das so aufgefangene und etwas empor¬ 
gehobene Gewebsbündel mit zwei spitzen Pinzetten auseinander, 
so erkennt man sofort den grau durchscheinenden Teil des ge¬ 
hobenen Bandes. 

10. Kaupe, Bonn: Eine neue Milchpumpe. 

An der Hand einer Abbildung wird der kleine Apparat be¬ 
schrieben, der leichte Reinigung ermöglichen und eine Verunreini¬ 
gung der Milch durch den Ballon imd eine Verunreinigung der 
abgezogenen Milch verhüten soll. 

11. Eijkmann, Utrecht: Polyneuritis der Hühner und Beri- 
Beri, eine chronische Oxalsfturevergiftung? 

Eine Kritik der von anderen Autoren angestellten Experimente, 
die zu der Behauptung geführt hatten, die Polyneuritis der Hühner 
sei eine Oxalsäurevergiftung, führt Verf. zu einer Ablehnung dieser 
Annahme und damit auch zur Ablehnung der daraus bezüglich der 
Aetiologie der Beri-Beri gezogenen Konsequenzen. 

Berliner klinische Wochenschrift. Nr. l. 1907. 

1. Heubner, Berlin: Zur Kenntnis der orthotischen Albu¬ 
minurie. 

Wenn die meisten Kenner der orthotischen Albuminurie sich 
nicht zu der Auffassung bekannt haben, dass es berechtigt sei, 
diese Erkrankung als eine für sich bestehende besondere Form 
von anderen Albuminurien abzutrennen, so lag dies zum Teil daran, 
dass sich kein rechtes Verständnis für den Mechanismus des Zu¬ 
standekommens des Leidens eröffnen wollte. Wenn auch klinisch 
die meisten in Frage kommenden Individuen in ihrem ganzen 
Habitus eine gewisse Minderwertigkeit verraten, so ist doch mit 
dem Begriff einer allgemeinen Schwäche des Gefässsystems keine 
recht befriedigende Erklärung zu finden, so lange diese Vermu¬ 
tung nicht durch anatomische oder pathologisch - physiologische 
Tatsachen, gestützt werden kann. In neuerer Zeit haben nun 
Untersuchungen über Pulsqualität und -quantität und über den 
Blutdruck, sowie die moleculare Harnkonzentration bei Orthotikern 
der Auffassung, dass die Mehrzahl der orthotischen Albuminurien 


nicht nephritischer, sondern cardiovasculärer Natur seien, als deren 
Ursache vielfach das sogenannte „Wachstumsherz“ anzusehen sei, 
eine wesentliche Stütze gegeben. H. selbst hat zum ersten Male 
Gelegenheit gefunden, die Nieren eines Orthotikers anatomisch 
untersuchen zu können. Es handelte sich um ein mehrere Jahre 
in genauer Beobachtung gehaltenes Mädchen, das an einen? Tumor 
cerebri zu Grunde ging. Makroskopisch waren beide Nieren un¬ 
verändert. Bei der genauen mikroskopischen Durchforschung der 
Organe, die an jedem Schnitt das Verhalten der Gefässe, des 
interstitiellen Drüsengewebes, des Nierenparenchyms, der.Kanäle, 
Schaltstücke, Markstreifen, Schleifen und Sammelrohren berücksich¬ 
tigt, fand sich in fast allen Provinzen eine bedeutende Hyperaemie 
der kleinen Venen und des ganzen Kapillarnetzes, die als Folge der 
in den letzten Lebenswochen anwachsenden Stauung zu betrachten 
ist. Daneben war eine Durchsetzung einzelner Zellgruppen des 
Nierenparenchyms von spärlichen Fettkörnchen zu konstatieren. 
Das gesamte Gefässsystem, insbesondere der Glomeruli, war voll¬ 
kommen intakt, das Epithel aller Kanälchen tadellos erhalten; 
nirgends im interstitiellen Gewebe etwas abnormes. Nur in der 
rechten Niere fand sich dicht unter der Oberfläche ein etwa 
1 mm grosser atrophischer Bezirk. Im ganzen zeigen danach die 
Nieren, sowohl makroskopisch wie mikroskopisch, ein durchaus 
normales Verhalten; und damit ist zum ersten Male der anato¬ 
mische Nachweis dafür geliefert, dass eine chronische Albuminurie 
ohne Cylindrurie Vorkommen kann, ohne dass eine Erkrankung 
der Niere vorzuliegen braucht. 

2. Hildebrand, Berlin: Ueber Bauchkontusionen. 

Wichtig werden Bauchkontusionen dann, wenn die Abdo¬ 
minalorgane verletzt sind, entweder der Magendarmkanal oder 
die parenchymatösen Organe mit ihren Ausführungsgängen. Am 
Magendarmkanal kann es zu einer Quetschung oder Zerreissung 
aller Schichten kommen. Ist keine Kontinuitätsunterbrechung ein¬ 
getreten, so können doch nachträglich schwerere Erscheinungen 
eiusetzen, infolge sekundär erfolgender Perforation oder durch 
flächenhafte Verwachsungen mit anderen Organen. Alleinige Lae- 
sion der Mucosa des Magens kann zu einem Ulcus führen. Mit 
der perforierenden Verletzung des Magens und Darms ist von 
vornherein die grosse Gefahr der Peritonitis verbunden. In 
diesen Fällen kommt es sehr darauf an, dass frühzeitig eine rich¬ 
tige Diagnose gestellt wird; in dieser Hinsicht ist ein sehr wich¬ 
tiges Symptom die Bauchdeckenspannung, namentlich die einseitige. 
Frühzeitige Laparotomie, noch bevor die deutlichen Zeichen der 
allgemeinen Peritonitis vorhanden sind, wird die Prognose dieser 
Fälle wesentlich bessern. H. selbst hat von zwölf frischen Darm¬ 
verletzungen fünf gerettet. Nicht ohne Bedeutung sind Verletz¬ 
ungen des Mesenteriums, die zu schweren Blutungen oder zur 
Nekrose des betreffenden Darmstücks führen können; solche Fälle 
sind sehr schwer zu beurteilen; bei irgendwie schweren Erschei¬ 
nungen, unter Berücksichtigung des Gesamtzustandes des Patienten, 
ist die Laparatomie zu empfehlen. Was die Verletzungen der 
parenchymatösen Organe betrifft, so werden solche von Milz und 
Leber gefährlich wegen der Blutungen. Ueber den Umfang der 
Blutung, und ob sie eventuell von selbst zum Stillstand kommen 
wird, ist es oft nicht leicht, ein Urteil zu gewinnen; sieht der 
Patient sehr anaemisch aus,' elend, blass, hat er frequenten Puls, 
so soll man das Risiko^niebt auf sich nehmen, die Blutung noch 
andauern zu lassen, dann soll die Laparatomie gemacht werden, 
die die sichere Möglichkeit gibt, die Blutung zu stillen, bei der 
Milz durch Exstirpation, bei der Leber durch eventuelle Naht 
oder Tamponade. Bei der Leber können auch isolierte Verletz¬ 
ungen der Gallenblase oder der grösseren Ausführungsgänge Vor¬ 
kommen und unter Umständen zu schweren Späterscheinungen 
führen. Laesionen dos Pankreas sind bei der geschützten Lage 
des Organs relativ selten; sie verursachen Blutungen oder Fett- 
gewebsnekrosen; die dieserhalb vorgenommene Laparatomie wird 
sich in den meisten Fällen auf Tamponade beschränken müssen. 
Nierenverletzungen sind relativ häufig; sie entstehen hauptsäch¬ 
lich, wenn die Gewalt die Niere bei gefüllten Nierenbecken trifft; 
blutiger Urin für einige Tage, langdauernder Blutabgang, hoch¬ 
gradige Anaemie, Unruhe, heftiger Schmerz, frequentester Puls 
sind je nach dem Umfang der Verletzung der Niere zu erwarten; 
Laparatomie und eventuelle Exstirpation des Organs werden bei 
den schwersten Laesionen nötig. Von Wichtigkeit sind isolierte 


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1907 . 


MEDICINISCHE WOCHE. 


81 


Verletzungen des Ureters; die Risse sind öfter in der Nähe des 
Nierenbeckens, kommen aber auch an der Blase vor. Diese selbst 
wird relativ leicht verletzt, wenn das Trauma sie in gefülltem 
Zustand trifft; je nach dem Sitz des Risses, ob extra- oder intra¬ 
peritoneal, ist die Gefahr der Verletzung verschieden. Eine Zu¬ 
sammenstellung der einschlägigen Fälle, die H. zu behandeln Ge¬ 
legenheit hatte, zeigt, was die Chirurgie auf dem Gebiete der 
Bauchkontusionen leisten kann, wenn die Fälle zu richtiger Zeit 
kommen, wo die Gefahren für das Leben des Betreffenden noch 
nicht so gross geworden sind, dass die Hilfsmittel versagen 
müssen; eine Peritonitis im Beginn ist fast sicher zu bekämpfen, 
während die ausgebildete die grössten Schwierigkeiten macht; 
eine Blutung, auch wenn sie hochgradig ist, ist zu beherrschen, 
wenn der Patient nur noch so lebenskräftig ist, dass er eine 
Operation verträgt. H. rät deshalb dringend, Fälle, bei denen 
die Beurteilung schwierig ist, frühzeitig dem erfahrenen Spezia¬ 
listen zuzuführen, damit er den Zeitpunkt bestimmen kann, wann 
die Operation gemacht werden soll, und er nicht gezwungen ist, 
zu operieren zu einer Zeit, wo die besten Chancen vorüber sind. 

3. Wassermann, Berlin: Znr diagnostischen Bedeutung 
der spezifischen Komplementfixation. 

W. erläutert die Entwicklung, das Wesen und die Bedeu¬ 
tung des Phänomens der Komplementbindung und zeigt, dass das 
wesentlichste in der Versuchsanordnung von Wassermann und 
Bruck das Arbeiten mit gelösten Substanzen von Mikroorganismen 
ist; der Fortschritt und der Unterschied gegenüber der Bordet- 
schen Komplementablenkung liegt darin, dass die statt der Voll¬ 
bakterien gewählten Bakterienextrakte die Herstellung eines halt- | 
baren, quantitativ einzustellenden Standard-Materials gestatten; 
sie ermöglichen das für praktische Diagnostik unerlässliche quanti¬ 
tative Arbeiten. Die neue Versuchsanordnung ermöglicht eine 
Erweiterung unserer bisherigen Kenntnisse dahin, dass es auch 
gelingt, gelöste Bakteriensubstanzen in Körperflüssigkeiten intra 
vitam mittels der Komplementbindung nachzuweisen; sie ermög¬ 
licht die Uebertragung der Bordetschen Komplementbindung auf 
ganz neue Gebiete, d. h. auf diejenigen Infektionskrankheiten, 
deren Erreger uns noch unbekannt sind, bezw. deren Erreger in 
Kulturen zu gewinnen bisher unmöglich war; und sie erlaubt mit 
Hilfe der die spezifischen Antigensubstanzen in gelöster Form 
enthaltenden Extrakte die Komplementbindung auch auf das 
grosse Gebiet der Protozoenkrankheiten, deren Erreger bisher 
überhaupt nicht züchtbar sind, zu übertragen. 

4. Mosse, Berlin: Znr Kenntnis einiger seltener Störungen 
bei der Basedowschen Krankheit. 

Kurze Krankengeschichten und Erläuterungen von Basedow- 
Fällen, von denen der eine rechtsseitiges Graefesches Zeichen, 
linksseitige Ptosis bot, ein weiterer hochgradige Herzarythmie 
aufwies, und zwei spontane Glycosurie zeigten. 

5. Hartog, Berlin: Wann soll man Coeliotomierte auf¬ 
stehen lassen? 

Bezüglich der Nachbehandlung sowohl nach abdominalen wie 
vaginalen Coeliotomien sind in den letzten Jahren in der Landau- 
schen Klinik die Prinzipien wesentlich geändert worden. 6 bis 
24 Stunden nach der Operation wird mit der Darreichung von 
körperwarmen Kochsalzklystieren begonnen; sind bis zu 36 Stunden 
p. op. keine Blähungen abgegangen, wird ein Kaltwasserklystier 
ev. ein Seifenklystier gegeben. 48 Stunden nach der Operation 
wird mit 01. Ricini abgeführt bei allen Operierten, mit Ausnahme 
der vaginal mit Klemmen Operierten und der mit abdominaler 
Drainage Behandelten. Am Tage nach der Operation machen die 
Patientinnen Bewegungen mit den Beinen, richten den Oberkörper 
auf, wechseln die Lage; nach primärer Wund Vereinigung stehen 
die Patientinnen bei glattem Verlauf in der Mitte oder am Ende 
der ersten Woche auf. Vorbedingungen für dieses Vorgehen sind 
gewisse Einzelheiten der Technik, bezüglich der Schnittführung, 
exakten Etagennaht, Nähmaterial, Blutstillung, Asepsis. Die 
frühzeitige Anregung der Peristaltik und das frühzeitige Abführen 
haben niemals zu irgend welchen Schädigungen geführt; das früh¬ 
zeitige Aufstehen hat zu keinerlei Wund- oder sonstigen Stö¬ 
rungen geführt; alle Patientinnen verliessen die Klinik mit fester 
Narbe und ohne Bauchbinde. Die schnellere Rekonvaleszenz und 
die durch die bessere Blutzirkulation bedingte Vermeidung ge¬ 


wisser Formen von Embolie und Thrombose sind die Hauptvorteile 
die das frühe Aufstehen bringt. 

6. Marmorek, Paris: Beitrag zur Kenntnis der tuber¬ 
kulösen Septicaemie. 

Auf Grund der Tatsache des gelegentlichen Vorkommens der 
Bazillen im Blute, hat M. experimentell die Frage zu lösen ver¬ 
sucht, ob das Elindringen der Bazillen ins Blut, die bazilläre 
Septicaemie, eine regelmäßige Phase in der Entwicklung der In¬ 
fektion darstellt, oder nur eine seltene Zufälligkeit, wann die 
Bazillen ins Blut treten, wielange sie in der Zirkulation bleiben, 
und welchen Einfluss die Verschiedenheit des Infektionsmodus auf 
die Bazillaemie hat. Die an Meerschweinchen angestellten Ver¬ 
suche zeigten, dass es immer ausnahmslos zu einer Septicaemie 
kommt, dass dies eine gesetzmäßige Regel bei der stets fort¬ 
schreitenden Tuberkulose des Meerschweinchens ist, und weiter, 
dass die Septicaemie sich sehr lange erhält, wenn auch die Zahl 
der Bakterien im Blute so gering ist, dass sie nie im mikrosko¬ 
pischen Präparate nachgewiesen werden konnten. Zur Erklärung 
der auffälligen Tatsache, dass trotz der langen Dauer der Septi¬ 
caemie niemals die bei andern infektiösen Krankheiten beobachtete 
grosse Vermehrung der Bazillen im Blute ein tritt, ist anzunehmen 
eine sehr geringe Virulenz, resp. Toxizität der Bazillen, welche vom 
Blut kommt. Diese Annahme liess sich experimentell stützen; aus dem 
Blute stammende Bazillen vermochten, wenn sie in ungünstigere 
Bedingungen, als in das Unterhautzellgewebe gebracht wurden, 
also arteriell oder intraperitoneal verimpft wurden, nur ganz aus¬ 
nahmsweise Tuberkulose hervorzurufen. Daraus ergibt sich, dass 
die angebliche absolute Empfänglichkeit der Meerschweinchen für 
Tuberkelbazillen nicht besteht, dass Meerschweinchen doch im¬ 
stande sind, sich der Bazillen zu entledigen, wenn diese durch 
vorheriges Verweilen im Meerschweinchenblute in ihrer Virulenz 
abgeschwächt sind. Und weiter wird damit begreiflich, was bisher 
als unangenehme Laboratoriumserfahrung galt, warum die ge¬ 
wöhnliche klassische Methode der Virulenzerhöhung, die Passage 
von Tier zu Tier, bei der Tuberkulose keinen Erfolg hat. 

7. Bardeleben, Berlin: Ueber moderne gebnrtshilfliche 
Operationen. 

Besprochen werden Technik und Indikationen der Pubeotomie, 
des vaginalen Kaiserschnitts (Hysterotomia vaginalis anterior) und 
der Dilatation mittels unelastischer Ballons. 

Wiener klinische Wochenschrift. Nr. 1 . 1907. 

1. 0. Loewi, Wien: Ueber Wirkungsweise und Indikation 
einiger diuretisch wirkender Mittel 

Steigerung der Diurese kann grundsätzlich auf zweierlei Art 
erzielt werden; entweder durch primäre Steigerung der Gesamt¬ 
zirkulation oder durch primäre Steigerung der Funktion des harn¬ 
bereitenden Apparates in der Niere selbst. Bezüglich der Purin¬ 
reihe, Koffein, Theobromin, Theophyllin galt bisher die von Schröder 
aufgestellte Theorie, dass ihre Wirkung durch eine direkte Reizung 
des Nierenepithels zu stände käme, daher also von ihnen bei 
Nephritis kein Gebrauch zu machen wäre. Eis hat sich aber heraus¬ 
gestellt, dass die Gefässerweiterung eines Organes, dessen zentrale 
Vasokonstriktoreninnervation aufgehoben ist, keineswegs eine maxi¬ 
male ist, sie kann noch gesteigert werden durch Reizung peripherer 
in der Gefässwand liegender gefässerweiterader Apparate. Dies 
gilt für die Purinreihe; ebenso ist sichergestellt, dass die Diurese 
eine Folge der stärkeren Durchblutung der Niere ist und nicht 
umgekehrt; nicht die Harnkanälchenepithelchen, sondern die Glo- 
merulusgefässe sind die Hauptangriffspunkte der Diuretika. Daraus 
folgt, dass die Purinkörper als mögliches Abortivmittel in jedem 
Fall von akuter Nephritis anwendbar sind, und vielleicht lassen 
sie sich auch als diagnostisch wertvolle Anhaltspunkte verwerten, 
ob es sich mehr um globuläre oder mehr parenchymatöse Formen 
handelt. Ebenso wichtig ist ihre Wirkung auf die Gesamtzirku¬ 
lation bei Zuständen, wo man es mit plötzlichen Krampfzuständen 
der Koronararterien zu tun hat, also Angina pectoris, Stenocardie 
etc. Mehrere Momente spielen dabei eine Rolle, erstens die Be¬ 
schaffenheit des Blutdruckes. Von der Grösse der Blut Versorgung 
ist die Harnsekretion abhängig; ist der Blutdruck unter ein be¬ 
stimmtes Niveau gesunken, so lässt sich überhaupt keine Diurese 
mehr erzielen; bei niedrigem Druck aber ist die arterielle Ver- 


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82 


MSDIC1NISCHB WOCHE. 


Nr. 7. 


sorgung der Niere geschädigt und venöse Stauung bringt die 
Harnsekretion zum Verschwinden. Zweitens kommt es auf den 
Zustand der Erfolgsorgane an, sie müssen in einem Zustand sein, 
dass die Diuretika angreifen können. Bei bestehender maximal¬ 
ster Erweiterung oder starker Arteriosklerose ist keine Wirkung 
zu erzielen. Ferner ist für die Wirkung der Diuretika der Vorrat 
an Material für die Harnbildung maßgebend. In normalen Ver¬ 
hältnissen wird bei der gesteigerten Nierendurchblutung der gleiche 
Wasser Überschuss nur schneller entleert, beim Oedematösen aber 
ein grösserer Wasservorrat, da das Blut leicht den Verlust immer 
wieder ersetzen kann. 

Unter Einfluss von Digitalis steigt der Blutdruck beim 
Menschen nicht, er bleibt gleich oder fällt sogar; eine direkte Ge- 
f&sswirkung im Sinne einer Verengerung scheint der Digitalis 
beim Menschen nicht zuzukommen. Wie es aber möglich ist, dass 
Digitalis den Blutdruck herabsetzt und gleichzeitig diuretisch wirkt, 
lässt sich auf folgende Weise erklären. Unter dem Einfluss von 
Digitalis arbeitet das Herz besser; dadurch, dass es nicht nur 
mehr auswirft, sondern auch mehr schöpft, verschwindet die Stau¬ 
ung samt den Oedemen, infolge der reichlicheren Durchblutung 
hört die Asphyxie, damit auch die Beizung des Vasokonstriktoren- 
zentrums und die dadurch mitbedingte vermehrte Gefässspannung 
auf. Die Folge davon ist, der Blutdruck fällt infolge der Gefäss- 
entspannung und -entlastung; die Niere enthält mehr Blut infolge 
gesteigerter Herzarbeit und infolge Nachlassens der Gefässspann¬ 
ung und kann wieder arbeiten, da gleichzeitig die venöse Spannung 
aufhört. Hoher Blutdruck ist daher keine Kontraindikation für 
Digitalisanwendung; eine gleichzeitige Kombination der Purin¬ 
körper und Digitalis dürfte immer angezeigt sein, da sie immer 
unschädlich, oft aber von grossem Nutzen ist. 

2. Doerr: Ueber ungiftige assoziierbare Verbindungen der 
Toxine. 

Bereits Roux und Yersin hatten beobachtet, dass Diphtherie¬ 
giftlösungen durch Milchsäure oder Weinsäure entgiftet werden. 
Neuere Untersuchungen über das Verhalten von Toxinen ver¬ 
schiedener Art gegen chemische Einwirkungen haben zu ähnlichen 
Resultaten geführt. Krotalusgift wird durch Salzsäure unschädlich 
gemacht, wie Flexner und Noguchi zeigten. Morgenrot und 

Pane machten folgende Entdeckung: Cobragiftlösung mit HCl 

Z\J 

zum Sieden erhitzt, neutralisiert und sofort nach dem Abkühlen 
geprüft, zeigt nur einen kleinen Teil des ursprünglichen haemoly- 
tischen Vermögens. Einige Tage im Eisschrank gehalten, gewinnt 
es ganz oder zum Teil den früheren Titre wieder. Auch längere 
Einwirkung von HCl in der Kälte hat denselben Effekt, nament¬ 
lich bei Zusatz von Lecithin. Das Neurotoxin des Cobragiftes 
reagiert mit HCl ähnlich. Verfasser ist auf Grund eingehender 
Versuche zu folgenden Schlüssen gelangt. Gewisse Toxine (Dysen¬ 
terie, Diphtheriegift) werden durch Mineralsäuren und zum Teil 
auch organische Säuren in wenigen Stunden in atoxische Modifika¬ 
tionen übergeführt. Diese Verbindungen sind durch Bindung der 
Säure mit starken Basen innerhalb einer relativ kurzen Zeit (za. 
zwanzig Stunden) vollständig in die ursprüngliche, giftige Form 
zurückzuverwandeln. Andere Toxine (Tetanus — El-Tor-Toxin — 
Vibriolysin) wurden durch Säuren zerstört, bezw. so weit abge¬ 
baut, dass eine Restitution des ursprünglichen Moleküls nach Auf¬ 
hebung der Säurewirkung nicht mehr eintritt. 

3. Jehle: Ueber das Vorkommen des Meningococcus und 
des Mikrococcus cat&rrhalis im Nasenrachenraum und Desinfek- 
tionsversuche mit Pyocyanase bei diesen Infektionen. 

Bei den Versuchen mit Reinkulturen zeigte sich, dass eine 
relativ sehr geringe Menge unverdünnter oder verdünnter Pyo¬ 
cyanase genügt, um das Wachstum der Meningococcen zu ver¬ 
hindern. Viel geringer ist die Wirksamkeit auf das zellreiche 
Sediment einer Lumbalpunktionsflüssigkeit. Drei Tropfen Pyocya¬ 
nase, noch in der Verdünnung von 1:10, vermögen in einer Oese 
Sediment das Wachstum der Meningococcen zu verhindern, bei 
zwei Oesen aber und fünf Tropfen unverdünnter Pyocyanase trat 
nur eine Hemmung des Wachstums auf. Durch die mikroskopi¬ 
sche Untersuchung sieht man, dass die Leukocyten weder ihr 
Aussehen noch ihre Färbbarkeit durch Pyocyanase verändern, 


während die Meningococcen, auch die intrazellulären, verquellen 
und schwer tingierbar erscheinen. 

Bei Versuchen infolge natürlicher Infektionen durch den Mikro¬ 
coccus catarrhalis und Meningococcus ist zu beachten, dass beide 
Arten im hinteren Nasenrachenraum nisten und fast nie in den 
vorderen Nasenhöhlen zu finden sind, weil sie dort durch die 
trocknende Wirkung des Luitstromes bei der Atmung sehr rasch 
zu gründe geben. Niemals fanden sich Meningococcen bei Personen, 
in deren allernächsten Umgebung keine Genickstarreerkrankung 
vorkam, oder bei Patienten oder deren Angehörigen, wenn die Er¬ 
krankung länger als drei Wochen vorher begonnen hat; ebenso 
hat sich ergeben, dass an Genickstarre erkrankte Kinder als Infek¬ 
tionsträger gar nicht in Betracht kommen. Die Menge der für 
den Einzelfall notwendigen Pyocyanase schwankte zwischen 0,5 
bis 3 cm 8 . Das Mittel ist absolut unschädlich und kann ohne 
Schaden verschluckt werden. Von Vorteil ist beim Einträufeln 
das tiefe Einführen des Röhrchens in den Nasengang, der Kopf 
ist dabei rückwärts gebeugt. Schon nach der ersten Einträufelung 
waren am nächsten Tage bei allen Patienten, bis auf einen, Mikro- 
coccen trotz wiederholter Untersuchung nicht mehr nachweisbar, 
bei letzterem nach achtundvierzig Stunden. Gleichzeitig sistierten 
die Erkrankungen, die vorher die Kinder zwei Monate hindurch 
in Attacken ergriffen hatten. Ebenso verschwinden bei dieser Be¬ 
handlungsart fast regelmäßig die Meningococcen aus dem Nasen¬ 
rachenraum. Eine ein- bis zweimalige Applikation der Pyocyanase 
genügt. Meningococcen sitzen nur in den Schleimmassen, die durch 
das Mittel nicht gerinnen, aber nicht in der Schleimhaut selbst. 
Auf Strepto-, Staphylo-, Pneumococcen und Bakterien coli, sowie 
Friedländer ist die Wirkung äusserst gering, bezw. völlig fehlend. 

4. Külbs: Ueber Endocarditis gonorrhoica. 

K. beschreibt ausführlich einen Fall von Endocarditis gonor¬ 
rhoica. Ein zwanzigjähriges Mädchen akquiriert eine gonorrhoische 
Affektion. Nach mehreren Tagen treten Schüttelfrost, Fieber, 
Gelenkschmerzen und Herzklopfen auf. Alle zwei bis drei Tage 
wiederholen sich die Schüttelfröste, so dass die Patientin das Kranken¬ 
haus aufsuchen muss, wo sie nach drei Tagen unter schweren 
endocarditischen Erscheinungen stirbt. Durch die Sektion und 
nähere Untersuchung wird die Diagnose bestätigt. Verf. macht 
darauf aufmerksam, dass auch diejenigen Endocarditiden als sichere 
gonorrhoische zu bezeichnende sind, die früher kulturell einen 
Gram- negativen Mikrococcus zeigten, der den scharf abgrenzbaren 
Eigentümlichkeiten des Gonococcus entspricht. Für die bakteriolo¬ 
gische Diagnose ist aber ein kultureller Nachweis heut erforder¬ 
lich, weil wir wissen, dass von den beiden, dem Gonococcus ver¬ 
wandten pathogenen Arten, dem Meningococcus Weichselbaum 
und dem Mikrococcus catarrhalis Pfeiffer, sicher auch der Menin¬ 
gococcus Endocarditis zu erzeugen imstande ist. 

5. Fümtratt, Graz: Die Entwicklung der modernen Immu- 
nitätslehre. 

Ihren Ausgangspunkt nahmen die Immunisierungsbestrebungen 
von der alten Erfahrung, dass gewisse Krankheiten den Menschen 
nur einmal befallen, und dass auch milde verlaufende Fälle dieser 
Krankheiten Schutz vor späterer Erkrankung verleihen. Durch 
Einverleibung der Krankheitsträger selbst gelangte man zuerst 
zur aktiven Immunisierung; durch Tierpassage und physikalische 
oder chemische Einwirkung, Austrockung und Erhitzung gelang es, 
die Kulturen abzuschwächen und doch gute Erfolge zu erzielen, 
z. B. bei Lyssa, Schweinerotlauf, Hühnercholera, Cholera, Typhus 
etc. Bei Pest und Ruhr sind die Erfolge noch nicht zufrieden¬ 
stellend und brauchbar. Eiu weiterer Fortschritt war die Erkennt¬ 
nis des Wesens der Toxine. Durch Erhitzen des Diphtherietoxins 
oder Zusatz von Jodtrichlorid gelang es Behring schliesslich, Tiere 
gegen das hohe Toxin immun zu machen. Ein neuer wichtiger 
Abschnitt wurde durch die Entdeckung der Antitoxine eingeleitet, 
damit kam man zur passiven Immunisierung, ein neuer therapeu¬ 
tischer Faktor war gefunden, mit dem es möglich war, andere 
Individuen vor der deletären Wirkung des Toxins zu schützen. 
Die Beobachtung, dass die Giftigkeit einer Diphtheriebouillon bei 
längerem Stehen abnimmt, ohne dass aber gleichzeitig das Bind¬ 
ungsvermögen dieser Diphtheriebouillon für das Antitoxin ab¬ 
nimmt, führte Ehrlich zu der Annahme, dass das Gift¬ 
molekül verschiedene Atomkomplexe besitzen müsse, eine „toxo- 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


83 


phore“ und eine „haptophore“ Gruppe; die . erstere geht bei 
längerem Auf bewähren in einer Toxinlösung zuj gründe, die andere 
aber wird durch die „Rezeptoren“ der Zelle in diese aufgenommen, 
und so wird die Zelle erst für das Gift empfänglich. Eine, trotz 
der Toxinwirkung lebend gebliebene Zelle bringt nun eine der¬ 
artige Ueberregeneration von Rezeptoren, dass sie abgestossen 
werden, in den Kreislauf gelangen und hier das Toxin abfangen. 
Diese Ebrlichsche „Seitenkettentheorie“ wurde durch die Unter¬ 
suchungen beim Tetanusgift wesentlich gestützt und ist heute wohl 
allgemein anerkannt. Ein Antitoxin tritt nur zu seinem Toxin. 
Für Diphtherie, Tetanus, pflanzliche und tierische Eiweissgifte, 
Heufieber und bazillärer Ruhr gelang die Herstellung brauchbarer 
Antitoxine. Pfeiffer machte dann bald die Beobachtung, dass 
jene Seren, welche bei der Vorbehandlung von Tieren mit abge¬ 
töteten Bakterienleibern gewonnen wurden, bakterizid wirken; 
„Bakteriolysine“ nennt er die so spezifisch wirkenden Antikörper. 
Metschinkoff und Bordet konnten den Nachweis fuhren, dass 
die Bakteriolysine „komplexe“ Substanzen seien, es finden sich also 
in einem bakteriziden Serum zwei verschiedene Substanzen, eine 
durch längeres Stehen oder Wärme zerstörbare, und eine zweite 
haltbare, wärmebeständige; erst durch ihr Zusammenwirken kommt 
die bakteriolytische Wirkung zu stände. An den „ Haemolysinen“ 
wurde die Wirkungsweise komplexer Substanzen näher studiert. 
Durch Erwärmen auf 60° oder längeres Auf bewahren unwirksam 
gemachte „inaktivierte“ baemolytisi he Sera werden durch Zusatz 
einer geringen Menge frischen Normalserums wieder haemolytisch 
wirksam gemacht, „reaktiviert“. Die ersteren, haemolabilen ferment¬ 
ähnlich wirkenden Substanzen heisser nach Büchner „Alexine“, 
die letzteren nennt Bordet „Substances sensibilisatrices“, Ehrlich 
„Immunkörper“ oder „Amboceptor“, die Alexine aber „Komple¬ 
mente“. Ehrlich fand weiter, dass im normalen Blut nicht nur 
ein einziges Komplement, sondern eine ganze Reihe solcher vor¬ 
handen wäre. Das Bestreben geht nun dahin, einen passenden 
Immunkörper für jede Erkrankung zu finden, und zwar einen 
solchen mit möglichst vielen und verschiedenen komplementophilen 
Gruppen. Die blutspendenden Tiere sind mit einer möglichst 
grossen Zahl der verschiedensten Bakterienstämme zu immunisieren, 
um so ein polyvalentes Serum zu gewinnen. Bisher ist es auch 
schwierig, die hohen Konzentrationen zu erlangen, um in einer 
geringen Quantität Serum möglichst viel bakterizide Substanz ein¬ 
zuverleiben. Mit Erfolg wird das Streptoco-'censerum bereits an¬ 
gewandt und zwar bei Puerperalfieber, Pyaemie, Scharlach, Erysipel, 
akutem und chronischem Gelenkrheumatismus und Chorea. Pneumo- 
coccenserum, sowie die gegen Typhus, Pest, Cholera und Ruhr 
versuchten, hatten bisher nur zweitelhafte Erfolge. Zu berück¬ 
sichtigen sind dabei die „Endotoxine“, welche erst nach Absterben 
der Bakterienzelle frei werden und von den Toxinen streng zu 
trennen sind. Ein interessantes Iramunitätspkänomen ist die Agglu¬ 
tination, deren Wesen darin besteht: das Serum eines mit einer 
bestimmten Bakterienart immunisierten Tieres hat die Fähigkeit, 
Bakterien der betreffenden Art, welche in gleichmäßiger homogener 
Verteilung in Kochsalzlösung aufgeschwemmt sind, zur Zusammen¬ 
ballung und Verklebung zu bringen. Von der Höhe der Immuni¬ 
sierung ist die Verdünnung des Serum abhängig, bei der dies 
Phänomen eintritt. Ferner hat man ein allgemein gültiges biolo¬ 
gisches Gesetz finden können, das besagt, dass durch die Ein¬ 
spritzung von tierischen Zellen die Bildung von Antikörpern aus¬ 
gelöst wird, die sich im Blutserum anhäufen und bezüglich ihrer 
Entstehung, ihres Baues und ihrer Wirkungsweise vollständig den 
Haemolysinen entsprechen. Man nennt diese Antikörper „Zyto¬ 
toxine“. Dazu gehört das Spermatoxin, Leukotoxin, Nephrotoxin 
u. a. Neben der Immunisierung mit geformten Körperelementen, 
mit zelligem Material zeigte Bordet bald, dass man auch durch 
Vorbehandeln mit nicht geformten Substanzen die Bildung von 
Antikörpern mit ganz eigenartiger Wirkung auslösen kann, z. B. 
entsteht durch Injektion von Milch in dem Serum des behandelten 
Tieres ein Stoff, welcher das Casein der Milch derselben Tierspecies 
zum Ausfallen bringt. Gelöste Kiweisssubstanzen lösen diese Reak¬ 
tion aus, den Stoff nennt man „Praecipitin“ oder „Koagulin“. 

Auf diese Arbeit sei hiermit besonders hingewiesen. 


Bücherbesprechung. 

Die interne nnd chirurgische Behandlung der 
Gallensteinkrankheit. Von Prof.Dr Hans Kehr, München. 
J. F. Lehmanns Verlag 1906. 176 Seiten, Preis 4 M. 

Der bekannte Gallenblasenchirurg hat hier seine reichen Er¬ 
fahrungen mustergültig in einer Weise niedergelegt, die nicht 
nur dem Chirurgen, dem er schon früher seine Technik der 
Gallensteinoperation beschrieb, sondern vor allem dem Praktiker 
von hohem Nutzen sein wird. H. Eingel, Berlin. 

Die in das Gebiet der Samaritertätigkeit 
fallenden Verletzungen, Erkrankungen und Un¬ 
glücksfälle. Von San.-Rat Dr. Bode, Thalea. H. Verlag von 
Carl Marhold, 1906. II. Auflage, 128 Seiten. 

In klarer und leichtfasslicher Forrn^ behandelt das Büchlein 
alle einschlägigen Verhältnisse. Samariter und Aerzte, die solche 
auszubilden haben, werden aus seinem Studium gleichen Nutzen 
ziehen. H. Engel, Berlin. 

Würzburger Abhandlungen aus dem Gesamt¬ 
gebiet der praktischen Medicin. Würzburg, A. Stübers 
Verlag (Curt Kabitsch). VI. Baud, Heft 6 u. 7. 

V. Manninger- Budapest gibt in seiner Arbeit „Die Heilung 
lokaler Infektionen mittels Hyperaemie“ die einschlägigen, an reich¬ 
lichem Krankenmaterial gemachten Erfahrungen wieder und^ hilft 
so dem Praktiker einen Teil des ihm von den Fachchirurgen eben¬ 
falls streitig gemachten Gebietes wiedererobern. In dem Aufsatz 
„Aseptische Operationen im Privathaus“ streift Dr. Hans Stadler 
zunächst die überhandnehmende Spezialisierung der Medicin und 
gibt dem Praktiker, der unter ungünstigen Verhältnissen schwie¬ 
riger zu arbeiten gezwungen ist, als der Kliniker, beherzigens¬ 
werte Ratschläge für das bezeichnete Gebiet. 

H. Engel, Berlin. 

Geschlechtsübergänge, Wirkungen männlicher 
und weiblicher Geschlechtscharaktere (Sexuelle 
Zwischenstufen). Von Dr. Magnus Hirschfeld. 83 Abbildungen, 
eine farbige Tafel. Verlag Malende, Leipzig. 

Hirschfeld will durch Darstellung der Fälle von Geschlechts¬ 
übergängen , Zwittei bildungen und ähnlichen dartun, dass es in 
der Tat mit der Beurteilung in genus masculinum und genus fe- 
mininum nicht getan ist; gerade solche Fälle tragen zuin Verständnis 
der Zwischenstufen und des dritten Geschlechtes viel bei. Für 
besonders interessant hält Ref. den Fall von sexus incertus- 
Hermaphroditismus verus, Tafel I, bei diesem ist eine Ent¬ 
scheidung ictra vitam nicht möglich gewesen; das durch Operation 
gewonnene Präparat erwies sich als ovotestis. 

Andere Fälle zeigen weiblichen Bau des Beckens bei männ¬ 
lichen Genitalien und weiblichen Gesichtsausdruck. Vier Bilder 
zeigen Androtrichie feminae barbatae. G. Flatau, Berlin. 


Vermischtes. 

Berlin. Achtundzwanzigste öffentliche Versammlung der Bal- 
neologischen Gesellschaft. Tagesordnung: Donnerstag, den 7. März 
1907, vormittags 11 Ubr: Vortrag des Geheimrat Prof. Dr. Hoffa: 
„Ueber die Behandlung der Gelenkserkrankungen auf physika¬ 
lischem und medico-mechanischem Wege“ mit Demonstrationen in 
seinem medico-mechanischen Uebungssaale, Karlstrasse 31 (medi- 
cinisches Warenhaus). Abends 7 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. 
Wassermann über: „Neue Fortschritte in der Diagnostik der 
Infektionskrankheiten“ im physiologischen Institut, Dorotheen¬ 
strasse 35. Hierauf Begrüssung der auswärtigen Mitglieder im 
Heidelberger, Central-Hotel, Eingang von der Dorotheenstr. 

Freitag, den 8. März, vormittags 10 Uhr: Besichtigung des 
Rudolf Virchow-Krankenhauses. Versammlung im Hofe des Haupt¬ 
gebäudes, Eingang Aug-ustenburgerplatz. Abends 7 Uhr: Sitzung. 

Sonnabend,^den 9. März,' vormittags 9 Uhr und nachmittags 
3 Uhr: Sitzungen. Abends 6 1 /* Uhr: Sitzung des Vorstandes und 
der Gruppenvorsteher. 

Sonntag, den 10. März, vormittags 10 Uhr: Sitzung. 


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84 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 7. 


Montag, den 11. März, vormittags 10 Uhr und nachmittags 
3 Uhr! Sitzungen. 

Die Sitzungen finden statt im Hörsaale des pharmakologischen 
Instituts der Universität, Dorotheenstr. 34 a, nur die Sitzung am 
Sonntag wird im heuen hydrotherapeutischen Institut der Univer¬ 
sität, Ziegelstr. 18/19,- Portal V, abgehalten. Das Bttreau der 
Balneologischen Gesellschaft befindet sich Dorotheenstr. 34 a. 

Vorläufige Ordnung der Vorträge: 1. Herr Liebreich, Berlin: 
Eröffnungsrede. 2. Herr Brock, Berlin: Bericht über das ver¬ 
flossene Vereinsjahr. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Herr Deter- 
meyer, St. Blasien: Beeinflussung der Viscosität des menschlichen 
Blutes durch Kältereize, Wärmeentziehung und Stauung etc. 5 
Herr Gräupner, Nauheim: Funktionelle Diagnostik des hohen 
Blutdrucks bei Arteriosclerose uud bei chronischen Nierenleiden. 
Die Behandlung derselben. 6. Herr Strauss, Berlin : Ueber Pseudo- 
anaemien. 7. Herr Baur, Nauheim: Bildet übernormale,r Blut¬ 
druck eine Kontraindikation für die Anwendung der kohlensäure- 
haltigen Soolthermen? 8. Herr Hirsch, Nauheim: Ueber Herz¬ 
fehler. 9. Herr Franz Groedel, Nauheim: Versuche mit koblen- 
sauren Gasbädern. Ein Beitrag zur Erklärung der physiologischen 
Wirkung. 10. Herr Scherf, Orb: Herzkrankheiten und Höhenlage. 
11. Herr Rothschild, Soden: Die Stellung der offenen Kurorte 
ira Kampf gegen die Tuberkulose. 12. Herr Immelmann, Berlin: 
Die Behandlung der chronischen Bronchitis und des Bronchial¬ 
asthmas nach Schilling mittels Röntgenstrahlen. 13. Herr Bur¬ 
winkel, Nauheim: Ueber Wechselbeziehungen zwischen Hautleiden 
und inneren Erkrankungen. 14. Herr Siebelt, Flinsberg: Die 
baineologische Behandlung der gonorrhoischen Späterkrankung. 
15. Herr Ernst Frank und Herr Tobias, Berlin: Ueber Resorp¬ 
tion und Ausheilung von entzündlichen Infiltraten im Nebenhoden 
und S'amenstrang. 16. Herr Schuster, Aachen: Die Bedeutung 
des Spirochaetennachweises für die Diagnose der Syphilis. 17. 
Herr Krone, Teinach: Ueber die Beziehungen zwischen funktio¬ 
nellen Neurosen und Chlorose. 18. Herr Stras.ser, Wien: Zur 
physikalischen Therapie der Nephritis. 19. Herr Brieger, Berlin: 
Demonstration der neuen hydrotherapeutischen Anstalt der Uni¬ 
versität. 20. Herr Frankenhäuser, Berlin : Ueber neuere Methoden 
der Elektrotherapie. 21. Herr Wiuternitz, Wien: Thema Vor¬ 
behalten. 22. Herr Laqueur, Berlin: Ueber künstliche radium- 
emanations-haltige Bäder. 23. Herr Riedel, Berlin: Zur physi¬ 
kalischen Therapie des Kopfschmerzes. 24. Herr Martin. Berlin: 
Mitteilungen über die Bedeutung der Feuchtigkeitsmessungen in 
der Hydrotherapie. 25. Herr Marcus, Pyrmont: Ueber retro- 
fraktometrische Blutuntersuchung mit Demonstrationen. 26. Herr 
Kisch, Marienbad : Die konstitutionelle Form der Lipomatosis in 
der Balneotherapie. 27. Herr Fisch, Franzensbad: Entfettungs¬ 
kur unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Herz- und Gefäss- 
apparates. 28. Herr Lenne, Neuenahr: Die neuen Hilfsmittel bei 
Behandlung der chronischen Nierenerkrankungen in der Praxis. 
29. Herr Tobias, Berlin: Ueber die • physikalische Behandlung 
der nervösen Diarrhoe. 30. Herr Munter, Berlin: Die Bedeutung 
der physikalischen Heilmittel für die Behandlung des Diabetes 
mellitus. 31. Herr Lenne, Neuenahr: Zur Diätregelung bei 
Diabetes mellitus. 32. Bericht der Gruppenvorsteher. 33. Anträge 
aus der Versammlung. 34. Wahl des nächsten Kongressortes. 
35. Herr Martin, Berlin: Historisches aus dem Badewesen. 36. 
Herr Löbel, Dorna Watra: Ueber die Indikationen der Moor¬ 
bäder hei Behandlung der Schrumpfniere. 37. Herr Steinsberg, 
Franzensbad: Ueber die Behandlung der Bleichsucht mit heissen 
Moorbädern. 38. Herr Nenadovics, Franzensbad: Der elektrische 
Moorgürtel. (Demonstration.) 39. Herr Margulies, Kolberg: 
Ein Beitrag zur Lösung der Ferien frage. 

Liebreich. Winternitz. Schliep. Thilenius. 

Brock. Rüge. 

Patentnachrichten. 

Anmeldungen. 

R. 22053. Verfahren zum Anlöten metallischer Gegenstände an 
Porzellan oder andere glasartige Stoffe. Joseph Ramsperger, York. Pa., 
V. St. A. 


% 

M. 28179. Gelenkig am GUrtelband bofestigto und mit.Hilfe einös 
das GUrtelband und die Pelotte verbindenden Drahtes o. dgl. [droh- und 
verstellbare Pelotte für Bruchbänder. Carl Molz, Kaiserslautern. 

W. 25147. Verfahren zur Herstellung von^Champignonsaft." Adolf 
Wagener, Halberstadt. * 

Erteilungen. 

179309. Spekulum-Haltevorrichtung Louis & H. Loewenstein, Berlin. 

179430. Mundsperrer, bei dem das in seiner Längsrichtung verschieb-' 
bare Sperrglied in der jewoils gegebenen Slollung mittels der Sperrvorrich¬ 
tung fostgehalton wird. Joseph Brady Besant und Alfred Lee Donaldson, 
Saranae Lake, County of Franklin, New-York. V. St. A. 

179528. Mundsperrer. Dr. Robert Buchfeld, Elberfeld. 

179553. Halter für Handstücke zu Bohrmaschinen, insbesondere zu 
zahnärztlichen Zwecken. Paul Repsold. Riga. 

179131. Vorrichtung zur Behandlung von PlattfUssen mit einer auf 
einer festen Unterlagsplatte angebrachten gewölbten Stützplattc, deren 
Wölbung geändert werden kann. Kurt Jabo, Frankfurt a. M. 

179466. Bruchbandpelotte mit Einrichtung zur Behandlung der Bruch- 
stollo mit Heilmitteln August Scheele, Hannover. 

179467. Bruchbandpelotto mit Einrichtung zur Behandlung der Bruch¬ 
stelle mit Heilmitteln; Zus. z. Pat. 179466. August Scheele, Hannover. 

179595. Kopfkompresse, insbesondere zur Behandlung der Seekrank¬ 
heit. Paul Kappmcier, Altkloster, Kr. Stade. 

179432. Gefaltete Papiorkapsel mit seitlichen Brüchen oder Falten 
zur Aufnahme von pulverförinigeu Medikamenten. Heinrich Dobisch, Pul- 
kau, N.-Oe. 

179354. Verfahren zur Haltbarmachung des aus Karotten gewonnenen 
Saftes. Emilio Fernando Bolt, Kopenhagen. 

179355 Verfahren zur Herstellung von Amalgamen zu ZahnfUllungon. 
Xourostaing, G. m. b. H., Berlin. 

179356. Stromunterbrecher oder Stromwender für Sterilisationsapparato. 
Felton & Guillcaumo, Lahmeyerwcrke A.-G., Frankfurt a. M. 

179357. Selbsttätig arbeitende Vorrichtung zum Trocknen und Des¬ 
infizieren von Handtüchern in Form endloser Bänder. Leo Ludwig Hart¬ 
leben, Hannover-Kleefeld. 

179310. Inhalationsvorrichtung für Chlorammoniumdämpfe. Fa. Moritz 
Zwar, Dresden-A. 

179358. Inhalationsvorrichtung für Chlorammoniumdämpfe; Zus. z. 
Pat. 179310 Fa. Moritz Zwar, Dresdon-A. 

179 740 Schädclsägo mit durch eine biegsame Wolle angetrioboner 
Kroissüge. Ilarvay Christian Masland, Philadelphia. 

179 741. Vorrichtung für dio Zwecko der Lichttherapio mit iu ein 
Kiililbad eingebetteter Lichtquelle. Dr. Ernst Kromaycr, Berlin. 

177940. Verfahren zur Herstellung von Eisenpräparaten. Isidor 
Traube und Richard Woltfenstein, Berlin. 

179 611. Verfahren zur Herstellung klarblcibender Tinkturen. Kol- 
berger Anstalten für Kxterikultur Willi. Anhalt, G. in. b. H , Kolberg. 


Unsere Erfahrungen mit dem neuen Nährpräparat 

„Vlsvlt“. Aus der I. medieinischcn Abteilung der Wiener allgemeinen 
Poliklinik (Prof. Dr. E Ritter von Stoffel la). Von Dr. Ferd. Rosen¬ 
thal, I. Assistent. (Berl. klin. Wochenschrift No. 48. 1906.) 

Das durch die Prüfung an der von Leyden’schen Klinik (Maas#) 
als oin rationell zusammengesetztes, zweckentsprechendes und empfehlens¬ 
wertes Nährpräparat eingeführte „Visvit“ (vis vitae), lmt sich als oin, wegen 
des Mangels jeglicher Extraktivstoffe, auch bei Herz- und Nierenkranken 
gänzlich reiziosos Präparat von wirklichem Wohlgeschmack ausgezeichnet 
bewährt. Eine neue wanne Empfehlung kommt dem unter so günstigen 
Auspizien in der Therapie sieh einbürgernden Visvit nunmehr aus der von 
Stoffella'schon Abteilung der Wiener allgemeinen Poliklinik. Von den 
ausführlich mitgetoilten Krankengeschichten, die samt und sonders für die 
Leistungsfähigkeit des Visvit oin borodtes Zeugnis ablegen, ist besonders 
interessant ein Fall von Ulcus ventriculi, bei dem es nach einer Ulcns- 
kur mit Hilfe von Visvit gelang, dem durch das häufige Bluterbrechen her- 
vorgeruf'enen Kräfteverfall wirksam ontgegenzutreten trotz der sehr herab¬ 
gesetzten Verdaunngsfäbigkeit, welche während der ganzen Rekonvaleszenz 
von jeder Fleischnukrung abzusehen zwang. Bei sichtlich gesteigertem 
Appetit war schon nach 14 Tagen eine Gewichtszunahme von 2 kg und 
Steigung des Haemoglobingelialtes zu konstatieren. Dass Visvit „auch bei 
Reizzustäuden der Niere unbeschadet genommen werden darf“, beweist die 
Beobachtung an dem 12jälirigen Knaben mit Scharlachn epliriti s und 
verschiedenen Abscessen. Die bedeutende Entkräftung besserte sieh unter 
Visvitdarreiohung rasch. •- Beachtenswert ist auch ein Fall von Spitzen¬ 
tuberkulose bei einem 29jährigen Manne, in dem dio anfangs rapid um sich 
greifende Körpergewichtsabn&bme nach dom Einsetzen der Visviternährung 
einer deutlichen Gewichtszunahme wich. Von anderen Krankheiten, bei 
denen Visvit Verwendung fand, werden aufgeführt: Morbus Basodowii, 
Anaemien, Hysterie, Arteriosklerose, Diabetos, Phthisis pul¬ 
monum; ferner Rekonvaleszenz nach Pneumonie, Influenza 
und anderen Infektionskrankheiten. In allen diesen Fällen war ausser 
der raschen Kürpergewichtszunahme eine Vermehrung der roten Blut¬ 
körperchen und eine auffallende Steigerung des Haemoglobingehaltes wahr¬ 
zunehmen“. Dio an dieser beachtenswerten Stätte der Wissenschaft ge¬ 
wonnenen Erfahrungen berechtigen, das muss man anerkennen, in der Tat 
zu der Formulierung, dass „den praktischen Aerzten mit ruhigstem Ge¬ 
wissen dio weitestgehende Anwendung des Visvit empfohlen werden kann“. 
Dosis im allgemeinen dreimal täglich 1—2 Teelöffel voll. 


Verantwortlicher Redakteur: I.)r. I\ Meissner, Derlin \V. (>2, Ktirfiirsten.-ir. Hl. — Verantwortlich für den Inseratenteil: Der Vctlat; von Carl Marhohl, Halle a. S. 

Druck von der llcyncmann'schcn lJuchdruckerei, Cicbr. Wölfl Halle a. S. 


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Medicinische Woche 


Deatschmann, A. Dflhrssea, A. Hoffa, E. Jacobi, 

Hamburg. Berlin. Berlin. Freiburg 1. Bi. 

H. Senator, R. Sommer, 

Berlin. Qiessen. 


Verlag und Expedition 

Carl Marhold in Halle a. S., Uhlandstrasse 6. 

TcL-Adr.: Marhold Verlag Hallesaale. Fernsprecher 823. 

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Herausgegeben von 



R. Robert, M. Koeppen, K. Partscb, H. Rosin, H. Schlange, 
Rostock. Berlin. Breslau. Berlin. Hannover. 

H. Unverricht, A. Voss ins, 

Magdeburg. Qiessen. 


Redaktion: 

Berlin W. 62, Kurffirstenstrasse 81. 

Dr. P. Meißner. 


Officielles Organ des Scbwarzwaldbidertages, des Verbandes der Deutschen Nordseebäder and des Vereins der Badeärzte der Ostsee. 


m Jahrgang. 25. Februar 1907. Nr. 8. 


Die .Medicinische Woche* erscheint jeden Montag und kostet vierteljährl. 2.50 M., einzelne Nummer 25 Pf. Bestellungen nehmen jede Buchhandlung, die Post, sowie 
die Verlagsbuchhandlung von Carl Marhold in Halle a. S. entgegen. Inserate werden für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum mit 50 Pf. berechnet. Beilagen 

nach Ueberelnkunft. Reklamezeile 1,50 M. Bei größeren Aufträgen wird Rabatt gewährt. 

Nachdruck der Original-Aufsätze ist ohne vorherige Genehmigung nicht gestattet. — Nachdruck der Rundschau und der Mitteilungen ist nur mit Quellenangabe gestattet. 


Originalien. 

Was muss der Arzt von Nasen- und Hals- 
Krankheiten wissen? 

Von Dr. Maximilian Bresgen in Wiesbaden. 

(Fortsetzung.) 

Man muss also wissen, dass nicht die Fixigkeit und Be¬ 
sch werdelosigkeit bei der Nasenbehandlung das allein wünschens¬ 
werte sein soll, sondern dass dabei lediglich Sorgfalt und 
Gründlichkeit zu einem wirklichen Dauererfolge zu führen 
vermögen. Dio Mittel und Wege, die zur dauernden Befreiung 
des Nasenluftweges angewendet, bezw. boschritten werden 
müssen, im voraus festzulegen, ist ganz unmöglich und zweck¬ 
widrig. Der Eigentümlichkeit und dem Verlaufe des Falles 
müssen beide jederzeit angepasst werden, soll das gesteckte 
Ziel sicher erreicht werden. Und dieses Ziel, das muss vor 
allen Dingen gewusst sein, ist mit grösster Sicherheit zu er¬ 
reichen: wenn heutzutage behauptet wird, es sei in diesem 
.oder jenem Falle, selbst von mehreren sogenannten Autoritäten, 
alles mögliche schon zur Heilung ohne Erfolg unternommen 
worden, so steckt irgendwo ein grundsätzlicher Fehler; sein- 
häufig habe ich diesen Fehler in der ganz ungenügenden Aus¬ 
dauer des Kranken gefunden, sei diese nun durch ihn selbst 
oder durch ausser ihm gelegen gewesene Umstände begründet 
worden. In keinem Falle aber — und das muss jeder Arzt 
wissen — darf irgend ein Kranker nur an einer örtlich be¬ 
grenzten Stelle seines Körpers „verarztet“ werden; selbst, 
im scheinbar einfachsten Falle ist der ganze Kör¬ 
per- und Seelenzustand sachmäßig zu berücksich¬ 
tigen, soll ein wirklicher Dauererfolg erzielt werden. Es ge¬ 
nügt auch nicht, dass dem Kranken die entsprechenden „Ver¬ 
haltungsmaßregeln“ gegeben werden; sie müssen mit ihm aucli 
auf ihre Durchführbarkeit besprochen und notwendige Ver¬ 
änderungen dergestalt erörtert werden, dass der Kranke eine 
angemessene Einsicht in das Wesen der ärztlichen Behandlung 
bekommt. Das bringt Erfolg! 

Aber es gibt noch vieles andere, das der Arzt wissen 
muss, will er Nasenkranke zutreffend beraten. Da sind vor 
allen Dingen die althergebrachten Nasen Spülungen zu 
nennen. Es ist ganz einerlei, auf welche Weise Flüssigkeiten 
in oder durch die Nase geleitet werden; sio schädigen stets 
das Naseninnere: ob sie auch gefährlich für das Ohroninnere 
werden können, hängt lediglich von der Weise ab, wie dio 
Spülungen vorgenommen werden und ob nach Einbringung 
von Flüssigkeit in die Nase unzweckmäßiges Schneuzen oder 
dergleichen stattfindet. Ich habe schon seit mehr als 25 Jahren 
die Ausspülung der Nase nach meinen Erfahrungen fortlaufend 


und in immer mehr begründeter Weise als zweckwidrig und 
schädlich bezeichnen müssen. Ich glaube nicht mit Unrecht 
behauptet zu haben, dass der Nasenschleimhaut gänzlich die 
Merkmale fehlen, die sie zu einer Berieselung mit Flüssigkeit 
geeignet machen: sie ist mit Flimmerepithel besetzt, während 
z. B. die Mundhöhle, die Speiseröhre Plattenepithel trägt. Der 
übermäßige Gebrauch der Nasenspülungen seitens Laien und 
Aerzten mag auch nicht wouig dazu beitragen, dass eine regel¬ 
recht beschaffene Nasenschleimhaut recht selten ist*), wie ich 
ja auch im Laufe der langen Jahre immer wieder Gelegenheit 
genommen habe, zu betonen, dass eine wirklich gesunde 
Nasenschleimhaut wenigstens bei Erwachsenen eine recht 
grosse Seltenheit sei. **) 

Der Arzt muss auch wissen, dass bei Nasenleiden jede 
Selbstbehandlung auch mit anderen Mitteln, wie z. B Schnupf¬ 
pulvern, Tabakpriesen, Sprühregen gelöster Mittel, Einatmen 
von Dämpfen usw. zweckwidrig ist; sie ist es schon deshalb, weil 
ihr an der Stirne das Kainszeichen der Schablone haftet. Denn 
diese steht jeder Sorgfalt und Ueberleguug im Wege; und 
diese beiden sind bei Erkrankungen die Grundpfeiler, ohne die 
selbst das grösste Wissen die Sicherheit dos Erfolges ent¬ 
behren muss. Weder der Laie noch der Arzt darf sich durch 
Augenblicks - Erfolge täuschen lassen. Solche werden ja nicht 
nur durch sogenannte alte und neue Hausmittel erreicht, ja 
allein schon Umschlag der Witterung, Wechsel des Klimas, 
gesundheitlicheres Verhalten vermögen die durch Nasenleiden 
hervorgorufenen Beschwerden zu mildern, nicht aber das 
Nasenleiden selbst zu heilen. Das sind eben Augenblicks-Er¬ 
folge, die am Leiden nichts ändern, sondern lediglich die Be¬ 
gleiterscheinungen. die sich unseren Sinnen offenbaren, zeit¬ 
weilig mildern und zurücktreten lassen. Aehnliche Wert¬ 
schätzung verdient das planlose Aetzen, Brennen und Schnei¬ 
den in der Nase, spezialistische Betätigungen, die oft von 
raschem Erfolge begleitet worden, aber sehr bald schon den 
angeblich geheilten Kranken erkennen lassen, dass „es wieder 
nichts genützt hat“. Jeder Arzt muss eben wissen, dass 
Augenblicks-Erfolge nicht angestrebt werden dürfen, weil sie 
unsere Kunst herabsetzen und dadurch die Kranken in die 
Arme der Kurpfuscherei treiben. 

Nirgendwo kann der Arzt sich als Erzieher der Menschheit 
so bewähren, wie durch selbstlose Hingabe in seinem Berufe, 
also durch Pflichttreue, die unverständigen Wünschen der 
Kranken und der Gesunden nicht nachgibt, weil sie der wirk¬ 
lichen Heilung des Leidens im Wege stehen. Nicht ein 
Tyrann soll der Arzt sein, sondern er muss es sich unver¬ 
drossen angelegen sein lassen, seine Schützlinge unter ver- 

*) Man vergleiche hierzu die sehr eingehende Arbeit von Ernst 
Oppikofor, Boiträge zur noruialon und pathologischen Anatomie der 
Nase und ihrer Nebenhöhlen. Archiv für Laryngologie und Rhinologie. 1906. 
XIX. Band, Holt 1. Seite *28—84. 

**) Zusammonfassend von mir dargestellt in meiner Schrift: Klima, 
Witterung und Wohnung, Kleidung und Körperpflege in ihren Beziehungen 
zu den Entzündungen der Luftwege. Halle 1900. Seite 7 ff. 


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86 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 8. 


ständigem Erfassen ihres Seelen- und Körper-Zustandes durch 
Zuspruch und Belehrung zu befähigen, seine wohldurchdachten 
Pläne zu verstehen und nie darüber im Zweifel zu sein, dass 
er nicht eigenen Nutzen, sondern ausschliesslich den ihrigen 
verfolgt. Das ist selbstlose Hingabe im Berufe, der das 
„Glück“ von selbst folgt, weil es nicht gesucht wurde, weil 
es nicht Selbstzweck war. 

Wissen muss auch der Arzt, dass bei Nasenleiden der 
Genuss von Tabak und weingeisthaltigen Getränken überaus 
schädlich ist; beide verursachen ' stets eine Vermehrung der 
Schwellung der Nasenschleimhaut. Ich kenne seit langen 
Jahren die grossen Schwierigkeiten, die sich häufig sofort auf- 
ttirmen, sobald ein Verbot in der genannten Richtung ausge¬ 
sprochen wird. Es ist mir aber nie schwer gefallen, meine 
Forderung zu vertreten; denn ich habe jei.e Genussmittel nie 
grundsätzlich verschmäht, bin vielmehr immer noch ein warmer, 
wenn auch durchaus leidenschaftsloser Freund einer guten 
Havanna und eines guten Tropfens: es ist mir kein Bedürfnis, 
mich ihnen hinzugeben, dagegen ein grosses Vergnügen, mich 
ihrer gelegentlich erfreuen zu dürfen. Auch in diesen Fällen 
habe ich stets gefunden, dass man einer Sache am meisten 
nützt, sie am stärksten fördert, wenn man ihr innerlich nahe 
steht, dass man also Verboten von Genussmitteln den grössten 
Widerstand ans dem Wege räumen hilft, wenn man die davon 
Betroffenen teilnehmen lässt an dem eigenen Empfinden, das 
die verstandesmäßigen Verhaltungsregeln dem Kranken doch 
warm erscheinen lässt. 

Wissen muss auch der Arzt, mit welcher Gefahr bei Ver¬ 
schwellung der Nase, bei örtlicher Behandlung von Nasen¬ 
leiden das Schneuzen der Nase, das Niesen verknüpft ist. Wie 
notwendig es ist, hierauf vor Aerzten aufmerksam zu machen, 
hat meine langjährige Erfahrung mich gelehrt. Man braucht 
ja aber auch nur ärztlichen Versammlungen beizuwohnen, um 
zu sehen und zu hören, wie verkehrt selbst sehr berühmte 
Aerzte ihr Riech- und Atmungs Organ behandeln: man glaubt 
manchmal, wie Hyrtl sich ausdrückte, die Trompeten von 
Jericho zu hören, mit solch’ starkem Nachdrucke und Ge¬ 
räusche wird die Luft durch die beengte Nase getrieben! Man 
könnte sich doch so leicht erinnern, dass man einmal gelernt 
hat, wie unter solchen Umständen die unter Druck gesetzte 
Luft leicht in die Ohrtrompete und in das Mittelohr ausweicht 
und hierhin Schleim und Ansteckungsstoffe mitreisst. Man 
könnte auch bei weniger Aufmerksamkeit sich sagen, dass 
heftiges Schneuzen bei verschwollener Nase das Gegenteil vom 
Gewollten hervorbringt; schon der Laie macht bald die Er¬ 
fahrung, dass beim frischen Schnupfen oder beim sogenannten 


Feuilleton. 


Eine Beise auf der „Amerika“ nach Amerika. 

Von Dr. Clemm-Darrnstadt. 

(Fortsetzung.) 

Was so ein Schiff für einen Wind aufwirft: Ich wollte an 
einem etwas windigen Tage auf der Windseite an Deck entlang 
gehen und trat aus der Kajütstreppentür heraus; da flog mir 
ein Matrose in die Arme, den’s weggeweht hatte, und ich ge¬ 
wann schleunigst die andere Seite, wo von Wind kaum etwas 
zu spüren w'ar! 

Bei herrlichem Wetter kamen in Sicht die Scilly Islands, 
im sinkenden Abend, als erster Festlandsgruss strahlte das 
Leuchtfeuer von Lizzard Head uns entgegen und gegen Mitter¬ 
nacht fuhren wir dem Doppelhafen von Plymouth und Devon¬ 
port zu, am weit draussen im Meere liegenden Feuer von 
Eddystone vorbei. 

Was waren das für Schatten, die um uns zu schweben 
schienen auf den Wassern? — Mit einem Male blitzte es seit¬ 
lich von uns auf, aus der Gegend von Rame Head her kam's, 
dann kam Geschützfeuer von vorne und kaum streckten wir 


Stockschnupfen das Schneuzen um so weniger Erfolg bringt, 
je heftiger es geschieht. Es muss also der Arzt ieden Augen¬ 
blick darauf bedacht sein, seine Kranken aufmerksam zu 
machen, sobald sie die Nase in verkehrter Weise schneuzen; 
er darf nicht erst warten, bis ein Nasenleiden oder gar eine 
Ohrenentzündung sich entwickelt hat. Das richtige Schneuzen 
der Nase geschieht aber nur so, dass das eine Nasenloch 
leicht (also ohne starken Druck) mit einem Finger geschlossen 
wird, während das andere vollständig von Druck unbehelligt 
bleibt; durch dieses offen gelassene Nasenloch wird nun der 
Ausatmungsstrom langsam, nicht stossweise und unter um so 
schwächerem Drucke, je mehr die Nasenluftwege verlegt sind, 
hinausgeblasen; was dabei an Kraft und Stärke verloren gehen 
muss, wird durch mehrmalige (meist fünf- bis sechsmalige) 
Wiederholung ausgeglichen; aabei ist es vorteilhaft, den Kopf 
leicht nach vorne geneigt zu halten, damit der nach hinten 
abschüssige Nasenboden eine leichte Neigung nach vorne er¬ 
hält; da der Ausatmungsstrom näher dem Nasenbodon ver¬ 
läuft, so nimmt er dann leichter den auf diesem lagernden 
Schleim mit. Ist die eine Nasenseite gereinigt, so geschieht 
das gleiche dann auch mit der anderen. 

Der Arzt muss aber auch wissen, dass jedes Schneuzen 
der Nase aufgeschoben werden muss, w r enn in dieser krustige 
Massen sich befinden. Sind sie von geringer Menge und liegt 
kein Fall von Stinknase (Ozäna) vor, so genügen regelmäßige 
Einfettungen selbst schon mit Vaseline, die abends und mor¬ 
gens oder auch sonst noch wiederholt am Tage (je nach den 
Umständen) vorgenommen werden müssen. Doch sind das 
immer nur Notbehelfe, die das zugrundeliegende Nasenleiden 
nicht zu heilen vermögen. Bei örtlicher Behandlung in der 
Nase hat sich mir eine Menthol-Lanolinsalbe am besten be¬ 
währt (Menthol 0,30, Paraffin, liqu. 5,0, Lanolin, anhydric. 
Liebreich ad 30,0. f. terendo ungt. D. in tuba.). Werden also 
kleinere Krüstchen in der Nase vor dem Ausblasen dieser 
durch ein Fettmittel erweicht, so kommt es nie zu den oft sehr 
beunruhigenden Blutungen aus der Nase. Joder Arzt muss 
aber auch wissen, dass Nasenbluten stets ein Zeichen von 
krankem Naseninnern ist, wenn nicht eine Gewalteinwirkung 
stattgefunden hat; zu dieser ist aber Kratzen mit dem Finger¬ 
nagel nicht zu zählen; denn dieses erfolgt nur, wenn krustige 
Absonderung in der Nase sich bildet, und das ist stets krank¬ 
haft, bedarf also geeigneter Behandlung. 

Die Stinknase ist eine sehr ernste Erkrankung, deren Be¬ 
handlung lediglich Sache des Nasenarztes ist; in solchem 
Falle allein können vorläufige Ausspülungen der Nase mit 
lauwarmem, etwa 1% igem Salzwasser dergestalt gemacht 

die Nase in den Hafeneingang hinein, so wussten weder 
Lotse noch Kapitän mehr sich nach den Leuchtfeuern zu 
richten: Von allen Seiten her blitzten Scheinwerfer auf uns, 
die blendenden Lichtkegel kreuzten und trafen sich, bald war 
es taghell, bald finstere Nacht, und jetzt sahen wir auch, wem 
diese Aufmerksamkeit galt: Jene Schatten draussen auf der 
See waren eine Angriffsflotte gewesen, die mit abgeblendeten 
Lichtern fuhr, um den Hafen zu überrumpeln, und welche 
von den Vorwerken aus bemerkt und mit Feuer begrüsst 
worden war. Ich stand vorne auf der Back beim niedergehenden 
Anker — denn wir mussten draussen im Hafenbecken fest machen 
und still liegen, da, wie gesagt, die Lichtorgie selbst für Lotsen¬ 
augen zu toll war. Da kams an uns vorbei: Taghell im 
Scheinwerfer die Linie eines Torpedobootes, das sofort wieder 
in finstere Nacht versank, da wieder eines, dort ein anderes. 
Torpedobootjäger, Kreuzer etc., eine mächtige Flotte. Und an 
einem der Torpedoboote las ich — unseren Flottengegnern seis 
gesagt — die Zahl 583! Jetzt wars, als ob die Hölle selber 
spie: Vor uns, hinter uns, neben uns blitzte es in Terrassen 
übereinander auf, ein Feuer, wie mans so leicht w r ohl nicht 
wieder mit anhört und sieht, vom Wasser kams, zum und vom 
Lande gings, und wir mitten drinnen, wie das Flaggschiff der an¬ 
greifenden Flotte! Jetzt tief im Binnenhafen Schnellfeuerge¬ 
schützsalven; also dort sind die kühnen Angreifer ans Ziel 
gelangt! Da, was ist das? Ein Hai? was taucht da plötz¬ 
lich neben uns auf, um ebenso rascli wieder zu verschwinden 


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1907 . 


:MEDICINISCHE WOCHE. 


87 


k| werden, dass das Wasser aufgeschnupft wird. Ich habe der 
W Vermutung begründeten Ausdruck verliehen*), dass das so be- 
b kannte Bild der Stinknase als Schlussbild eines Tripper- 
f* Schnupfens, wie er bei der Geburt so leicht erworben werden 
v kann, betrachtet werden müsse. Es wäre deshalb ein dankens- 


( wertes Unternehmen, wenn bei Eiterschnupfen der Neuge- 
[ borenen oder auch älterer Kinder sorgfältig nach dem Gesund¬ 
er heitszustande auch der Mutter und nach anderen einschlägigen 
\ begleitenden Umständen geforscht würde. 

Wie auf das Schneuzen der Nase, so ist auch auf das 
Niesen zu achten. Das so oft geübte Unterdrücken des 
t Niesens führt leicht zu einem um so heftigeren Ausbruche, der 
• dann meist bei geschlossenem Munde durch die Nase hindurch 
erfolgt. Sehr leicht wird dabei Schleim usw. durch die Ohr¬ 
trompete ins Mittelohr geschleudert. Jeder Arzt mubS also 
wissen, dass Niesen nie bei geschlossenem Munde erfolgen 
darf; häufiges Niesbedürfnis besonders morgens früh, oder beim 
Wechsel der Aufenthaltsräume, oder beim Wechsel der Körper¬ 
haltung muss stets Verdacht auf Verschwellung der Nasen¬ 
schleimhaut oder auf ungewöhnliche Absonderung in der Nase 
erregen; Nieskrämpfe aber gar sind stets ein Zeichen einer er¬ 
krankten Nase, die je eher je besser einer entsprechenden ört¬ 
lichen Behandlung unterzogen wird. 

Dass bei jeder Nasenbehandlung das Befinden des ganzen 
Menschen berücksichtigt werden muss, habe ich schon kurz 
hervorgehoben. Es genügt aber nicht, sich im allgemeinen 
von seinem Wohlbefinden im übrigen zu überzeugen; im be¬ 
sonderen müssen wenigstens Hals und Ohren untersucht und 
auch der Zustand der Augen gebührend berücksichtigt werden; 
wo irgendwelche Zweifel obwalten müssen, darf die Unter¬ 
suchung des Herzens nie unterlassen werden; insbesondere 

E lt das, wenn aussetzender Puls gefunden wird oder der 
ranke selbst auf jdies Vorkommnis aufmerksam macht Herz¬ 
fehler wie überhaupt schwere organische Leiden erheischen 
stets grosse Vorsicht bei Behandlung von Nasenleiden; in 
diesen Fällen kommt, wenn eine solche wirklich nötig ist, also 
sogenannte Aushilfsmittel nicht genügen, lediglich die 
Elektrolyse in Betracht, mit der allerdings in etwas längerer 
Zeit sehr gute Ergebnisse zu erzielen sind. 

Was den aus sogenannter nervöser Ursache aussetzenden 
Puls anbelangt, so muss jeder Arzt nachgerade wissen, dass 
er besonders bei Nasenverschwellung gefunden wird und, was 
das wichtigste ist, dass er durch Beseitigung dieser ver- 


*) Zur Entstehung des Bildes der Stinknase. Die ärztliche Praxis 
1902. Nr. 4. — Auch in meinen „A ärztlichen Fortbildungs-Vorlesungen“ 
Halle 1903. Seite 27 und 37. 


schwindet. Dass besonders auch geschlechtliche Ausschwei¬ 
fungen, ooitus interruptus u. a. m. aussetzenden Puls verur¬ 
sachen können, verringert den Wert der letztgenannten Tat¬ 
sache keineswegs. len muss sogar feststellen, dass bei ge¬ 
schlechtlichen Erregungen ungewöhnlicher Art eine vorhandene 
Nasenschwellung sich vermehrt; diese Beobachtung ist mir 
von Nasenkranken so oft mitgeteilt worden, dass sie mir als 
keine zufällige Beobachtung mehr erscheint. In allen solchen 
mit Nasenschwellung verknüpften Fällen von aussetzendem 
Puls nützt keine andere Behandlung, als eine entsprechende 
Nasenbehandlung; das habe ich bei zahlreichen Kranken, die 
schon verschiedene Anstalts-Behandlungen ohne Erfolg durch- 

f emacht hatten, feststellen können. Das ist auch unschwer zu 
egreifen; ich schrieb darüber 1900 folgendes*): 

„Meiner mehr als 25jährigen Erfahrung nach wird der 
bekannte neurasthenische Zustand in weit grösserer Zahl, als 
man heute noch anzunehmen geneigt ist, durch Nasenerkran¬ 
kung zum wenigsten mit bedingt Versetzt man sich in die 
Lage eines mit empfindlicher Nasenschleimhaut versehenen 
Nasenkranken, dessen Schleimhaut in ihrem Schwellungszu¬ 
stande bei Tage fortwährend wechselt und ihm dadurch be¬ 
ständig, wenn auch mangels entsprechender Einsicht und 
Kenntnis meist unbewusst, mancherlei Erregung der in Be¬ 
tracht kommenden Nerven verursacht; bedenkt man, wie diese 
Erregungszustände durch Genuss von Tabak und weingeist¬ 
haltigen Getränken beständig unterhalten und vermehrt wer¬ 
den, wie dazu dann auch noch häusliche und geschäftliche 
Kümmernisse und Sorgen sich hinzugesellen, so bedarf es ja 
kaum noch der Hauptursache der Neurasthenie in solchen Fällen, 
d. i. der durch die Nasenverschwellung bedingten Störung der 
Nachtruhe, der Verhinderung einer gründlichen Erholung des 
Körpers und Geistes. Kaum hat sich ein solcher Kranker zur 
Ruhe begeben, so beginnt er zu schnarchen, der Nasenluftweg 
hat sich vollkommen oder doch so sehr geschlossen, dass er 
zur Atmung untauglich geworden ist, die Zunge fällt auf den 
Kehldeckel, dieser schliesst den Kehlkopf und mit einer ge¬ 
waltsamen Ausatmung oder einem Hustenanfalle oder einem 
Schluckversuche wird das Atraungshindemis beseitigt, um nach 
kurzem Schlafe wieder von neuem sich geltend zu machen. 
Dieser beständig unterbrochene Schlaf wird auch noch durch 
wüste Träume, Alpdrücken usw. fortgesetzt beeinträchtigt, 
sodass also weder Körper noch Geist die erforderliche nächt¬ 
liche Erquickung finden können. Solche Nasenkranke stehen 

•) Die Reizung und Entzündung der Nasenschleimhaut in ihrem 
Einflüsse auf die Atmung und das Herz. Halle 1900 Seite 10 ff 27 ff. 


und unter uns durchzufahren? Ein Unterseeboot macht seine 
Uebungen um uns herum! Bis in den Morgen herein dauerte 
die Schlacht, die, wie ich hörte, das grosse Manöver der 
englischen Flotte krönte, und mit der Einnahme Englands 
endete. Ein Herr, der in Plymouth an Bord kam, erzählte 
mir, dass neun Schlachtschiffe und mehrere Kreuzergeschwader 
dort gelegen hätten — ohne das, was noch dazu gehört an 
Torpedobooten etc.: Das wäre was gewesen für unseren lauen 
Reichstag! Ob da nicht Mancher andere Begriffe bekommen 
hätte ?! 

Wie ruhig und friedlich lag am Morgen, als wir die 
Passagiere ausschifften und andere an Bord nahmen und die 
Post abgaben, der Hafen da! Wo waren die Festungswerke, 
die in der Nacht solch’ grandioses Feuerschauspiel dargeboten 
hatten?! Wie Weinbergsanlagen, an steilen, friedlich drein- 
schauenden Hügeln, ziehen sie dort hinauf, dem Unerfahrenen 
gewiss kein Grauen einflössendl 

In Plymouth wurden wir auch eine gute Portion Geld 
los: Ein paar Millionen Gold und Silber, in Kisten verpackt, 
rutschte den Postsäcken nach und ward von einem Bankbe¬ 
amten in Empfang genommen. Wie gleichmütig die Matrosen 
die Kisten, deren jede ein Vermögen barg, aus dem Schiffs¬ 
räume holten und auf die Rutsche hoben, wo des Bootsmannes 
unfehlbare Tauschlinge sie fasste und hinabgleiten liess! 

Natürlich schimpfte der englische Postonkel, dass die 
Säcke nicht stimmten, weil — so hatte mir der deutsche 


Postchef schon vorausgesagt — die Kerle immer falsch zählten: 
Da legte sich unser amerikanischer Postbeamter, ein reizender 
fideler Mann, übers Reeling und brachte den Briten wieder ins 
Gleichgewicht mit ein paar treffenden Bemerkungen. 

Solch ’ne Poststation auf dem Schiff ist übrigens etwas 
Sehenswertes. An 300 Sack hatten wir zum Sortieren an 
Bord; wie das geht! Ein Amerikaner, der deutsche Chef und 
zwei Unterbeamte; tief drunten auf Franklindeck gehts eine 
Treppe hinab in die Office und noch eine tiefer in den Sor¬ 
tierraum. Fast stets die Bullaugen geschlossen bei eifriger 
Arbeit — ich glaube, nicht Jedermanns Sache wäre es, diese 
Aufgabe zu vollenden! Wie man diese den ganzen Tag ange¬ 
strengt arbeitenden Männer derart unterbringen kann, bleibt 
geradezu unverständlich! Und wenn gar das Schiff stark 
rollt und stampft und die Männer hin- und bergeschleudert 
werden, gegen die Gestelle anstossend! Und was müssen sie 
für ’ne Arbeit schaffen! Da werden Säcke aufgehängt und 
mit Zetteln versehen: Hamburg kriegt ein paar Säcke, ebenso 
Berlin, Leipzig, Bremen, Frankfurt vielleicht einen, der Eisass 
einen Ober- und einen Untereisasssack u. s f. — Welch’ geo¬ 
graphische Sattelfestigkeit gehört dazu, die obskursten Nester 
gleich richtig einzureihen, welche Geduld, die oft entsetzlichen 
Aufschriften zu enträtseln, teils in drolliger Verstümperung 
deutscher Namen in ellenlangen Lettern von Hinterwäldler¬ 
fäusten aufgemalt, teils in fast mikroskopischer Kleine auf 
winzige Zettelchen aufgedruckt! Am tollsten wirken dit 


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MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 8 . 


dann auch morgens unausgeruht auf, sind müde an Körper 
und Geist, haben gar Kopfaruck und Kopfschmerz und wen¬ 
den sich unlustig lind mit ungenügender Arbeitskraft ihrem 
Tagewerke zu. Wer Tag für Tag. jahraus jahrein in solcher 
Weise sein Leben hinbringt, sollte sich doch niemals wundern, 
wenn er endlich, besonders sobald das 40. Lebensjahr über¬ 
schritten ist, nervös wird und alle Freude am Berufe und am 
Leben verliert. Strübing schreibt: „Es ist ja eine von der 
inneren Medicin noch nicht genügend gewürdigte Tatsache, 
dass ein chronisches Nasenloiden sehr wohl imstande ist, eine 
schwere Neurasthenie — die Disposition natürlich vorausge¬ 
setzt — auszulösen; dieselbe ist bei der gowöhnliclion symp¬ 
tomatischen Behandlung wohl einer Besserung fähig, schwindet 
aber erst definitiv mit Beseitigung des Nasenleidens“. Nun aber 
vergegenwärtige man sich erst einmal Personen von leicht er¬ 
regbarer, reizbarer Natur, insbesondere aber kleine Kinder 
dieser Art, die mangels genügend freien Nasonluftwegcs den 
für sie ohnehin so schweren Kampf um die alsdann notwendige 
Mundatmung zu bostohen haben. Solche Kinder werden zur 
Neurasthenie schon in frühester Kindheit gewissermaßen er¬ 
zogen; die behindorte Nasenatmung lässt sie bei Tago nicht zu 
einer ausreichenden Ernährung kommen, während ihnen die 
Nachtruhe durch fortwährenden Kampf mit Erstickung, wozu 
dann noch als besonders erschwerend das viele Schreien hin¬ 
zukommt, genommen wird. Und soll man sich dann noch 
w'undern, wenn solche jungo Wosen schon frühzeitig an 
Asthma erkranken, eine Erkrankung, die bei ihnen sowohl 
durch die beständige Reizung der Nasenschleimhaut, wie auch 
durch die krampfartige Anspannung der feinsten Bronchial¬ 
muskulatur während des Schreiens hinreichend vorbereitet und 
gestützt ist.“ 

„Ist aber erst einmal nach längerem Bestände eines 
Nasenleidens eine Neurasthenie eingetreten, so stellen sich am 
Herzen umsomehr jene Störungen ein, die auch, als bei allen 
Nervösen vorkommend, längst bekannt sind, und zwai treten 
sie um so eher und um so stärker auf, je friihor bereits auf 
dem soeben erörterten mechanischen Wege (Einwirkung starker 
Schneuzversucho auf das Herz) die Atmung und das Herz in 

Mitleidenschaft gezogen werden. Ich konnte auch 

öfters beobachten, dass in Fällen von unregelmäßiger Herz¬ 
tätigkeit durch heftiges Schneuzen der Nase Aussetzon des 
Pulses hervorgerufen wurde; andererseits ist mir auch öfter 
berichtet worden, dass die Kranken aus dem Schlafe durch 
heftiges Herzklopfen, das häufig mit aussetzendem Pulse ver¬ 
knüpft war, plötzlich aufgeweckt wurden und dann stets in 
der Nasenatmung stark behindert waren.“ 


Zeitungsrollen, die man immer drehen muss, um die Aufschrift 
zu entziffern. Massenhaft waren Albums vom Unglück in San 
Franzisko dabei, einige in kleine, oclite Muschelehen verpackt, 
woran der grosse Anhängezettel mit der Aufschrift drollig ge¬ 
nug wirkte. Drei ganze Postsäcke hatte der Schwindler ge¬ 
füllt, der eine Zeitlang eine ganze Roklameseite der „Woche“ 
und anderer Blätter gepachtet hatte! Jenes Ohrfeigengesicht, 
das bekueifert und auf die Hand gelehnt „sein System“ denen, 
die stets nachwachsen, die nie alle werden, vortrug. In 
Amerika ist dem Gauner das Handwerk gelegt worden aus 
irgend einem Grunde — und der muss schon ganz knuffig 
sein! — jetzt ist aus ihm mit Verschwund seiner holden 
Persönlichkeit eine ,,Akademie des Wissens“ oder dergleichen 
geworden. Ein mächtiges Akademiegebäude ist. abgebildet, 
Schöpfer und Apostel der Lehre und begeisterte Anhänger 
zieren den Abdruck ihrer mehr oder minder geistreichen 
Briefe. Dann wird dem Säumigon ins Gewissen geredet, wie 
er sein Heil so vernachlässigen könne, es wird alles Mögliche 
versprochen, um die Rute besser zu leimen für den Gimpel, 
der schon nach ihr geäugt hat: bald wird er daran zappeln! 
Drei Postsäcke voll in einer Ueberseepost, 1% etwa der Go- 
samtpost, liefert dieses Düstermännerkonsortium! Und da 
wird über Flioschnot geschimpft und Preisaufschläge, wo 
das Geld Legionen von Landsleuten so lose in der Tasche 
sitzt, dass sie solche Vögel damit füttern! — Ich habe selten 
so herzlich gelacht und am Ende w r eihte ich diesen Bedauerns- 


Es gibt noch mancherlei nervöse Erscheinungen, die mit 
Nasenschwellung Zusammenhängen und nur nach Beseitigung 
dieser geheilt worden können. Die schweren Träume, Alp¬ 
drücken wurden schon erwähnt; solche Vorkommnisse fordern 
stets zu einer sehr sorgfältigen und auch wiederholten Unter- 
suchung des Nasenluftweges auf. Damit in Zusammenhang 
findet man meist auch das Bettnässen bei Kindern und in vor¬ 
geschrittener Jugend. Jedenfalls muss der Arzt von diesen 
Wechselwirkungen Kenntnis haben, um in gegebenem Falle fähig 
zu sein, nach der Ursache suchen und Einzelheiten mit einander 
richtig verknüpfen zu können. (Fortsetzung folgt.) 


Sitzungsberichte. 

Deutschland. 

Berliner tnedicinische Gesellschaft. 

Sitzung am 30. Januar 1907, 

Tagesordnung: 

Neumaun: Die natürliche Ernährung in der ärzt¬ 
lichen Praxis. 

Der Einführung des Soxlethsapparates und der Benutzung 
guter Milch als Ausgangsmaterial ist es wohl zuzuschreibeu, daG 
in den wohlhabenderen Bevölkerungsschichten die schweren töd¬ 
lichen Darmkatarrhe der Kinder kaum noch Vorkommen. Das trifft 
aber nicht zu für die chronischen Darmstörungen, die umso schwerer 
zu reparieren sind, je jünger das Kind davon betroffen wird. 
Viele von diesen sind wohl auf das Konto des verkehrten Grund¬ 
satzes: je mehr Nahrung, desto besser für das Kind, und der 
falschen Vorstellung, daG grüGeie Gewichtszunahmen ein MaG für 
gute Entwicklung seien, sowie des vielen Heruinprobierens mit den 
verschiedenen Ernährungsformen zu setzen. Weitere Gefahren, 
«He auch dem gut gehaltenen Kinde bei künstlicher Ernährung 
drohen, sind die Rhachitis und die erhöhte Erregbarkeit des Nerven¬ 
systems. Zur Rhachitis führt nicht eine bestimmte Ernährung, 
hereditäre Verhältnisse spielen die Hauptrolle, Ernährungsstörungen 
sind nur das auslösende Moment; namentlich im Verlaufe des 
Winters ist ihr Ausbruch zu befürchten. Bei Entscheidung der 
Frage, ob künstliche oder natürliche Ernährung eingeleitet werden 
soll, sollen die rhacliirischen Verhältnisse der ganzen Familie in 
Betracht gezogen werden. Die tetanoide Uebererregbarkeit kann 
schwere Lebensgefahr bringen; natürliche Ernährung bietet hier die 
sicherste Hilfe. In einem Alter von vier bis fünf Monaten kann 
die Zuführung des Kindes zur Ammenbrust groGe Schwierigkeiten 


werten eine Träne; möge sie ihnen den Abschied aus den 
Reihen der Vernünftigen erleichtern! 

Nach der Seeschlacht bei Plymouth fuhren wir noch ein 
wenig der englischen Südküste entlang und querten dann den 
Kanal, der Normandie zu, von wo aus einst die Eroberer 
Englands übersetzten, um bei Hastings sich die Herrschaft 
über ihre Vorgänger, die Angelsachsen, zu erringen. Am Vor¬ 
mittag kamen die Linien von Alderney, der nördlichsten der 
normännischen Kanalinseln in Sicht, in weiter Ferne ver¬ 
schwimmen die von Guernesey und Jersey, des englischen 
Besitzrestes an der französischen Küste. Nun reckte die 
Normannischo Halbinsel ihre Spitze uns entgegen, und in der 
Hachen Mulde ihrer Nordküste erreichten wir das Ziel unserer 
Fahrt, die langgestreckte Inselbank und die kleine Insel Pel6e, 
welche den Eingang zur flachen Cherbourgbucht bilden. Da, 
was war das?! Sollte uns die so stolz geführte Flagge zum 
Verderben flattern?! In zwei Divisionen schossen Torpedo¬ 
boote zum Angriffe auf uns zu, um — auf ein gegebenes 
Zeichen eben so blitzschnell zu wenden und umzukehren; das 
zweito Flottenmanöver, das uns vom zweiten Staate bereitet 
ward: Wahrlich, Dusel muss der Mensch haben! — Dort 
schifften wir die Creme — wenigstens was die Dollars anbe¬ 
trifft — unserer Reisegesellschaft aus und fuhren wieder auf 
die englische Küste zu. 

Von der herrlichen Isle of Wight bekamen wir nichts zu 
sehen, Boachy Head folgte der friedlichliebliche Blick auf 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


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machen; deshalb soll auch in Rücksicht auf Uebererregbarkeit 
gleich im Anfang die Ernährungsfrage unter Berücksichtigung der 
familiären Disposition entschieden werden. Die natürliche Er¬ 
nährung soll bis zur äußersten Möglichkeit erstrebt werden. Das 
Stillen ist in Berlin außer Mode gekommen; die Stillungsmöglich¬ 
keit ist in den meisten Fällen sowohl bei Berücksichtigung der 
sozialen wie physischen Verhältnisse gegeben. Im Jahre 1885 
stillten von den Frauen in den kleinsten Wohnungen in Berlin 
65%; dazu imstande wären sicherlich 80%; im Jahre 1890 stillten 
von den Frauen in Wohnungen von vier und mehr Zimmern nur 
30%. Auch die bessersituierten Frauen sind physisch nicht zu 
degeneriert Wo Ausdauer nötig ist bis zum Einschießen der 
Milch, da erlahmt leicht der Wunsch zum Stillen; auch da, wo 
Schmerzen beim Stillen vorhanden sind. Im allgemeinen wird von 
seiten der Mütter in den wohlhabenderen Kreisen mehr aus falscher 
Beurteilung körperlicher Verhältnisse als aus Bequemlichkeit auf 
das Stillen verzichtet. Deshalb hat der bei der Geburt und im 
Wochenbett Beistehende großen Einfluß; er muß nicht nur die 
momentanen Verhältnisse berücksichtigen, sondern auch eventuelle 
spätere Momente in Rechnung setzen. Ganz besonders müßten 
die Geburtshelfer sich mehr vom Wert der natürlichen Ernährung 
überzeugen und diese auch überzeugender empfehlen. Eine Gegen¬ 
indikation gegen das Stillen bietet nur eine schwere Allgemein¬ 
erkrankung, insbesondere schwere Phthise. Erschöpfung der Wöch¬ 
nerin kann nur selten als Kontraindikation gelten; und Schwäch¬ 
lichkeit, Blutarmut, Nervosität, Rückenstiche sollten überhaupt nicht 
in Frage kommen. Bei einiger Körperpflege läßt sich hier das 
Stillen durchführen; aber dazu gehört Autorität; psychische Be¬ 
einflussung kann hier vieles leisten. Wird die natürliche Ernäh¬ 
rung wieder populärer, dann wird auch die StillfUhigkeit wieder 
größer. Auch erbärmlich erscheinende Brüste garantieren nicht 
die Stillungsunmöglichkeit. Die Stillungstechnik muß gelernt werden. 
Man soll nicht zu früh anlegen; ott muß der Saugreiz erst das 
Einschießen der Milch bewirken; man kann ruhig mehrere Tage 
warten , nur bei schwächlichen Kindern muß man gleich beifüttern. 
Ueberfütterung soll man vermeiden, das Kind soll nicht schema¬ 
tisch angelegt werden, sondern nur bei laut geäußertem Nahrungs¬ 
bedürfnis; dann kommt man oft mit vier- bis sechsmaligem An¬ 
legen aus, was für Kind und Mutter gleich günstig ist. Tägliche 
Ueberwachung durch den Arzt mit sorgfältigen Wägungen und 
Autorität gegenüber allerlei Einflüssen sind zur Durchführung der 
natürlichen Ernährung unter schwierigeren Verhältnissen nötig. 

Diskussion. 

Jaffa: ergänzt die Mitteilungen Neumanns über die Ver¬ 
hältnisse in den besser situierten Kreisen durch Beobachtungen an 
poliklinischem Material. Die Abnahme des Stillens ist nicht be- 

Hastings, wo Wilhelm der Eroberer der Normänner Herrschaft 
über das Brudervolk aufrichtete und dem Engländer sein 
heutiges Nationalgepräge aufdrückte: Die Ländergier, die Lust 
an Abenteuern zur See und in fremden Landen, die Liebens¬ 
würdigkeit, sich stets um die Dinge Anderer zu bekümmern, 
wenn für ihn selber ein Vorteil dabei herausschaut und die 
Unverfrorenheit, sich ans Hütchen zu stecken, was Eigentum 
eines Schwächern ist, viel Sinn für Alles, was ihm Vorteil 
bringen kann und die rührende Gleichgültigkeit, ob’s dabei 
anständig zugeht oder nicht! — Dann hinaus in die sinkende 
Nacht, in die Nordsee! 

Am anderen Tage kam das erste deutsche Wahrzeichen, 
das Feuerschiff von Borkum, in Sicht, dem bald die Elbfeuer¬ 
schiffe der Reihe nach folgten. Welch’ ein Leben da draussen 
auf dem rot angestrichenen, kleinen, plumpen Kahn, dessen 
zwei Mastspitzen Körbe als Abzeichen tragen, fest vor Anker 
liegend in brütend träger Sonnenglut ohne eines Windhauches 
Odem, in heulendem Sturm und in tosender See, in wildem 
Schneegestöber oder alles erstarrender, eisiger Kälte! Abge¬ 
schlossen von den Menschen im opfervollen Dienste für die 
Menschen tun diese Braven draussen unter allen Umständen ihre 
Pflicht, Helden des Berufs! Sie werden alle tiefangelegto 
philosophische Naturen, deren Bibliothek wie auf den Leucht¬ 
türmen oft eine staunenswerte Reichhaltigkeit und Gediegen¬ 
heit aufweisen soll. (Schluss folgt.) 


dingt durch physische Momente oder durch soziale Verhältnisse 
(Notwendigkeit der Arbeit der Mütter), ln 40% wird nicht ge¬ 
stillt aus Indolenz oder aus nichtigen Gründen; auch die älteren 
Hebammen sind nicht genügend vom Wert des Stillens überzeugt. 
Nur in 20% dürfte wirkliche Unfähigkeit zum Stillen vorhanden 
sein. Im Wöchnerinnenheim stillen alle Frauen; sie sind aber 
hier gut genährt und sorgenfrei; das trifft für die Praxis draußen 
nicht zu. Gute Erfolge bezüglich einer Zunahme des Stillens hat 
J. an der Säuglingsfürsorgestelle I Berlin erzielt. Leichtere Klagen 
der Mütter werden als Grund zum Nichtstillen nicht berücksichtigt. 
Auch bei der Tuberkulose wird als maßgebend erachtet die Ge¬ 
wichtshaltung der Mutter und die Zunahme des Säuglings; bezüg¬ 
lich letzterer muß man oft einige Wochen Geduld haben, da die 
Gewöhnung an die Brust einige Zeit dauern kann. Die Mütter 
erhalten als Aequivalent für das Stillen ein Liter Milch täglich 
und müssen sich dafür der nötigen Kontrolle unterziehen. Schwie¬ 
riger liegen die Verhältnisse bei unverehelichten Müttern, die auf 
Arbeit nicht verzichten können. Hier bietet sich für die Wohl¬ 
tätigkeit noch ein weites Feld. 

Bröse nimmt die Geburtshelfer in Schutz. Auch er erkennt 
die Bedeutung der Mode für die Häufigkeit des Stillens an. Furcht 
vor Chlorose, Anaemien, Unterleibsbeschwerden, tuberkulöse Dis¬ 
position will auch er nicht als Kontraindikation für das Stillen 
gelten lassen. 

Tugend reich betont, daß die Stillmöglichkeit noch längere 
Zeit nach der Ablactation bestehen bleibt; er hat noch zweiein¬ 
halb Monate nach der Geburt die Brust in Gang bringen können. 
Frauen, die arbeiten müssen und deshalb ihr Kind absetzen wollen, 
sollen angehalten werden, nur viermal am Tage zu stillen. 

Karewski: Ueber subkutane Verletzung des Pankreas 
und deren Behandlung. 

Bei subkutanen Bauch Verletzungen, die nur irgendwie schwerere 
Erscheinungen machen, soll man möglichst frisch operativ ein- 
greifen, ehe schwerere Veränderungen eingetreten sind. Dann 
wird die Prognose dieser Verletzungen günstiger. Pankreaslaesionen 
sind ziemlich selten. Von viemnddreißig in der Literatur publi¬ 
zierten Fällen waren nur elf isolierte Verletzungen des Pankreas, 
drei davon blieben dem Leben erhalten. Der vorgestellte Patient 
wurde überfahren, wobei das Rad quer über das Abdomen ging; 
anfänglich leichte Symptome gingen bald in ein schweres Krank¬ 
heitsbild über. In der Annahme, daß eine Leberverletzung vor¬ 
liege, wurde laparatomiert. Es fand sich eine starke Quetschung 
des Pankreas, besonders des Kopfteiles. Unter Tamponade trat 
Heilung ein mit Bildung einer Fistel, die erst nach längerem Be¬ 
stehen zum Schwinden gebracht werden konnte. Eine Pankreas¬ 
verletzung ist bisher vor der Operation noch nicht diagnostiziert 
worden; das erklärt sich daraus, daß diese Verletzungen keine 
charakteristischen Erscheinungen machen. Vielleicht sind oft 
Shoeersclieinungen nach Bauchkontusionen auf Erschütterungen 
des Pankreas zu beziehen. Daß Verletzungen des Pankreas häufiger 
Vorkommen, zeigen die Pankreascysten, deren Entstehung in einer 
größeren Anzahl der Fälle auf ein Trauma zurückzu führen ist. 
Tritt bei der Verletzung nur ein kleinerer Riß im Peritoneum ein, 
so können Blut und Pankreassaft in die Bursa omentalis sich er¬ 
gießen und schwere Erscheinungen ausbleiben. Ein größerer Riß 
im Peritoneum hindert dies, und dann besteht die Gefahr der Ver¬ 
blutung oder der Peritonitis. Nur im vorgestellten Falle und 
einem anderen, ebenso früh operierten, waren noch keine Erschei¬ 
nungen von Nekrose vorhanden. Aus der Fistel entleerten sich 
bei dem Patienten große Mengen Pankreassaft, und dieser Flüssig¬ 
keitsverlust führte zu einer bedeutenden Gewichtsabnahme. Der 
Fall gab Anlaß zu eingehenden physiologischen Studien über die 
Pankreasfunktion (Wohlgemuth), und diese führten dazu, daß 
eine Ernährungsweise (Fettdiabetesdiät) ausfindig gemacht wurde, 
durch die sich die Sekretion beherrschen und einscbränken ließ, 
so daß die definitive Heilung möglich wurde. P. 

Gesellschaft für Geburtshülfe und Gynaekologie 
zu Berlin. 

Sitzung am 25. Januar 1907. 

Vorsitzender: Herr Keller. 

I. Demonstrationen: 

Herr Olshausen demonstriert 1. ein im IL GraviditÄtsmonat 


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MEDICINISCHE ^^OCHE. 


Nr. 8. 


exstirpiertes Myom. Die 89jährige Frau war bisher zwölf Jahre 
lang steril gewesen. Im Gegensatz zu Hofmeier, der der An¬ 
sicht ist, daß das Auftreten von Myomen bei vorher sterilen 
Frauen günstige Disposition für eine späte Konzeption schafft, 
sieht Olshausen in dem Bestehen des Myoms die Ursache für 
die lange Sterilität; 2. das Sektionspräparat einer pyelitischen 
Niere von einer Wöchnerin. Die schwangere Frau war fiebernd 
eingeliefert und glatt entbunden worden, die schwere Nierener¬ 
krankung hielt aber trotz raschen Fieberabfalles an und führte 
zehn Tage post partum zum Exitus. 

II. Vortrag des Herrn Czempin: Ueber Myomoperationen, 
besonders der intraligamentären Geschwülste. 

Nach einem kurzen historischen Rückblick berichtet C. über 
204 Fälle von Myomoperationen, davon 76 vaginale und 128 ab¬ 
dominale. Die vaginalen zerfallen in 39 konservative mit einem 
Todesfall und 37 Totalexstirpationon mit 3 Todesfällen. Von den 
abdominalen waren 29 konservativ — Kastration, Enukleation 
und Myomectomie — ohne Todesfall, 99 radikal mit im ganzen 
10 Todesfällen. In den letzten Jahren ist die Mortalität erheb¬ 
lich zurückgegangen, die letzten 34 supravaginalen Amputationen 
verliefen ohne Todesfall, im ganzen konnte C. in letzter Zeit eine 
Serie von 49 Fällen ohne Todesfall operieren. C. ist in den 
letzten Jahren immer mehr von den vaginalen zu den abdominalen 
Operationen übergegangen, weil diese alle Vorzüge wie gute Ueber- 
sicht, Zeitersparnis, geringe Blutung etc. vor den vaginalen vor¬ 
aus haben. Von den abdominalen bevorzugt er die supravaginale 
Amputation, ohne sie prinzipiell empfehlen zu wollen. Bezüglich 
der Technik empfiehlt er einen kleinen Längsschnitt mit Ablösung 
der Haut von der Fascie im Umkreise von ca. 2 cm. Dadurch 
ist fast nie ein Schnitt bis über den Nabel notwendig, da sich 
der Hautschuitt beliebig verschieben und der Fascienschnitt länger 
als der Hautschnitt anlegen läßt. Herausnahme der Tumoren in 
Kantenstellung, bei großen, den Zugang hemmenden Myomen Ein¬ 
stellung in die Bauchwunde und Enucleation großer Teile der Ge¬ 
schwulst in situs. Zusammenklemmen der Wundhöhlen zur provi¬ 
sorischen Blutstillung. Nach dem Vorwälzen der Tumoreu zunächst 
Abbinden der Lig. rotunda, dann Versorgung der Spermatica, Ab¬ 
schieben der Blase, Versorgung der uterina und tiefe Amputation 
des Uterus. Abbinden nur des senkrechten Astes der uterina, 
wodurch ein blutender, lebensfähiger Stumpf erzielt wird. 

Diese Methode hat sich besonders bewährt bei der Operation 
der intraligamentären bezw. subperitonealen Myome, die bekannt¬ 
lich wegen ihrer geringen Beweglichkeit und schweren Zugäng¬ 
lichkeit besondere Schwierigkeiten bieten und leicht zu Nebenver¬ 
letzungen, starken Blutungen und zur Entstehung großer Wund¬ 
höhlen führen. Dieselben gehen mehr oder weniger von der 
Cervix aus und zeigen eine dreifache Wachstumsrichtung: a) prae- 
cervikal: Ausgang von der vorderen Cervixwand. Die Blase 
wird vorgedrängt, die Cervix zurückgepreßt, der Uterus hochge¬ 
zogen. Gefährlich sind bei dieser Form besonders die Blasenver¬ 
letzungen. b) retrocervikal, noch schwerer als die vorigen. 
Cervix und Peritoneum werden hinten hochgezogen, der Uterus 
nach unten gedrängt; die Tumoren wühlen sich gewöhnlich tief 
in das Beckenbindegewebe ein und haben meist eine sehr fleischige 
stark blutende Kapsel, c) intraligamentär: seitliche Entwick¬ 
lung. Der Uterus ist absolut unbeweglich fest im kleinen Becken 
eingekeilt. Bei dieser Form bewährt sich besonders die Enuclea¬ 
tion in situ und die Abbindung der Lig. rotunda im Beginn der 
Operation. Meist sind die Tumoren mit Myomen am ganzen Uterus 
vergesellschaftet, doch kommen auch Fälle von rein ligamentärer Ent¬ 
wicklung vor. Die Operation kann bei solitären kleinen Tumoren 
leicht sein, ev. vaginal oder abdominal mit Querschnitt. Wichtig 
ist die Behandlung des Sackes, die in verschiedeuer Weise durch¬ 
geführt werden kann, mit Drainage nach oben oder nach unten, 
oder auch ohne Drainage. Sehr viel schwerer sind die Operationen 
der großen Tumoren im Lig. latum. Die Umschlagfalte des Peri¬ 
toneums ist weit nach oben verschoben, das Lig. infundibulo-pel- 
vicum bis zur Beckenwand entfaltet, das Mesocolon zur Bedeckung 
des Tumors auf gebraucht. Bei Verkennung dieser Topographie 
leicht Darmverletzungen möglich. Auch bei diesen Tumoren hat 
sich das oben beschriebene Vorgehen sehr bewährt. Acht Fälle, 
alle genesen. Beschreibung technischer Einzelheiten. 

Diskussion wird vertagt. 


Herr Hadra (als Gast): Ueber Beckenmessung (mit 
Demonstrationen am Projektionsapparat. 

Nach einem kurzen historischen Ueberblick über die zahl¬ 
reichen in alter und neuerer Zeit angegebenen Arten von Becken¬ 
meßinstrumenten demonstriert H. einen von ihm konstruierten, auf 
dem Prinzip der indirekten Beckenmessung beruhenden Becken¬ 
zirkel, der von Windler, Berlin, zum Preise von 30,00 M. ange¬ 
fertigt wird. 

Diskussion: Herr Olshausen, Herr Hadra. 

Verein für innere Medicin in Berlin. 

Sitzung vom 21. Januar 1907. 

Vor der Tagesordnung: 

Herr Hirschlaff stellt eine Frau mit Encephalitis acuta 
haemorrhagica nach Influenza vor. 

Tagesordnung: 

Herr Jellinek, Wien: Pathologie, Therapie und Pro¬ 
phylaxe der elektrischen Unfälle mit Demonstrationen. 

Die elektrischen Unfälle ereignen sich teils im elektrischen 
Betrieb, teils atmosphärisch (Blitzschlag). Der Blitz schädigt so¬ 
wohl durch Elektrizität (echte Wirkung), als auch durch Kompres¬ 
sion resp. Zerreißung von Gegenständen (falsche Blitzwirkung). 
Direkte Blitzwirkung ist das Getroffenwerden vom Blitz. Indirekte 
Blitzwirkung kann z. B. durch Bogenlampen oder Telephon ver¬ 
mittelt werden. Welcher Strom resp. Spannung ist gefährlich? 
Das hängt von vielen Faktoren ab, sowohl Stromverhältnissen als 
auch individuellen Eigenschaften. Wechselstrom ist nicht gefähr¬ 
licher als Gleichstrom. Es hängt auch davon ab, ob der Strom 
die Oberfläche antrifft oder ins Körperiunere dringt. Ferner 
kommt es an auf den Widerstand, der in der Haut liegt, und 
auf den Zustand des Bodens (stromgefährlicher und nicht gefähr¬ 
licher Boden). Baderäume sind sehr .stromgefährlich, auch spielt 
der somatische Zustand (Schlaf oder Wachen, Narkose etc.) eine 
große Rolle. 

Die Symptome sind lokale oder allgemeine. Die lokalen sind 
Verbrennungen aller Art, Erytheme, Metalliraprägnierungen etc. 
Sie brauchen nicht sofort sichtbar zu sein, treten erst zuweilen 
später auf und sind nicht nur Verbrennungen, sondern auch brand¬ 
artige Verletzungen. 

Auch die allgemeinen Symptome treten häufig erst spät auf. 
Vortr. beobachtete als solche progressive Paralyse, Lähmungen, 
trophoneurotische Störungen etc. 

Pathologisch-anatomisch sieht man makroskopisch dabei kaum 
Veränderungen, erst mikroskopisch zeigt das Zentralnervensystem 
schwere Gefäßzerreißungen, Zellzertrümmerungen etc. 

Die Ursache des elektrischen Todes ist noch strittig, wahr¬ 
scheinlich ist es ein Scheintod, der nur durch mangelhafte Hilfe¬ 
leistung tötlich endet, was durch vielfache Tierversuche gestützt 
wird. 

Die Diagnose ist zu stellen durch Beachtung der Haut Ver¬ 
änderungen, der Kleidung, der Anamnese. 

Prognose ist relativ günstig, doch sind die Spätsymptome zu 
beachten. 

Bei der Therapie empfiehlt Vortr. sofortige Lumbalpunktion. 

Die Prophylaxe soll bestehen in der Aufklärung über die 
Wirkungen des elektrischen Stromes, seiner Eigenschaften, sowie 
der Fernwirkungsmöglichkeiten. Carl Lewin. 

Aerztlicher Verein München. 

Sitzung am 12. Dezember 1906. 

1. Herr Klein stellt eine elfjährige, von Professor Schmitt 
operierte Patientin vor, die an Ectopia vesicae litt. Die 
Ureteren wurden mit gutem Erfolg in den Mastdarm eingepflanzt. 

2. Herr Alzheimer: Ueber die Indikationen zur Unter¬ 
brechung der Schwangerschaft bei Psychosen. 

Weder das manische depressive Irresein, noch die Dementia 
praecox, noch die progressive Paralyse, noch die Epilepsie und 
Hysterie geben Indikationen für die Unterbrechung der Schwanger¬ 
schaft ab. Eine solche ist jedoch bei Chorea gravidarum und 
Eklampsie gegeben, wenn es gilt, die Mutter vor dem sonst sicheren 
Tod zu retten. Niemals darf «ler Wunsch der Kranken oder ihrer 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


91 


Angehörigen den Arzt verleiten, von diesen Indikationen abzu¬ 
gehen. 

3. Herr Eversbusch: Nekrolog auf August von Itoth- 
mund. 

4. Herr Hengge: Implantation des menschlichen Eies 
im Uterus mit Demonstration eines jungen Eies. 

Das Ei stammte aus der ersten Hälfte der zweiten Schwanger¬ 
schaftswoche. 

Diskussion: Herr Nassauer: 20 Tage altes menschliches Ei. 
Sitzung vom 16. Januar 1907. 

1. Herr F. Craemer: Ueber die Einwirkung des 
Nikotins, des Kaffees und Tees auf die Verdauung. 

C. ist durch Erfahrung am eigenen Leib zu den vorliegenden 
Untersuchungen gekommen. Die Grenze, wo der Mißbrauch be¬ 
ginnt, zu ziehen,{ ist sehr schwer. Die Fälle von schweren Stö¬ 
rungen des Verdauungssystems (spastische Atnnie, Koliken etc.), 
bei denen nach Entziehung, vor allem des Nikotins, Gesundung 
eintritt, sind nicht selten. Von den einschlägigen Tierexperimenten 
anderer Autoren zählt C. nur diejenigen auf, welche die Verdau¬ 
ungsorgane betreffen. Er selbst hat Versuche mit Extrakten von 
Kaffee- und Teeaufgüssen, sowie mit Tabak-Rauchwasser vorge¬ 
nommen. In der Hauptsache zeigte sich im Reagensglas eine Ver¬ 
langsamung und Behinderung der Eiweißverdauung .durch Nikotin, 
Kaffee and Tee, sobald irgendwie größere Konzentrationen ge¬ 
nommen wurden, Bei ■ einer menschlichen Versuchsperson traten 
nach fortgesetztem Rauchen einer schweren Zigarre vor oder nach 
dem Essen motorische Insufficienz auf. 

2. Herr Grassmann: Ueber die Einwirkung des Niko¬ 
tins auf die Zirkulationsorgane. 

Vortragender kritisiert zunächst die einschlägigen Tierver¬ 
suche. Das Wichtigste ist die unzweifelhafte Erhöhung des Blut¬ 
druckes ähnlich der Wirkung des Adrenalins. Oft können die 
Vergiftungserscheinungen bei Rauchern erst nach Dezennien ganz 
plötzlich einsetzen. Es gibt scheinbar auch Perioden besserer und 
schlechterer Toleranz für Nikotin. Meist zeigen sich subjektive 
Beschwerden, objektiv ist gewöhnlich eine Vermehrung (aber auch 
Verminderung) der Pulsfrequenz,*Arythmie,^Extrasystole, Tabak¬ 
angina des Herzens zu erkennen. Es kommt auch zu Asthma 
cardiacum. In das gleiche Gebiet gehören auch die Beobachtungen 
von Erb und anderen*über das intermittierende Hinken. Gewisse 
Familien scheinen gegen Nikotin empfindlicher zu sein als andere. 
Frühes und starkes Rauchen scheint die Arteriosklerose, besonders 
der unteren Extremitäten, berbeizuführen. Ob die vorübergehenden 
Nikotinschädigungen auch zu Dauerschädigungen des Herzens führen 
können, ist fraglich. Albert Uffenheimer, München. 

Aerxtlicher Verein in Hamburg - 

Sitzung vom 22. Januar 1907. 

Vorsitzender: Herr Kümmel 1. 

I. Demonstrationen: 1. Herr Leasing stellt einen jungen 
Mann vor, dem er mit sehr gutem Erfolge einen durch Hufschlag 
erlittenen Schädeldefekt durch eine Celluloidplatte gedeckt 
hat. 2. Herr Ed. Arning spricht (über den Nachweis der 
Spirochaete pallida, wie er sich ihm als bester bewährt hat: 
die verdächtige Stelle wird zunächst mit Benzin oder Aether ge¬ 
reinigt, dann mit den Fingern komprimiert und mit einem „stumpf¬ 
scharfen“ Instrument usuriert; das austretende Serum wird darauf 
vorsichtig auf einen Objektträger gebracht und nach dem Trocknen 
mit Rona-Preislösung gefärbt. Zu beachten ist, daß das Prä¬ 
parat säurefrei sein muß. Wenn im Präparat die roten Blut¬ 
körperchen zertrümmert sind, ist es wertlos, da dann auch die 
zarten Spirochaeten zerstört sind; die Spirochaeten sind stets in 
der Nähe der roten Blutkörperchen zu suchen, ein Umstand, durch 
den die im Anfangsstadium der Lues auf tretende Anaemie viel¬ 
leicht zum Teil erklärt wird. Nur derlpositive Ausfall der Unter¬ 
suchung auf Spirochaeten ist beweisend. Vortr. konnte senon am 
dritten Tage nach Auftreten des Primäraffektes durch Spiroclmeten- 
nachweis eine sichere Lues diagnostizieren. 3. Herr Kümmel 1 
stellt einen Herrn vor, den er erfolgreich wegen eines im linken 
Hinterhauptlappen angenommenen und auch dort gefundenen Hirn¬ 
tumors operiert hatte. 4. Herr Hajenisch demonstriert das 
Röntgenbild eines außerordentlich großen Aortenaneurysmas, 
das klinisch nur sehr geringe Symptome gemacht hatte. 


II. Diskussion über den Vortrag des Herrn Deutschländer: 
Die Hyperaemiebehandlung der Knochen- und Gelenk¬ 
tuberkulose. Herr König (Altona) steht der Wirkung der 
Stauungshyperaemie hierbei sehr skeptisch gegenüber. Bei ober¬ 
flächlichen Prozessen hat er gute Erfolge gesehen, bei Knochen- 
und Gelenktuberkulosen dagegen erhofft er nicht viel von der 
Stauung; er glaubt auch, daß ein großer Teil der Deutschländer- 
schen Erfolge auf die übrigen therapeutischen Maßnahmen zurück¬ 
zuführen sind.'^Herr Kümmell wendet die Hyperaemie seit ca. 
15 Jahren an: er sieht in ihr kein Allheilmittel, möchte sie aber 
nicht aus dem Schatze der Therapie missen und glaubt, durch 
Kombination von Fixation, Injektion von Jodoform und Stauung 
gute Erfolge erzielen zu können. 

III. Vortrag des Herrn Goldammer: Chirurgische Er¬ 
fahrungen im Südwestafrikanischen Kriege. 

Nachdem Vortr. unter Vorzeigung zahlreicher photographi¬ 
scher Aufnahmen Land und Leute geschildert hatte, geht er auf 
Krankheiten, namentlich Typhus, ein und spricht über die Wund¬ 
behandlung in kriegschirurgischer Beziehung. Die guten Erfolge, 
die wir in diesem Punkte in Deutschsüdwest hatten, sind vor 
allen Dingen der trockenen Wundbehandlung zu danken. 

Schönewald. 


Standesfragen. 

Von Dr. M. Cohn (Berlin-Charlotteuburg). 

Aerztekammer für die Provinz Brandenburg: 
und'den Stadtkreis Berlin. 

Die Berlin-Brandenburgiscbe Aerztekammer hielt am 9. d. M. 
ihre erste diesjährige Sitzung ab. Der Vorsitzende gedachte in 
warmen Worten des Hinscheidens des langjährigen Mitgliedes 
Schöneberg und verlas dann ein Schreiben, das Excelleuz 
v. Bergmann als Ausdruck des Dankes für die ihm zu seinem 
siebzigsten Geburtstag ausgesprochenen Glückwünsche an die 
Kammer gerichtet hatte. 

Zu einer längeren Diskussion gab ein von der Aerzte¬ 
kammer Hannover überwiesener Antrag Veranlassung, der 
folgenden Wortlaut hatte: „In die Standesordnung aller preußischen 
Kammern möge ein Paragraph eingeschaltet werden, welcher 
ausspricht, daß die gute Standessitte es verlangt, daß ein Arzt 
seine Verträge" der Vertragskommission vorlegtund daß deren 
Nichtvorlegung eine Verletzung der guten Standessitten bedeute“. 
Es wurde darauf hingewiesen, daß unsere Kammer keine Standes¬ 
ordnung habe und eine solche auch nicht wünsche, daß fernerhin 
zur Wahrung der Staudessitten das Einschreiten des Ehrengerichtes 
völlig genüge; andererseits wurde nicht verkannt, daß von 
vielen Seiten die Vertragskommission völlig ignoriert würde, daß 
Verträge abgeschlossen würden, die durchaus ungehörig seien. Es 
wurde deshalb folgender Antrag angenommen: Die Aerztekammer 
erachtet es für die Pflicht jedes Arztes, Verträge, die er mit 
öffentlichen oder privaten Kassen oder ähnlichen zur Versorgung 
mit ärztlicher Hilfe dienenden Einrichtungen abschließt, der zu¬ 
ständigen Vertragskommission vorzulegen. 

Auf Antrag des Rechtsschutzvereins Berliner Aerzte war in 
einer früheren Sitzung beschlossen worden, für die jüngeren Kollegen 
eiu’Aufklär ung in wirtschaftlichen Rech tsf ragje n^zu ver¬ 
fassen. Der Vorstand gab die Erklärung ab, daß sich die Ab¬ 
fassung einer solchen Schrift nicht habe ermöglichen lassen, daß 
sie sich aber auch erübrige, da durch die soeben erschienene neue 
Auflage des Kommentars zur ärztlichen Gebührenordnung von 
Joachim für eine genügende Belehrung gesorgt sei. 

Nunmehr wandte sich die Beratung den Hauptgegenständeu 
der Tagesordnung, dem Kassenbericht für 1906 und dem Eta t 
für 1907 zu. In Vertretung des erkrankten langjährigen Kassen¬ 
führers Saatz referierte S. Alexander. Die Einnahmen und 
Ausgaben für 1906 balanzicrcn mit 92976 M., der Voranschlag 
pro 1907 umfaßt eine Summe von 104 416 M. Davon erhält die 
Unterstützungskasse der Aerztekammer M. 50 000,wahrend einem 
neu zu bildenden Reservefonds M. 10 000 zugeführt werden. Die 
Venvaltungskosteu erhöhen sich infolge Mehrzahlung an die Beamten, 


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92 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Nr. 8. 


die Kosten der Ehrengerichte dnrch Erhöhung der Bezüge der 
richterlichen Mitglieder; im ganzen betragen die Kosten der Ehren¬ 
gerichte M. 16 300. Der Beitrag an das Zentralkomitee für das 
ärztliche Fortbildungswesen wird auf M. 1500 erhöht, nachdem 
Schreiber dieser Zeilen auf die Vortrefflichkeit der Kurse hinge¬ 
wiesen und einige Wünsche bezüglich des Ausbaus derselben zum 
Vortrag gebracht hatte. Zur weiteren Förderung einer bald zu 
eröffnenden Bibliothek werden M. 500, für die deutsche Gesell¬ 
schaft zur Bekämpfung der Kurpfuscherei M. 300 bewilligt. 
Schließlich werden noch folgende Beschlüsse gefaßt: a) den Vor¬ 
stand zu ermächtigen, die Mitteilungen der Eingänge an die Aerzte 
des Kammerbezirks in Form einer periodischen Beilage zu der Berliner 
Aerztekorrespondenz zu bewirken; b) eine Grundgebühr von zehn 
Mark von jedem wahlberechtigten Arzt des Kassenbezirks • c) ein 
Zuschlag von 5% des Staatseinkommensteueranschlages vom Jahre 
1906 von denjenigen Aerzten des Kammerbezirks, deren besteuerungs¬ 
pflichtiges Gesamteinkommen mehr als 5000 M. beträgt, zu erheben. 

Eine Mitteilung der Aerztekammer Hessen-Nassau 
führte aus, daß die Schiedsgerichte für Arbeiterver¬ 
sicherung zwar gehalten sind, vor der Wahl ihrer Vertrauens¬ 
ärzte den zuständigen Aerztekammervorstand um Vorschläge zu er¬ 
suchen, daß sie aber nicht nur bisweilen dessen Vorschläge nicht 
annehmen, sondern sogar in einem Falle einen Arzt gewählt haben, 
der vom Aerztekammervorstand ausdrücklich als ungeeignet be¬ 
zeichnet war. Mugdan, der über die Angelegenheit referierte, 
führte aus, daß durch solches Vorgehen sehr leicht das Vertrauen 
der Versicherten zu den Aerzten erschüttert werden könne und 
daß dasselbe auch der ministeriellen Verfügung widerspreche. 
Er beantragte, dies in einer Resolution zum Ausdruck zu bringen, 
was auch geschah. 

Der Vorsitzende Becher gab dann einen Bericht über die 
Tätigkeit des Ehrengerichts im abgelaufenen Jahre, aus dem 
hervorging, daß dasselbe^ wie stets ganz außerordentlich stark in 
Anspruch genommen war. 

Es folgte nunmehr der^Bericht einer Kommission, welche die 
Kammer im vorigen’iJahre^.mit der Prüfung der Ergebnisse 
der ärtzlichen Ehre ngerich tsbarkeit betraut hatte. Dieselbe 
hatte sich sowohl mit den formellen wie'mit den materiellen Uebel- 
ständen, die sich bei der Ausübung der ärztlichen Ehrengerichts¬ 
barkeit ergeben haben, befaßUhmd kam in einem umfangreichen, 
von K'ossraann vorgetragenen Referate zu einem recht vernich¬ 
tenden* Urteile über den Nutzen, den das Ehrengerichtsgesetz der 
Aerzte gebracht hat. Ganz besonders wurden auch die bisher ver¬ 
öffentlichten Urteile des Ehrengerichtshofes beleuchtet und gezeigt, 
daß dieselben ganz außerordentlich bedauerliche allgemeine Schlu߬ 
forderungen ziehen, die geeignet erscheinen, die ärztliche Freiheit 
schwer zu beeinträchtigen. Die Diskussion über das Referat und 
die Vorschläge der Kommission wurde vertagt. 

Schließlich* berichtete noch Windeis über eine Anfrage der 
physikalisch-technischen Reichsanstalt betreffend den eventuellen 
Erlaß einer Verordnung, nach welcher von einem bestimmten Zeit¬ 
punkt ab ein Prüfungszwang für Fieberthermometer eingeführt 
werden soll. Nach kurzer Debatte^wird beschlossen, daß die Ein¬ 
führung amtlich geprüfter Thermometer nur für Aerzte in amtlichen 
Stellungenund öffentlichen Kranken- und Heilanstalten gefordert 
werden solle. 


Periodische Literatur. 

Berliner klinische Wochenschrift. No. 2. 1907. 

Johannes Orth zu seinem^60. Geburtstage gewidmet. 

1. Kaiserling: Beitrag zur Wirkung intravenöser Supra- 
renininjektionen auf die Kaninchenaorta. 

Bei den differierenden Resultaten der verschiedenen Forscher 
bezüglich der experimentell durch Nebennierenextraktinjektionen 
zu erzeugenden Aortenveränderungen hat Verf. selbst Versuche 
angestellt. Dieselben hatten insofern ein einheitliches Ergebnis, 
als stets eine Schädigung des rechten Herzens, eine Art Insuffi- 
cienz seiner Muskulatur und eine venöse Hyperaemie erzielt wurde. 


In der Aorta fand sich meist eine Erweiterung und Verdünnung 
des ganzen Gewisses; dagegen keine der von anderen Autoren be¬ 
schriebenen Veränderungen: auch mikroskopisch war nichts von 
Nekrosen oder Verkalkungen zu finden, weder an der Intima noch 
an der Media, weder an den elastischen noch an den muskulären 
Elementen; noch weniger waren Prozesse produktiver Art nach¬ 
weisbar, welche denen bei menschlicher Sklerose, Atheromatose 
und Ossifikation der Arterien auch nur entfernt geähnelt hätten. 

2. Beitzke: Ueber den Verlauf der Impftuberkulose beim 
Meerschweinchen. 

Weleminsky hatte bei Tuberkulose-Impfversuchen gefunden 
dass bei Infektion von einer beliebigen Stelle aus zunächst die 
regionären, dann die auf dem Wege zu den Bronchialdrüsen liegen¬ 
den Lymphdrüsen und schliesslich die Bronchialdrüsen selbst er¬ 
kranken, und daraus geschlossen, dass die tuberkulöse Infektion 
diese Bahn verfolge, dass die bronchialen Lymphdrüsen nicht etwa 
nur die regionären Drüsen für Bronchien und Lungen seien, 
sondern direkt eine Art Herz, in welches die Lymphgefässe von 
allen Seiten einmünden, um erst von hier ihren Weg in die Blut- 
bahn^zu nehmen. Auf grund eigener Experimente und anatomischer 
Untersuchungen legt B. dar, dass die Weleminsky sehen Schluss¬ 
folgerungen ni<jht zu Recht bestehen, dass seine Versuche weder 
die bisherigen Kenntnisse von der normalen Anatomie des Lymph- 
gefässsysteras umstossen können, noch die ausschliesslich lympho- 
gene Entstehung der Bronchialdrüsentuberkulose beweisen. Wenn 
die Tuberkelbazillen vom Orte der Infektion aus in die Lymph- 
bahn geraten und auf dieser weiterschreiten, so gelangen sie alle¬ 
mal durch deu Ductus thoracicus bezw. die Trunci lymphatici und 
das Blut in Lungen und Bronchialdrüsen, sofern nicht diese selbst 
etwa der erste Angriffspunkt sind. 

3. Davidsohn: Ueber muskuläre Lungenoirrhose. 

Bei einem Manne, der an einer länger dauernden Lungenent¬ 
zündung unbekannten Charakters gestorben war, fand D. bei der 
Autopsie eine eigenartige Fleisohähnlichkeit der Lunge, die ihn 
schon nach dem makroskopischen Bilde die Diagnose Carnifikatiou 
stellen Hess. Die mikroskopische Untersuchung ergab nun das 
merkwürdige Resultat, dass die Carnifikatiou wirklich durch Muskel¬ 
substanz zu stände gekommen war; zwischen fibrösen Septen liegen, 
vergleichbar den Bündeln quergeschnittener Ringmuskulatur des 
Darmes, haufenweise Bündel glatter Muskelfasern, die kreuz und 
quer ohne bestimmte Richtung, ähnlich der Muskelfasern im Uterus- 
Myom, verlaufen. Wahrscheinlich sind die Muskelbündel aus ein¬ 
zelnen, präexistierenden Fasern durch Teilung und Proliferatiou 
entstanden: was die Wucherung gerade dieser Fasern angeregt 
hat, lässt sich nicht sagen. An Stelle der interstitiellen Bindege¬ 
websneubildung, wie sie öfters nach entzündlichen Prozessen in 
der Lunge und in andern Organen beobachtet wird, ist hier eine 
mit Muskelfasern reichlich durchsetzte, stellenweise nur aus solchen 
bestehende interstitielle Wucherung aufgetreten, eine Art musku¬ 
lärer Narbenbildung am Orte^ zu gründe gegangenen Lungenpa¬ 
renchyms. 

4. Rabinowitsch: Zur Frage latenter Tuberkelbazillen. 

5 Jahre vor der Entdeckung des Tuberkelbazillus hat Orth 
nachgewiesen, dass Lymphdrüsen, die bei der makroskopischen 
Untersuchung völlig gesund und nicht vergrössert erscheinen, sich 
bei mikroskopischer Untersuchung doch als tuberkulös verändert 
erweisen können. Durch die Entdeckung des Tuberkelbazillus 
liess sich die Erkenntnis einer Latenz der Tuberkulose wesent¬ 
lich erweitern und verfeinern; mittels der spezifischen Färbung, 
durch Kultur und Impfversuch kann man sich von der Latenz der 
Tuberkolbazillen auch da überzeugen, wo in den betreffenden 
Organen noch gar keine pathologischen Veränderungen oder wenig¬ 
stens keine mikroskopisch sichtbaren vorhanden sind. Zahlreiche 
entsprechende Untersuchungen sind angestellt worden und haben 
ergeben, dass die Latenz virulenter Tuberkelbazillen in Lymphdrüsen, 
die noch keine nachweisbaren pathologischen Veränderungen zeigen, 
beim Menschen, und zumal bei Kindern, als eine nicht zu seltene 
Erscheinung zu bezeichnen ist. Eine weitere wichtige Frage be¬ 
züglich des Latenzstadiums der Tuberkelbazillen ist die nach der 
Virulenz, ob die lediglich durch deu Tierversuch nachweisbaren 
Bazillen in ihrer Virulenz abgeschwächt sind, oder ob sie die deu 


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1907. 


MEDICINISCHE WOCHE. 


93 


Tubeikttlbtuillen meuscblicLer oder tierischer Provenienz eigene 
Virulenz besitzen. Mit Material von einem an Bronchopneumonie 
verstorbenen Kinde und von verkalkten Lymphdriisen Erwachsener 
hat R. Kulturversuche in dieser Richtung angestellt und gefunden, 
dass in den Fällen latenter Tuberkelbazillenbefunde Kulturen ge¬ 
wonnen wurden, deren Virulenz keineswegs hinter derjenigen zu- 
riicksteht, welche aus Sputum, Lungen- und Miliartuberkulose ge¬ 
züchtete Stämme im allgemeinen aufzuweisen pflegeu. Besonderes 
Interesse beansprucht die Latenz vollvirulenter Tuberkelbazillen 
in vollkommen verkalkten Bronchial- und Mesenterialdrüseu. So¬ 
lange die Bazillen noch durch den Impfversuch nachweisbar sind, , 
dürfen solche Prozesse nicht als vollständig ausgeheilt betrachtet 
werden, im Gegenteil bilden dieselben nicht so selten den Aus¬ 
gangspunkt für neue, mehr ausgedehnte Formen der Tuberkulose. 
Das Latenzstadium, in dem die pathogenen Eigenschaften und die 
Virulenz der Tuberkelbazillen im tierischen Organismus lauge Zeit 
völlig erhalten bleiben können, ist von grösster praktischer Be¬ 
deutung, als eben die Tuberkelbazillen in demselben ein schein¬ 
bar unschädliches und völlig unerkanntes Dasein fristen, um jeder¬ 
zeit im geeigneten Augenblick aufs neue zu verderblicher krank¬ 
heitserregender Wirkung hervorzubrechen. 

5. Bickel: Ueber experimentell erzengten Meteorismus. 

Gelegentlich von Zuckerinjektionsversuchen bemerkte B. bei 
den Versuchstieren (Hunden) eigenartige Auftreibung des Ab¬ 
domens, die sich nach dem Perkussionsergebnis als Meteorismus 
erwies. Bei der Sektion zeigten sich Magen und Darm stark ge¬ 
bläht, Hessen auf Anstechen reichlich Gas entweichen. Bei Injek¬ 
tionsversuchen mit Kochsalzlösungen entstand ein solcher Meteoris¬ 
mus nicht. Ausbleiben des Meteorismus nach Zuckerinjektionen, 
wenn vorher dem Tier der Oesophagus unterbunden war, bewies, 
dass bei der Entstehung dieses experimentellen Meteorismus die 
durch den Oesophagus in den Verdauungskanal eindringende Luft 
eine wesentliche Rolle spielt. Wieweit eine Störung der Resorp¬ 
tion der Gase seitens der Wand des Magens und Darmes und 
wieweit die Lähmung der Muskulatur dabei mitspielen, muss da¬ 
hingestellt bleiben. 

6. Schloss, Wiesbaden: Ist die Konzentration des reflek¬ 
torisch abgeschiedenen Magenfundussekrets abhängig von der 
Konzentration in den Magen eingefilhrter Lösungen? 

BezügUch der Veränderungen in der molikularen Konzentra¬ 
tion von Lösungen, welche diese während ihrer Verweildauer im 
Magen erleiden, finden sich in der Literatur Angaben, dass blut- 
resp. gastrohypertonische Lösungen verdünnt werden und blut- resp. 
«astrohypotonische Lösungen entweder noch mehr hypotonisch 
werden oder gleich bleiben oder nur wenig ansteigen. Verf. hat 
untersucht, ob hierbei das spezifische Verdauungssekret eine Rolle 
spielen kann. Zum Objekt der Untersuchungen wurde das Sekret 
aus dem Fundusteil des Magens eines Hundes genommen, dem 
nach Pawlow ein Magenblindsack angelegt war. Die Versuche 
ergaben, dass die Konzentration des von diesem abgeschiedenen 
Sekrets ganz unabhängig ist von der Konzentration der eingeführ¬ 
ten Lösungen. Danach ist es ausgeschlossen, dass das reflektorisch 
von der Fundusschleimhaut abgeschiedene Sekret die Veränderungen, 
die Lösungen im Magen erleiden, unmittelbar bestimmt. 

7. Pewsner, Moskau. Znr Frage der Schleimabsonderung 
im Magen. 

Nicht abgeschlossen. 

8. Pincussohn: Zur Kenntnis des Pellotins. 

Das Pellotin ist ein Kakteenalkaloid. Die pharmakologische 
Wirkung auf Kaltblüter wurde an Fröschen und Schildkröten ge¬ 
prüft. Einige Tropfen der Giftlösung (1 : 250) auf das Herz ge¬ 
träufelt, lässt die normale Herzkurve durch eine Bradycardie er¬ 
setzt werden; dieselbe steigert sich bei Aufgiessen grösserer Mengen 
und führt unter Abnahme der Herztätigkeit nach einer Stunde zum 
Herzstillstand. Die Wirkung auf das Säugetierherz entspricht zu¬ 
nächst mit dem Einsetzen einer Bradycardie der auf die Kalt¬ 
blüter; giesst man aber mehr der Lösung auf das Warmblüterherz, 
so tritt unter äusserst heftigen krampfartigen Erscheinungen der 
Exitus ein. 


9. Wohlgemuth: Untersuchungen über das Pankreas der 
Menschen. II. Einfluss der Zusammensetzung der Nahrang auf 
die Saftmenge und die Fermentkonzentration. 

Die Untersuchungen wurden an einem jungen Manne ange¬ 
stellt, bei dem eine Pankreasfistel nach einer Pankreasruptur zu¬ 
rückgeblieben war. Die vom Pankreas abgesonderte Saftmenge 
wurde wesentlich beeinflusst durch die Zusammensetzung der 
Nahrung. Erhielt der Patient vorwiegend Fett in Gestalt von 
Sahne und Milch, so versiegte förmlich der Saftfluss, nach Fleisch 
stieg er etwas an, nach Kohlehydraten ergoss sich ein förmlicher 
Strom aus der Fistel. Bezüglich der Konzentration des Saftes er¬ 
gab sich, dass der Fettsaft den stärksten Gehalt an sämtlichen 
drei Pankreasfermenten, Diastase, Lipase, Trypsin, aufwies, der 
Kohlehydratsaft den schwächsten, während der Eiweisssaft in der 
Mitte stand; je weniger Saft also produziert wird, umso konzen¬ 
trierter bezüglich des Fermentgehaltes ist er, je mehr, desto ärmer 
an Fermenten. Bezüglich der Wirkung von Salzsäure und Alkali 
auf die Pankreassekretion ergab sich Anregung der Sekretion durch 
erstere, Hemmung durch letzteres. Bei Bestehen einer Pankreas¬ 
fistel hat man es danach ganz in der Hand, durch entsprechende 
Diät den Saftfluss einzuschränken oder ihn zu fördern. Hemmend 
wirkt eine Eiweiss , besonders aber eine Fettdiät, während Kohle¬ 
hydrate eine starke Sekretion hervorrufen. Es empfiehlt sich des¬ 
halb, bei Pankreasfisteln eine streng antidiabetische Kost, d. h. viel 
Fett und Eiweiss unter absoluter Vermeidung von Kohlehydraten. 
Unterstützen kann man die Einschränkung der Sekretion noch 
durch häufige Verabfolgung mäßiger Mengen von Natrium bicar- 
bonicum. Um Ersatz für den nach aussen abfliessenden Pankreas¬ 
saft zu schaffen, kann man nebenbei noch Pankeron geben. 

10. Salkowski: Znr Kenntnis der Chylnrie. 

Die Untersuchungen wurden an gestellt bei einem Fall von 
transitorischer Chylurie; die Entleerung des milchigen Harnes aus 
der Urethra und cystopisch auch aus dem einen Urether wurde 
klinisch festgestellt. Die untersuchten Harnportionen zeigten sämt¬ 
lich das Aussehen dünner Milch, enthielten Fett, Eiweiss, keine 
Albumosen. Besonderes Interesse bot die erste, zur Untersuchung 
gekommene Urinportion. In der Annahme, dass der Patient viel¬ 
leicht Milch in seinen Urin gegossen, untersuchte S. auf Kasein, 
und fand auch einen als Kasein anzusprechenden Körper; dagegen 
konnte er keinen Milchzucker nach weisen. In den weiteren milchi¬ 
gen Harnportionen war der kaseinartige Eiweisskörper nicht mehr 
zu finden; seine Herkunft bleibt danach unklar. Bezüglich des 
Fettgehaltes des Urins liess sich zeigen, dass nach Einnahme von 
Leberthran der Fettgehalt auf das siebenfache stieg; und zwar 
liess sich das im Urin auftretende Fett als Leberthran identifi¬ 
zieren, wodurch bewiesen ist, dass der Leberthran resorbiert, in 
den Chylus und von da in den Urin übergegangen ist. 

11. Neuberg und Rosenberg: Lypolyse, Agglutination 
und Haemolyse. 

Untersuchungen über die fettspaltende Wirkung der Schlangen¬ 
gifte, Cobra-, Mocassin-, Crotalusgift, und zwar der nicht weiter 
fraktionierten Drüsensekrete, ergaben eine bedeutende Spaltung 
des Lecithins, eine geringere Verseifung der wahren Fette, Rici¬ 
nus-, Olivenöl. Versuche mit pflanzlichen Agglutininen, Ricin, 
Crotin, erwiesen auch diese als stark lipolytiscb. 

Deutsche med. Wochenschrift. Nr. 3 1906. 

1. Deycke Pascha und Reschad B jy, Konstantinopel: Ein 
bakterielles Fett als immunisierende Substanz bei der Lepra, 
seine theoretische Bedeutung und praktische Verwendung. 

In Nr. 13 und 14, 1905, d. W. haben Verff. über Versuche 
berichtet, nach denen Injektionen lebender Kulturen einer Strepto- 
thrixart, die sie aus einöm schweren Leprafall rein gezüchtet hatten, 
bei diesem und anderen Leprakranken eine weitgehende Besserung 
und Rückbildung lepröser Symptome, wobei sich bakterioskopisch 
und histologisch ein vernichtender Einfluss auf die Lepraerreger 
nicht verkennen liess, herbeigeführt haben. Der theoretischen 
Frage nach der Erklärung dieser Ergebnisse und der praktischen 
nach der Nutzbarmachung zum Zwecke einer aussichtsreichen 
Leprabehandlung haben Verff. seitdem intensivste Studien gewidmet. 
| Als bester Nährboden, der die Züchtung in hinreichend grossen 


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94 


MEDICINISCHE WOCHE. 


Massen erlaubt, erwies sich die Milch, und zwar die nicht ent¬ 
rahmte Fettmilch. Die Wirkungen der Injektionen lebender Bouillon¬ 
kulturen, die das Ausgangsmatorial gebildet hatten, differierten 
im höchsten Grade: stürmische Allgeraeinreaktion mit starker elek- 
tiver Schwellung des leprösen Gewebes, der die Rückbildung folgte; 
Allgemeinerscheinungen ohne Beeinflussung der leprösen Partien; 
Rückbildung der Leprome ohne allgemeine Reaktionen; starke 
lokale Reizerscheinungen an der Injektionsstelle; völlig negativer 
Einfluss. Nachdem sich hatte eruieren lassen, dass die Wirkungen 
nicht an die Kulturflüssigkeit, die Bouillon, gebunden war, sondei n 
an die Kulturmasse, d. h. au die Bakterienleiber, verdichteten sich 
durch weitere klinische histologische, bakteriologische Untersuch¬ 
ungen die Vorstellungen dahin, dass einmal die Lepraerreger ihren 
Parasitismus hauptsächlich und in erster Linie der sie imprägnie¬ 
renden und säurefestmachenden Fettsubstanz verdanken, und dass 
andererseits die durch die Injektionen bewirkten Rückbildungsvor¬ 
gänge in irgend einer Weise mit dieser Substanz in ursächlichem 
Zusammenhang stehen müssen. Die mühsamen Untersuchungen 
zur Isolierung und zum Studium des Fettkörpers in den Massen¬ 
kulturen der Streptothricheen werden eingehend geschildert. Eine 
durch Aetherextraktion gewonnene Fettmasse ergab differierende, 
verwirrende Injektionswirkungen; erst durch fraktionierte Extrak¬ 
tion Hess sich das reine Bakterien fett gewinnen; aber die Injek¬ 
tionsergebnisse mit diesem zeigten, dass für die klinischen Wirk¬ 
ungen am leprakranken Menschen nicht das gesamte Bakterienfett, 
sondern nur ein bestimmter Anteil desselben verantwortlich zu 
machen ist; schliesslich gelang auch die Isolierung dieses Körpers 
und seine chemische Bestimmung, nach der er sich nicht als ein 
echtes Wachs, wie längere Zeit angenommen wurde, sondern als 
echtes Fett, als ein Esther des Glycerins, erwies. Dieser chemisch 
wohldefinierte, krystallisierbare Fettkörper, von den Verff. wegen 
seines festen, dichten Gefüges „Nastin“ genannt, ist es, der den 
damit imprägnierten Bakterien die ungemeine Resistenz gegen 
äussere, zumal chemische Einflüsse verleiht; er ist auch das klinisch 
aktive Agens. Die scheinbare Regellosigkeit der wechselvollen 
Erscheinungen bei den Injektionen mit lebendem Kulturmaterinl, 
sowie bei Anwendung der* unreinen Fettsubstanzen wird jetzt er¬ 
klärlich: die typischon Kulturen erwiesen sich wirksam, weil sie 
reich an Nastin sind, die Bouillonfiltrate dieser Kulturen waren 
unwirksam, weil kein Nastin aus den intakten Bakterienleibern 
in die Nährflüssigkeit überging; Filtrate atypischer Kulturen ent¬ 
falteten öfters gute Wirkungen, weil gewisse Nastinmengen aus 
den ausgelaugten fädigen Gebilden der Streptotricheen in die 
Bouillon übertreten. Besonders wichtig sind die Untersuchungs¬ 
ergebnisse bezgl. der Ursachen der Allgemeinreaktionen. Diese 
sind auf Rechnung der Eiweisskörper der Bazillenleiber zu setzen. 
Die Injektion von aus den Bazillen gewonnen Proteinen führte 
stets zu Fiebersteigerungen, subjektivem Krankheitsgefühl, rheuma¬ 
toiden Schmerzen; bei reinen Proteininjektionen waren die Schädig¬ 
ungen nie von langer Dauer; aber^in keinem Falle wurde irgend 
ein günstiger Einfluss von solchen Injektionen gesehen. Was nun 
die länger dauernden Allgemeinerscheinungen, die sich an die In¬ 
jektionen mit lebendem Kulturmaterial und auch den Fettsubstanzen 
oft anschlossen, und die klinisch ähnliche Erscheinungen machten 
wie die Proteininjektionen, anbetrifft, so sind sie auch durch bazil¬ 
läre Eiweisskörper bedingt; aber es handelt sich hier nicht um 
die unmittelbare Wirkung eingespritzter Stoffe, sondern um eine 
mittelbar sekundäre Folge der Injektionen. Die Wirkung dieser 
äussert sich im Sinne einer energischen Bakteriolyse, und die 
Resorption der aus den in Massen zerfallenden Leprabazillen frei¬ 
werdenden Eiweissstoffe bedingt die Allgemeinerscheinungen. 

Zur Beantwortung der Frage, was das eigentliche Wesen der 
Nastinbehandlung ist, ist die Hypothese anzunehmen, dass der 
Leprabazillus, dessen echte parasitäre Form noch nicht gezüchtet 
ist, eine dem Nastin gleiche oder biologisch nahestehende Fett¬ 
substanz enthält, dem er die chemische Resistenz gegenüber den 
Angriffsstoffen des menschlichen Körpers verdankt. Ist diese An¬ 
nahme richtig, dann bedeuten die Nastininjektionen nichts anderes 
als eine aktive Immunisierung gegen eben diese resistente Fett¬ 
substanz, mit der der Leprabazillus imprägniert ist, und auf der 
seine Pathogenität beruht. Das Nastin ist also im gründe kein 
Heilmittel, sondern müsste seine Hauptwirksamkeit als Präventions- , 
mittel entfalten; seine eigentliche Indikation wäre die Anwendung | 


Nr 8 . 


in grossem Maßstabe zur Verhütung weiterer Leprainjektionen in*| 
leprabedrohten Ländern, Familien etc. Wenn das Nastin alsl 
reines Immunisierungsmittel trotzdem auch auf leprakranke Menschen l 
einen günstigen Einfluss auszuüben vermag, so liegt das an der * 
besonderen Eigenart dieser Krankheit. Bei den anderen akuten *; 
und chronischen Infektionskrankheiten ist der Organismus durch ; 
spezifische Toxine oder toxische Zerfallsprodukte der Erreger meist 
derart in seiner Reaktionsfähigkeit geschwächt, dass er auf aktive 
Immunisation nicht oder nur ungenügend mit der Bildung von 
Antikörpern reagieren kann; die Immunisation nach Ausbruch der 
Krankheitssymptome kommt zu spät, wird event. schädlich durch 
Auf brauch der letzten Reservekräfte des kranken Körpers. Anders 
bei der Lepra; hier bleibt der Allgemeinzustand oft jahrelang un¬ 
beeinflusst, der Körper ist in seiner Reaktionsfähigkeit nicht herab¬ 
gesetzt; in diesem Stadium ist eine Immunisation möglich. Ueber 
die Art der chemischen Körper, die sich im Anschluss an die 
Nastininjektionen bilden, ist bestimmtes noch nicht auszusagen; 
wahrscheinlich handelt es sich um fettspaltende Fermente, uni 
Lipasen. 

Versuche, auch bei anderen säurefesten Bakterien, zumal bei 
den Tuberkelbazillen, eine dem Nastin analoge Fettsubstanz dar¬ 
zustellen, haben Verff. angestellt, sind aber noch zu keinen defini¬ 
tiven Resultaten gekommen. Immerhin erscheint es höchst wahr¬ 
scheinlich , dass auch die Tuberkelbazillen feste Neutralfette in 
sich schliessen, obwohl deren Isolierung als solche, d. li. unverseift, 
sowie ihre Trennung von verseifbaren Fettalkoholen noch nicht 
gelungen ist. Nastininjektionen bei Tuberkulösen führten zu einer 
deutlichen Reaktion und Hessen auch an den Bazillen des Sputums 
deutliche bakteriolytische und phagocytische Prozesse erkennen; 
eine objektive Besserung des Krankenbildes war aber nur selten 
zu beobachten; eher war die Wirkung der Injektionen eine schäd¬ 
liche. Das erklärt # sich aus der Pathogenese der Tuberkulose. 
Im Gegensatz zur Lepra werden bei dieser durch die Bakteriolyse 
ganz exquisit toxische Produkte des Bazillenleibes frei, welche 
ihrerseits die Reaktionsfähigkeit des kranken Körpers beeinflussen, 
eine etwa beginnende Immunisierung im Keime ersticken und event. 
sogar durch Paralisierung der noch vorhandenen Schutzkräfte des 
Organismus das Weiterumsichgreifen des tuberkulösen Prozesses 
begünstigen. Die Frage, ob Nastin sich eignet, gesunde Menschen 
gegen Tuberkuloseinfektion zu schützen, verdient eine eingehende 
Prüfung, da Meerschweinchen und Kaninchen mit wenigen Nastin¬ 
injektionen gegen grosse Mengen lebender virulenter Tuberkel¬ 
bazillen zu immunisieren sind, und da Nastin für gesunde Tiere 
und Menschen absolut indifferent ist. 

Der Gang der immunisierenden Nastin-Leprabehandlung ist 
folgender. Das Nastin wird in sterilisiertem Olivenöl gelöst. 
Von einer l%igen Nastinlösung, die bei geeigneter Behandlung 
fast unbeschränkt haltbar scheint, wird zunächst eine halbe Pravaz- 
spritze (= 0,005) gegeben, nach einer Woche die gleiche Dosis 
und so fort, bis man nach einiger Zeit bei glattem Verlauf zu 
ganzen Spritzen (= 0,01) alle fünf bis sechs Tage übergehen kann. 
Stärkere Allgemeinreaktionen sollen nach Möglichkeit vermieden 
werden. Ernstliche Reaktionserscheinungen an den leprösen Stellen 
(einfache breiige Erweichung, oedematöse Schwellung und Durch¬ 
tränkung, richtige aseptische Eiterung, typische Nekrose) soll man 
ablaufen lassen, bevor man die Injektionen wieder aufnimmt. 

Das, was sich mit der neuen Nastinbehandlung bei der Lepra 
erreichen lässt, fassen Verff. dahin zusammen, dass schwerste Lepra¬ 
fälle, zumal mit Komplikationen innerer Organe, nicht zu beein¬ 
flussen sind, solche sind unrettbar verloren; schwere Fälle werden 
sich wesentlich nur selten bessern lassen, dagegen gelingt es, bei 
vorsichtiger Dosierung des Mittels ein Schlimmerwerden des Krank¬ 
heitsprozesses wenigstens aufzuhalten oder ganz zu verhindern; 
bei mittelschwereren und leichten Fällen ist der lepröse Prozess 
fast immer zum Stillstand zu bringen; im allgemeinen wird man 
auch ein mehr oder weniger bedeutendes Zurückgehen der leprösen 
Symptome erzielen können, in einzelnen Fällen lässt sich ein schein¬ 
bar völliges Verschwinden der äusserlich sichtbaren leprösen Pr